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Urteile 2017/18

Aktenzeichen: 00086-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Roßmann

Verfahren gegen Trainer Z

Urteil:

I. Trainer und Mannschaftsverantwortlicher Z wird gemäß §§ 89 I, 77 II, 48 V RVO wegen falscher Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung und unzulässigen Spielereinsatzes in Tatmehrheit zu einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 400,00 € unter Mithaftung des U verurteilt.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Betroffene Z unter Mithaftung des U.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.


Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, am 22.04.2018 vor Beginn des C-Juniorinnen-Spiels U gegen F im elektronischen Spielberichtsbogen den Namen der tatsächlich anfänglich im Spiel eingesetzten Spielerin S bewusst gelöscht und durch den Namen einer anderen Spielerin ersetzt zu haben.
Die Spielerin S soll während der ersten Halbzeit beim C- Juniorinnen-Spiel gegen F und am gleichen Tag beim zeitlich später angepfiffenen B-Juniorinnen-Spiel gegen Ü ab der 9. Spielminute zum Einsatz gekommen sein.
Diesen Sachverhalt zeigte der Verein Ü an, der am 22.04.2018 ein B-Juniorinnen-Spiel gegen U bestritt, in welchem unbestritten die Spielerin S ab der 9. Spielminute zum Einsatz kam unter dem Verweis, dass es sich dort um einen unzulässigen Einsatz handeln würde.
Das JSG Oberbayern 1 eröffnete hierauf Verfahren wegen Verstoßes gegen § 77 RVO. Die Bestrafung des Vereins sowie des Trainers und Mannschaftsverantwortlichen erfolgte in eigenständigen Urteilen, siehe Urteil 00311-17/18-JSG Obb. 1 und 00312-17/18-JSG Obb. 2.
Das JSG Obb. 1 eröffnete ferner bzgl. des C-Juniorinnenspiels U. gegen F ein Verfahren gegen den Trainer und Mannschaftsverantwortlichen Z wegen Verstoßes gegen § 89 II RVO. Auf die Aufforderung zur Stellungnahme vom 06.05.2018 räumte der Betroffene am 07.05.2018 ein, einen dummen Fehler gemacht zu haben, den er aufrichtig bereue. Das Verfahren wurde mit Beschluss vom 23.05.2018 zuständigkeitshalber an das Verbands-Sportgericht abgegeben.

2. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1 a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Frage kommt.

3. Der Trainer und Mannschaftsverantwortliche Z war wegen falscher Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung und unzulässigen Spielereinsatzes in Tatmehrheit gem. §§ 89 Abs. 1 Satz 1, 77 Abs. 2, 48 Abs. 5 RVO mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 400,00 € unter Mithaftung des U zu belegen.
Der Sachverhalt steht aufgrund der Anzeige von Ü und der Einlassung des Betroffenen fest.
Der Betroffene räumte reuig in seiner Stellungnahme vom 07.05.2018 ein, den Namen der Spielerin S aus dem elektronischen Spielberichtsbogen betreffend C-Juniorinnen-Spiel U gegen F vor Spielbeginn entfernt zu haben, obwohl besagte Spielerin wie geplant zum Einsatz kam.

Dieses Handeln stellt jedoch kein Verstoß gegen § 89 Abs. 2 RVO alte Fassung dar:
Zu prüfen war, ob es sich bei dem ESB um eine unechte Urkunde (auch technische) handelt. "Unecht" ist eine Urkunde dann, wenn sie nicht von demjenigen herrührt, der sich aus ihr als Aussteller der Erklärung ergibt.
Das Tatbestandsmerkmal "unecht" bezieht sich demnach nicht auf einen unwahren oder wahren Inhalt der Erklärung, sondern auf die Person des Ausstellers. Das bedeutet, dass in diesem Falle das Tatbestandsmerkmal "unecht" nicht gegeben ist.
Der Betroffene war als Trainer und Mannschaftsverantwortlicher berechtigt und verpflichtet, vor dem Spiel den ESB auszufüllen. Objektiv und subjektiv liegt demnach keine Täuschung über die Identität der Person des Ausstellers der Urkunde vor.
Objektiv und subjektiv liegt jedoch in dem Verhalten des Betroffenen ein Vergehen der falschen Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung vor, § 89 I RVO:
Der Betroffene hat bewusst den ESB aus dem Spiel der C-Juniorinnen vor Spielbeginn abgeändert, weil die Spielerin S am selben Tag auch beim B-Juniorinnen-Spiel gegen Ü zum Einsatz kommen sollte. Subjektiv ging es dem Betroffenen also gerade darum, den Namen der Spielerin S nicht in den elektronischen Spielberichtsbögen beider Spiele stehen zu haben, um einen Verstoß gegen § 8 Abs. 5 der Frauen- und Mädchenordnung zu vertuschen.
Ferner wurde durch den unzulässigen Einsatz der Spielerin in diesem Spiel gegen § 77 II RVO verstoßen.
Zugunsten des Betroffenen wurde bei der Findung einer angemessenen Strafe berücksichtigt, dass er den Vorfall eingeräumt und sich entschuldigt hat. Für die Annahme eines schweren Falles liegen keine Anhaltspunkte vor.
Hinsichtlich der falschen Angaben im elektronischen Spielberichtsbogen gem. § 89 I RVO setzt das Gericht eine Geldstrafe in Höhe von 300,00 € fest. Für den unzulässigen Einsatz der Spielerin gem. § 77 II RVO im C-Juniorinnenspiel U gegen F erachtet das Verbands-Sportgericht eine Strafe in Höhe von 200,00 € als angemessen.
Bei der gebotenen Gesamtstrafenbildung ist demnach nach Auffassung des Verbands-Sportgerichts eine Gesamtstrafe in Höhe von 400,00 € schuld- und tatangemessen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32,33 RVO, § 11 Ziff. 13 d) FO iVm § 2 I Nr. 13d Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer, gez. Krause, gez. Roßmann

 

 

 

Aktenzeichen: 00085-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 12.07.2018
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Beschluss:

I. Das Wiederaufnahmeverfahren des N wird eingestellt.
II. Der N trägt die hälftige Wiederaufnahmegebühr iHv 25,68 € sowie die hälftigen Verfahrenskosten iHv 30,82 €.

Gründe:

Der Wiederaufnahmeantrag vom 13.06.2018 wurde vom N am 09.07.2018 zurückgenommen, so dass die Gebühren und Kosten auf die Hälfte reduziert werden konnten.

gez. Riedmeyer

 

 

 

Aktenzeichen: 00084-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb

Urteil:
I. B, Mitglied des P, wird gemäß § 47, 48 Abs. 1 RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe in Höhe von Euro 80,00 belegt.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 25,68 trägt B unter Mithaftung des P.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 

Gründe:

1. Im Nachgang zum Senioren A Bezirksligaspiel
P gegen T am 21.04.2018 meldete der Schiedsrichter, dass in der 58. Spielminute der Zuschauer B auf dem Spielfeld stand und einen Spieler der T attackierte, als der Schiedsrichter den Betroffenen aufforderte den Platz umgehend zu verlassen, sagte der Betroffene
"Du Volldepp" zum Schiedsrichter.

Mit Schreiben vom 23.04.2018 wurde vom BSG Niederbayern ein Verfahren eröffnet und der P aufgefordert, mitzuteilen, ob der Zuschauer B Vereinsmitglied ist.

Der P hat mit Mail vom 26.04.2018 an das Sportgericht mitgeteilt, dass B Vereinsmitglied des P ist und zum Sachverhalt Stellung genommen. Diese Mail ist aufgrund eines Versehens nicht in die Sportgerichtsakte gelangt.

Das BSG Niederbayern hat mit Urteil vom 16.05.2018 den P gemäß § 73 I und II RVO mit einer Geldstrafe von Euro 130,- belegt. Das Urteil wurde am 16.05.2018 über das BFV-Postfach dem P zugestellt.

Hiergegen legte der Berufungsführer am 17.05.2018 über das BFV-Postfachsystem Berufung ein. Er führte aus, dass der Zuschauer B Vereinsmitglied ist und B keinen Spieler der T attackiert hat.
Mit Beschluss vom 29.05.2018 wurde beim Verbands-Sportgericht gegen den Betroffenen B ein Verfahren eröffnet.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 3 RVO zuständig aufgrund des Sachzusammenhangs mit dem Berufungsverfahren der P Az. 00083-17/18-VSG.

3. Der Betroffene ist gemäß §§ 47, 48 I RVO mit einer Geldstrafe von Euro 80,-- zu belegen.

Zur Überzeugung des VSG steht aufgrund der Einlassung des P sowie des Betroffenen selbst fest, dass sich dieser als Zuschauer unzulässig während des Spieles auf das Spielfeld begeben und im Anschluss daran den Schiedsrichter beleidigt hat.
Ferner steht aufgrund der eingeholten Stellungnahme des Schiedsrichters fest, dass der Betroffene einen Spieler der T nicht körperlich attackiert hat, sondern mit dem Spieler hitzig diskutierte.
Bei der Strafzumessung war zu Gunsten des Betroffenen zu
berücksichtigen, dass dieser seine Aussagen eingeräumt und bedauert
hat.
Zu Lasten des Betroffenen wurde bewertet, dass er sich als Zuschauer während des Spiels unzulässig auf das Spielfeld begeben hat und im Anschluss daran den Schiedsrichter beleidigt hat.
Unter Abwägung dieser Strafzumessungsgründe erscheint daher die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 80,- Euro tat- und schuldangemessen.

4. Die Kosten hat gemäß §§ 32, 33 RVO der Betroffene unter Vereinshaftung zu tragen, wobei die normal anfallenden Kosten in einem Verfahren vor dem Bezirkssportgericht in Ansatz gebracht werden, so dass sich das Versehen kostenmäßig nicht zum Nachteil des Betroffenen auswirkt.

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 

Aktenzeichen: 00083-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb


Urteil:

I. Auf die Berufung des P wird das Urteil des BSG Niederbayern vom 16.05.2018, AZ 001229-17/18-BSG Ndb. aufgehoben.
II. Das Verfahren gemäß § 73 RVO gegen den P wird eingestellt.
III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Im Nachgang zum Senioren A Bezirksligaspiel P gegen T am 21.04.2018 meldete der Schiedsrichter, dass in der 58. Spielminute der Zuschauer B auf dem Spielfeld stand und einen Spieler der T attackierte, als der Schiedsrichter den Zuschauer aufforderte den Platz umgehend zu verlassen, sagte der Zuschauer
"Du Volldepp" zum Schiedsrichter.

Mit Schreiben vom 23.04.2018 wurde vom BSG Niederbayern ein Verfahren eröffnet und der P aufgefordert, mitzuteilen, ob der Zuschauer B Vereinsmitglied ist.

Der P hat mit Mail vom 26.04.2018 an das Sportgericht mitgeteilt, dass B Vereinsmitglied des P ist und zum Sachverhalt Stellung genommen. Diese Mail ist aufgrund eines Versehens nicht in die Sportgerichtsakte gelangt.

Das BSG Niederbayern hat mit Urteil vom 16.05.2018 den P gemäß § 73 I und II RVO mit einer Geldstrafe von Euro 130,- belegt. Das Urteil wurde am 16.05.2018 über das BFV-Postfach dem P zugestellt.

Hiergegen legte der Berufungsführer am 17.05.2018 über das BFV-Postfachsystem Berufung ein. Er führte aus, dass der Zuschauer B Vereinsmitglied ist und B keinen Spieler der T attackiert hat.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde frist- und formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist begründet.
Der P hat dem Erstgericht rechtzeitig mitgeteilt, dass der Zuschauer Vereinsmitglied ist, somit ist eine direkte Bestrafung des Täters möglich.

Die Bestrafung des Zuschauers nach §§ 47, 48 RVO in Verbindung mit
§ 73 III RVO erfolgt durch das Verbands-Sportgericht im Verfahren Az. 00084-17/18-VSG.

Eine Verurteilung des Vereines darüber hinaus nach § 73 RVO ist nach Ansicht des VSG nicht veranlasst. Der Verein hat das Verhalten des Vereinsmitgliedes nicht vorhersehen und verhindern können.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO.

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 

 

 

Aktenzeichen 00081-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Urteil:

Die Passstelle wird angewiesen, dem Spieler F umgehend einen Pass für die M mit sofortigem Spielrecht zu erteilen.

 Gründe:

Das Schreiben per email vom 07.05.2018 um 08.32 Uhr der M an die Passstelle des BFV ist nach Auffassung des VSG als Beschwerde gegen die Passerteilung des Spielers F auszulegen.
Es handelt sich hierbei weder um einen Wiederaufnahmeantrag gemäß § 46 RVO, da keine neuen Tatsachen vorgetragen werden, noch um einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gemäß § 28 RVO, da nicht ein Hindernis der Fristversäumnis für die an sich statthaft gewesene Berufung vorgetragen wurde; zudem wären diese Rechtsbehelfe auch fristgerecht (binnen zwei Wochen nach § 46 Abs. 3 RVO bzw. binnen einer Woche nach § 28 Abs. 3 Satz 1 RVO) bei der Gerichtsbarkeit und nicht bei der Passstelle einzureichen. Vielmehr handelt es sich um einen Antrag, die Verwaltungsentscheidung abzuändern und einen Pass mit einer früheren Freigabe als bisher zu erteilen.
Der Beschwerdeführer hat in der email vom 07.05.2018 klar zum Ausdruck gebracht, dass eine Klärung gewünscht ist, da der Spieler sich nachweislich am 16.03.2018 von seinem alten Verein P abgemeldet und seit November 2017 kein Spiel mehr für diesen bestritten hatte. Dies wurde auch durch die P gegenüber der Passstelle bestätigt, welche angab, dass am 24.03.2018 nicht F, sondern ein anderer Spieler wegen eines Versehens des Betreuers auf dessen Pass eingesetzt wurde. Mit Schreiben vom 21.06.2018 bestätigte zudem der Spieler L, dass er u.a. am 24.03.18 für die A-Jugend der P spielte.
Damit steht zur Überzeugung des VSG fest, dass der Spieler F am 24.03.2018 nicht gespielt hat und damit auch die durch das Urteil 00429-17/18-JSG Obb.2 verhängte Strafe gegen ihn persönlich nicht gerechtfertigt ist. Unabhängig davon ist jedoch das Urteil mittlerweile rechtskräftig und nicht abänderbar.
Die Passstelle wird daher angewiesen, dem Spieler F umgehend einen Pass für die M ohne Berücksichtigung des Spiels vom 24.03.2018, welches der Entscheidung des JSG Oberbayern 2 vom 06.04.2018 (00429-17/18-JSG Obb.2) zugrunde lag, zu erteilen.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

 

Aktenzeichen: 00080-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Beschwerde des Vereinsmitglied D gegen die Entscheidung des Verbandspräsidiums vom 09.10.2017

Urteil:

1. Die Beschwerde des D gegen die Entscheidung des Verbandspräsidiums vom 09.10.2017 wird zurückgewiesen.

2. D trägt die Beschwerdegebühr in Höhe von € 205,44 und die Kosten des Beschwerdeverfahrens in Höhe von € 61,63 jeweils unter Mithaftung seines Vereins M.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1.
Mit "Beschwerdebescheid" vom 09.10.2017 wurde das Mitglied des Vereins M D (nachfolgend Betroffener) vom Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen und ihm das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

Zur Begründung wurde folgendes dargelegt:

Am Dienstag 02. Juni 2015 erhielt der Mitarbeiter der Abteilung Ferien S einen Anruf der Eltern des bereits für ein Camp angemeldeten Kindes H. Die Eltern erkundigten sich, ob der BFV-Camptrainer D erneut als Trainer das Camp betreuen wird. S bestätigte dies, woraufhin die Eltern mitteilten, dass ihr Sohn unter diesen Voraussetzungen nicht am Feriencamp teilnehmen werde. Auf Nachfragen von S erzählte die Mutter, dass H vor 4 Tagen, als er erfahren hatte, dass er in den Sommerferien 2015 erneut das Fußball-Feriencamp an der Sportschule Oberhaching besuchen darf, zögerlich reagierte und dies nicht wollte. Er erzählte seinen Eltern von einem sexuellen Übergriff durch den D bei einem Fußballcamp in den Sommerferien 2014, der sich folgendermaßen zugetragen habe. ,,Der Campleiter war zu H und einem anderen Jungen aufs Zimmer gekommen (in der Sportschule erfolgt die Unterbringung immer in Doppelzimmern), um mit den beiden Jungs Videos von den Trainingseinheiten anzuschauen. Sie saßen nebeneinander und der Campleiter habe H am Penis angefasst. Laut den Schilderungen von H habe der Campleiter dem Jungen gesagt, er solle ihm sagen, wenn er das nicht wolle. H sagte ihm, dass er das nicht wolle, woraufhin der Campleiter keinen weiteren Übergriff tätigte" Die Eltern haben die Vorwürfe nachträglich auch nochmals schriftlich geschildert.

Der weitere Verlauf der Angelegenheit wurde im Bescheid wie folgt dargestellt:

Mit dem Betroffenen D wurde vereinbart, dass er an Gesprächen mit dem Kinderschutzzentrum München (Beratungsstelle des Kinderschutzbund München) teilnimmt.
Die Beratungsstelle sollte dabei folgendes durchführen:
 Diagnostik des Betroffenen im Hinblick auf sein Verhalten
 Fachliche Einschätzung des Betroffenen in Bezug auf seinen Umgang mit Kindern und Empfehlungen für weitere Vorgehensweise und Konsequenzen
Bei Bedarf Gruppentherapie für den Betroffenen

In den folgenden Monaten haben mehrere Gespräche zwischen dem Betroffenen und dem Kinderschutzzentrum München stattgefunden. Das Kinderschutzzentrum habe mit Schreiben vom 21. 07.2016 seinen Abschlussbericht gegenüber dem BFV erstattet.

Nach Durchsicht der vorliegenden Unterlagen und aufgrund der geführten Gespräche sei das Verbands-Präsidium zur Entscheidung gelangt, den Betroffenen aus dem Bayerischen Fußball­Verband auszuschließen. Diese Entscheidung beruht auch auf der Einschätzung der Fachleute des Kinderschutzzentrums München. Für die Entscheidung kann es dahin gestellt bleiben, ob ein sexueller Missbrauch zum Nachteil des Kindes H stattgefunden habe.

Dem Betroffenen habe man mehrfach angeboten, dass ein Ausschluss nicht zwingend erfolgen müsse, wenn er sich bereit erklären würde, nur noch Herrenmannschaften zu trainieren. Dieses Angebot sei aber mehrfach von ihm abgelehnt worden. Er bestehe darauf, Jugendmannschaften zu betreuen und zu trainieren Diese Entscheidung des Betroffen und sein Verhalten in den Gesprächen würden zeigen, dass keinerlei Einsicht und Verantwortungsbewusstsein bei ihm zu erkennen sei. In den Gesprächen zeigen sich beim Betroffenen klassische Schwierigkeiten in der Wahrnehmung der Grenzverletzungen im körperlichen Umgang mit Kindern. Der Betroffene sichere in den Gesprächen zu, in Bezug auf WhatsApp-Kontakte und Onlinegames mit Kindern eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Das Sitzen der Kinder auf seinen Knien bzw. Schoß würde er nur dann aufgeben, wenn die Verantwortlichen eines Vereins und des BFV dies ausdrücklich verlangten. Der Betroffene nehme für sich als besondere Trainerqualität in Anspruch, für die Kinder ein sehr vertrauensvoller Ansprechpartner zu sein, der bewusst körperliche Nähe zulasse. All diese Verhaltensweisen zeigen, dass der Betroffene große Schwierigkeiten im Nähe-Distanz-Verhältnis zu Kindern habe Er sei nicht selbst in der Lage zu erkennen, wie in seiner Rolle als Trainer Grenzen im körperlichen Umgang mit Kindern zu setzen sind.

Die geschilderte Vorgehensweise des Betroffenen gegenüber dem Jungen beim BFV­ Feriencamp, das Herbeiführen der Situation und das Schaffen der Atmosphäre entspreche insgesamt sehr dem klassischen Groomingprozess zur Anbahnung sexueller Übergriffe gegen Kinder. Nach Einschätzung durch das Kinderschutzzentrum München und aufgrund der Eindrücke in den Gesprächen mit Vertretern des BFV besitze der Betroffene kein Unrechtsbewusstsein für sein Verhalten gegenüber Kindern und kein Verständnis für eine professionelle Distanz zwischen Trainer und Kindern sowie die Einhaltung "gewöhnlicher" Grenzen im körperlichen Umgang mit Kindern. Der Betroffene erfülle nach Auffassung des Präsidiums seine Fürsorge für Kinder weit über die Aufgaben eines Trainers hinaus zu einem gewissen Selbstzweck. Daher hält das Präsidium eine Tätigkeit mit Kindern für ungeeignet für den Betroffenen. Aufgrund der fehlenden Einsicht sei davon auszugehen, dass der Betroffene in jedweder Funktion in einem Sportverein den Kontakt zu Kindern suchen werde. Auch als Trainer einer Herrenmannschaft oder in anderweitigen Funktionen im Verein würde der Betroffene in einer besonderen Position gegenüber den Kindern sein und sich somit zahlreiche Gelegenheiten zum Kontakt und zum Aufbau eines besonderen Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnisses gegenüber den Kindern ergeben. Da derzeit das tatsächliche Risiko für Kinder eines sexuellen Übergriffs nicht eingeschätzt werden könne, müsse das Präsidium hier zum Schutz seiner Mitgliedsvereine und deren Mitglieder auf Ausschluss erkennen. Nur so könne der BFV sicherstellen, dass der Betroffene im Bereich der Fußballvereine von Kindern und Jugendlichen ferngehalten werden könne.

2.
Der Bescheid des Präsidiums wurde dem Betroffenen am 16.10.2017 per Postfachsystem ZIMBRA an den Verein M zugestellt. Der Bescheid hat sofortige Wirkung, weil ein Rechtsmittel gemäß § 31 Abs. 1 RVO keine aufschiebende Wirkung hat.

Mit Telefax vom 23.10.2017 ließ der Betroffene durch die Rechtsanwälte DFM Beschwerde gegen den Bescheid des Präsidiums einlegen. Diese Beschwerde wurde vom Verbandsanwalt mit Schreiben vom 11.12.2017 an das VSG weitergeleitet.

Mit der Beschwerde rügte der Betroffene die Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er rügte weiter, dass sich die Entscheidung des Präsidiums auf den Bericht des Kinderschutzzentrums München stütze, der Betroffene aber zu keinem Zeitpunkt den Kinderschutzbund von seiner Schweigepflicht entbunden habe. Weiter wird gerügt, dass der Bescheid auf einer Stellungnahme des Kinderschutzbundes beruhe, die von dortigen Mitarbeitern erstellt wurde, denen jegliche fachliche Qualifikation fehle, Äußerungen und Stellungnahmen in einer derartigen Tragweite vorzutragen. Auch sei falsch, dass der Betroffene abgelehnt habe, nur noch Herrenmannschaften zu trainieren. Dies sei vom Betroffenen mehrfach angeboten und zuletzt in einem persönlichen Gespräch zwischen dem Präsidenten Dr. Koch und dem anwaltlichen Vertreter, F, in den Räumen des BFV erfolgt. Die Entscheidung sei unverhältnismäßig. Es sei grob fahrlässig, wenn sich der BFV auf die Feststellungen eines Sozialpädagogen stütze. Der Betroffene sei suizidgefährdet, die Arbeit als Fußballtrainer sei für den Betroffenen existenziell. Er beziehe seine Einkünfte nahezu ausschließlich aus seiner Fußballtätigkeit. Zudem seien die Aussagen des 10-jährigen Kindes zu keinem Zeitpunkt überprüft worden.

Der Verbandsanwalt beantragte die Zurückweisung der Beschwerde. Er begründet dies damit, dass gegenüber dem Kinderschutzzentrum die Schweigepflichtentbindungserklärung mit E-Mail des Betroffenen vom 12.05.2016 und 17.05.2016 erteilt wurde. Zudem habe am 15.07.2016 ein Treffen im Kinderschutzzentrum stattgefunden, an dem der Betroffene mit Vereinsvertretern des M
, teilgenommen habe.

Mit Schreiben vom 19.04.2018 wurde dem Betroffenen über seine anwaltlichen Vertreter ein gerichtlicher Hinweis erteilt. Es wurde Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 15.05.2018 gewährt. Die Frist wurde bis zum 30.05.2018 verlängert. Die Stellungnahme vom 04.05.2018 wurde berücksichtigt. Eine weitere Stellungnahme ging weder bis zum Fristablauf, noch danach ein.

3.
Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 1 RVO.

4.
Die Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-Präsidiums ist zulässig. Sie wurde fristgerecht eingelegt (§ 4 Abs. 1 RVO). Eine Vertretung durch Rechtsanwälte ist vor dem VSG unbeschränkt zulässig (§ 30 Abs. 3 RVO). Zwar nennt der Beschwerdeführer keine Vorschrift, gegen die das Verbands-Präsidium verstoßen habe. Die Begründung lässt aber erkennen, dass der Betroffene einen Verstoß gegen die Grundsätze des rechtlichen Gehörs und der Verhältnismäßigkeit rügt. Dies reicht nach der ständigen Rechtsprechung des VSG aus, um die Zulässigkeit zu begründen.

5.
Die Beschwerde ist unbegründet:

a)
Das Präsidium ist gemäß § 25 Abs. 5 Satzung zuständig für den Ausschluss von Verbandsmitgliedern.

Besondere Verfahrensvorschriften für das Ausschlussverfahren sind in der Satzung und der Geschäftsordnung nicht festgelegt. Das Verfahren richtet sich daher nach den allgemeinen Grundsätzen eines belastenden Verwaltungsverfahrens.

Dies bedeutet, dass der Sachverhalt ordnungsgemäß aufzuklären und dem Betroffenen rechtliches Gehör zu gewähren ist.

Der Ausschluss darf keine Bestrafung sein. Diese ist ausschließlich den Sportgerichten zugewiesen (§ 2 Abs. 1 RVO). Der Ausschluss gemäß § 25 Abs. 5 Satzung darf daher nur zur Abwehr einer Gefahr für den Verband oder seiner Mitglieder erfolgen.

Unter Beachtung dieser Grundsätze muss der Ausschluss das notwendige und geeignete Mittel sein, um eine drohende Gefahr für den Verband, seine Mitgliedsvereine oder deren Mitglieder abzuwehren.

b)
Im vorliegenden Fall wurde der Ausschluss ausgesprochen, um zu verhindern, dass es zu sexuellen Übergriffen auf Kinder kommt. Es besteht der Verdacht, dass der Betroffene seine Stellung als Trainer von Jugendmannschaften oder von Herrenmannschaften ausnutzt, um an Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen.

Der Ausschluss ist also nicht die Strafe für ein begangenes Unrecht, sondern dient der Gefahrenabwehr.

Grundsätzlich ist der Schutz der Mitglieder seiner Mitgliedsvereine, insbesondere der jugendlichen Mitglieder, ein wichtiges Ziel des Verbandes. Jeder Verein darf davon ausgehen, dass der Verband die ihm zumutbaren Tätigkeiten unternimmt, um zu verhindern, dass sexuelle Übergriffe auf Kinder stattfinden, die von ihren Eltern in die Obhut der Vereine gegeben werden. Dazu gehört auch, dass der Verband durch den Ausschluss gefährdender Personen dafür sorgt, dass diesen nicht durch den Eintritt in einen Mitgliedsverein Gelegenheit geboten wird, solche Übergriffe unter dem Deckmantel oder gelegentlich der Vereinstätigkeit vorzunehmen.

Dabei sind die Interessen der betroffenen Person gegenüber diesem allgemeinen Schutzinteresse abzuwägen.

Die Gefahrenabwehr verlangt nicht, dass es bereits zu einem Vorfall gekommen ist. Sie muss nicht die Reaktion auf ein bereits begangenes Unrecht sein. Sie soll nicht erst den Wiederholungsfall verhindern. Insbesondere kann daher nicht verlangt werden, dass ein bestimmter Vorfall etwa nach den Vorgaben des Strafrechts unabweisbar nachgewiesen ist, wobei sich etwaige Zweifel zugunsten des Betroffenen auswirken müssten. Da es nicht darum geht, jemand für begangenes Unrecht zu bestrafen, und den Wiederholungsfall abzuwenden, sondern auf einen berechtigten Verdacht hin zu verhindern, dass es überhaupt zu einem Unrecht kommt, kann ein berechtigter, hinreichender Verdacht, dass es zu solchen Übergriffen kommen könnte, ausreichen.

Der Ansatz des Betroffenen, erst wenn ihm ohne jeden vernünftigen Zweifel nachgewiesen wäre, dass er einen sexuellen Übergriff vorgenommen habe, dürfe der Verband tätig werden, geht daher fehl. Ebenso spielt es keine Rolle, ob die Eltern des Kindes ein weiteres Interesse an der Verfolgung der Angelegenheit verloren haben. Der Verband ist hier objektiv gefordert. Er kann im Interesse seiner übrigen Mitgliedsvereine nicht darauf abstellen, ob einzelne Eltern dies interessiert oder ob diese etwa für ihr Kind inzwischen eine andere Sportart ausgesucht haben oder das Kind aus sonstigen Gründen vom Verein abgemeldet haben oder ob das Gefährdungspotential für das Kind aufgrund des Heranwachsens inzwischen nicht mehr als relevant angesehen wird.

Entscheidend ist daher, dass eine Stellungnahme des Kinderschutzzentrums vorliegt, in welcher eine eindeutige Empfehlung ausgesprochen wurde, die wie folgt lautet:

Bewertung
D ist durch den Verdacht des sexuellen Missbrauchs nachvollziehbar in psychische Not gekommen und konnte in meinem Kollegen, R, sowohl einen einfühlsamen und engagierten, als auch immer wieder konfrontierenden Berater finden. Vermutlich konnten durch diese vorurteilsfreie beraterisch/therapeutische Beziehungsgestaltung mögliche selbstschädigende Impulse (Suizidphantasien) bei D abgewendet werden.

In Bezug auf den drohenden Burnout im Rahmen von Depressionen befindet sich D - laut eigenen Angaben - in einer Psychotherapie. Darüber hinaus ist festzustellen, dass D im Laufe des Beratungsjahres nicht in der Lage war, seine Beziehungsgestaltung zu Kindern und Jugendlichen infrage zu stellen.

Er geht weiter davon aus, dass die von den Eltern des Jungen schriftlich niedergelegten Übergriffsituationen (Delikte) nicht der Realität entsprechen. D hält die belastenden Äußerungen für einen "dummen Jungenstreich". Desgleichen bewertet er die Sprachnachricht des Jungen (,,Du hast mir an den Schwanz gelangt" im Beisein anderer Personen - vermutlich Kumpels), für einen Beweis seiner Unschuld und dass der Junge weiter auch Kumpel von ihm sein möchte.

Bedauerlicherweise konnte bei D des Weiteren keinerlei Einfühlung in das Leid des Jungen, der sich vertrauensvoll in die Trostbeziehung seines Trainers begab und sich dann im Vertrauensmissbrauch und in einer wiederholten sexuellen Missbrauchssituation (3 fach) wiedergefunden hat. Dieser Junge trug 1 Jahr die Erinnerung und mögliche Folgen alleine mit sich herum, um sich dann, um den Schutz des Bruders bemüht, seinen Eltern zu offenbaren.

Die seelische Last, d.h. der Ekel, die Wut, die Schuldgefühle und die Ängste sind oft gravierend. All diese Gefühle kennt auch D aus seinem als Kind erlebten Missbrauch. Dennoch gab es keinerlei Sorge und Mitgefühl von seiner Seite für diesen Jungen, der ja "Unglaubliches" offenbart hat!

D wollte auch lange nicht einsehen, dass ein Verein selbstverständlich eine Freistellung und Prüfung nach derartigen Vorwürfen vornehmen muss. Er war (und ist) lediglich darum bemüht, dass seine Verträge aufrechterhalten werden, um seine finanzielle Situation zu sichern. D hat sich lange geweigert nach beruflichen Alternativen - zunächst gedanklich - zu suchen.

Sein Verhalten ist stark verleugnend (was nicht sein darf, ist auch nicht - er ist der beste Freund/Trainer/Tröster/Versteher - also kann er kein Missbraucher sein!) D hat bisher kein Motiv, sein Verhalten infrage zu stellen. Die Verleugnung (,,Ich habe nichts Unrechtes getan.") dient dazu, seine eigene Person (= sich selbst) weiterhin zu idealisieren (,,Ich bin der beste Freund der Kinder.").

Wir gehen bei D von einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung aus - eine Störung, die Menschen zum Einen die Idealisierung der eigenen Person aufrechterhalten lässt und auf der anderen Seite große Selbstzweifel, Depression oder Selbstauslöschungstendenzen zulässt.

Einschätzungen
Auf Grund der fehlenden kritischen Selbstprüfung und des fehlenden lnfragestellens seiner Beziehungsgestaltung zu Kindern und Jugendlichen sollte Herr D nicht mehr die jungen Altersgruppen trainieren.

Empfehlungen
. D soll nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
. D sollte seine Psychotherapie fortsetzen.
. D sollte sich gegebenenfalls einem psychiatrischen Gutachten unterziehen.
. D hat die Möglichkeit, an einer 2-jährigen psychotherapeutischen Gruppe für Männer, die sexuelle Übergriffe an Kindern/Jugendlichen/Schutzbefohlenen ausgeübt haben, teilzunehmen. Diese Gruppe bieten wir in Kooperation mit dem Münchner Informationszentrum für Männer e.V. an.

Dieser objektiv vorliegende Befund bietet einen hinreichenden Verdacht, dass es zu Übergriffen kommen kann.

Die bisherigen Ausführungen des Betroffenen gegen diese Einschätzung sind nicht geeignet, diesen Verdacht in Frage zu stellen.

Dazu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der Verdacht, von einem Vereinsmitglied könne eine ernste Gefahr gegenüber Kindern ausgehen, die von Eltern in die Obhut der Mitgliedsvereine gegeben werden, einen sehr ernstzunehmenden Verdacht darstellt, der vom Verband nicht unbeachtet bleiben darf.

Das Kinderschutzzentrum ist eine Einrichtung des Deutschen Kinderschutzbundes OV München, das sich mit Unterstützung des Sozialreferats der Landeshauptstadt München als eine spezialisierte Beratungsstelle an Kinder, Jugendliche, deren Eltern und Bezugspersonen wendet. Das Kinderschutzzentrum bietet bei Gewaltproblemen, vor allem bei körperlicher und seelischer Misshandlung, Vernachlässigung und sexueller Gewalt umfassende telefonische und persönliche Information, Beratung, Krisenintervention sowie Einzel- und Gruppentherapien an, die durch alltagsunterstützende Hilfen begleitet werden.

Eine fundierte Stellungnahme, wie sie hier vorliegt, muss vom BFV berücksichtigt werden. Der Betroffene hat das Kinderschutzzentrum mit der E-Mail vom 17.05.2016 von der Schweigepflicht gegenüber dem BFV befreit. Ein späterer Widerruf oder eine Beschränkung der Schweigepflichtsentbindung hindert den BFV nicht, gestützt auf die Stellungnahme, Maßnahmen zu treffen, die der Gefahrenabwehr dienen. Da es sich um keine Sanktion handelt, kommt es nur darauf an, dass der BFV Kenntnis von der Einschätzung der Ungeeignetheit erlangt, mit Kindern und Jugendlichen umzugehen. Das endgültige Gutachten bestätigt insoweit nur den Anfangsverdacht, der jedoch ausreichte, um aufzuklären, ob der Betroffene im Umgang mit Kindern und Jugendlichen gefährdende Tendenzen für diese an den Tag legt.

Auf der Grundlage der derzeit vorliegenden Informationen erscheint die Abwägung des BFV sachgerecht. Es wurde von sachkundigen Personen ein hohes Gefährdungspotential bestätigt. Der Schutz der Kinder und Jugendlichen der Mitgliedsvereine ist eine wichtige Aufgabe für den BFV im Interesse seiner Mitglieder.

c)
Der Betroffene hat zwar unsubstantiiert behauptet, ein Ausschluss des Verbandes würde ihn in seiner beruflichen Existenz treffen. Substantiierte Ausführungen wurden dazu nicht gemacht. Da der Betroffene nur Trainer eines Vereins war, der mit unterklassigen Mannschaften an den Wettbewerben teilnahm, ist nicht ersichtlich, dass der Ausschluss für den Betroffenen Auswirkungen hätte, die über den Wegfall einer untergeordneten Nebenbeschäftigung hinausgehen würden. Die Nichtbeschäftigung des Betroffenen bei Feriencamps, die der BFV abhält, haben nichts mit der Mitgliedschaft in einem Mitgliedsverein zu tun. Hier handelt es sich um selbständige Verträge, die der BFV abschließt und die von den verbandsrechtlichen Beziehungen zu trennen sind.

Dem Betroffenen wurde mit Schreiben vom 19.04.2018 die vorstehende Rechtsansicht des VSG dargelegt und insbesondere Gelegenheit gegeben, zu den beruflichen Auswirkungen des Ausschlusses konkret und unter Beifügung von Unterlagen vorzutragen. Innerhalb der gewährten Fristverlängerung bis zum 30.06.2018 erfolgte kein weiterer Sachvortrag hierzu.

Auch die weiteren Ausführungen des Betroffenen zur Stellungnahme des Kinderschutzzentrums sind nicht geeignet, die Interessensabwägung zwischen dem Schutz der Kinder und Jugendlichen der Mitgliedsvereine und der Interessen des Betroffenen zu seinen Gunsten zu bewegen. Da ein begründeter Verdacht ausreicht, um tätig zu werden, um Gefahren für Kinder und Jugendliche abzuwehren, liegt es beim Betroffenen, den Verdacht zu entkräften. Der Betroffene hätte daher ein psychiatrisches Gutachten eines von der Landesärztekammer benannten Gutachters beibringen müssen, um den Verdacht zu entkräften. Wie dargelegt, handelt es sich beim Schutz von Kindern und Jugendlichen seiner Mitgliedsvereine um eine hochrangige Aufgabe des BFV. Dieser Schutz gebietet es, die Verdachtsmomente gründlich auszuräumen. Die Frage, ob das Kinderschutzzentrum berufsaufsichtliche Maßnahmen gegen die Erstellerin des Gutachtens eingeleitet hat, spielt ebenfalls keine Rolle. Die Vorlage eines Schreibens wurde zwar angekündigt, erfolgte aber innerhalb der verlängerten Frist nicht. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Stellungnahme des Kinderschutzzentrums erfolgte nicht. Wie dargelegt, ist die Frage, ob sich der Vorfall, der die Untersuchungen ausgelöst hat, so abgespielt hat, wie vorgetragen, für die Entscheidung unerheblich, weil es nicht um eine Bestrafung für diesen Vorfall geht, sondern um die Abwehr zukünftiger Gefahren.

6.
Kostenentscheidung §§ 32,33, RVO, § 11 Abs. I Nr. 7, 13 FO iVm § 2 I Nr. 7, 13 Anlage zur FO. Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 33 Abs. 1, § 50 Abs. 2 RVO.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

 

Aktenzeichen: 00079-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 10.07.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Urteil:

I. Die M wird gemäß § 73 Abs. 1 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe in Höhe von € 2.000,00 belegt.
II. Die M trägt Kosten des Verfahrens in Höhe von € 61,63.

 Gründe:

1.
Beim Spiel der Regionalliga Bayern A / M (Betroffener) am 15.10.2017 im Stadion des A kam es nach der Meldung des amtierenden Schiedsrichters in der 65. Spielminute zu einer Spielunterbrechung wegen Pyrotechnik im Fanblock des Betroffenen. Es wurden aus dem Fanblock des Betroffenen mehrere Feuerwerkskörper und Bengalos abgeschossen sowie Rauchbomben gezündet. Dies führte zu einer Spielunterbrechung von ca. 2 Minuten.

2.
Der Sachverhalt steht fest aufgrund der Meldung des Schiedsrichters, der der Betroffene nicht widersprochen hat und aufgrund von Fotoaufnahmen in verschiedenen Printmedien. Den Fotoaufnahmen lässt sich auch der nicht geringe Umfang der Pyrotechnik entnehmen.

Die Verstöße gegen die Platzdisziplin, sind als Vergehen gemäß § 73 RVO zu ahnden. Hierbei ist dem Betroffenen das schuldhafte Verhalten seiner Fans zuzurechnen.

3.
Bei der Strafzumessung ist zu Lasten des Betroffenen zu berücksichtigen, dass das Entzünden pyrotechnischer Gegenstände durch Anhänger eines Vereins erhebliche Gefahren für die im Stadionbereich befindlichen Personen darstellen. Zu deren Schutz sind derartige Handlungen verboten und deshalb zu unterbinden.
Kommt es gleichwohl zu Vorfällen der genannten Art durch Anhänger des Vereins, so ist nach ständiger Rechtsprechung des DFB-und BFV-Sportgerichte der jeweilige Verein hierfür gemäß § 73 RVO verantwortlich und in Strafe zu nehmen.
Auch waren dem Verein und den Fangruppierungen durch die Bestrafungen in den beiden letzten Spielzeiten die Konsequenzen bekannt.

Allerdings kann bei der Strafzumessung zugunsten des Betroffenen berücksichtigt werden, dass durch viele Aktionen des Betroffenen sowohl Verstöße gegen die Platzdisziplinen bei anderen Spielen und vor allen auch bei den Spielen gegen die Münchner Stadtrivalen unsportliche Aktionen und Randale innerhalb und außerhalb des Stadionbereichs fast vollständig verhindert werden konnten, der Informationsaustausch mit dem Gegner und der Polizei und dem Verband zur Vermeidung von Randalen hervorragend ablief und der Betroffene seine Möglichkeiten zur Täterfeststellung ausschöpfte.

Trotzdem kann das Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Zünden von Rauchbomben nicht straffrei hingenommen werden und müssen auch die Vorverurteilungen In der Regionalliga Bayern in der Saison 2016/17 und die Vorfälle der laufenden Saison berücksichtigt werden.
Ebenso ist zu bemerken, dass bisher keine Täter identifiziert werden konnten und somit keine Maßnahmen gegen Einzelpersonen ergriffen wurden.

Bei Abwägung aller Argumente kann deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 2000.- € trotz der erheblichen Qualität und Größe des Vorfalls als ausreichend betrachtet werden. Dies entspricht auch dem Antrag des Verbandsanwalts

4.
Kostenentscheidung §§ 32,33, RVO, § 11 Abs. I Nr. 13 FO iVm § 2 I Nr. 13 Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

Aktenzeichen: 00078-17/18-VSG
Sitzung vom: 26.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des NM bzgl. seines Spielers R

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler R, Urteil des KSG München 3 vom 31.05.2018 AZ: 00333-17/18-KSG Mü 3, wird wiederaufgenommen.
II. Ziffer I. wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler R ab 28.05.2018 für 1 Verbandsspiel im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksoberligamannschaft Senioren A des NM gesperrt ist.
III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der NM.


Gründe:

Mit Urteil des KSG München 3 vom 31.05.2018, AZ 00333-17/18, wurde der Spieler R wegen unsportlichen Verhaltens am 27.05.2018 für ein Verbandsspiel im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der B-Klasse-Mannschaft seines Vereins ab 28.05.2018 gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. unter anderem tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO seines Vereins bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Nachdem es sich bei dem Spiel am 27.05.2018 um das letzte Spiel der B-Klasse-Mannschaft in der Saison 2017/2018 handelte, gilt die Sperrstrafe ab 28.05.2018 für das nächste Spiel, also das erste Punktspiel dieser Mannschaft in der Saison 2018/2019, laut Rahmenterminkalender voraussichtlich Ende August 2018.

Der Spieler R ist aber auch Stammspieler in der Bezirksoberligamannschaft Senioren-A, welche nicht saisonal, sondern durchgehend von März bis Oktober im Spielbetrieb ist. Er wurde bis zu der streitgegenständlichen roten Karte in der B-Klasse-Mannschaft in allen 6 Spielen der Senioren A-Mannschaft eingesetzt und davon in 5 über die gesamte Spielzeit und einem in der 2. Halbzeit.

Die Bezirksoberligamannschaft Senioren-A hatte nach dem Urteil vom 31.05.2018 das nächste Spiel bereits am 07.06.2018 absolviert und bis zum Ablauf der Sperre sieben weitere Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese sieben Spiele wäre der Spieler R aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt nach Auffassung des VSG eine unbillige Härte dar.

Die vom NM vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 31.05.2018.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11 FO

 

 

gez. Riedmeyer, gez. Lieb, gez. Krause

 

 

 

Aktenzeichen: 00077-17/18-VSG
Sitzung vom: 26.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Wiederaufnahmeantrag des TSV B bzgl. seines Spielers M

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler M, Urteil des KSG Augsburg vom 05.06.2018 AZ: 00563-17/18-KSG Augsburg, wird wiederaufgenommen.

II. Ziffer I. wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler M ab 28.05.2018 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksligamannschaft des TSV B gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der TSV B. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Augsburg vom 05.06.2018, AZ 00563-17/18, wurde der Spieler M wegen unsportlichen Verhaltens für drei Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft seines Vereins ab 28.05.2018 gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. unter anderem tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO seines Vereins bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Nachdem es sich bei dem Spiel am 27.05.2018 um das vorletzte Spiel der B-Klasse-Mannschaft in der Saison 2017/2018 handelte, gilt die Sperrstrafe für das letzte Spiel dieser Saison sowie die ersten beiden Verbandsspiele der B-Klasse-Mannschaft in der Saison 2018/2019, laut Rahmenterminkalender voraussichtlich bis einschließlich 15.08.2018.

Der Spieler M ist aber nach Auffassung des VSG eigentlich zum Kreis der Stammspieler der Bezirksligamannschaft des TSV B zu zählen, welche zum Zeitpunkt des Urteils bereits die Saison 2017/2018 beendet hatte. Er wurde bis zu der streitgegenständlichen roten Karte in 17 von 20 Spielen der Bezirksligamannschaft des TSV Bobingen eingesetzt und hiervon 8 Mal von Beginn an.

Diese Bezirksligamannschaft startet Ende Juli 2018 mit der neuen Saison und hat bis zum 15.08.2018 bereits vier Spiele laut Rahmenterminkalender zu absolvieren. Für diese vier Spiele wäre der Spieler M aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt, obschon ihm lediglich eine Sperrstrafe von drei Spielen auferlegt wurde. Dies stellt nach Auffassung des VSG eine unbillige Härte dar.

Die vom TSV B vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften sowie seinen Status als Bezirksligaspieler rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. vom 05.06.2018.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

 

Aktenzeichen: 00076-17/18-VSG
Sitzung vom: 26.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Spielers Zvom SV U

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler Z, Urteil des BSG Oberbayern vom 26.05.2018 AZ: 00287-17/18-BSG Obb., wird wiederaufgenommen.

II. Ziffer I. wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler Z ab 20.05.2018 für 2 Verbandsspiel im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksoberligamannschaft-Senioren-A des SV U gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der Z unter Mithaftung des SV U.

Gründe:

Mit Urteil des BSG Oberbayern vom 26.05.2018, AZ 00287-17/18, wurde der Spieler Z wegen unsportlichen Verhaltens am 19.05.2018 in der Bezirksligamannschaft für zwei Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins ab 20.05.2018 für diese Liga gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. unter anderem tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO seines Vereins bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Nachdem es sich bei dem Spiel am 20.05.2018 um das letzte Verbandsspiel der Bezirksligamannschaft in der Saison 2017/2018 handelte, gilt die Sperrstrafe ab 20.05.2018, also für die ersten beiden Punktspiele laut Rahmenterminkalender am 27/28.07.2018 und 04./05.08.2018 in der Saison 2018/2019.

Der Spieler Z ist aber eigentlich Stammspieler in der Bezirksoberligamannschaft-Senioren-A, welche nicht saisonal, sondern durchgehend von März bis Oktober im Spielbetrieb ist. Er wurde in der Saison 2017/2018 fast komplett und bis zu der streitgegenständlichen roten Karte in 3 von 6 Spielen der Bezirksoberligamannschaft-Senioren-A eingesetzt; dagegen hat er lediglich in zwei Spielen der Bezirksligamannschaft in der gesamten Saison 2017/2018 dort ausgeholfen.

Die Bezirksoberligamannschaft-Senioren-A hatte nach dem Urteil vom 26.05.2018 das nächste Spiel bereits am 05.06.2018 und 16.06.2018 absolviert und bis zum Ablauf der Sperre weitere sieben Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese weiteren sieben Spiele wäre der Spieler Z aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt nach Auffassung des VSG eine unbillige Härte dar.

Die vom Spieler vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 26.05.2018.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO

gez. Riedmeyer, gez. Lieb, gez. Krause

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00075-17/18-VSG
Sitzung vom: 26.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Roßmann

Urteil:

I. Die Beschwerde des TSV B vom 17.06.2018 wird zurückgewiesen.

II. Der TSV B trägt die Beschwerdegebühr in Höhe von 154,08 €. Außerge-richtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Mit Bescheid vom 11.06.2018 legte der Verbands-Spielausschuss die Zusammen-setzung der fünf Landesligen für die Saison 2018/2019 fest. Insgesamt waren 88 Mannschaften einzuteilen. Der Bescheid wurde per Zustellung in die Postfächer der beteiligten Vereine am selben Tag bekannt gegeben. Er war mit einer Rechtsmit-telbelehrung versehen. Dagegen legte der TSV B (Beschwerdeführer) über die Antwortfunktion des Postfachsystems Zimbra am 17.06.2018 Beschwerde ein. Der Verbands-Spielausschuss half der Beschwerde nicht ab. Mit Schreiben vom 19.06.2018 beantragte der Verbands-Präsident die Entscheidung durch das VSG. Mit Schreiben vom 20.06.2018 legte der Verbandsanwalt die Beschwerde dem VSG vor. Er beantragte Zurückweisung der Beschwerde.

2.
Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 3 RVO. Die Angelegenheit wurde vom Verbands-Präsidenten über den Verbandsanwalt dem VSG zugeleitet. Da die Entscheidung die Spielklasseneinteilung der nächsten Saison betrifft, ist die besondere Eilbedürftigkeit gegeben. Der Präsident kann in jeder Lage des Verfahrens die Entscheidung des VSG beantragen.

3.
Die form- und fristgerecht eingelegte Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-Spielausschusses ist zulässig.

Beschwerdeberechtigt ist ein Verein, der sich durch die Einteilung einer seiner Mannschaften in eine bestimmte Liga benachteiligt sieht und deshalb die Aufnahme in eine andere Liga be-gehrt. Der Beschwerdeführer richtet sich hier gegen seine Einteilung in die Landesliga Süd-Ost. Er begehrt, in die Landesliga Mitte eingeteilt zu werden. Die Beschwerde ist damit zulässig.

4.
Die Beschwerde ist jedoch unbegründet.

Das VSG hat sich mit der Frage der Überprüfung der Einteilung der Mannschaften in be-stimmte Ligen bereits in mehreren Entscheidungen befasst (Fälle 2-03/04, 38-03/04, 01-13/14, 71-12/13, 81-13/14, 77-16/17) und folgende Grundsätze aufgestellt, an denen im Sinne einer ständigen Rechtsprechung auch nach nochmaliger Überprüfung festgehalten wird:

Die Einteilung der Vereine gemäß §§ 8 Nr. 3, 11 Nr. 3 Spielordnung (SpO) obliegt dem Ermessen des für den Spielbetrieb zuständigen Organs, das hierbei nach geographischen, spiel-technischen und verkehrstechnischen Gesichtspunkten vorzugehen hat.

Die beiden maßgeblichen Vorschriften der Spielordnung lauten:

§ 8. Nr. 3.1:

Einteilung:
3. Die Zusammenfassung der gemeldeten Mannschaften in die einzelnen Spielgruppen und die Gruppengröße nimmt der jeweilige Spiel-Ausschuss nach geographischen, spieltechni-schen und verkehrstechnischen Gegebenheiten vor.
3.1 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Verbandsebene nimmt der Verbands-Spielausschuss vor.

§ 11. Nr. 3:

§ 11 Normzahlen der Ligen:
3. Die Landesliga der Herren spielt im Verbandsgebiet in fünf Gruppen, die in der Regel bis zu 18 Mannschaften umfassen.

Das VSG kann nur prüfen, ob das Ermessen ausgeübt wurde und dabei kein Ermessensfeh-ler unterlaufen ist, also insbesondere eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen wurde, die den vorgegebenen Parametern folgt und nicht willkürlich ist. Regelmäßig werden sich dabei mehrere Möglichkeiten der Einteilung der Ligen ergeben und Grenzfälle auftreten. Die Entscheidung solcher Fälle hat dann das obengenannte Organ autonom zu treffen. Ein Anspruch eines Vereins darauf, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen eine bestimmte ge-troffen wird, besteht nicht. Auch kann nicht gefordert und dementsprechend überprüft werden, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen die "optimalste Lösung" herangezogen wird. Zum einen lässt sich diese optimalste Lösung meist nicht objektiv feststellen, sondern besteht nur aus dem Blickwinkel eines oder mehrerer Vereine, zum anderen steht dem Organ nur ein kurzes Zeitfenster zwischen dem Abschluss der Vorsaison und dem Neubeginn der Folgesaison zur Verfügung, so dass die dafür notwendige Zeit, die objektiv beste Lösung zu ermitteln, nicht zur Verfügung steht. Die rechtzeitige Sicherheit über die Zusammensetzung der Ligen ist aber unter dem Aspekt des Wettbewerbs ebenfalls ein zu berücksichtigender Gesichtspunkt (VSG Fälle 02-03/04; 38-03/04; 01-13/14; 71-12/13; 81-13/14; 77-16/17).

Bei mehreren Grenzfällen an der geografischen Grenze verschiedener Gruppen obliegt es dem Verbandsorgan, eine Ermessensentscheidung zu treffen. Im Sinne der weitestgehenden Gleichbehandlung in den einzelnen Gruppen wäre es ermessensfehlerhaft, eine Gruppe mit 17 Mannschaften und die Nachbargruppe mit 19 Mannschaften zu spielen. Generell soll die Bildung einer Gruppe mit ungerader Mannschaftsstärke wegen des Wettbewerb-Charakters die Ausnahme bleiben (VSG Fälle 38-03/04; 01-13/14). Die Notwendigkeit, dass jeweils ein Verein pro Spieltag spielfrei bleibt, führt zu einem permanenten Missverhältnis in der Tabelle, weil die Vereine auch bei termingenauem Verlauf der Runde immer eine unterschiedliche Anzahl von Spielen haben. Zudem muss immer ein Verein seinen Spielrhythmus unterbrechen. Die Vereine in der 19er Liga hätten vier Spieltage mehr als die Normzahl, was insbe-sondere bei schlechten Witterungsverhältnissen im Herbst und Winter, die gerade in Ostbayern häufig auftreten, zu einer erhöhten Belastung mit Wochentagspielen zum Saisonende hin führen kann. Andererseits haben die Vereine der 17er Liga ein Heimspiel weniger als die Normzahl, was auch mit Mindereinnahmen verbunden ist.

Einen Bestandsschutz dergestalt, dass ein Verein beim Klassenerhalt auch in der nächsten Saison in der gleichen Gruppe spielt, kann es bei einer flexiblen Verteilung, wie sie in §§ 8, 11. Nr. 3 Spielordnung vorgesehen ist, nicht geben. Hierzu bedürfte es der festen regio-nalen Zuweisung nach Bezirken oder Kreisen. Diese feste Zuordnung ist jedoch in der Spiel-ordnung nicht vorgesehen, so dass jede Saison neu verteilt werden muss. An diese grund-sätzliche Entscheidung des Verordnungsgebers (Verbandstag) ist der Verbands-Spielausschuss gebunden.

Unter Beachtung dieser Grundsätze ist die Einteilung durch den Verbandsspielausschuss nicht zu beanstanden.

Die Einteilung der Vereine erfüllt die in § 11. Nr. 3 Spielordnung vorgesehene Normzahl von 18 Vereinen in beiden Ligen. Die Einteilung erfolgt unter Berücksichtigung der geografischen Gegebenheiten. Dabei ist zu beachten, dass die vier Vereine 1. FC P, SV H, TSV W und FC H zwar südlich vom Beschwerdeführer liegen, jedoch eine regionale Einheit um Passau herum bilden, welche nicht auseinander zu reißen jedenfalls keinen Ermessensfehler darstellt. Dies gilt auch für den TSV B, der ein-deutig der Region Regensburg zugeordnet werden kann. Demgegenüber ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwischen den Regionen Passau und Regensburg angesiedelt ist.
Geografisch nimmt er in der Landesliga Süd-Ost zwar eine Randstellung ein, es ergibt sich aber immer noch ein geschlossenes Spielgebiet. Dass Grenzfälle jeweils auch mit den Nach-barligen ein geschlossenes Spielgebiet bilden würden, ergibt sich regelmäßig aus der Randla-ge. Der Verbands-Spielausschuss hat dabei das Ermessen, den an der Grenze befindlichen Verein einer der beiden Ligen zuzuteilen.

Auch die Argumente des Beschwerdeführers zeigen keinen Ermessensfehler auf.

Die vom Beschwerdeführer als "Ideallösung" bezeichnete Aufteilung in eine 17er Liga und eine 19er Liga berücksichtigt nicht die Normzahl und führt zu den oben dargelegten Proble-men. Zwar kann im Ausnahmefall ein Abweichen von der Norm erfolgen. Dazu bedarf es aber besonderer Gründe, die der Beschwerdeführer nicht aufzeigt.

Der Vortrag, dass die Vereine der Landesliga Mitte derzeit einen Verbleib des Beschwerde-führers in der Landesliga Mitte wünschen, stellt kein solches Argument dar. Das VSG hat be-reits entschieden, dass es keinen Anspruch eines Vereins gibt, dass ein bestimmter anderer Verein zugeteilt wird (VSG Fall 01-13/14).

Dass Vereine, die geografisch relativ alleine stehen, wesentlich höhere Fahrtstrecken zurück-legen müssen, als Vereine, die örtlich von anderen Vereinen umgeben sind, lässt sich nicht ändern. Würde man statt des Beschwerdeführers einen Verein herausnehmen, der in einer Region mit anderen Vereinen spielt, wäre das Ergebnis noch wesentlich nachteiliger. Damit begründet auch dies keinen Ermessensfehler. Da der TSV B weder in der Landesliga Mitte, noch in der Landesliga Südost unmittelbare Nachbarvereine hat, kann dies auch keinen Härtefall begründen. Auch würden bei einer 19er Liga für jeden Verein zusätzlich die Fahrt-kosten zum Beschwerdeführer hinzukommen, die bei der vorgesehenen 18er Liga überhaupt nicht anfallen. Andererseits würde natürlich jeder Verein weniger in der Landesliga Süd-Ost die absoluten Fahrtkosten pro Verein in dieser Liga um diese Anreisekosten reduzieren. Mit dieser Argumentation könnten jedoch alle Vereine am geografischen Rand einer Liga als "Kostenfaktor" der Nachbarliga zuzuordnen sein. Auch dieses Argument kann daher keinen Ermessensfehler begründen.

Die Spekulation, welche Zuschauerzahlen bei welchen Spielen zu erwarten sind, kann kein wesentliches Argument für die Einteilung sein. Abgesehen davon, dass sich solche Erwartun-gen empirisch kaum belegen lassen, hängen Zuschauerzahlen von vielen Faktoren, wie Ta-bellenstand, Witterungsverhältnisse oder Konkurrenz mit anderen Veranstaltungen ab, so dass sich auch darauf keine verlässliche Ligeneinteilung gründen lässt.

Schließlich ist auch kein Ermessensfehler darin zu sehen, dass der Verbands-Spielausschuss im Nichtabhilfebescheid formulierte, dass bei nur 88 Vereinen in keiner Liga mehr als 18 Mannschaften eingeteilt werden können. Die Begründung lässt erkennen, dass sich der Ver-bands-Spielausschuss bewusst war, dass eine solche Einteilung nicht gänzlich ausgeschlos-sen ist, dass sie aber der Ausnahmefall sein muss, weil die Normzahl 18 Mannschaften be-trägt. Aus diesem Grund wurden nachfolgend auch die tragenden Gründe dargelegt, weshalb die beantragte Einteilung nicht in Betracht kam. Wenn der Verbands-Spielausschuss davon ausgegangen wäre, dass die Normzahl eine verbindliche Höchstzahl darstellt, hätte es der weiteren Überlegungen nicht bedurft.

Zusammengefasst ist also festzuhalten, dass die Argumente des Beschwerdeführers wohl auch eine andere Einteilung als möglich erscheinen lassen, aber keineswegs rechtfertigen, dass ein Ausnahmefall angenommen werden muss, der zur Abweichung von der Normzahl führen würde. Damit ist die Entscheidung des Verbands-Spielausschusses nicht ermessens-fehlerhaft und die Beschwerde zurückzuweisen.

5.
Kostenentscheidung: §§ 32,33 RVO, § 11 Abs. I Nr. 7, 13 FO. Nach der ständigen Recht-sprechung des VSG bei unmittelbarer Vorlage durch den Verbandspräsidenten wurde nur die Beschwerdegebühr zum Verbands-Präsidium und nicht diejenige zum Verbands-Sportgericht festgesetzt.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Roßmann

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00074-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 19.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Urteil:

I. Das Verfahren gegen den FC P wird eingestellt. Das Spiel FC P : VfR G wird seinem Ausgang nach gewertet.

II. Das Verfahren gegen den Spieler E wird eingestellt.

III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

folgen

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

Aktenzeichen: 00073-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 19.06.2018
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter


Beschluss:

Das Verfahren gegen den FC P (Fall-Nr. des VSG 064-17/18) und das Verfahren gegen E (Fall-Nr. des VSG 070-17/18) werden wegen Sachzusammenhang zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung verbunden.

gez. Riedmeyer

   

 

 

Aktenzeichen: 00072-17/18-VSG
Sitzung vom: 15.06.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Fall: Berufung SG N gegen das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe, AZ: 00734-17/18-KSG Nbg./Frhö

Urteil:

I. Die Berufung der SG N gegen das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 05.06.2018 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 25,68 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 61,63 trägt der Mannschaftsverantwortliche M unter Mithaftung seines Vereins SG N. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. In dem Spiel der Kreisklasse zwischen SG N - FC S am 21.05.2018 setzte der Heimverein den Spieler O ein. Dieser wurde in der Rückrunde der 1. Mannschaft auch 8x in der 1. Halbzeit eingesetzt.

Aufgrund dieses Einsatzes erstattete der FSV S und der TSV J jeweils unter dem 25.05.2018 eine Anzeige beim KSG Nürnberg/Frankenhöhe, welches daraufhin ein Verfahren unter dem 25.05.2018 gegen die SG N wegen unzulässigem Spielereinsatzes u. a. einleitete.

Das KSG Nbg./Frhö entschied nach Anhörung der SG N mit Urteil vom 05.06.2018, AZ: 00734-17/18-KSG Nbg./Frhö, dass der Verantwortliche der SG N gemäß § 77 II RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz in einem leichten Fall mit einer Geldstrafe von € 50,00 unter Mithaftung des Berufungsführers belegt wird.

Hiergegen legte die SG N mit Schreiben vom 11.06.2018 per ZIMBRA und am 12.06.2018 schriftlich Berufung gegen die vorgenannte Entscheidung ein. Es wurde beantragt, das Urteil aufzuheben.

Zur Begründung wird auf die anderweitige Berufung im Verfahren 00733-17/18/-KSG Nbg./Frhö, Urteil des Verbands-Sportgerichts 00071-17/18-VSG verwiesen. Aufgrund der Eilbedürftigkeit hat der Verbandsanwalt unter dem 14.06.2018 die sofortige letztinstanzliche Entscheidung durch das Verbands-Sportgericht beantragt. Mit Beschluss vom gleichen Tag wurde das Verfahren seitens des Verbands-Sportgericht übernommen und der Berufungsführer auf die in diesen Fällen einschlägige Rechtsprechung des Verbands-Sportgericht hingewiesen, worauf dieser im Weiteren auch Stellung genommen hat.

Ergänzend wird auf den Akteninhalt Bezug genommen.

2. Die Berufung ist zulässig, aber in der Sache nicht begründet.

Das Verbands-Sportgericht ist für die Entscheidung im vorliegenden Fall gemäß § 20 III RVO zuständig.

Das Verbands-Sportgericht hat dem begründeten Antrag des Verbandsanwalts mit Beschluss vom 14.06.2018 stattgegeben und das Verfahren an sich gezogen.

Im Übrigen steht dieses Verfahren im Sachzusammenhang mit der anderweitigen Entscheidung des Verbands-Sportgericht 00071-17/18-VSG.
Der Einsatz des Spieler O des Berufungsführers am 21.05.2018 im oben genannten Kreisklassenspiel war unzulässig.

Zur Begründung wird auf die anderweitige Entscheidung des Verbands-Sportgerichts vom 15.06.2018 Az. 00071-17/18-VSG verwiesen.

Das Verbands-Sportgericht hat die anderweitige Berufung gegen die Spielwertung mit vorgenannter Entscheidung zurückgewiesen.

Damit kann auch diese Berufung keinen Erfolg haben, da der Spieler durch den betroffenen Mannschaftsverantwortlichen unzulässig eingesetzt wurde.

Das Erstgericht hat den Besonderheiten des Falles dadurch Rechnung getragen, dass die Mindeststrafe verhängt wurde. Diese ist nicht zu beanstanden. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

3. Die Kosten hat gemäß §§ 32, 33 RVO der Berufungsführer zu tragen, wobei die normal anfallenden Kosten in einem Berufungsverfahren, hier Kosten eines Berufungsverfahren zum Bezirkssportgericht, in Ansatz gebracht werden, nachdem der Berufungsführer die sofortige Entscheidung des Verbands-Sportgerichts nicht zu vertreten hat.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Krause

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00071-17/18-VSG
Sitzung vom: 15.06.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Fall: Berufung SG N gegen das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe, AZ: 00733-17/18-KSG Nbg./Frhö

Urteil:

I. Die Berufung der SG N gegen das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 05.06.2018 wird zurückgewiesen.

II. Die SG N trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 25,68 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 61,63. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.


Gründe:

1. In dem Spiel der Kreisklasse zwischen SG N - FC S am 21.05.2018 setzte der Heimverein den Spieler O ein. Dieser wurde in der Rückrunde der 1. Mannschaft auch 8x in der 1. Halbzeit eingesetzt.

Aufgrund dieses Einsatzes erstattete der FSV S und der TSV J jeweils unter dem 25.05.2018 eine Anzeige beim KSG Nürnberg/Frankenhöhe, welches daraufhin ein Verfahren unter dem 25.05.2018 gegen die SG N wegen unzulässigem Spielereinsatzes u. a. einleitete.

Das KSG Nbg./Frhö entschied nach Anhörung der SG N mit Urteil vom 05.06.2018, AZ: 00733-17/18-KSG Nbg./Frhö, dass diese wegen unzulässigem Spielereinsatz in einem leichten Fall mit einer Geldstrafe von € 50,00 belegt wird und das Spiel für die FC S mit 2:0 als gewonnen und für die SG N mit 0:2 als verloren gewertet wird.

Hiergegen legte die SG N mit Schreiben vom 11.06.2018 per ZIMBRA und am 12.06.2018 schriftlich Berufung gegen die vorgenannte Entscheidung ein. Es wurde beantragt, das Urteil aufzuheben und das Spiel dem Ausgang nach zu werten, hilfsweise das Spiel neu anzusetzen.

Begründet wird dies damit, dass der Einsatz des Spielers Yildirim Ozan am Pfingstmontag, den 21.05.2018 aufgrund der Auskunft des B erfolgte, da nach dessen Angaben der Pfingstmontag zum Spielwochenende gehöre. Der Berufungsführer sei sich diesbezüglich unsicher gewesen und habe deswegen bei B nachgefragt. Darüber hinaus wird angeführt, dass die SpO, die im vorliegenden Fall greife, erst ab dem 01.06.2018 Geltung habe und damit nicht für das Spiel am 21.05.2018. Aufgrund der Eilbedürftigkeit hat der Verbandsanwalt unter dem 14.06.2018 die sofortige letztinstanzliche Entscheidung durch das Verbands-Sportgericht beantragt. Mit Beschluss vom gleichen Tag wurde das Verfahren seitens des Verbands-Sportgericht übernommen und der Berufungsführer auf die in diesen Fällen einschlägige Rechtsprechung des Verbands-Sportgericht hingewiesen, worauf dieser im Weiteren auch Stellung genommen hat.

Ergänzend wird auf den Akteninhalt Bezug genommen.

2. Die Berufung ist zulässig, aber in der Sache nicht begründet.

Das Verbands-Sportgericht ist für die Entscheidung im vorliegenden Fall gemäß § 20 III RVO zuständig.

Es ist zur Herbeiführung der letztinstanzlichen Entscheidung im vorliegenden Fall dringend erforderlich, dass das Verbands-Sportgericht auch unmittelbar abschließend entscheidet, da die Entscheidung Einfluss auf die Relegation haben kann. Das Verbands-Sportgericht hat dem begründeten Antrag des Verbandsanwalts mit Beschluss vom 14.06.2018 stattgegeben und das Verfahren an sich gezogen.

Der Einsatz des Spielers O des Berufungsführers am 21.05.2018 im oben genannten Kreisklassenspiel war unzulässig.

Der Spieler O spielte 8x in der 1. Halbzeit der Rückrunde in der 1. Mannschaft. Wie das KSG Nbg./Frhö im Weiteren zutreffend ausführt, dürfen gemäß § 34 SpO nach dem letzten Meisterschaftsspielwochenende einer höheren Mannschaft nur Spieler eingesetzt werden, die in den Rückrundenspielen in keiner der höheren Mannschaften ihres Vereins in mehr als 4 ausgetragenen Meisterschaftsspielen in der 1. Halbzeit mitgewirkt haben. § 34 III SpO stellt dabei eindeutig auf das letzte Meisterschaftsspielwochenende von Freitag bis Sonntag ab.

Es kann daher im vorliegenden Fall dahinstehen, ob tatsächlich eine Falschauskunft vorliegt oder nicht. Nach der vom Verbands-Sportgericht im Fall 26 2004/2005 und im Fall 72 2005/2006 entwickelten Rechtsprechung ist entsprechend der dort aufgestellten Grundsätze hinsichtlich des entwickelten Prüfungsschemas vorzugehen.

Es kann im vorliegenden Fall ausnahmsweise dahinstehen, ob eine Falschauskunft vorliegt oder nicht, da in jedem Fall zu prüfen ist, ob für den betroffenen Verein erkennbar war, dass es sich um eine Falschauskunft handelt.

Dies ist im vorliegenden Fall gegeben. § 34 SpO stellt eindeutig auf das Spielwochenende von Freitag bis Sonntag ab. Der anschließende Feiertag, hier der Pfingstmontag ist daher in jedem Fall ausgenommen. Dies ergibt sich auch aus dem Umkehrschluss aus den §§ 51 RVO, 37 V SpO, in welchen explizit der sich an einen Sonntag anschließende Feiertag erwähnt wird und sich die Sperre auch auf diesen Tag erstreckt. Bei § 34 SpO ist dies gerade nicht der Fall. Damit wäre es auch für den Berufungsführer erkennbar gewesen, dass ein Einsatz am Pfingstmontag, den 21.05.2018 nicht möglich und damit unzulässig ist.

Soweit sich der Berufungsführer darauf beruft, dass sich die neue veröffentlichte SpO vom 01.06.2018 nicht auf den 21.05.2018 bezogen hat und am 21.05.2018 bereits die vom 01.06.2018 veröffentlich wurde, so ist dies unrichtig. Die SpO wurde zum 01.06.2018 geändert und am 01.06.2018 um 12:55:06 Uhr online gestellt. Vorher galt die alte SpO. Die Vorschrift des § 34 SpO wurde insoweit nicht geändert. Die zu diesem Zeitpunkt geltende SpO war entgegen den Ausführungen des Berufungsführers zum fraglichen Zeitpunkt auch online verfügbar.

Der Spieler O wurde daher am 21.05.2018 unzulässig eingesetzt. Dies war für den Berufungsführer auch erkennbar. Die vom Erstgericht ausgesprochene Strafe trägt den Besonderheiten des Falles Rechnung. Die vorgenommene Spielwertung ist ebenfalls daher nicht zu beanstanden. Die Berufung kann daher weder im Hauptantrag, noch im Hilfsantrag Erfolg haben und war dementsprechend zurückzuweisen.

3. Die Kosten hat gemäß §§ 32, 33 RVO der Berufungsführer zu tragen, wobei die normal anfallenden Kosten in einem Berufungsverfahren, hier Kosten eines Berufungsverfahren zum Bezirkssportgericht, in Ansatz gebracht werden, nachdem der Berufungsführer die sofortige Entscheidung des Verbands-Sportgerichts nicht zu vertreten hat.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Krause

 

 

 

Aktenzeichen: 00070-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Fall: Bezirksliga-Spiel FC C - FC B vom 24.03.2018

Urteil:

1. Die Berufung des FC B vom 01.05.2018 gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 24.04.2018, AZ: 00107-17/18-BSG Ofr. wird in Ziffer 1. mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass der FC B gemäß § 73 I und II RVO i.V.m. § 48 I RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin durch Mitglied(er) oder Zuschauer mit einer Geldstrafe in Höhe von € 500,00 belegt wird.

2. Im Übrigen verbleibt es bei der Entscheidung des BSG Oberfranken vom 24.04.2018.

3. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 61,63 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 102,72 trägt der FC B. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Der amtierende SR meldete für das Punktspiel der Bezirksliga West zwischen FC C und FC B am 24.03.2018, dass in der 10. Spielminute Fans vom FC B Feuerwerkskörper (Bengalos) zündeten. Er hat danach Platzordner zu den Fans geschickt und den Spielführer vom FC B gebeten, seine Fans zu beruhigen. In der 30. Minute wiederholte sich dann die gleiche Szene. Obwohl bei den Bamberger Fans Ordner standen, wurden Feuerwerkskörper von diesen gezündet.

In der 72. Minute erzielte dann der Spieler vom FC C mit der Nr. 11 das 3:0. Dieser jubelte provokant vor den B Fans, die daraufhin Bierbecher auf Spieler und Schiedsrichter warfen. Der Spieler wurde wegen unsportlichen Verhaltens verwarnt. Seitens des BSG Oberfranken wurde ein Verfahren eingeleitet. Der FC B hatte Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit Urteil vom 24.04.2018 wurde dieser wegen Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe in Höhe von € 500,00 nebst Kosten belegt.

Hiergegen legte der Berufungsführer mit Schreiben vom 01.05.2018 Berufung ein und trug im Wesentlich dazu vor, dass eine Zuordnung von Mitgliedern, Anhängern oder Zuschauern des FC B nicht schuldfähig bewiesen und auch der Heimverein einen hohen Schuldanteil habe sowie die Höhe der Geldstrafe unverhältnismäßig wäre. Im Übrigen wird auf den Akteninhalt und insbesondere die Berufungsbegründung verwiesen.

2. Das VSG ist zur Entscheidung über die Berufung zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet und ist daher mit der im Tenor erfolgten Ergänzung zurückzuweisen.

Gegen die Zulässigkeit der Berufung bestehen keine Bedenken. Sie wurde form- und fristgerecht eingelegt.

Das BSG Oberfranken hat den Berufungsführer zurecht wegen Verletzung der Platzdisziplin durch deren Mitglieder oder Zuschauer mit einer nicht zu beanstandenden Geldstrafe in Höhe von € 500,00 belegt. Aufgrund der vorgelegten Stellungnahme und der Lichtbilder ist unstreitig, dass Pyrotechnik, insbesondere Bengalos sowohl in der 10., als auch in der 30. Minute unmittelbar am Spielfeldrand abgebrannt wurden.

Das Entzünden von Pyrotechnik stellt erhebliche Gefahren für die im Sportplatzbereich befindlichen Personen dar. Zum Schutz dieses Personenkreises sind derartige Handlungen verboten und deswegen zu unterbinden. Kommt es gleichwohl zu Vorfällen der genannten Art, so ist nach ständiger Rechtsprechung des VSG der jeweilige Verein hierfür zumindest gemäß § 73 II RVO verantwortlich.

Gemäß § 73 I 2 RVO haftet auch der Gastverein, vor, während und nach dem Spiel im Sportplatzbereich für Zwischenfälle jeglicher Art, die von den in
§ 73 II RVO erfassten Personenkreis verursacht worden sind. Danach ist der Verein für das Verhalten ihrer Spieler, Offiziellen, Mitarbeiter, Erfüllungsgehilfen, Mitglieder, Anhänger, Zuschauer und weiterer Personen, die im Auftrag des Vereins eine Funktion während des Spiels ausüben, verantwortlich.

Die Haftung der Vereine für Fehlverhalten von ihnen zuzurechnenden Personen ist in den Statuten des BFV zweifelsfrei geregelt. Diese Rechtslage ist nicht anders als die sich aus den Rechtsnormen des DFB und der UEFA für den europäischen Fußball ergebenden Rechtslage. Letztere wurden bereits mehrfach vom Intern. Sport-Schiedsgericht (CAS) sowie zuletzt auch vom ständigen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen bestätigt.

Die Zuschauer sind eindeutig dem Berufungsführer zuzurechnen. Der Spielführer sprach beruhigend auf die Fans ein. Aus dem Standort und den aus den Lichtbildern ersichtlichen Fanutensilien ist eine Zuordnung zum Berufungsführer gegeben. Dies ergibt sich auch aus der SR-Meldung und letztlich auch daraus, dass der Spielführer des Berufungsführers auch auf diesen Zuschauerbereich beruhigend einwirkte. Soweit ausgeführt wird, dass sich ein 17jähriger Jugendlicher, der extra für dieses Spiel aus dem Raum Nürnberg angereist sei, sich lediglich in der Personengruppe aus B aufgehalten habe, ist bereits damit die Zuordnung zum Verein gegeben. Eine klare Distanzierung von dieser Person ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht vorgetragen. Diese Person wurde bislang auch nicht namentlich benannt. Darüber hinaus gibt es keine klaren Anhaltspunkte dafür, dass diese Person die einzig handelnde war.

Ob und inwieweit der Berufungsführer Regressansprüche geltend macht bzw. machen kann, ist letztlich diesem selbst überlassen.

Soweit der Berufungsführer darauf abstellt, dass es bereits außerhalb des Sportgeländes zum Zünden von Böllern kam und die Polizei zur Deeskalation hätte herangezogen werden müssen, so obliegt dies letztlich dem Einsatzkonzept der Polizei und kann den Berufungsführer nicht entlasten. Darüber hinaus ist im vorliegenden Fall auf die Verfehlungen auf dem Sportplatzgelände abzustellen.

Die Verhängung einer Geldbuße in Höhe von € 500,00 ist unter Berücksichtigung des angegebenen Budgets und der Verfehlungen, insbesondere des zweimaligen Einsatzes von Pyrotechnik, auch aus Sicht des VSG nicht zu beanstanden. Dabei wird davon ausgegangen, dass im Strafmaß auch das Werfen der Bierbecher auf Spieler und Schiedsrichter mitgeahndet wurde. Das Urteil des BSG Oberfranken war im Tenor hinsichtlich der Vorschrift des § 48 I RVO zu ergänzen.

Aus all diesen Gründen war die Berufung letztlich kostenpflichtig zurückzuweisen.

4. Der Berufungsführer hat gemäß §§ 32, 33 RVO die Kosten zu tragen.

gez. Riedmeyer, gez. Krause, gez. Beierlein

 

 

Aktenzeichen: 00069-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb

 

Berufung SV P gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 24.04.2018, Az.: 00128-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins SV P vom 30.04.2018 wird das Urteil des Bezirksportgerichts Oberfranken, Aktenzeichen 00129-17/18-BSG Ofr.
aufgehoben und zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an das Bezirksportgericht Oberfranken zurückverwiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens bleiben der Endentscheidung vorbehalten.

Begründung:

1. Der Schiedsrichter des Verbandspiels SV P - SSV K am 11.04.2018 meldet in seinem Sonderbericht, dass der SRA 1 von Herrn M mit einem Finger in den Rücken gedrückt und danach mit beiden Händen an der Hüfte gepackt wurde. Der SRA 2 hat die Situation beobachtet und ist eingeschritten. Ebenso stellte sich der SR schützend vor SRA 1.
Es war bei dieser Situation kein Ordnungsdienst vor Ort, der Ordnungsdienst kam erst, als der SR diesen mit lauten Worten forderte. Der Schiedsrichter hat über den Spielführer den Namen des Zuschauers in Erfahrung gebracht.
Der Spielleiter des SV P G hat in seinem Schreiben vom 15.04.2018 ausführlich zu den Vorwürfen Stellung genommen. Es wurde mitgeteilt, dass Herr M Vereinsmitglied ist.
Ferner wurde eingeräumt, dass der Betroffene den vor ihm laufenden Schiedsrichterassistenten 1 mit der rechten Hand an dessen linken Oberarm angetippt hat.
Das Anfassen des SRA 1 an der Hüfte wird vom Verein bestritten. Es wurden mehrere Personen namentlich als Zeugen für den Geschehensablauf benannt.

Das BSG Oberfranken hat den Betroffenen in der angefochtenen Entscheidung wegen unsportlichen Verhaltens gem. §§ 47, 48 RVO mit einem Platzverbot vom 20.04.2018 bis einschließlich 31.12.2018 belegt.
Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des SV P.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht gemäß § 44 Abs. 3 RVO über ZIMBRA-Postfach, eingehend am 30.04.2018, eingelegt. Das VSG ist gemäß § 20 Abs.1 lit. e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist begründet und wird zur weiteren Sachaufklärung an das BSG zurückverwiesen.

Der Sonderbericht des Schiedsrichters und die Stellungnahme des Vereins stehen im vorliegenden Fall in einem Widerspruch, der sich alleine anhand der schriftlichen Angaben nicht auflösen lässt.
Der betroffene Verein hat in seiner ersten Stellungnahme mehrere Zeugen für seine Sichtweise des Ablaufes benannt. Insbesondere hat der Verein bestritten, dass der SRA 1 an der Hüfte gepackt wurde. Nach Ansicht des Vereines war genug Ordnungsdienst vor Ort.
Die vom Verein benannten Zeugen wurde vom BSG nicht gehört.

Gemäß § 41 II RVO hat der Vorsitzende eine mündliche Verhandlung anzuordnen, wenn dies zur Herbeiführung einer sachgerechten Entscheidung zwingend erforderlich ist. Nach der Rechtsprechung des VSG ist dies dann der Fall, wenn die schriftlichen Stellungnahmen sich in einer Weise widersprechen, dass sie auch unter Heranziehung anderer Stellungnahmen auch nicht ansatzweise in Einklang zu bringen sind.
In diesem Fall muss ergänzend der persönliche Eindruck von den Zeugen berücksichtigt werden, um eine sachgerechte Entscheidung zu treffen.
So liegt der Fall hier:
Angesichts einander eindeutig widersprechender Äußerungen im Schiedsrichterbericht und in der Stellungnahme des Betroffenen ist es dem Tatsachengericht verwehrt, ohne besondere Begründung von einer Beweisaufnahme abzusehen und eine Verurteilung ausschließlich auf den als zutreffend unterstellten schriftlichen Schiedsrichterbericht zu stützen
(siehe VSG Urteil Prot. 8 Fall 10 vom 10.10.1998).

Nach Ansicht des VSG ist durch das Bezirkssportgericht bei dem vorliegenden Sachverhalt eine mündliche Verhandlung gem. § 41 II RVO zwingend durchzuführen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO, § 2 I. Nrn. 8 c) und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00068-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

Berufung SV P gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 24.04.2018, Az.: 00128-17/18-BSG Ofr.


Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins SV P vom 30.04.2018 wird das Urteil des Bezirksportgerichts Oberfranken, Aktenzeichen 00128-17/18-BSG Ofr.
aufgehoben und zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an das Bezirksportgericht Oberfranken zurückverwiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens bleiben der Endentscheidung vorbehalten.


Begründung:

1. Der Schiedsrichter des Verbandspiels SV P - SSV K am 11.04.2018 meldet in seinem Sonderbericht, dass er und sein Team nach Spielende beim Verlassen des Spielfeldes von Zuschauern beschimpft wurden. Er berichtet weiter, dass kein Ordnungsdienst in der Nähe war. Darüber hinaus wurde das SR-Team beim Betreten des Sportheimes erneut beschimpft und der Schiedsrichterassistent 1 wurde von Herrn M mit einem Finger in den Rücken gedrückt und danach mit beiden Händen an der Hüfte gepackt. Es war bei dieser Situation kein Ordnungsdienst vor Ort, der Ordnungsdienst kam erst, als der SR diesen mit lauten Worten forderte.
Das BSG Oberfranken hat am 13.04.2018 ein Verfahren gegen den
SV Poppenreuth eingeleitet.
Der Spielleiter des SV P G hat in seinem Schreiben vom 15.04.2018 ausführlich zu den Vorwürfen Stellung genommen und diese weitgehend bestritten. Der Sicherheitsbeauftrage des Vereines G sei als mit Armbinde gekennzeichneter Ordnungsdienst nach Spielende den 30 Meter langen Weg vom Sportplatz zum Sportheim direkt hinter dem Schiedsrichtegespann gegangen. Hierbei wurde das Gespann lediglich beschimpft, aber nicht körperlich angegangen.
Herr S war als zweiter Platzordner am östlichen Spielfeldrand.

Am Eingang zum Sportheim kam es zu einem kleinen Stau. Es wird vom SV P eingeräumt, dass Herr M im weiteren Verlauf den vor ihm laufenden Schiedsrichterassistenten 1 mit der rechten Hand an dessen linken Oberarm angetippt hat.
Das Anfassen des SRA 1 an der Hüfte wird vom Verein bestritten. Es wurden mehrere Personen namentlich als Zeugen für den Geschehensablauf benannt.

Das BSG Oberfranken hat den Verein in der angefochtenen Entscheidung wegen eines nicht ausreichenden Ordnungsdiensts gemäß § 73 Abs. 4 RVO mit einer Geldstrafe von Euro 250,- belegt. Begründet wird diese Entscheidung auch mit dem Umstand, dass nach Angaben des BSG es in den letzten Jahren immer wieder zu Vergehen gegenüber dem SR-Gespann kam.
Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des SV P.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht gemäß § 44 Abs. 3 RVO über ZIMBRA-Postfach, eingehend am 30.04.2018, eingelegt. Das VSG ist gemäß § 20 Abs.1 lit. e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist begründet und wird zur weiteren Sachaufklärung an das BSG zurückverwiesen.

Der Sonderbericht des Schiedsrichters und die Stellungnahme des Vereins stehen im vorliegenden Fall in einem Widerspruch, der sich alleine anhand der schriftlichen Angaben nicht auflösen lässt.
Der betroffene Verein hat in seiner ersten Stellungnahme mehrere Zeugen für seine Sichtweise des Ablaufes benannt. Insbesondere hat der Verein bestritten, dass der SRA 1 an der Hüfte gepackt wurde. Nach Ansicht des Vereines war genug Ordnungsdienst vor Ort.
Die vom Verein benannten Zeugen wurde vom BSG nicht gehört.

Gemäß § 41 II RVO hat der Vorsitzende eine mündliche Verhandlung anzuordnen, wenn dies zur Herbeiführung einer sachgerechten Entscheidung zwingend erforderlich ist. Nach der Rechtsprechung des VSG ist dies dann der Fall, wenn die schriftlichen Stellungnahmen sich in einer Weise widersprechen, dass sie auch unter Heranziehung anderer Stellungnahmen auch nicht ansatzweise in Einklang zu bringen sind.
In diesem Fall muss ergänzend der persönliche Eindruck von den Zeugen berücksichtigt werden, um eine sachgerechte Entscheidung zu treffen.
So liegt der Fall hier:
Angesichts einander eindeutig widersprechender Äußerungen im Schiedsrichterbericht und in der Stellungnahme des Betroffenen ist es dem Tatsachengericht verwehrt, ohne besondere Begründung von einer Beweisaufnahme abzusehen und eine Verurteilung ausschließlich auf den als zutreffend unterstellten schriftlichen Schiedsrichterbericht zu stützen
(siehe VSG Urteil Prot. 8 Fall 10 vom 10.10.1998).

Nach Ansicht des VSG ist durch das Bezirkssportgericht bei dem vorliegenden Sachverhalt eine mündliche Verhandlung gem. § 41 II RVO zwingend durchzuführen.

Soweit das BSG in seiner Entscheidung angibt, dass in den letzten Jahren immer wieder zu Vergehen gegenüber einem Schiedsrichtergespann gekommen ist, fehlt es hierzu an der konkreten Benennung der Verfahren.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO, § 2 I. Nrn. 8 c) und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer, gez. Krause, gez. Lieb

 

 

Aktenzeichen: 00067-17/18-VSG

Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb

Berufung SV P gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 24.04.2018, Az.: 00127-17/18-BSG Ofr.


Urteil:

I. Die Berufung des SV P vom 30.04.2018 gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 24.04.2018 wird zurückgewiesen.

II. Der SV P trägt die Kosten der Berufung in Höhe von € 61,63 sowie die Berufungsgebühr in Höhe von € 102,72. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.


Begründung:

1. Der Schiedsrichter des Verbandspiels SV P - SSV K am 11.04.2018 meldet in seinem Sonderbericht, dass der 1. Vorstand des SV P P seinen Schiedsrichterassistenten 1 in der Nachspielzeit unter anderem mit den Worten "Du bist das größte Rindvieh das herumläuft! Du Idiot!" beschimpft hat.
Der Schiedsrichter verwies daraufhin den Betroffenen vom Sportgelände.

Der Betroffene hat in seinem Schreiben vom 17.04.2018 ausführlich zum Vorwurf Stellung genommen.
Er bestreitet die gemeldeten Worte, räumt aber ein, dass er sich zu folgender Äußerung hinreißen hat lassen:
" Was ihr zwei pfeift is a Schweinerei, a Sauerei; des nennts ihr neutral."

Das BSG Oberfranken hat den Betroffenen in der angefochtenen Entscheidung wegen eines unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe von Euro 150,- belegt.
Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des SV Poppenreuth. Begründet wird die Berufung im Wesentlichen damit, dass die Stellungnahme des Betroffenen vom Bezirkssportgericht lediglich als Schutzbehauptung dargestellt wird.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht gemäß § 44 Abs. 3 RVO über ZIMBRA-Postfach, eingehend am 30.04.2018, eingelegt.
Das VSG ist gemäß § 20 Abs.1 lit. e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist als unbegründet zurückzuweisen.
Der Betroffene hat sich nach seiner eigenen Einlassung eines unsportlichen Verhaltens, gem. §§ 47, 48 RVO, schuldig gemacht. Die von ihm eingeräumte Wortwahl rechtfertigt nach Ansicht des VSG bereits die ausgesprochene Geldstrafe von Euro 150,--.
Es kann letztlich dahingestellt bleiben, ob der Betroffene die vom Schiedsrichter gemeldeten oder lediglich seine eingeräumten Worte verwendet hat.
Legt man die Worte laut Schiedsrichterbericht bei der Urteilsfindung zu Grunde, wäre aus Sicht des VSG eine höhere Geldstrafe tat- und schuldangemessen.
Nach Auffassung des VSG ist die erkannte Strafe somit nicht zu beanstanden.
Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO, § 2 I. Nrn. 8 c) und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 

Aktenzeichen: 00066-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Verfahren gegen Jugendgruppenspielleiter M


Urteil:

I. Jugendgruppenspielleiter M wird gemäß §§ 47, 48 RVO zu einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € unter Mithaftung der DJK S verurteilt.

II. M trägt unter Mithaftung der DJK S die Kosten des Verfahrens in Höhe von 20,54 €.

III. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Bei dem U19-Kreisligaspiel (SG) DJK S gegen (SG) SC H am 27.04.2018 meldete der SR unter anderem einen Feldverweis auf Dauer, welcher gegen den Sohn des Betroffenen verhängt wurde und welcher dann zu einem Spielab-bruch aufgrund einer Tätlichkeit gegenüber dem SR führte. Ferner meldete er mehrere unsportliche Äußerungen des Betroffenen, wie: er solle sich eine Brille kaufen, wenn er blind sei, der SR sei kein Heiligtum und lautstarke Aussagen, dass er Karten nachmelden könne, um eine Sperre des Gästespielers zu erwirken sowie ein vehementes Fordern eines FaD für einen Spieler vom SC H.

2.
Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b) RVO für die Entscheidung zuständig, da der Be-troffene als Jugendgruppenspielleiter Funktionär des BFV ist.

3.
Zur Überzeugung des VSG steht aufgrund der Einlassung der DJK S sowie des Betroffenen selbst fest, dass dieser sich unsportlich gegenüber dem SR verhalten hat. Die DJK S räumt ein, dass im Zuge der Emotionen und dem Ärger etwas direktere Worte auf dem Sportplatz fallen. Der Betroffenen selbst bestritt den Inhalt der Meldung des SR nicht, räumte ein dem SR mehrfach zugeru-fen zu haben und entschuldiget sich für sein Verhalten in der emotional aufgeheiz-ten Situation. Das VSG hat keine Anhaltspunkte an den sachlichen Angaben des SR zu zweifeln, welche von keinerlei Belastungseifer getragenen waren. Aus Sicht des VSG ist es zwar zutreffend, dass ein Vereinsverantwortlicher ein krass sportwid-riges Verhalten, welches der SR nicht gesehen hat, anzeigen kann. Der Hinweis hierauf dürfte deshalb an sich nicht unsportlich sein, jedoch war im vorliegenden Fall mit dem vehementen Fordern eines FaD und der emotionalen lautstarken Kritik an der Entscheidung des SR die Grenze der Unsportlichkeit erreicht gemäß §§ 47, 48 RVO.

Bei der Strafzumessung war zu Gunsten der Betroffenen zu berücksichtigen, dass dieser seine ehrenamtliche Tätigkeit im BFV bislang jahrelang zuverlässig ausgeübt und sein Fehlverhalten eingeräumt und bedauert sowie sich beim SR entschuldigt hat. Ferner wurden die besondere persönliche Situation des Betroffenen, seine an-geschlagene Gesundheit sowie die familiäre Betroffenheit berücksichtigt, nachdem wohl der Sohn des Betroffenen - vom SR unbemerkt - vor dem FaD provoziert wurde. Zu Lasten des Betroffenen musste allerdings bewertet werden, dass von einem Funktionär eine gewisse Vorbildfunktion wahrgenommen und erwartet werden muss. Insbesondere ist es mit der ordnungsgemäßen Erfüllung der Funktionärstätigkeit unvereinbar, wenn man versucht den Eindruck zu erwecken Einfluss durch eine Anzeige nehmen zu wollen und durch lautstarke Kritik am SR die Stimmung aufheizt. Unter Abwägung dieser Strafzumessungsgründe erscheint daher die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € als tat- und schuldangemessen.

4.
Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO.
Die bei der Verhandlung vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr gemäß § 11 II. Nr. 6 c) FO iVm § 2 II. Nr. 6 c) Anlage zur FO war auf den Betrag zu ermäßigen, der angefallen wäre, wenn die Verhandlung vor dem JSG durchgeführt worden wäre (§ 11 Nr. 6 a) FO iVm § 2 II. Nr. 6 a) Anlage zur FO). Handelt es sich um ein Vergehen, das nicht mit dem Amt des Funktionsträgers in Verbindung steht, sondern dem all-gemeinen Sportbetrieb entspringt, erscheint es grundsätzlich angemessen, die dem Funktionsträger aufzuerlegenden Kosten auf dasjenige Maß zu beschränken, das ihn ohne seine Funktion treffen würde. Dies jedenfalls dann, wenn infolge dieser Sonderzuweisung an das VSG keine weiteren Kosten und Auslagen entstehen. In diesem Fall scheint es sachgerecht, den Funktionsträger wegen der Übernahme des Ehrenamts nicht mit höheren Kosten zu belegen (ständige Rechtsprechung des VSG, Fall 62/2005/2006, Fall 10/2006/2007). Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 Abs. 2 RVO. Die Ausnahmeregelung des § 50 Abs. 2 Satz 3 RVO greift nicht ein, weil der Vorfall nicht in Zusammenhang mit der Verbandstätigkeit des Betroffenen steht.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause

 

 

 

 

Aktenzeichen: 0065-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Beschluss:

I. Das Berufungsverfahren der SpVgg M wird eingestellt.
II. Die SpVgg M trägt die hälftige Berufungsgebühr iHv 51,36 € sowie die hälftigen
Verfahrenskosten iHv 30,82 €.

Gründe:

Die Berufung vom 17.04.2018 wurde von der SpVgg M am 31.05.2018 zurückgenommen,
so dass die Gebühren und Kosten auf die Hälfte reduziert werden konnten.

gez. Riedmeyer

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00064-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.06.2018
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Beschluss:

I. Das Wiederaufnahmeverfahren des TSV W wird eingestellt.
II. Der TSV W trägt die hälftige Wiederaufnahmegebühr iHv 77,04 € sowie die hälftigen
Verfahrenskosten iHv 30,82 €.

Gründe:

Der Wiederaufnahmeantrag vom 20.05.2018 wurde vom TSV W am 28.05.2018 zurückgenommen,
so dass die Gebühren und Kosten auf die Hälfte reduziert werden konnten.

gez. Riedmeyer

 

 
 

Aktenzeichen: 00063-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.06.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Beschluss:

I. Das Verfahren ist durch Antragsrücknahme erledigt.
II. Die Kosten des Verfahrens werden dem BSC S erlassen und die Kosten trägt der BFV.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.
Gründe:
Aufgrund der Besonderheit des Falles ("Freie Eingabe") wurde von der Auferlegung der Kosten
abgesehen.

gez. Beierlein; gez. Lieb; gez. Krause

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00062-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 29.05.2018
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Beschluss

Die SpVgg W trägt die hälftige Wiederaufnahmegebühr iHv 77,04 € sowie die hälftigen Verfahrenskosten iHv 30,82 €.

 Gründe

 Der Wiederaufnahmeantrag vom 25.04.2018 wurde von der SpVgg W am 27.05.2018 zurückgenommen, so dass die Gebühren und Kosten auf die Hälfte reduziert werden konnten.

gez. Riedmeyer

 

 

Aktenzeichen: 00061 & 00060-17/18-VSG

Datum der Sitzung: 15.05.2018,
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Beschluss

Das Verfahren gegen den GSO W (Fall-Nr. des VSG VSG 039-17/18) und das Verfahren
gegen GSO S (Fall-Nr. des VSG 053-17/18) werden infolge der Rücknahme
der Anzeigen eingestellt.
Die Kosten der mündlichen Verhandlung vom 15.05.2018 trägt der BFV.

gez. Riedmeyer, gez. Krause, gez. Lieb

 

 

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00059 & 00058-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 23.05.2018
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Teilurteil:

I. Die Anzeigen des SV S und des Verbandsanwaltes werden mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass die Spiele der Regionalliga Bayern TSV B : FC P, am 31.03.2018, FC P : TSV R am 7.4.2018, FC P : 1.FC N am 10.4.2018 FV I : FC P am 21.4.2018 FC P : FC B am 24.4.2018 FC P : SV S am 27.4.2018 FC I : FC P am 30.4.2018 und SV S : FC Pipinsried am 3.5.2018 jeweils nach dem Ausgang gewertet , insoweit wird das Verfahren eingestellt.
II. Über die weitergehenden Anzeigen des SV S und des Verbandsanwalt wird gesondert entschieden.
III. Die Kosten bleiben der Endentscheidung vorbehalten.

 Gründe

 folgen

gez. Riedmeyer, gez. Kraus, gez. Beierlein

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00057-17/18-VSG
Sitzung vom: 22.05.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

Wiederaufnahmeantrag des Spielers A, F, gegen das Urteil des Verbands-Sportgerichts, AZ.: 00093-16/17, vom 14.09.2017

Beschluss:

I. Der Antrag, das rechtskräftig abgeschlossenen Sportgerichtsverfahren (Urteil des VSG vom 14.09.2017, AZ.: 00093-16/17) gegen den Spieler A wieder aufzunehmen, wird zurückgewiesen.
II. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 154,08 € und die Verfahrensgebühren in Höhe von 61,63 € trägt der Spieler A unter Mithaftung des F. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Mit Urteil des Verbands-Sportgerichts vom 14.09.2017, AZ.: 00093-16/17, wurde der Spieler A wegen einer Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall im Spiel der B-Klasse N gegen F vom 21.05.2017 aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wurde das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören. Sein Spielerpass war unverzüglich an den BFV einzusenden.
Im Verfahren vor dem VSG wurde der Antragsteller per Einschreiben, zugestellt am 04.08.2017, darüber informiert, dass sein Ausschluss aus dem Verband in Betracht komme. Mit gleichem Schreiben wurde er auf die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme bis zum 14.08.2017 sowie auf die Möglichkeit, die Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu beantragen, hingewiesen. Auch der Verein Türk. SV Fürth wurde mit E-Mail vom 03.08.2017 über das ZIMBRA-Postfachsystem diesbezüglich informiert.
Hierauf reagiert jedoch weder der Antragsteller noch sein Verein F. Am 14.09.2017 erging dann das Sportgerichtsurteil, das wiederum per Einschreiben am 15.09.2017 an den Antragsteller versandt und zusätzlich über das ZIMBRA-Postfach dem Verein F am 15.09.2017 zugestellt wurde.
Am 23.10.2017 meldete sich der Antragsteller erstmalig telefonisch bei der Hauptabteilung Gesellschaft/Recht des BFV und teilte mit, dass er sich am Spieltag in der Türkei aufgehalten habe und daher gar nicht gespielt haben könne. Mit Schreiben vom 27.10.2017 legte er daher Widerspruch gegen das betreffende Urteil ein und benannte den Spieler, der beim entsprechenden Spiel auf seinen Pass gespielt haben soll sowie den Trainer. Weiter legte er Kopien seines Reisepasses vor, aus denen hervorgeht, dass A am 08.05.2017 Deutschland verließ und erst am 23.05.2017 zurückkehrte.
Gemäß § 46 I RVO ist die Wiederaufnahme eines durch rechtskräftiges Urteil abgeschlossenen Verfahrens zulässig, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht werden, die zu einer wesentlich anderen Entscheidung geführt hätten, wenn sie zum Zeitpunkt der Urteilsfällung dem erkennenden Gericht bekannt gewesen wären. Als neue Tatsachen oder Beweismittel gelten nach § 46 II RVO nur solche, welche nachweislich ohne Verschulden des Antragstellers vor Rechtskraft des Urteils ihm nicht bekannt geworden sind oder nicht rechtzeitig vorgebracht werden können. Der Antrag auf Wiederaufnahme ist gem. § 46 III RVO binnen 2 Wochen nach Bekanntwerden der neuen Tatsachen und Beweismittel beim Verbands-Sportgericht zu stellen.
Der vom Antragsteller bezeichnete "Widerspruch" wird als Antrag auf Wiederaufnahme umgedeutet, da der Antragsteller tatsächlich durch Wiederaufnahme des Verfahrens die Abänderung eines rechtskräftigen Urteils anstrebt.
Die vom Antragsteller vorgebrachten Tatsachen sind jedoch keine neuen Tatsachen im Sinne des § 46 II RVO und rechtfertigen daher keine Wiederaufnahme des Verfahrens.
Ausweislich des Anschreibens des VSG vom 03.08.2017, dem Antragsteller zugestellt am 04.08.2017, wurde explizit darauf hingewiesen, dass sein Ausschluss in Betracht käme und die Möglichkeit zur schriftlichen Stellungnahme und zur Beantragung der Durchführung einer mündlichen Verhandlung besteht. Trotzdem hat der Antragsteller hierauf nicht innerhalb der gesetzten Frist bis zum 14.08.2017 reagiert, obwohl er sich in diesem Zeitraum in Deutschland befand. Auch der F hat auf die entsprechende Mitteilung über das ZIMBRA-Postfach in keiner Weise reagiert.
Bereits zum damaligen Zeitpunkt war es dem Antragsteller und auch dem Verein F bekannt gewesen, dass A nicht gespielt hatte und trotzdem ein Verfahren gegen ihn beim Verbands-Sportgericht eingeleitet worden ist. Es war auch bekannt, dass sein Ausschluss aus dem Verband in Erwägung gezogen wurde. Trotzdem erfolgte keine Richtigstellung.
Der Reisepass des Antragstellers hätte in diesem Zeitraum ohne weiteres vorgelegt werden können. Dies erfolgte aber ebenfalls nicht.
Damit hat der Antragsteller schuldhaft nicht rechtzeitig neue Tatsachen- und Beweismittel vor Rechtskraft des Urteils vorgebracht.
Die besondere und eng auszulegende Ausnahmevorschrift der Wiederaufnahme nach § 46 RVO, welche eine Durchbrechung der Rechtskraft darstellt, kann in einem solchen Fall nicht zur Anwendung gelangen.
Aus diesen Gründen liegen für das VSG keine neuen Tatsachen- oder Beweismittel vor, weshalb der Antrag zurückzuweisen war.
Der Betroffene wurde auf die Möglichkeit eines Gnadengesuches hingewiesen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11 FO.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Roßmann

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00056-17/18-VSG

Sitzung vom: 22.05.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Krause

Verfahren gegen S

Urteil:

I. S wird gemäß §§ 47, 48 RVO zu einer Geldstrafe in Höhe von 150,00 € unter Mithaftung des VfB H verurteilt.

II. S trägt unter Mithaftung des VfB H die Kosten des Verfahrens in Höhe von 20,54 € sowie die hälftigen Kosten der mündlichen Ver-handlung vom 20.03.2018.

III. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Nach dem von SR I geleiteten Kreisklassenspiel TSV W gegen VfB H am 15.10.2017 erschien im Freisinger Tagblatt nach Frei-gabe durch den Betroffenen folgendes Zitat:

"Ein Schiedsrichter der provoziert, manipuliert und wissentlich benachteiligt, der hat bei einem Fußballspiel nichts zu suchen. Das hat auch nichts mit einem "schwarzen Tag" zu tun", betonte der VfB-Verantwortliche und verweist auf eine Vielzahl von Spielen, die unter der Leitung des besagten Referees "genauso oder sehr ähnlich abgelaufen sind."

SR I zeigte dieses Verhalten im Rahmen des gegen ihn laufenden Verfahrens beim VSG an.

2.
Das VSG ist wegen Sachzusammenhangs mit der Anzeige vom Betroffenen gegen den SR I aufgrund Sachzusammenhangs gemäß § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO für die Entscheidung zuständig.

3.
Nach mündlicher Verhandlung vom 20.03.2018, der schriftlichen Bestätigung des Journalisten J vom Freisinger Tagblatt sowie der letztlich erfolgten Einlas-sung des Betroffenen steht zur Überzeugung des VSG fest, dass der Betroffene den SR mit der von ihm explizit autorisierten und sodann veröffentlichten Aussage der absichtlichen Parteilichkeit und Spielmanipulation diskreditierte. Hierdurch be-schädigt er das sportliche Ansehen des SR I persönlich in nicht hinnehm-barer Weise. Dies stellt aus Sicht des VSG eine grobe Unsportlichkeit dar, welche aufgrund der weiten Verbreitung in einer Tageszeitung erhebliches Ausmaß besitzt.

Der Verbandsanwalt beantragte aufgrund unsportlichen Verhaltens gemäß §§ 47, 48 RVO eine Geldstrafe von 150,00 €.

Bei der Strafzumessung war zu Gunsten des Betroffenen zu berücksichtigen, dass dieser sein Verhalten freizügig einräumte, jedoch sich der Tragweite seiner Aussage nicht bewusst war. Zu Lasten des Betroffenen musste jedoch die erhebliche Beeinträchtigung der Reputation des SR I persönlich und das öffentlich-keitswirksam verbreitete Bild mangelnder Neutralität der SR des BFV im Allgemei-nen gesehen werden. Unter Abwägung dieser Strafzumessungsgründe erscheint daher die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 150,00 € als notwendig sowie tat- und schuldangemessen.

4.
Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO.

Die bei der Verhandlung vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr gemäß § 11 Nr. 13 d) FO iVm § 2 Nr. 13 d) Anlage zur FO war auf den Betrag zu ermäßigen, der angefallen wäre, wenn die Verhandlung vor dem KSG durchgeführt worden wäre (§ 11 Nr. 13 a) FO iVm § 2 Nr. 13 a) Anlage zur FO). Handelt es sich um ein Vergehen, das aufgrund Sachzusammenhangs vor dem VSG verhandelt wird, erscheint es angemessen, die aufzuerlegenden Kosten auf dasjenige Maß zu beschränken, das angefallen wäre, wenn das Verfahren vor dem ansonsten zuständigen KSG verhandelt worden wäre. Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 Abs. 2 RVO.

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Krause

 

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00055-17/18-VSG
Sitzung vom: 22.05.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

 

Ausschluss des Spielers C, F, wegen Vorkommnissen bei Spiel N gegen FF am 21.05.2017, Urteil des Verbands-Sportgerichts Az. 00031-17/18-VSG, 00032-17/18-VSG

Schluss-/ Endurteil:

I. Der Betroffene C , F, wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen.
II. Der Spielerpass des Betroffenen C, ist unverzüglich an den BFV einzusenden.
III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt zu 1/3 der Betroffene C unter Mithaftung der F, zu 1/3 der Betroffene Osman Yumak unter Mithaftung des Türk. SV Fürth und zu 1/3 der FF. Die Kosten der mündlichen Verhandlung in Nürnberg trägt zu 1/3 C unter Mithaftung der F, zu 1/3 Y unter Mithaftung des F und zu 1/3 der FF. Die Kosten der mündlichen Verhandlung in München trägt C unter Mithaftung der F alleine. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Mit Urteil des Verbands-Sportgerichts vom 15.09.2017 (AZ.: 0093-16/17-VSG) wurde der Spieler A, wegen Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall in dem Verbandsspiel N gegen FF (Nr. 314279164) gem. § 67 I 2 RVO aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Mit Schreiben vom 27.10.2017 teilte der nunmehr Ausgeschlossene erstmalig schriftlich mit, dass er zum Tatzeitpunkt nachweislich nicht am Tatort gewesen sein kann, sondern auf Auslandsreise. Er erstattete mit selbigem Schreiben Anzeige gegen C, Spieler der F, der unter dem Namen und auf Pass des Ausgeschlossenen tatsächlich gespielt haben soll sowie gegen den Mannschaftsverantwortlichen Y des F, der C unzulässig eingesetzt haben soll.
Daraufhin wurde gegen den Spieler C und den Mannschaftsverantwortlichen Y am 04.12.2017 und später gegen den FF jeweils das Verfahren eröffnet.
Mit Schreiben vom 04.12.2017 an C, welches per Einschreiben zugestellt wurde, informierte das VSG den hier Betroffenen darüber, dass nach Vorberatung sein Ausschluss in Betracht käme und die Möglichkeit sowohl einer schriftlichen Stellungnahme bis zum 18.12.2017 als auch eine Beantragung der Durchführung einer mündlichen Verhandlung innerhalb einer Woche bestehe. Mit weiterem Schreiben vom 11.01.2018 an C, welches wiederum per Einschreiben zugestellt wurde, informierte das VSG den Betroffenen weiter darüber, dass es bei dem vorliegenden Verfahren nicht nur darum ginge, ob er auf einen anderen Pass gespielt habe, sondern auch darum, ob er die in der SR-Meldung beschriebene Tat ausgeführt habe. Wiederum wurde ihm mitgeteilt, er habe die Möglichkeit, eine mündliche Verhandlung zu beantragen und eine schriftliche Stellungnahme bis zum 18.01.2018 abzugeben.
Mit Schreiben vom 12.12.2017 beantragte der anwaltschaftliche Vertreter des Trainers Y die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Der Verbandsanwalt ist den Verfahren beigetreten.
Die Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen Y, gegen den Verein FF und gegen den Spieler C wurden mit Beschluss des VSG vom 24.02.2018 aufgrund Sachzusammenhangs verbunden. Das Verfahren gegen C wurde im weiteren Verlauf nach Teilurteilsverkündung wieder abgetrennt.
Mit der einstweiligen Verfügung vom 24.02.2018, Az. 00033-17/18-VSG, wurde der Spieler C vorläufig gesperrt.
Das Verbands-Sportgericht hat am 24.02.2018 eine mündliche Verhandlung mit Beweisaufnahme durchgeführt, welche am 24.04.2018 bzgl. des Verfahrens gegen C fortgesetzt wurde. Bei der Fortsetzung der mündlichen Verhandlung erschien der Betroffene C nicht. Auf telefonische Nachfrage durch das VSG teilte er mit, dass er arbeiten müsse. Eine nachvollziehbare schriftliche Entschuldigung oder Bestätigung seines Arbeitgebers reichte er trotz Aufforderung durch das VSG innerhalb der daraufhin gewährten Zwei-Tagesfrist nicht nachträglich ein.

Dem Betroffenen C, F, Passnummer: 0094-3585, liegt zur Last, am 21.05.2017 beim Spiel der B-Klasse N gegen FF, unzulässig gespielt zu haben und einen am Boden liegenden bzw. sitzenden Gegenspieler zwei Mal mit dem Fußballschuh getreten zu haben, zunächst gegen den Oberkörper und direkt anschließend gegen den Kopf.
Hierdurch erlitt der gegnerische Spieler laut ärztlichem Befund eine Schädelprellung, ein Ohrmuschelhämatom und eine HWS-Distorsion.
Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist zur Entscheidung zuständig gem. § 20 I a RVO, da vorliegend ein Ausschluss in Betracht kommt.

3. Der Betroffene C war wegen Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall gem. § 67 I 2 RVO sowie Spielens ohne Genehmigung gem. § 70 III RVO aus dem Bayerischen Fussball-Verband auszuschließen.
Der Betroffene räumte mit Schreiben vom 14.12.2017, eingegangen am 18.12.2017, ein, dass er bei dem entsprechenden Spiel gespielt habe. Er verwies aber darauf, dass der Trainer zuvor geäußert habe, es handele sich um ein Freundschaftsspiel, er bräuchte daher keinen Pass.
Mit Schreiben vom 17.01.2018 räumte der Betroffene ein, den Gegenspieler getreten zu haben, jedoch unabsichtlich. Außerdem hätte er nur ein Mal getreten. Ferner hätte er sich nur gewehrt, weil ein anderer ihm zuvor von hinten "eine Faust gegeben" hätte und er dauernd mit "Scheiß Kanacke" beleidigt worden wäre.
Nach mündlicher Verhandlung vom 24.02.2018, welche am 24.04.2018 fortgesetzt wurde, steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der Schiedsrichtermeldung, der Einlassung des Betroffenen C, des ärztlichen Berichts der Kliniken Dr. E in Nürnberg vom 21.05.2017 sowie aufgrund der Beweisaufnahme fest, dass der Betroffene C beim Spiel der B-Klasse N gegen FF am 21.05.2017 ohne Genehmigung gespielt hat und den halb liegenden, halbsitzenden Gegenspieler B zwei Mal mit voller Wucht mit dem beschuhten Fuß getreten hat, einmal gegen den Oberkörper und einmal gegen den Kopf. Hierdurch wurde der Gegenspieler nicht unerheblich verletzt.
Der Betroffene hat in der mündlichen Verhandlung wiederum eingeräumt, den Gegenspieler ein Mal getreten zu haben, und zwar in die Rippen. Dies hätte er auch der Polizei gesagt. Er hätte "eine Faust abbekommen" und dann hätte er "Adrenalin bekommen". Eine andere Person hätte den Gegenspieler ebenfalls getreten.
Der Schiedsrichter R, DJK N, sagte aus, dass der Spieler von FF, den er laut ESB für A hielt, zwei Mal mit dem Vollspann absichtlich zugetreten habe, gegen den Oberkörper und gegen den Kopf. Dabei hatte er normale Fußballschuhe an.
Der Zeuge D, Spieler des N, gab an, wahrgenommen zu haben, wie der Betroffene mit dem fußballbeschuhten Fuß zwei Mal mit voller Wucht und voller Absicht von hinten den halb in Seitenlage befindlichen Gegenspiele getreten hätte.
Der Zeuge K, der bei dem benannten Spiel als Trainer bei N fungierte und an der Außenlinie stand, teilte mit, auf das Geschehen eine gute Sicht gehabt zu haben. Der Betroffene hätte zwei Mal hintereinander ausgeholt und dann mit voller Wucht gegen den am Boden liegenden B getreten, gegen den seitlichen Brustkorb und gegen den Kopf. Der Betroffene musste zudem von anderen Spielern weggezogen werden, um von der weiteren Tatsauführung abgehalten zu werden.
Die Zeugen machten Ihre Angaben jeweils ohne Belastungseifer und stellten den Sachverhalt für das VSG glaubhaft und nachvollziehbar dar. Die Aussage des Betroffenen, er hätte nur einmal getreten und der zweite Tritt sei durch irgendeinen anderen Spieler verursacht worden, konnte durch die Zeugenaussagen nicht verifiziert werden, so dass sie als Schutzbehauptung gewertet wird.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe für C hat das Verbands-Sportgericht zugunsten des Betroffenen gewertet, dass der Spieler B keine bleibenden Verletzungen erlitten hat. Ob der Betroffene zuvor provoziert wurde, konnte nicht ausgeschlossen werden.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich vorliegend um ein ganz brutales Verhalten gegen einen Gegenspieler mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat. Insbesondere der Tritt gegen den Kopf hätte zu noch schwereren Verletzungen führen können. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Betroffene nicht von selbst nach den zwei Tritten innehielt, sondern von mehreren Spielern weggezogen werden musste. Erschwerend wirkt auch, dass der Betroffene unzulässig auf falschen Pass gespielt hat.
Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Tat im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 67 I 2 RVO iVm § 70 III RVO in Betracht.
Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vorgehens und der gesamten Tatumstände nicht angezeigt.

5. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I Ziff. 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Roßmann

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00054-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 22.05.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Krause

Verfahren gegen GSO I

Urteil:

I. Das Verfahren gegen GSO I wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens sowie die hälftigen Kosten der mündlichen Verhandlung vom 20.03.2018 trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Mit Schreiben vom 02.11.2017 erstattet der technische Leiter des H S wegen des Spiels seiner Mannschaft vom 15.10.2017 beim W gegen den Betroffenen, welcher hierbei als SR fungierte, Anzeige. Er warf diesem unter anderem vor in seiner Funktion als SR, Spieler und Funktionäre beleidigt sowie seine Machtposition ausgenutzt zu haben, um Spieler unter Druck zu setzen, und in seinen Meldungen Falschaussagen getätigt zu haben. Ferner sei der Betroffene für seine außergewöhnliche Spielleitung bekannt.

Der Betroffene hat diese Anschuldigungen von sich gewiesen und sich dahingehend eingelassen, dass es sein Recht als SR sei, vom Spielführer den Namen eines fehlbaren Vereinsverantwortlichen zu erfragen und dieser Nachfrage durch Androhung einer gelben Karte Nachdruck zu verleihen. Die sonstigen vorgeworfenen beleidigenden Äußerungen habe er nicht getätigt.

2.
Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b RVO für die Entscheidung zuständig, da der Betroffenen als GSO Funktionär des BFV ist.

3.
Das Verfahren gegen den Betroffenen sowie das Verfahren gegen S wurden zur gemeinsamen Verhandlung durch Beschluss vom 20.03.2018 verbunden. Nach mündlicher Verhandlung vom 20.03.2018, den hierbei einvernommenen Zeugen K, T, B, G, B, B und S sowie der Einlassung des Betroffenen nebst Vorlage der originalen Spielnotizkarte und den schriftlichen Zeugenaussagen steht zur Überzeugung des VSG fest, dass ein strafwürdiges unsportliches Verhalten nicht vorgelegen hat, so dass das Verfahren gegen ihn einzustellen war.

Der Zeuge B gab in Übereinstimmung mit der Einlassung des Betroffenen und des Zeugen G an, dass der SR in der Halbzeitpause auf ihn zukam und den Namen desjenigen wissen wollte, der in der Coaching-Zone stand und ihn beleidigt hatte. Nachdem anfänglich der Name nicht genannt wurde, drohte der Betroffene eine gelbe Karte an. Nach § 27 Nr. 2 SpO hat der Spielführer die Aufgabe den SR zu unterstützen und für ein sportliches Auftreten seiner Mannschaft zu sorgen. Der SR kann sich in gebotener Weise seiner Hilfe bedienen. Somit ist sowohl die Nachfrage nach dem Namen als auch die Androhung einer persönlichen Strafe bei Nichtnennung des Namens durch den Betroffenen aus Sicht des VSG nicht zu beanstanden. Beleidigende Äußerungen bei der Nachfrage konnte der Zeuge B nicht bestätigen.

Die vom Anzeigeerstatter behauptete Beleidigung "Halt die Klappe" konnte von keinem der Zeugen, auch nicht von dem angeblich persönlich betroffenen Zeugen A, welcher im schriftlichen Verfahren kontaktiert wurde, bestätigt werden. Die sonstigen vom Betroffenen eingeräumten Worte wie "Sei a mal stad" oder "Gib halt a mal a Ruh!" stellen nach Auffassung des VSG keine beleidigenden Äußerungen dar.

Der Zeuge K schilderte den Betroffenen glaubwürdig als sehr korrekten und sehr konsequenten SR, der sich nichts gefallen lässt. Er bestätigte auch, dass der SR "viel hört, aber nichts was nicht passiert ist". Der Zeuge T gab an, dass er den Betroffenen als souveränen Spielleiter kennt und ihm über ihn nichts Negatives zu Ohren gekommen ist, auch bei dem Spiel seiner Mannschaft waren keine besonderen Vorkommnisse feststellbar.

Der Zeuge B räumte ein, dass er in der ca. 84. Minute zu dem gegnerischen Spieler, welcher sich nach einem Zweikampf theatralisch fallen ließ, sehr laut schrie "Du ziehst doch durch!" jedoch nicht den Nachsatz "Du Depp" verwendet habe, wie vom Betroffenen auf seiner Notizkarte enthalten und dementsprechend gemeldet. Er gab jedoch ergänzend an, dass dieser Nachsatz von den hinter ihm stehenden ca. 15 Zuschauern, welche ebenfalls sehr aufgebracht waren, gekommen sein kann. Eine wissentliche falsche Meldung des Betroffenen kann daher ausgeschlossen werden.

Aus der von den Zeugen S und R eingereichten schriftlichen Stellungnahme konnte keinerlei Zusammenhang zu dem streitgegenständlichen Spiel hergestellt werden. Die angegebenen Äußerungen betreffend anderer Spiele waren aus Sicht des VSG zu unsubstantiiert und ohne konkrete und damit nicht weiter aufklärbare Zuordnung zu einzelnen Spielsituationen. Auch die Begebenheit eines zivilrechtlichen Schadens durch das Fahrzeug des Betroffenen und die Umstände der Regulierung sind aus Sicht des VSG sportrechtlich unerheblich und nicht sportrechtlich strafbar.

Das VSG geht aufgrund der Aussagen der Zeugen, aber auch aufgrund der sachlichen Art des Betroffenen, davon aus, dass der Betroffene zwar eine stringente Spielleitung an den Tag legt, jedoch sich hierbei zu keinerlei beleidigenden Äußerung hinreißen ließ. Ein sanktionswürdiges Verhalten des Betroffenen ist mithin nicht ersichtlich, so dass das Verfahren einzustellen war.

4.
Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO.

gez. Riedmeyer, gez. Rossmann, gez.  Krause

 

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00053-17/18-VSG
Sitzung vom: 22.05.2018
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb

Revision der SpVgg W das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberpfalz vom 08.05.2018, Az: 00097-17/18-BSG Opf:

Urteil:

I. Die Revision der SpVgg W gegen das Urteil des BSG Oberpfalz vom 08.05.2018 wird zurückgewiesen.
II. Die Revisionsgebühr in Höhe von € 154,08 und die Verfahrensgebühr in Höhe von € 61,63 trägt die SpVgg W. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Der Spieler R (SpVgg W, Revisionsführerin) wirkte am 31.03.2018 in der ersten Halbzeit des Bayernliga-Spiels der SpVgg W bei der DJK DB mit. Darüber hinaus wurde der Spieler am 08.04.2018 in dem Kreisliga-Spiel SpVgg W - SV TuS/DJK G eingesetzt.

Die Revisionsführerin absolvierte in dem streitgegenständlichen Zeitraum folgende maßgebli-che Spiele mit ihrer 1. und 2. Mannschaft:
31.03.2018 15:00 Uhr DJK B - SpVgg W (Bayernliga)
31.03.2018 16:00 Uhr SpVgg W - SV N(Kreisliga)
02.04.2018 15:00 Uhr SVSWW K - SpVgg W (Kreisliga)
08.04.2018 15:00 Uhr SpVgg W - SV TuS/DJK G (Kreisliga)

Der SV TuS/DJK G legte am 08.04.2018 beim KSG Amberg/Weiden Einspruch gegen die Spielwertung des Kreisliga-Spiels vom 08.04.2018 ein und monierte einen unbe-rechtigten Einsatz des vorgenannten Spielers. Der Einspruch wurde durch das KSG Am-berg/Weiden in eine Anzeige umgedeutet. Das KSG Amberg/Weiden belegte die Revisions-führerin daraufhin mit Urteil vom 16.04.2018 gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von € 150,00 und nahm eine Spielwertung des Kreisliga-Spiels gemäß § 29 SpO vor. Demnach wurde das Spiel für den SV TuS/DJK G mit 2:0 als gewonnen und für die SpVgg W mit 0:2 als verloren gewertet, da sich der Einsatz des Spielers R im Kreisliga-Spiel vom 08.04.2018 nach Überprüfung als unzulässig gem. § 34 Abs. 2.1 SpO herausstellte. Das Erstgericht begründete dies damit, dass der betroffene Spieler weder zwei Meister-schaftsspiele der 2. Mannschaft ausgesetzt hatte, noch die maßgebliche 10-Tages-Frist abge-laufen war.

Gegen das am 16.04.2018 zugestellte Urteil des KSG legte die Revisionsführerin mittels Ein-schreibebrief, eingegangen am 21.04.2018, Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 08.05.2018, zugestellt am 08.05.2018, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 14.05.2018 eingelegte Revision. Die Revisionsführerin macht geltend, dass § 34 SpO unrichtig angewendet worden sei. Bei der maßgeblichen Aus-legung des Begriffs "nächstes Spiel der unteren Mannschaft" sei dasjenige gemeint, das zeit-lich später beginne, es könne aber im Wesentlichen auch zeitlich parallel zum Spiel der obe-ren Mannschaft laufen.

2.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3.
Die Revision ist jedoch unbegründet.

Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, konnte das über einen weiten Zeitraum parallel verlaufende Spiel der unteren Mannschaft nicht als nächstes Spiel gewertet werden.

Das VSG folgt nach eigener Überprüfung der vom BSG entwickelten Auslegung der Vor-schrift.

Der Begriff "nächstes Spiel der 2. Mannschaft" lässt vom Wortsinn her sowohl das nächste Spiel verstehen, das eine logische Sekunde nach dem Spiel der 1. Mannschaft beginnt. Es ist aber auch das Spiel als "nächstes Spiel" mit dem Wortlaut vereinbar, dass das nächste Spiel nach der Beendigung des vorangegangenen Spiels darstellt.

Der Begriff ist daher vom Sinn und Zweck der Vorschrift auszulegen. Dabei kommt dem Wil-len des vereinsrechtlichen Gesetzgebers nur insoweit Bedeutung bei, als sich dieser aus dem Gesamtzusammenhang für einen objektiven Dritten erkennen lässt.

Hier ist es so, dass der vereinsrechtliche Gesetzgeber zur Verhinderung der Wettbewerbsver-zerrung den Einsatz von Spielern der 1. Mannschaft bei Spielen der 2. Mannschaft beschrän-ken wollte. Dies lässt sich der Vorschrift hinreichend deutlich entnehmen.

Dabei ist auf den Normalfall abzustellen, dass die Spiele der 1. und der 2. Mannschaft nicht am selben Platz stattfinden. Ein Spiel, das zeitlich weitgehend parallel läuft, kann daher nicht das nächste Spiel sein, weil in der Regel der in der 1. Mannschaft eingesetzte Spieler schon räumlich nicht in der Lage wäre, an beiden Spielen teilzunehmen. Wenn aber in der Regel eine Teilnahme an dem parallel laufenden Spiel nicht möglich ist, erscheint es sinnvoll, solche Spiele generell nicht mitzuzählen. Ein Spieler würde seine Einsatzsperre dann nämlich bereits durch ein Spiel ableisten, an dem er wegen seines Einsatzes in der 1. Mannschaft ohnehin nicht beteiligt sein konnte. Die von der Revisionsführerin vorgeschlagene Auslegung würde daher dazu führen, dass in einem Großteil der Fälle das erste Spiel mitzählen würde, obwohl der betroffene Spieler schon räumlich daran nicht teilnehmen könnte. Die Sperre, die nach der SpO zwei Spiele betragen soll, würde damit entgegen dem Wortlaut auf ein Spiel Sperre reduziert.

Ob aus diesem Grund unter dem Begriff "nächstes Spiel" möglicherweise sogar dasjenige zu verstehen ist, das frühestens am Folgetag beginnt, muss in diesem Zusammenhang nicht entschieden werden, weil das Spiel der 2. Mannschaft, das hier mitgezählt werden soll, über einen längeren Zeitraum zeitgleich verlief.

4.
Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

gez. Riedmeyer, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 

 

Aktenzeichen: 0052-17/18-VSG
Sitzung vom: 22.05.2018
Besetzung: Beierlein, Schreckenbauer, Krause

Berufung des VA gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, Aktenzeichen: 00095-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, Aktenzeichen: 00095-17/18-BSG Ofr in Ziffer 1. aufgehoben.

II. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen Jens Degenkolb gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt im Schlussurteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Bei dem Bezirksligaspiel des T vom 08.10.2017 gegen T wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Diesen Sachverhalt meldete der TSV T am 04.11.2017 über das ZIMBRA-Postfach mit dem Verweis darauf, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen den TSV T um einen unberechtigten Einsatz handeln würde.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den 1. FC T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch. Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme vom 14.01.2017 einen vorsätzlichen unzulässigen Einsatz des Spielers M durch den Mannschaftverantwortlichen D und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest. Die Bestrafung des Vereins sowie des Spielers erfolgte in eigenständigen Urteilen, siehe Urteil 00084-17/18-BSG Ofr. und 00096-17/18-BSG Ofr..

Das Verfahren wegen der "Meldung" des TSV T wurde im Hinblick auf die Bestrafung des Mannschaftsverantwortlichen D mit den Verfahren hinsichtlich der Spiele gegen des 1. FC T vom 30.09.2017 gegen VfR K und vom 20.08.2017 gegen FC T zur gemeinsamen Entscheidung verbunden. Mit streitgegenständlichem Urteil 00095-17/18 BSG Ofr. wurde hinsichtlich dieser drei Spiele gegen den Mannschaftsverantwortlichen D eine Gesamtfunktionssperre vom 20.01.2018 bis einschließlich 19.01.2019 sowie eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 500 € verhängt.

Am 05.02.2018 legte der Verbandsanwalt Berufung gegen das Urteil ein.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist zum Zwecke der Gesamtstrafenbildung gemäß § 48 Abs. 5 RVO aufgrund der anderweitigen Verfehlungen des Mannschaftsverantwortlichen D, welcher den Spieler M unzulässig eingesetzt hat, begründet.

Diese Gesamtstrafenbildung erfolgt in dem Schlussurteil 00048-17/18-VSG auf welches hierzu verwiesen wird.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Schreckenbauer, gez. Krause

 

 

 

 

Aktenzeichen: 00051-17/18-VSG
Sitzung vom: 01.05.2018
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Beierlein

Urteil:

I. Auf die Berufung des P wird das Urteil des SG Bayern vom 22.04.2018 mit der Maßgabe abgeändert, dass der Verein S gemäß §§47,48 RVO, §§14, 31 RegionalligaO mit einer Geldstrafe in Höhe von € 350,00 belegt wird. Im Übrigen wird die Berufung zurückgewiesen und es verbleibt bei der Neuansetzung des Regionalliga Spiels.

II. Von den Kosten der 1. Instanz tragen der S die Hälfte und der BFV die Hälfte. Die Kosten der 2. Instanz trägt der P. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Das Regionalligaspiel S - P am 13.04.2018 wurde durch den amtierenden SR in der 78. Spielminute beim Spielstand von 0:1 abgebrochen. In seiner Meldung führt der SR hierzu aus, dass der SRA 1 ihn in der 78. Minute über Headset informierte, dass im Zuschauerbereich ein Zuschauer unmittelbar links versetzt neben der Heimbank hinter der Bandenbegrenzung reanimiert wird. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel unterbrochen. Die Spielfortsetzung wurde unterbunden. Der alarmierte Rettungswagen hat sich einen Zugang zu dem betroffenen Zuschauer ausschließlich über das Spielfeld verschaffen können. Dort stand dieser auch bis zum Ende der Maßnahme. Um die Erste-Hilfe-Bestrebungen der Einsatzkräfte nicht zu behindern, forderte der SR beide Mannschaften auf, das Spielfeld vorerst zu verlassen und sich in den Bereich des Kabinentrakts zu begeben. Nach etwa 25 - 30 Minuten und nachdem nicht abzusehen war, wie lange der Rettungseinsatz dauern würde, hat er im gemeinsamen Einvernehmen entschieden, das Spiel abzubrechen, da er aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse (Einbruch der Dunkelheit) einen ordnungsgemäßen Spielablauf nicht mehr gewährleistet sah. Der P vertrat die Auffassung, dass eine Spielwertung zu seinen Gunsten nach § 29 SpO vorzunehmen ist. Dies wird darauf gestützt, dass § 14 der Regionalligaordnung neben der Anwesenheit eines Arztes oder eines Physiotherapeuten auch die Stationierung eines Rettungswagens vorsehe. Dies sei nicht der Fall gewesen. Nachdem dieser erst später eingetroffen sei, sei so wertvolle Zeit verloren gegangen. Sofern der Rettungswagen bereits bei der Spielunterbrechung verfügbar gewesen wäre, so hätte dieser spätestens 5 Minuten später das Spielfeld mit der zu reanimierenden Person wieder verlassen können, so dass das Spiel daraufhin sogleich hätte fortgesetzt und ordnungsgemäß zu Ende gebracht hätte werden können. Hilfsweise hat der P beantragt, eine Spielneuansetzung mit einer Restspielzeit von 12 Minuten und einem Spielstand von 0:1.

Das SG Bayern hat daraufhin mit Urteil 00612-17/18 am 22.04.2018 auf eine Neuansetzung des Spiels entschieden und die Begründung am 23.04.2018 hierzu nachgereicht. Das SG Bayern stellt fest, dass der Rettungswagen nicht vor Ort war. Die Spielneuansetzung wird damit begründet, dass gemäß § 29 I SpO zwischen dem Verstoß und dem Spielabbruch ein unmittelbarer und eindeutiger Kausalzusammenhang bestehen müsse, da ansonsten nicht von einem Vereinsverschulden ausgegangen werden könne. Dieser unabdingbare Zusammenhang ist zur Überzeugung des SG Bayern im vorliegenden Fall nicht gegeben. Dementsprechend wurde der Hauptantrag abgewiesen. Der Hilfsantrag letztlich deswegen, da die Satzungen des BFV eine solche Spielneuansetzung mit einer Restspielzeit in der Satzung nicht vorsehen.

Gegen diese Entscheidung hat der P mit Email vom 27.04.2018, welchem der unterzeichnete Schriftsatz vom 27.04.2018 als Anlage beigefügt war, Berufung eingelegt und beantragt, dass neben der Aufhebung des Ersturteils das Verbandsspiel zwischen dem S und dem P vom 13.04.2018 gemäß § 29 SpO mit 0:2 Toren zugunsten des P gewertet wird. Seitens des Berufungsführers wird angeführt, dass durch die Stationierung eines Rettungswagens vor Ort, welcher u. a. mit EKG, Defibrillator, Beatmungsgerät, Sauerstoff und weiteren Geräten ausgestattet gewesen wäre, eine kurzfristige Verlagerung der betroffenen Person in den Rettungswagen hätte erfolgen können und dementsprechend auch ein sofortiger Abtransport. Dementsprechend hätte das Spiel noch vor Einbruch der Dämmerung fortgesetzt und zu Ende gebracht werden können.

Ergänzend wird auf die sehr ausführliche Berufungsbegründung und den weiteren Akteninhalt, insbesondere auch auf die gesamten Entscheidungsgründe des Erstgerichts verwiesen. Das VSG hat am 01.05.2018 eine mündliche Verhandlung anberaumt, an welcher beide Vereine, der Verbandsanwalt sowie der Sachverständige Dr. L teilnahmen, in welcher auch verschiedene Zeugen gehört wurden.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig. Die Berufung ist ordnungsgemäß eingelegt. Das VSG sieht insbesondere in ständiger Rechtsprechung eine Berufungseinlegung mit einem unterzeichneten Schriftsatz auf Vereinspapier auch dann als formgültig an, wenn dieser als Anhang zu einer E-Mail versandt wird.

3. Die Entscheidung des SG Bayern ist dahingehend abzuändern, dass der SV Schalding-Heining eine Geldstrafe gemäß §§ 47, 48 RVO i. V. m. § 14 der Regionalligaordnung in Höhe von € 350,00 erhält mit abgeänderter Kostenfolge. Im Übrigen verbleibt es bei der Entscheidung des SG Bayern.

4. Das Regionalliga-Spiel S - P ist neu anzusetzen.

Das VSG ist aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme davon überzeugt, dass die Spielunterbrechung und die damit einhergehende Verzögerung sowie die letztlich hereinbrechende Dämmerung nicht vom S verschuldet sind. Seitens des VSG wird dabei nicht verkannt, dass unstreitig ein Rettungswagen nicht vor Ort war und dementsprechend ein Verstoß gegen § 14 der Regionalligaordnung vorliegt. Dieser Verstoß hat sich im vorliegenden Fall aber nicht kausal auf die Dauer der Spielunterbrechung ausgewirkt. Aufgrund der Aussage des leitenden SR steht fest, dass ein offensichtlich lebensbedrohlicher Zustand eines Zuschauers vorlag. An diesem wurden unmittelbar hinter der Trainerbank an der Bande Reanimationsmaßnahmen für jeden deutlich sichtbar durch zwei Personen durchgeführt. Aufgrund dieses Umstandes hat er beide Mannschaften gebeten, gemeinsam mit dem SR-Gespann das Spielfeld zu verlassen und die Kabinen aufzusuchen, um diesen Rettungseinsatz nicht zu behindern. An diesem Rettungseinsatz haben sofort zwei Personen teilgenommen. Zunächst ein ausgebildeter Intensivpfleger und ein ausgebildeter Notarzt. Es wurden hier offensichtliche Reanimationsmaßnahmen durchgeführt. Wie es bei solchen Rettungsmaßnahmen üblich ist, wird die Dauer der Maßnahme durch den Ersthelfer aufgenommen, um weiter hinzukommendes Rettungspersonal über die bereits verstrichene Zeit zu informieren. Der vor Ort anwesende Arzt schildert, dass er in Erinnerung hat, dass bei der Rettungsminute 4 - 5 der herbeigerufene Notarzt bereits anwesend war. 8 Minuten nach Beginn der Rettungsmaßnahme traf der Rettungswagen vor Ort ein. Nach ca. 17 Minuten war die Maßnahme beendet. Diese Angaben beruhen auf der vorliegenden Zeitmessung. Darüber hinaus sei der Patient dann nach ca. weiteren 3 Minuten in den Rettungswagen transportiert und abtransportiert worden. Er ist davon ausgegangen, dass bis zum Eintreffen des Notarztes eine Transportfähigkeit nicht gegeben ist. Ab dem Zeitpunkt des Eintreffens entscheidet der Notarzt dann selbständig über die Transportfähigkeit. Da zu diesem Zeitpunkt anscheinend der normale Notarzt nicht verfügbar war, wurde der leitende Notarzt verständigt, der dann nach diesem Zeitraum mit seinem Privat-Pkw, der ihm auch die Fahrt mit Sonderrechten erlaubt, vor Ort eingetroffen ist. Er wurde eingewiesen und konnte den Platz über die einzige Zufahrt, den Rettungsweg erreichen. Dieser stand mit seinem Fahrzeug dann auf dem Sportplatz. Der einvernommene Notarzt erklärte, dass er in Erinnerung habe, dass ein Zeitrahmen von ca. 7 - 8 Minuten genannt worden sein könnte. Er stellte eine Transportfähigkeit dann nach diesen 17 Minuten fest. Daraufhin wurde der Patient in den Rettungswagen verlegt und abtransportiert. Er selbst ist mit dem Rettungswagen mitgefahren. Sein Pkw verblieb zunächst vor Ort. Er erklärt weiter, dass ein früherer Transport des Patienten nicht möglich war. Nach seiner ca. 25jährigen Erfahrung sei dieser Rettungseinsatz optimal verlaufen. Seitens des anwesenden sachverständigenseits beratenden Arztes und ebenfalls Notarztes Dr. L wurde erklärt, dass mit einer Rettungszeit von ca. 20 - 25 Minuten im durchschnittlichen Fall in jedem Fall zu rechnen sei. Diese Rettungszeit gäbe es auch in Kliniken. Auch eine Anwesenheit diverser Hilfsmittel, beispielsweise eines "Lukas" hätte hier aus seiner Sicht und nach den Mitteilungen keine Besserung erreichen können, da ausgebildete Kräfte vor Ort waren und diese auch in der Lage sind, über diesen Zeitraum entsprechende Reanimationsmaßnahmen durchzuführen. Ob die Anwendung eines Defibrillators hier überhaupt sinnvoll gewesen wäre, könne er aufgrund des fehlenden Krankheitsbildes nicht abschätzen. Letztlich kann er aber zusammenfassend sagen, dass dadurch eine Verkürzung der Zeit der Transportfähigkeit nach seiner Erfahrung nicht zu erwarten gewesen wäre, da auch aus seiner Sicht die Rettungsmaßnahme optimal abgelaufen ist.

Aus diesen Gründen steht zur Überzeugung des VSG fest, dass die Anwesenheit eines Rettungswagens alleine keine Verkürzung der Zeit bis zum Abtransport des Patienten erreicht hätte werden können. Unabhängig davon sieht § 14 der Regionalligaverordnung nur die Anwesenheit eines Rettungswagens vor. Das entsprechende Personal hierzu ist nicht genauer bestimmt. Der betroffene Zuschauer war, wie dies für jeden erkennbar war, lebensbedrohlich erkrankt, da ansonsten Reanimationsmaßnahmen vor Ort durch geschultes, erfahrenes Personal nicht erforderlich gewesen wären. Die Anwesenheit eines Rettungswagens hätte daher aus Sicht des VSG die Zeit in keinster Weise verkürzt. Dabei ist ergänzend zu berücksichtigen, dass das Spiel pünktlich begonnen hat. Die 1. Halbzeit musste 2 Minuten nachgespielt werden, so dass nach der 15minütigen Pause erst um 19:02 Uhr mit der 2. Halbzeit begonnen wurde. Nachdem der Vorfall in der 78. Spielminute eintrat, entstand die Spielunterbrechung dann um 19:35 Uhr. Dabei ist weiter zu berücksichtigen, dass nicht nur restliche 12 Minuten zu spielen gewesen wären, sondern auch noch die entsprechende Nachspielzeit der 2. Halbzeit.

Nach alldem ist das SG Bayern auch nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung und Einvernahme der Zeugen ein Verschulden des S an dem Spielabbruch nicht nachzuweisen. Das VSG geht im vorliegenden Fall auch nicht davon aus, dass die Monierung in § 14 der Regionalligaordnung, wonach ein Rettungswagen vor Ort sein muss, im vorliegenden Fall zu einer Beweislastumkehr führt. Es handelt sich hier um einen atypischen Fall, der mit unmittelbaren Verletzungen, wie sie beim Fußballspiel geschehen können, nicht zusammenhängt.

Dementsprechend war das Spiel neu anzusetzen.

5. Der S ist mit einer Geldstrafe in Höhe von € 350,00 zu bestrafen.

Der S hat entgegen der Vorschrift des § 14 Regionalligaverordnung keinen Rettungswagen vor Ort stationiert gehabt. Dies ist gemäß §§ 47, 48 RVO mit einer Geldstrafe zu ahnden. Das VSG hat sich im vorliegenden Fall hinsichtlich der Höhe der Strafe an den ungefähren Kosten der Stationierung eines solchen Rettungswagens orientiert.

Die Kosten der ersten Instanz tragen der S und der BFV je zur Hälfte. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der P. §§ 32, 33 RVO.

gez. Riedmeyer gez. Lieb gez. Beierlein

 

 

 

Aktenzeichen: 00050-17/18-VSG
Sitzung vom 10.04.2018
Besetzung: Beierlein als Einzelrichter

Berufung des H gegen das Urteil des SG Bayern vom 21.02.2018, Az.: 00466-17/18-SG Bayern

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,82 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 102,72 € trägt der H.

Gründe:

Die am 01.03.2018 eingelegte Berufung gegen das Urteil des SG Bayern vom 21.02.2018, Az.: 00466-17/18-SG Bayern wurde mit Schreiben vom 29.03.2018 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

gez. Beierlein

 


Aktenzeichen: 00048 & 00049-17/18-VSG

Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Schreckenbauer, Krause

Teilurteil:

I. Auf Antrag des Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes werden die Verfahren A gegen B , Az. 00008-17/18-VSG und C gegen B, Az. 00009-17/18-VSG wieder aufgenommen.

II. Die Urteile des Verbands-Sportgerichtes vom 22.11.2017, Az. 00008-17/18-VSG und Az. 00009-17/18-VSG, werden aufgehoben.

III. Das Verbandsspie A gegen B vom 24.09.2017 wird mit 2:0 für den A als gewonnen und mit 0:2 für den B als verloren gewertet.

IV. Das Verbandsspiel C gegen B vom 03.10.2017 wird mit 2:0 für den C als gewonnen und mit 0:2 für den B als verloren gewertet.

V. B wird, unter Berücksichtigung der rechtskräftigen Entscheidung des BSG Oberfranken vom 19.01.2018 Az. 00084-17/18-BSG Ofr. (Geldstrafe in Höhe von 500,00 €), mit einer weiteren Geldstrafe gemäß § 77 Abs. 1 RVO in Höhe von 500,00 € belegt.

VI.B wird, unter Berücksichtigung der rechtskräftigen Entscheidung des BSG Oberfranken vom 19.01.2018 Az. 00084-17/18-BSG Ofr. (Abzug von 9 Punkten), mit einem weiteren Punktabzug gemäß § 77 Abs. 1 RVO von 3 Punkten belegt.

VII. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D, Verein B, gemäß § 77 Abs. 2 RVO, bleibt dem Schluss-/Endurteil vorbehalten.

VIII. Die Entscheidung über die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten der mündlichen Verhandlungen vor dem VSG bleiben dem Schluss-/Endurteil vorbehalten.

Schluss-/ Endurteil:

IX. Der Mannschaftsverantwortliche des T Herr A wird wegen unzulässigen Spielereinsatzes gemäß § 77 Abs. 2 RVO im Rahmen der Gesamtstrafe mit einer Funktionssperre vom 20.01.2018 bis einschließlich 19.07.2019 belegt. Der Mannschaftsverantwortliche A wird zusätzlich mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 1.000,00 € unter Mithaftung des T belegt.
X. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 123,26 € sowie die Gebühr von 154,08 € für das Wiederaufnahmeverfahren einschließlich der Kosten der mündlichen Verhandlungen vor dem VSG vom 11.11.2017, 22.11.2017 und 25.03.2018 tragen zu ¾ der T sowie zu ¼ A unter Mithaftung des T.

Gründe:

 

1.a.
Der U erstattete am 26.09.2017 gegenüber dem BSG Oberfranken Anzeige mit dem Verweis darauf, dass bei dem Verbandspiel U gegen den M am 24.09.2017 der Spieler B eingewechselt wurde, welcher keine Einsatzberechtigung haben könne, da er noch am 01.07.2017 und 08.07.2017 für seinen früheren Verein W gespielt habe.
Das auf diese Anzeige gegen den T wegen unzulässigen Spielereinsatzes eröffnete Verfahren wurde vom BSG Oberfranken eingestellt (Az: 00058-17/18-BSG Ofr.) Auf Berufung des U hat das Verbandssportgericht dieses Urteil aufgehoben, das Spiel mit 2:0 Toren für den U als gewonnen und mit 2:0 Toren für den T als verloren gewertet, und den T mit einer Geldstrafe in Höhe von 200.-Euro belegt (Urteil vom 22.11.2017 Az: 00008-17/18-VSG).
1.b.
Der N erhob am 05.10.2017 gegenüber dem BSG Oberfranken "Einspruch" mit dem Verweis darauf, dass bei dem Verbandspiel N gegen den T am 03.10.2017 der Spieler B eingesetzt wurde. Dieser Spieler könne nach Auffassung des N kein gültiges Amateurspielrecht besitzen, da er nach dem 30.06.2017 noch für seinen bisherigen Verein gespielt habe, so, dass die Vermutung naheliege, dass der Spieler oder der abgebende Verein den Spielerpass mit einem falschen Abmeldedatum versehen haben muss.
Das hierauf gegen den T wegen unzulässigen Spielereinsatzes eröffnete Verfahren wurde vom BSG Oberfranken eingestellt (Az: 00059-17/18-BSG Ofr.) Auf Berufung des N hat das Verbandsportgericht das Urteil aufgehoben, das Spiel mit 2:0 Toren für den N als gewonnen und mit 2:0 Toren für den T als verloren gewertet. Die Bestrafung des Vereins war laut Ziffer II des Tenors bereits im Urteil 00008-17/18-VSG erfolgt (Urteil vom 22.11.2017 Az: 00009-17/18-VSG).
1.c.
Mit Schreiben vom 01.02.2018 hat der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes die Wiederaufnahme der beiden Verfahren beantragt, weil neue Beweismittel beigebracht wurden, die zu einer "anderen Gesamtschau des Sachverhalts und Bewertung des Strafmaßes" führen würden.

2.
Der Antrag auf Wiederaufnahme der beiden durch rechtskräftige Urteile abgeschlossenen Verfahren ist zulässig.
a. Der Verbandspräsident ist gemäß § 46 Abs.1 Satz 2 RVO berechtigt, den Wiederaufnahme-antrag zu stellen.

b. Die als Beweismittel beigebrachten Chatprotokolle können im Sinne des § 46 Abs.1 Satz 1 RVO eine wesentlich andere Entscheidung des Gerichtes rechtfertigen, weil sie geeignet sind, eine anderweitige Beurteilung des Tatgeschehens im Hinblick auf Art und Weise der Tatverwirklichung zuzulassen. Die Chatprotokolle an sich lassen den Ablauf des Vereinswechsels des Spielers B und die Beteiligung sowie den Kenntnisstand des Mannschaftsverantwortlichen A hieran in einem neuen Licht erscheinen, so dass Raum für eine Beurteilung in vorsätzlicher Begehungsweise besteht, wogegen das Verbandssportgericht in den wiederaufzunehmenden Verfahren jeweils von Fahrlässigkeit ausgegangen ist. Das Beweismittel ist mithin auch erheblich im rechtlichen Sinne.

c. Das Beweismittel ist auch neu gemäß § 46 Abs.2 RVO: Neue Tatsachen sind solche, die das Gericht in der Hauptverhandlung nicht berücksichtigt hat, wobei es unerheblich ist, ob die Möglichkeit dazu bestanden hat. Das in Frage stehende Chatprotokoll ist dem antragstellenden Präsidenten erst am 23.01.2018 bekannt geworden. Es kommt insoweit nicht darauf an, ob im Rahmen der Beweiserhebung des Verbandssportgerichts am 22.11.2017 die Möglichkeit bestanden hätte, diese Beweismittel aufzudecken und in das Verfahren einzuführen, denn den unbekannten Beweismitteln stehen die unbenutzten gleich. Daher sind alle Zeugen, die in der Verhandlung nicht gehört worden sind, neu, auch wenn das Gericht deren Vernehmung abgelehnt hatte oder auf diese verzichtet wurde (vgl hierzu Meyer-Goßner, Kommentar zur StPO, 46. Aufl., §359 Rn. 30,32,33). Damit spielt es für das im Wiederaufnahmeverfahren erkennende Verbandssportgericht hier keine Rolle, dass das Verbandssportgericht bei seiner mündlichen Verhandlung am 11.11.2017 auf die Vernehmung des Zeugen B, dem die Chatprotokolle bekannt waren, verzichtete. Überdies hat der Zeuge B in der mündlichen Verhandlung vom 25.03.2018 erklärt, dass er nicht angeben kann, wie er bei einer etwaigen Vernehmung am 22.11.2017 ausgesagt hätte.

d. Die Frist des § 46 Abs.3 RVO ist gewahrt. Nach Bekanntwerden des neuen Beweismittels am 23.01.2018 wurde der Wiederaufnahmeantrag vom Präsidenten des BFV am 01.02.2018 gestellt und noch am selben Tag der für das Verbandssportgericht zuständigen hauptamtlichen Mitarbeiterin übergeben. Der Eingang am 01.02.2017 wurde bei der mündlichen Verhandlung am 25.03.2018 seitens des anwaltlichen Vertreters des T unstreitig gestellt.

e. Das Verbandssportgericht ist zuständig gemäß § 20 Abs.1 h RVO.

3.
Mit Beschluss vom 22.03.2018 hat der Vorsitzende der hier entscheidungszuständigen Besetzung des Verbandssportgerichts (stellvertretender Vorsitzender des Verbandssportgerichts Beierlein) die Wiederaufnahmeverfahren U gegen T und N gegen T aufgrund Sachzusammenhangs verbunden.

4.
Das Verbandsportgericht hat am 25.03.2018 in der Besetzung Beierlein, Schreckenbauer, Krause eine erneute mündliche Verhandlung mit Beweisaufnahme durchgeführt.
a. Dem Wiederaufnahmeantrag war stattzugeben und die Urteile des VSG vom 22.11.2017 (Az: 00008-17/18-VSG und Az:00009-17/18-VSG) waren aufzuheben.

b. In den wiederaufgenommenen Verfahren war der T gemäß § 77 Abs.1 RVO mit einer Geldstrafe von 500,00 € und einem Punktabzug von 3 Punkten zu belegen. Des Weiteren waren Spielwertungen, wie aus dem Tenor ersichtlich, zu Lasten des T und zugunsten des U und des N vorzunehmen.
Unbestritten hat der Spieler B in beiden Verbandsspielen unzulässig nach § 77 Abs. 1 RVO mitgewirkt. Seine Abmeldung beim W, für den er spielberechtigt war, ist nicht, wie auf dem Spielerpass angegeben, fristgerecht am 30.06.2018 erfolgt, sondern erst nach einem Zerwürfnis mit dem W am 08.07.2018; das Abmeldedatum wurde rückdatiert. Dies wurde vom Zeugen S, W, bei der am 25.03.2018 durchgeführten Verhandlung vor dem verhandelnden Verbandssportgericht auch nicht bestritten. Die aufgrund falscher Angaben (Abmeldezeitpunkt) von der Passstelle erteilte Spielberechtigung ist gemäß § 32 Zif. 7 SpO zwingend ungültig. Auf die diesbezüglichen zutreffenden Ausführungen des Verbandssportgerichts in den Urteilen vom 22.11.2017 (Az: 00008-17/18-VSG und Az:00009-17/18-VSG) wird verwiesen.

c. Die Spielwertungen nach § 77 Abs.1 Satz 2 RVO in Verbindung mit § 29 SpO folgen notwendig aus dem unzulässigen Spielereinsatz. Als Nebenfolge des Verstoßes gegen § 77 Abs.1 RVO sind sie gemäß § 61 RVO keine Strafe und damit von einem Verschulden des 1.FC Trogen nicht abhängig.

d. Der unzulässige Spielereinsatz war mit einer weiteren Geldstrafe zu ahnden. Die Höhe der Geldstrafe richtet sich insbesondere nach dem Grad des Verschuldens. Wie sich bei der Verhandlung am 25.03.2018 zweifelsfrei ergab, hat der Verantwortliche des Vereins, A, nicht nur von der Rückdatierung positive Kenntnis gehabt, sondern auch aktiv auf den Zeugen B eingewirkt, dass er den abgebenden Verein zur Rückdatierung veranlasse. Damit hat der Vereinsverantwortliche des T nach Überzeugung des Verbands-Sportgerichts vorsätzlich gehandelt. Dieses Verschulden muss sich der T zurechnen lassen. Das Verbands-Sportgericht hält eine (weitere) Gesamtgeldstrafe von 500,00 € für die hier verbundenen beiden Fälle sowie die weiteren sieben Fälle (siehe Urteile Aktenzeichen: 00041-17/18-VSG bis 00047-17/18-VSG) unter Berücksichtigung der im Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018 (Az: 00084-17/18-BSG Ofr.) bereits rechtskräftig verhängten Geldstrafe von ebenfalls 500,00 € für tat-und schuldangemessen.

e. Der unzulässige Spielereinsatz war mit einem weiteren Punktabzug zu ahnden. Ein Verzicht auf den in § 77 Abs.1 Satz 2 RVO normierten Punktabzug ist bei dem hier zweifelsfrei gegebenen Vorsatz nicht möglich.

f. Der Zeuge B, welcher seine mehrfache Kommunikation mit A (Chatverlauf) im Hinblick auf die niederzulegenden Angaben auf dem Spielerpass (letztes Spiel, Abmeldedatum) ausführlich schilderte, belegt zur Überzeugung des Gerichtes zweifelsfrei, dass A für die Rückdatierung zumindest mitursächlich war, was direkten Vorsatz hinsichtlich der Erschleichung der Spielberechtigung gegenüber der Passstelle des BFV beinhaltet. Das vom Zeugen B erläuterte Chatprotokoll enthält für das Verbandssportgericht eindeutig die Aufforderung durch A, das Abmeldedatum unzutreffenderweise und entgegen seiner positiven Kenntnis mit 30.06.2017 anzugeben. Bei der Findung einer angemessenen Strafe wurde berücksichtigt, dass die ursprüngliche Tat, das Erschleichen des falschen Spielrechts, zu zahlreichen weiteren Verstößen im Sinne des unzulässigen Einsatzes des Spieler B in insgesamt zwölf Spielen führte. Dem ist dadurch Rechnung zu tragen, dass ein an sich für jeden einzelnen Fall (zwei Fälle im verbundenen Wiederaufnahmeverfahren sowie weitere sieben Fälle, siehe Urteile Aktenzeichen: 00041-17/18-VSG bis 00047-17/18-VSG) vorzunehmender Punktabzug von zwei Punkten einer Gesamtstrafenbildung zuzuführen ist. Hierbei ist auch das Verhalten des Vereins T zu berücksichtigen, welcher nach den glaubhaften Aussagen des Vorstandes W am 25.03.2018 von der Einflussnahme des Verantwortlichen A auf die Passrückdatierung keine Kenntnis besaß. Ferner wurde auch berücksichtigt, dass der Spieler B in den streitigen neun Spielen nicht immer über die volle Spielzeit eingesetzt wurde. Das für sich allein betrachtet zu niedrige Strafmaß in Höhe von den nun verhängten drei Punkten rechtfertigt sich auch durch die Berücksichtigung des bereits rechtskräftig erfolgten Abzugs von neun Punkten durch das BSG Oberfranken (Az: 00084-17/18-Ofr.) für drei Spiele. Nach Überzeugung des Verbandssportgerichts ist daher ein Punktabzug von insgesamt zwölf Punkten für den gesamten Tatkomplex tat-und schuldangemessen, so dass auf einen Punktabzug von weiteren drei Punkten zu erkennen war.

5.
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen A nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt im Schlussurteil. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den T aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

6.
Die Entscheidung über die Verfahrenskosten kann erst im Schluss-/Endurteil abschließend getroffen werden, sie bleibt damit dem End-/Schlussurteil vorbehalten.

Der Betroffene A räumte mit Schreiben vom 15.04.2018 ein, dass er Kenntnis von dem Zerwürfnis Anfang Juli 2017 zwischen B und dem S erlangte und der Spieler sich ihm daraufhin für den T anbot. Er ließ sich weiter ein, dass er deshalb im Juli 2017 zum dortigen Vorstand Kontakt aufgenommen hatte, allerdings nicht persönlich mit diesem sprach, sondern der Spieler B selbst die weitere Kommunikation wegen der Wechselmodalitäten direkt mit dem Verein führte. Ferner ließ er sich dahingehend ein, dass ihm klar war, dass es eine Rückdatierung auf dem Spielerpass gab, was jedoch "Gang und Gäbe" wäre. Letztlich revidierte der Betroffene seine Aussage vor dem BSG Oberfranken und gab nun an, dass er sehr wohl von dem Einsatz des Spielers bei dem Kurzturnier am 08.07.2017 wusste. Er vergewisserte sich damals jedoch, dass dieses Turnier nicht im SpielPlus gelistet war, weshalb er dann auch den Passantrag stellte.
Zur Überzeugung des VSG steht aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 25.03.2018 sowie der Einlassung des Mannschaftsverantwortliche A fest, dass dieser von der Rückdatierung des Spielerpasses und der fingierten Abmeldung des B zum 30.06.2017 wusste und an dieser zumindest mitbeteiligt war. Demzufolge hatte für das VSG A positive Kenntnis davon, dass der Spielerpass des B für den T aufgrund der unzutreffenden Angaben zum Spielerwechsel irrtümlich erstellt wurde und er daher von ihm als Mannschaftsverantwortlichen unzulässig eingesetzt wurde.
In den Urteilen 00041-17/18-VSG bis 00047-17/18-VSG wurde jeweils auf eine gesonderte Bestrafung des A verwiesen. Gleichermaßen erfolgte eine Verweisung im Urteil 00052-17/18-VSG zur Gesamtstrafenbildung auf dieses Schlussurteil.
A ist daher als Mannschaftsverantwortlicher wegen des vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des Spielers B in 11 Fällen nach § 77 Abs. 2 RVO zu bestrafen.
Die Höhe der Geldstrafe richtet sich insbesondere nach dem Grad des Verschuldens. Wie sich bei der Verhandlung am 25.03.2018 zweifelsfrei ergab und der Betroffene A letztlich auch einräumte, hat er nicht nur von der Rückdatierung positive Kenntnis gehabt, sondern unterstützte den Zeugen Micklisch dabei, dass der abgebenden Verein die Rückdatierung veranlasse. Damit hat der Vereinsverantwortliche des T nach Überzeugung des Verbandssportgerichts vorsätzlich gehandelt.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe konnte zu Gunsten des A sein - wenn auch spätes - Geständnis berücksichtigt werden. Das Verbands-Sportgericht hält eine Funktionssperre pro Spiel von 3 Monaten sowie eine Geldstrafe von 200,00 je Spiel für tat- und schuldangemessen. Hieraus ist eine Gesamtfunktionssperre von eineinhalb Jahren sowie eine Gesamtgeldstrafe von 1.000,00 € für die hier verbundenen beiden Fälle sowie die weiteren zehn Fälle (siehe Urteile Aktenzeichen: 00041-17/18-VSG bis 00047-17/18-VSG sowie 00052-17/18-VSG) gemäß § 48 Abs. 5 RVO zu bilden.

Die Kostenquotelung berücksichtigt anteilig einerseits die Verantwortung des Vereins für den unzulässigen Einsatz nebst Spielwertungen und Punktabzug sowie andererseits die des Mannschaftsverantwortlichen Degenkolb. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 11 und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Schreckenbauer, gez. Krause

 

 

Aktenzeichen: 00047-17/18-VSG
Sitzung vom: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

Beschluss:
Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00094-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga P gegen T vom 15.10.2017 dem Ausgang nach gewertet.
II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.
III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.
IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:
1. Beim Bezirksligaspiel P gegen T am 15.10.2017 wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts erstattete der K am 02.12.2017 über das ZIMBRA-Postfach Anzeige gegen den T mit dem Verweis darauf, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen die P um einen unberechtigten Einsatz handeln würde.

Das BSG Ofr. eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00094-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der Anzeige ein.
Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 Berufung gegen das Urteil ein und bezog sich dabei auf die Berufungsbegründung des K. Auf den Schriftsatz des K vom 24.02.2018 wird verwiesen.
Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortliche D eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht.
Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmende Bestrafung des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D wurde abgetrennt (c).
Hinsichtlich der unbegründeten Berufung in Bezug auf die Spielwertung ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.
(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass die Anzeige vom 02.12.2017 wegen des Verbandsspiels vom 15.10.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) sind § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i.V.m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften der §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO wie folgt dahingehend ausgelegt:
§ 35 II RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.
Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des K vom 02.12.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel P gegen den T vom 15.10.2017 dem Ausgang nach zu werten bleibt.
Die vorgebrachten Einwände in der Berufungsbegründung sind unbeachtlich, da es sich bei der Anzeigefrist um eine Ausschlussfrist handelt, für deren Einhaltung der Anzeigeerstatter allein verantwortlich ist. Nach Ansicht des VSG ist es grundsätzlich Aufgabe jedes einzelnen Vereins seine Interessen selbst wahrzunehmen.
Hinsichtlich des Zeugen M ist klarzustellen, dass der T diesen Zeugen benannt und dann im weiteren Verlauf unwidersprochen auf dessen Einvernahme verzichtet hat. Im Übrigen ist unklar, was der Zeuge M in diesem Verfahren überhaupt ausgesagt hätte.
(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 15.10.2017.
Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 15.10.2017 gegen P ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers M und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen D ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.
Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts zuletzt beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch D eingeräumt hat. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 15.10.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200,00 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil 00048-17/18-VSG bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.
(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen D nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den 1. FC Trogen aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Roßmann

 

 

 

Aktenzeichen: 00046-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Krause, Lieb

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufungen der S und des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00092-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga S gegen T vom 12.08.2017 dem Ausgang nach gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.

IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel S gegen T am 12.08.2017 wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts erhob die S am 1.12.2017 über das ZIMBRA-Postfach Anzeige mit dem Verweis darauf, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen die S um einen unberechtigten Einsatz handeln würde.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00092-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der Anzeige ein.

Am 25.01.2018 legte die S über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese. Auf den Schriftsatz vom 16.02.2018 wird verwiesen.
Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 ebenfalls Berufung ein.
Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortlichen D eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte.
2. Die Berufungen sind zulässig und wurden form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die beiden Berufungen sind im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmenden Bestrafungen des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D wurde abgetrennt (c).

Hinsichtlich der unbegründeten Berufungen in Bezug auf die Spielwertung, ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.
(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass die Anzeige vom 1.12.2017 wegen des Verbandsspiels vom 12.08.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.
Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) sind § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der Vierwochenfrist eingeht.

Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i. V. m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften der §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO im Urteil 00040/17/18-VSG wie folgt dahingehend ausgelegt:

§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht (so Urteil des VSG vom 03.04.2018).

Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.
Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des Berufungsführers vom 1.12.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel S gegen T dem Ausgang nach zu werten bleibt.
Die vorgebrachten Einwände in der Berufungsbegründung sind unbeachtlich, da es sich bei der Anzeigefrist um eine Ausschlussfrist handelt, für deren Einhaltung der Anzeigeerstatter allein verantwortlich ist. Nach Ansicht des VSG ist es grundsätzlich Aufgabe jedes einzelnen Vereins seine Interessen selbst wahrzunehmen.
Hinsichtlich des Zeugen M ist klarzustellen, dass der T diesen Zeugen benannt und dann im weiteren Verlauf unwidersprochen auf dessen Einvernahme verzichtet hat. Im Übrigen ist unklar, was der Zeuge M in diesem Verfahren überhaupt ausgesagt hätte.
(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 12.08.2017.

Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 12.08.2017 gegen den Berufungsführer ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers M und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen D ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zuletzt zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch D eingeräumt hat. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 12.08.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil des Verfahrens 00048-17/18-VSG bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.
(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen D nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den T aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Krause, gez. Lieb

 

 

Aktenzeichen: 00045-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Krause, Lieb

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufungen des K und des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00091-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga K gegen T vom 29.07.2017 dem Ausgang nach gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.

IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel K gegen T am 29.07.2017 wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts legte der K mit Schreiben vom 24.11.2017 beim zuständigen BSG "Einspruch" mit dem Verweis darauf ein, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen den K um einen unberechtigten Einsatz handeln würde. Dies wurde dann noch weiter mit Schreiben vom 03.12.2017 begründet.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00091-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der "Anzeige" ein.

Am 25.01.2018 legte der K über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein ohne diese näher zu begründen.
Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 ebenfalls Berufung ein.

Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortlichen D eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte.

2. Die Berufungen sind zulässig und wurden form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die beiden Berufungen sind im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmenden Bestrafungen des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D wurde abgetrennt (c).

Hinsichtlich der unbegründeten Berufungen in Bezug auf die Spielwertung, ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.

Der vom Berufungsführer mit E-Mail vom 26.11.2017 als Einspruch erhobenen Einwand gegen das Spiel vom 29.07.2017 ist in eine Anzeige nach § 35 RVO umzudeuten.
Der Berufungsführer brachte in der E-Mail vom 26.11.2017 klar zum Ausdruck, dass er mit dem unzulässigen Einsatz des Spielers M in seinem Verbandsspiel am 29.07.2017 nicht einverstanden ist und eine Gleichbehandlung mit anderen Vereinen, gegen welche der Spieler ebenfalls zum Einsatz kam und bei welchen deshalb eine Spielwertung erfolgt ist, für gerechtfertigt erachtet. Die E-Mail vom 26.11.2017 ist daher in das Rechtsmittel umzudeuten, welches der Berufungsführer dem Sinn nach verfolgte. Gemäß § 38 Abs. 6 RVO stellt das Mitwirken eines nicht spielberechtigten Spielers keinen Einspruchsgrund dar, sondern kann gemäß § 35 Abs. 2 RVO angezeigt werden. Gewollt war mithin vom Berufungsführer eine Anzeige nach § 35 RVO. Für eine solche gilt nach § 35 Abs. 2 Satz 1 RVO folgendes:

Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel beim Sportgericht erfolgen.

(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass der als Anzeige umzudeutende Einspruch vom 24.11.2017 wegen des Verbandsspiels vom 29.07.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) sind § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i. V. m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften der §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO im Urteil 00040-17/18-VSG wie folgt dahingehend ausgelegt:

§ 35 II RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.

Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.

Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des Berufungsführers vom 26.11.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel K gegen T dem Ausgang nach zu werten bleibt.

(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 29.07.2017.

Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 29.07.2017 gegen den Berufungsführer ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers Micklisch und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen D ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zuletzt zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch D eingeräumt hat. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 29.07.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200,00 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil des Verfahrens bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.

(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen D nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den 1. FC Trogen aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

 gez. Beierlein, gez. Krause, gez. Lieb

 


 

Aktenzeichen: 00044-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Roßmann, Krause

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufungen des M und des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00090-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga T - M vom 23.07.2017 dem Ausgang nach gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.

IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel T gegen M am 23.07.2017 wurde vom 1. FC Trogen der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts erhob der M am 13.11.2017 über das ZIMBRA-Postfach "Einspruch" mit dem Verweis darauf, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen den M um einen unberechtigten Einsatz handeln würde.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00090-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der "Anzeige" ein.

Am 25.01.2018 legte der M über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein ohne diese näher zu begründen. Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 ebenfalls Berufung ein.

Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortlichen D eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte. Zudem sei der Spieler M gegen den Berufungsführer nur 37 Minuten zum Einsatz gekommen.

2. Die Berufungen sind zulässig und wurden form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die beiden Berufungen sind im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmenden Bestrafungen des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D wurde abgetrennt (c).

Hinsichtlich der unbegründeten Berufungen in Bezug auf die Spielwertung ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.

Der vom Berufungsführer mit E-Mail vom 13.11.2017 als Einspruch erhobenen Einwand gegen das Spiel vom 23.07.2017 ist in eine Anzeige nach § 35 RVO umzudeuten.
Der Berufungsführer brachte in der E-Mail vom 13.11.2017 klar zum Ausdruck, dass er mit dem unzulässigen Einsatz des Spielers M in seinem Verbandsspiel am 23.07.2017 nicht einverstanden ist und eine Gleichbehandlung mit anderen Vereinen, gegen welche der Spieler ebenfalls zum Einsatz kam und bei welchen deshalb eine Spielwertung erfolgt ist, für gerechtfertigt erachtet. Die E-Mail vom 13.11.2017 ist daher in das Rechtsmittel umzudeuten, welches der Berufungsführer dem Sinn nach verfolgte. Gemäß § 38 Abs. 6 RVO stellt das Mitwirken eines nicht spielberechtigten Spielers keinen Einspruchsgrund dar, sondern kann gemäß § 35 Abs. 2 RVO angezeigt werden. Gewollt war mithin vom Berufungsführer eine Anzeige nach § 35 RVO. Für eine solche gilt nach § 35 Abs. 2 Satz 1 RVO folgendes:

Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel beim Sportgericht erfolgen.

(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass der als Anzeige umzudeutende Einspruch vom 13.11.2017 wegen des Verbandsspiels vom 23.07.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) sind § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i. V. m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften der §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO im Urteil 00040-17/18-VSG wie folgt dahingehend ausgelegt:

§ 35 II RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.

Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.

Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des Berufungsführers vom 13.11.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel M gegen T dem Ausgang nach zu werten bleibt.
(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 23.07.2017.

Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 23.07.2017 gegen den Berufungsführer ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers Micklisch und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen D ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zuletzt zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch D eingeräumt hat. Die Einwechslung des Spielers M und sein nur 37-minütiger Einsatz kann nach Auffassung des VSG ebenfalls strafmildernd Berücksichtigung finden. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 23.07.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200,00 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil des Verfahrens 00048-17/18-VSG bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.

(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen D nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den T aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Roßmann, gez. Krause

 

 

Aktenzeichen: 00042-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Roßmann, Lieb

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufungen des S und des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00088-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga S gegen T vom 09.09.2017 dem Ausgang nach gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.

IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel S gegen T am 09.09.2017 wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts erhob der S am 10.11.2017 über das ZIMBRA-Postfach "Einspruch" mit dem Verweis darauf, dass der Spieler nach Auffassung des S kein Spielrecht für den T haben hätte dürfen.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen D und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00088-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der "Anzeige" ein.

Am 25.01.2018 legte der S über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein ohne diese näher zu begründen. Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 ebenfalls Berufung ein.

Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortlichen D eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte.
2. Die Berufungen sind zulässig und wurden form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die beiden Berufungen sind im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmenden Bestrafungen des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen D wurde abgetrennt (c).

Hinsichtlich der unbegründeten Berufungen in Bezug auf die Spielwertung, ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.

Der vom Berufungsführer über Postfach ZIMBRA vom 10.11.2017 als Einspruch erhobenen Einwand gegen das Spiel vom 09.09.2017 ist in eine Anzeige nach § 35 RVO umzudeuten.
Der Berufungsführer brachte in der E-Mail vom 10.11.2017 klar zum Ausdruck, dass er mit dem unzulässigen Einsatz des Spielers M in seinem Verbandsspiel am 09.09.2017 nicht einverstanden ist und eine Gleichbehandlung mit anderen Vereinen, gegen welche der Spieler ebenfalls zum Einsatz kam und bei welchen deshalb eine Spielwertung erfolgt ist, für gerechtfertigt erachtet. Die E-Mail vom 10.11.2017 ist daher in das Rechtsmittel umzudeuten, welches der Berufungsführer dem Sinn nach verfolgte. Gemäß § 38 Abs. 6 RVO stellt das Mitwirken eines nicht spielberechtigten Spielers keinen Einspruchsgrund dar, sondern kann gemäß § 35 Abs. 2 RVO angezeigt werden. Gewollt war mithin vom Berufungsführer eine Anzeige nach § 35 RVO. Für eine solche gilt nach § 35 Abs. 2 Satz 1 RVO folgendes:

Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel beim Sportgericht erfolgen.

(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass der als Anzeige umzudeutende Einspruch vom 10.11.2017 wegen des Verbandsspiels vom 09.09.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) sind § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i. V. m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften der §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO im Urteil 00040-17/18-VSG wie folgt dahingehend ausgelegt:

§ 35 II RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.

Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.

Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des Berufungsführers vom 10.11.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel S gegen T dem Ausgang nach zu werten bleibt.

(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 09.09.2017.

Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 09.09.2017 gegen den Berufungsführer ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers M und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen Jens Degenkolb ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zuletzt zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch D eingeräumt hat. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 09.09.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200,00 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil des Verfahrens 00048-17/18-VSG bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.

(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen D nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den 1. FC Trogen aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Roßmann, gez. Lieb

 

 


Aktenzeichen: 00041-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 03.04.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen A gemäß § 77 Abs. 2 RVO wird abgetrennt.

Urteil:

I. Auf die Berufungen des K und des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 19.01.2018, AZ: 00087-17/18-BSG Ofr. aufgehoben und das Verbandsspiel der Bezirksliga T gegen K vom 30.09.2017 dem Ausgang nach gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins gemäß § 77 Abs. 1 RVO erfolgt im Urteil 00048-17/18-VSG.

III. Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen A gemäß § 77 Abs. 2 RVO erfolgt gesondert.

IV. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel T gegen K am 30.09.2017 wurde vom T der Spieler M eingesetzt, welcher noch im Juli 2017 für seinen alten Verein W auflief. Wegen dieses Sachverhalts erhob der K am 13.11.2017 über das ZIMBRA-Postfach "Einspruch" mit dem Verweis darauf, dass es sich bei dem Einsatz des Spielers M gegen den K um einen unberechtigten Einsatz handeln würde.

Das BSG Oberfranken eröffnete hierauf ein Verfahren gegen den T, den Spieler M und den Mannschaftsverantwortlichen A und führte am 14.01.2018 eine mündliche Verhandlung durch.
Das BSG Oberfranken stellte in der mehrere Verfahren betreffenden Beweisaufnahme einen unzulässigen Einsatz des Spielers M und damit einen Verstoß gegen § 77 RVO fest, stellte jedoch mit streitgegenständlichem Urteil 00087-17/18 BSG Ofr. das Verfahren gegen den T wegen Verfristung der "Anzeige" ein.

Am 25.01.2018 legte der K über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese. Auf den Schriftsatz vom 24.02.2018 wird verwiesen.

Der Verbandsanwalt legte mit Schreiben vom 05.02.2018 ebenfalls Berufung ein.

Der T räumte mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten RA B vom 27.03.2018 unter Verweis auf die mündliche Verhandlung vom 25.03.2018 des VSG in den Wiederaufnahmeverfahren 040-17/18 und 041-17/18 ein, dass in Kenntnis des Mannschaftsverantwortlichen A eine Passrückdatierung vorgenommen wurde. Ihm hätte daher bewusst sein müssen, dass eine Datierung der Abmeldung auf dem Spielerpass des Spielers M, 30.06.2017, nicht den Tatsachen entsprach, nachdem dieser Spieler noch über den 30.06.2017 hinaus für dessen damaligen Verein tätig war und der Spieler M deshalb nicht hätte eingesetzt werden dürfen. Er ließ sich ferner ein, dass der Vereinsvorstand von den tatsächlichen Umständen der Passrückdatierung und dem konkreten Wechselvorgang keine Kenntnis hatte.

2. Die Berufungen sind zulässig und wurden form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
3. Die beiden Berufungen sind im Hinblick auf die Spielwertung nicht begründet (a), jedoch im Hinblick auf die vorzunehmenden Bestrafungen des T (b). Die Ahndung des Mannschaftsverantwortlichen A wurde abgetrennt (c).

Hinsichtlich der unbegründeten Berufungen in Bezug auf die Spielwertung ist klarzustellen, dass das Spiel dem Ausgang nach zu werten ist.

Der vom Berufungsführer mit E-Mail vom 13.11.2017 als Einspruch erhobene Einwand gegen das Spiel vom 30.09.2017 ist in eine Anzeige nach § 35 RVO umzudeuten.
Der Berufungsführer brachte in der E-Mail vom 13.11.2017 klar zum Ausdruck, dass er mit dem unzulässigen Einsatz des Spielers M in seinem Verbandsspiel am 30.09.2017 nicht einverstanden ist und eine Gleichbehandlung mit anderen Vereinen, gegen welche der Spieler ebenfalls zum Einsatz kam und bei welchen deshalb eine Spielwertung erfolgt ist, für gerechtfertigt erachtet. Die E-Mail vom 13.11.2017 ist daher in das Rechtsmittel umzudeuten, welches der Berufungsführer dem Sinn nach verfolgte. Gemäß § 38 Abs. 6 RVO stellt das Mitwirken eines nicht spielberechtigten Spielers keinen Einspruchsgrund dar, sondern kann gemäß § 35 Abs. 2 RVO angezeigt werden. Gewollt war mithin vom Berufungsführer eine Anzeige nach § 35 RVO. Für eine solche gilt nach § 35 Abs. 2 Satz 1 RVO folgendes:

Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel beim Sportgericht erfolgen.

(a)
Dem BSG Oberfranken ist in der Sache zuzustimmen, dass der als Anzeige umzudeutende Einspruch vom 13.11.2017 wegen des Verbandsspiels vom 30.09.2017 nach § 35 Abs. 2 RVO verfristet ist und daher keine Spielwertung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG (Urteil vom 15.03.2000 Fall 33/1999/2000 sowie Urteil vom 27.06.2000 Fall 54/1999/2000) ist § 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.
Das VSG hat auf Antrag des Verbandsanwalts gemäß § 36 I und II der Satzung i. V. m. § 5 II und IV der RVO die Vorschriften des §§ 35 II RVO und 29 Nr. 5 SpO im Urteil 00040-17/18-VSG wie folgt dahingehend ausgelegt:

§ 35 II RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der 4-Wochen-Frist eingeht.

Zur weiteren Begründung wird auf die dortigen Ausführungen des VSG verwiesen.

Wie das BSG Oberfranken zutreffend ausführt, war das zuletzt zulässig und begründet zu beanstandende Spiel im Sinne des § 35 Abs. 2 RVO am 08.10.2017 (T gegen T). Die Anzeigefrist endete mithin am 06.11.2017, so dass die Anzeige des Berufungsführers vom 13.11.2017 verfristet ist. Eine Spielwertung kann deshalb nicht mehr vorgenommen werden, so dass das Spiel K gegen T dem Ausgang nach zu werten bleibt.

Die vorgebrachten Einwände in der Berufungsbegründung sind unbeachtlich, da es sich bei der Anzeigefrist um eine Ausschlussfrist handelt, für deren Einhaltung der Anzeigeerstatter allein verantwortlich ist. Nach Ansicht des VSG ist es grundsätzlich Aufgabe jedes einzelnen Vereins seine Interessen selbst wahrzunehmen.
Hinsichtlich des Zeugen M ist klarzustellen, dass der T diesen Zeugen benannt und dann im weiteren Verlauf unwidersprochen auf dessen Einvernahme verzichtet hat. Im Übrigen ist unklar, was der Zeuge M in diesem Verfahren überhaupt ausgesagt hätte.

(b)
Hiervon losgelöst ist jedoch die Bewertung des unzulässigen Einsatzes des Spielers M im Hinblick auf den Verstoß gegen § 77 Abs. 1 RVO zu betrachten, welche eine Bestrafung des T rechtfertigt in Bezug auf das hier streitgegenständliche Spiel vom 30.09.2017.

Der Sachverhalt diesbezüglich, insbesondere der vorsätzliche unzulässige Einsatz des Spielers M beim Spiel am 30.09.2017 gegen den Berufungsführer ist unstreitig. Der T hat dies vollumfänglich in seinem Schriftsatz vom 27.03.2018 eingeräumt. Das vorsätzliche Handeln in Form der Mitwirkung bei der Passrückdatierung, daher positive Kenntnis des irrtümlichen Spielrechts des Spielers M und damit dessen vorsätzlichen unzulässigen Einsatzes des damaligen Verantwortlichen A ist zweifelsfrei dem T zuzurechnen.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe ist zu berücksichtigen, dass der T zuletzt zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts beigetragen und den unzulässigen Einsatz durch A eingeräumt hat. Aufgrund der Tatsache, dass der Verein im Sinne des Vorstands keine Kenntnis von den wahren Begebenheiten des Spielerwechsels, der Rückdatierung des Spielerpasses und damit dem vorsätzlichen unzulässigen Einsatz hatte, sondern dies ausschließlich durch das Zusammenwirken des Mannschaftsverantwortlichen mit dem abgebenden Verein verursacht wurde, sieht das VSG für den Einsatz des Spielers M am 30.09.2017 einen Punktabzug in Höhe von 2 Punkten sowie eine Geldstrafe von 200,00 € für tat- und schuldangemessen an. Diese Einsatzstrafe ist im Urteil des Verfahrens 00048-17/18-VSG bei der Bildung der Gesamtstrafe zu berücksichtigen.

(c)
Die Ahndung hinsichtlich des Mannschaftsverantwortlichen A nach § 77 Abs.2 RVO erfolgt gesondert. Die Abtrennung ist verfahrensgerecht, weil insoweit noch verfahrensrechtliche Schritte erforderlich sind, die Entscheidung gegen den T aber wegen des Punktabzugs und der Spielwertungen auch im Interesse der Liga eilbedürftig ist.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Roßmann




Aktenzeichen: 00040-17/18-VSG

Datum der Sitzung: 04.04.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause, Lieb, Roßmann

Urteil:

§ 35 Abs. 2 RVO und § 29 Nr. 5 SpO sind dahingehend auszulegen, dass die Anzeige binnen vier Wochen nach dem zuletzt in zulässiger und begründeter Weise gerügten Spiel erhoben werden muss, bei dem der Spieler unberechtigt eingesetzt wurde. Die Frist gilt nur für Spielwertung und Neuansetzung. Eine Bestrafung des Vereins, des Verantwortlichen und des Spielers ist auch dann zulässig, wenn die Anzeige erst nach Ablauf der Vierwochenfrist eingeht.


Gründe:

1.
Mit Schreiben vom 09.01.2018 beantragte der Verbandsanwalt die Auslegung des § 29 Nr. 5 der Spielordnung (SpO) und § 35 Abs. 2 der Rechts- und Verfahrensordnung (RVO) zu folgender Fragestellung:

§ 29 Nr. 5 SpO
Eine Spielverlustwertung oder eine Spielneuansetzung wegen der Mitwirkung eines nicht spielberechtigten oder sonst unzulässig eingesetzten Spielers kann höchstens für die letzten zehn Spiele der laufenden Verbandsspielrunde vor dem "zuletzt beanstandeten Spiel" angeordnet werden.

§ 35 Abs. 2 RVO
Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem "zuletzt zu beanstandenden Spiel" beim Sportgericht erfolgen. Nach Abschluss der Verbandsspielrunde der betreffenden Mannschaft sind Anzeigen spätestens innerhalb von sieben Tagen nach dem letzten Verbandsspiel dieser Mannschaft einzureichen (bei Pokalspielen gilt § 71 Spielordnung).

Insbesondere wird das VSG gebeten zu prüfen, wie der unterschiedliche Wortlaut hinsichtlich der jeweiligen Fristberechnungen unter Berücksichtigung der Formulierungen "zu beanstandenden Spiele" ( RVO) und "beanstandeten (SpO) Spiele" zu verstehen ist und ob bei der Fristberechnung nach § 35 II RVO nicht fristgerecht beanstandete Spiele zu berücksichtigen sind und als zu beanstandende Spiele anzusehen sind.

2.

Das VSG ist für die Auslegung der Vorschrift zuständig. Gemäß § 20 Abs. 2 RVO kann der Verbandsanwalt die Auslegung einer Vorschrift beantragen. § 20 Abs. 2 RVO lautet:
Das Verbands-Sportgericht hat auf Antrag des Verbands-Präsidenten oder des Verbandsanwalts die Bestimmungen der Satzung und der Ordnungen auszulegen.

Ein besonderes rechtliches Interesse wird in der Vorschrift nicht verlangt.

Die Auslegung von Vorschriften der Satzung oder der Verbandsordnungen zählt zu den grundsätzlichen Angelegenheiten. Gemäß § 8 Abs. 4 RVO war daher mit einem Vorsitzenden und vier Beisitzern zu entscheiden.

3.

§ 29 Nr. 5 SpO lautet:
Eine Spielverlustwertung oder eine Spielneuansetzung wegen der Mitwirkung eines nicht spielberechtigten oder sonst unzulässig eingesetzten Spielers kann höchstens für die letzten zehn Spiele der laufenden Verbandsspielrunde vor dem zuletzt beanstandeten Spiel angeordnet werden.

§ 35 Abs. 2 RVO lautet:
Anzeigen gegen Vereine wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler in Verbandsspielen müssen innerhalb von vier Wochen nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel beim Sportgericht erfolgen. Nach Abschluss der Verbandsspielrunde der betreffenden Mannschaft sind Anzeigen spätestens innerhalb von sieben Tagen nach dem letzten Verbandsspiel dieser Mannschaft einzureichen (bei Pokalspielen gilt § 71 Spielordnung).

4.

Das VSG hat sich mit der im Antrag gestellte Frage bereits in zwei grundlegenden Entscheidungen befasst.

Im Urteil vom 15.03.2000 (Fall 33/1999/2000) führte das VSG aus:

Für die weiteren, durch das Sportgericht von Amts wegen vorgenommenen Spielwertungen fehlt jedoch die nach § 35 RVO zwingend erforderliche Anzeige.
Nach § 34 RVO dürfen die Sportgerichte nur auf Anzeige, Meldung oder Einlegung eines Rechtsmittels hin tätig werden. Es obliegt daher bei etwaigen Vorfällen ausschließlich den betroffenen Vereinen, ihren Mitgliedern oder den Verbandsorganen, im Interesse eines geordneten Spielbetriebs ein entsprechendes Verfahren in Gang zu setzen. Dies gilt nach § 35 Abs. 1 S. 2 RVO insbesondere auch für die Anzeige wegen Mitwirkens nicht spielberechtigter Spieler, welche "innerhalb von vier Wochen nach dem beanstandeten Spiel" erfolgen muss.
Auch wenn - wie im vorliegenden Fall - in mehreren aufeinanderfolgenden Spielen gegen dieselben Vorschriften verstoßen wurde und die Spiele daher als Gesamtgeschehen betrachtet werden könnten, ist jedoch für jedes Spiel gesondert zu prüfen, ob die Verfahrensvoraussetzungen für ein Sportgerichtsverfahren erfüllt sind, d.h. insbesondere, ob bzgl. jedes einzelnen Spiels eine wirksame Anzeige im Sinn des § 35 RVO vorliegt. Liegt eine derartige Anzeige nicht vor, kann das betreffende Spiel nicht in das bereits anhängige Sportgerichtsverfahren einbezogen - und damit auch keine Spielwertung vorgenommen werden.
Es ist darüber hinaus auch nicht Aufgabe der Sportgerichte, von Amts wegen Ermittlungen darüber anzustellen, ob möglicherweise in vorangegangenen Spielen der betroffene Spieler unzulässig eingesetzt war. Damit hätte die durch das KSG von Amts wegen vorgenommene Überprüfung der vorangegangenen Spielen nicht erfolgen dürfen. Es wäre vielmehr Sache der betroffenen Vereine oder des Spielleiters gewesen, die weiteren Spiele durch eine Anzeige in das laufende Verfahren mit einzubeziehen.

Hinsichtlich der in § 35 RVO vorgesehenen Frist, innerhalb welcher der unzulässige Einsatz eines Spielers angezeigt werden muss, ist für den Fristbeginn auf das zu beanstandende Spiel abzustellen. Ist bereits ein Verfahren wegen unzulässigem Einsatz des betreffenden Spielers in einem nachfolgenden Spiel anhängig, so ist jedoch der Austragungstermin dieses nachfolgenden Spiels maßgeblich. Diese Auslegung des § 35 Abs. 1 S. 2 RVO rechtfertigt sich insbesondere durch den Wortlaut sowie den vergleichbaren Sinn und Zweck des § 40 Abs. 5 SpO. Hiernach wird bei der Bestimmung, für welche Spiele eine Spielwertung wegen unzulässigem Einsatz eines Spielers vorgenommen werden kann (was wiederum eine Anzeige oder Meldung im Sinne von § 35 Abs. 1 RVO voraussetzt), ebenfalls auf das "zuletzt" beanstandete Spiel abgestellt, welches das Sportgerichtsverfahren ausgelöst hat.

Im Urteil vom 27.06.2000 (Fall 54/1999/2000) führte das VSG aus:

Auf die zutreffende Begründung des Erstgerichts wird Bezug genommen. Dieses stellt in Übereinstimmung mit dem Urteil in Sachen Neubeuern 15.03.2000, Fall 33/1999/2000) fest, dass eine Anzeige wegen Einsatz eines nichtspielberechtigten Spielers nur dann verfolgt werden kann, wenn Sie spätestens vier Wochen nach dem letzten unzulässigen Einsatz des Spielers erstattet worden ist. § 35 RVO stellt nach seinem eindeutigen Wortlaut nicht auf die Kenntnisnahme, sondern auf den tatsächlichen Zeitpunkt des unzulässigen Einsatzes ab.

5.

Die Auslegung ergibt aus den nachfolgenden Gründen das im Tenor zusammengefasste Ergebnis:

a)
Das VSG hat aufgrund des Antrags seine in den beiden zitierten Urteilen dargelegte Rechtsprechung nochmals überprüft, gelangt jedoch hinsichtlich der Spielwertungen zu den gleichen Ergebnissen wie im Jahre 2000.

Dem Wortlaut nach bestimmt § 35 Abs. 2 RVO eine klare Vierwochenfrist nach dem zuletzt zu beanstandenden Spiel.

Das VSG kommt nach erneuter Überprüfung zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Begriff "zu beanstandenden Spiel" um ein Spiel handeln muss, welches in zulässiger und begründeter Form angezeigt wurde.

Dies ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang der Regelung, die eine Begrenzung auf zehn Spiele vorsieht. Diese Begrenzung dient dem Wettbewerb, weil dadurch in aller Regel verhindert wird, dass ein Verein durch Spielwertungen in zwei Spielen (Vor- und Rückrunde) begünstigt wird. Die indirekte Auswirkung einer Spielwertung, die sich auch im Verhältnis des begünstigten Vereins zu unbeteiligten dritten Vereinen auswirken kann, soll begrenzt werden. Damit werden die Eingriffe in die Tabellensituation, insbesondere bei einem bereits langen Lauf der Saison, begrenzt. Dies dient der Klarheit der Tabellensituation aller Vereine untereinander.

Der Ausgangspunkt dieser zehn Spiele ist das zuletzt beanstandete Spiel. Dieser Begriff ist auszulegen. Nach Ansicht des VSG setzt dies eine Anzeige voraus. Würde man darauf abstellen, dass das letzte Spiel entscheidend ist, das theoretisch beanstandet werden könnte, könnte ein Verein durch den bewussten Einsatz eines Spielers in späteren Spielen, die Zehn-Spiele-Schranke immer weiter in die Gegenwart verschieben und so frühere Punkte retten. Ein derartiges Vorgehen scheidet jedoch aus, wenn eine Anzeige notwendig ist. Eine Anzeige mit dem Ziel einer Spielwertung setzt regelmäßig voraus, das der unzulässig einsetzende Verein dieses gewonnen oder zumindest unentschieden gespielt hat.

Es muss sich daher um eine zulässige und begründete Anzeige handeln. Der Wortlaut des § 35 Abs. 2 RVO "zu beanstandenden" Spiel steht dem nicht entgegen, weil sich die Bestimmung mit der Zulässigkeit einer Anzeige befasst und diese sich immer nur auf zu beanstandende Spiele beziehen kann, welche mit der Anzeige dann beanstandet werden. Insoweit löst sich auch der scheinbare Widerspruch im Wortlaut des § 29 Nr. 5 SpO auf, der von "beanstandeten Spiel" spricht. Diese Bestimmung begrenzt die Wirkung einer bereits erfolgten Anzeige, also von Spielen, die durch die Anzeige bereits "beanstandet" sind.

Weiter geht das VSG davon aus, dass eine Anzeige begründet sein muss, weil die Vorschrift von "zu beanstandenden Spielen" spricht. Es muss also ein Grund für eine Beanstandung objektiv vorliegen. Ansonsten könnte durch Verdachtsanzeigen die Zehn-Spiele-Beschränkung zeitlich immer weiter in die Gegenwart verschoben werden. Da eine unbegründete Anzeige jedoch nicht zur Spielwertung führen kann, würde der betroffene Verein durch die unbegründeten Anzeigen zu späteren Spielen, aus diesen Spielen die Punkte behalten und zusätzlich durch die dann ausgelöste Zehn-Spiele-Schranke immer mehr Punkte in der Vergangenheit behalten. Dieses Ergebnis wäre nicht sachgerecht.

b)
Anders zu beantworten ist allerdings die Frage, ob der Verein im Falle einer Anzeige nach Ablauf der Vierwochenfrist noch bestraft werden kann.

Diese - bisher noch nicht entschiedene - Frage bejaht das VSG.

Die Beschränkung auf vier Wochen dient eindeutig der Vermeidung der oben beschriebenen Wettbewerbsverzerrungen durch die Drittwirkung auf unbeteiligte Vereine. Dies wird insbesondere durch die Fristverkürzung zum Saisonende hinreichend deutlich zum Ausdruck gebracht.

Es gibt jedoch keinen Grund, den betroffenen Verein vor Strafe zu schützen, nur weil die Vierwochenfrist abgelaufen ist. Auch wenn dem Verein dadurch später Punkte abgezogen werden, führt dies nur zum gewollten Nachteil für den zu bestrafenden Verein, jedoch nicht zum Vorteil bei Dritten gegenüber anderen Dritten. Kein Verein erhält zusätzliche Punkte, weil einem anderen zur Strafe Punkte abgezogen werden. Insofern besteht ein wesentlicher Unterschied zur Spielwertung, bei der der gegnerische Verein Punkte erhält, die er zuvor nicht gewonnen hat. Damit wird die Tabellensituation des begünstigten Vereins nicht nur gegenüber dem betroffenen Verein, sondern auch im Verhältnis zu anderen, in der Tabelle benachbarter Vereine beeinflusst.

Für eine begrenzte Wirkung der Begrenzung der Vierwochenfrist und auch der Zehn-Spiele-Grenze auf die Fälle der Spielwertung und der Neuansetzung spricht auch der Wortlaut des § 29 Nr. 2 SpO, der sich ausschließlich auf letztere bezieht. Dafür spricht auch, dass sich der Wortlaut des § 35 Abs. 2 RVO nur auf die Vereine, jedoch nicht auf die ebenfalls zu bestrafenden Spieler und Verantwortliche bezieht.

Es ist kein Grund ersichtlich, warum die Vereine gegenüber ihren eigenen Spielern und Verantwortlichen privilegiert werden sollen. Eine Bestrafung ist daher auch bei Anzeigen möglich, die außerhalb der Vierwochenfrist erstattet werden. Auch ist eine Beschränkung auf zehn zurückliegende Spiele nicht notwendig. Das weiter zurückliegende Unrecht wird nicht durch bloßen Zeitablauf obsolet. Insoweit ist die Zeitschranke der allgemeinen Verjährung als ausreichend und sachgerecht anzusehen.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Krause, gez. Lieb, gez. Roßmann

 

 

Aktenzeichen: 0039-17/18-VSG
Aktenzeichen: 0038-17/18-VSG
Sitzung vom: 13.03.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

Urteil:
I. Der Schiedsrichter A, TSV X, wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.
II. Der Schiedsrichterausweis und der Spielerpass von A werden eingezogen.
III. Der Schiedsrichter B, TSV X, wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.
IV. Der Schiedsrichterausweis und der Spielerpass von B werden eingezogen.
V. Die Kosten des Verfahrens und der mündlichen Verhandlung vom 13.03.2018 tragen der Betroffene A unter Mithaftung des Vereins TSV X und der Betroffene B unter Mithaftung des Vereins TSV X je zur Hälfte. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:
1. Dem Betroffenen A und dem Betroffenen B liegt jeweils zur Last, am 05.12.2017 anlässlich des Champions League Spiels FC Bayern München gegen Paris Saint Germain die zuvor von ihnen als Schiedsrichter erworbenen Freikarten zu einem Preis von je 450,00 € verkauft zu haben.
C erstattete diesbezüglich mit Schreiben vom 08.01.2018 Anzeige gegen A und B.
Daraufhin wurde durch das VSG sowohl gegen den Schiedsrichter A als auch gegen Schiedsrichter B am 29.01.2018 jeweils das Verfahren eröffnet.
Mit wortgleichen Schreiben vom 05.02.2018 beantragten B und A separat die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Der Verbandsanwalt ist den Verfahren beigetreten.
Mit Beschluss vom 14.02.2018 wurden beide Verfahren wegen Sachzusammenhangs miteinander verbunden.
Das Verbands-Sportgericht hat am 13.03.2018 eine mündliche Verhandlung mit Beweisaufnahme durchgeführt. Hierbei erschien der minderjährige A in Begleitung seines Großvaters, der von der Mutter des Betroffenen hierzu ausdrücklich schriftlich bevollmächtigt wurde.
2. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 I a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss der Betroffenen in Betracht kommt.
3. Der Schiedsrichter A war aus dem Bayerischen Fußball-Verband auszuschließen. Ihm war das Recht abzuerkennen, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören. Der Schiedsrichterausweis der SR-Gruppe D sowie der Spielerpass sind einzuziehen.
Der weitere Betroffene Schiedsrichter B war ebenfalls aus dem Bayerischen Fußball-Verband auszuschließen. Im war das Recht abzuerkennen, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören. Der Schiedsrichterausweis der SR-Gruppe D sowie der Spielerpass sind einzuziehen.

Nach mündlicher Verhandlung vom 13.03.2018 steht aufgrund der Beweisaufnahme zur Überzeugung des VSG fest, dass sowohl der Betroffene A als auch der Betroffene B jeweils ihre zuvor erworbenen Schiedsrichterfreikarten für je 450,00 € verkauft haben.
Die Betroffenen A und B hatten bereits in ihren wortgleichen schriftlichen Stellungnahmen vom 05.02.2018 angegeben, die beiden Schiedsrichterfreikarten seien verloren gegangen und entweder hätte sie ein Finder verkauft oder die auf den Plätzen der Schiedsrichter sitzenden arabischen Zuschauer hätten die Karten selbst gefunden. Auch in der mündlichen Verhandlung haben sich die Betroffenen dem entsprechend inhaltlich zum Sachverhalt geäußert. Ihnen war bewusst, dass die erworbenen Karten nicht übertrag- oder veräußerbar waren. Sie gaben beide an, nach stundenlangem Anstehen an der Schiedsrichterkasse die Karten erhalten zu haben, welche der Betroffene A in seine Jackenaußentasche gesteckt hat. Dann seien sie gemeinsam zurück zum BMW-Parkhaus zum KFZ des B gegangen, um ihre Taschen darin einzuschließen. Dabei sei Ihnen erstmalig aufgefallen, dass die Eintrittskarten verschwunden waren. Anschließend hätten Sie mindestens 45 Minuten lang die Karten gesucht und seien den gesamten Weg bis zur Schiedsrichterkasse zurück gegangen. Danach sind sie enttäuscht nach Hause gefahren.
Auf Nachfrage des Gerichts, warum sie den Verlust der Karten nicht an der Schiedsrichterkasse angezeigt hatten, meinten sowohl B als auch A, dass sie nicht auf diese Idee gekommen wären, zu groß war ihre Verzweiflung über die verlorenen Karten. Sie hätten ebenfalls nicht den Gedanken gehabt, nachzufragen, ob diese Karten vielleicht wieder abgegeben worden sind. Beide räumten ein, dass dies wohl ein Fehler war.
Der Zeuge T, der am 05.12.2017 die Schiedsrichterkasse besetzte, gab an, dass er bereits vor Spielbeginn über Handy durch den weiteren Zeugen H darüber informiert wurde, dass auf den Sitzplätzen der Betroffenen B und A arabische Zuschauer saßen, die angaben, die zwei Karten für insgesamt 900,00 € gekauft zu haben. Ferner teilte der Zeuge T mit, dass seine Schiedsrichterkasse erst schließt, wenn alle Schiedsrichterfreikarten übergeben sind, spätestens aber bei Spielbeginn. An diesem Tage waren noch Karten übrig. Sollten mal Karten verloren gehen, dann werden sie gesperrt und der FC Bayern stellt für solche Fälle neue Ersatzkarten zur Verfügung. Weder B noch A hätten jedoch den Verlust der Karten gemeldet, obwohl er bis Spielbeginn noch an der SR-Kasse gesessen ist.
Es besteht die ständige Übung seitens der ausgebenden Stelle bei Verdacht der widerrechtlichen Weiterveräußerung von Schiedsrichterkarten abzuwarten, ob der Schiedsrichter in einer der nächsten Spiele wiederkommt und eine weitere Karte begehrt. Sollte dies der Fall sein, so wird bei dieser Gelegenheit der Schiedsrichterausweis eingezogen. Genauso verhielt es sich auch hier. Beim darauffolgenden Spiel FC Bayern gegen Borussia Dortmund am 20.12.2017 seien die Betroffenen wieder erschienen und wollten Schiedsrichterkarten. Statt diese zu übergeben habe er die jeweiligen Schiedsrichterausweise bei der Gelegenheit eingezogen.
Der Zeuge gab weiter an, er habe den Betroffenen die Situation erklärt. Beide Betroffenen hätten den Weiterverkauf der Karten nur kurz abgestritten. Sie hätten jedoch nicht gesagt, dass sie die Karten beim Champions-League FC Bayern München gegen Paris St. Germain zuvor verloren hätten. Sie sind dann ohne weiteren Kommentar gegangen.

Der Zeuge H gab bei seiner telefonischen Einvernahme an, im Spiel als Zuschauer anwesend gewesen zu sein. Er habe mit den arabischen Zuschauern Englisch gesprochen. Diese hätten ihm bestätigt, keine Schiedsrichter zu sein. Anfangs behaupteten sie, die Karten wären ein Geschenk gewesen. Schließlich räumten sie jedoch gegenüber dem Zeugen ein, Sie hätten die Karten für insgesamt 900,00 € gekauft. Der Verkäufer hätte sie noch darauf hingewiesen, dass sie behaupten sollten, es wäre ein Geschenk, wenn sie von irgendjemanden auf den Besitz der Karten angesprochen werden.

Die Angaben der Betroffenen, sie hätten die Karten nach Erhalt verloren, stellen nach Überzeugung des VSG reine Schutzbehauptungen dar. Die Betroffenen haben ausweislich der Unterlagen und ihrer eigenen Aussagen den Verlust der Karten nicht gemeldet und diesen Sachverhalt nach Aussage des Zeugen T auch am 20.12.2017, als sie erneut SR-Karten erwerben wollte, nicht offengelegt.
Besonders zu berücksichtigen war ebenfalls die Aussage des Zeugen H, die arabischen Zuschauer seien vom Verkäufer beauftragt worden, mitzuteilen, es handle sich bei den Karten um ein Geschenk. Ein zufälliger Finder von verlorenen Karten hätte jedoch gar keine Veranlassung, eine derartige Bitte zu formulieren.
Das Verhalten der Betroffenen stellt eine gravierende Unsportlichkeit gem. § 47 RVO dar, welches im Fall eines Verkaufs der Karten nach ständiger Rechtsprechung des VSG zum Ausschluss aus dem Verband führt.
Zugunsten der Betroffenen konnten keine Gesichtspunkte berücksichtigt werden.
Zu ihren Lasten war andererseits zu sehen, dass sie einen sehr hohen Gewinn erzielt haben und dass bei Wiederholung derartiger Vorgänge die Gefahr besteht, dass künftig keine extrem günstigen SR-Karten, insbesondere für hochklassige Spiele, mehr zur Verfügung gestellt werden.
Die Betroffenen haben zudem das in sie gesetzte Vertrauen erheblich enttäuscht und dem Ansehen sämtlicher Schiedsrichter geschadet.
Die Betroffenen waren daher nach der ständigen Rechtsprechung des VSG aus dem Verband auszuschließen, mildere Ahndungen kommen nicht in Betracht.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 Ziff. 13 d) FO.

Gez. Beierlein gez. Lieb gez. Roßmann

 

Aktenzeichen: 00037-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 21.03.2018,
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG Zugspitze vom 02.11.2017 AZ: 00353-17/18-KSG Zugspitze) wird wiederaufgenommen.

II. Ziffer I. wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler A ab 22.10.2017 für 4 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisklasse-Mannschaft der DJK D gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt die DJK D.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Zugspitze vom 02.11.2018, AZ 00353-17/18-KSG Zugspitze, wurde der Spieler A wegen rohen Spiels am 21.10.2017 für vier Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der B-Klasse-Mannschaft des Vereins DJK D gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereines gesperrt ist, bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I.

Der Spieler A gehört nach Dafürhalten des VSG zum Kreis der Stammspieler der 1. Mannschaft der DJK D, welche in der Kreisklassse spielt.
Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in der Saison 2017/18 in 11 Verbandsspielen der 1. Mannschaft eingesetzt und hiervon 8-mal von Beginn an; lediglich 2 Spiele hat er in der 2. Mannschaft absolviert.

Die 2. Mannschaft der DJK D hatte nach der roten Karte am 29.10.2017 ein weiteres Verbandsspiel und beginnt laut Spielplan erst am 24.03.2018 wieder mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 02.04.2018 andauert.

Die Kreisklasse-Mannschaft hatte nach dem Feldverweis noch Spiele am 22.10.2017, 29.10.2017 und 31.10.2017 zu absolvieren und hat bereits am 18.03.2018 mit der Rückrunde begonnen. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Kreisklasse-Mannschaft laut Spielplan 6 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 6 Spiele wäre der Spieler A aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die von der DJK D vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 02.11.2017.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11 FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Lieb

 

Aktenzeichen: 00036-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 05.03.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Urteil:

§ 37 Satzung ist dahin auszulegen, dass die gewählten Delegierten, die kraft ihrer Funktion als Verbandsfunktionäre Stimmrecht am Bezirkstag haben, ihre Position als gewählte Kreisdelegierte behalten. Da eine natürliche Person nur ein Stimmrecht haben kann, wird die Ausübung der Stimmrechte auf eine Stimme begrenzt. Ein Ersatz dieses Wahldelegierten durch einen Ersatzdelegierten ist nicht vorgesehen.

1.
Mit Schreiben vom 02.03.2018 beantragte der Verbandsanwalt die Auslegung des § 37 Satzung zu folgender Fragestellung:

Können geborene Delegierte, die Kraft Satzung beim Bezirkstag Stimmrecht haben, als normale Delegierte vom Kreistag als Delegierte zum Bezirkstag bestimmt werden oder müssen für diese vom Kreistag gewählten Personen Ersatzdelegierte nachrücken. Wenn keine Ersatzdelegierte nachrücken dürfen, haben dann die kraft Satzung geborene Personen 2 Stimmen?

2.
Das VSG ist für die Auslegung der Vorschrift zuständig. Gemäß § 20 Abs. 2 RVO kann der Verbandsanwalt die Auslegung einer Vorschrift beantragen. § 20 Abs. 2 RVO lautet:

Das Verbands-Sportgericht hat auf Antrag des Verbands-Präsidenten oder des Verbandsanwalts die Bestimmungen der Satzung und der Ordnungen auszulegen.

Ein besonderes rechtliches Interesse wird in der Vorschrift nicht verlangt.

3.
§ 37 der Satzung lautet:

1) Alle Vereine haben auf Tagungen der Kreise bzw. bei einer schriftlichen Abstimmung eine Stimme. Nehmen Herren-, Frauen- oder Junioren/-innen-Mannschaften am Spielbetrieb teil, erhält der Verein für jede dieser Gruppierungen eine Zusatzstimme (maximal drei Zusatzstimmen).

2) Maßgebend ist die Meldung für das laufende Spieljahr (Stichtag 1. Oktober).

3) Das Stimmrecht ruht, solange der Verein gesperrt ist.

4) Beim Bezirkstag haben je eine Stimme:
a) die Mitglieder des Bezirks-Ausschusses (s. § 31)
b) die Mitglieder des Bezirks-Jugendausschusses (s. § 34 Absatz 5)
c) die Beisitzer des Bezirks-Schiedsrichter-Ausschusses
d) die Beisitzer des Bezirks-Sportgerichtes
e) die Kreis-Spielleiter, sofern nicht identisch mit den Kreis-Vorsitzenden
f) die Kreis-Schiedsrichterobmänner
g) die Vorsitzenden der Kreis-Sportgerichte
h) die Kreisbeauftragten für Frauen- und Mädchenfußball, sofern nicht identisch mit den Kreis-Vorsitzenden
i) die Kreis-Ehrenamtsbeauftragen
j) ein Viertel der Jugendgruppenspielleiter (Stichtag 1. Januar), die auf einer Mitarbeitertagung von diesen zu wählen sind
k) die Vertreter der Bundesliga, der 2. Bundesliga, der 3. Liga, der Regionalliga, der Bayernliga und der Landesligen (jeweils Herren und Frauen)
l) die Vertreter der jeweiligen Bezirksliga der Herren und fünf von den Vereinen der Bezirksoberliga der Frauen benannte Vertreter
m) 120 Delegierte, die auf den jeweiligen Kreistagen zu wählen sind und Mitglieder eines Verbandsvereins sein müssen. Von diesen auf den jeweiligen Kreistagen gewählten Delegierten müssen je Kreis mindestens vier Personen weiblich und mindestens eine Person zum Zeitpunkt der Delegiertenwahl unter 30 Jahre alt sein, wobei sich beide Voraussetzungen in einer Delegierten vereinen können. Diese Delegierten sind vorrangig zu wählen. Werden nicht ausreichend weibliche oder junge Delegierte unter 30 Jahren gewählt, so entfällt für jedes nicht erfüllte Kriterium je eine Delegiertenstimme. Darüber hinaus dürfen von den auf jedem Kreistag gewählten Delegierten maximal 60 Prozent Verbandsfunktionäre sein.

(5) Entfallen auf einen Verein mehrere Stimmen so ist für je eine Stimme jeweils ein Delegierter zu benennen. Entfallen auf eine Person mehrere Stimmrechte (Doppelfunktionen) so hat diese Person nur eine Stimme.

4.
Die Auslegung dieser Bestimmung im Hinblick auf die Fragestellung des Verbandsanwaltes ergibt folgendes:

§ 37 der Satzung legt fest, wer eine Stimme am Bezirkstag hat. Es sind dies die so genannten geborenen Mitglieder (a-i), die dafür gewählten Jugendgruppenspielleiter (j), die Vertreter der höherklassigen Vereine (k), die Vertreter der Herren-BOL und 5 Vertreter der Frauen BOL (l).
Hinzukommen 120 Delegierte, die gemäß m) auf den Kreistagen zu wählen sind.

Die Bestimmung enthält ihrem Wortlaut nach keine Beschränkung dahingehend, dass sich ein Verbandsfunktionär nicht als Wahldelegierter gemäß m) aufstellen und wählen lassen darf. Im Gegenteil, der Satzungsgeber ging erkennbar davon aus, dass ein Verbandsfunktionär auch als Delegierter gewählt werden kann. Dies zeigt die in m) am Schluss enthaltene Begrenzung dieser Personengruppe auf 60 %.

Nachdem der Wortlaut keine Begrenzung des passiven Wahlrechts eines Verbandsfunktionärs enthält, kann ihm auch nicht entnommen werden, dass das passive Wahlrecht eines Verbandsfunktionärs begrenzt ist, der kraft seiner besonderen Funktion bereits ein Stimmrecht am Bezirkstag besitzt, also ein so genanntes "geborenes Mitglied" ist.

Eine solche Begrenzung lässt sich auch nicht aus der Systematik der Vorschrift herleiten.

Die Vorschrift sieht vor, dass bestimmte Verbandsfunktionäre mit hervorgehobenen Positionen in den Kreisen und Bezirken, Vertreter aus bestimmten Funktionärsgruppen sowie Vertreter der Spitzenvereine am Bezirkstag Stimmrecht haben sollen. Außerdem sollen sich alle Vereine der Kreise durch gewählte Delegierte am Bezirkstag durch von ihnen gewählte Vertreter abbilden können. Innerhalb der letzten Gruppe gibt es noch alters- und geschlechterspezifische Besonderheiten, die hier nicht relevant sind.

Der Vorschrift lässt sich nicht entnehmen, dass Mitglieder einer der genannten Gruppen nicht mehrfach berücksichtigt werden können. Die Bestimmung regelt ausdrücklich den Fall, dass eine Person mehrere Stimmrechte hat. Dies bedeutet, dass der Satzungsgeber davon ausging, dass es Möglichkeiten gibt, dass eine Person mehrere Stimmrechte auf sich vereinigt. Als Beispiel wird der Fall die Wahrnehmung mehrerer Verbandsfunktionen durch eine Person genannt. Dieses Mehrfachstimmrecht muss aber nicht auf diesen Fall beschränkt sein. Es könnte sich beispielsweise auch dann ergeben, wenn ein Vertreter eines Spitzenvereins als Wahldelegierter gewählt wird. Auch dann stellt sich die Frage des Mehrfachstimmrechts, wenn er diesen Spitzenverein beim Bezirkstag vertritt.

Ist also die Möglichkeit grundsätzlich gegeben, dass eine Person in mehreren Funktionen am Bezirkstag teilnimmt (und nicht beispielsweise eine Funktion durch seinen Amtsvertreter wahrgenommen werden muss), gibt es keinen Grund, weshalb ein geborenes Mitglied des Bezirkstags nicht auch als Vertreter des Kreistages gewählt werden kann. Eine solche Wahl kann unter zwei theoretischen Aspekten durchaus sinnvoll sein, nämlich dann, wenn die geborenen Mitglieder erst nach der Wahl der Delegierten gewählt werden. Die Tagesordnung der Kreistage ist nicht unabänderlich festgeschrieben. Ein am Kreistag gewähltes Mitglied könnte sein Amt aber auch bereits vor dem Bezirkstag wieder niederlegen. In beiden Fällen könnte das geborene Mitglied seine Teilnahme am Bezirkstag durch die Wahl absichern. Ebenso wäre denkbar, dass sich nicht genügend Kandidaten zur Wahl stellen, die keine Verbandsfunktion innehaben.

Dies zeigt, dass die Bestimmung nicht davon ausgeht, dass eine Person nicht als Wahldelegierter wählbar ist, oder seine Wahlposition verliert, wenn er aus einem anderen Grund des § 37 Abs. 4 ein weiteres Stimmrecht besitzt.

Damit ist auch die zweite Frage zu beantworten, was mit dem zweiten Stimmrecht passiert.

Hier lässt sich bereits dem Wortlaut des Abs. 5 Satz 2 ein wesentlicher Hinweis entnehmen:
Entfallen auf eine Person mehrere Stimmrechte (Doppelfunktionen) so hat diese Person nur eine Stimme. Die Bestimmung geht also für den vorhergesehenen Fall der natürlichen Person, die mehrere Stimmrechte auf sich vereinigt, davon aus, dass diese nur eine Stimme hat. Die anderen Stimmrechte werden durch das erste Stimmrecht konsumiert.

Die Überlegung, dass dies nur für den Fall gelten soll, dass eine Person mehrere Verbandsfunktionen innehat, worauf der Klammerzusatz hindeuten könnte, wird durch die Gestaltung des Mehrfachstimmrechts, das Spitzenvereine kraft der Spielklassen ihrer Mannschaften haben können, widerlegt. Für diesen Fall verlangt Abs. 5 Satz 1, dass der Spitzenverein für jedes seiner Stimmrechte eine eigene natürliche Person entsenden muss. Unterlässt er dieses, dann kann er seine weiteren Stimmrechte nicht ausüben. Der Satzungsgeber hat also für zwei unterschiedliche Fallgestaltungen konkret und klar zum Ausdruck gebracht, dass bei Mehrfachstimmrechten das Prinzip eine natürliche Person eine Stimme gilt. Wobei die beiden wörtlich geregelten Fälle einmal den Mehrfach-Verbandsfunktionär und einmal den Mehrfach-Vereinsvertreter betreffen. Bei dieser klaren Regelungsgestaltung von zwei unterschiedlichen Bereichen, ist kein Grund erkennbar, warum der Satzungsgeber dieses Prinzip, eine natürliche Person eine Stimme, nicht auch bei der Kombination von Verbandsfunktionär und gewähltem Vereinsvertreter zur Anwendung bringen wollte.

Aus alledem ergibt sich, dass die gewählten Kreisdelegierten, unabhängig davon, ob sie bei ihrer Wahl bereits eine Verbandsfunktion als geborenes Mitglied innehatten, ihr Wahlamt für den Bezirkstag nicht verlieren. Es gibt daher keinen Grund einen Ersatzdelegierten hinzuzuziehen.

Unabhängig davon ist die Frage zu beantworten, wie sie ihre mehrfachen Stimmrechte ausüben können. Hier lässt die Bestimmung klar erkennen, dass am Bezirkstag das Prinzip gilt, eine natürliche Person eine Stimme, so dass das zweite Stimmrecht durch das bereits vorhandene Stimmrecht konsumiert wird und der Wahldelegierte, der gleichzeitig geborenes Mitglied des Bezirkstages ist, insgesamt nur eine Stimme hat.

gez. Riedmeyer, gez. Beierlein, gez. Lieb

 

Aktenzeichen: 00035-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 05.03.2018,
Besetzung: Riedmeyer, Rossmann, Lieb


Urteil:

I. Das Sportgerichtsverfahren gegen SGL Polykarp Platzer wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. In einer Stellungnahme zu einem Sportgerichtsverfahren hat das Vereinsmitglied des T e.V. A gemeldet, dass sich B zu einer unbedachten Aussage gegenüber seinem Verein hinreißen hat lassen.
Der Betroffene habe nach einem Verbandsspiel zwei WhatsApp Nachrichten mit folgendem Inhalt geschrieben:
"Was läuft da gerade für eine Scheiße vor der SR Kabine?"
"Schau dass die Idioten verschwinden."

Dem Betroffenen wurde die Meldung zur Kenntnis- und Stellungnahme übersandt. Er hat mit Mail vom 02.12.2017 zu den Vorwürfen Stellung genommen und den Sachverhalt als solches eingeräumt.
Der Betroffene hat erklärt, dass er von SR C eine Nachricht auf sein Handy erhalten habe, wonach diese sich in ihrer Kabine befinde und bedroht werde.
Daraufhin hat der Betroffene die Nachrichten an A gesandt, damit sich die Situation beruhigt.

2. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b RVO für die Entscheidung zuständig, da der Betroffene Funktionär ist.

3. Das Verfahren gegen den Betroffenen ist aus tatsächlichen Gründen einzustellen.

Das Verbandssportgericht kann in den vom A vorgebrachten Sachverhalt kein unsportliches Verhalten im Sinne der Vorschriften §§ 47, 48 RVO erkennen und hat daher das Verfahren eingestellt.
Allein die allgemeinen Bezeichnungen "Scheiße" und "Idioten" stellen in einer Nachricht an eine Person kein unsportliches Verhalten dar.
Der Betroffene hat keine einzelne Person als Idioten betitelt.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO.

gez. Riedmeyer gez. Rossmann gez. Lieb

  

Aktenzeichen: 00034-17/18-VSG
Sitzung vom: 27.02.2018
Besetzung: Beierlein, Roßmann, Krause

Urteil:

I. A wird gemäß §§ 47, 48 RVO zu einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € unter Mithaftung des MSV X verurteilt.

II. A trägt unter Mithaftung des MSV X die Kosten des Verfahrens in Höhe von 20,54 € sowie die Kosten der mündlichen Verhandlung vom 27.02.2018.

III. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Bei dem Frauen-Kreisligaspiel MSV X gegen DJK Y am 05.11.2017 ergab sich nach Spielende eine Auseinandersetzung zweier Spielerinnen, wonach der DJK Y Spielerin die gelbe Karte und der MSV X Spielerin die rote Karte vom SR gezeigt wurde. Hiernach entwickelte sich eine Rudelbildung und der herbeigeeilte SR wurde von mehreren Personen vehement angesprochen, dass gegen die DJK Y Spielerin ebenfalls eine rote Karte hätte verhängt werden müssen. Am Spielfeldrand wurde er in Gegenwart von zahlreichen Spielerinnen, Zuschauern und Betreuern von A auf seine schlechte Leistung lautstark angesprochen. Sie stellte sich als Funktionärin des BFV vor und kündigte an, ihn beim BFV anzuzeigen.

2.
Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b) RVO für die Entscheidung zuständig, da A Funktionärin des BFV ist.

3.
A wird gemäß § 47, 48 RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € belegt.
Nach mündlicher Verhandlung vom 27.02.2017 steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der Einlassung der Betroffenen sowie den Ausführungen des Vereinsvertreters B fest, dass A den SR in der emotional aufgeheizten Situation nach Spielende vehement wegen seiner (ihrer Auffassung nach) schlechten Leistung lautstark kritisierte und unter Verweis auf ihre Funktionärstätigkeit in Aussicht stellte ihn beim BFV anzuzeigen. Dies bestätigten auch übereinstimmend die Zeugen T, S und I. Einzig die Zeugin R konnte die aufgebrachte Stimmung der Unterhaltung zwischen A und dem SR nicht bestätigen, wobei sie aber auch keine Angaben zum Wortlaut machen konnte, so, dass das VSG der Aussage keine weitere Bedeutung beimisst. Dies insbesondere deshalb, nachdem die in ihrer Nähe befindlichen Zeugen S und I das "hitzige Gespräch" und die "lauter als normale" Stimmlage bestätigten.

Das VSG hat auch keine Anhaltspunkte an den Angaben des sachlichen Zeugen T zu zweifeln, welche von keinerlei Belastungseifer getragen waren.

Das VSG geht daher aufgrund der Übereinstimmung der Aussagen der Zeugen, aber auch vor allem aufgrund der Einlassung der A und ihres Verhaltens in der mündlichen Verhandlung davon aus, dass diese sich unsportlich gegenüber dem SR verhalten hat.

Bei der Strafzumessung war zu Gunsten der A zu berücksichtigen, dass diese ihre ehrenamtliche Tätigkeit im BFV bislang zuverlässig ausgeübt und ihr Fehlverhalten eingeräumt und bedauert sowie sich in der mündlichen Verhandlung beim SR entschuldigt hat. Ferner wurde ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als Erwerbsminderungsrentnerin berücksichtigt. Zu Lasten der A wurde bewertet, dass von einer Funktionärin eine gewisse Vorbildfunktion wahrgenommen und erwartet werden muss. Insbesondere ist es mit der ordnungsgemäßen Erfüllung der Funktionärstätigkeit unvereinbar, wenn man unter Verweis auf diese Stellung versucht den Eindruck zu erwecken Einfluss durch eine Anzeige nehmen zu wollen. Unter Abwägung dieser Strafzumessungsgründe erscheint daher die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € als tat- und schuldangemessen.

4.
Die Kostenentscheidung beruht auf §§ § 30 Abs. 3 Satz 2, 32, 33 RVO.
Die bei der Verhandlung vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr gemäß § 11 Nr. 13 d) FO iVm § 2 Nr. 13 d) Anlage zur FO war auf den Betrag zu ermäßigen, der angefallen wäre, wenn die Verhandlung vor dem KSG durchgeführt worden wäre (§ 11 Nr. 13 a) FO iVm § 2 Nr. 13 a) Anlage zur FO). Handelt es sich um ein Vergehen, das nicht mit dem Amt des Funktionsträgers in Verbindung steht, sondern dem allgemeinen Sportbetrieb entspringt, erscheint es grundsätzlich angemessen, die dem Funktionsträger aufzuerlegenden Kosten auf dasjenige Maß zu beschränken, das ihn ohne seine Funktion treffen würde. Dies jedenfalls dann, wenn infolge dieser Sonderzuweisung an das VSG keine weiteren Kosten und Auslagen entstehen. In diesem Fall scheint es sachgerecht, den Funktionsträger wegen der Übernahme des Ehrenamts nicht mit höheren Kosten zu belegen (ständige Rechtsprechung des VSG, Fall 62/2005/2006, Fall 10/2006/2007). Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 Abs. 2 RVO. Die Ausnahmeregelung des § 50 Abs. 2 Satz 3 RVO greift nicht ein, weil der Vorfall nicht in Zusammenhang mit der Verbandstätigkeit des Betroffenen steht.

gez. Beierlein gez. Roßmann gez. Krause

 

Aktenzeichen: 00032-17/18-VSG
Aktenzeichen: 00031-17/18-VSG
Datum der Sitzung: 24.02.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann


Urteil:

I. Verein A wird gem. § 77 I RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz von drei Spielern und wegen unsportlichen Verhaltens gem. §§ 47, 48 RVO mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 550 € belegt.
II. Der Verantwortliche des Vereins A, X wird gemäß § 77 II RVO wegen unzulässigem Spielereinsatzes von drei Spielern mit einer Gesamtfunktionssperre vom 24.02.2018 bis einschließlich 23.08.2018 und mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 300,00 € unter Mithaftung des A belegt.
III. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Mit Urteil des Verbands-Sportgerichts vom 15.09.2017 (AZ.: 0093-16/17-VSG) wurde der Spieler Y wegen Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall in dem Verbandsspiel B gegen A gem. § 67 I 2 RVO aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Mit Schreiben vom 27.10.2017 teilte der nunmehr Ausgeschlossene erstmalig schriftlich mit, dass er zum Tatzeitpunkt nachweislich nicht am Tatort gewesen sein kann, sondern auf Auslandsreise. Er erstattete mit selbigem Schreiben Anzeige gegen Z, Spieler der C, der unter dem Namen und auf Pass des Ausgeschlossenen tatsächlich gespielt haben soll sowie gegen den Mannschaftsverantwortlichen X, der Z unzulässig eingesetzt haben soll.
Daraufhin wurde gegen den Spieler Z und den Mannschaftsverantwortlichen X am 04.12.2017 und später gegen den Verein A jeweils das Verfahren eröffnet.
Mit Schreiben vom 12.12.2017 beantragte der anwaltschaftliche Vertreter des Betroffenen B die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Der Verbandsanwalt ist den Verfahren beigetreten.

Die Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen B, gegen den Verein A und gegen den Spieler Z wurden mit Beschluss des VSG vom 24.02.2018 aufgrund Sachzusammenhangs verbunden.

Das Verbands- Sportgericht hat am 24.02.2018 eine mündliche Verhandlung mit Beweisaufnahme durchgeführt. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist zur Entscheidung zuständig gem. § 20 I a, III 2 RVO.

3. Der Verantwortliche des Vereins A, Y war wegen unzulässigem Spielereinsatzes von drei Spielern mit einer Gesamtfunktionssperre vom 24.02.2018 bis einschließlich 23.08.2018 und mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 300,00 € unter Mithaftung des Vereins A zu belegen.

Nach mündlicher Verhandlung vom 24.02.2018 steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der Einlassung des Betroffenen X und des Vereinsvertreters V sowie aufgrund der Beweisaufnahme fest, dass der Betroffene X drei vereinsfremde Spieler beim Spiel der B-Klasse B gegen A am 21.05.2017 eingesetzt hat.
Der Betroffene X hat eingeräumt, dass er sich wegen Spielermangels gezwungen sah, drei vereinsfremde, ihm weitgehendst unbekannte und von anderen mitgebrachte Spieler einzusetzen. Er wollte darüber hinaus unerfahreneren Spielern die Möglichkeit eröffnen, Spielpraxis zu erlangen. Weiter teilte er dem VSG mit, dass W einer der Spieler gewesen ist, die zwar auf dem ESB vermerkt gewesen waren, aber tatsächlich nicht gespielt haben. Für W ist Z zum Einsatz gekommen, statt V hat U gespielt und den Spieler, der auf den Pass von T gespielt hat, kenne er namentlich nicht. Auf Nachfrage des Gerichts teilte er weiter mit, dass S, wie auch im ESB angegeben, zulässig gespielt hat.
Der anwaltschaftliche Vertreter des Betroffenen X gab an, dass wegen des Einsatzes von Z unter dem Namen von V ein rechtskräftiger Strafbefehl gegen den Betroffenen X ergangen ist.
Der Vertreter des Vereins A teilte mit, dass X aufgrund dieses Vorkommnisses von all seinen Funktionen als Trainer und Vorstand im Verein abberufen worden sei. Ebenfalls wäre es ihm seit dem Vorfall nicht mehr gestattet gewesen, selbst als Spieler aufzutreten. Hiermit wollte der Verein selber Sanktionen verhängen und ein Zeichen dahingehend setzen, dass auch vereinsintern ein solches Verhalten nicht geduldet würde.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe für X hat das Verbands-Sportgericht zugunsten des Betroffenen gewertet, dass er vollumfänglich einräumte, unzulässig Spieler eingesetzt zu haben. Hierfür entschuldigte er sich. Unvorhergesehen ist kurz vor Spielbeginn ein Spielermangel aufgetreten. Er wollte jüngere Spieler zum Einsatz bringen und setzte sich selber auch noch als Spieler ein, um nicht das Spiel absagen zu müssen. Die Mannschaft befand sich ohnehin auf dem letzten Tabellenplatz. Durch den Einsatz nicht spielberechtigter Spieler ging es also nicht darum, einen besseren Tabellenplatz zu ergattern, sondern unerfahreneren Spielern das Spiel zu ermöglichen. Berücksichtigung fand auch die Tatsache, dass X seit diesem Vorfall von seinem Verein als Vorstand entbunden, als Trainer abberufen und nicht mehr als Spieler eingesetzt wurde. Weiter wurde die wirtschaftliche Situation des Betroffenen beachtet und dass er bereits einen rechtskräftigen Strafbefehl erhalten hatte.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass ihm sehr wohl bewusst war, bei einem Punktspiel gleich drei Spieler unzulässig eingesetzt zu haben. Er hat sie zwar nicht auf einem gefälschten Pass, jedoch auf einen fremden Pass spielen lassen und unrichtige Angaben im ESB gemacht. Zudem ist zu berücksichtigen, dass auch die anderen Vereine immer wieder unter dem Problem von Spielermangel leiden. Unzulässig fremde Spieler einzusetzen führt zu einer Wettkampfverzerrung, die nicht hingenommen werden kann und darf.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände hält das VSG insbesondere im Hinblick auf den unzulässigen Einsatz von drei Spielern die verhängte Gesamtfunktionssperre von 6 Monaten und Gesamtgeldstrafe in Höhe von 300,00 € für schuld- und tatangemessen.

4. Der Verein A ist gem. § 77 I RVO wegen unzulässigen Spielereinsatzes von drei Spielern und wegen unsportlichen Verhaltens gem. §§ 47, 48 RVO mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 550 € zu belegen.
Nach mündlicher Verhandlung vom 24.02.2018 steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der Einlassung des Betroffenen X und des Vereinsvertreters V sowie aufgrund der Beweisaufnahme fest, dass der Betroffene X drei vereinsfremde Spieler beim Spiel der B-Klasse B gegen A am 21.05.2017 eingesetzt hat. Dies hat neben dem Mannschaftsverantwortlichen auch der Verein A zu verantworten.
Ferner steht für das VSG fest, dass es der VereinA unterlassen hat, richtig zu stellen, dass es sich bei drei durch Feldverweis hinausgestellten Spielern nicht um die Spieler T, U und S handelte. Weiter hat es der betroffene Verein unterlassen, sowohl nach Einleitung eines Ausschlussverfahrens gegen Y trotz Stellungnahmeaufforderung als auch nach dessen Verurteilung bekannt zu geben, dass tatsächlich nicht Y, sondern Z gespielt hat.
Mit Schreiben des VSG vom 03.08.2017, zugestellt am gleichen Tage über das ZIMBRA-Postfachsystem wurde der Verein A aufgefordert, bis zum 14.08.2017 eine Stellungnahme hinsichtlich eines eventuellen Ausschlusses des Spielers Y (AZ: 00093-16/17-VSG) abzugeben. Am 15.09.2017 wurde dem Verein das im weiteren Verlauf ergangene Urteil gegen Y ebenfalls über das ZIMBRA-Postfachsystem zugestellt. Weder auf die Stellungnahmeaufforderung noch auf das Urteil reagierte der betroffene Verein.
Der Vereinsvertreter des A gab ab, dass es üblich ist, dass 16 Personen im ESB eingetragen werden, 12 Personen aber nur erscheinen. Er räumte ein, dass sie die Runde nur harmonisch zu Ende spielen wollten. Er findet es zwar schlecht, Spieler auf einen anderen Pass spielen zu lassen, dies machen aber andere Vereine auch und dies weiß der Verband.
Der Vereinsvertreter des A verwies nochmals darauf, dass X aufgrund dieses Vorkommnisses von all seinen Funktionen als Trainer und Vorstand im Verein abberufen worden ist und nicht mehr spielen durfte. Hiermit wollte der Verein selber Sanktionen verhängen und ein Zeichen dahingehend setzen, dass auch vereinsintern ein solches Verhalten nicht geduldet wird. Weiter erklärte er, dass ihm der Fall leid tut.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe für den Verein A wurde zu seinen Gunsten seine Reaktion auf das Verhalten des betroffenen X (Abberufung von Funktionen als Trainer und Vorstand, Verhängung eines vereinsinternen Spielverbots) gewertet. Ferner zeigte sich der Vereinsvertreter einsichtig, geständig und in der mündlichen Verhandlung kooperativ, bereit zur Aufklärung beizutragen.
Zu seinen Lasten war jedoch weiter zu berücksichtigen, dass er es trotz mehrfacher Gelegenheit unterließ, die korrekten Namen von drei hinausgestellten Spielern anzugeben. Hierzu wäre er jedoch gem. § 40 III RVO unverzüglich verpflichtet gewesen. Dies stellt ein unsportliches Verhalten gem. §§ 47, 48 RVO dar.
Unter Abwägung aller für und gegen den betroffenen Verein sprechenden Umstände erachtete das VSG im vorliegenden Fall für den unzulässigen Einsatz dreier Spieler gem. § 77 I RVO alte Fassung eine Geldstrafe in Höhe von 350 € und für das Unterlassen, die korrekten Namen der hinausgestellten Spieler anzugeben, eine Geldstrafe in Höhe von 300 € als schuld- und tatangemessen.
Hieraus war unter erneuter Abwägung eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 550 € zu bilden. In diesem Zusammenhang wurde auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des A berücksichtigt.

Auf weitere Begründung wurde seitens der Betroffenen verzichtet. Nach Urteilsverkündung wurde zur weiteren Verhandlung das Verfahren gegen den Spieler Z abgetrennt

5. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

gez.Beierlein gez. Lieb gez. Roßmann

 

 

Aktenzeichen: 00030-17/18-VSG
Sitzung: 20.02.2018
Besetzung: Riedmeyer, Rossmann, Lieb

Urteil:

I. Das Sportgerichtsverfahren gegen X wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. In einer Stellungnahme zu einem Sportgerichtsverfahren hat das Vereinsmitglied des Vereins A Y angezeigt, dass sich X während und nach dem Spiel unsportlich gegenüber ihm und seinem Verein verhalten hat.
Er wirft X vor, ihn während des Spieles bewusst zweimal mit dem falschen Namen angesprochen zu haben, ferner soll X ihn im weiteren Verlauf des Gespräches mit folgenden Worten angeschrien haben:

"Sie setzen sich jetzt sofort auf diesen Platz und wenn sie noch einmal aufstehen, dann bekommen sie diesmal ein richtiges Problem und es bleibt nicht so günstig wie beim letzten Mal.
Dafür werde ich sorgen."

Y zeigt weiter an, dass X nach dem Spiel Z eine WhatsApp Nachricht gesandt hat, wonach sie sich in der Schiedsrichterkabine befinde und sie sich von davor befindlichen Personen bedroht fühle.
Nach Angaben des Anzeigeerstatters waren vor der Kabine lediglich der Trainer der Heimmannschaft und er.
Die Situation vor der Kabine war vollkommen ruhig.
Diese Angaben wurden von Y in seiner telefonischen Einvernahme am 20.02.2018 nochmals bestätigt.

X hat sich dahingehend eingelassen, dass sie versehentlich den Anzeigeerstatter einmal mit dem falschen Namen angesprochen hat.
Die weitere Äußerung ist nicht gefallen.
Nach dem Spiel waren vor der Schiedsrichterkabine mehrere Personen, diese Situation war für ihr Empfinden bedrohlich.

2. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b RVO für die Entscheidung zuständig, da X Funktionär des BFV ist.
Das Sportgerichtsverfahren gegen X wird eingestellt.

3. Aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 20.02.2018 steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der Angaben des Z sowie der Einlassung von X fest, dass sich die Betroffene nicht unsportlich verhalten hat.

Der Zeuge Z gab bei seiner telefonischen Einvernahme am 20.02.2018 an, dass er während des Spieles den Vorfall, bei dem die Schiedsrichterin den Trainer Y in die Coaching Zone zurückgewiesen hat, bemerkt hat. Er war dabei nur wenige Meter von dem Trainerkollegen und der Schiedsrichterin entfernt. Der Zeuge hat mitgeteilt, dass er die vom Anzeigeerstatter gemeldeten Worte der X nicht gehört hat.
X hat in der Situation den Trainer mit ruhigen Worten in die Coaching Zone zurückgewiesen, irgendwelche Äußerungen wie "es wird teuer" sind dabei nicht gefallen.

Zur Situation nach dem Spiel hat der Zeuge Z angegeben, dass sich nach dem Spiel vor der Schiedsrichterkabine mehrere Personen befunden haben, insbesondere hat die Nummer 10 der Gastmannschaft vor der Kabine mit Drohgebärden gestanden.

Das VSG geht aufgrund der Aussage des Zeugen und der sachlichen Art der X, zu welcher einer Aussage bzgl. dem Vorwurf der Einflussnahme auf das Sportgericht nicht passen würde, davon aus, dass die Aussage zu Punkt 2 nicht in diesem Wortlaut gefallen ist.

Ebenso hat sich die Situation vor der Schiedsrichterkabine für die Betroffene erwiesener Maßen als bedrohlich dargestellt, die Nachricht an den Kollegen war daher vollkommen berechtigt.

Das versehentliche Ansprechen mit dem falschen Namen stellt vorliegend kein unsportliches Verhalten dar.

Ein sanktionswürdiges Verhalten der X ist mithin nicht ersichtlich, so dass das Verfahren einzustellen war.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ § 30 Abs. 3 Satz 2, 32, 33 RVO.

gez. Riedmeyer gez. Rossmann gez. Lieb

 

Aktenzeichen: 00027-17/18-VSG
Sitzung vom: 05.02.2018
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein , Roßmann

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 21.11.2017, Az.: 00141-17/18-BSG Obb.

Urteil:

I. Die Revision des Verein A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 21.11.2017 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 61,63 und die Revisionsgebühr in Höhe von € 154,08. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Bei dem Kreisliga-Spiel Verein B gegen Verein A (Revisionsführer) vom 17.09.2017 wurde der Spieler X des Revisionsführers in der 92. Minute vom Schiedsrichter auf Dauer des Feldes verwiesen. Das KSG München 3 führte eine mündliche Verhandlung durch und kam zu dem Ergebnis:

In der 92. Minute wurde der Spieler Y des Revisionsführers vom Spieler Z von Verein B kurz vor dem Strafraum von Verein B umgerissen und so zu Fall gebracht. Es entstand eine Rangelei zwischen den beiden am Boden liegenden Spielern. Der Schiedsrichter pfiff sofort ab und lief zu den beiden hin.

Der Spieler X vom Revisionsführer befand sich zu Beginn der Rangelei etwas seitlich zwischen Schiedsrichter und den beiden am Boden liegenden Spielern mit Blick auf den Ball gerichtet, ca. 5m entfernt. Er wurde auf die Rangelei der beiden Spieler aufmerk-sam, startete schnellstens zum Ort des Geschehens und warf sich mit dem Knie voraus auf den Spieler Y. Im gleichen Zug fixierte er mit dem Unterarm / Ellenbogen den Spie-ler und traf ihn dabei mit der Hand oder Faust so an der Lippe, dass sie blutete. Spieler X war zu diesem Zeitpunkt mit dem Rücken zum Schiedsrichter. Nach Aufforderung des Schiedsrichters ließ Spieler X vom Gegenspieler ab und verließ nach Zeigen der Roten Karte sofort das Spielfeld. Spieler X entschuldigte sich nach dem Spiel sowohl beim Schiedsrichter als auch bei Spieler Y. Dabei kam mit Spieler Y auch zur Sprache, dass er vom Schlag von Spieler X an der Lippe blutete. Vor der Aktion von Spieler X war die Verletzung nicht vorhanden gewesen.

Mit Urteil vom 24.10.2017 sperrte das KSG den Spieler X gemäß § 67 Abs. 1 RVO we-gen einer Tätlichkeit vom 18.09.2017 mit einschließlich 17.12.2017.

Gegen das am 24.10.2017 zugestellte Urteil des KSG legte der Revisionsführer mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am selben Tag Berufung ein. Das BSG wies die Beru-fung mit Urteil vom 21.11.2017, zugestellt am selben Tag, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 28.11.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass das KSG und das BSG nicht berücksichtigt hätten, dass der Aktion des Spielers X eine Tätlichkeit des Spielers Y gegen den Spieler Z des Revisionsführers vorausgegangen sei. Auch sei das KSG im Wege der Beweislastum-kehr davon ausgegangen, dass der Revisionsführer beweisen müsse, dass der Spieler X nicht für die blutende Lippe verantwortlich sei.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vor-schrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass der Revisi-onsführer rügt, dass die Strafmilderungsmöglichkeit des § 67 Abs. 2 RVO nicht beach-tet worden sei und den Grundsatz des in dubio pro reo nicht berücksichtigt habe.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Unabhängig davon, ob eine solche unsportliche Handlung gegen den Spieler Z vorgele-gen hat oder nicht, könnte dies eine Strafmilderung gemäß § 67 Abs. 2 RVO nicht be-gründen. Die Strafmilderung setzt ihrem Wortlaut nach voraus, dass gegen den Spieler oder den sonst Betroffenen unmittelbar vor seinem Vergehen eine sportwidrige Hand-lung begangen worden ist. Es reicht also nicht aus, dass der tätlich angegriffene Spieler selbst zuvor eine sportwidrige Handlung begangen haben muss, diese Handlung muss gegen den Spieler gerichtet gewesen sein, der anschließend die Tätlichkeit beging. Dass der Spieler Y zuvor den Spieler X angegangen hätte, wurde jedoch auch vom Re-visionsführer nicht vorgetragen.

Damit ist die Annahme des KSG und des BSG zutreffend, wonach sich der Strafrah-men aus § 67 Abs. 1 RVO ergibt.

Das BSG hat im Urteil hinreichende Ausführungen gemacht, weshalb die Sportrichter zu der Überzeugung gelangten, dass der Spieler X auch die blutende Lippe beim Spieler Y verursachte. Die entsprechende Beweiswürdigung enthält keine Rechtsfehler. Bei der Bewertung der Beweise, insbesondere der Zeugenaussagen und des Videos steht dem BSG ein Ermessenspielraum zu. Im Rahmen der Revision kann nur geprüft werden, ob das BSG diesen Ermessensspielraum eingehalten hat. Ein solcher Ermessensfehler ist nicht erkennbar. Insbesondere war sich das BSG erkennbar bewusst, das dem Spieler X nachzuweisen ist, dass er dem Spieler Y die blutende Lippe beigebracht hatte. Es kommt dabei nur auf die Würdigung durch das BSG an, weil das BSG als Berufungsge-richt das Urteil des KSG nicht nur auf Rechtsfehler zu untersuchen hatte, sondern eine eigene Sachprüfung vornehmen musste. Das BSG gelangte nachvollziehbar zur Über-zeugung, dass der Nachweis gelungen ist. An diese Feststellung ist das VSG gebunden, weil keine Rechtsfehler erkennbar sind und sich das VSG an den Rahmen des Ermes-sens gehalten hat.

Auch die Revision zeigt keinen Rechtsfehler auf, sondern stellt die eigene Beweiswürdi-gung an die Stelle derjenigen des BSG. Das VSG ist jedoch nicht berechtigt, eine nach-vollziehbare und innerhalb des Ermessensrahmens stehende Beweiswürdigung aufzu-heben.

Die Revision konnte daher keinen Erfolg haben und war kostenpflichtig zurückzuwei-sen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Roßmann




Aktenzeichen: 00026-17/18-VSG

Sitzung vom: 25.01.2018
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmann

Berufung des Vereins A gegen die Urteile des BSG Oberbayern vom 17.10.2017 mit Aktenzeichen 00083-17/18-BSG Obb. und 00093-17/18-BSG Obb.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins A werden die Urteile des BSG Oberbayern, AZ.: 00083-17/18-BSG Obb. und AZ.: 00093-17/18-BSG Obb., jeweils vom 17.10.2017 aufgehoben.

II. Die Verfahren werden eingestellt.

III. Die Kosten der Verfahren trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Der Spieler XY des Vereins A erhielt beim Bezirksligaspiel Verein B gegen Verein A vom 07.10.2017 eine Rote Karte. Dieser Vorfall wurde dem Bezirks-Sportgericht durch den Schiedsrichter gemeldet.

Am 17.10.2017 verurteilte das BSG Oberbayern jedoch den Spieler VW des Vereins A wegen dieses Vorfalls zu einer Spielersperre von 2 Verbandsspielen, AZ.: 00083-17/18-BSG Obb.

Mit Schreiben vom gleichen Tage über das ZIMBRA- Postfachsystem teilte der Verein A mit, dass sich dieses Urteil wohl auf den Spieler XY beziehen müsse.

Daraufhin wurde am 17.10.2017 durch das Bezirks-Sportgericht mit Urteil 00092-17/18-BSG Obb. der tatsächlich betroffene Spieler XY zu 2 Verbandsspielen Sperre verurteilt und mit Urteil 00093-17/18-BSG Obb. wegen Schreib- bzw. Eingabefehlers das Urteil 00083-17/18-BSG Ob. aufgehoben.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gem. § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig. Das Schreiben des Vereins A vom 17.10.2017 wird als Berufung gewertet. Die Berufung ist zulässig; sie wurde form- und fristgerecht eingelegt.

3. Die Berufung ist auch begründet.

Mit Urteil vom 17.10.2017, AZ.: 00083-17/18-BSG, wurde zunächst aufgrund eines Eingabefehlers ein am Vorfall offensichtlich unbeteiligter Spieler VW verurteilt. Dieses Urteil war daher aufzuheben.

Das daraufhin weiter ergangene Urteil, AZ.: 0093-17/18-BSG Obb., des BSG vom gleichen Tage sieht das VSG als vorläufige Aussetzung der Spielersperre an. Auch dieses Urteil war damit aufzuheben.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I Nrn. 8b) und 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Krause, gez. Roßmann

Aktenzeichen: 00025-17/18-VSG
Sitzung vom: 29.01.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann


Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbay-ern vom 07.11.2017, Az: 00121-17/18-BSG Obb.:

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 07.11.2017, Az: 00121-17/18-BSG Obb. wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisions-gebühr in Höhe von 154,08 €. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. In dem A-Junioren Kreisligaspiel zwischen dem Verein B und dem Verein A am 23.09.2017 wirkte auf Seiten des Vereins A (Revisionsführerin) ab der 45. Spielminute der Spieler X mit. Für den vorgenannten Spieler war in der Spielberechtigungsliste vor Spielbeginn kein Foto hochgeladen. Der Spieler wies sich gegenüber dem Schieds-richter per Personalausweis aus. Der amtierende Schiedsrichter wies den Trainer Y mündlich auf den Sachverhalt hin und vermerkte den Vorgang unter der Rubrik "sons-tige Vorkommnisse" im Spielbericht. Eine gesonderte förmliche Meldung an den Ver-ein erfolgte durch den Schiedsrichter nicht. Nachdem innerhalb von 3 Tagen nach dem Spiel eine ordnungsgemäße Spielberechtigung durch die Revisionsführerin nicht vorgelegt worden war, belegte das JSG mit Urteil vom 18.10.2017 die Revisionsführe-rin gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer Geldstrafe in Höhe von € 100,00. Gleichzeitig wertete das JSG das Spiel gemäß § 29 SpO für Verein B mit 2:0 als gewonnen und für die Revisionsführerin mit 0:2 als verloren.

Gegen das am 18.10.2017 zugestellte Urteil des JSG legte die Revisionsführerin mit-tels dem Postfachsystem ZIMBRA am 22.10.2017 Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 07.11.2017, zugestellt am 07.11.2017, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 12.11.2017 eingelegte Revi-sion. Die Revisionsführerin rügt Verstöße gegen § 16 Abs. 5 JO und § 36 RVO. Er wird damit begründet, dass die Revisionsführerin während des Spiels versucht habe, das Bild hochzuladen. Es erfolgte keine Abschrift der Schiedsrichtermeldung, weshalb die Revisionsführerin unterließ, zu überprüfen, ob das Bild tatsächlich hochgeladen wurde und deshalb auch die Nachmeldung unterblieb.
2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die form- und fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Gemäß § 33Abs. 2 SpO sind die Spielberechtigungen für die mitwirkenden Spieler bei allen Spielen vor Spielbeginn dem Schiedsrichter vorzulegen. Dies erfolgt im Regelfall durch die ordnungsgemäße Spielberechtigungsliste im Spielplus (Elektronischer Spiel-bericht -ESB), mit dem hochgeladenen Passbild mit Schulterbereich, das den Spieler eindeutig identifiziert.

Ist vor Spielbeginn das Bild des Spielers nicht hochgeladen, bietet § 33 Abs. 2.2 SpO Alternativen dazu an. Diese Alternativen wurden von der Revisionsführerin nicht er-füllt, insbesondere wurde nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Spieler-pass vorzulegen.

Die Spielberechtigung wurde demnach vor dem Spiel nicht ordnungsgemäß nachge-wiesen.

Das Bild des Spielers wurde auch nicht binnen 15 Minuten nach dem Spiel hochgela-den. Damit scheidet die Heilung gemäß § 33 Abs. 3.3 SpO ebenfalls aus.

Für diesen Fall der fehlenden Vorlage unmittelbar nach dem Spiel verpflichtet § 33 Abs. 3.3 SpO den Verein, binnen 3 Tagen das Bild hochzuladen und dies dem zustän-digen Sportgericht anzuzeigen.

Auch dies ist nicht erfolgt.

Die Folgen sind in § 33 Abs. 4 geregelt. Dabei sieht Abs. 4.1. vor: "Nimmt ein Spieler an einem Spiel teil, ohne die unter Punkt 2. oder 3. genannten Voraussetzungen zu er-füllen, ist der Spielereinsatz unzulässig (§ 29 Spielordnung, § 77 Rechts- und Verfah-rensordnung)."

Von dieser strikten Regel macht Abs. 4.2 eine Ausnahme: "Weist der Verein die Spiel-berechtigung bei Vorkommnissen nach Nr. 3.1. oder 3.2. nicht binnen 15 min nach Spielschluss jedoch innerhalb von 3 Tagen nach, erfolgt keine Spielwertung, jedoch eine Bestrafung nach § 79 Rechts- und Verfahrensordnung."
Diesen Ausnahmetatbestand hat die Betroffene ebenfalls nicht erfüllt.

Damit war die Spielwertung angezeigt, wie sie das JSG vornahm und das BSG bestä-tigte.

Die Spielwertung ist dabei vom Verschulden unabhängig, weil sie dem Schutz des Wettbewerbs dient. Auf die Frage, dass die Mitarbeiter der Betroffenen erfolglos ver-suchten, das Bild hochzuladen, kommt es in diesem Stadium daher ebenso wenig an, wie auf die Frage, in welcher Weise die vom Schiedsrichter unterlassene Meldung wirkte. Das erfolgreiche Hochladen des Bildes lag alleine im Verantwortungsbereich der Betroffenen.

Die Bestrafung des Vereins und des Verantwortlichen setzt allerdings Verschulden vo-raus. Ein solches liegt jedoch auch nach der Ansicht des VSG vor. Die Verantwortli-chen der Betroffenen hätten prüfen müssen, ob der Versuch des Hochladens erfolg-reich war. Sie durften sich nicht darauf verlassen, dass sie im Falle eines Fehlversu-ches vom Schiedsrichter nochmals informiert werden würden. § 33 Abs. 4.2 SpO legt das rechtzeitige Tätigwerden alleine in die Verantwortung der Vereine. Der Schieds-richter hat in dieser Beziehung keine Funktion. Insbesondere dient die von ihm vorzu-nehmende Meldung nicht als Warnhinweis für den Verein. Vielmehr muss der Verein unabhängig von einer Meldung und erst Recht unabhängig davon, ob ihm eine Ab-schrift zugegangen ist, initiativ tätig werden.

Dies ist nicht erfolgt. Der insgesamt etwas unglückliche Verlauf der Angelegenheit wurde durch die Annahme eines leichten Falls ausreichend berücksichtigt. Die Höhe der Strafzumessung im Einzelfall ist grundsätzlich Sache der Tatsachengerichte JSG und BSG. Das VSG kann nur prüfen, ob die wesentlichen Gesichtspunkte berücksich-tigt wurden und das Ermessen eingehalten wurde. Dies ist erfolgt.

Damit ist eine rechtlich fehlerhafte Behandlung der Sache durch die beiden Vorinstan-zen nicht ersichtlich. Die Revision konnte keinen Erfolg haben.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 II. Nrn. 6 d) und 7 FO

gez. Beierlein gez. Lieb gez. Roßmann




Aktenzeichen: 00024-17/18-VSG
Sitzung vom: 25.01.2018
Besetzung: Beierlein, Lieb, Roßmann

Verfahren gegen XY, Verein A

Urteil:

I. Der Spieler XY, Verein A, wird wegen Tätlichkeit gem. § 67 I 2 RVO aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass des Betroffenen XY ist unverzüglich an den BFV einzusenden.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins A. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, am 16.09.2017 beim Spiel der A-Klasse Verein B gegen den Verein A den ballführenden Gegenspieler VW zunächst mit einem Tritt in "Kung-Fu-Manier" in die Nierengegend des Rückens zu Fall gebracht zu haben. Im Weiteren trat er dem nun am Boden liegenden Gegenspieler zwei Mal heftig in den Rücken und schlug ihm mit der Faust in den Nacken. Anschließend trat er ihm erneut mit dem Fuß gegen den Oberkörper. Hinzukommende andere Spieler drängten den Betroffenen vom Geschädigten ab.

Daraufhin erhielt der Betroffene vom Schiedsrichter die Rote Karte.

Der Geschädigte wälzte sich am Boden liegend hin und her und litt unter erheblicher Atemnot. Bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen wurde festgestellt, dass er seine Zunge verschluckt hatte. Nach Überstreckung des Kopfes konnte der Schiedsrichter die Zunge aus dem Rachen des Geschädigten herausziehen, woraufhin sich die Atmung wieder normalisierte.

Der Verbandsanwalt ist dem Verfahren nicht beigetreten.

Durch das KSG Straubing wurde der Verein A am 07.10.2017 zur Stellungnahme aufgefordert.

In seiner Stellungnahme vom 10.10.2017 teilte der Verein A mit, dass der Betroffene am 18.09.2017 mit sofortiger Wirkung wegen unsportlichen Verhaltens und vereinsschädigender Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen worden sei. Ferner entschuldigte sich der Verein gegenüber dem verletzten Spieler und dessen Verein für die brutale Körperverletzung durch den Betroffenen.

Vom Betroffenen selber erfolgte keine Stellungnahme.

Am 24.10.2017 erteilte das KSG Straubing dem Verein A den Hinweis, dass es nach derzeitiger Würdigung den Vereinsausschluss für unwirksam hielte, weil kein rechtliches Gehör gewährt worden sei. Damit unterliege der betroffene Spieler derzeit weiterhin der Rechtsprechung der Sportgerichte.

Mit Beschluss des KSG Straubing vom 08.11.2017, AZ.: 00135-17/18-KSG Straubing, wurde das Verfahren zuständigkeitshalber an das Verbands-Sportgericht abgegeben.

Mit Einwurf-Einschreiben vom 28.11.2017 wurde dem Betroffenen und per Nachricht über das Zimbra Postfachsystem dem Verein A mitgeteilt, dass das Verfahren zur Entscheidung an das Verbands-Sportgericht abgegeben und dass nach Vorberatung des Falles der Ausschluss des Betroffenen aus dem Verband in Erwägung gezogen worden ist. Ferner wurde auf § 41 III RVO (mündliche Verhandlung) hingewiesen, sowie die nochmalige Möglichkeit zur Abgabe einer schriftlichen Stellungnahme bis zum 05.12.2017 eröffnet.

Daraufhin erfolgte keine Stellungnahme durch den Betroffenen oder den Verein. Außerdem wurde auch nicht die Durchführung einer mündlichen Verhandlung beantragt.

2. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 I a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss aus dem Verband in Betracht kommt.

Der Rechtsprechung der Sportgerichte unterliegen gem. § 6 I RVO u.a. dem Bayerischen Fußball-Verband angehörende Vereine und Mitglieder der Vereine, soweit sie zur Zeit der Tat und der Entscheidung durch das Sportgericht dem Verband oder einem seiner Vereine als Mitglied angehören.

Bei einem Vereinsausschlussverfahren hat der entsprechende Verein rechtsstaatliche Grundsätze zu beachten und daher auch rechtliches Gehör zu gewähren, auch wenn dies in der Vereinssatzung nicht explizit genannt ist. Hiergegen hat der Verein A verstoßen. Allerdings ist dem Sportgericht nicht bekannt, ob der Betroffene gegen den ausschließenden Beschluss den satzungsgemäß vorgesehenen Rechtsbehelf der Beschwerde fristgemäß eingereicht hat.

Gleichwohl unterliegt der Betroffene der Verbandsgewalt des BFV jedenfalls hinsichtlich der Frage des Verbots einer künftigen Mitgliedschaft in einem Verbandsverein.

Nach der Rechtsprechung des BGH ist die Mitgliedschaft in einem Verbandsverein nicht in jedem Fall Voraussetzung für ein Unterworfensein unter die Verbandsgewalt (BGH NJW 1995, 802). Es gibt vielmehr Fallgestaltungen, bei denen auch Nichtmitglieder der Verbandsgewalt unterstehen, wenngleich die Strafgewalt im Sinne einer engeren Verbandsgewalt eingeschränkt ist (OLG Düsseldorf SpuRt 1995, 171). Der Verband kann gegen ein Nichtmitglied daher nur solche Strafen verhängen, die im sachlichen Zusammenhang mit der Unterwerfung liegen. Dies ist hier der Fall.

Der Betroffene ist Mitglied beim Verbandsverein A im Zeitpunkt der Tat und der entsprechenden Meldung durch den Schiedsrichter gewesen. Daher hat er sich jedenfalls insoweit der fortdauernden Verbandsgewalt unterworfen, als der BFV feststellen kann, dass der Betroffene auch in der Zukunft kein Mitglied eines dem Bayerischen Fußball-Verband angehörenden Vereins sein darf. Würde man dem Betroffenen oder dessen Verein ermöglichen, dieser Folge des Fehlverhaltens durch Austritt oder Ausschluss aus dem Verein zu entgehen, würde der Verband weitgehend schutzlos gestellt werden. Der Betroffene könnte andernfalls nach Einstellung des Verfahrens wieder Mitglied eines Verbandsvereins werden. Dem BFV muss daher die Möglichkeit bleiben, für die Zukunft dem Betroffenen das Recht abzuerkennen, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

3. Das Verhalten des Betroffenen stellt eine Tätlichkeit gegen seinen Gegenspieler in einem besonders schweren Fall gem. § 67 I 2 RVO dar.

Der Betroffene hat einen gegnerischen Spieler nicht nur mit einem Tritt in den Rücken zu Fall gebracht, sondern darüber hinaus den dann wehrlos am Boden liegenden Spieler weiterhin mehrfach getreten und ihm mit der Faust in den Nacken geschlagen. Als Folge dieses Verhaltens verschluckte der Gegenspieler seine Zunge.

Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbands-Sportgerichts aufgrund der Meldung des Schiedsrichters sowie der Stellungnahme des Vereins A fest. Der Betroffene selbst hat sich trotz entsprechender Gelegenheit nicht zur Sache geäußert.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe hat das Verbands-Sportgericht zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass er bereits von seinem Verein nicht mehr als Mitglied geführt wird und der geschädigte Spieler keine bleibenden Verletzungen erlitten hat.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich um ein ganz massives Verhalten gegen einen anderen Spieler mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat. Ferner war zu berücksichtigen, dass der Betroffene nicht von selbst innehielt, sondern von mehreren Spielern abgedrängt werden musste. Eine Entschuldigung durch den Betroffenen erfolgte nicht.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Tat im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 67 I 2 RVO in Betracht. Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vergehens nicht angezeigt.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32,33 RVO, § 11 Ziff. 13 d) FO.

gez. Beierlein, gez. Lieb, gez. Roßmann




Aktenzeichen: 00023-17/18-VSG
Sitzung vom: 09.01.2018
Besetzung: Beierlein

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des SG Bayern vom 28.11.2017. Az.: 00417-17/18-SG Bayern

Beschluss:

Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Die am 01.12.2017 durch den anwaltlichen Vertreter des Vereins A eingelegte Berufung gegen das Urteil des SG Bayern vom 28.11.2017, Az.: 00417-17/18-SG Bayern wurde mit Schreiben vom 03.01.2018 durch den anwaltschaftlichen Vertreter zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 3 RVO.

gez. Beierlein




Aktenzeichen: 00022-17/18-VSG
Sitzung vom 09.01.2018
Besetzung: Beierlein, Roßmann, Krause

Fall: C-Junioren-Verbandsspiel Verein A 2 - Verein B 2 vom 12.11.2017

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins B wird das Urteil des SG Bayern vom 28.11.2017, AZ: 00413-17/18-SG Bayern aufgehoben.

II. Das Verfahren wird eingestellt.

III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Aufgrund der Meldung des SR bzgl. des obigen Verbandsspiels der C-Junioren Verein A 2 - Verein B 2 am 12.11.2017 wurde eine Meldung gegen den Trainer des Vereins A Herr XY erstattet. Die Verurteilung erfolgte gegenüber Herrn XY als Trainer des Vereins B durch die Entscheidung des SG Bayern, AZ: 00413-17/18-SG Bayern. Hiergegen hat der Verein B per ZIMBRA-Postfach unter dem 28.11.2017 die Berichtigung bzw. Aufhebung des Urteils beantragt, da Herr XY der Trainer des Vereins A und nicht des Vereins B ist. Das SG Bayern hat zwischenzeitlich den Betroffenen als Trainer des Vereins A mit rechtskräftigem Urteil vom 08.12.2017, AZ: 00429-17/18-SG Bayern, zugestellt am gleichen Tag, verurteilt.

2. Das VSG ist für die Entscheidung zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig und begründet.

Das Schreiben vom 28.11.2017 des Vereins B ist als Berufungsschrift auszulegen.

Da Herr XY nicht Trainer des Vereins B, sondern unstreitig des Vereins A ist, war das Urteil entsprechend aufzuheben und da das SG Bayern zwischenzeitlich durch die anderweitige Entscheidung vom 08.12.2017, AZ: 00429-17/18-SG Bayern Herrn XY als Trainer des Vereins A verurteilt hat, war das hiesige Verfahren einzustellen.

4. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV gemäß §§ 32, 33 RVO.

gez. Beierlein gez. Roßmann gez. Krause




Aktenzeichen: 00021-17/18-VSG
Sitzung vom 19.12.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Revision des Verein B gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Schwaben vom 17.11.2017, Az: 00027-17/18-BSG Schwaben:

Urteil:

I. Die Revision des Verein B gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 17.11.2017 wird zurückgewiesen.
II. Der Verein B trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €.Gründe:

1. Am 27.08.2017 fand das Spiel der B-Klasse Nord zwischen Verein A und Verein B (Revisionsführer) statt. Vor dem Spiel sprach der Verein A gegen den Spieler des Revisionsführers XY schriftlich ein umfassendes Hausverbot aus. Diese Maßnahme wurde dem Berufungsführer am Donnerstag, 24.08.2017, telefonisch angekündigt. Grund für das Hausverbot war ein Einbruchdiebstahl des Herrn XY im Jahr 2013. Für diese Straftat wurde er im August 2013 durch das Amtsgericht Nördlingen rechtskräftig verurteilt. Dieser Sachverhalt ist unstrittig. Der Revisionsführer legte wegen der Nichtzulassung des Spielers XY Einspruch gegen die Spielwertung ein. Mit Urteil vom 13.09.2017 wies das KSG den Einspruch zurück.

Gegen das am 13.09.2017 zugestellte Urteil des KSG legte der Revisionsführer mittels dem Postfachsystem ZIMBRA Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 17.11.2017, zugestellt am gleichen Tag, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 22.11.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass er durch das ausgesprochene Hausverbot unzulässig geschwächt wurde.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass der Revisionsführer rügt, dass ein Verstoß gegen § 38 Abs. 1 und Abs. 5 RVO iV.m. § 46 Abs. 1 der Satzung gerügt werden soll. Dies reicht aus.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Das Urteil des BSG Schwaben weist keinen Rechtsfehler zu Lasten des Revisionsführers auf. Das BSG zitiert die einschlägige Rechtsprechung des VSG (Fall 25-2004/2005). An diesen Grundsätzen hält das VSG weiterhin fest. Grundsätzlich wird durch das Aussprechen eines Hausverbots in den Wettbewerb eingegriffen. Unter diesem Gesichtspunkt kann es nicht hingenommen werden, dass ein Platzverein den Gegner gezielt dadurch schwächt, dass er einzelnen Spielern oder dem Trainer ohne einen ausreichenden Grund ein Hausverbot erteilt. Dies macht ein Hausverbot aber nicht von generell unzulässig. Es ist vielmehr im Rahmen einer Interessensabwägung zu prüfen, ob ein ausreichender Grund vorgelegen hat. Dies hat das BSG hier fehlerfrei erledigt.

Der Spieler XY hat gegen den Verein A im Jahre 2013 ein Vermögensdelikt begangen. Er wurde wegen eines Einbruchdiebstahls verurteilt. Ein solcher Einbruch ist gegen das Eigentum des Vereins gerichtet. Ein Einbruchdiebstahl wird durch eine genaue Kenntnis des Objekts begünstigt. Grundsätzlich hat ein Verein daher ein berechtigtes Interesse, dass Personen, die bereits einmal nachgewiesenermaßen eingebrochen haben, den Sportplatz nicht mehr betreten, um einer Wiederholungsgefahr zu begegnen. So können beispielsweise neue Sicherungen angebracht worden sein oder die Vermögensgegen-stände können anders gelagert werden. Diese Dinge können gelegentlich der Teilnahme an einem Spiel in Erfahrung gebracht werden und rechtfertigen so grundsätzlich ein Hausverbot.

Bei der Interessensabwägung ist allerdings auch das Interesse des vom Hausverbot betroffenen Vereins und des Verbandes an der Durchführung eines geordneten Spielbetriebs zu berücksichtigen. Das Verbot gegen einen Spieler das Sportgelände zu betreten, wird in vielen Fällen zur Schwächung einer Mannschaft führen. Ein selektives Aus-sprechen eines Hausverbotes kann dabei ein wichtiges Indiz sein, dass die Vermögensinteressen des Vereins nicht mehr betroffen sind. Dies hat das BSG aber gesehen und ist der Frage nachgegangen, weshalb der Spieler im Vorjahr das Gelände betreten durfte. Das BSG stellte fest, dass dies ein Versehen war. Überzeugende Gründe, dass die Feststellungen des BSG falsch waren, zeigt die Revision nicht auf.

Auch ist das Prinzip der Rehabilitation und Resozialisierung zu berücksichtigen. Ein einmaliger Verstoß rechtfertigt in aller Regel kein lebenslanges Hausverbot. Der hier vorliegende Zeitablauf von nicht einmal fünf Jahren seit dem Vorfall zusammen mit der unwidersprochen vorgetragenen Tatsache, dass der Spieler den Schaden bis heute nicht wiedergutgemacht hat, lässt aber auch die zeitliche Komponente nicht als überzogen erscheinen. Bis zu einem Zeitraum von fünf Jahren ab der Verurteilung durch das staatliche Gericht erscheint der zeitliche Bezug so eng, dass es keiner besonderen Begründung bedarf, weshalb die Tat noch länger nachwirkt.

Insgesamt erscheinen auch dem VSG die vom BSG herangezogenen Gründe als trag-fähig und ausreichend, um das ausgesprochene Hausverbot trotz dessen Auswirkung auf den Wettbewerb als gerechtfertigt anzusehen.

Die Revision ist daher zurückzuweisen.

4. Die Kosten ergeben sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Ziffer 9, 13 d) FO i.V.m. § 2 Ziffern 9 und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Krause




Aktenzeichen: 00020-17/18-VSG
Sitzung vom 19.12.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 13.11.2017, AZ: 00140-17/18-BSG Obb.

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 13.11.2017 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten der Revision in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €. Im Übrigen bleibt es bei der Kostenentscheidung des BSG Oberbayern. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Das Kreisklasse-Spiel Verein B gegen Verein A II (Revisionsführer) am 18.10.2017 wurde vom Schiedsrichter in der 66.Spielminute abgebrochen. Das KSG Zugspitze verurteilte deshalb den Revisionsführer gemäß § 73 Abs. 1 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin zu einer Geldstrafe in Höhe von € 50,00. Der Spieler XY des Revisionsführers wurde gemäß § 67 Abs. 2 RVO in Tateinheit mit Verschulden eines Spielabbruchs ab 09.10.2017 für 8 Verbandsspiel(e) im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisklasse-Mannschaft des Vereins A gesperrt. Zusätzlich erhält der Spieler gemäß § 48 Abs. 1b RVO in Verbindung mit § 48 Abs. 3 RVO eine Geldstrafe in Höhe von € 100,00. Das Spiel wurde für den Revisionsführer mit 2:0 als verloren und für den Verein B mit 2:0 als gewonnen gewertet. Die beiden Urteile enthielten jeweils folgende Rechtsmittelbelehrung:

Rechtsmittelbelehrung:
Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung zulässig, außer in den Fällen des § 44 Abs. 5 RVO. Die Berufung muss innerhalb einer Woche nach Bekanntgabe des Urteils schriftlich bei dem das Urteil erlassenden Sportgerichts (Adresse siehe oben) eingelegt werden. Die Frist gilt auch dann als gewahrt, wenn die Berufungsschrift innerhalb der Frist schriftlich per Brief oder Fax beim Berufungsgericht eingeht.

Die Berufung kann nicht auf Beweismittel gestützt werden, die bereits in der ersten Instanz hätten beigebracht werden können. Eine Einlegung der Berufung über das BFV-Postfach (Zimbra) ersetzt die Schriftform.

Gegen die jeweils am 18.10.2017 zugestellten Urteile des KSG legte der Revisionsführer mittels einer E-Mail von einem Account info@fussball.muster.de Berufung ein. Der jeweiligen E-Mail war jeweils eine schriftliche Begründung beigefügt, die jedoch nicht unterschrieben war.

Das BSG verband die beiden Verfahren und wies die Berufung mit Urteil vom 13.11.2017, zugestellt am selben Tag, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 17.11.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass die von ihm benannten Zeugen nicht vernommen wurden. Es wird der Verstoß gegen das rechtliche Gehör gerügt.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass der Revisionsführer rügt, dass das rechtliche Gehör verletzt wurde. Dies reicht für die Zulässigkeit der Revision aus.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Die in § 44 RVO vorgesehene Schriftform wurde nicht gewahrt. Zwar kann ein Schriftstück - wie ein Fax - auch als Anhang zu einer normalen E-Mail versandt werden. Dann muss das Schriftstück jedoch die Schriftform erfüllen und der Revisionsführer muss bei Zweifeln an der Echtheit eines Schreibens dieses im Original nachreichen können.

Die beiden hier als E-Mail-Anhang eingereichten Schreiben sind aber beide nicht unterschrieben. Sie erfüllen daher beide nicht das Schriftformerfordernis.

Von der zweiten Alternative, der Verwendung des Postfachsystems ZIMBRA hat der Revisionsführer bei der Berufung ebenfalls keinen Gebrauch gemacht.

Die Einhaltung der Form- und Fristvorschriften ist zwingende Voraussetzung, damit eine Berufung oder Revision zulässig ist. Eine Abwägung dergestalt, dass die Schwere eines gerügten Verstoßes oder gar dessen Begründetheit die Zulässigkeit herstellen könnte, sieht die RVO nicht vor und lässt sich auch nicht aus allgemeinen Rechtsgrundsätzen herleiten.

Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand scheidet ebenso aus, wie ein Verbandsverschulden infolge eines fehlenden Hinweises des Richters, der die nicht formgültige Berufung erhalten hat. Dem Urteil war eine zutreffende Rechtsmittelbelehrung beigefügt. Der Revisionsführer konnte sich daher anhand des Urteils darüber informieren, wie und innerhalb welcher Zeit er das Rechtsmittel einzulegen hatte. Eine weitergehende Belehrungspflicht kann nicht verlangt werden. Weshalb der Revisionsführer die Rechtsmittelbelehrung nicht zur Kenntnis genommen oder nicht befolgt hat, enthält die Revisionsbegründung nicht. Eine Wiedereinsetzung verlangt aber ein schuldloses Verhalten desjenigen, der die Frist oder Form versäumt hat. Ein solches schuldloses Verhalten kann aber bei einer zutreffenden Rechtsmittelbelehrung nur ausnahmsweise in Betracht kommen.

4. Die Kosten ergeben sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Ziffer 9, 13 d) FO i.V.m. § 2 Ziffern 9 und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Krause





Aktenzeichen: 00019-17/18-VSG
Sitzung vom: 19.12.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers XY

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG Passau vom 16.11.2017, AZ 00132-17/18-KSG Passau) gegen den Spieler XY wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer I wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler XY ab 05.11.2017 für 2 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Landesliga-A-Juniorenmannschaft des Verein A gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Passau vom 16.11.2017, AZ 00132-17/18-KSG Passau wurde der Spieler XY wegen unsportlichen Verhaltens am 05.11.2017 für 2 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft des Vereins A gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins gesperrt ist, bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I.

Der Spieler XY gehört nach Dafürhalten des VSG zum Kreis der Stammspieler der 1. A-Juniorenmannschaft des Vereins A, welche in der Landesliga Süd spielte. Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in der Saison 2017/2018 in allen 8 Vorbereitungsspielen sowie in 6 von 9 Verbandsspielen der Landesliga- A-Juniorenmannschaft eingesetzt und hiervon 4 Mal von Beginn an; dagegen hat er lediglich 3 Spiele von 18 in der 2. Herren-Mannschaft (A-Klasse) absolviert.

Diese A-Klasse-Mannschaft des Vereins A hatte nach der roten Karte am 05.11.2017 kein weiteres Spiel vor der Winterpause mehr und beginnt laut Spielplan erst am 25.03.2018 wieder mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 31.03.2018 andauert.

Die Landesliga-A-Juniorenmannschaft hatte nach dem Urteil noch Spiele am 11.11.2017, 19.11.2017 und 03.12.2017 zu absolvieren und beginnt bereits am 03.03.2018 mit dem Spielbetrieb. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Landesliga-A-Juniorenmannschaft laut Spielplan 6 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 6 Spiele wäre der Spieler XY aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die von dem Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 16.11.2017.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Krause





Aktenzeichen: 00018-17/18-VSG
Sitzung vom 05.12.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Wiederaufnahmeantrag Verein A gegen das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 14.11.2017, Az.: 00375-17/18-KSG Nbg./Frhö

Beschluss:

Das Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 14.11.2017, Az.: 00375-17/18-KSG Nbg./Frhö, entfaltet entsprechend seinem Tenor sowohl in Ziffer I. als auch in Ziffer II. seine Wirkung nur hinsichtlich des vom Bayerischen Fußball-Verband erteilten Zweitspielrechts.

Das vom Thüringer Fußball-Verband erteilte Spielrecht für den Verein B ist davon nicht betroffen, so dass die Sperre nicht das Spielrecht für den genannten Erstverein beseitigt.

gez. Riedmeyer





Aktenzeichen: 00017-17/18-VSG
Sitzung vom: 12.12.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Lieb

Verfahren gegen X und Y

Urteil:

I. Herr X, Verein A wird gemäß §§ 47, 48 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von 75,00 € unter Mithaftung des Verein A belegt.

II. Herr Y, Verein B, wird gemäß §§ 47, 48 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von 150,00 € unter Mithaftung des Verein B belegt.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 20,54 € und der mündlichen Verhandlung vom 12.12.2017 trägt Herr X unter Mithaftung des Vereins A zu 1/3 und Herr Y unter Mithaftung des Vereins B zu 2/3.

Begründung:

1. Zunächst meldete betreffend des Verbandsspiels Verein B - Verein C am 13.08.2017 der Schiedsrichter, zugleich Jugendspielgruppenleiter X den Trainer Y. Danach hat sich dieser nach der gelb-roten Karte in der 91. Minute lautstark darüber beschwert, worauf ihn der SR X aus der Coachingzone verwiesen hatte. Dessen Provokationen gingen dann nach dem Spiel weiter. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf die vorhandene Schiedsrichtermeldung verwiesen.

Unter dem 18.08.2017 erstattete dann der Betroffene Y Anzeige gegen den Schiedsrichter X mit u. a. der Begründung, dass ihn dieser nach dem Spiel beleidigt habe, wobei auch hier hinsichtlich der Einzelheiten auf die Anzeige verwiesen wird.

Die Verfahren wurden dann an das VSG abgegeben, die beide Verfahren mit Beschluss vom 11.12.2017 verbunden hat.

Das VSG hat dann am 12.12.2017 eine mündliche Verhandlung mit Beweisaufnahme durchgeführt, in welcher verschiedene Zeugen gehört wurden. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist zur Entscheidung zuständig, da der Betroffene X Funktionär ist.

Der Betroffene X war wegen einer entsprechenden Unsportlichkeit mit einer Geldstrafe zu belegen.

Aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme und der Einlassung des Betroffenen steht dies zur Überzeugung des VSG fest. Diese Beleidigung wurde durch den Betroffenen auch eingeräumt.

3. Gegen den weiteren Betroffenen Y war ebenfalls eine Geldstrafe gemäß §§ 47, 48 RVO zu verhängen.

Aufgrund der Beweisaufnahme ergab sich auch hier, dass der Schiedsrichter X nach Spielschluss beleidigt und bedrängt wurde. Nach eigenen Angaben war der Betroffene für den Schutz des Schiedsrichters zuständig.

Diesem Schutz war er nicht nachgekommen. Straferschwerend war hier zu berücksichtigen, dass er bereits als Trainer während des Spiels aus der Coachingzone verwiesen wurde.

Aufgrund der Gesamtumstände hält das VSG die verhängten Geldstrafen für schuld- und tatangemessen.

Auf weitere Begründung wurde seitens der Betroffenen verzichtet.

4. Die Kosten des Verfahrens tragen die Betroffenen entsprechend dem Anteil der Verurteilung, somit zu 1/3 der Betroffene X und zu 2/3 der Betroffene Y.

Die für eine Verhandlung vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr war zu ermäßigen auf den Betrag, der angefallen wäre, wenn die Verhandlung vor dem KSG durchgeführt worden wäre. Handelt es sich um ein Vergehen, das nicht mit dem Amt des Funktionsträgers in Verbindung steht, sondern dem allgemeinen Sportbetrieb entspringt, erscheint es grundsätzlich angemessen, die dem Funktionsträger aufzuerlegenden Kosten auf dasjenige Maß zu beschränken, das ihn ohne seine Funktion treffen würde. Dies jedenfalls dann, wenn in Folge dieser Sonderzuweisung an das VSG keine weiteren Kosten und Auslagen entstehen. In diesem Fall erschein es nicht sachgerecht, den Funktionsträger wegen der Übernahme des Ehrenamtes mit höheren Kosten zu belegen. Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 II Satz 1 RVO. Die Ausnahmeregelung des § 50 II Satz 3 RVO greift hier nicht, weil der Vorfall nicht in Zusammenhang mit der Verbandstätigkeit des Betroffenen steht. Der Betroffene hat auch die Kosten der mündlichen Verhandlung vor dem VSG zu tragen. Außergerichtliche Kosten werden ihm nicht erstattet.

gez. Beierlein gez. Krause gez. Lieb





Aktenzeichen: 00015-17/18-VSG
Sitzung vom 05.12.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Beierlein

Berufung des Verbandsanwalts gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 06.11.2017, Aktenzeichen 00069-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verbandsanwalts vom 09.11.2017 wird das Urteil des BSG Oberfranken, AZ: 00069-17/18-BSG Ofr. vom 06.11.2017 in Ziffer II. aufgehoben.
II. Das Frauen Kreisklasse-Spiel Verein A - Verein B vom 28.10.2017 ist gemäß § 29 SpO für den Verein A mit 2:0 als gewonnen und für den Verein B mit 0:2 als verloren zu werten.
III. Im Übrigen verbleibt es bei dem Urteil des BSG Ofr. 00069-17/18-BSG Ofr. vom 06.11.2017.
IV. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Der Verein B hat beim Frauen Kreisklasse-Spiel Verein A - Verein B am 28.10.2017 schuldhaft den Spielausfall verursacht. Das BSG Oberfranken hat im Urteil 00069-17/18 unter dem 06.11.2017 den Verein B deswegen gemäß § 78 I RVO zu einer Geldstrafe in Höhe von 70,00 € verurteilt. In Ziffer II. wurde ausgesprochen, dass das Spiel für den Verein B mit 2:0 als gewonnen und für den Verein A mit 0:2 als verloren zu werten ist.

Gegen die Spielwertung hat der Verbandsanwalt unter dem 09.11.2017 per ZIMBRA Berufung eingelegt und diese auf die vorgenommene Spielwertung beschränkt.

2. Die Berufung ist zulässig und begründet. Die Berufung wurde ordnungsgemäß eingelegt.

Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

Unstreitig wurde der Spielausfall durch den Verein B verursacht. Insoweit ist die Entscheidung rechtskräftig.

Dementsprechend ist das Spiel auch gemäß § 29 SpO für den Verein A mit 2:0 als gewonnen und für den Verein B mit 0:2 als verloren zu werten.

Das Urteil war daher in Ziffer II. aufzuheben und, wie vorgenommen, zu werten.

3. Die Kosten des Verfahrens trägt gemäß §§ 32, 33 RVO der BFV.

gez. Riedmeyer gez. Roßmann





Aktenzeichen: 00014-17/18-VSG
Sitzung vom 05.12.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Mittelfranken vom 24.10.2017, Aktenzeichen: 00078-17/18-BSG Mfr.

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Mittelfranken vom 24.10.2017, Aktenzeichen 00078-17/18-BSG Mfr. wird verworfen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 102,72 €.

Gründe:

1. Beim Frauen-Bezirksligaspiel Verein A gegen Verein B am 21.10.2017 meldete der SR, dass die Spielerin XY beim Halbzeitpfiff vor der Trainerbank bewusstlos zusammengebrochen war und der Notarzt verständigt werden musste. Nach Abtransport der Spielerin entschieden die Trainer des Vereins B, dass die Spielerinnen unter dem Eindruck dieses Vorfalls außerstande seien, die Begegnung fortzuführen. Daraufhin brach der SR das Spiel ab. Das BSG Mittelfranken entschied auf Neuansetzung. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Vereins A, welche von einem privaten email-account am 25.10.2017 an den Vorsitzenden des BMFA Mittelfranken gesendet wurde. Dieser leitete die email am 07.11.2017 an das BSG Mittelfranken weiter.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist jedoch unzulässig. Gemäß § 44 Abs. 1 RVO kann gegen erstinstanzliche Urteile der Bezirks-Sportgerichte Berufung zum Verbands-Sportgericht eingelegt werden. Gemäß § 44 Abs. 3 RVO ist sie schriftlich innerhalb von einer Woche nach Bekanntgabe des Urteils gemäß § 24 Absatz 5 bei dem Sportgericht einzulegen, dessen Urteil angefochten wird. Die per email an den falschen Adressaten, nämlich anstelle des BSG Mittelfranken an die BFMA, eingelegte Berufung, gilt daher erst an dem Tag als eingegangen, als sie tatsächlich beim BSG eingetroffen ist. Dies war der 07.11.2017, mithin verfristet. Nachdem es nicht zu den satzungsgemäßen Aufgaben des BFMA gehört, Schriftstücke für das Sportgericht entgegen zu nehmen, entlastet die verspätete Weiterleitung den Berufungsführer nicht.

Die Berufung ist daher zu verwerfen.

4. Kosten gemäß §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nr. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8 b) und 13 d) Anlage FO.

gez. Riedmeyer gez. Beierlein gez. Krause





Aktenzeichen: 00012-17/18-VSG
Sitzung vom 30.11.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmann

Abgabebeschluss JSG Unterfranken II vom 05.10.2017, Az.: 00074-17/18-JSG Ufr. 2 wegen falscher Angaben gemäß § 89 Abs. 2 RVO

Urteil:

I. Trainer und Mannschaftsverantwortlicher XY, Verein A, wird gemäß § 89 I RVO wegen falscher Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass mit der Nr. AB wird eingezogen.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins A.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, am 16.09.2017 in der Spielberechtigungsliste des Vereins A (C-Junioren) ein Passbild seines Sohnes EF (B-Jugend-Spieler) dem spielberechtigten CD zugeordnet zu haben.

Der Spieler EF hat sodann auf dessen Namen am 16.09.2017 in dem Spiel Verein B gegen Verein A (C-Junioren, Gruppe) unzulässig mitgewirkt.
Mit Mail vom 17.09.2017 hat Verein B Anzeige gegen den Betroffenen beim JSG Unterfranken 2 erstattet.
Am 18.09.2017, zeitlich noch vor der Aufforderung durch das JSG, AZ.: 00042-17/18-JSG Ufr.2, eine Stellungnahme abzugeben, räumte der Betroffene gegenüber dem Sportgericht per Mail ein, ein falsches Passbild auf der Spielberechtigungsliste hinterlegt zu haben und seinen Sohn auf fremden Namen bei oben genanntem Spiel eingesetzt zu haben. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, welches auf Spielermangel basierte.
Mit Beschluss vom 05.10.2017 wurde das Verfahren zuständigkeitshalber an das Verbands-Sportgericht abgegeben.
Mit Schreiben vom 16.10.2017 wurde dem Verein und dem Betroffenen die Übernahme durch das Verbands-Sportgericht mitgeteilt und auf § 41 III RVO (mündliche Verhandlung) hingewiesen.
Die Durchführung einer mündlichen Verhandlung wurde von beiden Adressaten nicht beantragt. Der Betroffene räumte noch einmal vollumfänglich sein Fehlverhalten ein.
2. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 I a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Frage kommt.

3. Der Sachverhalt steht aufgrund der Einlassung des Betroffenen und der vorgelegten Spielberechtigungsliste mit hochgeladenem Passbild fest.

Der Betroffene hat bewusst das Passbild seines Sohnes hochgeladen, damit dieser laut Spielberechtigungsliste auf den Namen eines C-Jugendspielers noch am selbigen Tage spielen konnte. Der Sohn des Betroffenen war jedoch ein B-Jugend-Spieler.

Dies stellt keine Urkundenfälschung i.S.d. § 89 II RVO dar:
Bei der "Spielberechtigungsliste" handelt es sich nicht um einen "Spielerpass". Beruhend auf dem Prinzip "nulla poena sine lege" ist es verboten, zulasten des Betroffenen § 89 II 1 Alt. 1 RVO analog anzuwenden.

Zu prüfen war daher, ob er sich bei der "Spielberechtigungsliste" um eine "sonstige unechte Urkunde (auch technische)" i.S.d. § 89 II 1 Alt. 2 RVO handelt.
"Unecht" ist eine Urkunde dann, wenn sie nicht von demjenigen herrührt, der sich aus ihr als Aussteller der Erklärung ergibt.

Das Tatbestandsmerkmal "unecht" bezieht sich demnach nicht auf einen unwahren oder wahren Inhalt der Erklärung, sondern auf die Person des Ausstellers.
Dies bedeutet, dass im vorliegenden Falle das Tatbestandsmerkmal "unecht" nicht gegeben ist.

Der Betroffene war vereinsintern berechtigt, über den vom Bayerischen Fußball-Verband zugeteilten Account des Herrn G Passbilder in die Spielberechtigungsliste einzupflegen und bestimmten Spielern zuzuordnen. Objektiv und subjektiv liegt keine Täuschung über die Identität der Person des Ausstellers der Urkunde vor.

Objektiv und subjektiv liegt jedoch in dem Verhalten des Betroffenen ein Vergehen der falschen Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung i.S.d. § 89 I RVO.

Objektiver Erklärungsinhalt war die Zuordnung eines Passfotos von EF zu den Daten des Spielers CD. Dies war auch das erklärte Ziel des Betroffenen. Subjektiv lag es dem Betroffenen also gerade daran, die Spielberechtigungsliste dahingehend zu ändern, dass es den Anschein hatte, als ob es sich bei dem B-Jugend-Spieler EF um den C-Jugend-Spieler CD handeln würde.

Weiter war demzufolge zu beachten, dass die falschen Angaben zur Erlangung einer Spielberechtigung in einer niedrigeren Jugend gemacht wurden.
Ein Trainer und erst recht ein Vater haben eine Vorbildfunktion inne. Hier aber hat der Betroffene einem Jugendspieler, der zusätzlich sein Sohn ist, vorgeführt, auf welche Art und Weise es möglich ist, ein nicht vorhandenes Spielrecht auf elektronischem Wege vorzutäuschen, um diesen Spieler unter Ausnutzung des familiären Vater-Sohn-Verhältnisses als Spieler einzusetzen.
Unter Berücksichtigung aller vorgenannten Umstände handelt es sich somit um einen schweren Fall nach § 89 I 2 RVO.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser den Vorfall bereits vor der Einleitung durch das JSG Unterfranken 2 eingeräumt hat. Die vom Betroffenen in den Mails vom 18.09.2017 und 18.10.2017 vorgebrachten Umstände, die zum Hochladen des falschen Passbildes und zum Einsatz des Spielers EF geführt haben, können vom Verbands-Sportgericht nicht strafmildernd berücksichtigt werden.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass aufgrund der gemachten falschen Angaben der unzulässige Einsatz eines älteren Jugendspielers in einer niedrigeren Altersklasse unter Ausnutzung des familiären Verhältnisses ermöglicht wurde.

Angesichts der Gesamtumstände ist der Betroffene XY wegen falscher Angaben in Angelegenheiten der Spielberechtigung mit dem Ausschluss aus dem Verband zu belegen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32,33 RVO, § 11 Ziff. 13 d) FO.

gez. Riedmeyer                               gez. Krause                                      gez. Roßmann
für verhinderten Beierlein





Aktenzeichen: 00011-17/18-VSG
Sitzung vom 29.11.2017
Besetzung: Lieb

Urteil:

I. JSGL XY wird gemäß §§ 47, 48 RVO mit einer Geldstrafe von 50,00 € belegt.

II. JSGL XY trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 €.

Gründe:

1. Der Schiedsrichter AB hat am 16.10.2017 durch Hochladen im Spielplus gemeldet, dass er am 15.10.2017 um 21.11 Uhr vom JSGL XY angerufen wurde.

Herr XY hat ihm im weiteren Verlauf des Gespräches mit Konsequenzen (z.B. einer Meldung), gedroht, für den Fall, dass er als Schiedsrichter den bereits hochgeladenen Sonderbericht nicht zurückziehe.

Der Schiedsrichter meldet weiter, dass Herr XY ihm vorgeworfen hat, dass er parteiisch gepfiffen hat und die erstatteten Meldungen komplett unberechtigt sind.

2. Das VSG ist gemäß § 20 I b RVO für die Entscheidung zuständig, da der Betroffene als Jugendgruppenspielleiter Funktionär des BFV ist.

3. Nach der Einlassung des Betroffenen hat das gemeldete Telefonat stattgefunden. Der Betroffene räumt ein, dass er im Verlauf des Telefonats dem Schiedsrichter erklärt hat, der auch er ggf. einen Bericht über seine Einschätzungen des Spieles und über das Verhalten des Schiedsrichters verfassen werde. Ferner gibt der Betroffene an, dass er den Schiedsrichter darauf hingewiesen hat, dass er seine Entscheidungen nochmal überdenken soll und seine Ausführungen in der Meldung so nicht den Tatsachen entsprechen.

Er weist aber den Vorwurf, dass er den Schiedsrichter gedrängt habe seine Anzeigen zurückzuziehen und ihn mit Konsequenzen gedroht habe, entschieden zurück.

4. Nach Überzeugung des VSG stellt das Verhalten des Betroffenen eine Unsportlichkeit dar. Insbesondere bei einem Funktionär des BFV, der Vorbildfunktion hat, ist ein solches Verhalten pflichtwidrig im Sinne des § 47 II RVO und damit auch unsportlich.

Dem Betroffenen muss als Verbandsfunktionär klar sein, dass er in einem Telefonat mit einem Schiedsrichter es zu unterlassen hat, diesen aufzufordern seine Entscheidungen betreffend den Verein des Funktionärs nochmals zu überdenken.

Ihm muss bewusst sein, dass der Schiedsrichter solch ein Verhalten als Einflussnahme werten kann.

Bei der Strafzumessung war zu Gunsten des Betroffenen zu berücksichtigen, dass dieser seine ehrenamtliche Tätigkeit im BFV bislang zuverlässig ausgeübt und er seine Aussagen eingeräumt und die Folgen daraus bedauert hat.

Zu Lasten des Betroffenen wurde bewertet, dass von einem Verbandsfunktionär eine Vorbildfunktion wahrgenommen und erwartet werden muss. Insbesondere ist es mit der ordnungsgemäßen Erfüllung der Funktionärstätigkeit unvereinbar, wenn man unter Verweis auf die Stellung den Eindruck erweckt auf einen Schiedsrichter betreffend seiner Meldung Einfluss nehmen zu wollen.

Unter Abwägung dieser Strafzumessungsgründe erscheint daher die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 50,- Euro tat- und schuldangemessen.

5. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 Abs. 3 RVO, § 11Nr. 13 d) FO i.V. m. § 2 Nr. 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer gez. Roßmann gez. Lieb





Aktenzeichen: 00009-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Roßmann

Berufung des Verein E gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 09.10.2017, Aktenzeichen: 00058-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein E wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 09.10.2017 aufgehoben und das Verbandsspiel Verein E gegen Verein B vom 03.10.2017 mit 2:0 Toren für den Verein E als gewonnen und mit 2:0 Toren für Verein B als verloren gewertet.

II. Die Bestrafung des Vereins und des Vereinsverantwortlichen erfolgte im Urteil 00008-17/18-VSG.

III. Die Kostenentscheidung erfolgte im Urteil 00008-17/18-VSG.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel Verein E gegen Verein B am 03.10.2017 setzte der Verein B den Spieler Z ein. Mit Schreiben vom 05.10.2017 legte der Verein E zunächst "Einspruch gegen die Spielwertung" über das ZIMBRA-Postfachsystem beim Bezirkssportgericht Oberfranken gegen den Verein B wegen unzulässigen Einsatzes des Spielers Z ein. Der Einspruch wurde damit begründet, dass der Spieler Z kein Spielrecht hätte haben dürfen:

Spieler Z sei in der Saison 2016/2017 Spielertrainer beim Verein C gewesen. Auch bei den Spielen am 01.07.2017 und 08.07.2017 sei er für seinen Verein laut Spielberichtsbogen zum Einsatz gekommen. Da ein Amateur spätestens zum 30.06. wechseln müsse, um in der darauffolgenden Saison mit nahtlosem Übergang spielberechtigt zu sein, geht der Verein E davon aus, dass der zum Verein B gewechselte Spieler zusammen mit dem abgebenden Verein das Abmeldedatum auf der Passrückseite rückdatiert hätten. Außerdem betont Verein E, dass der Verein B sich nicht darauf berufen könne, nichts davon gewusst zu haben, dass der Spieler noch für den abgebenden Verein über den 30.06.2017 hinaus aktiv war, da der aufnehmende Verein selbst am 08.07.2017 Gegner des abgebenden Vereins war.

Das BSG Oberfranken stufte den eingelegten Einspruch als Anzeige ein und stellte im Verfahren fest, dass der frühere Spielerpass des Spielers Z auf der Rückseite wie folgt ausgefüllt war:

Erklärung des Vereins zum Vereinswechsel:
Zustimmung ja.

Abgemeldet am: 30.06.2017
Letztes Spiel am: 21.05.2017

30.06.2017 gez. Unterschrift, Vereinsstempel Verein C.

Zusätzlich versehen war die Passrückseite unten mit dem Datum 30.6.17, Vereinsstempel und der Unterschrift des diesbezüglich zuständigen Mitglieds des abgebenden Vereins C Herr W.

Das BSG Oberfranken kam mit Urteil vom 09.10.2017, Az.: 59-17/18-BSG Ofr., zu dem Schluss, dass das Spielrecht durch den BFV regelkonform erteilt worden sei und stellte das Verfahren gegen den Verein B ein.

Gegen dieses Urteil legte der Verein E am 16.10.2017 Berufung ein. Insbesondere wurde gerügt, dass vom BSG nicht hinterfragt worden sei, ob denn die auf der Passrückseite vermerkte Abmeldung auch tatsächlich am 30.06.2017 erfolgt sei. Dabei wies der Verein E wieder auf die Einsätze des Spielers Z nach dem 30.06.2017 hin sowie auf einen Artikel des Internetportals "Anpfiff.info" aus dem hervorginge, dass sich Verein C erst nach dem 30.06.2017 von seinem Spielertrainer Z getrennt habe. Der Verein B habe in Kenntnis dieser Umstände wissentlich das Spielrecht unter Angabe der falschen Daten für den Spieler Z erschlichen. Er ist ferner der Ansicht, dass das Spielrecht für den aufnehmenden Verein nicht rechtswirksam erteilt werden konnte.

2. Das Verbandssportgericht ist gem. § 20 I e) RVO zuständig.

Die Berufung ist zulässig, insb. erfolgte sie sowohl frist- als auch formgerecht über das ZIMBRA-Postfachsystem, § 44 III RVO.

3. Die Berufung ist auch begründet.

Nach erfolgten Stellungnahmen des abgebenden Vereins sowie der Beweiswürdigung der in der mündlichen Verhandlung vom 11.11.2017, welche am 22.11.2017 fortgesetzt wurde, gewonnenen Eindrücke, steht zur Überzeugung des VSG fest, dass der Spieler Z unzulässig beim Spiel des Verein E gegen den Verein B am 03.10.2017 eingesetzt wurde.

a) Der Spieler hätte sich gem. § 42 Ziff. 1 SpO bis zum 30.06.2017 bei seinem alten Verein abmelden müssen.

Nach ständiger Rechtsprechung des VSG ist als Tag der Abmeldung nicht stets der Eintrag auf der Passrückseite maßgeblich, sondern bei Zweifeln hinsichtlich der Richtigkeit der Angabe der Tag der tatsächlichen, endgültigen und abschließenden Aufgabe des Spielrechts für den abgebenden Verein.

Nach Aufforderung durch das VSG teilte der abgebende Verein in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 02.10.2017 mit, der Spieler Z sei tatsächlich erst nach dem Spiel am 08.07.2017 wegen eines Zerwürfnisses mit sofortiger Wirkung entlassen worden.

In der mündlichen Verhandlung des VSG vom 11.11.2017 erklärte der Zeuge und Vorstandsmitglied des abgebenden Vereins Herr W glaubwürdig, er habe auf Bitten des Spielers Z am 10.07.2017 einen Aufhebungsvertrag mit diesem geschlossen und als Abmeldedatum auf der Passrückseite den 30.06.2017 angegeben. Der von ihm unterschriebene Pass sei anschließend an den Spieler Z übergeben worden.

Der sportliche Leiter des Verein B und Zeuge XY hingegen gab an, dass der Spieler von sich aus ca. am 13.07.2017 auf ihn zugekommen sei und die Vereinsaufnahme beantragte. Er habe den Spieler Z lediglich nach seinem letzten Spiel beim alten Verein gefragt. Auf Nachfrage des VSG gab der Zeuge an, vor der Vereinsaufnahme durch die Presse bereits von dem Zerwürfnis zwischen dem abgebenden Verein und dem Spieler erfahren zu haben. Zusätzlich erzählte er, dass es bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison zu Verhandlungen bzgl. eines Vereinswechsels gekommen sei, welcher aber erst viel später vollzogen wurde, als der Spieler ca. am 13.07.2017 die Vereinsaufnahme beantragte. Weiter gab er an, dass er Spieler Z beim Spiel am 08.07.2017 beobachtet habe, wie er für den Verein C an der Linie stehend als Trainer fungierte.

Der Zeuge und Vorsitzende des Verein B Herr V erklärte in der Fortsetzung der mündlichen Verhandlung am 22.11.2017, eine Ablöse in Höhe von 650 € für den Spieler Z bezahlt zu haben, nachdem man sich über den Vereinswechsel einig geworden war. Dies konnte aber nach Aussage der Zeugen XY und W auf keinen Fall vor dem 10.07.2017 gewesen sein.

Auf Nachfrage des VSG, warum er dies getan habe, obwohl doch laut Passrückseite der Spieler bereits zum Zeitpunkt des 30.06.2017 freigegeben war, konnte der Zeuge V keine Erklärung abgeben.

Damit steht fest, dass dem Spieler Z durch den BFV das Spielrecht irrtümlich gem. § 29 Ziff. 6 SpO erteilt wurde. Laut § 32 Ziff. 7 SpO ist eine aufgrund falscher Angaben (Abmeldedatum zum 30.06.2017) erteilte Spielberechtigung zwingend ungültig.

b) Jedoch geht das VSG zugunsten des Verein B nicht davon aus, dass er an der Rückdatierung irgendwie mitgewirkt hätte.

Dies geht aus der Aussage des Zeugen XY (Verein B) hervor, der versicherte, dass es zu keinen Absprachen zwischen dem Zeugen W (Verein C) und ihm gekommen sei. Auch der Zeuge Weiß (Verein B) gab glaubhaft an, dass er erst nach der Herausgabe des Passes mit dem abgebenden Verein wegen der Ablösesumme verhandelt habe.

c) Der Verein B hätte aber erkennen müssen, dass die tatsächliche Abmeldung nach dem 30.06.2017 erfolgte.

Der aufnehmende Verein ließ durch seinen Vorstand und durch das diesbezüglich zuständige Mitglied vortragen, sie seien davon ausgegangen, dass die Angaben auf der Rückseite des Spielerpasses korrekt gewesen seien.

Gemäß ständiger Rechtsprechung des VSG erfordert das Prinzips der Gleichbehandlung aller Vereine und der Wettbewerbscharakter der Spielordnung die Einhaltung der objektiv angelegten Wechselvorschriften. Im Interesse dieser Prinzipien muss der aufnehmende Verein zumutbare Sorgfaltspflichten berücksichtigen, wie z.B. als nächstliegendes Informationsmittel, den Spieler selbst und auch den abgebenden Verein zu befragen, falls sich Verdachtsmomente hinsichtlich der Richtigkeit der auf der Passrückseite befindlichen Daten ergeben.

Die relative Vielzahl der Entscheidungen des VSG zu diesen Sachverhalten zeigt, dass eine Diskrepanz zwischen dem schriftlichen Abmeldedatum auf dem Pass und dem tatsächlichen Abmeldezeitpunkt durchaus kein seltener Einzelfall ist. Die Vereine müssen dies daher einkalkulieren und sich zumindest durch eine Nachfrage beim Spieler und dem abgebenden Verein absichern.

Dies gilt umso mehr, als dem für Vereinswechsel zuständigen Mitglied XY (Verein B) im Zeitpunkt der Aufnahme des Spielers bekannt war, dass es zu einem Zerwürfnis zwischen dem Spieler und dem abgebenden Verein gekommen ist, und dem auch bekannt war, dass der Spieler zumindest am 08.07.2017 noch für den bisherigen Verein an der Linie stehend als Trainer fungierte. Er wusste auch, dass es bereits in der Rückrunde 2016/2017 zu Verhandlungen gekommen ist.

Ein weiterer Hinweis auf Ungereimtheiten stellt die gezahlte Ablöse von 650 € durch den aufnehmenden Verein trotz erfolgter Freigabe durch den abgebenden Verein dar.

Der 1. Vorstand des Verein B konnte keine nachvollziehbare Erklärung abgeben.

Durch einfaches Befragen des Spielers und des abgebenden Vereins hätte der Verein B den Irrtum erkennen können.

Damit ist zwingend das streitgegenständliche Spiel zu Gunsten des Verein E zu werten, eine Neuansetzung kommt nicht in Betracht, § 29 Ziff. 6 SpO.

Dem Verein B ist jedoch nur Fahrlässigkeit aufgrund der unterlassenen Befragung des Spielers und des abgebenden Vereins vorzuwerfen. Einen vorsätzlichen Beitrag und Mitwirkung bei einer Rückdatierung des Abmeldedatums ist nicht erkennbar.

d) Aus diesen Gründen sieht es das VSG als tatangemessen an, bei der Strafe für den Verein von einem Punktabzug abzusehen und nur eine Geldstrafe zu verhängen, dies sich im unteren Strafrahmen bewegt.

Sowohl das Verfahren Az.: 00008-17/18 wegen Vorkommnissen beim Bezirksligaspiel des Verein A gegen den Verein B vom 24.09.2017 als auch das Verfahren Az.: 00008-17/18 wegen Vorkommnissen beim Bezirksligaspiel des Verein E gegen den Verein B vom 03.10.2017 sind beide entscheidungsreif und können gleichzeitig abgeurteilt werden. Bei tatmehrheitlich begangenen Vergehen ist eine Gesamtstrafe zu bilden.

Daher wird bezüglich der Bestrafung des Vereins Verein B und des Vereinsverantwortlichen gem. § 77 II RVO klargestellt, dass hier jeweils eine Gesamtstrafe zu bilden ist. Diese erfolgt im Urteil Az. 00008-17/18, weswegen hier nur darauf verwiesen wird.

e) Hinsichtlich der Kostenfolge ist auszuführen, dass die mündliche Verhandlung für das Verfahren Az.: 00008-17/18 wegen Vorkommnissen beim Bezirksligaspiel des Verein A gegen den Verein B vom 24.09.2017 mit der mündlichen Verhandlung für das Verfahren Az.: 00008-17/18 wegen Vorkommnissen beim Bezirksligaspiel des Verein E gegen den Verein B vom 03.10.2017 zusammengefasst wurde. Beide Verfahren waren entscheidungsreif und konnten gleichzeitig abgeurteilt werden.

Es ist daher sachgerecht, hinsichtlich der Kostenentscheidung in diesem Verfahren auf die Kostenentscheidung im Verfahren Az.: 00008-17/18 zu verweisen.

gez. Riedmeyer gez. Lieb gez. Roßmann




Aktenzeichen: 00008-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Lieb

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 09.10.2017, Aktenzeichen: 00058-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein A wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 09.10.2017 aufgehoben und das Verbandsspiel Verein A gegen Verein B am 24.09.2017 mit 2:0 für Verein A als gewonnen und mit 0:2 für den Verein B als verloren gewertet.

II. Der Verein B wird gemäß § 77 Abs. 1 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von 200 € wegen unzulässigem Einsatz eines Spielers belegt.

III. Der Mannschaftsverantwortliche XY wird gemäß § 77 Abs. 2 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von 200 € wegen unzulässigem Einsatz eines Spielers unter Mithaftung des Verein B belegt.

IV. Der Verein B trägt die Kosten des Verfahrens und der Berufung einschließlich der Kosten beider mündlichen Verhandlungen.

Gründe:

1. Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:

In dem Verbandsspiel Verein A - Verein B am 24.09.2017 wurde in der 69. Spielminute der Spieler Z beim Verein B eingewechselt.

Mit Email über das BFV Postfach ZIMBRA erstattet der Verein A Anzeige beim Bezirks-Sportgericht wegen unzulässigem Einsatz. Der Verein A begründet diese Anzeige damit, dass der Spieler Z, der zu Saisonbeginn zum Verein B gewechselt ist, noch am 01.07.2017 und am 08.07.2017 bei zwei Freundschaftsspielen des Vereins C mitgewirkt hat, wo er als Spielertrainer tätig war. Da der Spieler Z beim Bayerischen Fußball-Verband als Amateur und nicht als Vertragsamateur geführt wird, geht der Verein A von einem unzulässigen Einsatz aus.

Das BSG Oberfranken hat den alten Spielerpass von Spieler Z für den Verein C zum Verfahren beigezogen. Auf der Rückseite des Spielerpasses ist vermerkt:

Erklärung des Vereins zum Vereinswechsel:
Zustimmung ja.

Abgemeldet am: 30.06.2017
Letztes Spiel am: 21.05.2017

30.06.2017 gez. Unterschrift, Vereinsstempel Verein C.

Mit Urteil vom 09.10.2017 (AZ 00058-17/18) hat das BSG Oberfranken das Verfahren gegen den Verein B eingestellt. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Verein A.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht gemäß § 44 Abs. 3 RVO über das Postfachsystem ZIMBRA eingelegt.

3. Die Berufung ist auch begründet.

Der Spieler Z war bei seinem Einsatz gegen den Verein A am 24.09.2017 nicht spielberechtigt.

Gemäß § 40 SpO muss sich ein Spieler von seinem Verein abmelden, wenn er zu einem anderen Verein wechseln will. Der Tag der Abmeldung ist dabei entscheidend für die Berechnung der Wartefrist. Das VSG hat sich bereits mehrfach mit den Voraussetzungen und Folgen der Abmeldung befasst (siehe Urteile Fall 53 99/00, Fall 98 07/08, Fall 105 07/08, Fall 51 10/11, Fall 92 11/12).

Dabei wurden folgende Grundsätze herausgearbeitet, die auch im vorliegenden Fall Anwendung finden:

Abmeldung bedeutet die endgültige und abschließende Aufgabe des Spielrechts für den abgebenden Verein. Der Tag der Abmeldung kann von den Beteiligten nicht einvernehmlich rückwirkend festgelegt werden. Die Eintragung auf dem Spielerpass hat daher keinen abschließenden Charakter. Vielmehr muss das Sportgericht bei Zweifeln aufklären, ob der eingetragene Tag der Abmeldung auch der tatsächlichen Abmeldung entspricht.

a) Zur Aufklärung des Sachverhalts hat das VSG den Verein C zu einer schriftlichen Aussage aufgefordert und am 11.11.2017/22.11.2017 jeweils eine mündliche Verhandlung durchgeführt.

Der Verein C hat am 02.11.2017 schriftlich erklärt, dass der Spieler Z auch in der Saison 2017-18 beim Verein als Spielertrainer tätig sein sollte. Ferner wurde in diesem Schreiben erklärt, dass es nach dem Spiel zu einem Zerwürfnis zwischen dem Verein C und Spieler Z gekommen ist.

In der mündlichen Verhandlung des Verbands-Sportgerichts am 11.11.2017 in Bad Gögging hat der Vorstand des Verein C, Herr W, ausgesagt, dass der Spieler Z am 01.07.2017 noch als Spieler im Freundschaftsspiel Verein C - Verein D mitgewirkt hat. In dem Spiel Verein C - Verein B am 08.07.2017 war Spieler Z zumindest als Trainer aktiv, ob Spieler Z gespielt hat, konnte Herr W nicht bestätigen, da er selbst bei dem Spiel nicht anwesend war. Herr W hat weiter ausgesagt, dass es am 08.07.2017 abends zu dem Zerwürfnis gekommen ist, im weiteren Verlauf ist Spieler Z am 10.07.2017 auf den Verein C zugekommen, es wurde ein Aufhebungsvertrag unterschrieben und dem Spieler Z der von Herrn W unterschriebene Spielerpass mit dem rückdatierten Datum 30.06.2017 ausgehändigt. Spieler Z erklärte ihm, dass er zum Verein B wechseln wird.

Eine Abmeldung des Spielers Z hat zum 30.06.2017 nicht stattgefunden.

Die nach Überzeugung des VSG glaubwürdig vorgetragenen Tatsachen führen zwingend zu dem Schluss, dass eine Abmeldung zum 30.06.2017 objektiv nicht stattgefunden hat.

Das dem Spieler Z ab 19.07.2017 erteilte Spielrecht war gemäß § 32 VII Spielordnung von Anfang an ungültig. Es wurde von der Passstelle irrtümlich erteilt, aufgrund der Angabe, dass sich der Spieler am 30.06.2017 beim Verein C ordnungsgemäß im Sinne des § 40 SpO als Spieler abgemeldet habe.

b) Aufgrund der Aussagen der Zeugen W und XY in der mündlichen Verhandlung steht zur Überzeugung des VSG weiter fest, dass der Verein B an der Rückdatierung des Abmeldedatums nicht beteiligt war.

Der Zeuge W hat erklärt, dass lediglich der Spieler Z mit ihm Kontakt hatte, der Verein B hat sich erst nach der Herausgabe des Spielerpasses beim Verein C gemeldet.

Der Fußballabteilungsleiter des Vereins B, Herr XY hat erklärt, dass der Spieler Z am 10.07.2017 auf ihn zukommen sei und dann zum Verein B gewechselt ist.

Der Vorstand des Verein B hat in der mündlichen Verhandlung am 22.11.2017 erklärt, dass er erst nach dem Wechsel mit dem Verein C wegen einer Ablösezahlung von 650,- € Kontakt hatte.

c) Der Verein C hätte aber erkennen müssen, dass sich der Spieler Z nach dem 30.06.2017 bei dem Verein C abgemeldet hat und der Eintrag im Spielerpass Spieler Z "Abgemeldet am 30.06.2017" falsch sein muss.

Nach Angaben des Abteilungsleiters Herr XY ist der Verein B mit dem Spieler Z in der Rückrunde 2016/2017 bereits in Verhandlungen gestanden, Spieler Z sollte beim Verein B Trainer der 2. Mannschaft werden.

Dem Verein B war weiter bekannt, dass Spieler Z in der neuen Saison 2017/18 Trainer beim Verein C sein wird. Herr XY hat in der mündlichen Verhandlung weiter angegeben, dass Spieler Z im Spiel am 08.07.2017 Verein C - Verein B nicht mitgespielt hat, aber als Trainer des Verein C tätig war.

Herr XY hat angegeben, dass er seit Jahren die Passangelegenheit beim Verein B erledigt. Ihm hätte bewusst sein müssen, dass es eine offensichtlich vorliegende Ungereimtheit ist, wenn sich der Spieler Z am 30.06.2017 beim Verein C abgemeldet hat, dann aber am 08.07.2017 noch für diesen Verein zumindest als Trainer tätig war. Ferner hat Herr XY angegeben, dass er von dem Zerwürfnis zwischen den Verein C und dem Spielertrainer Z aus der Presse erfahren hat.

Aufgrund dieser vorliegenden offensichtlichen Ungereimtheiten hätte der Verein B den Spieler Z zwingend fragen müssen, wann er das letzte Spiel für den Verein C bestritten hat. Die Nachfrage hätte sich nach Auffassung des VSG schon aufgrund der Tatsache der Spielertrainertätigkeit des Spieler Z bei Verein C und der Ausübung des Traineramtes am 08.07.2017 aufgedrängt.

Ebenso hätte der Verein B beim Verein C bei dem vorliegenden Sachverhalt nachfragen müssen, wann der Spieler Z dort den letzten Einsatz hatte.

Aufgrund dieses festgestellten Sachverhalts kommt das VSG zum Ergebnis, dass eine Neuansetzung der Spiele nach § 29 VI SpO nicht in Betracht kommt, sondern eine Spielwertung zu Ungunsten des Vereins B zwingend vorzunehmen ist, da die Spielerlaubnis irrtümlich erteilt wurde und der Verein B aus den vorstehenden Gründen den Irrtum erkennen hätte können, § 29 I, IV SpO.

d) Die ausgesprochene Geldstrafe nach § 77 I RVO wurde im unteren Strafrahmen angesetzt.

Es wurde bzgl. dem Einsatz des Spielers Z in den Verbandsspielen Verein A - Verein B und Verein E - Verein B die jeweilige Mindeststrafe von 150,-- € ausgesprochen und es wurde daraus eine Gesamtgeldstrafe von 200,-- € gebildet.

Bei Gesamtschau des Sachverhalts geht das VSG davon aus, dass dem Verein B nur eine Fahrlässigkeit beim unberechtigten Einsatz des Spielers Z vorgeworfen werden kann. Nach der durchgeführten Beweisaufnahme steht für das VSG fest, dass der Verein B bei der Rückdatierung des Abmeldedatums nicht beteiligt war.

Es wurde daher auf einen Punktabzug nach § 77 I Satz 2 RVO verzichtet.

e) In den beiden betroffenen Spielen war jeweils Herr XY der Mannschaftsverantwortliche im Sinne des § 77 RVO. Die ausgesprochene Geldstrafe nach § 77 II RVO wurde ebenfalls im unteren Strafrahmen angesetzt.

Es wurde bzgl. dem Einsatz des Spielers Z in den Verbandsspielen Verein A - Verein B und Verein E - Verein B die jeweilige Mindeststrafe von 150,-- € ausgesprochen und es wurde daraus eine Gesamtgeldstrafe von 200,-- € gebildet.

Kosten gem. §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO, § 2 I. Nr. 8 c) und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer gez. Roßmann gez. Lieb




Aktenzeichen: 00006-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Berufung des Vereins B gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 09.11.2017, Aktenzeichen: 00077-17/18-BSG Ofr.

Urteil:

I. Die Berufung des Vereins B gegen das Urteil des BSG Oberfranken mit Aktenzeichen: 00077-17/18-BSG Ofr. wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € sowie die Berufungsgebühr in Höhe von 102,72 € gehen zu Lasten des Vereins B. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel Verein A gegen Verein B am 05.11.2017 meldete der SR, dass der Spieler XY sich in der 85. Minute auf nassen Bodenverhältnissen mit beiden Beinen gestreckt voraus, von hinten kommend, an der Mittellinie in seinen Gegenspieler hineinrutschte und dessen Füße dabei oberhalb des Knöchels. Der SR zeigte hierfür die rote Karte. Der Gefoulte musste nicht behandelt werden und konnte weiterspielen, der Freistoß hatte keine Wirkung.

Eine Stellungnahme wurde in erster Instanz dahingehend abgegeben, dass der Spieler lediglich mit angewinkelten Beinen und von der Seite kommend den Ball vom Fuß seines Gegenspielers grätschte. Dies könnten der gefoulte Spieler sowie der Spielertrainer des Vereins A zu Protokoll geben. Zudem habe der Spieler XY in seiner Zeit als Seniorenspieler noch nie eine rote Karte erhalten und er lebe den Fair-play-Gedanken auf und außerhalb des Platzes.

Mit Urteil vom 09.11.2017 wurde der Spieler XY vom BSG Oberfranken gemäß § 66 Abs. 1 RVO für drei Verbandsspiele wegen rohen Spiels gesperrt. Das Urteil wurde am 09.11.2017 über das BFV-Postfach dem Verein B zugestellt.

Hiergegen legte der Berufungsführer am 13.11.2017 über das BFV-Postfachsystem Berufung ein. Er führte aus, dass das Strafmaß bei weitem überzogen sei und der SR am Ende des Spiels völlig den Überblick verloren habe. Die rote Karte an sich wäre eine Fehlentscheidung. Zudem sein der Kontakt nicht über Knöchelhöhe gewesen und die Beine auch nicht gestreckt gewesen.

Es wurde zudem eine Schilderung des Spielers XY vorgelegt, welcher angibt, dass sein rechtes Bein zum Ball ging und am Boden war. Während dieser Grätsche habe der SR ein zuvor begangenes Foul abgepfiffen, jedoch habe er aufgrund der Bewegung nicht mehr abstoppen, aber die Beine abwinkeln können.

Ferner wurde eine WhatsApp-Nachricht des Spielertrainers des Vereins A vorgelegt, in welcher dieser die drei Spiele Sperre als "Wahnsinn" bezeichnete und angibt, dass das Foul maximal eine gelbe Karte gewesen wäre. In einer weiteren Stellungnahme führte er aus, dass der Spieler XY bei dem Verteidigungsversuch in den Zweikampf rutschte, jedoch den Ball verfehlte und den Spieler Z am Fuß traf.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig. Die Berufung ist zulässig, sie wurde frist- und formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Bei dem vom SR geschilderten Tackling, bei welchem Spieler XY unstreitig auf nassen Bodenverhältnissen in vollem Lauf seinen Gegenspieler mittels einer Grätsche hineinrutschend attackierte, an den Füßen traf und diesen hierdurch zu Fall brachte, handelt es sich um ein rohes Spiel nach § 66 RVO. Der Einwand des Berufungsführers kann zu keiner anderen Betrachtung führen. Roh spielt, wer rücksichtslos im Kampf um den Ball den Gegner verletzt oder gefährdet. Die vom Berufungsführer eingeräumte Grätsche aus vollem Lauf und auf nassem Gras, bei welcher der Spieler den von ihm gestarteten Bewegungsablauf nicht mehr willentlich ändern konnte, stellt ein hohes Verletzungspotential dar, weshalb die Beurteilung des BSG dieses Fouls als rohes Spiel aus Sicht des VSG zutreffend ist. Die hierfür verhängte Sperre von drei Spielen ist am unteren Ende des Strafrahmens und für das Vergehen tat- und schuldangemessen. Nach Auffassung des VSG ist die erkannte Strafe von drei Spielen somit nicht zu beanstanden.

Ergänzend ist anzumerken, dass gemäß § 44 Abs. 4 RVO die Berufung nicht auf Beweismittel gestützt werden kann, welche bereits in erster Instanz hätten beigebracht werden können. Der Berufungsführer hat erstmals im Berufungsverfahren die Stellungnahme des Spielers XY und die des gegnerischen Spielertrainers beigebracht. Der inhaltliche Vortrag kann somit nach § 44 Abs. 4 RVO nicht mehr gehört werden.

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

gez. Riedmeyer gez. Lieb gez. Krause

 




Aktenzeichen: 00005-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 03.11.2017, Az.: 00060-17/18-BSG Schwaben

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,82 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 51,36 € trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 06.11.2017 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 03.11.2017, Az.: 00060-17/18-BSG Schwaben wurde mit Schreiben vom 15.11.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO i.V.m. § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

gez. Riedmeyer

 




Aktenzeichen: 0004-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 23.10.2017, Az.: 00098-17/18-BSG Oberbayern

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,82 € und die Hälfte der Revisionsgebühr in Höhe von 77,04 € trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 27.10.2017 eingelegte Revision gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 23.10.2017, Az.: 00098-17/18-BSG Oberbayern wurde mit Schreiben vom 13.11.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO.

gez. Riedmeyer





Aktenzeichen: 00003-17/18-VSG
Sitzung vom 22.11.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause, Lieb, Roßmann

Antrag des Verbands-Präsidenten bezüglich der Auslegung des § 39 Abs. 3 der Satzung vom 24.10.2017:

Urteil:

§ 39 Abs. 3 Satz 2 Satzung ist im Hinblick auf die Neuordnung der Kreise im Bezirk Niederbayern dahingehend auszulegen, dass die Mitglieder der bisherigen Kreisausschüsse in den anstehenden Kreistagen der beiden neugebildeten Kreise Stimmrecht haben.
Die Zuordnung der Mitglieder zu den beiden Kreistagen erfolgt in erster Linie danach, welcher Verein beim BFV als Mitgliedsverein des betreffenden Mitglieds geführt wird. Der Sitz dieses Vereins entscheidet. Hat der Verein des Funktionärs seinen Sitz nicht im Bezirk Niederbayern, so ist der Wohnort des Funktionärs entscheidend.

Begründung:

1. Mit Antrag vom 24.10.2017 beantragte der Präsident die verbindliche Auslegung des § 39 Abs. 3 Satzung. Folgende Fragen wurden gestellt:

Haben die Mitglieder der bisherigen vier Kreisausschüsse bei den beiden Kreistagen der neugegründeten Kreise im Bezirk Niederbayern Stimmrecht?

Sofern das VSG zu der Ansicht gelangt, dass das Stimmrecht besteht, nach welchen Kriterien richtet sich die Zuordnung.

Gilt dies in gleicher Weise für die jeweils vier berufenen Vorsitzenden der Kreissportgerichte und der Kreis-Ehrenamtsbeauftragten.

2. Das Verbands-Sportgericht ist zuständig für die verbindliche Auslegung von Bestimmungen der Satzung und der Ordnungen des BFV, wenn der Verbandspräsident oder der Verbandsanwalt dies beantragen (§ 20 Abs. 2 RVO).

3. Die Auslegung der Vorschrift ergibt das im Tenor genannte Ergebnis.

Grundsätzlich sind bei der Auslegung von Vorschriften der Satzung und der Rechtsordnungen eines Verbandes nur objektive Gesichtspunkte, wie z. B. Zweck und Sinnzusammenhang einzelner Bestimmungen - das objektiv als Ziel Erstrebte - zu berücksichtigen. Außerhalb der Satzung liegende Sachzusammenhänge dürfen unter Umständen berücksichtigt werden, wenn deren Kenntnis allgemein bei den Mitgliedern und Organen des Vereins vorausgesetzt werden kann. Nicht in Betracht zu ziehen sind dagegen Willensäußerungen und Interessen der Gründer, sonstige Vorgänge aus der Entstehungsgeschichte des Vereins oder subjektive Vorstellungen der Beteiligten und für die Allgemeinheit nicht übersehbare Erwägungen und Absichten (Sauter/ Schweyer/Waldner, Der eingetragene Verein, 9. Auflage 2010, Rn. 36 unter Hinweis auf die BGH Rechtsprechung).

a) Ausgangspunkt der Auslegung muss daher stets der Wortlaut der Bestimmung sein, so wie er von einem verständigen Mitglied des Verbandes bzw. seiner Vereine unter Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs zu verstehen ist.

Mit Beschluss des außerordentlichen Bezirkstages im September 2016 wurde festgelegt, dass die bisher bestehenden vier Kreise des Bezirks Niederbayern in zwei neue Kreise aufgeteilt werden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die zur Vorbereitung des Verbandstags angesetzten Kreistage schon auf der Basis der neugegründeten Kreise abgehalten werden. Gleichwohl soll die Reform erst zum Ende der Saison 2017/2018 wirksam werden.

Für die Beantwortung der an das VSG gestellten Fragen sind folgende Bestimmungen der Satzung maßgeblich:

§ 18 Abs. 2:
Die Amtsdauer der Mitglieder des Verbands-Vorstandes beträgt vier Jahre. Sie endet mit der Neuwahl des jeweiligen Amtsträgers bzw. im Fall des § 17 b Buchstabe i) durch Bestellung durch den Vorstand. Analog gilt dies auch auf Bezirks- und Kreisebene, im Falle des § 17 b Buchstabe i) durch Berufung durch das Präsidium.

§ 25 Abs. 2:
Das Präsidium nimmt folgende Berufungen oder Abberufungen vor:
a) Beisitzer des Verbands-Sportgerichts
b) Mitglieder des Sportgerichts Bayern
c) Mitglieder der Verbands-Ausschüsse mit Ausnahme des jeweiligen Ausschussvorsitzenden
d) auf Vorschlag des Bezirks-Spielleiters bzw. Bezirks-Jugendleiters bzw. des Vorsitzenden des Bezirks- Frauen- und Mädchenausschusses über den Bezirks-Vorsitzenden die Gruppen-Spielleiter und Jugend- gruppen-Spielleiter
e) auf Vorschlag des Bezirks-Vorsitzenden nach Anhörung des Vorsitzenden des Verbands-Sportgerichtes die Mitglieder der Bezirks-, Jugend- und Kreis-Sportgerichte
f) auf Vorschlag des Verbands-Jugendausschusses/Verbands- Frauen- und Mädchenausschusses den Vertreter des Schulfußballs
g) auf Vorschlag der Bezirke die Vertreter für die Belange des Schulfußballs in den Bezirken
h) auf Vorschlag des Verbands-Schiedsrichterausschusses den Schiedsrichter-Landeslehrwart, die Mitglieder des Schiedsrichter- Lehrstabes; auf Vorschlag des Gruppen-Obmannes über den Bezirks- Schiedsrichterobmann und den Bezirks-Vorsitzenden die Gruppen- Lehrwarte und die Beisitzer der Schiedsrichter-Gruppen
i) auf Vorschlag des Bezirks-Schiedsrichterobmanns über den Bezirks- Vorsitzenden die Beisitzer des Bezirks-Schiedsrichterausschusses und dem Frauen-Bezirks-Schiedsrichter-Beauftragten mit beratender Stimme
j) den Futsal-Beauftragten
k) den Vertreter des Breiten- und Freizeitsports
l) den Verbands-Ehrenamtsreferenten
m) auf Vorschlag des Bezirks-Vorsitzenden nach Anhörung des Verbands-Ehrenamtsreferenten die Bezirks-Ehrenamtsreferenten und Kreis-Ehrenamtsbeauftragten
n) den Verbandsanwalt/die Verbandsanwälte, soweit er/sie nicht leitende/r Verbandsanwalt/Verbandsanwälte ist/sind
o) die Landesligabetreuer
p) auf Vorschlag des Bezirks-Vorsitzenden den Bezirks-Onlinebeauftragten
q) auf Vorschlag des Vorsitzenden des Bezirks- Frauen- und Mädchenausschusses über den Bezirks-Vorsitzenden einen weiteren Mitarbeiter des Bezirks-Frauen- und Mädchenausschusses

Die Berufung gilt jeweils für eine Legislaturperiode.

§ 30 Abs. 3 Satz 1:
Der Sitz des Vereins bestimmt die Zugehörigkeit zu einem der sieben Bezirke, die durch Beschluss des Präsidiums festgestellt wird.

§ 35 Abs. 3:
Der Kreis-Ausschuss setzt sich zusammen aus:

a) dem Kreis-Vorsitzenden
b) dem Kreis-Spielleiter, sofern nicht identisch mit dem Kreis-Vorsitzenden
c) dem Kreis-Jugendleiter, sofern nicht identisch mit dem Kreis-Vorsitzenden
d) dem Kreisbeauftragten für Frauen- und Mädchenfußball, sofern nicht identisch mit dem Kreis-Vorsitzenden
e) dem Kreis-Schiedsrichterobmann
f) dem Vorsitzenden des Kreis-Sportgerichts mit beratender Stimme (für die Besetzung des KSG gilt § 34 Absatz 6 sinngemäß)
g) dem Kreis-Ehrenamtsbeauftragten mit beratender Stimme.
Weitere Mitarbeiter können im Hinblick auf die Größe eines Kreises berufen werden.

§ 36 Abs. 2, 3:

(2) Für die Wahl der Mitglieder des Kreis-Ausschusses gelten die vorstehenden Ausführungen sinngemäß, ausgenommen die Wahl des Kreis-Schiedsrichterobmanns. Der Kreis-Schiedsrichterobmann wird durch den Kreistag bestätigt. Der zu bestätigende Kreis-Schiedsrichterobmann wird gemäß § 5 Abs. 4 Schiedsrichterordnung vorgeschlagen. Erfolgt kein Vorschlag oder wird dieser nicht bestätigt, beruft das Präsidium gemäß § 25 Abs. 3 den Kreis-Schiedsrichterobmann.

In Kreisen mit nur einer Gruppe ist der gewählte Gruppen-Schiedsrichterobmann zugleich Kreis-Schiedsrichterobmann, einer Bestätigung durch den Kreistag bedarf es in diesem Fall nicht.

(3) Vorschläge über Ergänzungen ausgeschiedener Mitglieder bzw. über Neubesetzungen müssen innerhalb sechs Wochen dem Verband eingereicht werden, im anderen Fall kann das Verbands-Präsidium eine Berufung ohne Vorschlag durchführen.

§ 39 Abs. 3:
Beim Bezirkstag haben die nach § 37 Absatz 4 aufgeführten Organe und Vereine je eine Stimme. Beim Kreistag die Vereine nach § 37 Absatz 1 sowie die Mitglieder des Kreis-Ausschusses.

§ 40 Abs. 1:
Die Mitglieder der Organe des BFV und des Bezirks sowie die Funktionäre innerhalb des Kreises sind ehrenamtlich tätig und müssen Mitglieder eines Verbandsvereins sein.

Die Zusammenschau der Vorschriften gibt folgendes Ergebnis:

Ausgehend von § 18 Abs. 2 Satzung ist festgelegt, dass die Wahl eines Mitglieds des Kreisausschusses grundsätzlich für vier Jahre, bis zum nächsten ordentlichen Kreistag erfolgt.

Eine Beendigung der Mitgliedschaft im Kreisausschuss setzt daher einen Beendigungstatbestand voraus. Dieser kann z.B. im Rücktritt, in der Abberufung oder im Fall des Austritts aus jedem Mitgliedsverein des BFV erfolgen. Im Ausnahmefall kann auch eine Neuordnung der Kreise dazu führen, dass die Amtszeit endet, nämlich dann, wenn zwischen den ordentlichen Kreistagen eine Neuordnung der Kreise wirksam wird.
Im Fall Niederbayern wurde die Neuordnung der Kreise jedoch nicht während der Periode der ordentlichen Kreistage wirksam. Der zwar im Jahre 2016 gefasste Beschluss entfaltet erst zu Beginn der Saison 2018/2019 seine Wirksamkeit. Ein Beendigungstatbestand liegt damit bei den bisherigen Mitgliedern der Kreisausschüsse nicht vor.

Damit sind die Mitglieder der Kreisausschüsse weiterhin im Amt.

§ 39 Abs. 3 Satzung sieht vor, dass die Mitglieder der Kreisausschüsse bei den Kreistagen Stimmrecht haben. Dieses Stimmrecht wird nicht dadurch ausgeschlossen, dass im Vorgriff auf die Neuordnung statt vier nur noch zwei Kreistage durchgeführt werden. Auch der Entzug des Stimmrechtes bedürfte eines Beschlusses, der so nicht vorliegt.

Im Ergebnis ist daher festzuhalten, dass die Mitglieder der bisherigen vier Kreisausschüsse bei den kommenden zwei Kreistagen Stimmrecht haben.

Es muss allerdings eine Zuordnung zu den Kreistagen stattfinden, weil die bisherigen vier Kreise bei der Neuordnung teilweise anteilig in beide neuen Kreise aufgeteilt werden.

Diese Zuordnung ist anhand des Sitzes des Vereins vorzunehmen, der die Verbandsmitgliedschaft des Ausschussmitglieds vermittelt. Jeder Ehrenamtsträger muss gemäß § 40 Abs. 1 Satzung einem Mitgliedsverein angehören. Bei Mitgliedern mehrerer Vereine lässt sich die Zuordnung dadurch vornehmen, dass jeder Ehrenamtsträger beim BFV für einen einzigen Verein gemeldet ist. Jeder Verein wiederum wird durch seinen Sitz einem der beiden neuen Kreise zugeordnet. Da der Verein die Mitgliedschaft des Ehrenamtsträgers zum BFV vermittelt erscheint es sachgerecht, den Ehrenamtsträger dem neunen Kreis zuzuordnen, in den sein Verein fällt.

Eine originäre Zuordnung an den Wohnsitz des Mitglieds würde die Mitgliedschaft vom Verein entkoppeln, die jedoch notwendige Voraussetzung für die Eigenschaft als Ehrenamtsträger ist. Der Wohnort eines Ehrenamtsträgers hat oft nichts mit der Vereinstätigkeit zu tun. Die Wahl des Wohnorts kann berufliche, familiäre oder finanzielle Gründe haben. Daher kann der Wohnort auch außerhalb des Bezirks, ja sogar außerhalb des Verbandsgebietes liegen. Insbesondere wenn eine Metropolregion Orte verschiedener Bundesländer erfasst, wie es z.B. bei der Region Ulm/Neu-Ulm der Fall sein kann.

Da nur die Mitgliedschaft in einem Verein des BFV, aber nicht eines Vereins im Kreis für seine Tätigkeit im Kreisausschuss notwendig ist, besteht die Möglichkeit, dass sich der Verein (ggfs. auch zwischenzeitlich) in einem anderen Bezirk befindet.

Für diesen Fall muss dann als Kriterium für die Zuordnung zum neuen Kreis auf den Wohnort des betreffenden Mitglieds zurückgegriffen werden, um eine Zuordnung zu einem der beiden neuen Kreise vornehmen zu können. Die Zuordnung über den Verein würde hier zu dem Ergebnis führen, dass das für einen der niederbayerischen Kreise gewählte Mitglied sein Stimmrecht nicht wahrnehmen könnte.

Für die vom Präsidium berufenen Vorsitzenden der Kreissportgerichte und der Ehrenamtsbeauftragten gilt dasselbe, wie für die gewählten Mitglieder der Kreisausschüsse. Auch sie werden gemäß § 25 Abs. 2 Satzung vom Präsidium für die Zeitdauer bis zum nächsten Verbandstag berufen.

gez. Riedmeyer; Beierlein; Krause; Lieb, Roßmann

 





Aktenzeichen: 00002-17/18-VSG
Sitzung vom: 10.11.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verbandsanwalts wird das Urteil des BSG Oberfranken 00038-17/18-BSG Ofr. in Ziffer 1 dahingehend abgeändert, dass die Sperrfrist ab 19.09.2017 gilt.

II. Im Übrigen bleibt das Urteil des BSG Oberfranken 00038-17/18-BSG Ofr. aufrecht erhalten.

III. Die Kosten der Berufung trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten sind nicht zu erstatten.

Begründung:

1. Mit Urteil vom 30.09.2017 wurde Spieler XY wegen unsportlichen Verhaltens gegen den Schiedsrichter im Spiel Verein A gegen Verein B vom 09.09.2017 für 8 Verbandsspiele ab 04.10.2017 gesperrt. Hiergegen legte der Verbandsanwalt am 11.10.2017 über ZIMBRA Berufung ein mit der Begründung, dass die am 19.09.2017 ausgesprochene einstweilige Verfügung mit einer ab diesem Tag wirkenden Sperre nicht berücksichtigt wurde.

2. Die Berufung ist zulässig, da sie form- und fristgerecht eingelegt wurde § 44 Abs. III Satz 5 RVO.

3. Die Berufung ist auch begründet. Aufgrund der einstweiligen Verfügung gemäß § 40 RVO vom 19.09.2017 war der Spieler XY ab diesem Tag vorläufig gesperrt. Demnach hat sich zwingend die im Urteil auszusprechende Sperrstrafe an den Zeitpunkt der vorläufigen Sperre zu orientieren. Das Urteil war dementsprechend abzuändern.

gez. Beierlein gez. Lieb gez. Krause





Aktenzeichen: 0001-17/18-VSG
Sitzung vom 24.10.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Berufung Verein A gegen das Urteil des SG Bayern vom 11.10.2017, Az.: 00300-17/18-SG Bayern

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A vom 16.10.2017 gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 11.10.2017 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten der Berufung in Höhe von € 61,63 sowie die Berufungsgebühr in Höhe von € 205,44.

Begründung:

1. Beim Verbandsspiel Verein A gegen Verein B am 30.09.2017 verletzte sich in der 33. Minute beim Stand von 1:0 der Torhüter von Verein B schwer, er wurde zunächst durch die Betreuer, dann notärztlich auf dem Platz behandelt und konnte erst nach etwa einer halben Stunde per Hubschrauber abtransportiert werden. Unter dem Eindruck der Verletzung ("aus dem Mund blutend", "verschobener Kiefer") sahen sich die Spieler des Verein B außerstande, die Begegnung fortzuführen und der Mannschaftsverantwortliche bat den SR um Beendigung. Daraufhin brach der SR das Spiel ab. Das SG Bayern entschied auf Neuansetzung. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Verein A.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht gemäß § 44 Abs. 3 RVO durch Einwurfeinschreiben, eingehend am 17.10.2017, eingelegt. Das VSG ist gemäß § 20 Abs.1 lit. e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Ein Fall des § 74 Abs. 3 RVO i.V.m. § 29 Abs. 1 SpO liegt nicht vor. Weder der Verein noch einer seiner Spieler haben den Spielabbruch, der unstreitig durch den leitenden SR erfolgt ist, schuldhaft im Sinne des § 62 Abs. 2 RVO verursacht. Es steht zwar fest, dass Spieler des Verein B nach der schweren Gesichtsverletzung ihres Torhüters ("Dreifacher Kieferbruch", "Gehirnerschütterung"), der nach ca. einer halben Stunde immer noch auf dem Platz notärztlich behandelt wurde und der per Hubschrauber abtransportiert werden musste, den SR um Spielabbruch gebeten haben. Diese Bitten allein sind aber nicht geeignet, den Schuldvorwurf nach § 62 Abs. 2 RVO auszulösen, sie erfüllen nicht den Tatbestand einer Strafbestimmung.

Entgegen der Auffassung des Berufungsführers gibt es auch keine starre 30-Minuten-Frist für eine Spielunterbrechung, welche einen Abbruch rechtfertigt; vielmehr kommt es immer auf die im Einzelfall zu bewertenden Gesamtumstände an.

Für das VSG ist allein maßgeblich, dass letztlich der SR selbst auf Spielabbruch entschieden hat aufgrund der Schwere der Verletzung, der langen notärztlichen Behandlungsdauer und der weiteren Zeit in Anspruch nehmenden Abtransports per Helikopter. Inwieweit die Bitte des Mannschaftsverantwortlichen des Verein B auf diese eigene Entscheidung des SR Einfluss hatte, ist unerheblich. Es ist auch nicht ersichtlich, dass die Spieler des Verein B einer anderen Entscheidung des SR nicht gefolgt wären, also sich ernsthaft geweigert hätten das Spiel zu Ende zu führen. Der Berufungsführer trägt selbst vor, dass dem Wunsch des Mannschaftsverantwortlichen des Verein B entsprochen wurde, somit eine diesbezügliche Entscheidung des SR erfolgt ist. Eine Widersetzlichkeit der Spieler des Verein B, welche als ernsthafte Störung oder Weigerung der Spielfortsetzung angesehen werden könnte, liegt im vorliegenden Sachverhalt gerade nicht vor. Vielmehr ist die Entscheidung des Abbruchs - wenn auch auf Bitten des Verein B - durch den SR eigenverantwortlich getroffen worden.
Auf die Frage, ob der Spielabbruch durch den SR zu Recht ("ultima ratio") erfolgt ist, kommt es daher entgegen der Ansicht des Berufungsführers hier im Ergebnis gar nicht an (siehe auch Urteil des VSG vom 18.05.2010 Prot. 31 Fall 71). Da keinen der beiden Vereine hierfür ein Verschulden trifft, ist eine Spielwertung ausgeschlossen, die Neuansetzung der Partie ist zwingend die Folge. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.
Es wird jedoch - wie vom Sportgericht Bayern im angegriffenen Urteil zutreffend ausgeführt - darauf hingewiesen, dass schwere Verletzungen eines Mitspielers bei Würdigung der Gesamtumstände, eine Spielfortführung unzumutbar und damit einen Abbruch nach § 66 Abs.1 SpO wegen ernsthafter Störung rechtfertigen können (Urteil des VSG vom 20.5.2009 Prot. 32 Fall 60).
4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO, § 2 I. Nrn. 8 c) und 13 d) Anlage zur FO.

gez. Riedmeyer gez. Lieb gez. Krause

Urteile 2016/17

Aktenzeichen: 00094-16/17-VGS
Sitzung vom 08.11.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Roßmann

Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 28.09.2017, AZ: 0323-16/17-BSG Obb.:

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 28.09.2017 wird verworfen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 61,63 und die Revisionsgebühr in Höhe von € 154,08.

Gründe:

1. Mit Urteil vom 17. September 2017 verurteilte das JSG Oberbayern 2 den Mannschaftsverantwortlichen des Vereins A (Revisionsführer) Herrn XY, gemäß § 77 Abs. 2 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer Funktionssperre vom 22.09.2017 mit einschließlich 21.01.2018. Auf die Berufung des Revisionsführers änderte das BSG Oberbayern mit Urteil vom 28.09.2017 das Ersturteil dahingehend ab, dass der Mannschaftsverantwortliche Herr XY, gemäß § 77 II RVO nur zu einer Geldstrafe von Euro 200 verurteilt wurde.

Gegen das am 28.09.2017 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer über das Postfachsystem ZIMBRA am 04.10.2017 Revision ein. Es wurde beantragt, die Begründungsfrist um zwei Wochen zu verlängern. Mit Beschluss des VSG Vorsitzenden vom 10.10.2017 wurde die Frist bis zum 18.10.2017 verlängert. Mit Schreiben vom 19.10.2017 begründete der Revisionsführer über das Postfachsystem ZIMBRA die Revision.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

3. Die Revision ist unzulässig.

Gemäß §§ 45 Abs. 2, 44 Abs. 3 RVO ist die Revision binnen einer Frist von einer Woche nach der Einstellung des Urteils in das ZIMBRA Postfach des Vereins oder sonstiger Bekanntgabe gemäß § 24 Abs. 5 RVO schriftlich oder über das Postfachsystem ZIMBRA einzulegen. Die Revision muss die verletzte Vorschrift bezeichnen und darlegen, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden. Dies ist hier bis zum 18.10.2017 erfolgt. Bis zum Ablauf dieser Frist ging keine Revisionsbegründung ein. In der Revisionsschrift wurde weder eine Bestimmung genannt, welche angeblich verletzt wurde, noch ließ sich aus dem Kontext erschließen, welcher Verfahrensfehler des BSG Oberbayern gerügt werden sollte.

Damit ist die Revision unzulässig. Auf die in der Begründung genannten sachlichen Gründe kommt es daher nicht mehr an.

Es wird daher nur vorsorglich darauf hingewiesen, dass die erstmals im Revisionsverfahren genannten Zeugen zu keiner Änderung des Urteils hätten führen können. Diese hätte bereits in der 1. Instanz und spätestens in der Berufungsbegründung benannt werden müssen.

Die besonderen, zugunsten des Mannschaftsverantwortlichen zu berücksichtigenden Gründe der langjährigen beanstandungsfreien Tätigkeit für den Jugendfußball hat das BSG durch die Aufhebung der Funktionssperre und Festsetzung einer maßvollen Geldstrafe bereits ausreichend berücksichtigt, so dass sich auch bei sachlicher Überprüfung des Urteils kein Rechtsfehler ergeben hätte und die Revision auch unbegründet gewesen wäre.

4. Die Kosten ergeben sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Ziffer 9, 13 d) FO i.V.m. § 2 Ziffern 9 und 13 d) Anlage zur FO.

       

Aktenzeichen: 00093-16/17-VSG
Sitzung vom 14.09.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Roßmann

Verfahren gegen den Spieler XY, Verein A, wegen Ausschlusses

Urteil:


I. Der Betroffene XY, Verein A, wird aus dem Bayerischen Fußballverband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass des Betroffenen XY ist unverzüglich an den BFV einzusenden.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 Euro trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins A.

Gründe:

1. Dem Betroffenen wird zur Last gelegt, am 21.05.2017 beim Spiel der B-Klasse Verein B gegen Verein A, einen am Boden liegenden bzw. sitzenden Gegenspieler zwei Mal mit dem Schuh getreten zu haben, zunächst gegen den Oberkörper und direkt anschließend gegen den Kopf.

Hierdurch erlitt der gegnerische Spieler laut ärztlichem Befund eine Schädelprellung, ein Ohrmuschelhämatom und eine HWS-Distorsion.

2. Die Zuständigkeit des Verbandsportgerichts ergibt sich aus § 20 I a) RVO.

Aufgrund der Meldung des Schiedsrichters vom 22.05.2017 leitete das KSG Nürnberg- Frankenhöhe ein Verfahren gegen den Betroffenen ein.

Nach Vorankündigung des KSG gem. § 41 III RVO, dass eventuell der Ausschluss aus dem Verband gerechtfertigt sei, gab es das Verfahren mit Beschluss vom 19.07.2017 zuständigkeitshalber an das Verbandssportgericht ab.

3. Mit Schreiben vom 03.08.2017 an den Verein A per ZIMBRA-Postfachsystem und separatem Einwurfeinschreiben mit selbigem Datum an den Betroffenen, zugestellt am 04.08.2017, informierte auch das VSG darüber, dass nach Vorberatung ein Ausschluss in Betracht kommt und die Möglichkeit sowohl einer Stellungnahme bis zum 14.08.2017 als auch der Beantragung der Durchführung einer mündlichen Verhandlung innerhalb einer Woche eingeräumt werde. Weiter wurde mitgeteilt, dass der Verbandsanwalt dem Verfahren beigetreten sei und ebenfalls den Ausschluss des Betroffenen aus dem Bayerischen Fußballverein beantragt habe.

Weder der Verein noch der betroffene Spieler äußerten sich hierzu in irgendeiner Form innerhalb der gesetzten Fristen.

4. Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbandssportgerichts aufgrund der Meldung des amtierenden Schiedsrichters vom 22.05.2017, der Stellungnahme des Vereins B sowie des ärztlichen Berichtes der Kliniken CD in A vom 21.05.2017 fest.

Weder der Betroffene selbst, noch Verein A haben sich zur Sache geäußert.

5. Das Verhalten des Betroffenen stellt neben der begangenen Straftat der vorsätzlichen Körperverletzung eine Tätlichkeit gegen einen Gegenspieler in einem besonders schweren Fall gemäß § 67 I RVO dar.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe hat das Verbandssportgericht zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass der Spieler keine bleibenden Verletzungen erlitten hat.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich vorliegend um ein ganz brutales Verhalten gegen einen Gegenspieler mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat. Insbesondere der Tritt gegen den Kopf hätte zu noch schwereren Verletzungen führen können. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Betroffene nicht von selbst nach den zwei Tritten innehielt, sondern von mehreren Spielern weggezogen werden musste. Eine Entschuldigung durch den Betroffenen erfolgte nicht.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Tat im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 67 I 2 RVO in Betracht.

Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vorgehens nicht angezeigt.

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 Ziff. 13 d) FO.




Aktenzeichen: 00092-16/17-VSG
Sitzung vom 31.08.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Vereins A bzgl. seines Spielers XY

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 13.06.2017, AZ 00806-16/17-KSG Nbg./Frhö) gegen den Spieler XY wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer I wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler XY ab 10.06.2017 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisligamannschaft des Vereins A gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt Verein A.
Gründe:

Mit Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 13.06.2017, AZ 00806-16/17-KSG Nbg./Frhö wurde der Spieler XY wegen rohen Spiels am 10.06.2017 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft des Vereins A gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins gesperrt ist, bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I.

Der Spieler XY gehört nach Dafürhalten des VSG zum Kreis der Stammspieler der 1. Mannschaft des Vereins A, welche in der Kreisliga spielte. Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in der Saison 2016/2017 in 36 Verbandsspielen der 1. Mannschaft eingesetzt und hiervon 30 Mal von Beginn an; lediglich 2 Spiele hat er in der 2. Mannschaft absolviert.

Laut Spielplan begann die 2. Mannschaft (jetzt B-Klasse) erst am 20.08.2017 mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 17.09.2017 andauert.

Die 1. Herrenmannschaft in der Kreisliga hatte nach dem Urteil kein Verbandsspiel mehr zu absolvieren und begann bereits am 06.08.2017 mit dem Spielbetrieb. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Kreisliga-Mannschaft 6 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 6 Spiele wäre der Spieler XY aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die vom Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. vom 13.06.2017.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO i.V.m. § 2 Nr. 11 Anlage zur FO.




Aktenzeichen: 00091-16/17-VSG
Sitzung vom 29.08.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des SG Bayern vom 04.07.2017, Az. 00768-16/17-SG Bayern wegen verschuldeten Spielausfalls des B-Junioren-Landesligaspiel Verein A - Verein B vom 21.06.2017


Urteil:

1. Die Berufung des Vereins A gegen das Urteil des SG Bayern vom 04.07.2017, AZ: 00768-16/17-SG Bayern wird zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 25,68 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 82,17 trägt Verein A. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.


Gründe:

1. Der Kreis-Jugendleiter Zugspitze zugleich Spielleiter der Landesligen A- und B-Junioren, hat am 29.05.2017 das Relegationsspiel der B-Junioren Verein A - Verein B auf den Spieltermin am 21.06.2017 in Wendelstein angesetzt und den beteiligten Vereinen am 30.05.2017 entsprechend mitgeteilt. Im Vorfeld wurden seitens des Vereins B diverse Terminsvorschläge unterbreitet. Mit dem Berufungsführer konnte kein Kontakt hergestellt werden. Der Vorstand XY teilte dann einige Tage später mit, dass er aufgrund Urlaubs erst jetzt Kontakt aufnehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel bereits auf den 21.06.2017 festgesetzt.

Dieses Entscheidungsspiel war notwendig, da nach vollzogenem Auf- und Abstieg noch ein freier Platz in der U17-Bayernliga zu vergeben war. Der Berufungsführer war als Tabellendritter der Landesliga Süd am Entscheidungsspiel teilnahmeberechtigt, da der Verein C als Tabellenzweiter nicht aufstiegsberechtigt ist. Der Tabellendritte der Landesliga Nord, Verein B war am Entscheidungsspiel ebenfalls teilnahmeberechtigt, da in der Landesliga Nord der Tabellenzweite, Verein D direkt aufgestiegen war, nachdem der Tabellenerste, Verein E nicht aufstiegsberechtigt ist. Am 20.06.2017 teilte dann der Vorstand des Berufungsführers, Herr XY mit, dass die Rechtsvertretung des Berufungsführers eine Klage vor dem ordentlichen Gericht anstrebt, da der Verdacht der wissentlichen Spielmanipulation weiterbestünde, er weder Trainer, noch Spieler des Vereins A diesem Verdacht aussetzen wolle. Aus diesem Grund sehe sich der Berufungsführer gezwungen, aufgrund des Verdachts der rechts-staatswidrigen Handlungsweise der BFV-Führung am Termin nicht teilzunehmen. Im Übrigen haben alle Verantwortlichen in Bezug auf das VSG den Verdacht der Befangenheit nicht ausräumen können. Seitens des Kreisjugendleiters Zugspitze wurde unter dem 21.06.2017 Anzeige beim SG Bayern getätigt. Das SG Bayern entschied dann mit Urteil vom 14.07.2017, dass der Berufungsführer unter Auferlegung der Kosten gemäß § 78 I RVO wegen Verursachen eines Spielausfalls eine Geldstrafe in Höhe von € 100,00 erhält sowie, dass das Spiel für den Verein B mit 2:0 als gewonnen und für den Verein A mit 0:2 als verloren zu werten ist.

Hiergegen legte der Berufungsführer über ZIMBRA-Postfach unter dem 11.07.2017 Berufung ein und begründete dies damit, dass er die Entscheidung getroffen habe, die Trainer und Spieler des Vereins A in einem unter Verdacht der wissentlichen Spielmanipulation (Gesetzgebung BRD) stehenden Relegationsspiel nicht antreten zu lassen. Es sei hier zu keinem schuldhaften Verhalten gekommen. Im Übrigen wird der Verdacht der Befangenheit gegenüber dem VSG weiterhin aufrechterhalten.

Ergänzend wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet und ist daher zurückzuweisen.

3. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

Das VSG ist nicht befangen. Der Antrag auf Ablehnung des VSG wegen der Besorgnis der Befangenheit vom 11.07.2017 wurde mit Beschluss vom 29.08.2017 als unzulässig verworfen.

Das Relegationsspiel wurde vom zuständigen Spielleiter der Landesligen A und B Junioren Zugspitze ordnungsgemäß auf den 21.06.2017 angesetzt. Dieser ist für die Ansetzung des Relegationsspiels zuständig. Die Frist ist eingehalten.

Der Berufungsführer sagte am 20.06.2017 das Spiel ab und trat infolge zu dem Spiel nicht an. Der Berufungsführer bezieht sich darauf, dass das Relegationsspiel unter dem Verdacht der wissentlichen Spielmanipulation stünde und meinte deswegen, dass es sich um kein schuldhaftes Verhalten seitens des Berufungsführers handeln würde, wenn er mit seiner Mannschaft nicht antreten würde. Das VSG hat in der Entscheidung vom 19.06.2017, Az. 00070-16/17-VSG rechtskräftig entschieden, dass der Berufungsführer und auch der Verein B an der Teilnahme zum Entscheidungsspiel berechtigt sind. Dieses ist notwendig, da nach vollzogenem Auf- und Abstieg noch ein freier Platz in der U17-Bayernliga zu vergeben war. Insoweit wird auf die Begründung in der Entscheidung des VSG 19.06.2017, Az. 00070-16/17-VSG verwiesen.

Für eine irgendwie geartete, nicht näher dargelegte Spielmanipulation liegen keinerlei Anhaltspunkte vor.

Die Spielabsage ist aus diesem Grund vom Berufungsführer verschuldet. Ein Grund, warum dies ausnahmsweise nicht der Fall sein könnte, ist im Weiteren nicht ersichtlich.

Das Urteil des SG Bayern ist im Übrigen auch nicht zu beanstanden.

Dementsprechend ist die Berufung vollumfänglich zurückzuweisen.

4. Der Berufungsführer hat als unterlegene Partei gemäß §§ 32, 33 RVO, § 11 II. Nrn. 6c) und 7c) FO und § 2 II Nr. 6c) und 7c) Anlage zur FO die Kosten zu tragen.




Aktenzeichen: 00089-16/17
Sitzung vom 25.08.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Revision des Vereins B vom 07.08.2017 gegen das Urteil des BSG Oberbayern, Az. 00316-16/17-BSG Obb. vom 01.08.2017

Urteil:

I. Die Revision des Vereins B vom 07.08.2017 wird als unbegründet zurückgewiesen.

II. Verein B trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 25,68 und die Revisionsgebühr in Höhe von € 154,08. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Begründung:

1. Das Verbandsspiel Verein A gegen Verein B (Revisionsführer) am 02.07.2017, das als Entscheidungsspiel über den Verbleib in der U19 BOL Oberbayern angesetzt worden war, wurde im ESB irrtümlich als Bezirks-Freundschaftsspiel angelegt. Das Spiel war vom Bezirks-Jugendleiter XY am 27.06.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA angesetzt worden. Die Ansetzung ging beiden Vereinen zu. Das Spiel wurde durchgeführt und endete in der regulären Spielzeit mit 1:1. Daraufhin schloss sich eine 30-minütige Verlängerung an, in der kein Tor fiel. Daraufhin wurde ein Strafstoßschießen zur Entscheidung durchgeführt, welches mit 5:3 für den Verein A endete. Mit Schreiben vom 05.07.2017 legte der Revisionsführer über das Postfachsystem ZIMBRA Einspruch gegen die Spielwertung ein. Zur Begründung wurde vorgetragen, dass das Spiel als Bezirks-Freundschaftspiel im ESB angelegt worden sei und dass der Schiedsrichter bis zum 05.07.2017 den ESB nicht vollständig ausgefüllt habe. Weiter habe der Schiedsrichter bei Verein A fünf Spieler einwechseln lassen und einer der Schiedsrichterassistenten sei Mitglied des Vereins C und damit befangen gewesen. Schließlich habe ein Mitglied des Kreisverbandes Inn/Salzach vor dem Spiel geäußert, dass es auf keinen Fall passieren dürfe, dass ein Verein aus dem Kreis Inn/Salzach absteige.

Mit Urteil vom 10.07.2017 wies das JSG den Einspruch zurück. Dagegen legte der Revisionsführer am 17.07.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA Berufung ein. Die Berufung wies das BSG mit Urteil vom 01.08.2017, zugestellt am selben Tag zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 07.08.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass hier der Verdacht im Raum stehe, dass Fehler des BFV zum Nachteil des Revisionsführers vertuscht werden.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass der Revisionsführer rügt, dass seine Einspruchsgründe nicht vollständig abgehandelt worden seien. Dies stellt eine Rüge des rechtlichen Gehörs dar.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Zwar ist tatsächlich festzustellen, dass das JSG und das BSG nicht zu allen vorgetragenen Gründen für den Einspruch Stellung genommen hat. Dies war aber auch nicht notwendig, weil diese Gründe entweder nicht substantiiert vorgetragen wurden oder keinen Einspruch wegen eines Regelverstoßes rechtfertigen können.

Die Bezeichnung eines Spiels im ESB ist eine Formalie, die auf die Wertung des Spiels keinen Einfluss hat, wenn bei den Vereinen offensichtlich kein Zweifel darüber besteht, um was für ein Spiel es sich handelt. So war der Fall hier. Die Ansetzung des Spiels über das Postfachsystem ZIMBRA war eindeutig als Entscheidungsspiel über den Verbleib in der BOL gekennzeichnet. Das Spiel wurde durchgeführt und es schloss sich eine Verlängerung und ein Strafstoßschießen zur Entscheidung an. Es gibt daher nicht den geringsten Anhaltspunkt, dass die Mannschaft des Revisionsführers der Meinung war, sich in einem belanglosen Freundschaftsspiel zu befinden. Damit hatte die Fehlbezeichnung des Spiels im ESB als reine Formalie erkennbar keinen Einfluss auf das Spielgeschehen.

Die Frage, wann ein Schiedsrichter den ESB ausfüllt und abschließt, kann auf das Spiel schon deshalb keinen Einfluss haben, weil dies erst nach der Beendigung des Spiels erfolgen kann. Damit scheidet ein Regelverstoß aus.

Die Ansetzung eines Schiedsrichters, der Mitglied eines Ligakonkurrenten ist und für diesen als Schiedsrichter gemeldet ist, stellt für sich genommen keinen Grund für die Besorgnis der Befangenheit dar. Eine solche Ansetzung wird sich vielmehr gerade im Jugendbereich, wo bei Berücksichtigung aller Mannschaften eines Vereins eine Konkurrenzsituation mit vielen anderen Vereinen besteht, nie ganz vermeiden lassen. Einen direkten Vor- oder Nachteil aus dem streitgegenständlichen Spiel hatte der Verein des Schiedsrichterassistenten nicht zu erwarten, so dass die Ansetzung auch aus diesem Grund nicht zu beanstanden war. Schließlich könnte die Schiedsrichteransetzung nicht mit dem Einspruch gerügt werden, sondern müsste als Verwaltungsentscheidung im Beschwerdeweg angegriffen werden. Da der Revisionsführer aber in Kenntnis der Schiedsrichteransetzung das Spiel durchführte scheidet jedes Rechtsmittel auch deshalb aus, weil nach der Rechtsprechung des VSG ein "Spielen unter Protest" unzulässig ist und durch das Spielen ein Verzicht auf etwaige bekannte Beschwerdegründe eintritt.

Der Vorwurf, dass der Schiedsrichter fünf Spieler einwechseln ließ, wurde durch den ESB widerlegt. Zeugen, dass die Angaben des Schiedsrichters unrichtig gewesen wären, wurden nicht angeboten.

Schließlich kann die völlig unsubstantiierte Behauptung über ein "Mitglied des Kreisverbandes" keinen Einspruch rechtfertigen. Hier hätte konkret das Mitglied genannt und die Umstände dargestellt werden müssen, in welchem die Äußerung gefallen sein soll. Im Übrigen hätte aber auch eine solche Äußerung keinen Einspruch wegen eines Regelverstoßes begründen können, weil ein Einfluss auf das Spiel nicht ansatzweise dargestellt worden ist.

Aus diesen Gründen war die Revision zurückzuweisen.

4. Die Kosten ergeben sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 II. Ziffern 6 c), 9 FO i.V.m. § 2 Ziffern 6 c) und 9 Anlage zur FO.




Aktenzeichen: 00088-16/17
Sitzung vom 17.08.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Beschwerde Verein A gegen die Relegation des Kreises Würzburg vom 18.06.2017

Urteil:

I. Die Beschwerde des Vereins A vom 18.06.2017 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 61,63 und die Beschwerdegebühr in Höhe von € 205,44.

Begründung:

1. Mit Schreiben vom 18.06.2017 stellte der Verein A (Beschwerdeführer) klar, dass sich sein Beschwerdeschreiben gegen die Änderung des § 19 Abs. 6 und 7 während einer laufenden Saison richtet, da dies die Auf- und Abstiegsregelung im großem Maße beeinflusst.

2. Es kann offenbleiben, ob die Beschwerde zulässig ist.

Die Beschwerde ist in jedem Falle unbegründet, weil der § 19 der Spielordnung in seiner jetzigen Fassung vom Verbandstag beschlossen wurde und damit nicht der Überprüfung durch das VSG unterliegt. Gemäß § 4 RVO können nur Entscheide des Verbandspräsidiums, des Verbandsvorstandes und diesen nachgeordneten Gremien und Verwaltungsorganen durch das VSG überprüft werden.

3. Kosten: § 11 I. Nr. 7, 13 Finanzordnung i.V.m. § 2 I. Nr. 7, 13 Anlage zur Finanzordnung.




Aktenzeichen: 00086-16/17-VSG
Sitzung vom 22.07.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Schreckenbauer

Berufung des Vereins A gegen das Urteil vom 18.05.2017 mit Aktenzeichen 00177-16/17-BSG Ofr.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins A wird das Urteil des BSG Oberfranken vom 18.05.2017 - Az. 00177-16/17-BSG Ofr. mit der Maßnahme abgeändert, dass der Spieler B des Vereins A gemäß § 68 Abs. 1 RVO ab 07.05.2017 für 4 Verbandspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksligamannschaft des Vereins A gesperrt wird und die Geldstrafe auf 150,00 € unter Mithaftung des Vereins A festgesetzt wird. Im Übrigen verbleibt es bei den Festsetzungen des Ersturteils.

II. Kosten des Verfahrens 1. Instanz trägt der Betroffene Spieler B. Die Kosten der 2. Instanz einschließlich der Kosten der mündlichen Verhandlung trägt der Verein A zu 50%. Im Übrigen trägt die Kosten der 2. Instanz der BFV: Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein S am 06.05.2017 lief laut Meldung des SR der Spieler B nach dem Halbzeitpfiff auf das auf dem Weg in die Kabine befindliche SR-Gespann zu, rempelte mit seiner Schulter gegen die Schulter des leitenden SR und schrie: "Ich spiele seit 24 Jahren Fußball, aber das ist das Lächerlichste". Der Spieler B war in der 32. Minute mit gelb-roter Karte des Feldes verwiesen worden. Mit Beschluss des BSG Oberfranken vom 08.05.2017 (Az:00173-16/17-BSG Ofr.) wurde der Spieler durch einstweilige Verfügung ab 7.5.2017 gesperrt.

Stellungnahme des Vereins A ging am 8.5.2017 beim BSG Oberfranken ein, sie wurde am 13.5.2017 ergänzt, nachdem sich der leitende SR auf Anfrage des BSG Oberfranken seinerseits zur Stellungnahme des Vereins A geäußert hatte. Im Wesentlichen wurde vom Verein A bestritten, dass Spieler B den SR "bedrängt" habe; der SR blieb inhaltlich bei seiner Meldung.

Mit Urteil vom 18.05.2017 (AZ: 00177-16/17-BSG Ofr.) belegte das zuständige BSG Oberfranken den Spieler B nach § 68 I RVO mit einer Sperre von sieben Verbandsspielen sowie einer Geldstrafe von 300,00 €. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Vereins A.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs.3 RVO am 22.5.2017 eingelegt. Der "Einspruch" des Vereins A war als Berufung auszulegen. Das VSG ist zuständig gemäß § 20 Abs.1 e RVO. Der Verbandsanwalt ist dem Berufungsverfahren beigetreten.

3. Die Berufung ist teilweise begründet. Nach der am 22.07.2017 in Bamberg durch das VSG mit Beteiligung des Verbandsanwaltes durchgeführten mündlichen Verhandlung steht zur Überzeugung des VSG fest, dass der Spieler B zu Recht durch das Erstgericht wegen Beleidigung und unsportlichem Verhalten gegenüber dem SR bestraft worden ist. Es hat die mündliche Verhandlung aber auch ergeben, dass das Fehlverhalten des Betroffenen im Tat- und Schuldvorwurf nicht die Intensität erreichte, von der das Erstgericht ausgegangen ist. Damit war das Strafmaß entsprechend zu reduzieren.

Bei seiner Vernehmung hat der Beschuldigte eingeräumt, zum SR-Gespann auf dem Weg zur Kabine gelaufen zu sein, um es wegen des Feldverweises zur Rede zu stellen. Die in der Meldung beschriebene Äußerung habe er gemacht. Er sei aber nicht in Berührung mit dem SR gekommen, es habe keinen körperlichen Kontakt gegeben. Die als Zeugen vernommenen SR-Assistenten hatten zwar eine körperliche Berührung zwischen Spieler B und dem SR gesehen, sie aber nicht als "Rempler" eingestuft, sondern eher als Versuch, den SR aufzuhalten um seine Frage loszuwerden. Beide bezeichneten die Berührung als "leicht" ohne Gefährdung der körperlichen Integrität des SR. Genaueres hätten sie nicht wahrnehmen können, weil mehrere Personen einen "Pulk" bildeten und eine bessere Übersicht unmöglich machten. Die Zeugen X und Y, beide Verein A, gaben an, eine Berührung nicht gesehen zu haben, sie konnten aber auch nicht schlüssig dartun, dass eine solche tatsächlich nicht erfolgt war. Der vom Verein A angegebene Zeuge Z gab bei der telefonischen Einvernahme an, er könne zum Vorgang als solchem keine Äußerungen tun, weil er ihn nicht wahrgenommen habe. Der wegen einer Auslandsreise verhinderte SR M erklärte bei seiner telefonischen Einvernahme, dass es eindeutig körperlichen Kontakt mit Spieler B gegeben habe. Auf Nachfrage erklärte er aber, dass es kein Rempler im Sinne eines Angriffes gewesen wäre, sondern eher ein Versuch, ihn aufzuhalten, ohne hohe Intensität.
Nach Abschluss der Beweisaufnahme beantragte der Verbandanwalt eine Sperrstrafe von vier Spielen und eine Geldstrafe von 200,00 €.
In seinem Schlusswort gestand der Beschuldigte zu, dass seine Äußerung und sein Versuch, den SR zur Rede zu stellen nicht in Ordnung war, er bestritt aber weiter, dass es zu körperlichen Kontakt mit dem SR gekommen sei.

In seiner Beweiswürdigung kommt das VSG zu dem Ergebnis, dass der Spieler B bei seinem Versuch, den SR zu befragen, Schulter an Schulter mit ihm in Kontakt kam. Die entsprechenden Angaben der SR-Assistenten hierzu waren glaubhaft und von keinerlei Belastungseifer getragen. Auch der telefonische Vortrag des SR zu dieser Frage gab keinen Anlass zu Zweifeln. Es steht aber auch fest, dass der Kontakt kein Rempler im Sinne eines Angriffes gewesen ist, die Absicht des Beschuldigten ging nicht auf Schädigung des SR, sondern hatte das Ziel, ihn aufzuhalten und ihn über den Platzverweis zu befragen.

Dieses Verhalten von Spieler B stellt eindeutig eine Unsportlichkeit dar, insbesondere auch, weil wegen der hektischen Gesamtsituation für den SR eine Gefährdung darin bestand, dass er nicht unverzüglich in die Kabine gelangen konnte. In Verbindung mit der herabwürdigenden Äußerung "ihr seid das Lächerlichste" hält das VSG insgesamt eine Sperre von vier Spielen und eine Geldstrafe von 150,00 € für gerechtfertigt. Das Ersturteil war damit entsprechend abzuändern.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO in Verbindung mit § 11 I 8 b), 13 d) FO i.V.m. § 2 I 8 b), 13 d) Anlage zur FO.




Aktenzeichen: 00085-16/17-VSG
Sitzung vom 11.07.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Vereins A bzgl. seines Spielers A

Beschluss :

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG Erlangen/Pegnitzgrund vom 20.06.2017, AZ 00549-16/17-KSG Erl/Peg) gegen den Spieler A wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer I wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler A ab 12.07.2017 für noch 1 Verbandsspiel im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksligamannschaft des Vereins A gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Erlangen/Pegnitzgrund vom 20.06.2017, AZ 00549-16/17-KSG Erl/Peg wurde der Spieler A wegen unsportlichen Verhaltens am 14.06.2017 für 2 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft des Vereins A gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins gesperrt ist, bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I.

Der Spieler A gehört nach Dafürhalten des VSG zum Kreis der Stammspieler der 1. Mannschaft des Vereins A, welche in der Kreisliga spielte. Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in der Saison 2016/2017 in 28 Verbandsspielen der 1. Mannschaft eingesetzt und hiervon 23 Mal von Beginn an; lediglich 3 Spiele hat er in der 2. Mannschaft absolviert.

Die 2. Mannschaft des Vereins A hatte nach der roten Karte noch ein weiteres Relegationsspiel am 18.06.2017 absolviert für welches der Spieler gesperrt war. Laut Spielplan beginnt die 2. Mannschaft (jetzt Kreisklasse) erst am 06.08.2017 mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 06.08.2017 andauert.

Die 1. Herrenmannschaft in der Kreisliga hatte nach dem Urteil kein Verbandsspiel mehr zu absolvieren und beginnt bereits am 28.07.2017 mit dem Spielbetrieb. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Kreisliga-Mannschaft 3 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 3 Spiele wäre der Spieler A aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die vom Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 20.06.2017.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO i.V.m. § 2 Nr. 11 Anlage zur FO.




Aktenzeichen: 00084-16/17-VSG
Sitzung vom 11.07.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmann

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 06.06.2017 mit Aktenzeichen 00191-16/17-BSG Mfr.

Urteil:

I. Auf die Revision des Vereins A wird das Urteil des BSG Mittelfranken vom 06.06.2017 00191-16/17-BSG Mfr. aufgehoben.

II. Das Verfahren wird zur neuerlichen Verhandlung an das BSG Unterfranken verwiesen.

III. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Mit Urteil vom 16.06.2017 - AZ. 00668-16/17-KSG Nbg./Frhö wurde der 1. Vorstand des Vereins A, Herr B, gem. §§ 47/48 RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe belegt.

Hiergegen richtet sich die mit Schreiben vom 23.05.2017 per ZIMBRA-Postfachsystem, eingelegte Berufung gem. § 44 RVO mit der Begründung: Das Urteil des Kreis-Sportgerichts wird im vollen Umfang zur Überprüfung durch das Berufungsgericht gestellt. Es bestehen erhebliche materielle Fehler. Die Berufung wurde von der Rechtsanwältin C unter Vorlage der Vollmacht des Vereins eingereicht.

Das Rechtsmittel wurde vom BSG Mittelfranken mit Urteil vom 06.06.2017 als unzulässig verworfen. Das BSG ging aufgrund einer Mitteilung des BLSV, dass die Rechtsanwältin dort nicht als Mitglied gemeldet sei, davon aus, dass keine Vereinsmitgliedschaft besteht und wies die Berufung als unzulässig zurück. Dem Betroffenen wurde vorher keine Möglichkeit gewährt, die Frage der Vertretungsberechtigung weiter aufzuklären.

Hiergegen richtet sich die am 13.06.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA eingelegte Revision, die sich darauf stützt, dass die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Vereins sei und die Auskunft des BLSV dem Verein nicht zur Stellungnahme vorgelegt wurde, mithin ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vorliege.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist auch begründet.

Für die Vertretungsberechtigung nach § 30 Abs. 2 RVO reicht es aus, dass die vertretende Rechtsanwältin Mitglied beim Verein ist. Ob sie beim BLSV gemeldet ist, spielt keine Rolle. Die Frage der Mitgliedschaft muss das Gericht von Amts wegen klären. Bestehen Zweifel, ist es notwendig, dass der Betroffene darüber informiert wird und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs vor.

Der Betroffene hat hier einen Auszug aus seiner Mitgliederliste vorgelegt, wonach die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Betroffenen ist.

Zweifel an der Richtigkeit der Mitgliederliste bestehen nicht.

Damit durfte die Rechtsanwältin den Betroffenen vertreten. Das Urteil des BSG war daher aufzuheben und die Sache zur weiteren Aufklärung zurückzuverweisen.

Das VSG folgte hier dem Antrag des Betroffenen, die Sache an ein anderes BSG zu verweisen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das BSG Mittelfranken durch vorangegangene unzutreffende Befassung mit der Angelegenheit nicht mehr unbefangen an das Verfahren herangehen kann.




Aktenzeichen: 00083-16/17-VSG

Sitzung vom 11.07.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmannn

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 06.06.2017 mit Aktenzeichen 00190-16/17-BSG Mfr.

Urteil:

I. Auf die Revision des Vereins A wird das Urteil des BSG Mittelfranken vom 06.06.2017 00190-16/17-BSG Mfr. aufgehoben.

II. Das Verfahren wird zur neuerlichen Verhandlung an das BSG Unterfranken verwiesen.

III. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Mit Urteil vom 16.06.2017 - AZ. 00667-16/17-KSG Nbg./Frhö wurde der Spieler Z des Vereins A gem. § 68 RVO wegen unsportlichen Verhaltens gegenüber dem amt. Schiedsrichter ab 22.05.2017 für 5 Verbandsspiele gesperrt.

Hiergegen richtet sich die mit Schreiben vom 23.05.2017 per ZIMBRA-Postfachsystem, eingelegte Berufung gem. § 44 RVO mit der Begründung: Das Urteil des Kreis-Sportgerichts wird im vollen Umfang zur Überprüfung durch das Berufungsgericht gestellt. Es bestehen erhebliche materielle Fehler. Die Berufung wurde von der Rechtsanwältin C unter Vorlage der Vollmacht des Vereins eingereicht.

Das Rechtsmittel wurde vom BSG Mittelfranken als unzulässig verworfen. Das BSG ging aufgrund einer Mitteilung des BLSV, dass die Rechtsanwältin dort nicht als Mitglied gemeldet sei, davon aus, dass keine Vereinsmitgliedschaft besteht und wies die Berufung als unzulässig zurück. Dem Betroffenen wurde vorher keine Möglichkeit gewährt, die Frage der Vertretungsberechtigung weiter aufzuklären.

Hiergegen richtet sich die am 13.06.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA eingelegte Revision, die sich darauf stützt, dass die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Vereins sei und die Auskunft des BLSV dem Verein nicht zur Stellungnahme vorgelegt wurde, mithin ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vorliege.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist auch begründet.

Für die Vertretungsberechtigung nach § 30 Abs. 2 RVO reicht es aus, dass die vertretende Rechtsanwältin Mitglied beim Verein ist. Ob sie beim BLSV gemeldet ist, spielt keine Rolle. Die Frage der Mitgliedschaft muss das Gericht von Amts wegen klären. Bestehen Zweifel, ist es notwendig, dass der Betroffene darüber informiert wird und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs vor.

Der Betroffene hat hier einen Auszug aus seiner Mitgliederliste vorgelegt, wonach die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Betroffenen ist.

Zweifel an der Richtigkeit der Mitgliederliste bestehen nicht.

Damit durfte die Rechtsanwältin den Betroffenen vertreten. Das Urteil des BSG war daher aufzuheben und die Sache zur weiteren Aufklärung zurückzuverweisen.

Das VSG folgte hier dem Antrag des Betroffenen, die Sache an ein anderes BSG zu verweisen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das BSG Mittelfranken durch vorangegangene unzutreffende Befassung mit der Angelegenheit nicht mehr unbefangen an das Verfahren herangehen kann.




Aktenzeichen: 00082-16/17-VSG
Sitzung vom 11.07.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmann

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 06.06.2017 mit Aktenzeichen 00189-16/17-BSG Mfr.

Urteil:

I. Auf die Revision des Vereins A wird das Urteil des BSG Mittelfranken vom 06.06.2017 00189-16/17-BSG Mfr. aufgehoben.

II. Das Verfahren wird zur neuerlichen Verhandlung an das BSG Unterfranken verwiesen.

III. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Mit Urteil vom 16.06.2017 - AZ. 00666-16/17-KSG Nbg./Frhö wurde der Spieler Y des Vereina A, gem. § 68 RVO wegen unsportlichen Verhaltens gegenüber dem amt. Schiedsrichter ab 22.05.2017 für 5 Verbandsspiele gesperrt.

Hiergegen richtet sich die mit Schreiben vom 23.05.2017 per ZIMBRA-Postfachsystem, eingelegte Berufung gem. § 44 RVO mit der Begründung: Das Urteil des Kreis-Sportgerichts wird im vollen Umfang zur Überprüfung durch das Berufungsgericht gestellt. Es bestehen erhebliche materielle Fehler. Die Berufung wurde von der Rechtsanwältin C unter Vorlage der Vollmacht des Vereins eingereicht.

Das Rechtsmittel wurde vom BSG Mittelfranken als unzulässig verworfen. Das BSG ging aufgrund einer Mitteilung des BLSV, dass die Rechtsanwältin dort nicht als Mitglied gemeldet sei, davon aus, dass keine Vereinsmitgliedschaft besteht und wies die Berufung als unzulässig zurück. Dem Betroffenen wurde vorher keine Möglichkeit gewährt, die Frage der Vertretungsberechtigung weiter aufzuklären.

Hiergegen richtet sich die am 13.06.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA eingelegte Revision, die sich darauf stützt, dass die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Vereins sei und die Auskunft des BLSV dem Verein nicht zur Stellungnahme vorgelegt wurde, mithin ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vorliege.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist auch begründet.

Für die Vertretungsberechtigung nach § 30 Abs. 2 RVO reicht es aus, dass die vertretende Rechtsanwältin Mitglied beim Verein ist. Ob sie beim BLSV gemeldet ist, spielt keine Rolle. Die Frage der Mitgliedschaft muss das Gericht von Amts wegen klären. Bestehen Zweifel, ist es notwendig, dass der Betroffene darüber informiert wird und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs vor.

Der Betroffene hat hier einen Auszug aus seiner Mitgliederliste vorgelegt, wonach die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Betroffenen ist.

Zweifel an der Richtigkeit der Mitgliederliste bestehen nicht.

Damit durfte die Rechtsanwältin den Betroffenen vertreten. Das Urteil des BSG war daher aufzuheben und die Sache zur weiteren Aufklärung zurückzuverweisen.

Das VSG folgte hier dem Antrag des Betroffenen, die Sache an ein anderes BSG zu verweisen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das BSG Mittelfranken durch vorangegangene unzutreffende Befassung mit der Angelegenheit nicht mehr unbefangen an das Verfahren herangehen kann.




Aktenzeichen: 00081-16/17-VSG
Sitzung vom 11.07.2017
Besetzung: Beierlein, Krause, Roßmann

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 06.06.2017 mit Aktenzeichen 00188-16/17-BSG Mfr.

Urteil:

I. Auf die Revision des Vereins A wird das Urteil des BSG Mittelfranken vom 06.06.2017 00188-16/17-BSG Mfr. aufgehoben.

II. Das Verfahren wird zur neuerlichen Verhandlung an das BSG Unterfranken verwiesen.

III. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Mit Urteil vom 16.06.2017 - AZ. 00664-16/17-KSG Nbg./Frhö wurde der Spieler X des Vereins A, gem. § 67 RVO wegen einer Tätlichkeit gegenüber dem amt. Schiedsrichter gemäß § 72 RVO wegen Verschulden des Spielabbruchs mit einschl. 26.10.2017 gesperrt.

Hiergegen richtet sich die mit Schreiben vom 23.05.2017 per ZIMBRA-Postfachsystem, eingelegte Berufung gem. § 44 RVO mit der Begründung: Das Urteil des Kreis-Sportgerichts wird im vollen Umfang zur Überprüfung durch das Berufungsgericht gestellt. Es bestehen erhebliche materielle Fehler. Die Berufung wurde von der Rechtsanwältin C unter Vorlage der Vollmacht des Vereins eingereicht.

Das Rechtsmittel wurde vom BSG Mittelfranken als unzulässig verworfen. Das BSG ging aufgrund einer Mitteilung des BLSV, dass die Rechtsanwältin dort nicht als Mitglied gemeldet sei, davon aus, dass keine Vereinsmitgliedschaft besteht und wies die Berufung als unzulässig zurück. Dem Betroffenen wurde vorher keine Möglichkeit gewährt, die Frage der Vertretungsberechtigung weiter aufzuklären.

Hiergegen richtet sich die am 13.06.2017 über das Postfachsystem ZIMBRA eingelegte Revision, die sich darauf stützt, dass die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Vereins sei und die Auskunft des BLSV dem Verein nicht zur Stellungnahme vorgelegt wurde, mithin ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vorliege.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig. Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist auch begründet. Für die Vertretungsberechtigung nach § 30 Abs. 2 RVO reicht es aus, dass die vertretende Rechtsanwältin Mitglied beim Verein ist. Ob sie beim BLSV gemeldet ist, spielt keine Rolle. Die Frage der Mitgliedschaft muss das Gericht von Amts wegen klären. Bestehen Zweifel, ist es notwendig, dass der Betroffene darüber informiert wird und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs vor.

Der Betroffene hat hier einen Auszug aus seiner Mitgliederliste vorgelegt, wonach die Rechtsanwältin seit 01.04.2017 Mitglied des Betroffenen ist.

Zweifel an der Richtigkeit der Mitgliederliste bestehen nicht.

Damit durfte die Rechtsanwältin den Betroffenen vertreten. Das Urteil des BSG war daher aufzuheben und die Sache zur weiteren Aufklärung zurückzuverweisen.

Das VSG folgte hier dem Antrag des Betroffenen, die Sache an ein anderes BSG zu verweisen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das BSG Mittelfranken durch vorangegangene unzutreffende Befassung mit der Angelegenheit nicht mehr unbefangen an das Verfahren herangehen kann.




Aktenzeichen: 00080-16/17-VSG
Sitzung vom 13.07.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 12.05.2017, Az: 00255-16/17-BSG Obb.:

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 12.05.2017 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Am 20.11.2016 fand das Verbandsspiel Verein A - Verein B statt, welches 2:1 für den Verein B endete. Mit Schreiben vom 23.11.2016 legte der Verein A (Revisionsführerin) wegen eines behaupteten Regelverstoßes nach § 38 RVO Einspruch gegen die Spielwertung ein und mit weiterem Schreiben vom 22.11.2016 erfolgte eine Anzeige wegen eines unzulässigen Spielereinsatzes seitens des Vereins B. Begründet wurde dies jeweils damit, dass der Spieler A (Verein B) in der 88. Spielminute die gelb-rote Karte erhalten und in der 90. Spielminute erneut am Spiel teilgenommen habe. Er sei dann wegen einer Unsportlichkeit in Form des Ballwegschlagens erneut vom Spiel ausgeschlossen worden.

Mit Urteil vom 18.04.20107 wies das KSG den Einspruch nach durchgeführter mündlicher Verhandlung zurück. Der Nachweis eines unzulässigen Spielereinsatzes habe nach Ansicht des KSG nicht geführt werden können. Gegen dieses Urteil legte die Revisionsführerin über das Postfachsystem ZIMBRA am 24.04.2017 Berufung ein.

Die Berufung wies das BSG mit Urteil vom 12.05.2017, zugestellt am selben Tag, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 16.05.2017 eingelegte Revision. Die Revisionsführerin macht geltend, dass ihr vor dem Erlass des Berufungsurteils die beantragte Akteneinsicht zwar zugesagt, jedoch nicht gewährt worden sei.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt die Revisionsführerin zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass die Revisionsführerin einen Verstoß gegen das rechtliche Gehör rügt.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Zwar liegt ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vor. Grundsätzlich ist ein Recht auf Akteneinsicht in der Rechts- und Verfahrensordnung nicht vorgesehen. Ob hier ausnahmsweise ein Anspruch auf Akteneinsicht bestand, kann jedoch offenbleiben, weil jedenfalls dann ein Anspruch vor dem Erlass eines Urteils besteht, wenn die Akteneinsicht zugesagt wurde.

Der Verstoß gegen das rechtliche Gehör hatte aber keinen Einfluss auf das Urteil. Der Revisionsführerin wurde vom VSG umfänglich Akteneinsicht gewährt. Eine Stellungnahme zur weiteren Begründung der Revision erfolgte aber trotz Fristverlängerung nicht.

Auf der Grundlage des Ermittlungsergebnisses des KSG und des BSG sind die Urteile zutreffend.

Zunächst ist klarzustellen, dass die Frage, ob ein unzulässiger Einsatz eines Spielers vorliegt, eine Frage der im Allgemeinen oder im Einzelfall vorhandenen Spielberechtigung darstellt. Über die Spielberechtigung hat jedoch nicht der Schiedsrichter zu entscheiden. Sofern er der Ansicht ist, eine Spielberechtigung besteht nicht, muss er dennoch den Spieler teilnehmen lassen. Er muss dies dem Sportgericht melden, das zu dieser Frage alleine prüfungskompetent ist.

Wenn aber der Schiedsrichter in dieser Frage keine Entscheidungskompetenz besitzt, können die Tatsachen, aus denen sich die Spielberechtigung bzw. die fehlende Spielberechtigung ableiten lässt, keine Tatsachenentscheidungen sein.

Das KSG und das BSG gingen daher zurecht davon aus, dass der Aussage des Schiedsrichters, ob und welchen Spieler er in der 88. Spielminute vom Platz stellte, durch das Sportgericht in vollem Umfang überprüfbar waren, jedenfalls in Bezug auf die damit möglicherweise erloschene Spielberechtigung.

Das KSG konnte sich auch durch die persönliche Einvernahme des Schiedsrichters nicht davon überzeugen, dass er den Spieler A in der 88. Spielminute tatsächlich bereits vom Platz gestellt hatte. Dabei war zu berücksichtigen, dass der Aussage des Schiedsrichters bei der Frage, ob und wem er die Rote Karte gezeigt hat, überragende Bedeutung beikommt. Er ist die neutrale Person, die bei einer roten Karte handelt. Dessen war sich das KSG jedoch bewusst, weshalb es bei der Beweiswürdigung nicht nur festhielt, dass es die Aussage des Schiedsrichters für nicht glaubhaft hielt, sondern auch anhand der Aussagen der weiteren Zeugen und der eigenen Angaben des Schiedsrichters und insbesondere auch durch Auslesen des Live-Tickers diese Ansicht untermauerte. Bei dieser Sachlage ist das Beweisergebnis nicht zu beanstanden, wonach das KSG sich nicht davon überzeugen konnte, dass der Schiedsrichter den Spieler A vom Platz gestellt hatte.

Beweisbelastet ist beim unzulässigen Einsatz eines Spielers die Revisionsführerin. Sie macht den unzulässigen Einsatz geltend und muss daher die Tatsachen beweisen, die den unzulässigen Einsatz begründen. Dazu zählt auch die Frage, ob der Spieler in der 88. Spielminute bereits vom Platz gestellt worden war oder nicht.

Diesen Beweis konnte die Revisionsführerin nicht erbringen, so dass das Urteil des BSG und letztlich auch das KSG zutreffend waren. Das dagegen erhobene Rechtsmittel der Berufung und anschließend der Revision können daher keinen Erfolg haben.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO i.V.m. § 2 Nrn. 9 und 13 d) Anlage zur FO.


Aktenzeichen: 00079-16/17-VSG
Sitzung vom 27.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Schreckenbauer

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 17.06.2017 mit Aktenzeichen 00294-16/17-BSG Obb.

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € sowie die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 € trägt der Verein A. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim B-Klassen-Verbandsspiel Verein B gegen Verein A am 3.6.2017 wurde laut Meldung des SR für drei Spieler des Vereins A der Nachweis des Spielrechts nicht ordnungsgemäß geführt: im Online-Spielbericht fehlten die Bilder, Pässe wurden nicht vorgelegt. Am 4.6.2017 wurde dem Verein A die Einleitung eines Verfahrens mitgeteilt mit Hinweis auf die Möglichkeit, den Spielrechts-Nachweis innerhalb der Drei-Tages-Frist zu erbringen. Eine Reaktion des Vereins A erfolgte nicht.

Mit Urteil vom 10.6.2017 verurteilte das KSG Zugspitze den Verein A wegen unzulässigen Spielereinsatzes zu einer Geldstrafe und nahm eine Spielwertung zu seinen Lasten vor (Az: 00808-16/17-KSG Zugspitze). Mit Schreiben vom 12.6.2017 hat der Betroffene gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Mit Urteil vom 17.6.2017 hat das BSG Oberbayern die Berufung als unbegründet zurückgewiesen. Gegen dieses Berufungsurteil richtet sich die Revision des Vereins A.

2. Die Revision ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht am 19.6.2017 eingelegt, § 45 Abs.2 Satz 1 RVO in Verbindung mit § 44 Abs.2, 3 RVO. Nach § 45 Abs.2 Satz 2 RVO muss in der Revision die verletzte Vorschrift bezeichnet werden. Dies ist hier zwar nicht ausdrücklich durch ziffernmäßige Bezeichnung der Norm erfolgt, es ergibt sich aber aus dem Gesamtvortrag eindeutig, dass eine Verletzung des § 33 SpO gerügt wird. Nach ständiger Rechtsprechung des VSG ist die ausdrückliche ziffernmäßige Nennung des verletzten Paragraphen dann nicht erforderlich, wenn sich aus dem Revisionsvortrag inhaltlich zweifelsfrei die verletzte Norm ergibt.

3. Die Revision ist jedoch nicht begründet. Ein Rechtsfehler ist bei der Urteilsfindung der Vorinstanzen nicht ersichtlich. Es wurde zutreffend festgestellt, dass der Einsatz der drei Spieler unzulässig war. § 33 Ziffer 2 SpO verlangt eindeutig den Nachweis der Spiel-berechtigung vor dem Spiel gegenüber dem SR. Dies ist laut Feststellung der Vorinstanz nicht ordnungsgemäß erfolgt, weil auf dem Elektronischen Spielbericht die Bilder nicht hochgeladen waren (Ziffer 2.1.) und Pässe nicht vorgelegt wurden (Ziffer 2.2.1). Der ordnungsgemäße Nachweis liegt in der Verantwortung des Vereins, sodass - wie schon vom Berufungsgericht richtig angemerkt - auch ein mögliches Fehlverhalten des SR eine andere Wertung nicht rechtfertigen kann.

Von der Möglichkeit, das Spielrecht nach § 33 Ziffer 3.2. SpO innerhalb von drei Tagen nachzuweisen, hat Verein A, wie zugestanden durch eigene Nachlässigkeit, keinen Gebrauch gemacht.

Das Berufungsgericht ist damit zutreffend von einem unzulässigen Spielereinsatz nach § 77 RVO ausgegangen. Die Spielwertung zu Lasten des fehlbaren Vereins ist nach §§ 77 Abs.1 RVO in Verbindung mit § 29 SpO zwingende Rechtsfolge, die überdies als Nebenfolge nach § 61 RVO keinen Strafcharakter hat und damit von einem Verschulden des betroffenen Vereins nicht abhängig ist.

Das Urteil der Vorinstanz ist deshalb nicht zu beanstanden. Die Revision war als unbegründet zurückzuweisen.

4. Die Kosten ergeben sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 Nr. 1 Ziffern 9, 13 FO i.V.m. § 2 Ziffern 9 und 13 Anlage zur FO.



Aktenzeichen: 00078-16/17-VSG
Sitzung vom: 27.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Roßmann

Beschwerde des Vereins A vom 20.06.2017

Urteil:

I. Die Beschwerde des Vereins A gegen den Bescheid des Verbands-Spielausschusses vom 12.06.2017 (Einteilung der Bayernligen für die Saison 2017/2018) wird zurückgewiesen.

II. Die Beschwerdegebühr in Höhe von 154,08 € trägt der Verein A. Außergericht-liche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Mit Bescheid vom 12.06.2017 legte der Verbands-Spielausschuss die Zusammenset-zung der beiden Bayernligen Nord und Süd für die Saison 2017/2018 fest. Der Be-scheid wurde per Zustellung in die Postfächer der beteiligten Vereine am selben Tag bekannt gegeben. Dagegen legte der Verein A (Beschwerdeführer) am 16.06.2017 per Einschreiben Beschwerde ein. Der Verbands-Spielausschuss half der Beschwerde nicht ab. Mit Schreiben vom 19.06.2017 beantragte der Verbands-Präsident die Entscheidung durch das Verbands-Sportgericht (VSG). Mit Schreiben vom 20.06.2017 legte der Verbandsanwalt die Beschwerde dem VSG vor. Er beantragte Zurückweisung der Beschwerde.

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 2 RVO. Die Angelegenheit wurde vom Verbands-Präsidenten dem VSG zugeleitet. Da die Entscheidung die Spielklasseneinteilung der nächsten Saison betrifft, ist die besondere Eilbedürftigkeit gegeben. Der Präsident kann in jeder Lage des Verfahrens die Entscheidung des VSG beantra-gen.

3. Die form- und fristgerecht eingelegte Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-spielausschusses ist zulässig.

Beschwerdeberechtigt ist ein Verein, der sich durch die Einteilung einer seiner Mann-schaften in eine bestimmte Liga benachteiligt sieht und deshalb die Aufnahme in eine andere Liga begehrt. Der Beschwerdeführer richtet sich hier gegen seine Einteilung in die Bayernliga Süd. Er begehrt, in die Bayernliga Nord eingeteilt zu werden. Die Be-schwerde ist damit zulässig.

4. Die Beschwerde ist jedoch unbegründet.

Das VSG hat sich mit der Frage der Überprüfung der Einteilung der Mannschaften in bestimmte Ligen bereits in mehreren Entscheidungen befasst (Fälle 2-03/04, 38-03/04, 01-13/14, 71-12/13, und 81-13/14). Die bereits in diesen Verfahren aufgestellten Grundsätze wurden anlässlich dieses Falls und der zwischenzeitlichen textlichen Än-derung der Spielordnung nochmals vom VSG überprüft. Sie werden auch nach nochmaliger Überprüfung wie folgt aufrechterhalten:

Die Einteilung der Vereine gemäß §§ 8 Nr. 3, 11 Nr. 2 Spielordnung (SpO) obliegt dem Ermessen des für den Spielbetrieb zuständigen Organs, das hierbei nach geografischen, spieltechnischen und verkehrstechnischen Gesichtspunkten vorzugehen hat.

Das VSG kann nur prüfen, ob das Ermessen ausgeübt wurde und dabei kein Ermessensfehler unterlaufen ist, also insbesondere eine nachvollziehbare Entscheidung ge-troffen wurde, die den vorgegebenen Parametern folgt und nicht willkürlich ist. Regelmäßig werden sich dabei mehrere Möglichkeiten der Einteilung der Ligen ergeben und Grenzfälle auftreten. Die Entscheidung solcher Fälle hat dann das oben genannte Organ autonom zu treffen. Ein Anspruch eines Vereins darauf, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen eine bestimmte getroffen wird, besteht nicht. Auch kann nicht gefordert und dementsprechend überprüft werden, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen die "optimalste Lösung" herangezogen wird. Zum einen lässt sich diese optimalste Lösung meist nicht objektiv feststellen, sondern besteht nur aus dem Blickwinkel eines oder mehrere Vereine, zum anderen steht dem Organ nur ein kurzes Zeitfenster zwischen dem Abschluss der Vorsaison und dem Neubeginn der Folgesaison zur Verfügung, so dass die dafür notwendige Zeit, die objektiv beste Lösung zu ermitteln, nicht zur Verfügung steht. Die rechtzeitige Sicherheit über die Zusammensetzung der Ligen ist aber unter dem Aspekt des Wettbewerbs ebenfalls ein zu berücksichtigender Gesichtspunkt.

Unter Beachtung dieser Grundsätze ist die Einteilung durch den Verbands-Spielausschuss (VSpA) nicht zu beanstanden, ein Ermessensfehler ist nicht ersichtlich.

Die beiden maßgeblichen Vorschriften der Spielordnung lauten:

§ 8 Nr. 3:

Einteilung:
3. Die Zusammenfassung der gemeldeten Mannschaften in die einzelnen Spielgruppen und die Gruppengröße nimmt der jeweilige Spiel-Ausschuss nach geographischen, spieltechnischen und verkehrstechnischen Gegebenheiten vor.
3.1 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Verbandsebene nimmt der Verbands-Spielausschuss vor.
3.2 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Bezirksebene nimmt der Bezirks-Spielausschuss vor.
3.3 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Kreisebene nimmt der Kreis-Spielausschuss vor. Die Kreisliga, die Kreisklasse, die A-, B- und C-Klassen spielen in den nach §§ 30 und 35 der Satzung gebildeten Kreisen.

§ 11 Nr. 2:

§ 11 Normzahlen der Ligen:
2. Die Bayernliga der Herren spielt im Verbandsgebiet in zwei Gruppen, die in der Regel bis zu 18 Mannschaften umfassen.

Die Bayernliga Nord führt die Normzahl von 18 Vereinen. Die Aufstockung der Bay-ernliga Süd auf 19 Vereine resultiert daraus, dass mit dem Zwangsabstieg des TSV 1860 München II eine weitere Mannschaft in die Bayernliga aufgenommen werden musste, die sich in der vergangenen Saison den Erhalt der Regionalliga erspielt hatte, jedoch durch den Abstieg der 1. Mannschaft aus der 2. Bundesliga in der Regionalliga nicht mehr spielberechtigt war.

Eine Aufstockung der Bayernliga Nord auf 20 Mannschaften, die zur Eingliederung des Beschwerdeführers und des ebenfalls Beschwerde einlegenden Vereins B notwendig gewesen wäre, wurde von den übrigen Vereinen der Bayernliga Nord in einer Umfrage durch den Spielleiter der Bayernliga Nord durch 14 Vereine explizit abgelehnt. Nur zwei Vereine waren dafür und zwei Vereine haben sich dazu nicht geäußert.

Das VSG hat bereits früher entschieden (VSG Fälle 38-03/04; 01-13/14), dass es im Sinne der weitest gehenden Gleichbehandlung in den einzelnen Gruppen ermessensfehlerhaft wäre, ohne Zustimmung der Vereine eine Gruppe mit 13 Mannschaften und die Nachbargruppe mit 16 Mannschaften spielen zu lassen. Dies gilt im selben Verhältnis bei der vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen Regelung, die 20 Vereine im Norden und 17 Verein im Süden vorsieht. Eine solche Regelung würde dazu führen, dass die Vereine im Norden vier Spiele mehr durchführen müsste, als mit der Normzahl vorgesehen, während die Vereine im Süden gleichzeitig zwei Spiele weniger hätten, als die Normzahl vorsieht. Es ist daher keinesfalls ermessensfehlerhaft, sondern sachgerecht, wenn der VSpA im Norden die Normzahl einhält und wegen des außerordentlichen Abstiegs nur im Süden um einen zusätzlichen Verein von der Normzahl abweicht.

Die von allen Vereinen zu fahrende Gesamtkilometerleistung wurde bei der Gestaltung berücksichtigt. Von den fünf Vereinen, die geografisch an der Grenze zwischen den beiden Bayernligen liegen, muss der Beschwerdeführer bei Eingruppierung in die Bayernliga Süd mit 3.256 Gesamtkilometern die zweitniedrigste Wegstrecke zurücklegen. Eine ähnliche Gesamtfahrleistung ergibt sich mit 3.243 km für den Verein B, der ebenfalls dem Süden zugeteilt wurde. Die übrigen in Betracht kommenden Vereine, Verein C mit 3.567 km, Verein D mit 3.800 km und Verein E mit 3.709 km hätten bei Einteilung in die Bayernliga Süd jeweils erheblich weitere Fahrtstrecken zu bewältigen. Ob eine Einteilung in die Bayernliga Nord eine so erheblich geringere Gesamtfahrleistung zur Folge hätte, wie sie der Beschwerdeführer behauptet, kann dahinstehen. Dass Vereine an der Grenzlinie der beiden Bayernligen höhere Kosten treffen können, weil sie in die jeweils andere Liga zugeteilt werden, liegt in der Natur der Sache. Dies ist Folge der Loslösung vom Prinzip der festen Bezirks-Zuordnung und der Notwen-digkeit, dass die beiden Ligen weitgehend gleiche Spielzahlen haben sollen. Die beiden Bezirke Oberpfalz und Mittelfranken, werden dabei regelmäßig den Bereich der Trennlinie abdecken, weil sie geografisch in der Mitte der Nord-Süd-Ausdehnung Bayerns liegen.

Die geografische Einteilung der Bayernligen führt zu keiner offensichtlichen Vermischung der Gruppen. Es gibt eine glatt verlaufende Trennlinie im Nord-Süd Bereich. Der Beschwerdeführer zählt zu den Vereinen, die jeweils an der geographischen Grenzlinie der Bayernligen liegen. Legt man den Breitengrad zugrunde, gibt es keinen Verein, der südlicher liegt und dennoch in die Bayernliga Nord zugeteilt wurde. Unabhängig davon würde dies aber auch nichts ändern, weil § 8 SpO eine alleinige Orientierung am geographischen Breitengrad im Sinne einer Luftlinie wegen der unterschiedlichen Verkehrsanbindung gerade nicht vorsieht.

Da durch den Aufstieg aus den fünf Landesligen und dem Abstieg aus den zwei Bayernligen geographisch jeweils eine zufällige Zusammensetzung der 36 Vereine entsteht, wird es naturgemäß immer eine Reihe von Grenzfälle geben, die der Verbands-Spielausschuss entscheiden muss.

Auch die weiteren vom Beschwerdeführer angeführten Gründe lassen keinen Ermessensfehler erkennen.

Die alleinige Umgruppierung des Beschwerdeführers in die Bayernliga Nord kann schon deshalb nicht verlangt werden, weil mit dem Verein B ein zweiter Verein Beschwerde eingelegt hat, der eine ähnliche Gesamtfahrleistung zu erbringen hat und der geographisch im selben Bereich zwischen den Bayernligen Nord und Süd liegt.

Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer eine Jugend-Partnerschaft mit dem Verein F eingegangen ist, stellt kein Argument dar, das zur Ermessensbindung führen würde. Mit wem der Verein eine Partnerschaft eingeht, ist die freie Entscheidung des Vereins. Örtliche Nähe stellt dabei nur ein Kriterium dar. Wie der Verein selbst einräumt, hätte er auch mit dem Verein G eine solche Verbindung suchen können. Würde ein solches Argument zur Ermessensbindung führen, könnte jeder Verein durch Eingehung einer solchen Partnerschaft die Liga wählen.

Die Frage, ob bei Zuteilung in die Liga Nord mehr Spieler zusagen, als bei Zuteilung in die Liga Süd, kann ebenfalls kein maßgebliches Kriterium sein. Ein Spieler, der in der Bayernliga spielen will, hat naturgemäß einen größeren Zeitbedarf, als ein Landesligaspieler oder ein Spieler auf Bezirks- oder Kreisebene. Durch die Wahrnehmung des Aufstiegsrechts in die überregionale Klasse hat der Verein zum Ausdruck ge-bracht, dass er genügend Spieler hat oder findet, die mehr Zeit in ihr Fußballspiel investieren wollen. Zudem betrifft dies nur Auswärtsspiele. Der Zeitbedarf der Heimspiele, die die Hälfte der Gesamtzahl ausmachen, ändert sich dadurch nicht.

Die Tatsache, dass verschiedene Auswärtsspiele in einer Bayernliga mit Großbussen angefahren werden müssen, trifft bei der geographischen Ausdehnung Bayerns praktisch alle Vereine. Der Beschwerdeführer hat durch die Häufung der Vereine im Groß-raum München eine Vielzahl von Auswärtsspiele, die verkehrstechnisch sehr gut liegen und daher ohne weiteres mit Privatfahrzeugen erreichbar sind.

Eine Abwägung dergestalt, welche Gegner die Zuschauer interessanter finden, lässt sich objektiv nicht vornehmen und scheidet daher als Kriterium aus.

Zusammengefasst ist demnach festzuhalten, dass kein Argument ersichtlich ist, das zwingend dazu führt, dass der Beschwerdeführer in die Bayernliga Nord eingeteilt werden muss. Dass es bei der Entscheidung über Grenzfälle regelmäßig auch Argumente gibt, die auch eine andere Einteilung rechtfertigen könnten, liegt in der Natur von Grenzfällen, macht eine Ermessensentscheidung aber nicht fehlerhaft. Der VSpA hat hier die Argumente gewürdigt und auch in Betracht gezogen, die Bayernliga Nord auf 20 Vereine aufzustocken. Die dadurch mit vier weiteren Spielen zusätzlich belasteten Vereine haben sich damit nicht einverstanden erklärt. Gegen den Willen der beteiligten Vereine und ohne zwingenden sachlichen Grund, wie er in der Bayernliga Süd mit einem zusätzlichen Absteiger aus der Regionalliga vorliegt, lässt sich die in der SpO vorgesehene Normzahl nicht erhöhen, zumal dies auch eine wesentlich erhöhte Abstiegszahl (um zwei Vereine) zur Folge hätte. Um die Normzahl von 18 Vereinen in der Folgesaison wieder zu erreichen, müssten zwei weitere Vereine absteigen, als dies bei Einhaltung der Normzahl notwendig ist.

Aus diesen Gründen war die Beschwerde zurückzuweisen.

5. Kostenentscheidung §§ 32,33 RVO, § 11 Abs. I Nr. 7, 13 FO. Nach der ständigen Rechtsprechung des VSG bei unmittelbarer Vorlage durch den Verbands-Präsidenten wurde nur die Beschwerdegebühr zum Verbands-Präsidium und nicht diejenige zum Verbands-Sportgericht festgesetzt.




Aktenzeichen: 00065-16/17-VSG
Sitzung: 23.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Krause

Berufung Herr X gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 18.04.2017, AZ.: 00220-16/17-BSG Obb.

Urteil:

I. Die Berufung des Mannschaftsverantwortlichen Herr X, Verein A, gegen das Urteil des BSG Obb. wird als unzulässig zurückgewiesen.
II. Die Kosten der Berufung in Höhe von € 61,63 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 102,72 trägt der Berufungsführer Herr X unter Mithaftung des Vereins A.

Gründe:

1. Beim Verbandsspiel der Bezirksoberliga der Frauen, Verein B gegen Verein A am 05.04.2017 erstattete der amtierende Schiedsrichter eine Sondermeldung. Der Mannschaftsverantwortliche Herr X soll die Spielerinnen des Vereins B als "Dampfwalzen" bezeichnet haben, die sich nicht benehmen könnten. Außerdem soll er gegenüber dem Schiedsrichter Folgendes geäußert haben: "Schiri, Du bist Scheiße und ein Mongo."

Daraufhin wurde der Mannschaftsverantwortliche des Innenraumes verwiesen. Nach Spielschluss entschuldigte sich dieser gegenüber dem Schiedsrichter.

In seiner Stellungnahme zur ersten Instanz berichtigte der Mannschaftsverantwortliche die Meldung des Schiedsrichters dahingehend, dass er nur eine Spielerin des Vereins B als "Dampfwalze", die sich gegenüber einer eigenen Spielerin "assimäßig" verhalten habe, betitelt habe. Weiter stellte er klar, dass er nicht "Mongo" zum Schiedsrichter gesagt habe, sondern: "Schiri, was pfeifst du für einen Mist. Das ist unmöglich was da abläuft, wenn das nicht Rot ist.". Den Innenraumverweis sah er als korrekt an.

Das BSG Oberbayern belegte mit Urteil vom 18.04.2017 den Mannschaftsverantwortlichen Herr X gemäß §§ 47, 48 I b RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe in Höhe von € 200,00 unter Mithaftung des Vereins A.

In den Gründen führte das BSG Obb. aus, dass der Mannschaftsverantwortliche im besonderen Maße durch die herabwürdigende, diskriminierende und verunglimpfende Bezeichnung des Schiedsrichters als "Mongo" ein menschenverachtendes Verhalten an den Tag gelegt habe. Bei der Strafzumessung wurde zugunsten des Betroffenen sein Nachtat- Verhalten gewertet.

Hiergegen hat der Mannschaftsverantwortliche mit Privat-E-Mail vom 20.04.2017 Berufung eingelegt.

Begründet wurde die Berufung damit, dass eine Beleidigung als "Mongo" nicht durch ihn erfolgt sei. Diese Beleidigung könne gefallen sein, aber jedenfalls nicht durch ihn, sondern eventuell durch eine in seiner Nähe stehende weitere Person.

2. Das Verbandssportgericht ist für die Entscheidung gem. § 20 I e RVO zuständig.

3. Die Berufung ist unzulässig und zurückzuweisen, da es am Schriftformerfordernis fehlt.
Nach § 44 III RVO ist die Berufung schriftlich einzulegen. Die Einlegung der Berufung über das BFV-Postfach (Zimbra) ersetzt die Schriftform.

Eine einfache E-Mail wahrt nach ständiger Rechtsprechung des VSG die Schriftform nicht. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32,33 RVO.

 

 

Aktenzeichen 16/17-VSG
Sitzung: 10.03.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Vereins A bzgl. seines Spielers B

Beschluss:

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG Hof/Marktredwitz vom 03.11.2016, AZ 00166-16/17-KSG Ho/Mak) gegen den Spieler B wird wieder aufgenommen.
II. Ziffer I wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler B ab 24.10.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisligamannschaft des Vereins A gesperrt ist.
III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Hof/Marktredwitz vom 03.11.2016, AZ 00166-16/17-KSG Ho/Mak wurde der Spieler B wegen unsportlichen Verhaltens am 23.10.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft des Vereins A gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins gesperrt ist.

Der Spieler B gehört nach Dafürhalten des VSG eigentlich zum Kreis der Stammspieler der 1. Mannschaft des Vereins A, welche in der Kreisliga Süd spielt. Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in 14 von 16 Spielen der 1. Mannschaft eingesetzt und lediglich 3 Mal in der 2 Mannschaft.

Die A-Klasse-Mannschaft hatte nach dem Urteil vom 03.11.2016 bislang kein Spiel zu absolvieren und beginnt erst am 26.03.2017 mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 09.04.2017 andauert.

Die 1. Herrenmannschaft in der Kreisliga Süd hatte nach dem Urteil im Jahr 2016 noch ein Spiel zu absolvieren und bereits am 05.03.2017 mit dem Spielbetrieb begonnen. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Kreisliga-Mannschaft 8 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 8 Spiele wäre der Spieler B aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die vom Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 03.11.2016.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO

 

 

Aktenzeichen: 00045-16/17-VSG
Sitzung vom 01.03.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb, Schreckenbauer, Krause

Berufung des Herrn X gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 21.12.2016, Aktenzeichen: 00425-16/17-SG Bayern

Urteil:

I. Die Berufung des Herrn X gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 21.12.2016 wird zurückgewiesen.

II. Herr X trägt unter Vereinshaftung des Vereins A die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 203,00. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Nach dem Landesligaspiel Verein E gegen Verein F am 01.10.2016, welches um 16.00 Uhr begonnen und von SRin Frau Y geleitet wurde, veröffentlichte der Betroffene in seinem facebook-account unter anderem folgendes:

21:39 Uhr: "Es wird immer schlimmer, jetzt pfeifen die Weiber bereits in der Landesliga bei den Herren."
Unter dieser Bemerkung war ein Bild der SRin Y und dem Trainer des Vereins F Herrn Z von diesem Spiel platziert.
Im weiteren Verlauf des Chats, wies ein Teilnehmer darauf hin, dass Frauen sogar bis zur 2. Bundeliga pfeifen, was vom Betroffen folgendermaßen kommentiert wurde:

22:38 Uhr: "Das ist schlimm genug, hoffentlich bei dem Damen-Fußball.. Da können die Damen in der Halbzeit ein Café-Kränzchen abhalten."
Im weiteren Verlauf postete ein Teilnehmer, dass er die SRin die Woche zuvor in der Landesliga an der Seitenlinie gesehen habe und sie von der SR-Leistung her phantastisch war. Hierauf postete der Betroffene:

23:22 Uhr: "Ich habe es auch gesehen, grauenvoll..."
und um
23:23 Uhr: "Sie kann doch gerne bei den Damen an der Seitenlinie winken! Aber nicht bei uns!"sowie um
23:26 Uhr: "Mich kotzt das überzogene "Emanzipierte" Gehabe nur noch an!"
und nach dem Einwand eines Chat-Teilnehmers, dass dies lächerlich sei um
23:26 Uhr: "Meine persönliche Meinung! Trennung auf dem Fußballplatz."

Am nächsten Tag ergänzte der Betroffene seine Ausführungen um
"Es gibt viele Damen-Fußballspiele, die nicht durch Schiedsrichterinnen besetzt sind, na also hier besteht doch Handlungsbedarf! Ich komme auch nicht auf die Idee, bei Damen-Fußballspielen als Schiedsrichter zu fungieren."

Im Weiteren führte ein anderer Teilnehmer, Augenzeuge des Landesligaspiel Verein E gegen Verein F am 01.10.2016 aus, dass die SRin nicht nur eine hervorragende Leistung geboten hat, sondern auch von allen am Spiel Beteiligten auch problemlos akzeptiert wurde, worauf der Betroffene antwortet:

"Ich war nicht vor Ort, angeblich gab es zwei Abseitstore? Dies hat mir ein Fan von Verein F gesteckt"

Der Verbandsanwalt leitete gemäß § 36a RVO am 08.11.2016 ein Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens gegen den Betroffenen über das Postfach seines Vereins A ein. Der Betroffene sendete am selben Tag dem Verbandsanwalt sowie dem SG Bayern zur Kenntnisnahme seine Email an den Verein A, in welcher er bestritt rassistische Äußerungen getätigt zu haben und darlegt, dass die Unterlagen rudimentär und teilweise in Fragmenten aus dem Zusammenhang gerissen wären.

Mit Strafantrag vom 06.12.2016, dem Betroffenen sowie seiner anwaltlichen Vertretung am 13.12.2016 zugeleitet, beantragte der Verbandsanwalt eine Geldstrafe in Höhe von 300 € zu verhängen.

Nachdem der Betroffene auf seine anwaltliche Vertretung verwies, räumte das SG Bayern dem Betroffenen eine Frist zur Stellungnahme für seine Anwälte bis zum 19.12.2016 ein. Eine solche ging jedoch nicht ein.

Das SG Bayern verhängte gegen den Betroffenen mit Urteil vom 21.12.2016 nach §§ 47, 48 Abs. 1 b) RVO eine Geldstrafe von 300 € nebst den Kosten des Verfahrens unter Mithaftung des Vereins A.

Mit Schreiben vom 22.12.2016, Eingang am 24.12.2016, legte der bevollmächtigte Rechtsanwalt des Betroffenen Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese mit Schriftsatz vom 10.01.2017 unter anderem damit, dass die vom Betroffenen getätigten Äußerungen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien und keine unerlaubte Schmähkritik darstellen würden. Ferner würde es sich auch nicht um hämische und gegenüber Frauen diskriminierende Kommentierungen handeln und zudem sei die Verwendung des Begriffs "Weiber" keine Beleidigung nach der obergerichtlichen Rechtsprechung.

Ergänzend mit Schreiben vom 15.02.2017 wies der Bevollmächtigte des Betroffenen daraufhin, dass dieser am 30.07.2016 seine Mitgliedschaft im Verein A zum 31.07.2016 gekündigt habe. Hierzu verwies er auf eine Email vom 22.12.2016 seitens des Vereins, in welcher die Kündigung zum 31.07.2016, hilfsweise zum 31.12.2016 bestätigt wurde. Demzufolge sei er kein Mitglied in einem Verein des BFV gewesen und unterliege daher nicht dessen Strafgewalt.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist jedoch unbegründet.

Gemäß § 6 Abs. 1 RVO unterliegen unter anderem der Rechtsprechung der Sportgerichte des Bayerischen Fußball-Verbands die Mitglieder der Vereine, soweit sie zur Zeit der Tat und der Entscheidung durch das Sportgericht dem Verband oder einem seiner Vereine als Mitglied angehören. Die Kündigung des Betroffenen vom 30.07.2016 zum 31.07.2016 konnte dessen Mitgliedschaft im Verein A weder zum 31.07.2016 noch zum 31.12.2016 beenden. Die Satzung des Vereins A in der Fassung vom Januar 2016 regelt in Bezug auf das Ende der Mitgliedschaft in § 6 folgendes:

(1) Die Mitgliedschaft endet durch Austritt, Ausschluss oder Tod.

(2) Der dem Vorstand gegenüber schriftlich zu erklärende Austritt wird jeweils zum Ende des Geschäftsjahres, zum 30. Juni des laufenden Jahres, wirksam. Die Beiträge sind bis zu diesem Zeitpunkt zu bezahlen. Wer trotz Mahnung länger als drei Monate mit seinen Beiträgen in Rückstand ist, verliert alle Rechte aus der Mitgliedschaft.

(3) Ein Mitglied kann aus dem Verein ausgeschlossen werden, wenn es in erheblicher Weise gegen den Vereinszweck verstößt, in sonstiger Weise sich grober und wiederholter Verstöße gegen die Vereinssatzung schuldig macht oder sich in vereinsschädigender Weise verhält.

(4) Über den Ausschluss entscheidet der Vereinsrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Dem Mitglied ist vorher Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Eine Berufung gegen den Beschluss ist nicht möglich.

(5) Die Wiederaufnahme eines ausgeschlossenen Mitglieds ist frühesten nach Ablauf eines Jahres möglich. Die Gründe, die zum Ausschluss geführt habe, müssen dabei ausgeräumt sein. Es entscheidet der Vereinsrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit.

Ferner regelt § 5 Abs. 5 der Satzung des Vereins A folgendes:

(5) Das Geschäftsjahr beginnt jeweils am 01. Juli des Jahres und endet am 30. Juni des folgenden Jahres.

Die Kündigung des Betroffenen vom 30.07.2016 wird somit satzungsgemäß nach § 6 Abs. 2 Satz 1 iVm § 5 Abs. 5 erst zum 30.06.2017, nämlich zum Ende des Geschäftsjahrs wirksam, in welchem die Kündigung erklärt wurde und zugegangen ist. Ein Vortrag bzgl. eines satzungsgemäßen Vereinsausschluss nach § 6 Abs. 3 ff ist weder vom Betroffenen noch vom Verein dargetan. Der Betroffene war mithin zum Zeitpunkt der streitigen Äußerungen am 01.10.2016 und 02.10.2016 Mitglied des Vereins A und unterliegt daher der Strafgewalt der Sportgerichte des BFV.

Der Sachverhalt, insbesondere die Äußerungen und deren Veröffentlichung in dem von einer Vielzahl von Personen einsehbaren sozialen Netzwerk facebook sind unbestritten vom Betroffenen erfolgt.

a) Zunächst ist klarzustellen, dass die erstinstanzliche Zuständigkeit des SG Bayern sich im vorliegenden Verfahren aus § 19 a) RVO ergibt. Ein Vorkommnis im Zusammenhang zu einem Spiel der Landesliga ist gegeben, denn die streitgegenständlichen Bemerkungen wurden in zeitlicher Nähe zum Ende des Spiels in den sozialen Medien vom Betroffenen, nämlich noch am Abend des Spieltags 01.10.2016 eingestellt.

b) Zudem wird ein sachlicher Zusammenhang mit dem Spiel durch die Aussage "es wird immer schlimmer, jetzt pfeifen die Weiber schon in der Landesliga bei den Herren" hergestellt, welcher durch das Bild der SRin und des Trainers von diesem bestimmten Spiel verdeutlicht wird. Letztlich wird auch auf eine in diesem konkreten Spiel vorgenommene angeblich fehlerhafte Beurteilung der SRin von zwei vermeintlichen Abseitstoren Bezug genommen. Nach Auffassung des VSG ist damit der nötige enge unmittelbare Zusammenhang zu dem Spiel der Landesliga gegeben, so dass eine Zuständigkeit des Sportgerichts für die Beurteilung des Sachverhalts besteht.

c) Weitere Voraussetzung für die Strafbarkeit nach §§ 47, 48 RVO ist in Fällen von öffentlichen Äußerungen in sozialen Netzwerken in Bezug auf den bayerischen Fußball neben dem unmittelbaren Zusammenhang zu einem konkreten Spiel, dass eine form- und ggf. fristgerechte Anzeige nach § 35 RVO, eine Meldung gemäß § 36 RVO oder wie im vorliegenden Fall eine Verfahrenseinleitung nach § 36a RVO durch den Verbandsanwalt erfolgt.

d) Würde - losgelöst von hiesigem Fall - ein unmittelbarer Zusammenhang zu einem konkret bestimmbaren Fußballspiel nicht hergeleitet werden können, beschränkt sich nach Auffassung des VSG eine Strafbarkeit von öffentlichen Äußerungen auf den Fall von krass sportwidrigem Verhalten. Ein solches Verhalten ist nach der Rechtsprechung des DFB anzunehmen, wenn dessen Verfolgung unerlässlich ist. Die hierbei tatbestandliche geforderte "Verwerflichkeit" ist zu bejahen, wenn eine Tat mit einem erhöhten Grad sittlicher Missbilligung behaftet ist und deshalb einem gesteigerten Unwerturteil unterliegt. Dies ist anzunehmen, wenn ein Verstoß gegen die sportliche Disziplin so schwerwiegend ist, dass nach allgemeiner Auffassung eine Ahndung unumgänglich ist (DFB-Sportgericht, Urteil vom 03.12.1998, Nr. 48/98/99, Hilpert, Das Fußballstrafrecht des DFB, Berlin 2009, S. 131). Nachdem im vorliegenden Fall bereits der enge zeitliche und sachliche unmittelbare Zusammenhang (siehe oben) zum Spiel vom 01.10.2016 besteht, ist ein krass sportwidriges Verhalten für die Entscheidung nicht erforderlich. So dass diese Frage im vorliegenden Fall offen bleiben kann.

e) Die Berufung geht rechtsirrig davon aus, dass die vom Betroffenen geposteten Inhalte von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, keinen Straftatbestand erfüllen und allein deshalb kein unsportliches Verhalten darstellen. Dabei kann dahingestellt bleiben, ob durch die streitgegenständlichen Äußerungen bereits ein strafrechtlicher Tatbestand erfüllt wird. Denn die Einordnung eines Verhaltens als "unsportliches Verhalten" muss nicht zwangsläufig deckungsgleich mit den Tatbestandsvoraussetzungen eines Straftatbestands sein. Vielmehr gewährt das Grundrecht des Art. 9 GG als Wesensmerkmal des Rechts zur Gründung von Personenvereinigungen den Verbänden und Vereinen auch das Recht zur autonomen Gestaltung der inneren Verfassung eines Vereins. Hierzu gehört als elementare Grundlage auch das Recht zur eigenen Rechtssetzung, insbesondere auch durch die Definition eigener Verbands-Straftatbestände. In diesem Rahmen ist die Einordnung eines bestimmten Verhaltens als "unsportliches Verhalten" durch die zuständigen Verbandsinstanzen seit jeher allgemein anerkannt.

f) Vor diesem Hintergrund stellen die oben genannten Verhaltensweisen des Betroffenen grob verunglimpfende bzw. diffamierende und diskriminierende Äußerungen dar.

In Bezug auf die SRin Frau Y, welche als "Weib" tituliert wird, beinhaltet diese herabsetzende und ehrverletzende Äußerung eine Missachtung ihrer Person. Hierbei ist der Gesamtzusammenhang des chat zu beachten, welcher einen abwertenden Charakter gegenüber SRinnen allgemein und gegenüber der SRin Y im Besonderen und eine verkrustete Ansichtsweise der Geschlechterrollen widerspiegelt.

Darüber hinaus wird vom Betroffenen mit der Bemerkung "Sie kann doch gerne bei den Damen an der Seitenlinie winken! Aber nicht bei uns!" und "Trennung auf dem Fußballplatz." nicht nur der SRin Y sondern sämtlichen SRinnen indirekt die Befähigung abgesprochen ein (Herren-)Fußballspiel sach- und fachkundig zu leiten. Dies stellt eine Missachtung aller SRinnen allgemein dar.

Des Weiteren werden alle fußballspielende Frauen allgemein verunglimpft, wenn deren sportliches Engagement mit einem "Halbzeit Cafe-Kränzchen" der Lächerlichkeit preisgegeben und die Ernsthaftigkeit bei der Ausübung des Fußballsports grundsätzlich in Abrede gestellt wird.

Die Äußerungen des Betroffenen verstoßen mithin unzweifelhaft gegen die der Satzung und den Ordnungen des BFV innewohnenden Werteordnung. Auch unter Berücksichtigung der grundrechtlich geschützten Meinungsfreiheit führt die hier vorzunehmende Güterabwägung zu keinem anderen Ergebnis.

Die Sanktion dient nicht nur dem Schutz der einzelnen SRin Frau Y, sondern gleichermaßen allen Frauen im bayerischen Fußballsport, sei es als SRin oder sei es als Spielerin. Die grundsätzliche Anerkennung der Gleichberechtigung der Frauen sowie die Verwirklichung der Chancengleichheit ist im BFV fest verankert. Angriffe gegen diese Grundsätze müssen daher durch die Entscheidungen der Sportgerichte abgewehrt und hierdurch diskriminierenden Verhaltensweisen entschieden entgegengetreten werden.

Das VSG sah deshalb keinen Anlass eine Reduzierung der vom SG Bayern ausgesprochenen Strafe vorzunehmen. Nach Auffassung des VSG ist zwingend eine Bestrafung nach §§ 47, 48 RVO geboten. Die Verhängung einer Geldstrafe von 300 € ist nicht zu beanstanden, da tat- und schuldangemessen. Um nachhaltig auf den Betroffenen einzuwirken und ihn zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, war eine Geldstrafe in diesem Bereich mindestens erforderlich. Die Berufung war somit vollumfänglich zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO..

 

 

Aktenzeichen: 00023-16/17-VSG
Sitzung am: 05.12.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Frey

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 10.11.2016

Urteil:

I. Die Berufung des Vereins A gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 07.11.2016 wird als unbegründet zurückgewiesen.
II. Die Kosten der Berufung in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50 trägt der Verein A.

Gründe:

1. Zum o. g. Verbandsspiel erstattete der amtierende SR am 11.09.2016 eine Sondermeldung.

Es handelte sich hier um zum einen um den FaD gegen den Spieler X (Verein B) sowie FaD gegen Spieler Y (Verein A) sowie letztendlich eine umfassende Stellungnahme zum Spielabbruch in der 92. Spielminute. Der SR hatte gerade einen Strafstoß verhängt, als plötzlich der Betreuer Z des Vereins B, der sich um den verletzten Torwart kümmerte einen Eisbeutel aus etwa 2 m Entfernung Richtung SR warf und ihn dort mit Wucht am Schienbein traf. Nachdem der TW noch FaD wegen seines Vergehens erhalten hatte, brach der SR das Spiel ab und verwies in seiner Sondermeldung darauf, dass der Wurf des Eisbeutels für ihn zweifelsfrei einen tätlichen Angriff gegen seine Person darstellte.

Das BSG hat daraufhin gegen den Verein B ein Verfahren wegen des Verschuldens eines Spielabbruchs eingeleitet, sowohl der Verein B, als auch der Betreuer, als auch weitere Personen gaben im Laufe des Verfahrens umfassende Stellungnahmen ab, so dass nach weiterer Einholung einer Zeugenaussage der Schiedsrichterassistenten das BSG eine mündliche Verhandlung terminierte.

Aufgrund der Sitzung vom 03.11.2016 stellte das BSG Schwaben mit Urteil vom 10.11.2016 das Verfahren gegen Verein B ein und setzte das Verbandsspiel neu an. Das BSG Schwaben kam im Ergebnis dazu, dass der Spielabbruch durch den SR nicht die Voraussetzungen des § 66 I SpO erfüllt hat und deshalb dem Verein B kein Verschulden im Sinne des § 74 I RVO angelastet werden konnte. Im Rahmen der Gesamtbetrachtung, nach Auswertung der Zeugenaussagen kam das BSG zur Überzeugung, dass unstrittig ein Wurf mit einem Eisbeutel vorlag und auch der SR in Folge der Wurfausführung am Bein getroffen wurde. Das BSG war weiterhin der Überzeugung, dass der betroffene Mannschaftsbetreuer hier ohne Absicht gehandelt hatte.

Nachdem auch der beigetretene Verbandsanwalt, der in der mündlichen Verhandlung anwesend war, keine ausreichenden Gründe dafür sah, die den Spielabbruch rechtfertigen könnten, beantragte er das Verbandsspiel neu anzusetzen. Dem ist das BSG nachgekommen.

2. Mit Schreiben seines anwaltlichen Vertreters vom 16.11.2016 legte Verein A gegen das Urteil des BSG Schwaben Berufung ein und begründete die Berufung innerhalb der nachgelassenen Frist am 28.11.2016.

3. Der Berufungsführer trug vor, das BSG zu Unrecht davon ausgegangen sei, dass ein Spielabbruch nach § 66 SpO nicht gerechtfertigt war. Verein A wies darauf hin, dass allein das schuldhafte Verhalten in Form eines bedingten Vorsatzes genügen würde, um den Straftatbestand zu erfüllen. Verein A trug vor, dass der Betroffene somit den Taterfolg billigend in Kauf genommen hat. Letztendlich hat der Verein A den Antrag gestellt das Urteil des BSG Schwaben aufzuheben und das Verbandsspiel 2:0 als gewonnen für den Verein A zu werten.

4. Das VSG ist gem. § 20 I d RVR zuständig.

5. Die Berufung ist zulässig, insbesondere form- und fristgerecht eingereicht, erweist sich jedoch in der Sache als unbegründet.

6. Das VSG hatte bereits nach erster Vorberatung dem Berufungsführer mit Schreiben vom 22.11.2016 einen rechtlichen Hinweis erteilt. Das VSG war der Auffassung, dass das BSG in nicht zu beanstandender Weise festgestellt hat, dass der SR nicht direkt von dem Eisbeutel getroffen wurde, sondern dass er Wasserspritzer abbekam, nachdem der Eisbeutel vor ihm aufgeschlagen war.
Ebenfalls erfolgte der Hinweis, dass das BSG in nicht zu beanstandender Weise zur Ansicht kam, dass der Betreuer den Schiedsrichter nicht mit dem Eisbeutel treffen wollte. Das VSG wies darauf hin, dass ein Spielabbruch einen absoluten Ausnahmecharakter haben muss, weil dadurch in den Wettbewerb eingegriffen wird. Das VSG hatte in der Vergangenheit mehrfach über Spielabbrüche zu entscheiden, bei denen der Schiedsrichter oder SR-Assistenten von Flüssigkeiten getroffen wurden. Alleine Wasserspritzer, die somit nicht zur großflächigen Durchfeuchtung der Kleidung führen, insbesondere im Sommer, können daher nach ständiger Rechtsprechung keinen Spielabbruch rechtfertigen.

Auch wurde der Hinweis erteilt, dass der Verbandsanwalt, der die Interessen der Verbandsgremien vertritt eine Neuansetzung beantragt hat. Somit war im Ergebnis festzuhalten, dass das vom BSG Schwaben getroffene Urteil, nämlich das Verfahren gegen Verein B einzustellen, das Verbandspiel neu anzusetzen in nicht zu beanstandender Weise ergangen ist, so dass die Berufung kostenpflichtig zurückzuweisen war.

7. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO

 

 

Aktenzeichen: 00022-16/17-VSG
Sitzung vom: 05.12.2016
Besetzung: Beierlein als Einzelrichter

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberpfalz vom 04.11.2016, Az.: 00053-16/17-BSG Oberpfalz

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 14.11.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG Oberpfalz vom 04.11.2016, Az.: 00053-16/17-BSG Oberpfalz wurde mit Schreiben vom 28.11.2016 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 


Aktenzeichen: 00005-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Vereins A bzgl. seines Spielers X

Beschluss :

I. Der Antrag das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil vom 31.05.2016, AZ 00783-15/16-KSG Nbg./Frhö.) gegen den Spieler X wieder aufzunehmen wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 50,75 € trägt Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG Nürnberg/Frankenhöhe vom 31.05.2016, AZ 00783-15/16 wurde der Spieler X wegen unsportlichen Verhaltens gegenüber dem SR im A-Klasse-Spiel B gegen C am 22.05.2016 ab 06.06.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft seines Vereins gesperrt. Ändert sich die Spielklasse, tritt die neue Spielklasse an die Stelle der bisherigen. Ferner wurde in Ziffer III. tenoriert, dass bei einem Vereinswechsel innerhalb der Sperrzeit ab Erteilung des Verbandsspielrechts die Verbandsspiele der Mannschaft in der niedrigsten Herrenklasse des aufnehmenden Vereins zählen.

Im Verfahren vor dem KSG Nürnberg/Frankenhöhe wurde der Verein B am 25.05.2016 unter Verweis auf die Meldung des SR über das Postfachsystem ZIMBRA hinsichtlich des Verfahrens informiert. Der Verein wurde explizit darauf hingewiesen, dass der Spieler X, welchem der SR-Meldung zufolge nach der gelb-roten Karte noch (regelwidrig) die rote Karte gezeigt wurde, bis zu einem Urteil spielberechtigt sei. Eine Stellungnahme seitens des Vereins ging jedoch nicht ein.

Zur Saison 2016/2017 wechselte der Spieler X zum Antragsteller. Gemäß Ziffer III. des Urteils galt daher die noch nicht vollständig verbüßte Sperre des Spielers für die jetzige A-Klasse-Mannschaft des Antragstellers.

Mit E-mail vom 09.08.2016 beantragte der Verein A, unter Vorlage von Bestätigungen der Spieler Y und X sowie des damaligen Trainers Z, das rechtskräftig abgeschlossene Verfahren wiederaufzunehmen. Er führte an, dass die damalige rote Karte nicht dem Spieler X, sondern dem Spieler Y gezeigt wurde. Die Sperre des Spielers X sei dem Verein erst vor dem ersten Punktspiel am 02.08.2016 durch das Symbol im DFBnet aufgefallen.

Die vom Antragsteller vorgebrachten Tatsachen sind keine neuen Tatsachen im Sinne des § 46 Abs. 2 RVO und rechtfertigen daher keine Wiederaufnahme des Verfahrens. Ausweislich des Anschreibens des KSG vom 25.05.2016, in welchem explizit auf die rote Karte gegen den Spieler X eingegangen wurde und zur Stellungnahme seitens seines damaligen Vereins aufgefordert wurde, erging keine solche. Bereits zum damaligen Zeitpunkt war - unterstellt die Karte wäre tatsächlich dem Spieler Y gezeigt worden - diese Tatsache dem Verein bekannt gewesen. Ungeachtet dessen ist keine Richtigstellung durch den damaligen Verein der beiden Spieler erfolgt. Demnach wäre der Verein selbst bei einer Berufung gegen das streitgegenständliche Urteil mit einem solchen Vortrag präkludiert gewesen.

Das Wissen des Vereins B wird dem Spieler X selbst zugerechnet. Auch der Wechsel des Spielers zum Antragsteller kann nicht herbeiführen, dass zum Urteilszeitpunkt dem früheren Verein B nachweislich bekannte Tatsachen (etwaige Verwechslung der Spieler durch den SR) als neu anzusehen sind, selbst wenn diese dem betroffenen Spieler selbst tatsächlich nicht bekannt gewesen sind. Eine dem Verein bekannte Tatsache gilt aufgrund der Zurechnungsvorschrift des § 39 Abs. 2 Satz 1 RVO auch dem Spieler als bekannt, selbst wenn der Verein seinen Spieler nicht hiervon unterrichtet. Die besondere und eng auszulegende Ausnahmevorschrift der Wiederaufnahme nach § 46 RVO, welche eine Durchbrechung der Rechtskraft darstellt, kann in einem solchen Fall nicht zur Anwendung gelangen.
Aus diesen Gründen liegen für das VSG keine neuen Tatsachen vor, weshalb der Antrag zurückzuweisen war.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO.


Aktenzeichen: 00075-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberpfalz vom 24.4.2017, AZ.: 00123-16/17-BSG Opf.

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,81 Euro und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 51,36 Euro trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 26.05.2017 durch den Verein A eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG Oberpfalz vom 24.04.2017 AZ.: 000123-16/17-BSG Opf. wurde mit Schreiben vom 20.06.2017.zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs.2 RVO.


Aktenzeichen: 00074-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Roßmann

Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 11.05.2017, Az: 00252-16/17-BSG Obb.:

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 11.05.2017 wird zurückgewiesen.
II. Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €.

Gründe:

1. Nach dem Verbandsspiel Verein A (Revisionsführerin) gegen Verein B am 22.03.2017 auf dem Sportplatz der Revisionsführerin in Erdweg zündete ein Anhänger der Revisionsführerin nach dem Schlusspfiff einen Rauchkörper im Zuge eines Wortgefechts zwischen ca. 5 Anhängern des Vereins B und ca. 35 Anhängern der Revisionsführerin.

Wegen dieses Vorfalls wurde die Revisionsführerin vom JSG Oberbayern 3 gemäß § 73 Abs. 1 und 2 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin durch Mitglieder oder Zuschauer mit einer Geldstrafe in Höhe von € 100,00 belegt. Gegen das am 11.04.2017 zugestellte Urteil legte die Revisionsführerin am 16.04.2017 über das Postfachsystem Zimbra Berufung ein. Mit Urteil vom 11.05.2017 wies das BSG die Berufung zurück. Die Revisionsführerin legte mit Schreiben vom 14.05.2017 wiederum per Postfachsystem Zimbra Revision ein. Es wurde ein Verstoß gegen § 62 RVO gerügt, weil dem Verein kein Verschulden nachgewiesen worden sei.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte und begründete Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Mit der Revision wird von der Revisionsführerin nicht mehr in Frage gestellt, dass aus der Gruppe der Anhänger der Revisionsführerin nach dem Spiel ein Rauchkörper gezündet wurde. Der Sachverhalt steht zudem auch fest durch die Meldung des Schiedsrichters und der Aussage des KJL Z, der bei dem Spiel anwesend war.

Die Revisionsführerin stellt in Frage, ob eine Verurteilung des Vereins erfolgen kann, obwohl den Verantwortlichen des Vereins kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen wurde.

Maßgebliche Vorschrift ist § 73 RVO, der in Abs. 1 und 2 lautet:

(1) Kommt der gastgebende Verein seinen Pflichten zum Schutz der am Sportplatz anwesenden Personen, insbesondere des Schiedsrichters, der SR-Assistenten und des Gegners nicht oder nur unzureichend nach, wird er mit einer Strafe nach § 48 Abs. 1 belegt. Die glei-chen Strafen gelten für den Gastverein, wenn dieser den ihn treffenden Pflichten nicht oder nur unzureichend nachkommt, insbesondere dem gastgebenden Verein nicht die mögliche und zumutbare Unterstützung gewährt.
(2) Der gastgebende Verein und der Gastverein haften für Zwischenfälle jeglicher Art ihrer Spieler, Mitarbeiter, Erfüllungsgehilfen, Mitglieder, Anhänger und Zuschauer.

Nach dieser Vorschrift ist für die Verletzung der Platzdisziplin kein schuldhaftes Verhalten der Vereinsorgane oder der verantwortlichen Personen des Vereins notwendig. Es reicht aus, dass ein Anhänger oder Zuschauer, der dem betroffenen Verein zugeordnet werden kann, einen schuldhaften Verstoß begangen hat.

Das Zünden eines Rauchkörpers erfolgte vorsätzlich und ist als unsportliches Verhalten anzusehen. Damit hat der betreffende Zuschauer schuldhaft eine unsportliche Handlung be-gangen. Es ist dabei nicht notwendig, dass der Name des Zuschauers festgestellt wird. Die eindeutige Zuordnung als Anhänger eines Vereins reicht aus, ist aber auch notwendig (VSG-Fall 20-15/16).

§ 73 Abs. 2 RVO sieht eine Zurechnung des schuldhaften Verhaltens der Anhänger und Zuschauer eines Vereins vor. Er statuiert damit gerade keine verschuldensunabhängige Haftung, von der die Revisionsführerin fälschlich ausgeht. Bestünden Zweifel am schuldhaften Verhalten des Zuschauers wäre eine Verurteilung ausgeschlossen. Solche Zweifel (etwa eine unbeabsichtigte Selbstzündung) werden nicht vorgetragen. Es wäre dann zu prüfen, ob das Mitsichführen einer Rauchbombe auf einem Fußballplatz bereits den Tatbestand der Unsportlichkeit erfüllt.

Die hier vorgenommene Zurechnung ist in zivilrechtlichen Beziehungen, wie sie die Verbandsmitgliedschaft darstellt, nicht rechtsfremd. Sowohl § 278 BGB, als auch § 831 BGB sehen vor, dass das schuldhafte Verhalten einer Person einer anderen Person zugerechnet wird. Dies gilt auch bei Vereinbarung einer Vertragsstrafe. Eine Bau-GmbH, die sich einer Vertragsstrafe bei verspäteter Fertigstellung unterwirft, kann sich nicht dadurch entlasten, dass nicht ihre Organe, sondern das Verhalten ihrer Arbeitnehmer oder sogar von Leiharbei-tern die Verspätung verursacht haben. Damit wird ersichtlich, dass die Zurechnung eines schuldhaften Verhaltens in zivilrechtlichen Beziehungen, wie sie auch die Verbandsmitglied-schaft darstellen, dem deutschen Recht nicht fremd ist. Dem Grundsatz, dass mangels eines Verschuldens keine Bestrafung erfolgt, wird dadurch Rechnung getragen, dass der Nachweis eines schuldhaften Verhaltens einer dritten Person notwendig ist und zudem eine zweifelsfreie Zuordnung dieser Person zum betroffenen Verein erfolgen muss.

Der BGH hat im Urteil vom 22.09.2016, VII ZR 14/16 (NJW 2016, 3715) die auch in der DFB Rechts- und Verfahrensordnung festgelegte Zurechnung des Verhaltens der Anhänger des Vereins zum Verein ausdrücklich gebilligt und ausgesprochen, dass der Verein ggfs. seine Anhänger in Regress nehmen kann.

Zur Frage der Zurechnungshaftung hat der BGH ausgeführt:
Um dies durchzusetzen, bedient sich der Verband (Anm. des Verfassers: der DFB) unter anderem des Mittels der Verbandsstrafe für schuldhafte Störungen durch Zuschauer; dieses ist geeignet, präventiv direkt auf die Vereine oder Veranstalter und indirekt auf ihre Fans einzuwirken, damit es zu solchen Störungen nicht kommt.

Die Verurteilung durch das Sportgericht des DFB erfolgte auf der Grundlage von § 9a Nrn. 1 und 2 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. Hiernach sind Vereine und Tochterge-sellschaften für das Verhalten ihrer Spieler, Offiziellen, Mitarbeiter, Erfüllungsgehilfen, Mit-glieder, Anhänger, Zuschauer und weiterer Personen, die im Auftrag des Vereins eine Funktion während des Spiels ausüben, verantwortlich; der gastgebende Verein und der Gastver-ein bzw. ihre Tochtergesellschaften haften im Stadionbereich vor, während und nach dem Spiel für Zwischenfälle jeglicher Art. Damit beruht die ausgesprochene Strafe direkt auf der Störung durch den Beklagten. Sie ist gerade nicht nur "zufällig" aus Anlass der Störung ver-hängt worden. Ihr materieller Grund ist die hier vom Beklagten verursachte Spielstörung. Ihr Zweck ist dementsprechend auch ausweislich des dem Urteil des Sportgerichts zugrundeliegenden Antrags des Kontrollausschusses des DFB, zukünftiges Zuschauerfehlverhalten auszuschließen oder zumindest zu minimieren; dieses Ziel würde auch gefördert, wenn potenzielle Täter damit zu rechnen hätten, solche Strafzahlungen ersetzen zu müssen.

Aus der Sicht des VSG bestehen daher auch nach nochmaliger Überprüfung seiner Rechtsprechung unter Beachtung der von der Revisionsführerin vorgetragenen Argumente keine Zweifel an der Richtigkeit des Urteils des BSG. Damit war die Revision zurückzuweisen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 II. Nrn. 6 d) und 7 FO

 


Aktenzeichen: 00073-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein Schreckenbauer


Revision des Vereins A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberfranken vom 21.05.2017, Az: 00183-16/17-BSG Ofr.:

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 21.05.2017 wird zurückgewiesen.
II. Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €.

Gründe:

1. Beim Kreisklasse-Spiel Verein B gegen Verein A am 27.04.2017 wirkte auf Seiten des Vereins B mit der Nr. 9 der Spieler X mit, der seinen Spielerpass dem Schiedsrichter vor Spiel-beginn übergeben hatte. Im elektronischen Spielbericht (ESB) war als Spieler mit der Nr. 9 der Spieler Y erfasst, der jedoch nicht mitwirkte. Der Spieler X wurde im Spielbericht nicht aufgeführt. Obwohl der Spielleiter des Vereins B den Schiedsrichter vor Spielbeginn auf die Änderung hinwies und ihm den Pass des Spielers X übergab und den Schiedsrichter nach Spielende nochmals bat, die Änderung im ESB vorzunehmen, wurde dies vom Schiedsrichter beim Abschließen des ESB vergessen.

Der Verein A (Revisionsführer) erstattete am 03.05.2017 Anzeige wegen des unzulässigen Einsatzes des Spielers X. Daraufhin erließ das KSG Hof/Marktredwitz am 11.05.2017 ein Urteil, wonach der Verein B gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einem Punktabzug von 3 Punkten und mit einer Geldstrafe in Höhe von € 50,00 belegt wurde. Spiel wurde gemäß § 29 SpO für Verein A mit 2:0 als gewonnen und für Verein B mit 0:2 als verloren gewertet.

Gegen das am 11.05.2017 zugestellte Urteil legte der Verein B am 16.05.2017 per Postfachsystem Zimbra Berufung ein. Daraufhin hob das BSG Oberfranken das Urteil des KSG auf und stellte das Verfahren ein.

Mit Schreiben vom 24.05.2017 legte der Revisionsführer, dem das Urteil des BSG am 21.05.2017 zugestellt worden war, per Postfachsystem Zimbra Revision ein. Es wurden mehrere Verstöße gegen § 33 SpO gerügt. Außerdem wurde eine zu kurze Fristsetzung zur Stellungnahme geltend gemacht.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte und begründete Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Soweit der Revisionsführer die Verletzung des rechtlichen Gehörs rügt, ist diese Rüge insoweit zutreffend, als sich der Akte nicht entnehmen lässt, dass das BSG dem Revisionsführer überhaupt eine Frist zur Stellungnahme auf die Berufung des Vereins B gesetzt hat. Hierzu war das BSG aber verpflichtet. Eine kurze Frist wäre kein Verstoß gegen das rechtliche Gehör, wenn ein sachlicher Grund dafür bestand. Gerade zum Ende der Spielzeit ist die Setzung von kurzen Fristen notwendig, um schnellstmöglich Klarheit im Wettbewerb zu schaffen. Wenn ein Verein wiederum aus sachlichen Gründen eine längere Frist benötigt, muss er eine Fristverlängerung beantragen. Unterlässt er diesen Antrag kann er sich auf eine zu kurze Fristsetzung nicht berufen.

Unabhängig davon hat der Revisionsführer aber in der Revisionsschrift nicht vorgetragen, was er im Falle einer längeren Frist vorgetragen hätte, was wiederum eine andere Entscheidung gerechtfertigt hätte. Dies ist aber notwendig, wenn ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör gerügt wird. Es ist daher davon auszugehen, dass die Argumente vorgetragen worden wären, die jetzt Gegenstand der Revision sind. Der Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs rechtfertigt daher keine Aufhebung des Urteils.

Es liegt auch kein Verstoß gegen § 33 SpO vor.

§ 33 Abs. 1, 2 SpO in der zum Spieltag geltenden Fassung lautet:

1. Die Beantragung einer Spielberechtigung setzt die Mitgliedschaft im antragstellenden Verein voraus.
Der Verein ist für die Richtigkeit der Eintragungen im Spielerpass bzw. in der Spielberechtigungsliste, die auf seinen Angaben beruhen, verantwortlich.
Jeder Missbrauch der Spielberechtigung wird bestraft.
2. Die Spielberechtigungen für die mitwirkenden Spieler sind bei allen Spielen vor Spielbeginn dem Schiedsrichter vorzulegen. Für Spieler, für die diese nicht vor dem Spiel vorgelegt werden kann, ist die Spielberechtigung bis spätestens 15 min nach Spielende unaufgefordert dem Schiedsrichter vorzulegen.
2.1 Die Spielberechtigung ist durch die ordnungsgemäße Spielberechtigungsliste im Spielplus (Elektronischer Spielbericht-ESB), auf der das Foto (Passbild mit Schulterbereich) des mitwirkenden Spielers hochgeladen worden ist, nachzuweisen.
2.2 Alternativ kann die Spielberechtigung durch:
2.2.1 ordnungsgemäßen Spielerpass
2.2.2 die Spielberechtigungsbescheinigung des Verbandes in Verbindung mit einem Lichtbildausweis
2.2.3 den Ausdruck der Detail-Spielberechtigung aus Pass-Online mit dem BFV-Logo in Verbindung mit einem Lichtbildausweis
nachgewiesen werden

Demnach ergibt sich, dass die Spielberechtigung nicht nur durch die Eintragung der Spielbe-rechtigungsliste (mit Bild), sondern auch durch den ordnungsgemäßen Spielerpass nachge-wiesen werden kann. Dieser Spielerpass wurde dem Schiedsrichter vor dem Spiel vorgelegt. Dies hat der Schiedsrichter schriftlich bestätigt. Zweifel an der Richtigkeit dieser Bestätigung bestehen nicht und wurden auch nicht substantiiert vorgetragen. Die Frage, ob der Schiedsrichter den Spielerpass kontrolliert oder nur entgegennimmt, ist für die Spielberechtigung nach dem klaren Wortlaut ohne Belang. Es wäre auch nicht hinnehmbar, wenn die Spielberechtigung erlöschen würde, weil etwa ein Schiedsrichter in Eile vor dem Spiel die Pässe nicht mehr kontrollieren würde. Der Verein hat regelmäßig auf das Verhalten des Schieds-richters keinen Einfluss.

Damit bestand für den Spieler X Spielrecht. Weder musste er sich beim Schiedsrichter vor dem Spiel vorstellen, noch war dies binnen 15 Minuten nach dem Spiel notwendig.

Das Spielrecht des Spielers erlosch auch nicht durch die fehlende Eintragung auf dem ESB. Auch hier gilt zunächst der klare Wortlaut der Vorschrift, wonach das Spielrecht mit der Vorlage des ordnungsgemäßen Spielerpasses besteht. Die Eintragung in den ESB ist keine notwendige Voraussetzung für die Spielberechtigung. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus § 33 Nr. 7 SpO. Diese Bestimmung bezieht sich nur auf den Fall, dass ein ESB nicht angewendet werden kann. Dann muss sich ein Spieler beim Schiedsrichter vorstellen. Aller-dings handelt es sich auch dann nur um eine Ordnungsvorschrift, die das Spielrecht des Spielers nicht berührt. Die Spielberechtigung ist in §33 Nr. 2 SpO abschließend geregelt.

Im Ergebnis ist das BSG zutreffend davon ausgegangen, dass der Spieler X Spielrecht hatte. Das Ersturteil des KSG war daher aufzuheben und das Verfahren einzustellen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00072-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein Schreckenbauer


Herren-Freundschaftsspiel Verein A - Verein B vom 22.02.2017

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins A wird das Urteil des SG Bayern vom 02.03.2017, AZ: 00489-16/17-SG Bayern aufgehoben.
II. Das Verfahren wird eingestellt.
III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Herren-Freundschaftsspiel Verein A - Verein B am 22.02.2017 wurde durch die Heimmannschaft der Lizenzspieler X (geb. 01.09.1996) eingesetzt, ohne bis 15 Minuten nach Spielende den Nachweis erbringen zu können, dass dieser Spieler in der DFL-Spielberechtigungsliste des Vereins A für 2016/2017 namentlich aufgeführt ist. Herr Y war der Mannschaftsverantwortliche des Vereins A. Aufgrund dieses unstreitigen Umstandes und einer Stellungnahme der DFL hat das SG Bayern in der vorgenannten Entscheidung den Mannschaftsverantwortlichen gemäß § 77 II RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer Geldstrafe in Höhe von € 150,00 zzgl. Kosten belegt. Hiergegen hat dieser per ZIMBRA unter dem 08.03.2017 Berufung eingelegt. Zur Begründung und zu den weiteren tatbestandlichen Voraussetzungen wird auf die Entscheidung des VSG, AZ: 00071-16/17-VSG vom heutigen Tag verwiesen.

2. Das VSG ist für die Berufungsentscheidung zuständig.

Die Berufung ist zulässig und auch in der Sache begründet.

Nachdem für den Spieler X ein entsprechendes Spielrecht für den 22.02.2017 bestand, wie in der anderweitigen Entscheidung des VSG, AZ: 00071-16/17-VSG aufgrund der Erklärungen und Feststellungen der DFL festgestellt wurde, liegt insoweit für den Mannschaftsverantwortlichen, Herrn Y, Verein A kein unzulässiger Spielereinsatz vor. Auf die Entscheidung des VSG im anderweitigen Verfahren, AZ: 00071-16/17-VSG wird verwiesen.

Das vorgenannte Urteil des SG Bayern war daher entsprechend aufzuheben.

3. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 

 

Aktenzeichen: 00071-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein Schreckenbauer


Herren-Freundschaftsspiel Verein A - Verein B vom 22.02.2017

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins A wird das Urteil des SG Bayern vom 02.03.2017, AZ: 00488-16/17-SG Bayern aufgehoben.
II. Das Verfahren wird eingestellt.
III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Herren-Freundschaftsspiel Verein A - Verein B am 22.02.2017 wurde durch die Heimmannschaft der Lizenzspieler X (geb. 01.09.1996) eingesetzt, ohne bis 15 Minuten nach Spielende den Nachweis erbringen zu können, dass dieser Spieler in der DFL-Spielberechtigungsliste des Vereins A für 2016/2017 namentlich aufgeführt ist. Aufgrund dieses unstreitigen Umstandes und einer Stellungnahme der DFL hat das SG Bayern in der vorgenannten Entscheidung den Verein A wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von € 200,00 zzgl. Kosten belegt. Hiergegen hat diese Berufung per ZIMBRA fristgerecht unter dem 08.03.2017 eingelegt und im Wesentlichen zur Begründung ausgeführt, dass der Spieler registriert war. Bereits erstinstanzlich wurde darauf verwiesen, dass bei Testspielen die Registrierung auch nach Auskunft der DFL ausreichend sei. Zunächst wurde seitens der DFL auch bestätigt, dass der betroffene Spieler für Verein A registriert war, aber nicht spielberechtigt gewesen sei. Nach einem Telefonat mit Herrn Z von der DFL wurde letztlich bestätigt, dass auch nach Ansicht der DFL für das vorliegende Spiel ein Spielrecht aufgrund der bereits vorgenommenen Registrierung gegeben war.
Dies bestätigte die DFL dann auch in einem Email vom 24.05.2017, wonach auch aus Sicht der DFL aufgrund der Umstände und der Registrierung ein unzulässiger Spielereinsatz in dem vorgenannten Privatspiel nicht vorgelegen hat.

2. Das VSG ist für die Berufungsentscheidung zuständig.

Die Berufung ist zulässig und auch in der Sache begründet.

Das Spielrecht für Lizenzspieler richtet sich gemäß § 32 IV der SpO nach den Bestimmungen des Ligastatus. Dementsprechend ist die DFL für die Erteilung des Spielrechts zuständig. Nach der Auslegung durch die DFL ist das Spielrecht für Freundschaftsspiele gegeben, wenn der Spieler bei der DFL registriert ist.

Unstreitig war der betroffene Spieler X für den Berufungsführer registriert. Es fehlte zunächst die sportärztliche Tauglichkeitsuntersuchung. Diese wurde am 13.02.2017 durchgeführt und am 24.02.2017 vorgelegt. Aufgrund der Vorlage am 24.02.2017 konnte damit die Spielberechtigung für Pflichtspiele erst mit diesem Tag erteilt werden. Die DFL stellte in der telefonischen und auch in der schriftlichen Stellungnahme vom 24.05.2017 klar, dass es aus deren Sicht keine Einwendungen gegen einen Einsatz des Spielers X im privaten Test- und Freundschaftsspiel ab dem 01.02.2017 gab, somit eine Spielberechtigung bestanden hat.

Ein unzulässiger Spielereinsatz liegt daher nicht vor.

Nachdem der Spieler nach Auskunft der DFL am 22.02.2017 in dem betreffenden Privatspiel spielberechtigt war, war das Urteil des SG Bayern entsprechend aufzuheben und das Verfahren einzustellen.

3. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 

Aktenzeichen: 00070-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmannn, Schreckenbauer

Beschwerde des Vereins A gegen den Bescheid des Verbands-Jugendausschusses vom 07.06.2017

Urteil:

I. Die Beschwerde des Vereins A gegen die Ansetzung des Entscheidungsspieles um den Aufstieg in die U17-Bayernliga Verein A gegen Verein B am 21.Juni in Wendelstein wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Verein A. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Am 30.5.2017 wurde durch den VJA das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die U17-Bayernliga Verein A gegen Verein B auf den 21.06.2017 in Wendelstein festgesetzt. Gegen diese Ansetzung wurde am 04.06.2017 durch den Verein A Beschwerde eingelegt. Mit Entscheid vom 07.06.2017 hat der VJA die Beschwerde abgewiesen. Gegen diesen Entscheid hat der Verein A erneute Beschwerde eingelegt, der VJA hat der Beschwerde nicht abgeholfen. Mit Schreiben vom 13.06.2017 hat der Verbands-Präsident gemäß § 4 Abs.3 Satz 1 RVO wegen Eilbedürftigkeit unmittelbar die Entscheidung durch das VSG beantragt. Das Schreiben wurde am 14.06.2017 gemäß § 4 Abs.3 Satz 2 RVG vom Verbandsanwalt an das VSG weitergeleitet, der Verbandsanwalt hat in diesem Schreiben für den Verband den Antrag gestellt, die Beschwerde zurückzuweisen. Noch am 14.06.2017 wurde dem Verein A das Schreiben des Präsidenten und der Antrag des Verbandsanwalts per Zimbra ins Postfach übermittelt und wegen der Eilbedürftigkeit eine Frist zur Stellungnahme bis 16.06.2017 um 12.00 Uhr gesetzt, die bis 19.06.2017 um 15.00 Uhr verlängert wurde.

2. Das VSG ist zuständig gemäß §§ 4 Abs.3, 20 Abs.1 f) RVO. Es liegt die von § 4 Abs.3 RVO geforderte Eilbedürftigkeit vor, weil über das angesetzte Spiel der freie Platz in der Junioren-Bayernliga besetzt wird. Nach ständiger Rechtsprechung des VSG ist eine besondere Eilbedürftigkeit regelmäßig gegeben, wenn die Entscheidung Auswirkungen auf die Spielklasseneinteilung der neuen Saison hat (VSG Urteile 44/02/03; 2/03/04; 32/03/04). Das Entscheidungsspiel findet auf neutralem Platz statt, sodass die beteiligten Vereine und der Platzverein rechtzeitig wissen müssen, ob das Spiel wie angesetzt auszutragen ist.

3. Die Beschwerde ist zulässig, sie wurde frist- und formgerecht nach § 3 Abs.3 Satz 1 RVO eingelegt.
Die Beschwerde ist jedoch nicht begründet. Die Ansetzung des Entscheidungsspieles ist nicht rechtsfehlerhaft.

 

Aktenzeichen: 00069-16/17-VSG
Sitzung vom 19.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Schreckenbauer, Roßmannn

Befangenheitsantrag des Vereins A

Beschluss

Der Antrag auf Ablehnung des VSG vom 19.06.2017 wird als unzulässig verworfen.

Gründe:

Mit Schreiben per Postfachsystem ZIMBRA vom 19.06.2017 schrieb der betroffene Verein vertreten durch seinen Vorstand Herr X: "Nachdem der Vorsitzende des VSG dem Vorstand des BFV angehört und die Beisitzer des VSG vom Präsidium des BFV bestimmt werden, erhärtet sich der Verdacht der Befangenheit der gesamten Mitglieder des VSG. Dieser Verdacht besteht auch schon beim VSG-Urteil, Aktenzeichen: 00063-16/17-VSG, Verein B zweite Mannschaft Landesliga vom 23.05.2017."

Eine weitere Begründung für den Verdacht der Befangenheit wird nicht gegeben.
Mit Schreiben vom 15.06.2017 ebenfalls per Postfachsystem ZIMBRA forderte der Vorstand Herr X das VSG auf: "Bitte teilen Sie uns morgen eine satzungs- und ordnungsgemäße Frist zur Stellungnahme mit."
Da sich diese Aufforderung dagegen richtete, dass die ursprüngliche Frist von der hauptamtlichen Mitarbeiterin Frau Y mitgeteilt worden war, kann sich die Aufforderung vom 15.06.2017 nur an das VSG gerichtet haben.

Damit ist die Ablehnung vom 19.06.2017 jedenfalls nicht mehr unverzüglich. Dies setzt ein Handeln ohne schuldhaftes Zögern voraus.
Spätestens mit seinem Schreiben vom 15.06.2017 hätte die Ablehnung geltend gemacht werden müssen. Nach der expliziten Mitteilung mit Schreiben vom 19.06.2017 waren die Gründe, auf die der Vorstand des Betroffenen die Ablehnung stützen will, bereits seit dem vorherigen Verfahren bekannt.
Die angeführten Gründe ergeben sich aus der Satzung des BFV, wobei darauf hinzuweisen ist, dass der Vorsitzende des VSG zwar dem Vorstand mit beratender Stimme angehört, jedoch dort kein Stimmrecht hat.

 

Aktenzeichen: 00068-16/17-VSG
Sitzung: 07.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Schreckenbauer

Verfahren gegen Schiedsrichter A

Urteil:

I. Schiedsrichter A, Verein B wird ab dem 08.06.2017 bis einschließlich 07.06.2018 als Schiedsrichter gesperrt.
II. Der Schiedsrichterausweis ist für die Dauer der Sperre einzuziehen.
III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 61,63 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins B.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, anlässlich des Bundesligaspiels Verein X gegen Verein Y neben seiner bereits rechtmäßig erhaltenen SR-Freikarte durch erneutes Anstellen und erneuter Vorlage seines SR-Ausweises eine zweite Freikarte widerrechtlich verlangt zu haben. Gelungen ist dies nur deshalb nicht, weil es bei einer Kontrolle des Ausgebers auffiel. Anzeige des Vorfalles ist am 3.5.2017 erfolgt. In einer Stellungnahme vom 17.5.2017, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse mit Hilfe verfasst wurde, wird der Vorgang eingeräumt. Die Karte sei für seinen aus Rumänien angereisten Bruder gedacht gewesen, auch wird auf die persönliche Situation des Betroffenen eingegangen.
Mit Schreiben vom 23.5.2017 ist der Verbandsanwalt dem Verfahren beigetreten und hat eine Sperre von zwölf Monaten beantragt.

2. Das VSG ist zuständig gemäß § 20 Abs.1 a RVO, da nach dem vorgetragenen Sachverhalt ein Ausschluss aus dem Verband in Betracht kommt.

3. Der Betroffene war wegen des Versuchs einer besonders schweren Unsportlichkeit gemäß § 47 Abs.1,2 RVO in Strafe zu nehmen. Das schuldhafte, nicht gerechtfertigte Beschaffen einer zweiten Freikarte führt notwendig dazu, dass ein später eine Karte in Anspruch nehmender Schiedsrichterkollege ausfällt. Dies stellt einen verwerflichen Missbrauch der Möglichkeit, eine Freikarte zu bekommen dar, worauf auf der zu unterschreibenden Nachweiskarte auch deutlich hingewiesen wird. Auch das Interesse des Vereins, der die Freikarten für Schiedsrichter zur Verfügung stellt, erfordert deutliche Bestrafung jeglichen Missbrauchs. Darüber hinaus ist das Verhalten des Betroffenen geeignet, die Schiedsrichter insgesamt in ihrem Ansehen zu schädigen.
Nach Überzeugung des VSG war dem Betroffenen zumindest klar, dass die zweite Karte nicht ohne weiteres erlaubt war, wie sich schon daraus ergibt, dass er ein zweites Mal zur Ausgabe ging. Er hat damit den Missbrauch damit billigend in Kauf genommen, also bedingt vorsätzlich gehandelt. Von einem gezielten, absichtlichen Missbrauch wird wegen der mangelnden Sprachkenntnisse zu Gunsten des Betroffenen nicht ausgegangen.

Zu Gunsten des Betroffenen kann weiter berücksichtigt werden, dass er die widerrechtlich erworbene Karte nicht zu wirtschaftlichem Gewinn durch Verkauf genutzt hat. Auch die glaubhaft vorgetragenen schwierigen persönlichen Umstände des Betroffenen können strafmildernd berücksichtigt werden. Reduziert wird das Strafmaß auch deshalb, weil die Tat im Versuchsstadium stecken blieb.
Im Strafmaß kann unter Berücksichtigung aller Umstände von einer Streichung von der Schiedsrichterliste oder von einem Ausschluss aus dem Verband abgesehen werden. Eine Sperre von zwölf Monaten ist tat- und schuldangemessen.

4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, §11 Ziffer 13 d FO.

 

Aktenzeichen: 00067-16/17-VSG
Sitzung: 07.06.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Schreckenbauer

Verfahren gegen Schiedsrichter A

Urteil:

I. Schiedsrichter A, Verein B, wird ab dem 08.06.2017 bis einschließlich 07.10.2018 als Schiedsrichter gesperrt.
II. Der Schiedsrichterausweis ist für die Dauer der Sperre einzuziehen.
III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 61,63 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins B.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, anlässlich des Bundesligaspiels Verein X gegen Verein Y neben seiner bereits rechtmäßig erhaltenen SR-Freikarte durch erneutes Anstellen und erneuter Vorlage seines SR-Ausweises eine zweite Freikarte widerrechtlich eingeholt zu haben. Anzeige des Vorfalles ist am 3.5.2017 erfolgt. In seiner Stellungnahme vom 11.5.2017 räumt der Betroffene den Vorgang ein. Er habe die zweite Karte für seine Freundin verwendet. Er sei davon ausgegangen, dass man als SR auch zwei Karten bekommen könne. In einer weiteren Stellungnahme vom 17.5.2017 werden diese Angaben vertieft und es wird auf die persönliche Situation des Betroffenen eingegangen.
Mit Schreiben vom 23.5.2017 ist der Verbandsanwalt dem Verfahren beigetreten und hat eine Sperre von sechzehn Monaten beantragt.

2. Das VSG ist zuständig gemäß § 20 Abs.1 a RVO, da nach dem vorgetragenen Sachverhalt ein Ausschluss aus dem Verband in Betracht kommt.

3. Der Betroffene war wegen einer besonders schweren Unsportlichkeit gemäß § 47 Abs.1, 2 RVO in Strafe zu nehmen. Das schuldhafte, nicht gerechtfertigte Beschaffen einer zweiten Freikarte führt notwendig dazu, dass ein später eine Karte in Anspruch nehmender Schiedsrichterkollege ausfällt. Dies stellt einen verwerflichen Missbrauch der Möglichkeit, eine Freikarte zu bekommen dar, worauf auf der zu unterschriebenen Nachweiskarte auch deutlich hingewiesen wird. Auch das Interesse des Vereins, der die Freikarten für Schiedsrichter zur Verfügung stellt, erfordert deutliche Bestrafung jeglichen Missbrauchs. Darüber hinaus ist das Verhalten des Betroffenen geeignet, die Schiedsrichter insgesamt in ihrem Ansehen zu schädigen.
Nach Überzeugung des VSG war dem Betroffenen zumindest klar, dass die zweite Karte nicht ohne weiteres erlaubt war, wie sich aus seiner Einlassung, er hätte nachfragen müssen, zweifelsfrei ergibt. Er hat damit den Missbrauch billigend in Kauf genommen, also bedingt vorsätzlich gehandelt. Von einem gezielten, absichtlichen Missbrauch wird wegen der mangelnden Sprachkenntnisse zu Gunsten des Betroffenen nicht ausgegangen.

Zu Gunsten des Betroffenen kann weiter berücksichtigt werden, dass er die widerrechtlich erworbene Karte nicht zu wirtschaftlichem Gewinn durch Verkauf genutzt hat. Auch der glaubhaft vorgetragene und auch belegte labile Gesundheitszustand des Betroffenen kann strafmildernd berücksichtigt werden.
Im Strafmaß kann unter Berücksichtigung aller Umstände von einer Streichung von der Schiedsrichterliste oder von einem Ausschluss aus dem Verband abgesehen werden. Eine Sperre von sechzehn Monaten ist tat- und schuldangemessen.

4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, §11 Ziffer 13 d FO.

 

Aktenzeichen: 00064-16/17-VSG
Sitzung: 23.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Krause

Berufung Verein B gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins B wird das Urteil des Sportgerichts Bayern aufgehoben und das Verfahren gegen Herrn Y eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim B-Junioren-Landesligaspiel Verein A gegen Verein B wurde vom Berufungsführer der Spieler X von Beginn an eingesetzt. Beim B-Junioren-Bundesligaspiel am 02.04.2017 gegen den Verein H spielte er ebenfalls von Anfang an. Diesen Sachverhalt zeigte Verein A am 10.04.2017 an mit dem Verweis darauf, dass es sich um einen unberechtigten Einsatz handeln würde gemäß § 17 Abs. 2 JO.

Das SG Bayern eröffnete hierauf unter anderem ein Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen des Vereins B. Der Einsatz des Spielers an sich wurde eingeräumt, jedoch unter Vorlage der Auswertung der Einsatzzeiten des Spielers X nachgewiesen, dass es sich bei diesem um keinen Stammspieler der Bundesliga-Mannschaft handelt. Deshalb sei entsprechend der DFB-JO der Einsatz nicht unzulässig gewesen. Das SG Bayern befand einen Verstoß gegen § 17 Abs. 2 JO und verhängte mit Urteil vom 20.04.2017 (zugestellt am gleichen Tag) nach § 77 Abs. 2 RVO eine Geldstrafe in Höhe von 150 € gegen Herrn Y.

Am 27.04.2017 legte der Berufungsführer über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese damit, dass überhaupt kein unzulässiger Spielereinsatz vorliege. Aufgrund der Verweisung in § 17 Abs. 7 JO auf § 28 a) DFB-JO sei allein die DFB-Regelung maßgeblich und hiernach ein Nicht-Stammspieler gemäß § 28 a) Nr. 3 DFB-JO nach einer Schutzfrist von 2 Tagen nach einem Einsatz in einem Bundesligaspiel wieder für eine andere Mannschaft spielberechtigt.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist auch begründet. Der Sachverhalt, insbesondere die Tatsache, dass es sich beim Spieler X um keinen Stammspieler der Bundesligamannschaft handelt ist unstreitig; ebenso sein Einsatz jeweils von Beginn an am 02.04.2017 in der Bundesliga und am 08.04.2017 in der Landesliga.

Die Prüfung der Spielberechtigung richtet sich nach den Bestimmungen der JO. Für den Einsatz in verschiedenen Mannschaften regelt § 17 Abs. 7 JO des BFV folgendes:

(7) Für Vereine, deren A- und/oder B-Juniorenmannschaft in der Junioren-Bundesliga spielt, gelten abweichend die Bestimmungen des § 28 a) DFB-Jugendordnung.

Eine Einschränkung, dass diese Regelung nur explizit für die Bundesliga-Mannschaft gelten soll, ist dem klaren Wortlaut nicht zu entnehmen, denn dieser stellt allein darauf ab, dass die Vereine in der Junioren-Bundesliga spielen. Die Regelung bezieht sich ausdrücklich auf den Verein als solchen. Demzufolge gelten nach dem systematischen Aufbau des Gesetzestextes und der eindeutigen Bestimmung durch das Wort "abweichend" die voranstehenden Regelungen der § 17 Abs. 1 bis Abs. 6 JO nicht, wenn ein Verein in der Bundesliga spielt. Die Verweisung des § 17 Abs. 7 JO bedeutet somit die Unanwendbarkeit der Regelung der § 17 Abs. 1 bis 6 JO für Vereine, deren A- und/oder B-Junioren in der Bundesliga spielen.

Die Spielberechtigung richtet sich in diesen Fällen dann nach § 28 a) DFB-JO:

.

3. Nach einem Einsatz in einem Meisterschaftsspiel einer A-Junioren-Bundesliga-Mannschaft ist ein Spieler, der nicht Stammspieler ist, erst nach einer Schutzfrist von zwei Tagen wieder für andere Juniorenmannschaften seines Vereins spielberechtigt.

4. Anders lautende Festspielregelungen der DFB-Mitgliedsverbände sind unbeachtlich, soweit sie die A-Junioren-Bundesliga und die jeweils nächst tiefer Spielklasse betreffen.

5. Die DFB-Mitgliedsverbände können für die letzten vier Spieltage sowie für nachfolgende Entscheidungsspiele der jeweils betreffenden Spielklasse und Pokalspiele in diesem Zeitraum anders lautende Festspielregelungen erlassen.

.

7. Die Nrn. 1. bis 6. gelten für die B-Junioren-Bundesliga entsprechend.

Über § 28 a) Nr. 7 DFB-JO finden die Nrn. 1 bis 6. auch auf die hier streitgegenständliche B-Junioren-Mannschaften Anwendung.

Nachdem es sich bei dem Spieler X um keinen Stammspieler der Bundesliga-Mannschaft des Berufungsführers handelt, ist dieser nach dem Einsatz am 02.04.2017 nach Ablauf der 2-tägigen Schutzfrist des § 28 a) Nr. 3 DFB-JO wieder für die Landesliga-Mannschaft spielberechtigt.

Entgegen der Auffassung des SG Bayern gelangt man aufgrund der Konstruktion der vollumfänglichen Verweisung in § 17 Abs. 7 JO überhaupt nicht zur Anwendungsmöglichkeit des § 28 a) Nr. 4 DFB-JO, denn diese käme nur dann in Betracht, wenn die bayerische JO keinen pauschalen Verweis auf die DFB-JO für Bundesliga-Vereine enthalten würde und tatsächlich eine anders lautende Festspielregelung im Geltungsbereich der A/B-Junioren-Bundesliga normiert hätte. Dem ist jedoch nicht so.

Eine kategorische Beschränkung der Spielberechtigung sieht § 28 a) Nr. 4 DFB-JO gerade auch nicht vor, denn hiernach ist lediglich bestimmt, dass etwaige Festspielregelungen von Mitgliedsverbänden, welche von § 28 a) DFB-JO abweichen nicht gelten, soweit sie die Junioren-Bundesliga und die jeweils nächst tiefer Spielklasse betreffen.

§ 28 a) Nr. 4 DFB-JO regelt nämlich den Fall, dass ein Mitgliedsverband eine "anders lautende" Festspielregelung getroffen hat. Dadurch, dass in § 17 Abs. 7 JO für Bundesliga-Vereine komplett auf § 28 a) DFB-JO verwiesen wird, gibt es überhaupt keine Festspielregelung, die nach der bayerischen JO zur Anwendung gelangen kann, damit auch keine "anders lautende". Auf die Tatsache, dass der Berufungsführer in der Bundeliga, aber mit der zweiten Mannschaft nicht in der jeweils nächst tieferen Klasse spielt, § 27 a) Nr. 4 zweiter Halbsatz DFB-JO, kommt es daher nach rechtlicher Bewertung des VSG überhaupt nicht an.
Im vorliegenden Fall handelte es sich bei dem Bundesliga-Spiel zwar um kein Spiel an einem der letzten vier Spieltage, für welche § 28 a) Abs. 5 DFB-JO eine anderslautende Regelungsmöglichkeit den Mitgliedsverbänden einräumt. Jedoch wäre auch in einem der letzten vier Spieltage nicht von einer Anwendbarkeit des § 17 Abs. 4 JO auszugehen, denn dies verhindert, wie oben bereits ausgeführt, der klare Verweis in § 17 Abs. 7 JO auf die Bestimmungen des § 28 a) DFB-JO.

Im Gegensatz zu. § 17 Abs. 7 JO ist beispielsweise in den §§ 34, 35 SpO eine klare Unterscheidung und hierdurch ein nur eingeschränkter Verweis auf die DFB-Regelungen enthalten, so dass die dort normierten eigenständigen Festspielregelungen zur Anwendung gelangen können. Hieran mangelt es aber in der JO, da in § 17 durch Abs. 7 die Abs. 1 bis 6 JO vollkommen ausgehebelt werden und man zu keiner für Bundesliga-Vereine anwendbaren Festspielregelung in der JO kommen kann. Es muss daher im vorliegenden Fall bei der ausschließlichen Anwendung des § 28 a) DFB-JO verbleiben.

Nach Auffassung des VSG war daher mangels Anwendbarkeit der § 17 Abs. 1 bis 6 JO, von einer Spielberechtigung nach § 17 Abs. 7 JO, § 27 a) Abs. 3 DFB-JO auszugehen. Der Einsatz des Spielers am 08.04.2017 in der Landesliga-Mannschaft durch den Mannschaftsverantwortlichen Herrn Y war daher zulässig, so dass ihm kein Verstoß gegen § 77 Abs. 2 RVO vorzuwerfen ist. Das Urteil war daher aufzuheben.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO.




Aktenzeichen: 00063-16/17-VSG
Sitzung: 23.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Roßmann, Krause

Berufung Verein B gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins B wird das Urteil des Sportgerichts aufgehoben und das Verfahren eingestellt.

II. Das Spiel Verein A gegen Verein B wird nach dem Ausgang gewertet.

III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim B-Junioren-Landesligaspiel Verein A gegen Verein B wurde vom Berufungsführer der Spieler X von Beginn an eingesetzt. Beim B-Junioren-Bundesligaspiel gegen den Verein H spielte er ebenfalls von Anfang an. Diesen Sachverhalt zeigte der Verein A am 10.04.2017 an mit dem Verweis darauf, dass es sich um einen unberechtigten Einsatz handeln würde gemäß § 17 Abs. 2 JO.

Das SG Bayern eröffnete hierauf ein Verfahren gegen Verein B, welche den Einsatz an sich einräumte, jedoch unter Vorlage der Auswertung der Einsatzzeiten des Spielers X nachwies, dass es sich bei diesem um keinen Stammspieler der Bundesliga-Mannschaft handelt. Deshalb habe er entsprechend der DFB-JO nicht unzulässig gespielt. Das SG Bayern befand einen Verstoß gegen § 17 Abs. 2 JO und verhängte mit Urteil vom 20.04.2017 (zugestellt am gleichen Tag) nach § 77 Abs. 1 RVO einen Punktabzug von 3 Punkten sowie eine Geldstrafe von 100 € und nahm eine Spielwertung zugunsten des Vereins A vor.

Am 27.04.2017 legte der Berufungsführer über die Antwortfunktion des Postfachs ZIMBRA Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese damit, dass überhaupt kein unzulässiger Spielereinsatz vorliege. Aufgrund der Verweisung in § 17 Abs. 7 JO auf § 28 a) DFB-JO sei allein die DFB-Regelung maßgeblich und hiernach ein Nicht-Stammspieler gemäß § 28 a) Nr. 3 DFB-JO nach einer Schutzfrist von 2 Tagen nach einem Einsatz in einem Bundesligaspiel wieder für eine andere Mannschaft spielberechtigt.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist auch begründet. Der Sachverhalt, insbesondere die Tatsache, dass es sich beim Spieler X um keinen Stammspieler der Bundesligamannschaft handelt ist unstreitig; ebenso sein Einsatz jeweils von Beginn an am 02.04.2017 in der Bundesliga und am 08.04.2017 in der Landesliga.

Die Prüfung der Spielberechtigung richtet sich nach den Bestimmungen der JO. Für den Einsatz in verschiedenen Mannschaften regelt § 17 Abs. 7 JO des BFV folgendes:

(7) Für Vereine, deren A- und/oder B-Juniorenmannschaft in der Junioren-Bundesliga spielt, gelten abweichend die Bestimmungen des § 28 a) DFB-Jugendordnung.

Eine Einschränkung, dass diese Regelung nur explizit für die Bundesliga-Mannschaft gelten soll, ist dem klaren Wortlaut nicht zu entnehmen, denn dieser stellt allein darauf ab, dass die Vereine in der Junioren-Bundesliga spielen. Die Regelung bezieht sich ausdrücklich auf den Verein als solchen. Demzufolge gelten nach dem systematischen Aufbau des Gesetzestextes und der eindeutigen Bestimmung durch das Wort "abweichend" die voranstehenden Regelungen der § 17 Abs. 1 bis Abs. 6 JO nicht, wenn ein Verein in der Bundesliga spielt. Die Verweisung des § 17 Abs. 7 JO bedeutet somit die Unanwendbarkeit der Regelung der § 17 Abs. 1 bis 6 JO für Vereine, deren A- und/oder B-Junioren in der Bundesliga spielen.

Die Spielberechtigung richtet sich in diesen Fällen dann nach § 28 a) DFB-JO:

.

3. Nach einem Einsatz in einem Meisterschaftsspiel einer A-Junioren-Bundesliga-Mannschaft ist ein Spieler, der nicht Stammspieler ist, erst nach einer Schutzfrist von zwei Tagen wieder für andere Juniorenmannschaften seines Vereins spielberechtigt.

4. Anders lautende Festspielregelungen der DFB-Mitgliedsverbände sind unbeachtlich, soweit sie die A-Junioren-Bundesliga und die jeweils nächst tiefer Spielklasse betreffen.

5. Die DFB-Mitgliedsverbände können für die letzten vier Spieltage sowie für nachfolgende Entscheidungsspiele der jeweils betreffenden Spielklasse und Pokalspiele in diesem Zeitraum anders lautende Festspielregelungen erlassen.

.

7. Die Nrn. 1. bis 6. gelten für die B-Junioren-Bundesliga entsprechend.

Über § 28 a) Nr. 7 DFB-JO finden die Nrn. 1 bis 6. auch auf die hier streitgegenständliche B-Junioren-Mannschaften Anwendung.

Nachdem es sich bei dem Spieler X um keinen Stammspieler der Bundesliga-Mannschaft des Berufungsführers handelt, ist dieser nach dem Einsatz am 02.04.2017 nach Ablauf der 2-tägigen Schutzfrist des § 28 a) Nr. 3 DFB-JO wieder für die Landesliga-Mannschaft spielberechtigt.

Entgegen der Auffassung des SG Bayern gelangt man aufgrund der Konstruktion der vollumfänglichen Verweisung in § 17 Abs. 7 JO überhaupt nicht zur Anwendungsmöglichkeit des § 28 a) Nr. 4 DFB-JO, denn diese käme nur dann in Betracht, wenn die bayerische JO keinen pauschalen Verweis auf die DFB-JO für Bundesliga-Vereine enthalten würde und tatsächlich eine anders lautende Festspielregelung im Geltungsbereich der A/B-Junioren-Bundesliga normiert hätte. Dem ist jedoch nicht so.

Eine kategorische Beschränkung der Spielberechtigung sieht § 28 a) Nr. 4 DFB-JO gerade auch nicht vor, denn hiernach ist lediglich bestimmt, dass etwaige Festspielregelungen von Mitgliedsverbänden, welche von § 28 a) DFB-JO abweichen nicht gelten, soweit sie die Junioren-Bundesliga und die jeweils nächst tiefer Spielklasse betreffen.

§ 28 a) Nr. 4 DFB-JO regelt nämlich den Fall, dass ein Mitgliedsverband eine "anders lautende" Festspielregelung getroffen hat. Dadurch, dass in § 17 Abs. 7 JO für Bundesliga-Vereine komplett auf § 28 a) DFB-JO verwiesen wird, gibt es überhaupt keine Festspielregelung, die nach der bayerischen JO zur Anwendung gelangen kann, damit auch keine "anders lautende". Auf die Tatsache, dass der Berufungsführer in der Bundeliga, aber mit der zweiten Mannschaft nicht in der jeweils nächst tieferen Klasse spielt, § 27 a) Nr. 4 zweiter Halbsatz DFB-JO, kommt es daher nach rechtlicher Bewertung des VSG überhaupt nicht an.

Im vorliegenden Fall handelte es sich bei dem Bundesliga-Spiel am 02.04.2017 zwar um kein Spiel an einem der letzten vier Spieltage, für welche § 28 a) Abs. 5 DFB-JO eine anderslautende Regelungsmöglichkeit den Mitgliedsverbänden einräumt. Jedoch wäre auch in einem der letzten vier Spieltage nicht von einer Anwendbarkeit des § 17 Abs. 4 JO auszugehen, denn dies verhindert, wie oben bereits ausgeführt, der klare Verweis in § 17 Abs. 7 JO auf die Bestimmungen des § 28 a) DFB-JO.

Im Gegensatz zu. § 17 Abs. 7 JO ist beispielsweise in den §§ 34, 35 SpO eine klare Unterscheidung und hierdurch ein nur eingeschränkter Verweis auf die DFB-Regelungen enthalten, so dass die dort normierten eigenständigen Festspielregelungen zur Anwendung gelangen können. Hieran mangelt es aber in der JO, da in § 17 durch Abs. 7 die Abs. 1 bis 6 JO vollkommen ausgehebelt werden und man zu keiner für Bundesliga-Vereine anwendbaren Festspielregelung in der JO kommen kann. Es muss daher im vorliegenden Fall bei der ausschließlichen Anwendung des § 28 a) DFB-JO verbleiben.

Nach Auffassung des VSG war daher mangels Anwendbarkeit der § 17 Abs. 1 bis 6 JO, von einer Spielberechtigung nach § 17 Abs. 7 JO, § 27 a) Abs. 3 DFB-JO auszugehen, weshalb der Spieler am 08.04.2017 spielberechtigt war. Das Urteil war daher aufzuheben und das Spiel seinem Ausgang nach zu werten.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO.

 

 

Aktenzeichen: 00062-16/17-VSG
Sitzung vom: 19.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Roßmann

Revision Verein A gegen das Urteil BSG Oberfranken

Urteil:

I. Die Revision des Vereins A gegen das Urteil des BSG Oberfranken wird zurückgewiesen.

II. Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 154,08 €.

Gründe:

1. Verein A (Revisionsführerin) setzte beim Kreisliga-Spiel Verein A gegen Verein B den Spieler X ein. Für den Spieler wurde weder vor, noch unmittelbar nach dem Spiel ein Spielerpass vorgelegt. Auch lag keine Spielberechtigungsliste vor, die das Foto für den mitwirkenden Spieler X enthielt. Stattdessen legte die Revisionsführerin den Ausdruck einer Online-Detailspielberechtigung vor, auf der jedoch das BFV-Logo fehlte. Der Spieler wurde persönlich beim Schiedsrichter vorgestellt. Der Schiedsrichter machte über diesen Vorgang eine Meldung. Binnen drei Tagen nach dem Spiel wurde weder der Spielerpass beim Sportgericht vorgelegt, noch wurde dem Sportgericht angezeigt, dass ein Foto für den Spieler auf der Spielberechtigungsliste hochgeladen worden war.
Mit Urteil vom 20.04.2017 verurteilte das KSG die Revisionsführerin gemäß § 77 Abs. 3 RVO wegen Vorlage eines ungültigen Ausdrucks der Detailspielberechtigung zu einer Geldstrafe in Höhe von € 30,00 und nahm gemäß § 29 SpO eine Spielwertung für Verein B mit 2:0 als gewonnen und für die Revisionsführerin mit 0:2 als verloren vor.

Gegen dieses Urteil legte die Revisionsführerin über das Postfachsystem ZIMBRA am 24.04.2017 Berufung ein. Die Berufung wies das BSG mit Urteil vom 08.05.2017, zugestellt am selben Tag, zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 15.05.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass der Schiedsrichter nicht darauf hingewiesen habe, dass die Online-Detailspielberechtigung nicht ordnungsgemäß sei. Es wird gerügt, dass das BSG keine mündliche Verhandlung mit Anhörung des Schiedsrichters zu diesem Sachvortrag anberaumt habe.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.
Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.
Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber entnehmen, dass der Revisionsführer rügt, dass er durch Übergehen seines Beweisantrags aus der Berufungsschrift in seinem Recht auf rechtliches Gehör verletzt fühlt.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet. Das BSG-Urteil lässt keinen Rechtsfehler erkennen.
Von der Revision nicht mehr gerügt wird die Tatsache, dass die dem Schiedsrichter vorgelegte Online Detailspielberechtigung nicht den Vorgaben des § 33 Nr. 2.2.3 SpO genügte, da diese Vorschrift verlangt, dass der Ausdruck der Detail-Spielberechtigung aus Pass-Online mit dem BFV-Logo versehen ist. Auf das BFV Logo kann beim Ausdruck nach der ständigen Rechtsprechung des BFV nicht verzichtet werden (VSG Fälle 08/09-17; 08/09-37; 10/11-50; 11/12-53). Da binnen dreier Tage die Spielberechtigung nicht ordnungsgemäß nachgewiesen wurde, waren somit die Spielwertung und die Bestrafung der Revisionsführerin vorzunehmen.
Der Einvernahme des Schiedsrichters bedurfte es nicht. Die Spielberechtigung liegt ausschließlich in der Verantwortung des Vereins. Der Schiedsrichter hat weder die Pflicht, den Verein auf eine fehlende Spielberechtigung hinzuweisen, noch darf der einen Spieler wegen fehlender Spielberechtigung ausschließen. Der Schiedsrichter muss allerdings eine Meldung machen, wenn er nach seiner Meinung eine Unregelmäßigkeit feststellt.
Die Frage, ob und welche Hinweise der Schiedsrichter zur Spielberechtigung erteilte, war daher aus Rechtsgründen unerheblich. Das BSG musste daher den Schiedsrichter weder in einer mündlichen Verhandlung, noch sonst wie dazu befragen.
Nur am Rande sei bemerkt, dass der KSG Vorsitzende - ebenfalls ohne Rechtsverpflichtung - die Revisionsführerin per E-Mail binnen der Dreitagefrist darauf hingewiesen hatte, dass der Nachweis der Spielberechtigung noch zu erbringen ist. Dem ist der Verein jedoch nicht nachgekommen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO


Aktenzeichen: 00061-16/17-VSG
Sitzung vom: 18.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Beschwerde Verein B gegen die Spielwertung des Spiels Verein A gegen Verein B

Urteil:

I. Auf die Beschwerde des Vereins B wird der Bescheid des Spielleiters der Landesliga aufgehoben und der Spielleiter angewiesen, das Spiel neu anzusetzen.

II. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Der Verein B (Beschwerdeführer) wurde durch Beschluss des BLSV Präsidiums vom 24.04.2017 mangels Abgabe der Jahresmeldung 2017 gemäß § 13 der BLSV Satzung i.V.m. § 13 Abs. 4 der Aufnahmeordnung aus dem BLSV e.V. ausgeschlossen. Die Veröffentlichung des Ausschlusses erfolgte im Bayernsport Nr. 18 vom 02.05.2017. Nach Abgabe der Jahresmeldung und Einzahlung der Wiederaufnahmegebühr teilte der BLSV mit E-Mail vom 08.05.2017 mit, dass dem Antrag auf Wiederaufnahme mit sofortiger Wirkung stattgegeben werde.
Am 05.05.2017 war das Spiel in der Landesliga Verein A gegen den Beschwerdeführer angesetzt. Mit Spielwertung vom 06.05.2017 wertete der Spielleiter der Landesliga das Spiel zugunsten Vereins A mit 2:0. Dagegen legte der Beschwerdeführer per Postfachsystem Zimbra am 11.05.2017 Beschwerde ein, die Beschwerde wurde vom Präsidenten mit Antrag vom 16.05.2017 dem VSG zur Entscheidung vorgelegt, weil der Ausgang der Saison davon abhängig ist.

2. Das VSG ist gemäß § 4 Abs. 2 RVO zuständig. Die Entscheidung hat Auswirkung auf die Abschlusstabelle der Liga. Damit liegt Eilbedürftigkeit vor, weil davon auch die Einteilung der Spielklassen im neuen Spieljahr abgängig sein kann (VSG-Fälle 03/04-2; 03/04-32; 13/14-92; 08/09-9).

3. Die Beschwerde ist auch begründet.
Die Aufklärung des Sachverhalts durch die telefonische Anhörung des Spielleiters und des Vereins A ergab, dass der Beschwerdeführer am Freitag, den 05.05.2017 die Jahresmeldung an den BLSV abgegeben hatte und auch die Wiederaufnahmegebühr einbezahlt hatte. Da jedoch beim BLSV am Freitagnachmittag niemand erreichbar war, setzte sich der Beschwerdeführer mit dem Spielleiter telefonisch in Verbindung. Der Spielleiter erklärte dem Vorstand des Beschwerdeführers, dass er bis zum Sonntag Zeit habe, die Zustimmung des Vereins A zu einer Spielverlegung einzuholen. Verein A erklärte am Sonntag gegenüber dem Spielleiter seine Zustimmung. Gleichwohl nahm der Spielleiter eine Spielwertung vor.
Diese Spielwertung kann keinen Bestand haben. Dadurch, dass der Spielleiter dem Vorstand des Beschwerdeführers bis zum Sonntag, den 07.05.2017 Zeit gewährte, die Zustimmung des Vereins A zur Spielverlegung vorzulegen, wurde das für den 05.05.2017 angesetzte Spiel abgesetzt. Eine andere Auslegung kann die Erklärung aus dem Empfängerhorizont des Vorstands des Beschwerdeführers nicht haben. Die Zustimmung zur Spielverlegung macht nur solange Sinn, als der Spieltermin noch nicht abgelaufen ist. Deshalb führt eine Fristsetzung zur Zustimmung, die über den angesetzten Termin hinaus wirkt, jedenfalls dann auch zur Absetzung des Termins, wenn die Zustimmung fristgerecht erteilt wird. Welche Folgen die Ablehnung der Zustimmung gehabt hätte, braucht hier nicht entschieden zu werden.

Das VSG hat schon wiederholt entschieden (VSG-Fälle 05/06-12; 07/08-99), dass die Absetzung eines Spiels durch den Spielleiter absoluten Charakter hat. Auch wenn die Voraussetzungen für die Spielabsetzung nicht vorliegen sollten oder sogar dann, wenn der Spielleiter über Gründe getäuscht wird, bleibt es bei der Wirkung der Spielabsetzung. Ob der Verein zu bestrafen ist, muss gesondert entschieden werden. Der Grund liegt in der Klarheit des Wettbewerbs. Jeder Verein muss sich darauf verlassen können, dass ein vom Spielleiter abgesagtes Spiel nicht stattfindet. Das Motiv, weshalb der Spielleiter das Spiel absagt, ist für die Vereine oft nicht klar erkennbar und kann daher kein Kriterium sein, das für die Spielwertung und damit für den Eingriff in den Wettbewerb Bedeutung erlangen kann.
Damit braucht die Frage, ob die Spielabsetzung durch den Spielleiter rechtmäßig war, nicht entschieden zu werden. Sie hat für die hier alleine entscheidungsrelevante Frage der Spielwertung oder Neuansetzung aus den vorstehenden Gründen keine Relevanz.
Der Spielleiter war daher anzuweisen, das Spiel neu anzusetzen.

4. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV (§§ 32, 33 RVO). Eine Erstattung außergerichtlicher Kosten ist ausgeschlossen (§ 30 Abs. 3 RVO).

Aktenzeichen: 00059-16/17-VSG
Sitzung: 09.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des BSG Unterfranken

Urteil:

I. Die Berufung wird als unbegründet zurückgewiesen.

II. Die Berufungsgebühr in Höhe von 102,72 €, sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Spieler X unter Mithaftung des Vereins A.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel Verein A gegen Verein B meldete der Schiedsrichter, dass der Spieler X, Verein A, unmittelbar nach dem Schlusspfiff seinen Gegenspieler mit der flachen linken Hand von hinten auf die rechte Backe geschlagen hat, als dieser an ihm nach Spielende in Richtung Anstoßpunkt vorbeigelaufen ist.
Der Schiedsrichter hat daraufhin auf dem Spielfeld einen Feldverweis gegen den Spieler X ausgesprochen. Nach der Meldung des Schiedsrichters wurde der Spieler X vorher weder provoziert noch gefoult. Eine Stellungnahme wurde in erster Instanz nicht abgegeben.

Mit Urteil vom 21.04.2017 wurde der Spieler X vom BSG Unterfranken gemäß § 67 Abs. 1 RVO für sechs Verbandsspiele wegen Tätlichkeit gemäß § 67 I RVO gesperrt. Das Urteil wurde am 21.04.2017 über das BFV-Postfach dem Berufungsführer zugestellt.
Hiergegen legte der Verein A über die Antwortfunktion des BFV-Postfachs am 28.04.2017 Berufung ein.
Der Berufungsführer führte aus, dass er erst nach Veröffentlichung des Urteils die Information erhalten habe, dass der Gegenspieler von Spieler X nach dem Spiel in der Schiedsrichterkabine war und dem Schiedsrichter mitgeteilt hat, dass es sich um keinen Schlag gehandelt hat, sondern lediglich um einen leichten Klapps.
Ferner führte der Berufungsführer weiter aus, dass unmittelbar vor dem Spielende der Gegenspieler dem Spieler X einen leichten Ellbogencheck versetzt hat, dieser wurde aber vom Schiedsrichter nicht mehr geahndet, sondern das Spiel beendet.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs.1 e RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde form- und fristgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet.
Gemäß § 44 Abs. 4 RVO kann die Berufung nicht auf Beweismittel gestützt werden, die bereits in erster Instanz hätten beigebracht werden können.
Der Berufungsführer hat erstmals im Berufungsverfahren vorgetragen, das vor dem Vergehen des Betroffenen dieser von seinem Gegenspieler einen leichten Ellbogencheck erhalten hat.
Dieser Vortrag kann jedoch nach § 44 Abs. 4 RVO nicht mehr gehört werden.
Soweit der Berufungsführer vorträgt, dass er erst nach Veröffentlichung des Urteils Kenntnis von den Ausführungen des Gegenspielers erlangt hat, ist ihm entgegenzuhalten, dass der Verein den Gegenspieler bereits vor Verfassung einer Stellungnahme zum Bezirkssportgericht kontaktieren hätte können.

Ungeachtet dessen stellt das Vergehen des Spieler X eine Tätlichkeit nach § 67 I RVO dar. Ein leichterer Fall einer Tätlichkeit nach § 67 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 RVO liegt nach dem festgestellten Sachverhalt eines unvermittelten Schlages ins Gesicht nach Spielende nicht vor, insoweit hätte auch eine eventuelle Stellungnahme des Gegenspielers keine andere Sichtweise zugelassen.
Mangels Milderungsgründe ist die vom BSG Unterfranken aufgrund der erstinstanzlich nicht gerügten SR-Meldung verhänge Sperrstrafe von sechs Spielen nach Auffassung des VSG nicht zu beanstanden. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

Aktenzeichen: 00056-16/17-VSG
Sitzung vom: 09.05.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Roßmann

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Schwaben

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Schwaben wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 102,72 € und die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 €.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel wollte die Mannschaft des Vereins A einen Spieler in der 79. Spielminute (nach Aussage des Schiedsrichters in der 85.Spielminute) einwechseln, der nicht auf dem ESB vermerkt war. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:3 für die gegnerische Mannschaft.
Gemäß der Einlassung des Vereins A hat das Schiedsrichtergespann nach kurzer Beratung den Spielereinsatz unrechtmäßigerweise jedoch nicht gestattet. Verein A unterlag schließlich mit 1:4.
Der Verein sieht sich, da nun ein verletzungsbedingt angeschlagener Spieler die Partie stattdessen zu Ende spielen musste, durch die angebliche Entscheidung der Schiedsrichter benachteiligt und legte daher am 29.03.2017 fristgerecht Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. Der Schiedsrichter hingegen gab in seiner Stellungnahme an, dass er dem Spieler nicht die Spielteilnahme verweigert, sondern lediglich von einem Wechsel abgeraten habe.
Mit Urteil vom 11.04.2017, welches am selbigen Tage über das Postfachsystem des BFV zugestellt wurde, wurde der Einspruch vom BSG Schwaben als unbegründet zurückgewiesen.

Hiergegen wurde fristgerecht am 18.04.2017 über das BFV-Postfachsystem Berufung eingelegt.
Der Berufungsführer wies darauf hin, dass die stattgefundene kontroverse Diskussion zwischen dem Schiedsrichterassistenten und dem Schiedsrichter allein bereits bestätige, dass dem Verein A das Recht, einen Spieler einwechseln zu dürfen, entgegen geltendem Recht verweigert wurde. Dies stelle einen klaren Regelverstoß und eine Benachteiligung dar.
Weiter ist der Berufungsführer der Meinung, das BSG Schwaben habe das Tatbestandsmerkmal, der Regelverstoß hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Spielwertung als verloren oder unentschieden beeinflusst, ermessensfehlerhaft gewertet. Dabei führte er Beispiele aus dem Profi- und Amateurfußball an, welche belegen, dass innerhalb der letzten 10 Minuten ein Spielergebnis noch gedreht werden könne. Auf Vermutungen dürfe sich das Gericht nicht stützen.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gem. § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet.
Nach Überzeugung des Verbands-Sportgerichts kann dahingestellt bleiben, ob ein Regelverstoß des Schiedsrichters vorliegt, da jedenfalls die Wertung des BSG, welches eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen anderen Spielausgang verneinte, nicht zu beanstanden ist.

§ 38 Abs. 1 a) RVO verlangt für einen begründeten Einspruch u.a. eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines anderen Spielausgangs. Insofern musste das BSG gemäß geltendem Recht eine Wahrscheinlichkeitsabwägung vornehmen. Auch wenn in der Vergangenheit in einigen Fällen im Profi- und Amateurbereich verloren geglaubte Spiele noch ausgeglichen oder doch noch gewonnen wurden, so geschah dies nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit. Aber nur weil es diese Fälle gibt, kann das BSG nicht entgegen geschriebenem Recht entscheiden und dieses Tatbestandsmerkmal unbeachtet lassen.
Nach der Rechtsprechung des VSG besitzt das im Einzelfall zu entscheidende Gericht bei der Bewertung der hohen Wahrscheinlichkeit für einen anderen Spielausgang grundsätzlich einen weiten Ermessensspielraum.
Dieser Ermessensspielraum wurde vom BSG gewahrt.
Es konnte nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass bei einem Rückstand von 1:3 in den letzten 5 bzw. 11 Spielminuten durch den Einsatz eines eingewechselten Spielers noch der Ausgleichs- oder Siegtreffer gelingen würde. Es lag zwar im Bereich des Möglichen, konnte aber eben nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Aber gerade dies setzt § 38 Abs. 1 a) RVO ausdrücklich voraus.
Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO.

Aktenzeichen: 00055-16/17-VSG
Sitzung: 11.04.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Berufung des Vereins A gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 24.03.2017, AZ 00550-16/17 SG Bayern

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins A wird das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 24.03.2017, AZ 00550-16/17, aufgehoben und das Verfahren eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Bei dem Förderligaspiel (BuLi/NLZ) der U14-Mannschaften Verein B gegen Verein A meldete der SR, dass der Spieler Spieler X, Jahrgang 2004, vom Verein A eingesetzt wurde. Der Mannschaftsverantwortliche bestätigte Identität und Spielrecht des Spielers.

2. Das SG Bayern leitete hierauf ein Verfahren gegen den Verein A ein, da laut den Durchführungsbestimmungen der Förderligen U13 und U14 zur Spielsaison 2016/2017 im U14-Bereich ausschließlich Spieler des Jahrgangs 2003 eingesetzt werden dürfen.

Der Berufungsführer trug hierzu vor, dass in den Gesprächen zur Festsetzung der Durchführungsbestimmungen davon ausgegangen wurde, immer mit den Besten des Jahrgangs gegeneinander in der Förderliga zu spielen. Zudem hätten etliche Bundesligisten ihren Kader so gewählt, dass durchaus auch jüngere Jahrgänge bereits fester Bestandteil des jeweiligen älteren Kaders sind. Das Verbot des Einsatzes jüngerer Spieler im älteren Jahrgang würde dem primären Ziel der Förderliga widersprechen.

Das SG Bayern verhängte mit Urteil gegen den Berufungsführer nach §§ 47, 48 Abs. 1 b) RVO eine Geldstrafe von 50 €.

Hiergegen legte der Verein A mittels Postfachsystem ZIMBRA am 30.03.2017 Berufung ein und verwies darauf, dass die jahrgangsbezogene Beschränkung laut den Durchführungsbestimmungen nur für die Regionalauswahlmannschaften gelte, nicht jedoch für die Teams der BuLi/NLZs. Bei den hierzu stattgefundenen Gesprächen sei nicht besprochen worden, dass die Jahrgangsbeschränkung auch für die BuLi/NLZ-Mannschaften gelten sollte. Hierauf hätten sich die Vertreter der NLZs niemals eingelassen, da ein NLZ im Sinne der bestmöglichen Talentförderung immer wieder Toptalente bereits einen Jahrgang höher ansiedelt. Diese Auffassung bestätigten auch zahlreiche andere Vertreter der NLZs.

3. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig. Die fristgerecht eingelegte Berufung ist zulässig.

4. Die Berufung ist auch begründet.

In den Durchführungsbestimmungen der Förderligen U13 und U14 gemäß Gespräch vom 06.07.2016 und dem Protokoll vom 11.08.2014 zur Spielsaison 2016/2017 ergibt sich auf Seite 1 unten folgende Regelung:

"In den Regionalauswahlmannschaften dürfen im U 13 Bereich nur Spieler des Jahrgangs 2004 und im U 14 Bereich nur Spieler des Jahrgangs 2003 eingesetzt werden. Der Einsatz von jüngeren und älteren Spielern ist untersagt. Gastspieler dürfen keinen eingesetzt werden."

Nach dem klaren Wortlaut der Durchführungsbestimmung gilt die Beschränkung für den Einsatz des Jahrgangs 2004 im U 13 Bereich und den Jahrgang 2003 im U 14 Bereich ausschließlich für die Regionalauswahlmannschaften. Eine Ausweitung dieser Beschränkung auf die Mannschaften der BuLi/NLZ ist gerade nicht vorgesehen. Aufgrund des eindeutigen Wortlauts dieser Vorschrift sieht das VSG auch keine anderweitige Auslegungsmöglichkeit. Zudem steht der Nachsatz "Der Einsatz von jüngeren und älteren Spielern ist untersagt." in direktem Anschluss an den vorherigen Satz und stellt hierdurch einen Bezug allein auf die Regionalauswahlmannschaften her. Nachdem keine jahrgangsbezogene Beschränkung für die BuLi/NLZ-Mannschaften festgelegt ist, ist der Einsatz des Spielers X nicht zu beanstanden.

Ein Verstoß gegen die Durchführungsbestimmungen ist daher für das VSG nicht ersichtlich, so dass das Urteil aufzuheben und das Verfahren einzustellen ist.

5. Kosten §§ 32, 33 RVO.

 

Aktenzeichen: 0054-16/17-VSG
Sitzung vom: 11.04.2017
Besetzung: Beierlein, Schreckenbauer, Krause

Revision gegen das Urteil BSG

Urteil:

I. Auf die Revision des Verein A wird das Urteil des BSG aufgehoben und das Verfahren an das BSG zur neuerlichen Entscheidung zurückgegeben.

II. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Der Revisionsführer setzte zu dem Verbandsspiel am 14.08.2016 zwischen dem Verein B und der Verein A den Spieler X ein. Der Verbandsanwalt erstattete am 18.08.2016 Anzeige, mit der Begründung, dass der Spieler, welcher im Sommer von den Verein C zur Verein A gewechselt war, noch nicht seine Sperre von 3 Spielen aus dem Urteil des KSG verbüßt hatte und daher unzulässig spielte.
Das KSG leitete hierauf ein Verfahren gegen den Revisionsführer ein. Dieser gab an, dass der Spieler spielberechtigt gewesen sei, da er sich nicht am 17.05.2016 wirksam von seinem früheren Verein abgemeldet habe, sondern der Verein ihn am 28.05.2016 ohne seinen Willen rückwirkend in "Spielplus-online" abgemeldet hatte. Vielmehr habe der Spieler erst am 02.06.2016 seine Kündigung schriftlich erklärt und persönlich beim Verein abgegeben.
Das KSG verhängte mit Urteil vom 27.10.2016 gegen den Revisionsführer nach § 77 Abs. 1 RVO in einem leichten Fall eine Geldstrafe in Höhe von 100,00 € und nahm eine Spielwertung zulasten des Revisionsführers vor.
Gegen dieses Urteil legte der Revisionsführer am 28.10.2016 fristwahrend Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 07.03.2017 zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 13.03.2017 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht unter anderem geltend, dass bei einem unzulässigen Spielereinsatz, welcher auf einer vom Verband erteilten Falschauskunft beruht und deren Unrichtigkeit für den Verein nicht erkennbar war, ein gewonnenes Spiel neu anzusetzen sei. Dem Revisionsführer sei bei einem Telefonat mit dem KSG-Vorsitzenden und dessen Einsicht in das System "Spielplus" eine Einsatzmöglichkeit des Spielers mitgeteilt worden. Zudem könne die erfolgte Kündigungserklärung vom 02.06.2016 nicht als Abmeldung gewertet werden, sondern erst die Bestätigung der Freigabe zum Vereinswechsel vom 29.06.2016 könne Gültigkeit und Wirkung entfalten. Ferner würde sich aus den Informationen auf der Homepage des BFV zum Passrecht ergeben, dass bei Kündigung der Mitgliedschaft die Beendigung der Mitgliedschaft ebenso als Abmeldung gilt.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist im Rahmen der Zurückverweisung auch begründet. Der Revisionsführer rügt zurecht die Verletzung des rechtlichen Gehörs, welches einen absoluten Revisionsgrund darstellt. Die vom BSG vorgenommene Befragung des Zeugen hinsichtlich dessen gegebener telefonischer Auskunft gegenüber dem Revisionsführer vor dem streitigen Spielereinsatz am 14.08.2016 wurde dem Revisionsführer nicht zur Kenntnis- und Stellungnahme zugeleitet. Dies ist jedoch zwingend erforderlich, da sich das BSG auch auf diese Angaben ausweislich der Urteilsbegründung stützt. Allein aus diesem Grund erfolgt die Zurückverweisung. Das BSG hat die Ergebnisse der Zeugenbefragung oder eine erneute Befragung des Zeugen dem Revisionsführer zuzuleiten und sodann zu prüfen, ob es sich um einen Fall des § 29 Ziffer 4 SpO handelt.
Nach der Rechtsprechung des VSG ist hierbei in einem mehrstufigen Schema festzustellen, ob es sich um eine qualifizierte Falschauskunft handelt, diese tatsächlich in der vorgetragenen Form erteilt wurde, sie für den Verein nicht erkennbar und dieser somit gutgläubig war. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass eine Falschauskunft für den Verein erkennbar ist, wenn sein Spieler die objektive Sachlage kennt, denn die Kenntnis des Spielers wird dem Verein zugerechnet. Der Nachweis einer qualifizierten Falschauskunft kann nur durch eine schriftliche Auskunft oder einer nachträgliche schriftliche Bestätigung des die Auskunft gebenden Verbandsmitarbeiters erbracht werden (siehe VSG-Urteile Protokoll 28 Fall 72 2005/2006, Protokoll 22 Fall 53 2006/2007).
Darüber hinaus sieht das VSG keine fehlerhafte rechtliche Begründung. Insbesondere ging das BSG zu Recht davon aus, dass ein unzulässiger Spielereinsatz in einem leichten Fall vorlag. Der Revisionsführer verkennt, dass die Regelung des § 77 Abs. 1 RVO zwar bei einem leichten Fall statt eines Punktabzugs auf eine Geldstrafe nicht unter 50 € erkannt werden kann, jedoch im streitigen Urteil des KSG überhaupt kein Punktabzug vorgenommen wurde, sondern lediglich eine Spielwertung nach § 29 SpO. Eine solche hat zwingend im Fall des § 77 Abs. 1 RVO zu erfolgen.
Auch die Wertung der Kündigungserklärung vom 02.06.2016 als Abmeldung gemäß § 40 SpO ist nach Auffassung des VSG nicht zu beanstanden. Entgegen der Revisionsbegründung ist zwischen einer Kündigungserklärung und deren Wirkungszeitpunkt zu unterscheiden. Allein die Kündigungserklärung der Vereinsmitgliedschaft, also die einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung, gilt als Abmeldung. Hiervon ist klar zu unterscheiden, wann eine Kündigung Wirkung entfaltet, denn dies kann beispielsweise bei einer gewissen Kündigungsfrist erst zu einem späteren Zeitpunkt der Fall sein. Dies ändert jedoch nichts an der klaren Vorgabe des § 40 RVO, wonach die Erklärung der Kündigung als Abmeldung gilt. Dies war im vorliegenden Fall unstreitig der 02.06.2016, so dass für den Spieler X mit Ablauf dieses 02.06.2016 seine Spielerlaubnis endete. Ab diesem Zeitpunkt konnten somit keine Spiele von seinem bisherigen Verein zur Verbüßung der Sperrstrafe zählen.
Auch wenn die Erläuterungen auf der Homepage des BFV zu den Grundlagen des Passrechts keine Rechtskraft entfalten, ist dem Revisionsführer entgegenzuhalten, dass der Spieler X am 02.06.2016 gemäß der von ihm gewählten Betreffs eine "ordentliche Kündigung der Mitgliedschaft" ausgesprochen hat. Zudem ist die Erläuterung auf der Homepage im Gesamtzusammenhang zu sehen und dahingehend zu verstehen, dass man sich zwar vom Spielbetrieb abmelden kann, damit aber nicht automatisch eine Beendigung der Vereinsmitgliedschaft einhergehen muss; andersherum gilt jedoch die Kündigungserklärung der Vereinsmitgliedschaft automatisch als eine Abmeldung vom Spielbetrieb.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00053-16/17-VSG
Sitzung: 11.04.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Schreckenbauer

Bayernliga-Spiel Verein A gegen Verein B
Berufung des Vereins A gegen das Urteil SG Bayern

Urteil:

I. Die Berufung wird als unbegründet zurückgewiesen.
II. Die Berufungsgebühr in Höhe von 205,44 € sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 61,63 € trägt der Verein A.

Gründe:

1. Laut Meldung des leitenden SR wurde der Spieler X, Verein A beim Verbandsspiel der Bayernliga Verein A gegen den Verein B mit Rot vom Platz gestellt. Grund war nach dem Inhalt der Meldung, dass der fehlbare Spieler als Torwart einen gegnerischen Angreifer regelwidrig zu Fall brachte und ihm dadurch eine klare Torchance verbaute. Der Verbandsanwalt stellte am 03.04.2017 Strafantrag auf eine Sperre für zwei Verbandsspiele. Das zuständige Sportgericht Bayern verurteilte den Spieler mit Urteil zu einer Sperre von drei Verbandsspielen. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Verein A mit dem Ziel, die Strafe auf eine Sperre von einem Verbandsspiel zu reduzieren.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs.3 RVO eingelegt, der Verein A ist berufungsberechtigt nach § 44 Abs.2 RVO. Das VSG ist zuständig nach § 20 Abs. 1 e RVO.

3. Die Berufung ist nicht begründet. Das vom Erstgericht verhängte Urteil ist weder im Hinblick auf die Strafwürdigkeit des zugrunde gelegten Verhaltens noch im Strafmaß zu beanstanden. Wie bereits vom Verbandsanwalt beantragt, rechtfertigt die vom Torwart verwirklichte Unsportlichkeit für sich betrachtet nach ständiger Rechtsprechung eine Sperre von zwei Spielen. Eine Herabsetzung auf ein Spiel kann nur dann veranlasst sein, wenn der in der Folge verhängte Freistoß zu einem Tor führt, weil die unsportliche Torverhinderung dann nicht zum Erfolg führte, also nur als Versuch zu werten ist. Dies war im vorliegenden Fall aber nicht gegeben.
Wie das Sportgericht Bayern zutreffend ausführt, war es gerechtfertigt, die grundsätzlich verwirkte Strafe von zwei Spielen Sperre hier um ein Spiel zu erhöhen, weil der Spieler in der Vorsaison bereits wegen einer Unsportlichkeit mit einer Sperre belegt worden war. Es entspricht der Rechtsprechung und ist auch sachgerecht, eine Vorstrafe bei der Festlegung des Strafmaßes zu berücksichtigen. Das Sportgericht Bayern hat jederzeit auch die Möglichkeit, über den Strafantrag des Verbandsanwaltes, in dem die Vorstrafe offenkundig nicht berücksichtigt war, im Strafmaß hinauszugehen.
Die vom Erstgericht verhängte Strafe hält damit der Überprüfung stand, die Berufung war als unbegründet zurückzuweisen.

4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. 8c, 13 d FO und § 2 I. 8 c, 13 d Anlage zur FO.

 

Aktenzeichen: 00052-16/17-VSG
Sitzung vom 28.03.2017
Besetzung: Beierlein

Abgabebeschluss des JSG vom 11.02.2017

Beschluss:

Das Verfahren gegen den Betreuer M Verein A wird an das Jugend-Sportgericht Oberbayern III zurückgegeben.

Gründe:

Der Verbandsanwalt hat mit Schreiben vom 22.03.2017 seinen Antrag auf Abgabe des Verfahrens an das VSG zurückgenommen.

Das Verfahren wird zur vollständigen Aufklärung des Sachverhalts, insbesondere zur Anhörung der vom Verein des Betroffenen in der Stellungnahme vom 13.01.2017 angebotenen Zeugen an das Jugendsportgericht Oberbayern III zurückgegeben.

 

Aktenzeichen: 00051-16/17-VSG
Sitzung: 18.03.2017
Besetzung: Riedmeyer, Schreckenbauer, Krause

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B vom 27.11.2016
Anzeige Verein A vom 29.11.2016

Urteil:

I. Das Verfahren gegen die Frauen-Bezirks-Schiedsrichterbeauftragte wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Mit email vom 29.11.2016 erstattet der Co-Trainer Verein A Herr C gegen die Betroffene Anzeige. Er wirft der Betroffenen vor, ihn beim Bezirksligaspiel Verein A gegen Verein B
2. am 27.11.2016 durch die Äußerungen

"Ich glaube es hackt, soll ich Euch vom Spielfeld werfen.",
"Ich muss Ihnen gar nichts sagen. Das können Sie alles nachlesen.",
"Und außerdem, wo haben Ihren Fußballverstand her. Ach Sie haben ja gar keinen.",
"Und wenn ich will, gehen sie auch noch vom Spielfeld"

unsachgemäß behandelt und beleidigt zu haben. Ferner habe die Betroffene auf den SR eingewirkt und diesem gesagt

"Du musst ihm auch die rote Karte zeigen",

worauf dieser dem bereits ausgewechselten Spielertrainer D auch die rote Karte zeigte.

Der Vorhalt des Anzeigeerstatters wurde per email durch die Zeugen M und N bestätigt.

Die Betroffene hat sich dahingehend eingelassen, dass es ihre Pflicht als SRAin war, den SR über das Fehlverhalten des Spielertrainers zu informieren und ihn darauf hinzuweisen, dass diesem aufgrund seiner Funktion als Spielertrainer die roten Karte gezeigt werden muss, um keinen Regelverstoß zu begehen. Die sonstigen vorgeworfenen Äußerungen habe sie nicht getätigt. Der Anzeigeerstatter habe scheinbar ein Problem mit ihr als Person, was sich darin begründen würde, dass er aufgrund einer Meldung im Jahr 2015 der Betroffenen zu einer Geldstrafe wegen SR-Beleidigung verurteilt wurde.

3. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b RVO für die Entscheidung zuständig, da die Betroffenen als Frauen-Bezirks-Beauftragte Funktionärin des BFV ist.

4. Nach mündlicher Verhandlung vom 18.03.2017 steht zur Überzeugung des VSG aufgrund der übereinstimmenden Angaben der Zeugen O, M und des SR X sowie der Einlassung der Betroffenen fest, dass diese den SR über das Fehlverhalten des Spielertrainers informiert und ihn zutreffend regeltechnisch darauf hingewiesen hat, dass diesem deshalb die rote Karte zu zeigen ist. Diesen wichtigen und richtigen Hinweis hält das VSG für einen Teil ihres Aufgabenspektrums als SRAin, mithin keinesfalls um ein sanktionswürdiges Verhalten.

Ob die Bemerkungen "Ich glaube es hackt, soll ich Euch vom Spielfeld werfen." und "Ich muss Ihnen gar nichts sagen. Das können Sie alles nachlesen." überhaupt gefallen sind, kann dahingestellt bleiben, denn diese erfüllen nach Ansicht des VSG nicht den Tatbestand des unsportlichen Verhaltens. Es obliegt allein dem SR nach dem Spiel die Meldung über die Vorkommnisse zu erstellen, welche dann den Vereinen zugehen. Eine Auskunftspflicht seitens des SR oder gar des SRA bzw. Kommentierungen oder Rechtfertigungen der während des Spiels getroffenen Entscheidungen sind nicht erforderlich.

Soweit es um die Bemerkung zum Fußballverstand geht, hat die Betroffene diese Aussage vollumfänglich bestritten. Die vernommenen Zeugen O und M sowie in schriftlicher Form der entschuldigte Zeuge N bestätigten zwar diese Wortwahl, allerdings stimmten deren Aussagen nur in diesem einen zentralen Punkt überein, ansonsten wurde das Geschehen sehr unterschiedlich geschildert.

Sowohl im Hinblick auf die Entfernung, wie weit Spielertrainer D das Spielfeld betreten hatte, weichten die Angaben der Zeugen O und M voneinander ab als auch im Hinblick auf die Örtlichkeit, an welcher die angebliche Aussage getätigt worden sei. So schreibt der Zeuge N, dass er "durch das Sitzen auf der Ersatzbank alle Geschehnisse beobachten und all Aussagen genauestens hören konnte". Der Zeuge O gab jedoch an, dass die Zeugen M und N in unmittelbarer Nähe zu ihm gestanden waren und zwar an der Mittellinie.

Der Zeuge M konnte nach seinen Angaben zwar klar und deutlich wahrnehmen, was die Betroffene zu dem Zeugen O an der Linie sagte und dies in exakt demselben Wortlaut wie der Zeuge O wiedergeben, hatte jedoch auf Nachfrage des VSG keine Erinnerung mehr bzw. nicht gehört, was der Zeuge O, welcher direkt vor ihm gestanden haben soll, zuvor zur Betroffenen gesagt oder ihr sodann entgegnete hatte.

Das vom Zeugen O geschilderte ruhige Verhalten seinerseits in der Situation, als die Betroffenen ihm gegenüber die streitige beleidigende Äußerung zum Fußballverstand getätigt haben sollte, wirkt aufgrund des Auftretens in der mündlichen Verhandlung für das VSG geradezu lebensfremd.

Der Zeuge SR X konnte zwar aufgrund seiner Entfernung zum Ort des Wortwechseln keine Angaben zu den Äußerungen der Betroffenen gegenüber dem Anzeigeerstatter tätigen, bestätigte jedoch klar, die Einlassung der Betroffenen im Hinblick auf deren Äußerungen ihm gegenüber und ihre Laufwege nach dem Fahnenzeichen. So gab er an, dass die Betroffene umgehend nach der kurzen Absprache mit ihm wieder zur Linie auf Höhe des letzten Abwehrspielers gelaufen sei. Einen Wortwechsel auf Höhe der Mittellinie, wie ihn die Zeugen O und M angaben, konnte er nicht wahrnehmen.

Das VSG geht aufgrund der Diskrepanz in den Aussagen der Zeugen, aber auch aufgrund der sachlichen Art der Betroffenen, zu welcher eine solche Aussage nicht passen würde, davon aus, dass die Betroffene zwar dem Anzeigeerstatter die erbetene Auskunft über den Grund der roten Karte verweigerte, jedoch dieser die beleidigende Äußerung ergänzt hat. Die Aussagen sowohl des Zeugen O als auch des Zeugen M waren nach Ansicht des VSG von erheblichem Belastungseifer getragen.

Ein sanktionswürdiges Verhalten der Betroffenen ist mithin nicht ersichtlich, so dass das Verfahren einzustellen war.

5. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ § 30 Abs. 3 Satz 2, 32, 33 RVO.

 

Aktenzeichen: 00050-16/17-VSG
Sitzung vom 14.03.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Schreckenbauer, Lieb, Krause

Antrag des Verbandsanwalts auf Auslegung des § 36 Abs. 1 und 2 Satzung in Verbindung mit § 5 Abs. 2 und 4 Schiedsrichterordnung

Urteil:

§ 36 Abs. 1 und 2 Satzung in Verbindung mit § 5 Abs. 2 und 4 Schiedsrichterordnung sind dahingehend auszulegen, dass ein Kandidat für das Amt des Bezirks-Schiedsrichterobmanns und für das Amt des Kreis-Schiedsrichterobmanns jeweils nur vom gemäß § 5 Abs. 2 und 4 Schiedsrichterordnung zuständigen Organ vorgeschlagen werden kann. Der Bezirkstag und der Kreistag haben jedoch die Möglichkeit, die Bestätigung abzulehnen, außer in dem Fall, wenn im Kreis nur eine Schiedsrichtergruppe besteht.

Begründung:

1. Mit Schreiben vom 03.02.2017 beantragte der Verbandsanwalt die Auslegung des § 36 Abs. 1 und 2 Satzung in Verbindung mit § 5 Abs. 2 und 4 Schiedsrichterordnung (SR-Ordnung) zu folgender Fragestellung:

Müssen der Bezirks-Schiedsrichterobmann und für der Kreis-Schiedsrichterobmann auf dem Bezirkstag bzw. dem Kreistag nur noch bestätigt werden oder besteht die für den Bezirkstag oder/und dem Kreistag die Möglichkeit eigene Kandidaten aufzustellen, die nicht von den gemäß § 5 Abs. 2 und 4 SR-Ordnung zuständigen Organen vorgeschlagen werden.

2. Das VSG ist für die Auslegung der Vorschrift zuständig. Gemäß § 20 Abs. 2 RVO kann der Verbandsanwalt die Auslegung einer Vorschrift beantragen. § 20 Abs. 2 RVO lautet:
Das Verbands-Sportgericht hat auf Antrag des Verbands-Präsidenten oder des Verbandsanwalts die Bestimmungen der Satzung und der Ordnungen auszulegen.

Ein besonderes rechtliches Interesse wird in der Vorschrift nicht verlangt.

Die Auslegung von Vorschriften der Satzung oder der Verbandsordnungen zählt zu den grundsätzlichen Angelegenheiten. Gemäß § 8 Abs. 4 RVO war daher mit einem Vorsitzenden und vier Beisitzern zu entscheiden.

3. § 36 der Satzung lautet:
(1) Der Bezirks-Ausschuss (mit Ausnahme des Vorsitzenden des Bezirks-Sportgerichtes, des Bezirks-Ehrenamtsreferenten, des Bezirks-Seniorenspielleiters und der Kreis-Vorsitzenden) wird in jedem vierten Jahr vom Bezirkstag gewählt. Für die Wahl des Bezirks-Schiedsrichterobmannes hat das Schiedsrichter-Organ gem. § 5 Abs. 2 Schiedsrichterordnung ein Vorschlagsrecht für den Bezirkstag.
Die Beisitzer des Bezirks-Schiedsrichterausschusses werden auf Vorschlag des Bezirks-Schiedsrichterobmanns über den Bezirks-Vorsitzenden vom Präsidium berufen.

(2) Für die Wahl der Mitglieder des Kreis-Ausschusses gelten die vorstehenden Ausführungen sinngemäß, ausgenommen die Wahl des Kreis-Schiedsrichterobmanns. Dieser wird aus dem Kreis der Gruppen-Schiedsrichterobmänner durch den Kreis-Schiedsrichterausschuss gem. § 5 Abs. 4 Schiedsrichterordnung gewählt und gilt als Vorschlag für den Kreistag. In Kreisen mit nur einer Gruppe ist der gewählte Gruppen-Schiedsrichterobmann zugleich Kreis-Schiedsrichterobmann.

(3) Vorschläge über Ergänzungen ausgeschiedener Mitglieder bzw. über Neubesetzungen müssen innerhalb sechs Wochen dem Verband eingereicht werden, im anderen Fall kann das Verbands-Präsidium eine Berufung ohne Vorschlag durchführen.

§ 5 Abs. 2 der SR-Ordnung lautet:
(2) Die Wahl des Bezirks-Schiedsrichterobmanns wird von den 3 stimmberechtigten Bezirks-Schiedsrichterausschussmitgliedern und den Gruppen-Schiedsrichterobleuten und deren berufenen Beisitzern (ausgenommen die Gruppen-Lehrwarte) vorgenommen.
Die Wahl des Bezirks-Schiedsrichterobmanns gilt als Vorschlag zum Bezirkstag gem. § 36 Abs. 1 der Satzung.

§ 5 Abs. 4 der SR-Ordnung lautet:
(4) Der Kreis-Schiedsrichterobmann wird vom jeweiligen Kreis-Schiedsrichterausschuss gem. § 2 Abs. 3 aus der Mitte der Gruppen-Schiedsrichterobleute § 2 Abs. 3 b gewählt und gilt als Vorschlag zum Kreistag gem. § 36 Abs. 2 der Satzung.
In Kreisen mit nur einer Gruppe ist der gewählte Gruppen-Schiedsrichterobmann zugleich Kreis-Schiedsrichterobmann.

§ 22 Abs. 2 Geschäftsordnung lautet
(2) Anträge können wie folgt gestellt werden:
a) zum Kreistag die Vertreter stimmberechtigter Vereine und der Kreis-Ausschuss, soweit seine Anträge Belange des Kreises betreffen. Anträge zum Kreistag werden von diesem behandelt und bei mehrheitlicher Zustimmung zur Beschlussfassung an den Bezirkstag weitergeleitet. Die Anträge müssen spätestens acht Tage vor dem Kreistag (Poststempel) beim Kreis-Vorsitzenden eingereicht werden.
b) zum Bezirkstag alle von den Kreistagen angenommenen Anträge und Anträge des Bezirks-Ausschusses, soweit seine Anträge Belange des Bezirkes betreffen, sowie Anträge der Vereine ab der Bezirksliga aufwärts. Am Kreis- bzw. Bezirkstag abgelehnte Anträge können am übergeordneten Bezirks- bzw. Verbandstag durch denselben Antragsteller nicht nochmals gestellt werden. Anträge zum Bezirkstag werden von diesem behandelt und bei mehrheitlicher Zustimmung zur Beschlussfassung an den Verbandstag weitergeleitet. Die Anträge müssen spätestens acht Tage vor dem Bezirkstag (Poststempel) beim Bezirks-Vorsitzenden eingereicht werden.

4. Das VSG hat die im Antrag gestellte Frage noch nicht entschieden. Dies vorausgesetzt, ergibt die Auslegung der Vorschrift folgendes:

§ 36 Abs. 1 Satzung statuiert für das gemäß § 5 Abs. 2 SR-Ordnung zuständige Organ ein Vorschlagsrecht für den Bezirks-Schiedsrichterobmann. Dem Wortlaut nach ist offen, ob dem Organ das alleinige Vorschlagsrecht zukommen soll oder ob es sich nur um ein weiteres Vorschlagsrecht handelt, das neben dem in § 22 Abs. 2 der Geschäftsordnung geregelten Antragrechten besteht.

§ 36 Abs. 2 Satzung statuiert für das gemäß § 5 Abs. 4 SR-Ordnung zuständige Organ ein Vorschlagsrecht für den Kreis-Schiedsrichterobmann. Hier legt Satz 2 der Vorschrift zudem fest, dass in Kreisen mit nur einer Schiedsrichtergruppe der gewählte Gruppenobmann auch die Funktion des Kreis-Schiedsrichterobmanns ausübt. Hier lässt bereits der Wortlaut der Vorschrift erkennen, dass der Kreis-Schiedsrichterobmann nur ein Gruppen- Schiedsrichterobmann sein kann. Wenn nämlich nur eine Gruppe besteht, bedarf es keiner Bestätigung durch den Kreistag mehr.

Betrachtet man den erkennbaren Sinn und Zweck der beiden Vorschriften wird deutlich, dass beide Vorschriften das Vorschlagsrecht begrenzen sollen.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es als vereinsrechtlich zulässig angesehen wird, aus sachlichen Gründen die Mitgliedschaftsrechte unterschiedlich zu gestalten und nur einem Teil der Mitglieder oder sogar Dritten ein Vorschlagrecht bei der Organbestellung zuzubilligen (Friedrich, Grundlagen und ausgewählte Probleme des Vereinsrechts, DStR 1994, 61).

Hier soll durch die Begrenzung des Vorschlagsrechts erkennbar sicher gestellt werden, dass der Kandidat aus dem Bereich kommt, der mit der Verwaltung des Schiedsrichterwesens im Verband befasst ist. Dies ist eine sachlich gerechtfertigte Einschränkung. Die Organisation des Schiedsrichterwesens stellt in erster Linie eine Verwaltungsaufgabe dar, die die Kenntnis der Organisation verlangt. Auch ist es nachvollziehbar, dass das Zusammenspiel der Bestimmungen dazu führt, dass nur ein geprüfter Schiedsrichter in diesem Bereich Verwaltungsaufgaben übernehmen kann. Zwar ist dies objektiv keine zwingende Voraussetzung, um eine solches Amt auszuführen. Es ist aber ein hinreichend nachvollziehbarer sachlicher Grund, der es rechtfertigen lässt, die Mitgliedschaftsrechte der an sich gemäß § 22 Abs. 2 Geschäftsordnung Antragsberechtigten zu beschränken.

Den Willen des Satzungsgebers, eine solche Beschränkung vorzunehmen lässt insbesondere § 36 Abs. 2 Satzung erkennen, wonach es keiner Bestätigung durch den Kreistag bedarf, wenn nur ein Gruppen-Schiedsrichterobmann vorhanden ist. Dass dies in § 36 Abs. 1 Satzung für den Bezirks-Schiedsrichterobmann anders geregelt werden soll, ist nicht erkennbar und wäre auch sinnwidrig. Wenn eine Grundvoraussetzung bereits für den Kreis-Schiedsrichterobmann als notwendig erachtet wird, muss dies erst recht für den Bezirks-Schiedsrichterobmann gelten.

Bei letzterem ist dem Bezirkstag allerdings das Recht verblieben, in jedem Fall einen Kandidaten abzulehnen. Während dies der Kreistag nur bei mehreren Schiedsrichtergruppen kann.

Wird ein Vorschlag vom Bezirkstag oder Kreistag nicht akzeptiert, muss durch die gemäß § 5 SR-Ordnung vorgesehenen Gremien ein neuer Vorschlag erfolgen.

Aktenzeichen: 00047-16/17-VSG
Sitzung: 10.03.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers M

Beschluss :

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG vom 03.11.2016, AZ 00166-16/17-KSG) gegen den Spieler M wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer I wird dahingehend abgeändert, dass der Spieler M ab 24.10.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisligamannschaft des Verein A gesperrt ist.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 51,36 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 03.11.2016, AZ 00166-16/17-KSG wurde der Spieler M wegen unsportlichen Verhaltens am 23.10.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft des Verein A gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass er darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO seines Vereins gesperrt ist.

Der Spieler M gehört nach Dafürhalten des VSG eigentlich zum Kreis der Stammspieler der 1. Mannschaft des Verein A, welche in der Kreisliga Süd spielt. Bis zu der streitgegenständlichen roten Karte wurde er in 14 von 16 Spielen der 1. Mannschaft eingesetzt und lediglich 3 Mal in der 2 Mannschaft.

Die A-Klasse-Mannschaft hatte nach dem Urteil vom 03.11.2016 bislang kein Spiel zu absolvieren und beginnt erst am 26.03.2017 mit dem Spielbetrieb, so dass die verhängte Sperre voraussichtlich bis inklusive 09.04.2017 andauert.

Die 1. Herrenmannschaft in der Kreisliga Süd hatte nach dem Urteil im Jahr 2016 noch ein Spiel zu absolvieren und bereits am 05.03.2017 mit dem Spielbetrieb begonnen. Bis zum Ablauf der Sperre hat die Kreisliga-Mannschaft 8 Verbandsspiele zu bestreiten. Für diese 8 Spiele wäre der Spieler M aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt. Dies stellt eine unbillige Härte dar.

Die vom Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen im Hinblick auf die Terminierung der Spiele in beiden Mannschaften rechtfertigen in dem vorliegenden Fall die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer I. und II. vom 03.11.2016.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32,33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO

 

Aktenzeichen: 00046-16/17-VSG
Sitzung vom: 01.03.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Schreckenbauer

Berufung SR gegen das Urteil des KSG

Urteil

I. Die Berufung wird als unzulässig verworfen.
II. Die Berufungsgebühr in Höhe von Euro 102,72 sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 25,68 trägt SR unter Mithaftung seines Vereins.

Gründe:

1. Folgender Sachverhalt ist nach Überzeugung des VSG gegeben:
SR hat als leitender SR beim Verbandsspiel Verein A gegen Verein B am 11.9.2016 einen Spieler mit Rot vom Platz gestellt, ohne eine brauchbare Meldung über den Vorfall zu erstatten, darüber hinaus äußerte sich SR in beleidigender Weise über Herrn X als Vorsitzenden des BSG (auf das Urteil des KSG wird insoweit Bezug genommen).
Das zuständige KSG hat auf Anzeige vom 19.9.2016 am 23.9.2016 ein Verfahren gegen SR eröffnet. Nach Maßgabe des § 41 Abs.3 RVO wurde eine Sperrstrafe von neun Monaten und eine Geldstrafe angekündigt, verbunden mit einer Belehrung nach § 41 Abs.3 Satz 4 RVO iVm § 44 Abs.5 RVO. Mitteilung an den Betroffenen persönlich erfolgte am selben Tag ordnungsgemäß über BFV Postfach Zimbra an dessen Internet-Adresse.
Am 31.12.2016 verurteilte das KSG SR wegen Verstoßes gegen §§47,48,83 Abs.2 RVO zu einer Sperre von neun Monaten als SR und einer Geldstrafe von 150.- Euro. Eine Stellungnahme des Betroffenen, ein Antrag oder eine Einwendung nach § 41 Abs.3 Satz 3 RVO waren nicht eingegangen. Das Urteil wurde dem Verein des Betroffenen nach § 24 Abs.5 RVO bekanntgegeben.
Am 17.1.2017 hat SR Berufung gegen das Urteil des KSG per E-Mail an das Erstgericht eingelegt. Zugleich hat er die Mitglieder des BSG als befangen abgelehnt. In Bezug auf die Berufungsfrist wies SR darauf hin, dass sein Verein ihm erst am 17.1.2017 vom Urteil in Kenntnis gesetzt habe.
Mit Schreiben vom 24.1.2017 hat der Vorsitzende des BSG erklärt, dass alle Sportrichter des BSG infolge vorausgegangenen intensiven Austausches sich für befangen halten und die Verfahrensunterlagen an das VSG abgegeben.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.
Nach § 20 Abs.3 Satz 2 RVO kann das VSG ein Verfahren an sich ziehen, wenn dies aus verfahrensökonomischen Gründen sachgerecht ist. Mit Beschluss vom 31.1.2017 (AZ 00041-16/17-VSG) hat das VSG von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Es ist im Widerspruch zu den Grundsätzen der Verfahrensökonomie, wenn das VSG im Zuge der Prüfung der Begründetheit des Befangenheitsantrags sich mit der Angelegenheit befasst, um sie dann einem anderen Sportgericht zuzuweisen, das sich erneut mit der Sache zu befassen hätte, obwohl hier offensichtlich Unzulässigkeit der Berufung vorliegt.
Die Übernahme des Verfahrens durch das VSG hat zur Folge, dass der Befangenheitsantrag gegenstandslos und nicht weiter zu prüfen ist. Der Übernahmebeschluss wurde SR mitgeteilt und ihm Gelegenheit zu einer Stellungnahme eingeräumt. Mit E-Mail vom 11.2.2017 hat SR eine Stellungnahme abgegeben, die jedoch inhaltlich zu dem anhängigen Verfahren nichts beitragen kann.

3. Die Berufung ist unzulässig.
Die Berufungseinlegung vom 17.1.2017 ist formunwirksam. Nach § 44 Abs.3 Satz 1 RVO ist die Berufung in Schriftform einzulegen, diese Form wird durch Einlegung per E-Mail mit Anlagen nicht gewahrt. Nach § 44 Abs.3 Satz 2 RVO kann die geforderte Schriftform zwar ersetzt werden, aber nur, wenn die Einlegung über das BFV-Postfach (Zimbra) vorgenommen wird. Dies ist hier nicht geschehen. Der Formverstoß hat die Unzulässigkeit der Berufung zwingend zur Folge.
Es ist damit nicht mehr entscheidungserheblich, inwieweit bereits §§ 44 Abs.5, 41 Abs.3 RVO zur Unzulässigkeit der Berufung geführt hätte. Desgleichen war auf die Versäumnis der Frist (§44 Abs.3 Satz 1 RVO) und deren mögliche Heilung über § 28 RVO nicht mehr einzugehen.
Die Berufung war unzulässig und damit zu verwerfen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 Abs.3 RVO; § 11 Nr.13 b) FO iVm § 2 Nr.13 b) Anlage zur FO. Die bei einem Verfahren vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr war auf den Betrag zu ermäßigen, der angefallen wäre, wenn das Verfahren vor dem BSG durchgeführt worden wäre. Dies ist sachgerecht, da das VSG aus Gründen der Sachökonomie das Verfahren von Amts wegen an sich gezogen hat (vgl oben Ziffer 2), was dem Berufungsführer nicht zum Nachteil gereichen darf. Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 Abs.2 RVO.

Aktenzeichen: 0043-16/17-VSG
Sitzung vom: 14.02.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein ,Krause

Berufung der Verein A gegen das Urteil des Sportgerichts vom 06.12.2016, Aktenzeichen: 00420-16/17-SG

Urteil:

I. Auf die Berufung der Verein A wird das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 06.12.2016 AZ: 00420-16/17-SG in Ziffer 1. dahingehend abgeändert, dass die Verein A gemäß § 73 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe in Höhe von 300,00 € belegt wird.

II. Im Übrigen verbleibt es bei der Entscheidung des SG Bayern.

III. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 60,90 € sowie die Berufungsgebühr in Höhe von 203,00 € trägt zur Hälfte die Verein A. Zu der anderen Hälfte trägt diese der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Vor Beginn des Regionalliga Verein A gegen Verein B am 12.11.2016 wurde mit begleitenden Fangesängen "Wo ist Eure Fahne hin" im Fanbereich des Heimvereines ein Banner zerrissen. Unmittelbar vor Spielbeginn wurde im Gästeblock eine Rauchbombe gezündet, welche Rauchschwaden verursachte, die sich über das Spielfeld zogen und sich in kurzer Zeit auflösten. Eine Verzögerung des Spielbeginns ging damit nicht einher. Der vom Heimverein eingesetzte Ordnungsdienst (21 gewerbliche und 7 vereinseigene) konnte trotz Einlass- und Einzelkontrollen das Einschleusen der Rauchbombe nicht verhindern. Umgehend nach dem Zünden der Bombe wurde mittels Lautsprecherdurchsage zum Unterlassen aufgefordert.

Der Verbandsanwalt beantragte mit Strafantrag vom 30.11.2016, dem Berufungsführer am 05.12.2016 um 15:21 Uhr zugegangen, eine Geldstrafe wegen Verletzung der Platzdisziplin in Höhe von 100 € für die Rauchbombe und in Höhe von 500 € für den Ruf "Wo ist Eure Fahne hin" und das Zerreißen des Banners, mithin eine Gesamtgeldstrafe von 600 €.

Das SG verhängte mit Urteil vom 06.12.2016 (zugestellt an gleichen Tag um 16:09 Uhr) nach § 73 Abs. 1 RVO die beantragte Geldstrafe von 600 € und verurteilte den Berufungsführer zu den Kosten des Verfahrens.

Am 07.12.2016 legte der Berufungsführer mittels der Antwortfunktion des ZIMBRA-Postfachs Berufung gegen das Urteil ein und begründete diese unter anderem damit, dass ihm aufgrund der Kenntnis des Strafantrags erst am 05.12.2016 und der Urteilsverkündung am 06.12.2016 gar keine Möglichkeit eingeräumt wurde, dem Strafantrag entgegenzutreten. Ferner sei das Teilstrafmaß von 500 € für das angeblich provozierende Fanverhalten deutlich überzogen und nicht verhältnisgemäß; zudem ginge von der vermeintlichen Provokation keinerlei Gefahrenpotenzial aus, da durch die Blocktrennung die Fangruppen voneinander getrennt waren. Außerdem seien die Eigentumsverhältnisse des Banners nicht geklärt, so dass von keiner Sachbeschädigung auszugehen ist.

2. Die Berufung ist zulässig und wurde form- und fristgerecht eingereicht. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.

3. Die Berufung ist auch teilweise begründet. Der Sachverhalt, insbesondere das Abbrennen der Rauchbombe im Gästeblock, die Fangesänge im Heimblock und das Zerreißen des Banners wurden vom Berufungsführer vollumfänglich eingeräumt. Gleichermaßen wurde zugestanden, dass es sich bei den Gesängen um eine Provokation handelte.

Das VSG sieht in den zweifelslos mit provozierender Intention dargebrachten Fangesängen "Wo ist Eure Fahne hin" und dem deutlich wahrnehmbaren Zerreißen des Banners eine unsportliche Geste. Hierbei ist die Eigentumsfrage des Banners unerheblich, denn sanktionswürdig ist allein die optische und verbale Provokation durch die Heimfans mittels dieser Aktion, welche den Fans der Gäste galt. Diesem Verhalten ist per se ein gewisses Gefährdungspotential nicht abzusprechen, denn die Gemüter der Gästefans sollten hierdurch absichtlich aufgebracht werden, zumal es schon vor dem Spiel Auffälligkeiten der Gästefans zu beobachten gab. Dass es hiernach, wohl mitunter der Blocktrennung und/oder dem Ordnungsdienst und/oder den polizeilichen Einsatzkräften geschuldet, zu keinen tätlichen Konfrontationen zwischen den Fans im Rahmen des Spiel oder der Abreise der Fans gekommen ist, wird seitens des VSG im Rahmen der Strafzumessung berücksichtigt. Allerdings ist festzuhalten, dass der/die tatsächlichen Täter seitens des Berufungsführers nicht namentlich bekannt gemacht und daher auch keiner persönlichen Strafe zugeführt wurden. Anstrengungen dies zu veranlassen wurden ebenso nicht dargetan.

Das unstreitig provozierende Verhalten in Wort und Tat der Heimfans stellt nach Auffassung des VSG eine Pflichtverletzung des Berufungsführers dar. Dem Verein obliegt nämlich die Pflicht zur Wahrung des Ansehens des Fußballsports und zur ordnungsgemäßen Durchführung der Spiele für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Aufgrund der als nicht besonders wesentlich zu bewertenden Intensität der Provokation und der sich nicht verwirklichten Gefährdung hierdurch rechtfertigt sich aus Sicht des VSG eine Reduzierung des Teilstrafmaßes für dieses Verhalten von 500 € auf 250 €.

Hingegen sieht sich das VSG für das Zünden der Rauchbombe im Gästeblock, mithin die augenscheinlich nicht gewissenhaft genug durchgeführten Eingangskontrollen, welche das Einschleusen der Rauchbombe in den Stadionbereich nicht unterbinden konnten, an die im erstinstanzlichen Urteil verhängte Teilstrafe von 100 € gebunden, obschon es dieses Strafmaß im Hinblick auf die allgemeine Gefährlichkeit von pyrotechnischen Gegenständen für zu gering erachtet. Aufgrund des Verschlechterungsverbots ist jedoch eine Erhöhung der Teilstrafe von 100 € hierfür aufgrund der alleinigen Berufung des Vereins nicht möglich.

Nach Auffassung des VSG war daher bei der gebotenen Gesamtstrafenbildung aus der angemessenen Teilstrafe von 250 € und der zu geringen, aber nicht erhöhbaren Teilstrafe von 100 € eine Reduzierung der bisherigen Gesamtstrafe von 600 € auf 300 € nach § 73 RVO vorzunehmen, da tat- und schuldangemessen. Die Berufung war somit teilweise begründet.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO.

 

Aktenzeichen: 00042-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 03.02.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein


Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 27.01.2017, Aktenzeichen 00079-16/17-BSG

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 27.01.2017 wird das Urteil in Ziffer I dahingehend abgeändert, dass der Spieler M (0134-2809) gemäß § 65 RVO wegen unsportlichen Verhaltens für 2 Hallenturniere des Vereins A gesperrt wird. Im Übrigen bleibt das Urteil bestehen.

II. Die Kosten der Berufung in Höhe von € 61,63 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 102,72 tragen der Verein A und der BFV je zur Hälfte. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Bei einem Spiel des Hallenbezirksturniers Verein B gegen Verein A am 22.01.2017 stieß der Spieler M seinen Gegenspieler, der sich ihm in den Weg gestellt hatte, um die sofortige Ausführung eines Einkicks zu verhindern, von hinten mit seinem Oberkörper um. Als der Gegenspieler dabei zu Fall kam, stieß dieser mit seinem Kopf gegen den Kopf des amtierenden Schiedsrichters, welcher ein "blaues Auge" davon getragen hat. Das BSG hat mit Urteil vom 27.01.2017 den Spieler M wegen einer Tätlichkeit in einem leichten Fall mit

vorangegangener sportwidriger Handlung für 3 Hallenturniere gesperrt. Hiergegen hat der Verein A Berufung eingelegt und dies letztlich auch damit begründet, dass der Gegenspieler sich theatralisch habe fallen lassen

und sich für sein Verhalten entschuldigt habe. Der betroffene Spieler M wollte lediglich den Ball haben, der von dem Gegenspieler Verein B festgehalten wurde. Das VSG hat des Weiteren ein zur Verfügung gestelltes Video in Augenschein genommen.

2. Das VSG ist für die Berufung zuständig. Diese ist zulässig und zum Teil begründet. Unter Berücksichtigung des Akteninhalts und des in Augenschein genommenen Videos ergibt sich für das VSG, dass der betroffene Spieler M bei einem Gerangel um den Ball von hinten schubste, da sich dieser ihm in den Weg stellte, um die sofortige Ausführung des Einkicks zu verhindern. Dabei ist weiter zu berücksichtigen, dass der Gegenspieler sich
theatralisch fallen ließ und dementsprechend die bedauerliche Verletzung des Schiedsrichters war für den Betroffenen im vorliegenden Fall nicht vorauszusehen war. Unter Berücksichtigung all dieser Umstände hat das VSG zu Recht einen leichten Fall der Tätlichkeit mit vorangegangener sportwidriger Handlung angenommen. Aufgrund des gesamten Tathergangs ist aber im vorliegenden Fall keinem ersichtlich, warum hier eine Straferhöhung vorgenommen werden soll. Es kann im vorliegenden Fall zugunsten des Betroffenen von der Mindeststrafe ausgegangen werden. Das VSG ist daher unter Berücksichtigung all dieser Umstände, die zugunsten und zu Lasten des Betroffenen sprechen, der Meinung, dass hier eine Sperrstrafe von 2 Hallenturnieren schuldangemessen, aber auch ausreichend ist. Dementsprechend war das Urteil abzuändern.

3. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO. Unter Berücksichtigung des gegenseitigen Obsiegens, war die vorgenommene Kostenentscheidung zu treffen.

 

Aktenzeichen: 00040-16/17-VSG
Sitzung vom: 31.01.2017
Besetzung: Riedmeyer


Berufung Verein A gegen das Urteil des SG vom 06.12.2016

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt die Verein A.

Gründe:

Die am 13.12.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des SG vom 06.12.2016 wurde mit Schreiben vom 18.01.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

Aktenzeichen: 00039-16/17-VSG
Sitzung vom: 31.01.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Verfahren gegen Herrn A wegen Ausschlusses

Urteil:

I. Der Betroffene A, Verein M, wird wegen einer Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter gemäß § 68 Abs. 2 RVO aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen.
Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass mit der Nr. 0428-3289 ist einzuziehen.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Verein M. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Folgender Sachverhalt ergibt sich nach den Feststellungen des VSG.

Der Betroffene hat am 23.10.2016 beim Spiel der Kreis-Klasse Reserve Verein N gegen den Verein M nach einem gegen seinen Mitspieler in der 67. Minute ausgesprochenen Platzverweis den amtierenden Schiedsrichter ca. 10 Sekunden lang gewürgt und ihn darüber hinaus mit den Worten "Du Mutterficker" und "Du Arschloch" massiv beleidigt. Der Betroffene hat im weiteren Verlauf versucht auf den Schiedsrichter einzuschlagen und diesen zu treten. Der Schiedsrichter brach daraufhin das Spiel ab.

2.
Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs.1 a) RVO.

Aufgrund der Meldung des Schiedsrichters vom 24.10.2016 leitete das KSG ein Verfahren gegen den Betroffenen ein. Mit Schreiben vom 07.11.2016 räumte der Verein gegenüber dem KSG den Sachverhalt vollumfänglich ein.
Das KSG gab das Verfahren mit Beschluss vom 24.11.2016 an das Verbands-Sportgericht mit der Begründung ab, dass die Strafgewalt des KSG nicht ausreicht.

3.
Mit Schreiben vom 09.12.2016 wurde der Betroffene informiert, dass das Verfahren beim VSG geführt wird, dass nach Vorberatung durch das VSG ein Ausschluss in Betracht kommt und der Betroffene die Möglichkeit hat, bis zum 20.12.2016 eine Stellungnahme abzugeben und eine mündliche Verhandlung zu beantragen.

Das Schreiben wurde ebenfalls dem Verein des Betroffenen am 09.12.2016 über das Postfachsystem ZIMBRA zugestellt, eine Möglichkeit der Stellungnahme wurde bis 20.12.2016 eingeräumt.

Der Verbandsanwalt ist dem Verfahren am 30.11.2016 beigetreten und hat am 09.01.2017 den Ausschluss des Betroffenen aus dem Bayrischen Fußball-Verband beantragt. Der Antrag wurde dem Betroffenen per Einschreiben am 18.01.2017 übersandt und am gleichen Tag dem Verein des Betroffenen über das Postfachsystem ZIMBRA zugestellt, verbunden mit der Aufforderung ggfs. bis 28.01.2017 eine Stellungnahme dazu abzugeben.

Eine Stellungnahme des Betroffenen ist binnen der gesetzten Fristen nicht erfolgt.
Der Verein hat dem Antrag des Verbandsanwalts mit Schreiben vom 18.01.2017 vollumfänglich zugestimmt.

4.
Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbands-Sportgerichts fest aufgrund der Meldung des amtierenden Schiedsrichters vom 24.10.2016 sowie der Stellungnahme des TSV Friedberg vom 07.11.2016, in der der Sachverhalt vom Verein vollumfänglich eingeräumt wird.
Der Betroffene hat sich nicht zur Sache geäußert.

5.
Das Verhalten des Betroffenen stellt neben den begangenen Straftaten der vorsätzlichen Körperverletzung und der Beleidigung eine Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter in einem besonders schweren Fall gemäß § 68 Abs. 2 RVO dar.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser den Sachverhalt zumindest nicht bestritten hat und der Schiedsrichter keine bleibenden Verletzungen erlitten hat.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich vorliegend um ein ganz massives und völlig grundloses Verhalten gegen den amtierenden Schiedsrichter mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat.
Ferner wurde der Schiedsrichter vom Betroffenen massiv beleidigt.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Taten im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 68 Abs. 2 RVO in Betracht.

Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vorgehens nicht angezeigt.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00038-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 00101-16/17-BSG (Eingangsnummer 31-16/17)

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 00102-16/17-BSG (Eingangsnummer 32-16/17)

Beschluss:

Die Fälle mit den Eingangsnummern beim Verbands-Sportgericht 31-16/17 und 32-16/17 werden verbunden. Der Fall 31-16/17 führt.

Gründe:

Mit Schreiben vom 29.11.2016 hat der Verein A Berufungen gegen die Urteile des BSG vom 22.11.2016, Az.: 00101-16/17-BSG und Az.: 00102-16/17-BSG eingelegt. Beide Verfahren haben unsportliches Verhalten der Spieler X und Y während des Spiels Verein B gegen Verein A vom 13.11.2016 zum Gegenstand.

Aus prozessökonomischen Gründen werden diese beiden Verfahren zu einem Verfahren verbunden.

 

Aktenzeichen: 00037-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer, Schreckenbauer, Lieb

Ausschluss Schriftführer A, Verein X

Urteil:

I. Der Schriftführer A, Verein X wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen.
Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Verein X.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, den Spielerpass Spieler M mit dem Foto des Spielers N versehen und die Verbindung Spielerpass/Foto mit dem Vereinsstempel abgestempelt zu haben.
Der Spieler N hat auf den Spielerpass M am 04.09.2016 unzulässig in dem Verbandsspiel Verein Y - Verein X mitgewirkt.
Dieser Sachverhalt hat sich im Laufe des Sportgerichtsverfahrens vor dem Kreissportgericht Aschaffenburg, AZ 00188-16/17 ergeben, nachdem der Verein Y mit Schreiben vom 26.09.2016 beim Kreissportgericht Anzeige wegen des unzulässigem Einsatz des Spielers Spieler M erstattet hat.
2. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1 a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Betracht kommt.
Das Verfahren wurde mit Beschluss vom 23.11.2016 vom KSG an das Verbandssportgericht abgeben.
3. Mit Schreiben vom 09.12.2016 wurde dem Verein und dem Betroffenen die Übernahme durch das Verbandssportgericht mitgeteilt und auf § 41 Abs. 3 RVO (Antrag auf mündliche Verhandlung) hingewiesen.

4. Zur Überzeugung des Verbands-Sportgerichts steht fest, dass der Betroffene einen falschen Spielerpass hergestellt hat, indem er in den Spielerpass Jan Sadi Faris das Foto des Spielers M eingeklebt und die Verbindung Spielerpass/Foto mit dem Vereinsstempel abgestempelt hat.

Der Sachverhalt steht aufgrund des vorgelegten Spielerpasses N, der Stellungnahme des Vereines vom 25.10.2016 und der Stellungnahme des Betroffenen selbst vom 14.10.2016 fest.

Das Verhalten des Betroffenen A stellt neben der vorliegenden Urkundenfälschung ein Vergehen der falschen Angaben im Sinne von § 89 Abs. 2 RVO durch Herstellung eines falschen Spielerpasses dar.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser den Sachverhalt in dem Schreiben vom 14.10.2016 eingeräumt hat.

Zu seinen Lasten war zu berücksichtigen, dass der Betroffene durch das Einkleben des falschen Bildes die strafrechtlich relevante Tat der Urkundenfälschung durch Anbringen eines falschen Passbildes in einem Spielerpass vorgenommen hat. Der Betroffene hat durch die Fälschung des Spielerpasses den unzulässigen Einsatz des Spielers M in einem Verbandsspiel ermöglicht.

Das Herstellen eines manipulierten Passes führt gemäß § 89 Abs.2 RVO zum Ausschluss.
Angesichts der Gesamtumstände kam auch die Annahme eines leichten Falles nach § 89 Abs.2 Satz 2 RVO nicht in Betracht.
Der Betroffene A ist wegen eines Vergehens der Herstellung eines falschen Spielerpasses (§ 89 RVO) mit dem Ausschluss aus dem Verband zu belegen.
5. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d).

Aktenzeichen: 00036-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG Mittelfranken vom 22.11.2016, Az.: 000105-16/17-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt Verein A.

Gründe:

Die am 29.11.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000105-16/17-BSG wurde mit Schreiben vom 11.01.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

Aktenzeichen: 00035-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG Mittelfranken vom 22.11.2016, Az.: 000104-16/17-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt Verein A.

Gründe:

Die am 29.11.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000104-16/17-BSG wurde mit Schreiben vom 11.01.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

Aktenzeichen: 00034-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000103-16/17-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt Verein A.

Gründe:

Die am 29.11.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000103-16/17-BSG wurde mit Schreiben vom 11.01.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

Aktenzeichen: 00033-16/17-VSG
Sitzung vom: 16.01.2017
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000101-16/17-BSG und 000102-16/17-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt Verein A.

Gründe:

Die am 29.11.2016 eingelegten Berufungen gegen die Urteile des BSG vom 22.11.2016, Az.: 000101-16/17-BSG. und Az.: 000102-16/17-BSG. wurden durch Beschluss des Verbands-Sportgericht vom 16.01.2017, AZ: 00033-16/17-VSG
zu einem Verfahren verbunden. Die Berufungen wurden mit Schreiben vom 11.01.2017 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

Aktenzeichen: 00030-16/17-VSG
Sitzung vom: 05.01.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 06.12.2016.

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 06.12.2016, wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel Verein B gegen Verein A am 20.11.2016 meldete der SR, dass der Spieler X sich in der 45. Minute auf der rechten Außenbahn ein Laufduell mit seinem Gegenspieler lieferte. Als der Gegner sich den Ball etwa 5 Meter vorlegte und hinterher startete, grätschte ihm der Betroffene mit gestrecktem Bein und offener Sohle von hinten in die Beine und brachte ihn durch einen Treffer in Knöchelhöhe zu Fall. Der SR zeigte hierfür die rote Karte. Der Gefoulte musste nicht behandelt werden und konnte weiterspielen, der Freistoß hatte keine Wirkung.

Eine Stellungnahme wurde in erster Instanz nicht abgegeben.

Mit Urteil vom 06.12.2016 wurde der Spieler X vom BSG gemäß § 66 Abs. 1 RVO für vier Verbandsspiele wegen rohen Spiels gesperrt. Das Urteil wurde am 06.12.2016 über das BFV-Postfach dem Berufungsführer zugestellt.

Hiergegen legte der Berufungsführer am 07.12.2016 über das BFV-Postfachsystem Berufung ein. Er führte aus, dass der Vereinsspielleiter vom 19.11.2016 bis 01.12.2016 berufsbedingt abwesend war, weshalb früher keine Stellungnahme abgegeben wurde. Ferner wäre der Spieler nicht von hinten, sondern von der Seite auf nassem Rasen hereingegrätscht, hierbei etwas zu spät gekommen und hätte daher den Gegenspieler getroffen. Da der Betroffene bislang nicht negativ beim Sportgericht in Erscheinung getreten sei wäre die Sperrstrafe von 4 Spielen für das Vergehen zu hoch.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde frist- und formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Gemäß § 44 Abs. 4 RVO kann die Berufung nicht auf Beweismittel gestützt werden, die bereits in erster Instanz hätten beigebracht werden können. Der Berufungsführer hat erstmals im Berufungsverfahren vorgetragen, dass die unstreitig ausgeführte Grätsche nicht von hinten, sondern von der Seite erfolgt wäre.

Die Ausführungen bezüglich der berufsbedingten Abwesenheit des internen Vereinsspielleiters sind unbeachtlich, da der Verein während der Abwesenheit eines Vereinsmitarbeiters hierfür geeignete Vorkehrungen zu treffen hat. Zudem kann ein Verein, welchem keine Abschrift der SR-Meldung zugehen würde, gemäß § 36 Abs. 3 RVO diese beim Sportgericht anfordern oder ohne Kenntnis dieser eine Stellungnahme abgeben. Dies wurde jedoch erst nach dem Urteil des BSG veranlasst. Der inhaltliche Vortrag kann somit nach § 44 Abs. 4 RVO nicht mehr gehört werden.

Ungeachtet dessen handelt es sich nach Auffassung des VSG bei der vom SR geschilderten Grätsche, durch welche der Spieler X unstreitig seinen Gegenspieler attackierte, an den Füßen traf und diesen hierdurch zu Fall brachte, um ein rohes Spiel nach § 66 RVO. Die hierfür verhängte Sperre von vier Spielen ist am unteren Ende des Strafrahmens und für das Vergehen tat- und schuldangemessen. Nach Auffassung des VSG ist die erkannte Strafe somit nicht zu beanstanden. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

 

Aktenzeichen: 00029-16/17-VSG
Sitzung vom: 05.01.2017
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 15.11.2016:

Urteil:

I. Die Revision des Verein A gegen das Urteil des BSG Schwaben vom 15.11.2016 wird zurückgewiesen.

II. Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 152,25 €.

Gründe:

1. Das BSG traf folgende Feststellungen hinsichtlich des Kreisligaspiels Verein B /Verein A am 09.10.2016:

Das Spiel wurde in der 41. Minute durch den amtierenden Schiedsrichter abgebrochen. Vorausgegangen war eine Freistoßentscheidung in der 37. Minute für den Verein B. Bevor der Freistoß ausgeführt worden war, beging ein Spieler des Verein B eine Tätlichkeit gegen einen Gegenspieler. Der Schiedsrichter nahm diese Tätlichkeit nicht wahr und ließ den Freistoß ausführen. Noch bevor das Tor durch den Verein B erzielt wurde, bemerkte der Schiedsrichter das Fahnenzeichen seines Schiedsrichterassistenten. Allerdings erfolgte die Torerzielung, bevor der Schiedsrichter das Spiel mit einem Pfiff unterbrechen konnte. Während der Freistoßausführung und der Torerzielung liefen Zuschauer zum Schiedsrichterassistenten, der die Tätlichkeit sah, und reklamierten heftig. In seinem Bericht schildert der Schiedsrichter "Ich konnte ihn allerdings ohne Probleme aus der Traube
entfernen und die Zuschauer verließen auch während meines Gespräches mit ihm wieder das Feld". Der Schiedsrichter zeigte anschließend dem Spieler des Verein B die rote Karte. Der Schiedsrichter meldete weiter: "Als sich die Lage beruhigte und der entsprechende Spieler endlich das Feld verlassen hatte, entschied ich auf Wiederholung des Freistoßes. Daraufhin kam der Spielführer auf mich zu. In einem normalen Gespräch machte er mir deutlich, dass seine Mannschaft nicht mehr gewillt ist weiterzuspielen, wenn das Tor nicht anerkannt wird. Ich fragte zweimal nach, ob er das ernst meint und er bestätigte es mir beide Male mit einem deutlichen ,Ja, wir wollen nicht mehr weiterspielen'". Daraufhin brach der Schiedsrichter das Kreisligaspiel ab.

Das KSG sprach mit Urteil vom 20.10.2016 gegen den Verein B gemäß § 74 RVO wegen Verschulden eines Spielabbruchs eine Geldstrafe in Höhe von € 100,00 aus und nahm eine Spielwertung gemäß § 29 SpO vor, wonach das Spiel für den Verein A (Revisionsführer) mit 2:0 als gewonnen und für Verein B mit 0:2 als verloren gewertet wurde.

Mit Telefax vom 25.10.2016 legte der Verein B Berufung ein. Das BSG hob das Ersturteil auf und verfügte eine Neuansetzung des Spiels.

Gegen das am 15.11.2016 zugestellte Urteil des BSG legte der Revisionsführer per Postfachsystem Zimbra Revision ein. Diese wurde binnen der verlängerten Revisionsfrist mit Schreiben vom 01.12.2016 begründet.

Der Revisionsführer macht geltend, dass sein Sachvortrag nicht berücksichtigt worden sei, und damit ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs (§ 39 RVO) vorliege.

Der Revisionsführer stellt darauf ab, dass unter Beweis gestellt wurde, dass der Spielführer und zweite Abteilungsleiter des Verein B mehrfach vom Schiedsrichter gefordert habe, das Spiel abzubrechen.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Nach der Rechtsprechung des VSG muss ein Spielabbruch das letzte Mittel ein, zu dem der Schiedsrichter greift. Dies ist Folge der Tatsache, dass eine Spielwertung in den Wettbewerb eingreift. Es kann bei einem Spielabbruch jederzeit die Möglichkeit bestehen, dass eine sportlich unterlegene Mannschaft die Punkte erhält, weil die andere Mannschaft Anlass zum Spielabbruch gegeben hat. Da die Fußballrunden bildlich gesprochen am grünen Rasen und nicht am "grünen Tisch" entschieden werden sollen, muss der Schiedsrichter zunächst alle Möglichkeiten ausloten, das Spiel fortzusetzen. Kein Grund ein Spiel abzubrechen stellt das (auch ernstliche) Verlangen einer Mannschaft dar, das Spiel vorzeitig zu beenden. Der Schiedsrichter muss in einem solchen Fall darauf bestehen, dass das Spiel fortgesetzt und regulär beendet wird. Nur dann, wenn sich eine Mannschaft tatsächlich vom Rasen entfernt, kann der Schiedsrichter das Spiel abbrechen.

Unter diesem Gesichtspunkt war keine weitere Ermittlung des BSG notwendig. Der Sachverhalt war insoweit nicht streitig.

Es kam daher weder auf die Frage an, ob das Tor zu Recht annulliert wurde, oder ob der Spielführer mehrfach verlangt hatte, das Spiel abzubrechen.

Nur dann, wenn der Schiedsrichter gemeldet hätte, dass die Spieler des Verein B das Spielfeld vor der Spielfortsetzung verlassen hatten, wäre ein Spielabbruch in Betracht gekommen.

Nach der Rechtsprechung des VSG führt ein unberechtigter Spielabbruch zur Neuansetzung, unabhängig davon, wer Auslöser der Schiedsrichter-Entscheidung war.

Das BSG folgte diesen Grundsätzen der VSG Rechtsprechung. Es liegt daher kein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs vor. Der Sachvortrag des Revisionsführers wurde in vollem Umfang berücksichtigt und auch der Entscheidung zugrunde gelegt. Nur zog das BSG andere Schlüsse aus diesen Tatsachen, als dies der Revisionsführer für richtig hält.

Das VSG hält aber auch nach nochmaliger Überprüfung seiner Rechtsprechung an den vorgenannten Grundsätzen fest, die das BSG im Urteil herangezogen hat. Der Eingriff in den Wettbewerb muss die Ausnahme bleiben. Alleine die Aufforderung, das Spiel abzubrechen, ist kein zulässiger Grund für den Spielabbruch und damit kein Eingriff in den Wettbewerb.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00028-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 05.12.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 17.11.2016

Urteil:

I. Auf die Revision des Verein A wird das Urteil des BSG vom 17.11.2016 aufgehoben und das Verfahren eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Es handelt sich um ein Eingabefehler. Verein war an dem Ausgangsverfahren nicht beteiligt und hatte auch keine Berufung eingelegt. 

Aktenzeichen: 0027-16/17-VSG
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Frey
Sitzung am : 05.12.2016

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 17.11.2016

Urteil:

I. Die Berufung der Verein A gegen das Urteil des BSG wird als unbegründet zurückgewiesen.

II. Die Kosten der Berufung in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50 trägt die Verein A.

Gründe:

1. Zum o. g. Verbandsspiel erstattete der amtierende SR am 05.11.2016 eine Sondermeldung. Danach hat die Spielerin X von Verein A mit gestreckten Beinen, und zwar nachdem die Torhüterin den Ball bereits sicher in Händen hielt, diese gefoult und am Kopf getroffen.

Der betroffene Verein gab in der 1. Instanz keine Stellungnahme ab.

2. Mit Urteil vom 17.11.2016 hat das BSG. die Spielerin X nach § 66 I RVO mit einer Sperre von drei Verbandsspielen verurteilt und auch die Kosten auferlegt.

3. Mit Schreiben vom 18.11.2016 hat der Betroffene Verein hiergegen schriftlich Berufung eingelegt und vorgetragen, dass der Verein das Urteil als zu hart empfindet. Auf die Berufungsbegründung wird verwiesen, man bittet um ein milderes Urteil.

4. Das VSG ist gem. § 20 I d RVO zuständig.

5. Die Berufung ist zulässig, insbesondere form- und fristgerecht eingereicht, erweist sich jedoch in der Sache als unbegründet. Nachdem der Verein in der 1. Instanz keine Stellungnahme abgegeben hat, ist die jetzt in der Berufungsinstanz vorgebrachte Stellungnahme grundsätzlich nach § 44 IV RVO verfristet.

6. Letztendlich kann jedoch nach Überzeugung des VSG dahingestellt bleiben, ob das Vorbringen verfristet war, da es auch bei Berücksichtigung zu keiner anderen Entscheidung geführt hätte. Das Erstgericht hat die Spielerin wegen rohem Spiels für drei Verbandsspiele gesperrt, dies ist nach dem Schiedsrichterbericht tat- und schuldangemessen. Der Zusammenprall wird auch von dem Berufungsführer nicht in Abrede gestellt, so dass es auch aufgrund des Vorbringens in der 2. Instanz keinen Anlass gab, die Erstentscheidung abzuändern.

7. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO


Aktenzeichen: 0026-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 05.12.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Revision des Verein A gegen die Urteile des Bezirks-Sportgerichts vom 08.11.2016

Urteil:

I. Die Revision des Verein A gegen die Urteile des BSG vom 08.11.2016 wird verworfen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 152,25 €.

Gründe:

1.
Beim A-Klasse-Spiel Verein B gegen Verein a (Revisionsführer) am 28.08.2016 wirkte auf Seiten des Revisionsführers der Spieler M mit, ohne dass er am Spieltag seine Spielberechtigung nachweisen konnte. Es lag insbesondere kein Ausdruck der Detail-Spielberechtigung aus Pass-Online mit dem BFV-Logo in Verbindung mit einem Lichtbildausweis vor. Für den Spieler war in der Spielberechtigungsliste kein Bild hochgeladen.
Der im ESB/Spielbericht eingetragene Mannschaftsverantwortliche hat gegenüber dem Schiedsrichter die Identität und die Spielberechtigung des Spielers bestätigt. Der Revisionsführer hat aber innerhalb 3 Tagen nach dem Spiel weder einen Spielerpass vorgelegt, noch dem Sportgericht mitgeteilt, dass ein Spieler-Foto (Passbild mit Schulterbereich) in der Spielberechtigungsliste hochgeladen wurde.

Das KSG belegte den Revisionsführer gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einem Punktabzug von 3 Punkten und mit einer Geldstrafe in Höhe von € 115,00. Das Spiel wurde gemäß § 29 SpO für Verein A mit 2:0 als gewonnen und für den Revisionsführer mit 0:2 als verloren gewertet.
Gegen den Mannschaftsverantwortlichen des Revisionsführers, Trainer X, wurde in einem gesonderten Urteil gemäß § 77 Abs. 2 RVO eine Geldstrafe in Höhe von 150,00 ausgesprochen.

Gegen die jeweils am 13.10.2016 zugestellten Urteile legte der Revisionsführer jeweils am 19.10.2016 über das Postfachsystem Zimbra Berufung ein.

Das BSG wies die Berufungen mit Urteilen vom 08.11.2016 als unbegründet zurück. Gegen diese beiden Urteile legte der Revisionsführer jeweils per Postfachsystem Zimbra am 15.11.2016 Revision ein. Es wurde die Nachreichung der Gründe angekündigt. Es wurde jedoch keine Revisionsbegründung eingereicht.

Durch Beschluss vom 05.12.2016 wurden beide Verfahren zur einheitlichen Entscheidung verbunden, da sie denselben Lebenssachverhalt betreffen.

2.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

3.
Die Revision ist unzulässig.

Gemäß §§ 45 Abs. 2, 44 Abs. 3 RVO ist die Revision binnen einer Frist von einer Woche nach der Einstellung des Urteils in das ZIMBRA Postfach des Vereins oder sonstiger Bekanntgabe gemäß § 24 Abs. 5 RVO schriftlich einzulegen. Die Revision muss die verletzte Vorschrift bezeichnen und darlegen, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Dabei muss nach der ständigen Rechtsprechung des VSG (Fall 52, 2000/2001; Fall 41 2005/2005) die verletzte Vorschrift zwar nicht explizit genannt werden, aus der Begründung muss sich aber zweifelsfrei ergeben, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus.

Gemäß § 45 Abs. 2 RVO ist eine Verlängerung der Revisionsbegründungsfrist um maximal 2 Wochen möglich. Selbst wenn man die Ankündigung der zeitnahen Einreichung einer Revisionsbegründung als Fristverlängerungsantrag werten sollte, hätte die schriftliche Begründung spätestens am 29.11.2016 eingehen müssen. Dies ist nicht erfolgt, weshalb die Revision als unzulässig zu verwerfen ist.

Der Revisionsführer wurde in beiden Urteilen auf das Rechtsmittel der Revision hingewiesen, sowie darauf, welche Form- und Fristerfordernisse einzuhalten sind.

4.
Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO



Aktenzeichen: 00025-16/17-VSG
Sitzung vom: 05.11.2016
Besetzung: Riedmeyer

Revision des Verein A gegen die Urteile des Bezirks-Sportgerichts vom 08.11.2016

Beschluss:

Die Verfahren M und N betreffend das Spiel Verein B - Verein A am 28.08.2016 werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden. 



Aktenzeichen: 00024-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 05.12.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Beierlein

Bezirksliga-Spiel Verein A - Verein B vom 23.10.2016

Berufung des Verein B gegen das Urteil des BSG  vom 12.11.2016, 00084-16/17

Urteil:

I. Die Berufung Verein B gegen das Urteil des BSG wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten der Berufung in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt der Verein B. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Im Bezirksligaspiel Verein A/Verein B wurde der Spieler X, Verein B, in der 86. Spielminute vom amtierenden Schiedsrichter mit der roten Karte des Feldes verwiesen.

In der Meldung führt dieser hierzu aus, dass der Betroffene seinem Gegenspieler, der in Höhe der Mittellinie zum Kopfball hochsteigen wollte, zwischen die Beine gegriffen hat. Den anschließenden Feldverweis hat er gegenüber den Schiedsrichtern mit den Worten kommentiert "Du bist doch behindert". Der Betroffene hat über seinen Verein Stellung genommen, die dem Schiedsrichter noch einmal vorgelegt wurde, der seine Meldung noch einmal bestätigte. Der verletzte Spieler hat den Vorgang wie vom Schiedsrichter geschildert im Wesentlichen bestätigt.

Das BSG Schwaben hat daraufhin den Betroffenen u.a. wegen Tätlichkeit für acht Verbandsspiele gesperrt. Hiergegen hat der Verein B unter dem 16.11.2016 Berufung eingelegt und diese im Wesentlichen damit begründet, dass wenn tatsächlich ein entsprechender Vorgang stattgefunden hätte, der betroffene Spieler wesentlich aggressiver reagiert hätte.

Die Schiedsrichterbeleidigung wird eingeräumt.

2. Die Berufung ist zulässig, aber in der Sache nicht begründet.

Das Verbands-Sportgericht ist für die Entscheidung zuständig.

Das Verbands-Sportgericht ist davon überzeugt, dass der vom BSG festgestellte Sachverhalt zutreffend ist. Danach kniff der Betroffene dem Spieler Y, als dieser zum Kopfball hochspringen wollte, in dessen Genitalien. Dieser Sachverhalt wurde vom Schiedsrichter, der freie Sicht auf den Vorfall hatte, sowie vom angegangenen Spieler Y, bestätigt. Die Ausführungen des Betroffenen sind nicht geeignet, die Feststellungen zu erschüttern.

Die anschließende Schiedsrichterbeleidigung wurde eingeräumt.

Das Bezirks-Sportgericht hat in nicht zu beanstandender Weise die begangene Tätigkeit mit sieben Verbandsspielen geahndet und unter Berücksichtigung der weitergehenden Schiedsrichterbeleidigung eine Gesamtstrafe von acht Verbandsspielen gebildet.

Auch dies ist aus Sicht des Verbands-Sportgericht nicht zu beanstanden.

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

3. Die Kosten des Verfahrens trägt gem. §§ 32, 33 RVO der Berufungsführer.



Aktenzeichen: 00021-16/17-VSG
Sitzung vom: 27.11.2016
Besetzung: Beierlein, Frey, Lieb

Anzeige des TV A. gegen Herrn Z.

Urteil:

I. Z. wird gemäß § 87 Abs. 1 RVO in Verbindung mit §§ 47 a I, 48 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von € 1.000,00 unter Mithaftung seines Vereins Y belegt.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 20,30 und die Kosten der mündlichen Verhandlung trägt der Betroffene unter Mithaftung seines Vereins Y. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Mit Schreiben vom 17.10.2016 erstattete der A. beim Kreis-Sportgericht Anzeige gegen den Z. (SR-Gruppe X).
Gegenstand dieser Anzeige ist das unsportliche Verhalten des Betroffenen als Schiedsrichter beim Verbandsspiel A - B am 16.10.2016.
Der A. meldet, dass der Betroffene als Schiedsrichter während des Spieles gegenüber seinen ausländischen Spielern folgende Äußerungen getätigt hat:

"Ihr Schwarzköpfe geht heim"

"Geh du doch dahin wo du her gekommen bist"

"Ich muss nicht mit Ausländern reden"

"Aus welchen Zoo wurdest du freigelassen"

"Du fliegst gleich vom Platz weil ich das kann".

Mit Beschluss vom 22.10.2016 hat das KSG T. das Verfahren an das Verbands-Sportgericht abgegeben.

Der Betroffene, der anwaltschaftlich vertreten ist, hatte Gelegenheit Stellung zu nehmen.

Am 27.11.2016 wurde eine nicht öffentliche Sitzung vor dem VSG durchgeführt. Der anwesende Medienvertreter bat teilnehmen zu dürfen. Sowohl der Betroffene, als auch der Verbandsanwalt haben sich gegen dessen Zulassung ausgesprochen. Der Antrag wurde daher zurückgewiesen.

Das VSG hat folgende Zeugen einvernommen:
C., D., E., F. und G..

Der Zeuge H. war entschuldigt und hatte eine schriftliche Zeugenaussage abgegeben, die entsprechend verlesen wurde.

Im Weiteren wird auf den Akteninhalt, insbesondere die Anzeige und die Stellungnahmen verwiesen.

2. Das VSG ist für die Entscheidung zuständig, da der Betroffene Funktionär ist.

3. Der Betroffene wird gemäß § 87 RVO in Verbindung mit §§ 47a I, 48 RVO wegen provokativer Beleidigung mehrerer Spieler mit einer Geldstrafe von Euro 1000,- belegt.

Bei obigen Verbandsspiel hat es sich um ein Nachbarschaftsderby gehandelt, dass nach Angaben der Zeugen zwar rassig geführt wurde, allerdings jederzeit im Rahmen des sportlichen Wettkampfs blieb.
Alle Zeugen haben aber übereinstimmend angeben, dass das Spiel unter den permanenten Diskussionen des Schiedsrichters insbesondere mit den Spielern des Verein Y, aber auch des Schiedsrichters mit den Zuschauern gelitten hat.

Zur Überzeugung des VSG steht aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme und der Einlassung des Betroffenen der nachstehende Sachverhalt fest:

a) Der Betroffene hat sich während des Spieles mehrmals über die Leistungsfähigkeit des Torwarts des A. kritisch und abfällig geäußert und sich über den Torwart lustig gemacht.
Er hat zum Spieler F., Verein B. während des Spiels gesagt: "Der gegnerische Torwart ist schlecht, der hält nichts".
Der Zeuge F. hat bei seiner Einvernahme diese Aussage klar bestätigt.

b) In der 75. Minute hat der Schiedsrichter zu sich selbst für den Spieler E. deutlich vernehmbar gesagt:
"Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn ihr mit solch einem Pack verliert".
Der Zeuge E. hat in seiner Aussage diesen Punkt ohne jeglichen Belastungseifer vorgetragen. Er hat aber auch angegeben, dass die Aussage des Betroffenen nicht an eine bestimmte Person gerichtet war, sondern der Schiedsrichter mit sich ein Selbstgespräch führte. Er hat dies vor sich hingesagt. Davon ist der Zeuge überzeugt.
Der Zeuge E. hat diesen Ausspruch auch nur durch Zufall gehört, da er in diesem Augenblick am Betroffenen vorbeilief.

c) Nach einem Foulspiel durch den Spieler D. wollte dieser die schnelle Spielfortsetzung verhindern, indem er sich vor den Ball stellte. Der Spieler D. ist der Meinung, dass ein solches Blockieren des Balles zulässig ist. Der Betroffene sprach daraufhin den Spieler D. mit folgenden Worten an:
"Gehen sie weg, das haben sie nicht zu entscheiden. Wir haben Regeln". Diese Aussage wurde von den beiden Zeugen G. und F. jeweils unabhängig voneinander so bestätigt.
Der Zeuge D. hat in seiner Einvernahme angegeben, dass der Betroffene zu ihm gesagt habe "Schleich dich". Einen Ausspruch des Betroffenen, dass wir in Deutschland Regeln haben, hat er nicht bestätigt.

d) Als der Spieler D. den Betroffenen ca. sieben Minuten vor dem Ende des Spiels nach der Restspielzeit fragte, gab der Betroffene dem Spieler D. trotz mehrmaliger Nachfrage keine Antwort. Unmittelbar darauf hat der Spieler L. den Betroffenen nach der Restspielzeit gefragt und von diesem sofort eine Antwort erhalten.
Herr D. sprach daraufhin den Betroffenen an, warum er ihm keine Antwort gegeben hat.
Der Betroffene hat daraufhin erklärt: "Ich möchte nicht mit ihnen reden". Auf die Nachfrage des Herrn D. "Warum" erklärte der Betroffene "Ist besser so".
Diesen Sachverhalt hat der Zeuge D. so bestätigt. Der Zeuge hat angegeben, dass der Betroffene nicht gesagt hat, dass er mit Ausländern nicht redet, lediglich aus dem Verhalten des Betroffenen hat Herr D. geschlossen, dass dies wohl das "Motto" des Betroffenen sei, nicht mit ihm als Ausländer zu reden.
Der Zeuge F. hat angegeben, dass er den Ausspruch "mit Ausländern rede ich nicht" nicht wahrgenommen hat, dies wurde ebenso von dem Zeugen E. bestätigt.

4. Folgende angezeigten Aussagen konnten dem Betroffenen nicht mit einer zur Verurteilung ausreichenden Sicherheit nachgewiesen werden.

a) Soweit in der Anzeige steht, der Betroffene habe zu dem Spieler D. gesagt "Aus welchem Zoo bist du den raus", hat der Zeuge D. in seiner Einvernahme keine eindeutigen Angaben mehr gemacht, der Zeuge D. hat mehrmals gesagt, dass er vom Betroffenen permanent provoziert wurde. Auf nochmalige Nachfrage konnte er nicht zweifelsfrei angeben, dass die Aussage so gefallen ist.

b) Bzgl. der angeblichen Aussage des Betroffenen "Ihr Schwarzköpfe geht heim" hat der Zeuge E. angegeben, dass der Schiedsrichter bei der Stellung einer Mauer bei einer Freistoßausführung in der ersten Halbzeit eine Diskussion mit dem Spieler Karadag hatte, darauf hat sich der Spieler M. umgedreht und zu seinen Mitspielern gesagt, dass die "Schwarzköpfe" laut dem Schiedsrichter den Mund halten sollen. Der Spieler E. war dabei drei Meter vom Schiedsrichter und Spieler Karadag entfernt, nach seiner Erinnerung könnte der Ausspruch in etwa so gefallen sein.

Der Zeuge D. erklärte, dies nicht gehört zu haben. Der Betroffene bestritt eine solche Äußerung. Er ließ sich dahingehend ein, dass er etwa sinngemäß sagte, die sollen ruhig sein.

Das Verbands-Sportgericht hat hierzu die vom Verein in die Spielerliste hochgeladenen Bilder der Spieler D., M., N. und K. Sensöz im SpielPLUS in Augenschein genommen.
Es wurde dabei festgestellt, dass lediglich zwei der Spieler schwarze Haare haben, die beiden anderen haben auf den Bildern keine Haare am Kopf, lediglich ein Spieler trägt auf den Fotos einen Bart.

Der Betroffene gibt hierzu an, dass der Ausspruch Schwarzköpfe mit Sicherheit nicht gefallen ist, er kennt weder das Wort noch hat er eine Bedeutung für das Wort. Er kann sich lediglich erklären, dass er zum Spieler Karadag etwas im Hinblick auf die "Schwarzenbacher" gesagt hat. Der Betroffene selbst hat in seiner Einlassung sämtliche Vorwürfe bestritten, insbesondere hat er mit Nachdruck bestritten, rassistische Äußerungen von sich gegeben zu haben.

5. Die Beweisaufnahme ergab, dass dem Betroffenen nicht mit einer für eine
Verurteilung ausreichende Sicherheit nachgewiesen werden konnte, dass diese Äußerungen, wie behauptet, auch tatsächlich gefallen sind. Insoweit kamen zweifelsohne Unstimmigkeiten bei den Zeugenaussagen zu Tage. Ein Teil der Zeugen berichtete nur vom "Hören-Sagen", was möglicherweise ein Indiz für ein Fehlverhalten des Betroffenen gewesen sein könnte. Der Beweis konnte aber von dem Anzeigeerstatter nicht geführt werden.

Soweit der Betroffene erklärt haben soll, dass die "Schwarzenbacher" ruhig sein sollen, konnte ebenfalls nach Ansicht und Überzeugung des VSG eine Verurteilung nicht erfolgen, da hier Aussage gegen Aussage stand und somit beide vorgetragenen Aussagen der Richtigkeit entsprechen können. Bei einer Verurteilung muss aber zur Überzeugung des VSG die behauptete Äußerung beweissicher festgestellt werden. Dies war hier nicht der Fall.

Dies gilt letztendlich auch für die Aussagen des Zeugen D., der mehrfach erklärt hatte, dass der Betroffene immer "nach dem Motto" gehandelt habe und auch verwies des Öfteren darauf, dass er gewisse Aussagen nicht gehört habe bzw. dass er die Aussagen vom "Hören-Sagen" habe.

Auch der Zeuge C. konnte zu den einzelnen Geschehnissen keinerlei Angaben machen, da er außerhalb des Spielfeldes stand und ihm lediglich die Unruhe während des Spieles aufgefallen ist.

6. Die vorgenannten Vorgänge und das Verhalten des Betroffenen stellen jeweils ein unsportliches Verhalten im Sinne des § 47 a I RVO dar. Der Betroffene hat sich in seiner Stellung als Schiedsrichter mehrmals im laufenden Spiel unsportlich verhalten. Er hat sich über die Leistungsfähigkeit eines Spielers geäußert und sich darüber lustig gemacht. Der Betroffene hat als Schiedsrichter während des laufenden Spieles mehrere Spieler durch sein Verhalten und seine Aussagen erheblich provoziert, was zu einer massiven Unruhe im Spiel geführt hat. Dazu gehörte auch, dass der Betroffene Fragen zur Restspielzeit nicht jedem Spieler beantwortete. Auf die weitere Nachfrage antwortete der Betroffene auch, dass er mit diesem Spieler nicht reden müsse.

Zur Überzeugung des VSG stand auch nach der Beweisaufnahme fest, dass dem Betroffenen eine Unsportlichkeit nach § 47 a Abs. 2 RVO nicht nachgewiesen werden konnte.

Soweit die Aussagen des Anzeigeerstatters nachgewiesen werden konnten, kam das VSG zur Überzeugung, dass sich der Betroffene nach § 47 a Abs. 1 RVO in Verbindung mit § 87 RVO strafbar gemacht hat, da der Betroffene auch Funktionär ist und damit eine erhebliche Vorbildfunktion hat.

7. Bei der Findung einer angemessenen Strafe war zugunsten des Betroffenen zu berücksichtigen, dass er ein langjähriger unbescholtener Funktionär ist, der eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht nur im Fußball-Verband ausübt. Der Betroffene engagiert sich seit Jahren im Hofer Sportbund und ist Mitglied im Ausschuss Demokratie Leben in Europa.

Es wurde ferner berücksichtigt, dass der Betroffene den Sachverhalt in der mündlichen Verhandlung teilweise eingeräumt und sein Fehlverhalten eingesehen hat.

Zu seinen Lasten war zu berücksichtigen, dass es sich um Aussagen nicht am unteren Bereich handelte, sondern diese vielmehr provokativ beleidigend während des gesamten Spieles stattfanden.

Ebenfalls war zu berücksichtigen, dass der Betroffene als Funktionär eine Vorbildfunktion hat. Die getätigten Aussagen, soweit sie nachgewiesen wurden, sind mit dieser Vorbildfunktion nicht in Einklang zu bringen.

Ferner hat der Betroffene durch sein provokantes Verhalten als Schiedsrichter das Ansehen des Fußball-Verbandes erheblich geschädigt.

Unter Abwägung aller dieser Gründe erscheint daher die Verhängung einer deutlichen Geldstrafe in Höhe von 1000,- € als tat- und schuldangemessen.

Das VSG geht dabei von einem einheitlichen Tatkomplex aus, da sich die Vorfälle während der gesamten Spielzeit ereigneten.

Eine schwerwiegende Pflichtverletzung, die eine Funktionsenthebung nach sich gezogen hätte, konnte dem Betroffenen nicht mit einer zur Verurteilung ausreichenden Sicherheit nachgewiesen werden.

Das VSG sah daher unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte, die Verhängung einer Geldstrafe, die aber deutlich spürbar sein musste, zur Einwirkung auf den Betroffenen als ausreichend an.

8. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V. m. § 11 II 6a FO.
Die für eine Verhandlung vor dem VSG an sich vorgesehene Gebühr war zu ermäßigen auf den Betrag, der angefallen wäre, wenn die Verhandlung vor dem KSG durchgeführt worden wäre. Handelt es sich um ein Vergehen, das nicht mit dem Amt des Funktionsträgers in Verbindung steht, sondern dem allgemeinen Sportbetrieb entspringt, erscheint es grundsätzlich angemessen, die dem Funktionsträger aufzuerlegenden Kosten auf dasjenige Maß zu beschränken, das ihn ohne seiner Funktion treffen würde. Dies jedenfalls dann, wenn in Folge dieser Sonderzuweisung an das VSG keine weiteren Kosten und Auslagen entstehen. In diesem Fall erschein es nicht sachgerecht, den Funktionsträger wegen der Übernahme des Ehrenamtes mit höheren Kosten zu belegen. Die Mithaftung des Vereins ergibt sich aus § 50 II Satz 1 RVO. Die Ausnahmeregelung des § 50 II Satz 3 RVO greift hier nicht, weil der Vorfall nicht in Zusammenhang mit der Verbandstätigkeit des Betroffenen steht. Der Betroffene hat auch die Kosten der mündlichen Verhandlung vor dem VSG zu tragen.

Außergerichtliche Kosten werden ihm nicht erstattet.



Aktenzeichen: 00020-16/17-VSG
Datum der Sitzung. 21.11.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Beierlein

Bayernliga-Spiel Verein A - Verein B vom 08.10.2016

Berufung des Verein A gegen das Urteil des SG

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein A vom 20.10.2016 wird das Urteil des SG Bayerns, AZ: 00266-16/17, in Ziffer I dahingehend abgeändert, dass der Ordner E, Verein A, gem. §§ 47, 48 Abs. 1 b RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe in Höhe von 300,00 € unter Mithaftung des Verein A belegt wird.

II. Im Übrigen verbleibt es bei der Entscheidung des SG.

III. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 60,90 € trägt der Ordner E unter Mithaftung Verein A. Die Berufungsgebühr in Höhe von 203,00 € trägt zu drei Viertel Herr E unter Mithaftung des Verein A. Zu einem Viertel trägt diese der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Verbandsspiel Bayernliga Nord Verein A - Verein B am 08.10.2016 in X entschied der amtierende Schiedsrichter in der 31. Minute nach einem Foulspiel an dem dunkelhäutigen Spieler S, Verein B, auf Strafstoß für diesen. Der Spieler wurde im Anschluss an dieses Foulspiel nahe Torauslinie behandelt. Aus dem Bereich der Zuschauer, schräg rechts hinter dem Tor, erfolgte der Ruf "Raus aus Deutschland" in Richtung des Spielers S. Dabei konnte das Schiedsrichtergespann nicht genau feststellen, wer diese Äußerung tätigte. Als der Schiedsrichter mit dem Leiter des Ordnungsdienstes des Verein A Kontakt aufnahm, um eine entsprechende Stadiondurchsage zu veranlassen, meldete sich der Ordner E, Verein A, in der Nähe des Vorfalls zu Wort und erklärte, dass er den Ausruf getätigt habe und dies ihm leid tue. Dieser war mit einer Armbinde als Mitglied des Ordnungsteams gekennzeichnet. Herr E musste das Sportgelände verlassen. Der Verein A reagierte mit einer entsprechenden Stadiondurchsage, wonach jegliche rassistischen Äußerungen zu unterlassen seien.

Der Betroffene entschuldigte sich nach dem Spiel bei dem Schiedsrichter und gab dabei seinen Namen an. Er habe sich auch des Weiteren bei dem betroffenen Spieler entschuldigt.

Der Verbandsanwalt hat mit Strafantrag vom 12.10.2016 eine Geldstrafe in Höhe von 400,00 € beantragt. Das Sportgericht des SG hat dann mit Urteil vom 18.10.2016 den Betroffenen zu einer solchen Geldstrafe verurteilt.

Der Verein A hat unter dem 20.10.2016 Berufung gegen das vorgenannte Urteil eingelegt. Diese wird u.a. damit begründet, dass die Parole "Ausländer raus" keinen Angriff gegen die Menschenwürde darstelle und somit mangels einer Tat auch kein Täter verurteilt werden könne. Ergänzend wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Die Berufung ist nur teilweise begründet.

Der Betroffene ist wegen einer Unsportlichkeit gem. §§ 47, 48 RVO zu einer Geldstrafe in Höhe von 300,00 € zu verurteilen.

Das Verbands-Sportgericht ist für die Entscheidung zuständig.

Die Berufung ist zulässig, insbesondere begegnet es keinen Bedenken, dass der Verein A für sein Mitglied den hier betroffenen Herr E Berufung eingelegt hat.

Diese Berufung ist aber nur zu einem geringen Teil begründet.

Unstreitig wurde der dunkelhäutige Spieler, S, in der 31. Minute an der Außenlinie nahe der Torauslinie, nach einem vorangegangenen Faulspiel, behandelt. Aus dem Bereich hinter dem Tor erfolgte dann der Ruf: "Raus aus Deutschland" durch den Betroffenen.

Dies stellt im vorliegenden Fall einen konkreten Bezug zu dem betroffenen Spieler
S her. Auf diesen und auf dessen Hautfarbe war der Ruf eindeutig bezogen.

Dies stellt, wie letztlich auch vom Verbandsanwalt angeklagt, einen besonders schweren Fall der Unsportlichkeit im Sinne des § 47 a RVO dar.

Danach liegt gem. § 47 a II RVO ein solcher Fall insbesondere vor, wenn u.a. die Menschenwürde einer Person durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen in Bezug auf die Hautfarbe verletzt wird. Genau dies ist im vorliegenden Fall gegeben. Der Berufungsführer, der sich auch auf die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts bezieht, verkennt dabei, dass den zugrundeliegenden Entscheidungen die Angaben auf einem Plakat zugrunde lagen, ohne einen entsprechenden genau konkretisierten, ohne eine entsprechende genau konkretisierte einzelne Person. Das Bundesverfassungsgericht führt u.a. hierzu auch aus, dass die Meinungsfreiheit jedoch dann stets zurückzutreten hat, wenn die Äußerung einer Meinung die Menschenwürde eines Anderen antastet. Denn die Menschenwürde als Wurzel aller Grundrechte ist mit keinem Einzelgrundrecht abwägungsfähig (Bundesverfassungsgerichtsentscheid 93, 266 <293>; 107, 265 <284>).

Die Menschenwürde des hier betroffenen Spielers S geht in jedem Fall der natürlich ebenfalls zu schützenden Meinungsfreiheit vor.

Die Vorschrift des § 47 a II RVO gibt in einem solchen Fall bei einer alleinigen Geldstrafe eine Mindeststrafe von 300,00 € vor.

Eine Verurteilung hat im vorliegenden Fall unter Beachtung der § 47, 48 RVO nach § 47 a RVO zu erfolgen. Dem steht die Tenorierung des Erstgerichts nicht entgegen, da in dem Strafantrag des Verbandsanwaltes eine entsprechend schwere Unsportlichkeit gem. § 47 a RVO dargelegt ist und die Entscheidung des SG sich auch entsprechend hierauf bezieht. Darüber hinaus wurde eine Geldstrafe von 400,00 € verhängt.

Zugunsten des Betroffenen war im vorliegenden Fall ebenso unstreitig zu berücksichtigen, dass er sich sofort nach dem Vorfall zu erkennen gegeben hat, den Sachverhalt vollumfänglich einräumt, das Sportgelände anschließend kommentarlos verließ. Nach dem Spiel entschuldigte er sich sowohl beim Spieler S, als auch beim Schiedsrichter und nannte seinen Namen. Ohne dieses Mitwirken wäre es möglicherweise schwerer gewesen, den Täter zu identifizieren.

All dies ist zugunsten des Betroffenen im vorliegenden Fall zu berücksichtigen.

Ein Unterschreiten der Mindeststrafe ist aber nicht möglich.

Aus all diesen Gründen konnte es daher bei der Verhängung der Mindeststrafe verbleiben.

Insoweit war das Urteil des SG auf diesen Betrag abzuändern.

3. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO. Drei Viertel der Berufungsgebühr hat der Betroffene unter Mithaftung seines Vereins zu tragen. Ein Viertel der BFV.



Aktenzeichen: 00019-16/17-VSG
Datum der Sitzung : 21.11.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Berufung Verein A gegen das Urteil des BSG vom 25.10.2016,
AZ.: 00075-16/17-BSG

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG wird als unzulässig zurückgewiesen.

II. Die Kosten der Berufung in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50 trägt der Verein A.

Gründe:

1. Im Nachgang zum Verbandsspiel Verein B - Verein A am 23.10.2016 erstattete der amtierenden Schiedsrichter eine Sondermeldung. Der Schiedsrichter meldete, dass er ab der 67. Spielminute von offensichtlichen Anhängern der Gastmannschaft wüst beschimpft wurde.

Er meldet weiter, dass er über die Schlussminuten hinweg von verschiedenen Zuschauern der Gäste als "arrogante Sau", "arrogantes Arschloch" und "Drecksau" beleidigt wurde.

Der Verein A hat schriftlich zur Schiedsrichtermeldung Stellung genommen.

Mit Urteil vom 25.10.2016 belegte das BSG den Verein A wegen Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe von Euro 150,- .
Hiergegen hat der Verein A mit Email vom 28.10.2016 Einspruch eingelegt.

Begründet wird der Einspruch vom Verein damit, dass seitens des Schiedsrichters keine Feststellungen über der Personen über den Spielführer, Vereinsverantwortliche oder den Ordnungsdienst vorgenommen wurden.

Dieser Einspruch ist als Berufung umzudeuten.

2. Das Verbandssportgericht ist gemäß § 20 Abs.1 Lit.d RVO zuständig.

3. Die Berufung ist unzulässig und zurückzuweisen, da es am Schrifterfordernis des § 44 III RVO fehlt.
Nach § 44 III RVO ist die Berufung schriftlich einzulegen. Die Einlegung der Berufung über das BFV-Postfach (Zimbra) ersetzt die Schriftform.

Eine einfache E-Mail wahrt nach ständiger Rechtsprechung des VSG die Schriftform nicht (siehe Fall 00111-13/14-VSG).

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 32, 33 RVO.



Aktenzeichen: 00016-16/17-VSG
Sitzung vom: 22.10.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

Befangenheitsanträge des Vereins X

Beschluss:

I. Die Anträge vom 26.09.2016 die Mitglieder des BSG, A,
B, C und D wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, werden zurückgewiesen.
II. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

Gründe:

1. Der Verein X wurde mit Urteil des JSG vom 04. Juli 2016 wegen Verschulden eines Spielabbruches nach § 74 RVO mit einer Geldstrafe von Euro 50,- belegt. Mit Schreiben vom 09.07.2016 legte der Verein X München gegen dieses Urteil Berufung zum BSG ein. Mit Urteil des BSG vom 09.08.2016 wurde das Urteil des JSG aufgehoben und das Verfahren zur erneuten Verhandlung an das Erstgericht zurückverwiesen. Mit Urteil vom 19.09.2016 belegte das JSG den Jugendbegleiter des Verein X wegen Verschulden eines Spielabbruchs nach § 74 II RVO mit einer Geldstrafe von Euro 75.-. Mit ZIMBRA Mail vom 26.09.2016 legte der Verein X gegen dieses Urteil Berufung zum BSG ein und lehnte gleichzeitig das BSG wegen Besorgnis der Befangenheit ab, namentlich den Vorsitzenden.

Der Befangenheitsantrag gegen das BSG wurde im Schreiben vom 26.09.2016 begründet. Mit Schreiben vom 16.10.2016 wurde der Befangenheitsantrag ergänzt.

Der Verein X begründet die Ablehnung des gesamten BSG damit, dass es im Ablauf des ersten Berufungsverfahren vor dem BSG zu Verfahrensfehlern gekommen sei.

Die Ablehnung des Vorsitzenden begründet der Verein X damit, dass der Vorsitzende im Jahr 2014 verbandsintern angeordnet haben soll, dass sämtliche Ausweise und Lizenzen von dem Vereinsmitglied M um einen formalen zweiten Vornamen ergänzt werden. Ferner erklärt Herr M, Verein X, dass sich der Vorsitzende seit Jahren zu einem Verfolgungseifer gegen ihn berufen fühlt.

Bzgl. der Beisitzer des BSG Herrn A, Herrn B und Herrn C trägt der Verein X lediglich noch vor, dass es ausgeschlossen ist, dass die Beisitzer gegen ihren Vorsitzenden entscheiden werden.

Der abgelehnte Richter hat zur Ablehnung Stellung genommen.

Dem Verein X wurde diese Stellungnahme mit der Gelegenheit der Äußerung zugeleitet.

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 23 Abs. 4, 20 Abs. 1i) RVO.

3. Der Antrag auf Ablehnung sämtlicher Mitglieder des BSG ist zulässig,in der Sache jedoch unbegründet.

Soweit der Verein X den Befangenheitsantrag damit begründet, dass es im Ablauf des Berufungsverfahren zu Verfahrensfehlern gekommen sein soll, ist der Antrag unbegründet, ohne dass es weiterer Ausführungen zu etwaigen Verfahrensfehlern bedarf. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Verein X von seinem Recht gegen das Berufungsurteil vom 09.08.2016 Revision zum Verbandssportgericht einzulegen, keinen Gebrauch machte.

Im Revisionsverfahren hätte das Verbandssportgericht die vorgebrachten Verfahrensfehler geprüft.

Alleine eine fehlerhafte Sachbehandlung begründet keine Befangenheit. Eine solche könnte sich nur daraus ergeben, dass der Verfahrensfehler vorsätzlich und mit Benachteiligungsabsicht gegenüber dem Betroffenen gemacht wurde. Dafür trägt der Verein X keine Tatsachen oder Hinweise vor.

Es ist daher nicht ersichtlich, dass die Mitglieder des BSG aufgrund der Sachbehandlung im ersten Berufungsverfahren gegenüber dem Verein X befangen wären.

Soweit der Verein Xseinen Antrag auf Vorwürfe gegen den Vorsitzenden aufgrund eines Vorfalles im Jahr 2014 stützt, ist der Antrag unzulässig.

Nach § 23 III Satz 1 RVO muss die Ablehnung unverzüglich erklärt werden. Somit hätte der Vereins X den Vorsitzenden schon im ersten Berufungsverfahren wegen seines Verdachts der Befangenheit ablehnen müssen, da zum damaligen Zeitpunkt der vorgebrachte Sachverhalt dem Verein Xbereits bekannt war.

Auch im Übrigen trägt der Verein X in seinen Ablehnungsanträgen gegen die Beisitzer des BSG Herrn A, Herrn B und Herrn C keine Gründe vor, die in der Person des jeweiligen Beisitzers liegen. Die bloße allgemeine Behauptung, dass es ausgeschlossen sei, dass die Beisitzer gegen ihren Vorsitzenden entscheiden, ist für eine Besorgnis der Befangenheit keinesfalls ausreichend.

Auch diesbezüglich werden keine konkreten Anhaltspunkte vorgetragen, die die bloße Behauptung stützen würden.
Die Anträge waren daher vollumfänglich zurückzuweisen.



Aktenzeichen: 00015-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 22.10.2016
Besetzung: Riedmeyer

Berufung der des Verein A gegen das Urteil des BSG AZ 00033-16/17-BSG

Beschluss :

Der Verein A trägt die hälftige Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € und die hälftigen Verfahrensgebühren in Höhe von 30,45 €.

Gründe:

Die am 10.10.2016 zulässig über das ZIMBRA-Postfach eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 04.10.2016 wurde über das ZIMBRA-Postfach am 16.10.2016 zurückgenommen.

Die Berufungsgebühr (§ 11 I. Nr. 8 b) FO) sowie die Kosten des Verfahrens (§ 11 I. Nr. 13 d) FO) konnten somit gemäß § 33 Abs. 2 RVO um die Hälfte reduziert werden.



Aktenzeichen: 00013-16/17-VSG
Sitzung vom: 18.10.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Anzeige SR gegen SGL

Urteil:

 

I. Das Sportgerichtsverfahren gegen den SGL wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BV, außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

  

Gründe:

 

1. Dem Betroffenen wurde durch eine Anzeige des Schiedsrichters anlässlich des Spiels Verein A gegen Verein B am 04.09.2016 zu Lasten gelegt, dass die vom Betroffenen erhobene Anzeige gegen den Schiedsrichter nicht gerechtfertigt sei, weil er zur Abgabe der Meldung die zwei Tagesfrist eingehalten habe.

Dem Betroffenen wurde die Anzeige zur Kenntnis- und Stellungnahme übersandt. Der Betroffene hat mit Schreiben vom 05.10.2016 zum Vorgang Stellung genommen und hat die erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und ergänzend darauf hingewiesen, dass er nach § 36 RVO verpflichtet gewesen sei, Anzeige zu erstatten. Er beantragte, dieses Verfahren einzustellen.

 

2. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 b RVO für die Entscheidung zuständig.

3. Das Verfahren gegen den Betroffenen war mangels Tatnachweises einzustellen. Der Betroffene hat zu Recht mit den geltenden Vorschriften Anzeige erstattet, sodass ein Fehlverhalten nicht erkennbar war, weshalb das Verfahren mit der entsprechenden Kostenfolge einzustellen war.


4. 
Kosten §§ 32,33 RVO.



Aktenzeichen: 00012-16/17-VSG

Sitzung vom: 18.10.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Frey

Berufung von Beschuldigter gegen das Urteil des BSG vom 28.09.2016, AZ: 00039-16/17-BSG.

Urteil:

I. Die Berufung von Betreuerin M, Verein A, gegen das Urteil des BSG vom 28.09.2016 wird zurückgewiesen.
II. Betreuerin trägt die Kosten des Verfahrens von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € unter Vereinshaftung.


Gründe:

1. Beim Frauenkreisligaspiel Verein B gegen Verein A am 11.09.2016 meldete der Schiedsrichter in einem Sonderbericht, dass die Betreuerin des Verein A, die Betroffene, eine Spielerin vom Verein B beleidigt habe. Daraufhin habe die Schiedsrichterin die Betroffene angesprochen. Die Betroffene hätte daraufhin ihre flache Hand auf ihren Brustkorb gelegt und sie geschupst. Auf die Meldung, Blatt 5 der Akte, wird verwiesen.

Gegen die Betroffene wurde mit Schreiben vom 19.09.2016 ein Verfahren vom BSG eingeleitet.
Die Betroffene gab in der I. Instanz keine Stellungnahme ab.
Mit Urteil vom 28.09.2016 wurde der Betroffenen für die Dauer von 8 Spielen verboten, sich während der Spiele ihrer Mandantschaft im Innenraum aufzuhalten. Darüber hinaus erhielt sie eine Geldstrafe von € 300,00 und ihr wurden die Verfahrenskosten auferlegt.

2. Mit Schreiben vom 05.10.2016 legte die Betroffene gegen das Urteil Berufung ein und begründete diese umfassend. Dabei wurde unter anderem vorgetragen, dass es zu keinem Zeitpunkt zu einer Berührung zwischen der SRin und der Betroffenen gekommen sei. Insbesondere wies jedoch die Betroffene darauf hin, dass es ihr nicht verwehrt sei, Zeugen und neue Beweisangebote in der II. Instanz vorzutragen, da ihr dies in der I. Instanz nicht möglich gewesen sei. Sie wies darauf hin, dass es insoweit vereinsinterne Fehler gab und dass die entsprechenden Personen das E-Mail nicht weitergeleitet hätten und auch der zuständige Vorstand die Meldung des Schiedsrichters und die Aufforderung des Sportsgerichts, eine Stellungnahme abzugeben, nicht gelesen hätte.

Hilfsweise wird für den Fall, dass die Beweismittel nicht mehr verwertet werden können, beantragt, das Strafmaß angesichts der unglücklichen Umstände auf ein Mindestmaß zu begrenzen.
3. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 RVO zuständig. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht eingereicht, erweist sich jedoch als unbegründet.

4. Die Betroffene kann sich mit Ihrem Vortrag, dass ihr die Meldung des Schiedsrichters und die Aufforderung des BSG, eine Stellungnahme hierzu abzugeben, nicht zugegangen sei, nicht entlasten. Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des VSG, dass für die interne Weiterleitung von Schreiben, die über ZIMBRA dem Verein zugegangen sind, allein der Verein zuständig ist. Soweit hier Organisationsschwierigkeiten aufgetreten sind oder auch ein Vorstand die eingehenden Schreiben nicht gelesen hat, muss dies zu Lasten des Vereins gewertet werden. Ein etwaiges Organisationsverschulden ist dem Verein zuzurechnen.

Damit war die Berufungsführerin mit ihrem Vorbringen in der II. Instanz präkludiert, sodass auf die angebotenen Zeugen bzw. Beweisangebote nicht mehr einzugehen war.
Da letztendlich auch die vom BSG ausgesprochene Strafe nach Grund und Höhe durchaus angemessen erschien, war die Berufung kostenpflichtig zurückzuweisen.

5. Kosten §§ 32,33 RVO.



Aktenzeichen: 00011-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 10.10.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 18.08.2016:

Urteil:

I. Auf die Revision des Verein A gegen das Urteil des BSG wird das Urteil Im Strafmaß aufgehoben und das Verfahren an das BSG zurückverwiesen.

II. Die Kosten der Revision trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Kreis-Freundschaftsspiel Verein A (Revisionsführer) gegen Verein B am 23.07.2016 setzte der Revisionsführer 5 Spieler ein, die zwar Spielrecht für den Revisionsführer hatten, die jedoch weder ordnungsgemäße Pässe oder Online-Spielberechtigungen vorlegen konnten, noch bei denen die Bilder im Spielplus ordnungsgemäß hochgeladen waren. Die Spielberechtigung und die Identität der Spieler wurden vom Mannschaftsverantwortlichen schriftlich bestätigt. Innerhalb der Dreitagesfrist wurden weder die Pässe vorgelegt, noch der Nachweis des Hochladens der Bilder erbracht. Das KSG verurteilte den Revisionsführer gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einem Punktabzug von 3 Punkten für die Verbandsspielrunde und mit einer Geldstrafe in Höhe von € 150,00. Der Punktabzug wurde vom KSG als Mindeststrafe bezeichnet, insgesamt wurde eine Gesamtstrafe gebildet. Gegen das am 03.08.2016 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer per Postfachsystem Zimbra am 05.08.2016 Berufung ein.

Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 15.09.2016 zurück. Das BSG ging davon aus, dass das KSG den Sachverhalt zutreffend ermittelt habe, der Revisionsführer zur Abgabe einer Stellungnahme aufgefordert worden sei, der Revisionsführer im Erstverfahren jedoch keinerlei Stellungnahme abgegeben habe. Es ergaben sich für das KSG also keinerlei weitere Hinweise auf einen leichten Fall des § 77 Abs. 1 RVO gegenüber dem Verein zu entscheiden, weil der Verein hierfür zumindest einige Gründe innerhalb der Erstinstanz anführen hätte müssen. Dies sei jedoch nicht erfolgt. Die in der Berufungsbegründung vorgebrachten Gründe für eine Reduzierung der Strafe seien unerheblich, da Beweismittel die zugunsten des Betroffenen gewertet werden können, bereits in der ersten Instanz vorzubringen waren. Gem. § 44 (4) RVO könne die Berufung nicht auf Beweismittel gestützt werden, die bereits in der ersten Instanz hätten beigebracht werden können.

Gegen das am 15.09.2016 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer am 20.09.2016 Revision ein und begründete diese innerhalb der vom Vorsitzenden des VSG verlängerten Frist mit einem Verstoß gegen § 77 RVO n.F., weil nach dieser geänderten Vorschrift, die seit 01.07.2016 anwendbar sei, bei Freundschaftsspielen auch im Normalfall kein Punkteabzug als Mindeststrafe mehr vorsehe.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die form- und fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig. Der Revisionsführer rügt die falsche Anwendung von § 77 RVO.

3. Die Revision ist auch begründet.

Das Freundschaftsspiel fand am 23.07.2016 statt. Seit dem 01.07.2016 gilt § 77 Abs. 1 RVO mit folgender Fassung:

Lässt ein Verein nicht spielberechtigte Spieler oder sonst Spieler unzulässig spielen, wird er mit Punktabzug von mindestens drei Punkten und mit einer Geldstrafe nicht unter 50 Euro, bei Juniorenmannschaften auf Kreisebene, sowie bei Juniorinnenmannschaften auf Bezirksebene nicht unter 15 Euro bestraft. Bei Freundschaftsspielen kann statt auf Punktabzug auf eine Geldstrafe nicht unter 150 Euro erkannt werden. Hat er das Spiel gewonnen oder unentschieden gespielt, ist nach § 29 Spielordnung zu verfahren. In leichten Fällen kann statt Punktabzug auf eine Geldstrafe nicht unter 50 Euro, bei Juniorenmannschaften auf Kreisebene, sowie bei Juniorinnenmannschaften auf Bezirksebene nicht unter 15 Euro erkannt werden.

Das KSG ging bei seiner Entscheidung noch davon aus, dass auch bei Freundschaftsspielen im Normalfall ein Punktabzug als Mindeststrafe auszusprechen ist. Da keine Ausführungen dazu gemacht wurden, weshalb die Mindeststrafe hier nicht als ausreichend anzusehen ist, muss zugunsten des Revisionsführers davon ausgegangen werden, dass sich das KSG über den Strafrahmen irrte.

Das BSG erwähnte zwar die Mindeststrafe nicht, lässt aber dennoch in der Begründung erkennen, dass ein Absehen vom Punktabzug die Annahme eines leichten Falls erfordert hätte, der nach der Rechtsprechung des VSG bei vorsätzlichem Einsatz eines Spielers ohne nachgewiesener Spielberechtigung grundsätzlich nicht anzunehmen ist.

Da das KSG offensichtlich über die Mindeststrafe irrte, war der Revisionsführer mit seinem Vorbringen in der 2. Instanz nicht gemäß § 44 Abs. 4 RVO ausgeschlossen. Ein Betroffener ist nicht verpflichtet, vorsorglich für den Fall vorzutragen, dass sich das Erstgericht im Strafrahmen irrt.

Unabhängig davon schließt § 44 Abs. 4 RVO nur dir Nachreichung von Beweismittel aus. Mit unstreitigem Sachvortrag muss sich auch das Berufungsgericht auseinandersetzen.

Das Urteil war daher im Strafmaß aufzuheben und zurückzuverweisen, weil KSG und BSG offensichtlich davon ausgingen, dass ein Absehen vom Punktabzug nur bei Annahme eines leichten Falles möglich waren.

Bei der neuerlichen Entscheidung über das Strafmaß sind folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

Das VSG hat in ständiger Rechtsprechung zum Ausdruck gebracht, dass der vorsätzliche Einsatz eines Spielers, der keine Spielberechtigung hat oder diese vor Beginn des Einsatzes nicht ausreichend nachweisen kann, in der Regel ausschließt, einen leichten Fall anzunehmen. Der Grundsatz, dass kein Spieler ohne Spielberechtigung an Spielen teilnehmen soll, die von Vereinen des BFV durchgeführt werden (sogenannter absoluter Passzwang), verbietet es, den vorsätzlichen Einsatz eines Spielers von besonderen Ausnahmen abgesehen, als leichten Fall anzunehmen. Damit verbunden war bis zum 30.06.2016 ein Punktabzug auch in den Fällen, in denen der Einsatz in einem Freundschaftsspiel erfolgte. Die Änderung des § 77 Abs. 1 RVO sollte diesen Eingriff in den Wettbewerb als Folge eines Freundschaftsspiels neu regeln.

Das VSG muss aufgrund der Neuregelung seine bisherige Rechtsprechung zu § 77 RVO fortentwickeln.
Auch nach nochmaliger Überprüfung und unter Berücksichtigung der Änderungen bleibt das VSG dabei, dass der vorsätzliche unzulässige Einsatz eines Spielers ohne Spielberechtigung oder ohne rechtzeitig nachgewiesene Spielberechtigung regelmäßig keinen leichten Fall darstellen kann.

Hinsichtlich der Strafzumessung bei Freundschaftsspielen geht das VSG unter Berücksichtigung der Neufassung des § 77 Abs. 1 RVO nunmehr davon aus, dass bei solchen Spielen beim Einsatz von Spielern, denen zwar eine Spielberechtigung für den betroffenen Verein vom Verband erteilt wurde, die diese aber nicht ordnungsgemäß rechtzeitig nachweisen, die Verhängung eines Punktabzugs nur im Ausnahmefall auszusprechen ist, wenn also besondere Gründe vorliegen, wie sie sich beispielsweise in einem Wiederholungsfall zeigen können.

Ausdrücklich nicht in diese Kategorie fallen jedoch Spieler, die gesperrt sind oder überhaupt keine Spielberechtigung für den betroffenen Verein haben. Welche Strafe in solchen Fällen angemessen ist, braucht vorliegend nicht entschieden zu werden, weil der Revisionsführer nur Spieler einsetzte, die eine Spielberechtigung für den Revisionsführer besaßen, sie nur nicht ordnungsgemäß nachwiesen.

Bei der neuerlichen Strafzumessung ist auch zu berücksichtigen, dass § 77 Abs. 1 RVO statt des Punktabzugs eine Geldstrafe von mindestens € 150,00 vorsieht, welche beim Absehen vom Punktabzug zusätzlich zur ohnehin zu verhängenden Geldstrafe auszusprechen ist.
Wenn das BSG bei der neuerlichen Strafzumessung statt eines Punktabzugs zusätzlich eine Geldstrafe verhängen sollte, liegt in der Erhöhung der bereits ausgesprochenen Geldstrafe keine Verschlechterung des Urteils, weil diese zusätzliche Geldstrafe den Punktabzug ersetzen muss.

4. Kosten: §§ 30 Abs. 3, 32, 33 RVO

Da die Revision erfolgreich war, fallen die Kosten des Revisionsverfahrens dem BFV zur Last (§§ 32, 33 RVO). Über die Kosten der ersten beiden Instanzen wird das BSG erneut zu entscheiden haben.


  
Aktenzeichen: 00010-16/17-VSG
Sitzung vom: 18.10.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey


Verfahren gegen Verein A

Urteil :

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 27.07.2016, Aktenzeichen: 00009-16/17-BSG, wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50.

Gründe:

1. Mit Schreiben vom 25.07.2016 erstattete die Vorsitzende des BFMA Anzeige gegen den Verein A wegen fehlender Anwesenheit bei der Sommerarbeitstagung. Auf das Einladungsschreiben vom 28.06.2016 wurde dabei Bezug genommen.

2. Nachdem in der I. Instanz keine Stellungnahme abgegeben wurde, hat das BSG mit Urteil vom 27.07.2016 den Verein A gemäß § 80 Abs. 2 Satz 1 RVO mit einer Geldstrafe von € 50,00 belegt und dem Verein die Kosten auferlegt.

3. Mit Schreiben vom 01.08.2016 hat der Verein A gegen das Urteil Berufung eingelegt und diese auch mit gleichem Schreiben begründet. In der Berufung führt der Verein A aus, dass, trotz Gewährung der Frist von einer Woche zur Stellungnahme, das Urteil vorher ergangen ist und somit ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör vorgelegen hat. Darüber hinaus sei das Einladungsschreiben an alle Vereine der BOL und BZL gegangen, wobei der eigene Verein jedoch in der KL spiele.

4. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 RVO zuständig. Die Berufung ist zulässig, sie wurde insbesondere formgerecht eingereicht. Sie erweist sich jedoch in der Sache als unbegründet.

5. Dem Verein A ist zuzugestehen, dass die Einladung an die Frauen BOL und BZL ging, jedoch im Betreff genannt war Spielgruppentagung der Frauen KLL und KK.
Nachdem der Verein A rügte, das ihm kein Nachweis für die Einladung über das Postfach zugegangen ist, hat das VSG im Rahmen der Beweisaufnahme nochmals eine Stellungnahme der Spielgruppenleiterin eingeholt. Ebenfalls konnte durch den angeforderten Sendebericht festgestellt werden, dass die Einladung dem Verein am 30.06.2016 um 15:01 Uhr zugegangen ist und von dort auch gelesen wurde. Am 07.08.2016 um 12:49 Uhr wurde der Eintrag gelöscht.
Diese Erkenntnisse wurden dem Verein mit E-Mail vom 04.10.2016 nochmals zugestellt verbunden mit der Aufforderung, hierzu nochmals Stellung zu nehmen. Diese erfolgte jedoch nicht.
Nachdem somit festgestellt war, dass die Einladung ordnungsgemäß zugegangen ist und der Verein deshalb schuldhaft bei der Arbeitstagung nicht anwesend war, erging das Ersturteil zu Recht. Die Berufung war kostenpflichtig zurückzuweisen.

6. Kosten §§ 32,33 RVO.



Aktenzeichen: 00009-16/17-VSG
Datum der Sitzung: 11.10.2016
Besetzung Riedmeyer

Beschluss:

Die Revisionen gegen die Urteile des BSG Nrn. 00029-16/17, 00030-16/17 und 00031-16/17 werden miteinander verbunden. Die Verfahrenskosten und die Revisionsgebühren werden nicht erhoben. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Begründung:

Mit E-Mails vom 14.09.2016 nahm der Verein A die Revisionen jeweils zurück. Der Verbandsanwalt beantragte, von der Kostenauferlegung abzusehen, weil die Revisionen nur zur Fristwahrung eingelegt worden waren und nach einem Gespräch mit dem Verbandsanwalt einvernehmlich zurückgenommen wurden.

Unter Berücksichtigung dieses Antrags des Verbandsanwalts konnte gemäß § 33 Abs. 3 RVO von der Auferlegung von Verfahrenskosten für das Revisionsverfahren abgesehen werden. Da die Antragstellung seitens des Verbandsanwalts Teil der einvernehmlichen Beendigung des Verfahrens war, war kein Grund ersichtlich, diesem nicht stattzugeben.



Aktenzeichen: 00008-16/17-VSG
Sitzung vom 13.09.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Ausschluss Abteilungsleiter A, Verein M

Urteil:

I. Der Abteilungsleiter A, Verein M wird aus dem Bayerischen Fußballverband ausgeschlossen.
Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung der SG Rüsselbach.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, mit Eingangsdatum 19.08.2014 die Änderung des Geburtsjahres des Spielers X auf den Jahrgang 2007 im amtlichen Spielerpass des BFV unter Vorlage einer gefälschten Abschrift des Reisepasses des Spielers beantragt zu haben.
Dieser Sachverhalt wurde vom Verbandsanwalt mit Mail vom 01.08.2016 beim Verbandssportgericht angezeigt.

2. Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1 a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Betracht kommt.
Das Verfahren wurde mit Beschluss vom 02.08.2016 vom Verbandssportgericht übernommen.

3. Mit Schreiben vom 03.08.2016 wurde dem Verein und dem Betroffenen die Übernahme durch das Verbandssportgericht mitgeteilt und auf § 41 Abs. 3 RVO (Antrag auf mündliche Verhandlung) hingewiesen.

Der Sachverhalt steht aufgrund der Stellungnahmen des Bürgeramtes der Stadt O vom 27.05.2016 fest. Aus diesen Stellungnahmen ergibt sich zweifelsfrei, dass es sich bei der im Antrag auf Änderung des Geburtsjahres vorgelegten Abschrift des Reisepasses um eine Fälschung gehandelt hat. Das Bürgeramt hat ausgeführt, dass es nicht möglich ist, dass auf zwei verschiedenen Pässen identische Passaufkleber angebracht sind, da diese fortlaufend nummeriert sind.

Der Betroffene hat sich im laufenden Verfahren zum Sachverhalt geäußert und diesen vollumfänglich eingeräumt.

Das Verhalten des Betroffenen A stellt neben der vorliegenden Urkundenfälschung ein Vergehen der falschen Angaben im Sinne von § 89 Abs. 2 RVO dar.

Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser in dem Schreiben vom 16.04.2016 an die Passabteilung des BFV allgemein eingeräumt hat, dass es zu Fehlern gekommen ist.

Zu seinen Lasten war zu berücksichtigen, dass er als Vater des Spielers A sehr wohl wusste, in welchem Jahr dieser geboren ist, zum anderen liegt eine strafrechtlich relevante Tat der Urkundenfälschung bzgl. der vorgelegten Abschrift des Reisepasses vor.

Angesichts der Gesamtumstände kam die Annahme eines leichten Falles nach § 89 Abs. 2 Satz 2 RVO nicht in Betracht.

4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO



Aktenzeichen: 00007-16/17-VSG
Sitzung vom: 07.09.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause


Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers M

Beschluss :

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler M, Urteil des KSG Aktenzeichen vom 19.05.2016 AZ: 00447-15/16-KSG, wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer II. wird dahingehend abgeändert, dass die Verbandsspiele der A-Klasse-Mannschaft des Verein A ab der Saison 2016/2017 zur Anrechnung auf die Sperrzeit zählen.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 19.05.2016, AZ 00447-15/16, wurde der Spieler M wegen unsportlichen Verhaltens am 10.05.2016 für zwei Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der B-Klasse-Mannschaft seines Vereins ab 11.05.2016 gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. u.a. tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO seines Vereins bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Ein Verbandsspiel der B-Klasse-Mannschaft des Verein A fand ab dem 11.05.2016 nur noch am 22.05.2016 statt, so dass der Spieler noch für ein Spiel in der neuen Saison gesperrt ist. Der Verein A meldete jedoch zur neuen Saison 2016/2017 lediglich eine Mannschaft, welche in der A-Klasse Aschaffenburg spielt.

Gemäß Ziffer II. des Urteils gilt aber die Sperre des Spielers auch für die A-Klasse-Mannschaft des Verein A bis die Sperre nach Ziffer I. verbüßt ist. Dies kann mangels einer B-Klasse-Mannschaft des Verein A in der Saison 2016/2017 überhaupt nicht erfolgen. Der Spieler M wäre somit aufgrund des Urteils dauerhaft nicht spielberechtigt, da keine B-Klasse-Mannschaft mehr besteht, in welcher er die noch nicht vollständig abgeleistete Sperrstrafe von einem Spiel verbüßen könnte. Dies stellt eine unbillige Härte dar. Die vom Verein A in seinem Antrag vom 05.09.2016 vorgebrachten neuen Tatsachen rechtfertigen die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer II. vom 19.05.2016.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 2 I. Nr. 11. FO.

Aktenzeichen: 00006-16/17-VSG
Sitzung vom 30.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 18.08.2016, Aktenzeichen: 00022-16/17-BSG

Urteil:

I. Die Berufung des Verein gegen das Urteil des BSG vom 18.08.2016 Aktenzeichen: 00022-16/17-BSG wird zurückgewiesen.

II. Der Verein trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel Verein B gegen Verein A am 15.08.2016 meldete der SR, dass der Spieler M (Verein A) in der 70. Minute in der Nähe der Mittellinie bei einem Konter nur durch ein taktisches Foulspiel in Form eines starken Trikotziehens durch seinen Gegenspieler gestoppt werden konnte. Nach dem Pfiff des SR holte er mit seinem rechten Arm aus und traf den rechts hinter ihm stehenden Gegner mit dem rechten Ellbogen im Gesicht. Der SR zeigte hierfür die rote Karte. Der getroffene Spieler konnte hiernach weiterspielen. In der erstinstanzlichen Stellungnahme des Verein A führte dieser an, dass das taktische Foul nicht nur ein Trikotzupfen sondern eine beidarmige Umklammerung war, aus welcher sich der Spieler M lediglich losreißen wollte. Dies sei auch nicht nach dem Pfiff des SR sondern gleichzeitig erfolgt. Der Berufungsführer räumte ein dass der Spieler M seinen Gegenspieler getroffen hatte, jedoch sei dies ohne Ausholbewegung und aktiven Ellbogeneinsatz erfolgt.

Mit Urteil vom 18.08.2016 wurde der Spieler M vom BSG gemäß § 67 Abs. 2 RVO für drei Verbandsspiele wegen einer Tätlichkeit gesperrt. Das Urteil wurde am 19.08.2016 über das BFV-Postfach zugestellt.

Hiergegen legte der Verein A am 20.08.2016 über das BFV-Postfach Berufung ein. Er führte ergänzend aus, dass der Spieler M seinen Gegenspieler eventuell am Oberkörper berührte, aber nicht im Gesicht getroffen hatte. Der Spieler sei Opfer und nicht Täter und daher freizusprechen.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Zur Überzeugung des Sportgerichts führte der Spieler M mit seinem Ellbogen willentlich eine Bewegung in Richtung seines Gegenspielers aus und traf diesen mit Sicherheit. Dies steht aufgrund der klaren SR-Meldung und der Einlassung des Berufungsführers fest. Dass der Spieler sich lediglich losreißen wollte kann als wahr unterstellt werden, jedoch ist ein solches losreißen für das VSG nicht ohne eine Ausholbewegung vorstellbar. Somit handelt es sich auch aus Sicht des VSG bei dem vom gut positionierten SR geschilderten und vom Berufungsführer nicht in Abrede gestellten Vorgang um eine Tätlichkeit nach § 67 RVO, ungeachtet ob hierbei der Körper oder das Gesicht des Gegenspielers getroffen wurde. Wie das BSG zutreffend feststellte ist aufgrund der vorangegangenen sportwidrigen Handlung gegen den Spieler M und wegen der als leichterer Fall einzustufenden Tätlichkeit eine Reduzierung der Mindeststrafe von 6 Spielen (§ 67 Abs.1 RVO) gemäß § 67 Abs. 2 RVO vorzunehmen. Obschon beide Milderungsgründe vorliegen ist aus Sicht des VSG die erkannte Strafe von drei Spielen nicht zu beanstanden.

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 31.05.2016, AZ 00783-15/16 wurde der Spieler X wegen unsportlichen Verhaltens gegenüber dem SR im A-Klasse-Spiel B gegen C am 22.05.2016 ab 06.06.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft seines Vereins gesperrt. Ändert sich die Spielklasse, tritt die neue Spielklasse an die Stelle der bisherigen. Ferner wurde in Ziffer III. tenoriert, dass bei einem Vereinswechsel innerhalb der Sperrzeit ab Erteilung des Verbandsspielrechts die Verbandsspiele der Mannschaft in der niedrigsten Herrenklasse des aufnehmenden Vereins zählen.

Im Verfahren vor dem KSG wurde der Verein B am 25.05.2016 unter Verweis auf die Meldung des SR über das Postfachsystem ZIMBRA hinsichtlich des Verfahrens informiert. Der Verein wurde explizit darauf hingewiesen, dass der Spieler X, welchem der SR-Meldung zufolge nach der gelb-roten Karte noch (regelwidrig) die rote Karte gezeigt wurde, bis zu einem Urteil spielberechtigt sei. Eine Stellungnahme seitens des Vereins ging jedoch nicht ein.

Zur Saison 2016/2017 wechselte der Spieler X zum Antragsteller. Gemäß Ziffer III. des Urteils galt daher die noch nicht vollständig verbüßte Sperre des Spielers für die jetzige A-Klasse-Mannschaft des Antragstellers.

Mit E-mail vom 09.08.2016 beantragte der Verein A, unter Vorlage von Bestätigungen der Spieler Y und X sowie des damaligen Trainers S, das rechtskräftig abgeschlossene Verfahren wiederaufzunehmen. Er führte an, dass die damalige rote Karte nicht dem Spieler X, sondern dem Spieler Y gezeigt wurde. Die Sperre des Spielers X sei dem Verein erst vor dem ersten Punktspiel am 02.08.2016 durch das Symbol im DFBnet aufgefallen.

Die vom Antragsteller vorgebrachten Tatsachen sind keine neuen Tatsachen im Sinne des § 46 Abs. 2 RVO und rechtfertigen daher keine Wiederaufnahme des Verfahrens. Ausweislich des Anschreibens des KSG vom 25.05.2016, in welchem explizit auf die rote Karte gegen den Spieler X eingegangen wurde und zur Stellungnahme seitens seines damaligen Vereins aufgefordert wurde, erging keine solche. Bereits zum damaligen Zeitpunkt war - unterstellt die Karte wäre tatsächlich dem Spieler Y gezeigt worden - diese Tatsache dem Verein bekannt gewesen. Ungeachtet dessen ist keine Richtigstellung durch den damaligen Verein der beiden Spieler erfolgt. Demnach wäre der Verein selbst bei einer Berufung gegen das streitgegenständliche Urteil mit einem solchen Vortrag präkludiert gewesen.

Das Wissen des Vereins B wird dem Spieler X selbst zugerechnet. Auch der Wechsel des Spielers zum Antragsteller kann nicht herbeiführen, dass zum Urteilszeitpunkt dem früheren Verein B nachweislich bekannte Tatsachen (etwaige Verwechslung der Spieler durch den SR) als neu anzusehen sind, selbst wenn diese dem betroffenen Spieler selbst tatsächlich nicht bekannt gewesen sind. Eine dem Verein bekannte Tatsache gilt aufgrund der Zurechnungsvorschrift des § 39 Abs. 2 Satz 1 RVO auch dem Spieler als bekannt, selbst wenn der Verein seinen Spieler nicht hiervon unterrichtet. Die besondere und eng auszulegende Ausnahmevorschrift der Wiederaufnahme nach § 46 RVO, welche eine Durchbrechung der Rechtskraft darstellt, kann in einem solchen Fall nicht zur Anwendung gelangen.
Aus diesen Gründen liegen für das VSG keine neuen Tatsachen vor, weshalb der Antrag zurückzuweisen war.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO.

Aktenzeichen: 00004-16/17-VSG
Sitzung vom 10.08.2016
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 02.08.2016, Az.: 00001-16/17-BSG 

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 02.08.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 02.08.2016, Az.: 00001-16/17-BSG wurde mit Schreiben vom 10.08.2016 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

Aktenzeichen: 00002-16/1 VSG
Sitzung vom: 02.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Berufung der Verein A gegen das Urteil des Sportgerichts vom 12.07.2016, AZ 00009-16/17

Urteil:

I. Die Berufung der Verein A gegen das Urteil des Sportgerichts vom 12.07.2016, AZ 00009-16/17 wird zurückgewiesen.

II. Die Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von € 203,00. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Zu dem Privatspiel der 1. Herrenmannschaften der Verein B gegen die Verein A am 23.06.2016 meldete der SR, dass er vor Spielbeginn den Mannschaftsverantwortlichen M darauf hinwies, dass die acht A-Juniorenspieler (alle Jahrgang 1998) noch nicht das Alter für einen Einsatz im Herrenspielbetrieb vor dem 01.07.2016 besitzen. Herr M übernahm jedoch die Verantwortung hierfür, bestätigte unterschriftlich das Spielrecht aller Spieler geboren 1998 und setzte diese Spieler ein.

2. Das SG leitete hierauf ein Verfahren gegen den Verantwortlichen des Verein A, Herrn M ein. Dieser räumte den Hinweis des SR uneingeschränkt ein, gab jedoch an, dass er letzte Saison beim BFV nachgefragt und man ihm mitgeteilt hätte, dass während der Übergangsphase vor dem 01.07. die A-Juniorenspieler eingesetzt werden könnten. Gleichermaßen habe ihm ein anderer Funktionär im Juni 2016 auf Nachfrage erklärt, dass in Privatspielen in der Übergangsphase vor dem 01.07. die Spieler Jahrgang 1998 eingesetzt werden dürfen.

3. Das SG verhängte mit Urteil vom 12.07.2016 gegen den Betroffenen nach § 77 Abs. 2 RVO die Mindeststrafe von einem dreimonatigen Funktionsverbot.

4. Hiergegen legte der Verein A mittels Postfachsystem ZIMBRA am 17.07.2016 Berufung ein.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig. Die fristgerecht eingelegte Berufung ist zulässig.

5. Die Berufung ist jedoch unbegründet.

Nach § 77 Abs. 2 RVO a. F. ist für den Regelfall des unzulässigen Einsatzes auf ein Funktionsverbot von mindestens 3 Monaten zu erkennen. Für die Annahme eines leichten Falls müssen jedoch besondere Voraussetzungen vorliegen, die es rechtfertigen hiervon abzuweichen. Allein die Tatsache dass der unzulässige Einsatz in einem Privatspiel erfolgt ist reicht hierfür grundsätzlich nicht aus.

Die erstmalige Begehung eines unzulässigen Einsatzes kann ebenso wenig für sich allein gesehen die Annahme eines leichten Falls begründen wie ein umfängliches Eingestehen des Sachverhalts.

Wie das SG zutreffend ausführt, kann der Vortrag, dass der Verantwortliche sich letztes Jahr "beim BFV" erkundigt und er damals die Auskunft erhalten hätte, dass während einer Übergangsphase der Einsatz möglich wäre, nur als Schutzbehauptung gewertet werden. Auch in der Berufung wurde nur nebulös auf "den BFV" verwiesen, so dass weder überprüft werden konnte, ob es sich bei dem angeblichen Gesprächspartner um eine kompetente Person im Sinne der ständigen Rechtsprechung des VSG gehandelt hätte noch ob diese die vermeintliche Auskunft in der Form überhaupt erteilt hätte.

Das VSG sieht auch im Hinblick auf den Vortrag, dass der Verantwortliche bei Kenntnis der fehlenden Spielberechtigung des Jahrgangs 1998 vor dem 01.07. das Spiel später ausgemacht hätte, keinen Anhaltspunkt für ein fahrlässiges Handeln des Verantwortlichen. Gerade der Hinweis des SR vor dem Spiel, und die Ausführungen der Berufung, dass der Verantwortliche spontan zwischen der Befolgung der Spielordnung und dem Fair-Play-Gedanken abwägen musste, stellt eindrucksvoll klar, dass ihm sehr wohl bewusst war, dass keine Einsatzberechtigung seiner Spieler Jahrgang 1998 vorlag. Ein fahrlässiges Handeln scheidet daher nach Auffassung des VSG aus.

Es handelt sich mithin um ein wissentliches und willentliches Ignorieren der Spielordnung, welche in § 34 Abs. 1 SpO klar und unmissverständlich vorgibt, dass A-Junioren des älteren Jahrgangs erst ab 01.07. des laufenden Spieljahrs in den Herrenmannschaften eingesetzt werden können. Diese zentrale Norm der Spielordnung, welche einem langjährigen und mit Spielerverpflichtungen und Passangelegenheiten vertrauten Verantwortlichen bekannt zu sein hat, wurde auch in den letzten Jahren nicht geändert, so das auch hier kein nachvollziehbarere Grund vorliegt, der die angebliche Falschauskunft eines BFV-Funktionärs plausibel machen könnte.

Letztlich kann auch nicht die als Fair-Play-Gedanke vorgeschobene Motivation das in größerer Entfernung vereinbarte Freundschaftsspiel, welches hohe Fahrt- und Spesenkosten verursacht hat, nicht kurzfristig absagen zu wollen, als Rechtfertigung für das eigenmächtige Hinwegsetzen über die Bestimmungen der Spielordnung angesehen werden.

Aus all diesen Gründen kann nach Auffassung des VSG das Verhalten des Verantwortlichen keinen leichten Fall mehr darstellen, so dass die Berufung zurückzuweisen ist. Das SG hat zutreffend als Regelfall auf ein Funktionsverbot erkannt, welches wegen der erstmaligen Begehung, der Einräumung des Sachverhalts und aufgrund des nicht erzielbaren Wettbewerbsvorteils in dem Privatspiel auch nach Ansicht des VSG mit der Mindeststrafe von drei Monaten ausreichend und angemessen bewertet ist.

6. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 c) und 13 d) FO und § 2 I. Nrn. 8 c) und 13 d) Anlage FO.

Aktenzeichen: 00001-16/1 VSG
Sitzung vom: 02.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Beierlein

Berufung der Verein A gegen das Urteil des Sportgerichts vom 12.07.2016, AZ: 00008-16/17

Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des Sportgerichts Bayern vom 12.07.2016, AZ: 00008-16/17 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von € 203,00. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Zu dem Privatspiel der 1. Herrenmannschaften der Verein B gegen den Verein A am 23.06.2016 meldete der SR, dass er vor Spielbeginn den Mannschaftsverantwortlichen M darauf hingewiesen hat, dass 8 namentlich bekannte A-Juniorenspieler mit dem Jahrgang 1998 noch nicht das Alter für einen Einsatz im Herrenspielbetrieb vor dem 01.07.2016 besitzen. Der Mannschaftsverantwortliche Schäfer äußerte auf den Vorhalt keine Bedenken, übernahm die Verantwortung für den Einsatz und bestätigte dies entsprechend unterschriftlich. Die Spieler wurden eingesetzt.

2. Seitens des SG wurde unter dem 01.07.2016 gegen den Verein A aufgrund dieses der vorliegenden Meldung ein sportgerichtliches Verfahren eingeleitet. Der Sachverhalt wurde insoweit eingeräumt. Der Mannschaftsverantwortliche verwies darauf, dass er in der letzten Saison beim BFV nachgefragt und man ihm damals mitgeteilt hätte, dass während der Übergangsphase vor dem 01.07. die A-Juniorenspieler eingesetzt werden könnten. Ergänzend wird auf die anderweitigen Feststellungen im Verfahren 02-16/17 des VSG Bezug genommen.

3. Das SG hat den betroffenen Verein gemäß § 77 I RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einem Punktabzug von drei Punkten und einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € sowie den Verfahrenskosten belegt.

4. Hiergegen richtet sich die mittels des Postfachsystem ZIMBRA am 17.07.2016 eingelegte Berufung, die mit weiterem Schriftsatz vom 20.07.2016 begründet wurde. In der Berufungsbegründung wird der Sachverhalt unstreitig gestellt.

Mit der Berufung wird das Strafmaß gerügt. Es wird eingeräumt, dass dem anderweitig verfolgten M. ein fahrlässiges Verhalten zur Last gelegt wird und ihm aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Funktionär hätte bewusst sein müssen, dass er sich nicht auf mündliche Zusagen verlassen kann. Im Weiteren wird u. a. angeführt, dass der anderweitig Verfolgte M sich spontan zwischen der Befolgung der Spielordnung und dem Fairplay-Gedanken hätte entscheiden müssen. Eine kurzfristige Spielabsage sei nicht zumutbar gewesen. Ergänzend wird auf die ausführliche Berufungsbegründung verwiesen.

5. Die Berufung ist nicht begründet.
Das VSG ist gemäß § 20 I 1e) RVO zuständig. Die fristgerecht eingelegte Berufung ist zulässig.

Aufgrund des eingeräumten Sachverhalts geht das VSG, wie auch das SG davon aus, dass im vorgenannten Spiel 8 A-Juniorenspieler eingesetzt wurden, die kein entsprechendes Spielrecht hatten. Dies ergibt sich, wie das SG zweifelsfrei ausführt, aus § 34 JO i. V. m. § 7 I und II JO. Die Spieler wurden daher unzulässig eingesetzt.

Nach § 77 I RVO in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung ist hierfür ein Punktabzug von mindestens 3 Punkten vorgesehen sowie eine entsprechende Geldstrafe.

Hiervon kann unter der Voraussetzung, dass ein leichter Fall vorliegt, abgesehen werden.

Für die Annahme eines solchen leichten Falls liegen aber entsprechende besondere Voraussetzungen nicht vor so dass nicht von dem Regelfall abzuweichen ist.

Insbesondere reicht der Einsatz in einem Privatspiel gemäß ständiger Rechtsprechung des VSG hierfür nicht aus.

Darüber hinaus wird seitens des betroffenen Vereins eingeräumt, dass der Verstoß klar war und der anderweitig Verfolgte sich hätte zwischen dem Fairplay-Gedanken und der Einhaltung der Spielordnung entscheiden müssen.

Bei rechtzeitigem Erkennen und erforderlicher Organisation wäre bereits im Vorfeld aufgefallen, dass für die betroffenen 8 Spieler kein entsprechendes Herrenspielrecht besteht. Das Spiel hätte daher, sofern nicht anderweitige Spieler zur Verfügung gestanden hätten, rechtzeitig abgesagt werden können. Die entsprechende Abwägung hätte letztlich damit auch vermieden werden können.

Die Behauptung, wonach der Betroffene Aussagen erhalten habe, dass ein Spielrecht bestünde, ist so nicht verifizierbar. Dies ist dann zu Lasten des Betroffenen, damit hier des betroffenen Vereins zu werten. Das VSG hat dies insoweit als Schutzbehauptung angesehen.

Darüber hinaus hat sich der Mannschaftsverantwortliche klar und unmissverständlich selbst über die Hinweise des SR hinweggesetzt.

Unter Berücksichtigung aller Umstände ist im vorliegenden Fall kein Grund gegeben, von der Mindeststrafe des § 77 I RVO abzuweichen.

Die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von € 100,00 erscheint unter Abwägung aller für und gegen den betroffenen Verein sprechenden Umstände jedenfalls angemessen. Die Berufung ist daher insgesamt zurückzuweisen.

6. Die Kosten des Verfahrens trägt der Berufungsführer gemäß §§ 32, 33 RVO.


Urteile 2015/16

Aktenzeichen: 00121-15/16-VSG
Sitzung: 24.04.2017
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb


Revision des Vereins SC Bogenhausen gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts Oberbayern vom 07.02.2017, AZ.: 00406-15/16-BSG Obb.


Urteil:

I. Die Revision des SC Bogenhausen / Schwarz-Blau München gegen das Urteil des BSG Oberbayern vom 07.02.2017 wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass die Spielwertung nicht mehr vorgenommen wird.

II. Der SC Bogenhausen / Schwarz-Blau München trägt die Hälfte der Kosten der Re-vision. Im Übrigen verbleibt es bei der Kostenentscheidung des BSG-Urteils. Au-ßergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

  
Gründe:

1.
Nach den Feststellungen des BSG wurde das C-Junioren-Gruppenspiel SV Waldperlach 3 gegen SC Bogenhausen 3 am 26.06.2016 in der 27. Spielminute vom Schiedsrichter abgebro-chen, weil der Betroffene sich weigerte seine Mannschaft weiterspielen zu lassen. Ein Teil der Spieler hatte sich aufgrund dieser Weigerung bereits vom Spielfeld entfernt.

Das JSG verurteilte den Betroffenen mit Urteil vom 19.09.2016 zu einer Geldstrafe von € 50,00 und nahm eine Spielwertung zu Lasten des Revisionsführers vor. Hiergegen richtete sich die per Postfachsystem Zimbra am 26.09.2016 eingelegte Berufung. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 07.02.2017 zurück. Mit Schreiben vom 14.02.2017, am selben Tag beim BFV eingegangen, legte der Revisionsführer Revision ein. Diese wurde mit Verstößen gegen § 29 RVO, § 39 RVO, § 66 Nr. 1.1.4 SpO, § 74 RVO, § 62 RVO begründet.

2.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3.
Die Revision ist jedoch unbegründet.

Mit der Revision kann nur überprüft werden, ob die Feststellungen des BSG verfahrensfehler-frei erhoben wurden und der festgestellte Sachverhalt das Urteil rechtfertigt. Beides ist nach der Ansicht des VSG der Fall.

a)
Ein maßgeblicher Verfahrensfehler liegt nicht vor.

Die Rügen des Revisionsführers greifen nicht durch. Ein Verstoß gegen § 29 RVO liegt nicht vor. Der Revisionsführer rügt, dass kein vollständiges Protokoll der Zeugenaussagen vorliegt. Dies ist gemäß § 29 RVO jedoch auch nicht notwendig. Die RVO verlangt weder eine wörtli-che, noch eine sinngemäße Protokollierung der Zeugenaussagen. Die RVO enthält überhaupt keine Formvorschrift, wie Zeugenaussagen festzuhalten sind. Die Vorschriften der ZPO oder der StPO können hier weder direkt, noch analog angewandt werden. Das Sportgerichtsverfah-ren dient dem Wettbewerb der Mannschaften untereinander. Es muss daher in angemessener Zeit beendet werden können. Eine förmliche Beweisaufnahme, wie sie die ZPO vorsieht oder eine Beweisaufnahme in einer Hauptverhandlung, wie dies in der StPO vorgesehen ist, wür-den der gewünschten Beschleunigung des Verfahrens entgegenwirken. Der vom Gericht für wesentlich erachtete Inhalt einer Zeugenaussage muss nur deshalb schriftlich niedergelegt werden, damit dem Betroffenen rechtliches Gehör gewährt werden kann. Diese Anforderungen erfüllte die schriftliche Niederlegung der wesentlichen Punkte der mündlichen Aussage des Schiedsrichters, die dem Betroffenen vorlag.

Ein Verstoß gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs (§ 39 RVO) liegt ebenfalls nicht vor. Der Betroffene hatte in der Berufungsschrift Gelegenheit, sich zu der in der ersten Instanz er-folgten Beweisaufnahme zu äußern und hat dies auch ausführlich getan. Das BSG hat sich mit den Argumenten auseinandergesetzt. Dass es ihnen weitgehend nicht folgte, ist kein Verstoß gegen das rechtliche Gehör. Dieses verlangt nur die Kenntnisnahme vom Inhalt des Sachvor-trags. Ein begründeter Antrag auf nochmalige Einvernahme bestimmter Zeugen wurde nicht gestellt.


b)
Die Rechtsfolgen auf den festgestellten Sachverhalt sind ebenfalls nicht zu beanstanden.

Das BSG hat § 66 SpO zutreffend angewandt. Nach der Rechtsprechung des VSG liegt dann kein von einem Verein zu vertretender Spielabbruch vor, wenn an den Schiedsrichter nur die Bitte herangetragen wird, ein Spiel abzubrechen und der Schiedsrichter aus freien Stücken dieser Bitte folgt. Auf diese Rechtsprechung des VSG hat das BSG Bezug genommen. Das BSG hat allerdings festgestellt, dass hier nicht nur eine Bitte ausgesprochen wurde, sondern dass die Spieler zum Großteil den Platz verlassen haben, so dass dem Schiedsrichter die Fortsetzung des Spiels unmöglich gemacht worden war. An diese Feststellung des BSG ist das VSG gebunden. Anhaltspunkte dafür, dass sie offensichtlich unzutreffend sind, werden weder vorgetragen, noch sind diese ersichtlich.

Die Anwendung des § 74 RVO folgt aus der zutreffenden Wertung des § 66 SpO.

Das BSG hat auch § 62 RVO zutreffend angewandt. Auch hier hat das BSG einen anderen Sachverhalt festgestellt, als ihn der Betroffene zugrundelegt. Das BSG gelangte zu dem Er-gebnis, dass der Trainer nicht wegen eines Irrtums den Abbruch des Spiels verlangte, sondern weil er das Spiel wegen der seiner Ansicht nach übertriebenen Härte der gegnerischen Mann-schaft nicht fortsetzen wollte. Die Indizien, wie das BSG zu dieser Wertung gelangte sind im Urteil im einzelnen rechtsfehlerfrei dargestellt Dieses Motiv rechtfertigt aber keinen Spielabb-ruch, ansonsten stünde es jeder Mannschaft, die zurückliegt, frei, eine Neuansetzung mit der Begründung zu erreichen, dass der Gegner zu hart gespielt habe und der Schiedsrichter dem nicht ausreichend entgegengetreten sei. Ein solcher Grund kann daher in aller Regel keinen Spielabbruch rechtfertigen. Zudem weist das BSG im Urteil zurecht darauf hin, dass der Nachweis von Verletzungen einzelner Spieler durch ungeahndete unfaire Attacken der Gegen-spieler nicht ansatzweise erbracht wurde.


4.
Hinsichtlich der Spielwertung war gemäß Art. 45 Abs.2 der Satzung zu berücksichtigen, dass die Saison längst abgeschlossen ist und ein nachträglicher Eingriff in die Tabelle durch eine Spielwertung nicht mehr möglich ist.

Insoweit war das Urteil aufzuheben.


5.
Kosten § 32, 33 RVO, § 11 II. Nrn. 6 d) und 7 FO.

Soweit das Urteil im Hinblick auf Art. 45 Abs. 2 der Satzung aufzuheben war, trägt der BFV die Kosten des Verfahrens. Bereits zum Zeitpunkt des Urteils des BSG war die Saison soweit ab-gelaufen, dass eine Spielwertung nicht mehr vorgenommen werden konnte. Zudem hätte we-gen des Verbots der Schlechterstellung die Korrektur des Ergebnisses nicht zu Lasten des Revisionsführers vorgenommen werden dürfen.


Aktenzeichen: 00119-15/16-VSG
Sitzung vom: 14.02.2017
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

Verfahren gegen Spieler A wegen Ausschlusses

Urteil:

I. Der Betroffene Spieler A, Verein X, wird wegen einer Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall gemäß § 67 Abs. 1 RVO aus dem Bayerischen Fußballverband ausgeschlossen.
Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass mit der Nr. 0185-9657 ist einzuziehen.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Verein X.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Folgender Sachverhalt ergibt sich nach den Feststellungen des VSG:

Der Betroffene hat am 06.05.2016 beim Spiel der Senioren A Kreisklasse Verein Y - Verein X seinen Mitspieler Spieler B zu Boden gerissen und dann mehrmals mit den Füßen auf den Kopf des Mitspielers eingetreten.
Der Schiedsrichter hat dem Betroffenen die Rote Karte gezeigt und das Spiel abgebrochen.

2.
Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs.1 a) RVO.

Aufgrund der Meldung des Schiedsrichters vom 07.05.2016, leitete das KSG ein Verfahren gegen den Betroffenen ein. Mit Schreiben vom 11.05.2016 räumte der Verein gegenüber dem KSG den Sachverhalt weitgehend ein. Das KSG gab das Verfahren mit Beschluss vom 08.12.2016 an das Verbandssportgericht mit der Begründung ab, dass die Strafgewalt des KSG nicht ausreicht.

3.
Mit Schreiben vom 25.01.2017 wurde der Betroffene informiert, dass das Verfahren beim VSG geführt wird, dass nach Vorberatung durch das VSG ein Ausschluss in Betracht kommt und der Betroffene die Möglichkeit hat, bis zum 02.02.2017 eine Stellungnahme abzugeben und eine mündliche Verhandlung zu beantragen.

Das Schreiben wurde am 09.01.2017 auch dem Verein des Betroffenen über das Postfachsystem ZIMBRA zugestellt, verbunden mit der Aufforderung, das Schreiben an den Betroffenen weiterzuleiten und ggfs. eine eigene Stellungnahme dazu abzugeben.

Eine Stellungnahme binnen der gesetzten Fristen erfolgte weder vom Verein,
noch vom Betroffenen.

4.
Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbandssportgerichts fest aufgrund der Meldung des amtierenden Schiedsrichters vom 07.05.2016 sowie der Stellungnahme des Verein X vom 11.05.2016, in der der Sachverhalt vom Verein eingeräumt wird.
Der Betroffene hat sich nicht zur Sache geäußert.

5.
Das Verhalten des Betroffenen stellt neben der begangenen Straftat der vorsätzlichen Körperverletzung eine Tätlichkeit gegen einen Mitspieler in einem besonders schweren Fall gemäß § 67 Abs. 1 Satz 2 RVO dar.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser den Sachverhalt zumindest nicht bestritten hat.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich vorliegend um ein ganz massives brutales Verhalten gegen seinen Mitspieler mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat. Die Tritte auf den Kopf des Mitspielers hätten zu erheblichen Verletzungen führen können.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Tat im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 67 Abs. 1 Satz 2 RVO in Betracht.

Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vorgehens nicht angezeigt.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO

 

 

Aktenzeichen: 00118-15/16-VSG
Sitzung vom: 14.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Schreckenbauer, Lieb

Verfahren gegen Spieler A wegen Ausschlusses

Urteil:

I. Der Betroffene Spieler A, Verein X, wird wegen einer Tätlichkeit in einem besonders schweren Fall gemäß § 67 Abs. 1 RVO aus dem Bayerischen Fußballverband ausgeschlossen.
Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Spielerpass mit der Nr. 0420-2161 ist einzuziehen.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Verein X.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Folgender Sachverhalt ergibt sich nach den Feststellungen des VSG:

Der Betroffene hat am 06.05.2016 beim Spiel der Senioren A Kreisklasse Verein Y - Verein X seinen Mitspieler B mit einem äußerst brutalen Faustschlag ins Gesicht tätlich angegriffen. Der Spieler B ging zu Boden und blieb für ca. zwei Minuten bewusstlos liegen.
Der Betroffene hat im weiteren Verlauf seinen Mitspieler C zu Boden gerissen und dann mehrmals mit den Füßen auf den Kopf des Mitspielers eingetreten.
Der Schiedsrichter hat dem Betroffenen die Rote Karte gezeigt und das Spiel abgebrochen.
Im Anschluss daran hat der Betroffene den Mitspieler B nochmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

2.
Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs.1 a) RVO.

Aufgrund der Meldung des Schiedsrichters vom 07.05.2016, leitete das KSG ein Verfahren gegen den Betroffenen ein. Mit Schreiben vom 11.05.2016 räumte der Verein gegenüber dem KSG den Sachverhalt weitgehend ein. Das KSG gab das Verfahren mit Beschluss vom 08.12.2016 an das Verbandssportgericht mit der Begründung ab, dass die Strafgewalt des KSG nicht ausreicht.

3.
Mit Schreiben vom 25.01.2017 wurde der Betroffene informiert, dass das Verfahren beim VSG geführt wird, dass nach Vorberatung durch das VSG ein Ausschluss in Betracht kommt und der Betroffene die Möglichkeit hat, bis zum 02.02.2017 eine Stellungnahme abzugeben und eine mündliche Verhandlung zu beantragen.

Das Schreiben wurde am 09.01.2017 auch dem Verein des Betroffenen über das Postfachsystem ZIMBRA zugestellt, verbunden mit der Aufforderung, das Schreiben an den Betroffenen weiterzuleiten und ggfs. eine eigene Stellungnahme dazu abzugeben.

Eine Stellungnahme binnen der gesetzten Fristen erfolgte weder vom Verein,
noch vom Betroffenen.

4.
Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbandssportgerichts fest aufgrund der Meldung des amtierenden Schiedsrichters vom 07.05.2016 sowie der Stellungnahme des Verein X vom 11.05.2016, in der der Sachverhalt vom Verein eingeräumt wird.
Der Betroffene hat sich nicht zur Sache geäußert.

5.
Das Verhalten des Betroffenen stellt neben der begangenen Straftaten der vorsätzlichen Körperverletzung eine Tätlichkeit gegen einen Mitspieler in einem besonders schweren Fall gemäß § 67 Abs. 1 Satz 2 RVO dar.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass dieser den Sachverhalt zumindest nicht bestritten hat und es im Vorfeld der Schlägerei zu unsportlichen Äußerungen durch den Mitspieler B gekommen ist.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass es sich vorliegend um ein ganz massives brutales Verhalten gegen seinen Mitspieler mit erheblicher körperlicher Einwirkung gehandelt hat. Die Tritte auf den Kopf des Mitspielers und die Faustschläge hätten zu erheblichen Verletzungen führen können.
Es wurde auch berücksichtigt, dass der Betroffene nach dem Zeigen der Roten Karte und dem Spielabbruch einen Mitspieler nochmals tätlich angegriffen hat.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände kam aufgrund der Schwere der Taten, insbesondere der brutalen Vorgehensweise, im vorliegenden Fall nur der Ausschluss des Betroffenen gemäß § 67 Abs. 1 Satz 2 RVO in Betracht.

Mildere Sanktionen sind angesichts des massiven körperlichen Vorgehens nicht angezeigt.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO



Aktenzeichen: 00117-15/16-VSG
Sitzung vom 13.09.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb


Ausschluss des Mannschaftsverantwortlichen

Urteil:

I. Der Mannschaftsverantwortliche, des Vereins wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen.

Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Vereins.


Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, dass er bei dem A-Klasse Frauenspiel
Verein - FFC Wacker München IV am 23.04.2016
zwei Spielerinnen unzulässig eingesetzt hat und darüber hinaus im Vorfeld zwei Spielerpässe gefälscht hat.
Die Spielerin E spielte unter dem falschen Namen F.
Die Spielerin G spielte unter Verwendung eines gefälschten Passes als H. Der Spielerpass von H wurde mit dem Foto von G durch Klammern verbunden und mit dem Vereinsstempel abgestempelt.
Die Spielerin I stellte sich unter Verwendung eines gefälschten Passes als J bei der Passkontrolle vor. In dem Spielerpass J wurde das Foto von I eingeklebt und abgestempelt.
Die amtierende Schiedsrichterin hat bei der Passkontrolle die Spielerin nach dem Geburtsdatum gefragt, im Spiel wurde diese Spielerin anschließend nicht mehr eingesetzt.
Der Betroffene hat zum Sachverhalt Stellung genommen und seinen Fehler eingeräumt.

2. Vom zuständigen Kreissportgericht München I wurde am 01.06.2016 ein Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen Herrn A nach § 77 II und § 89 RVO eröffnet und mit Beschluss vom 18.07.2016 das Verfahren an das Verbandssportgericht abgegeben.
Mit Schreiben vom 01.08.2016 wurde dem Verein und dem Betroffenen A die Übernahme durch das Verbandssportgericht mitgeteilt und auf
§ 41 Abs. 3 RVO (Antrag auf mündliche Verhandlung) hingewiesen.
3. Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Verantwortlichen für den Spielereinsatzes in Frage kommt.
4. Zur Überzeugung des Verbandssportgerichts steht fest, dass der Betroffene als Mannschaftsverantwortlicher zwei Spielerpässe durch Anbringen eines falschen Fotos gefälscht hat, darüber hinaus hat er zwei Spielerinnen in einem Spiel unzulässig eingesetzt.
Der Sachverhalt steht fest aufgrund der Schiedsrichtermeldung, der Stellungnahme des Vereines M, der Stellungnahme der Betreuerin X, der im Verfahren vorgelegten Unterlagen (Originale und Kopie der Spielerpässe G, H, I und J, Foto des Einsatzes der Spielerin E) und der Einlassung des Betroffenen Herrn A.
Die Spielerin E hat in obigen Verbandsspiel unzulässig auf den Spielerpass der Spielerin F gespielt.
Die Spielerin G hat unter Verwendung eines gefälschten Spielerpasses auf den Namen H gespielt.
Der Spielerpass H wurde durch Klammern mit dem Foto der G verbunden, Pass und Bild wurden mit dem Vereinsstempel überlappend abgestempelt.
Der Spielerpass der Spielerin J wurde mit dem Passbild der Spielerin I versehen, Pass und Bild mit dem Vereinsstempel überlappend abgestempelt.
Hier ist es nicht zu einem Einsatz im Spiel gekommen.

Der Betroffene A war bei vorliegenden Spiel laut Spielbericht der Mannschaftsverantwortliche.
In seiner Stellungnahme teilt Herr A mit, dass er als Mannschaftsverantwortlicher einen großen Fehler begangen hat.

Das Verhalten des Betroffenen A stellt neben der vorliegenden Urkundenfälschung ein Vergehen der falschen Angaben im Sinne von § 89 Abs. 2 RVO durch Herstellung zweier falscher Spielerpässe und des unzulässigen Einsatzes nach § 77 II RVO dar.
Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des Betroffenen Lempe berücksichtigt, dass dieser den Vorfall letztendlich eingeräumt hat.
Die vom Betroffenen in dem Fax vom 08.08.2016 vorgebrachten Umstände, warum die beiden Spielerinnen Ihle Sara und Annika Berger eingesetzt wurden, können vom Verbandssportgericht nicht strafmildernd anerkannt werden.
Ein extremer Spielermangel rechtfertigen keinesfalls die vorgenommen Passfälschungen und einen unzulässigen Einsatz.
Zu seinen Lasten war zu berücksichtigen, dass es der Betroffene zum einen geduldet hat, dass eine Spielerin mittels gefälschten Spielerpass auf einem falschen Namen spielt, darüber hinaus wurde eine Spielerin auf falschem Namen eingesetzt, zum anderen liegen zwei strafrechtlich relevante Taten der Urkundenfälschung durch Anbringen jeweils falscher Passbilder in Spielerpässen vor. Der Einsatz einer weiteren Spielerin mittels gefälschten Spielerpass auf einem falschen Namen wurde versucht.
Das Herstellen und der Gebrauch eines manipulierten Passes führt
gemäß § 89 Abs.2 RVO zum Ausschluss.
Angesichts der Gesamtumstände kam auch die Annahme eines leichten Falles nach § 89 Abs.2 Satz 2 RVO nicht in Betracht.

Der Betroffene A war daher wegen zwei tatmehrheitlich begangener Vergehen der Herstellung eines Falschen Spielerpasses (§ 89 RVO) und zwei in Tateinheit begangener Vergehen des unzulässigen Einsatzes von Spielern (§ 77 II RVO) mit dem Ausschluss aus dem Verband zu belegen.

5. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d).

 gez. Riedmeyer, Beierlein, Lieb


Aktenzeichen: 00116-15/16-VSG
Sitzung vom 13.09.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Lieb

E-Junioren-Spiel Verein A - Verein B am 11.06.2016
Verfahren gegen Trainer M, Verein A

Urteil:

I. Der Betroffene Herr M, Verein A wird wegen unsportlichen Verhaltens nach §§ 47, 48 RVO von 15.09.2016 bis 14.09.2018
gesperrt.
II. Darüber hinaus erhält der Betroffene Herr M,
Verein A gemäß § 48 Abs. 1 b RVO in Verbindung mit § 48 Abs. 3 RVO eine Geldstrafe in Höhe von Euro 250,- unter Mithaftung seines
Vereines A.
III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 25,38 trägt der Betroffene Herr M unter Mithaftung des Verein A.

Gründe:

1. Dem Betroffenen liegt zur Last, sich am 11.06.2016 als Trainer eines
E-Juniorenspieles grob unsportlich gegen den Schiedsrichter verhalten zu haben.

Der Betroffene soll während dem Spiel dem Schiedsrichter gedroht haben, dass man sich nach dem Spiel sieht.

Nach dem Spiel rannte der Betroffene auf den Schiedsrichter zu und spuckte ihm ins Gesicht.

Darüber hinaus beleidigte er den Schiedsrichter auf das übelste mit:
"Ich fick dich", "Wichser", "Ich ficke deine Frau".

2. Vom zuständigen Jugendsportgericht Oberfranken II wurde am 13.06.2016 ein Verfahren gegen den Trainer A eröffnet und mit Beschluss vom 19.07.2016 das Verfahren an das Verbandssportgericht abgegeben.
Mit Schreiben vom 01.08.2016 wurde dem Verein und dem Betroffenen Herr A die Übernahme durch das Verbandssportgericht mitgeteilt und auf
§ 41 Abs. 3 RVO (Antrag auf mündliche Verhandlung) hingewiesen.
3. Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Frage kommt.

4. Zur Überzeugung des Verbandssportgerichts steht fest, dass der Betroffene nach dem Spiel dem Schiedsrichter ins Gesicht gespuckt und ihn aufs übelste beleidigt hat, darüber hinaus hat er dem Schiedsrichter während des Spiels gedroht, dass man sich nach dem Spiel noch sieht.

Der Sachverhalt ergibt sich aus der unbestrittenen Meldung des amtierenden Schiedsrichters und der Stellungnahme des Vereines des Betroffenen dem
Verein A, worin das Geschehen eingeräumt wird.

Das Verbandssportgericht hat nicht die geringsten Zweifel an der Richtigkeit der Meldung des Vereinsschiedsrichters.

Dem Betroffenen wurde rechtliches Gehör gewährt, eine Stellungnahme ist nicht eingegangen.

Der Betroffene ist nicht Inhaber einer Trainerlizenz.

Der Betroffene war daher wegen §§ 47, 48 RVO zu bestrafen.

Bei der Findung einer angemessenen Strafe konnte das VSG zugunsten des Betroffenen keine entlastenden Gesichtspunkte berücksichtigen.

Zu seinen Lasten war zu sehen, dass sich der Vorfall bei einem Juniorenspiel im jüngeren Altersbereich ereignet hat.
Der Betroffene hat sich dabei massiv grob unsportlich Verhalten.
Das Anspucken einer Person, insbesondere ins Gesicht, stellt eine besonders verwerfliche Form der Unsportlichkeit dar.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Betroffene A mit Urteil vom 21.05.2015, AZ 00075-14/15-JSG OFR 2 wegen unsportlichen Verhaltens gegen den Schiedsrichter einschlägig vorbelastet ist.

Unter Abwägung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Umstände erachtete das VSG daher die Verhängung einer Sperre von zwei Jahren als angemessen und erforderlich.

Von einem Ausschluss des Betroffenen aus dem Verband konnte gerade noch abgesehen werden.

Aufgrund der massiven Beleidigungen ist der Betroffene darüber hinaus noch mit der ausgesprochenen Geldstrafe zu belegen, die tat- und schuldangemessen ist.
Es wurde von einer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit des Betroffenen ausgegangen, § 50 I RVO, nachdem vom Betroffen zur Leistungsfähigkeit keine Angaben gemacht wurden.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO

 


Aktenzeichen: 00115-15/16-VSG
Sitzung vom: 16.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Beschwerde des Verein A gegen den Bescheid des BFV vom 24.03.2016

Urteil:

I. Auf die Beschwerde des Verein A wird der Bescheid des Bayerischen Fußball-Verbandes vom 24.03.2016 aufgehoben und das Verfahren zur erneuten Verbescheidung an die Verwaltung zurückverwiesen.

II. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.


 

 Gründe:

1. Der Verein A (nachfolgend Beschwerdeführer) führte am 28.03.2016 ein internationales U11 Turnier durch, das als Qualifikationsturnier für den Cordial Cup diente. Bei der Firma CORDIAL Ferienclub Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Linz handelt es sich um ein Unternehmen, das in Österreich und in der Toskana mehrere Hotels betreibt. Auf seiner Website wirbt es u.a. mit der Durchführung von Fußball-Trainingslagern. Es steht damit in Konkurrenz mit mehreren Unternehmen aus der Touristik-Branche, die Partner des BFV sind. Mit Bescheid vom 24.03.2016 legte der Bayerische Fußball-Verband fest, dass eine Genehmigungsgebühr gemäß § 19 JO von € 500,00 zu zahlen ist.

Mit Schreiben vom 30.03.2016 legte der Beschwerdeführer Beschwerde gegen den Bescheid ein. Es wurde eine fehlende Rechtsgrundlage in der FO und die Höhe der Gebühr gerügt.

Mit Schreiben vom 10.05.2016 beantragte der Präsident wegen der Bedeutung der Angelegenheit die unmittelbare Entscheidung durch das VSG.

Mit Schreiben vom 11.05.2016 beantragte der Verbandsanwalt die Aufhebung des Bescheids und Festsetzung einer Genehmigungsgebühr in Höhe von € 200,00.

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 2 RVO. Die Angelegenheit wurde vom Verbands-Präsidenten über den Verbandsanwalt dem VSG zugeleitet. Da die Entscheidung besondere Bedeutung für die Praxis der Festsetzung der Genehmigungsgebühr besitzt, ist die direkte Zuleitung sachgerecht. Der Präsident kann in jeder Lage des Verfahrens die Entscheidung des VSG beantragen.

3. Die Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-Jugendausschusses ist zulässig. Sie ist im Umfang des Antrags des Verbandsanwalts auch begründet.

Maßgeblich ist § 19 Abs. 1 Jugendordnung, der lautet:

§ 19 Genehmigungs-/Anzeigepflicht von Pokalrunden und -turnieren
(1) Die Durchführung von privaten Pokalrunden und -turnieren bedarf einer mindestens 4 Wochen vorher beim zuständigen Jugendgruppenspielleiter zu beantragenden Genehmigung durch den BFV, sofern mehr als 15 Mannschaften in einer Altersklasse oder mehr als drei Mannschaften von außerhalb des BFV-Verbandsgebiets teilnehmen oder die Veranstaltung ganz oder teilweise den Namen eines in Konkurrenz zu einem BFV-Wirtschaftspartner stehenden Unternehmens trägt oder die Veranstaltung mehr als drei Spieltage umfasst. Die Erteilung der Genehmigung kann aus Gründen des Verbandsinteresses verweigert, von der Zahlung einer Gebühr oder einer Turnierabgabe oder von einer Einbeziehung des BFV in die Veranstaltungs- oder Ablauforganisation abhängig gemacht werden.

Diese Vorschrift berechtigt den BFV die Genehmigung eines Turniers von der Zahlung einer Gebühr abhängig zu machen. Dem Kontext der Vorschrift ist zu entnehmen, dass mit dieser Genehmigungsgebühr verhindert werden soll, dass sich Unternehmen die Marketingvorteile, die sich aus der werbenden Begleitung der Wettbewerbe ergeben, die mit Mannschaften und Vereinen durchgeführt werden, die dem Bayerischen Fußball-Verband angehören, zunutze machen, ohne hierfür Leistungen an die Solidargemeinschaft der Vereine zu erbringen.

Im vorliegenden Fall dient die die Veranstaltung des Turniers als Qualifikationsturnier für den Cordial Cup auch dem Zweck, den Namen und die wirtschaftlichen Leistungen dieser Hotelgruppe dem Kreis der Eltern und Verwandten der Spieler bekannt zu machen, die die teilnehmenden Kinder zum Turnier begleiten. Dieser Werbeeffekt soll ausgenutzt werden, ohne dass dafür an den BFV eine wirtschaftliche Gegenleitung erfolgt. Der BFV finanziert im Interesse seiner gesamten Mitgliedsvereine den laufenden Spielbetrieb auch aus Werbeeinnahmen, die sich durch die Vermarktung der Wettbewerbe erzielen lassen. Die so eingenommenen Beträge kommen den Vereinen zugute, die ansonsten die fehlenden Einnahmen durch erhöhte Gebühren ausgleichen müssten. Es liegt daher im Interesse aller Vereine, dass der Marketingwert von Wettbewerben nicht kostenlos genutzt werden darf.

Der Genehmigungsbescheid ist dabei gemäß § 19 Abs. 1 JO vom BFV zu erteilen. Die Festlegung durch den Verbands-Jugendausschuss dient insoweit nur der internen Abstimmung. Die Erteilung des Bescheids vom 24.03.2016 im Namen des BFV ist daher nicht zu beanstanden.

Auch liegt der festgesetzte Betrag nicht außerhalb des mit der Veranstaltung offensichtlich zu erzielenden Werbewerts. Bei den Hotels der Cordial Gruppe handelt es sich um gehobene Hotels, die vorwiegend für sportlich interessierte Personen und insbesondere auch Familien, Urlaubsaufenthalte anbieten. Der Werbewert gerade in der Zielgruppe der Eltern und Verwandten von Spielern in den U11 Mannschaften ist daher erheblich. Viele Familien mit Kindern in dieser Altersgruppe suchen aktive Urlaube in Hotels, die auch Kinder gerne aufnehmen. Der von der Verwaltung ursprünglich festgelegte Betrag lässt daher einen Ermessensfehler nicht erkennen. Eine schriftliche Begründung der festgelegten Genehmigungsgebühr sieht § 19 JO nicht vor.

Der Bescheid war allerdings aufzuheben und zur erneuten Verbescheidung an den BFV zurückzuverweisen, weil der Verbandsanwalt die Aufhebung des Bescheids und die Festsetzung einer niedrigeren Gebühr beantragt hat.

§ 19 JO weist den Erlass des Bescheids nicht einem bestimmten Gremium zu, sondern der BFV legt die Gebühr fest. Im Beschwerdeverfahren vor dem VSG wird der BFV durch den Verbandsanwalt vertreten. Der Antrag des Verbandsanwalts, die Genehmigungsgebühr auf € 200,00 zu reduzieren, muss daher zwingend zur Aufhebung des Bescheids und zur Neuverbescheidung führen. Insoweit liegt widersprüchliches Verhalten der Verwaltung vor, welches das VSG nicht auflösen kann.

Die Höhe der Gebühr liegt im Ermessen der Verwaltung, die dieses Ermessen pflichtgemäß auszuüben hat. Maßgeblich wird dabei der voraussichtliche Werbewert der Veranstaltung sein. Weitgehend unerheblich ist der Gewinn, den ein veranstaltender Verein Aus der Durchführung des Wettbewerbs zieht oder nicht zieht. Auch dann, wenn der Verein den Marketinggewinn aus Unwissenheit oder auch bewusst dem werbenden Unternehmen alleine zukommen lässt, ist die Gebühr zum Schutze der Solidargemeinschaft der Vereine des BFV festzusetzen. Auch die Frage, welche Jugendmannschaften betroffen sind, spielt nur insoweit eine Rolle, als die Einfluss auf den Werbewert hat. Sind - wie hier- nicht die Kinder, sondern die Eltern die Zielgruppe der Werbung, kann diese Werbewirkung bei einem U11 Turnier, bei dem die Kinder meistens von Eltern oder Verwandten begleitet werden, viel höher sein, als bei einem U17 Turnier, zu dem die Jugendlichen alleine anreisen, die jedoch üblicherweise nicht über Urlaube in einem der gehobenen Hotels dieser Gruppe entscheiden.

Das VSG kann als reine Rechtsinstanz sein Ermessen nicht an die Stelle der Verwaltung setzen. Es wäre auch unzulässig, zwischen der Ermessensausübung durch die Verwaltung und derjenigen durch den, den BFV im Beschwerdeverfahren vertretenden Verbandsanwalt zu entscheiden.

Aus diesem verfahrenstechnischen Grund ist der Bescheid aufzuheben und an die Verwaltung zurückzuverweisen.

4. Bei der Kostenentscheidung ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerde zwar nur aufgrund des Antrags des Verbandsanwalts Erfolg hat. Da aber nicht ausgeschlossen ist, dass der Beschwerdeführer bei Festsetzung einer Gebühr, wie sie vom Verbandsanwalt beantragt wurde, keine Beschwerde eingelegt hätte, hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens der BFV zu tragen.

 

 

 

Aktenzeichen: 00114-15/16 - VSG
Sitzung vom 16.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Verfahren gegen Schiedsrichter X

 Urteil:

I. Der Schiedsrichter Schiedsrichter X, Verein A wird aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen. Ihm wird das Recht aberkannt, einem Verbandsverein als Mitglied anzugehören.

II. Der Schiedsrichterausweis wird eingezogen.

III. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 60,90 trägt der Betroffene unter Mithaftung des Verein A.

 Gründe:

Dem Betroffenen liegt zur Last am 16.03.2016 anlässlich des Champions-League-Spiel FC Bayern München gegen Juventus Turin eine zuvor von ihm als Schiedsrichter gegen ein Entgelt von Euro 0,60 Euro erworbene Karte zu einem Preis von 250 Euro verkauft zu haben.
Die Zuständigkeit des Verbandssportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 1 a) RVO, nachdem vorliegend ein Ausschluss des Betroffenen in Betracht kommt.

Der Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbandssportgerichts fest aufgrund der vorliegenden Unterlagen, insbesondere der Aussage des Polizeibeamten PHM Mauritz in der mündlichen Verhandlung am 28.06.2016.

Die vom Betroffenen erworbene Karte ist ausweislich des Aufdrucks nicht übertrag- oder veräußerbar, was der Betroffene auch wusste.

Der Betroffene hat sich zum Sachverhalt inhaltlich schriftlich geäußert, zu der mündlichen Verhandlung ist der Betroffene nicht erschienen, ebenso ist der vom Betroffenen benannte und ordnungsgemäß geladene Zeuge M unentschuldigt nicht erschienen.

Nach Übersendung des Kurzprotokolls (§ 43 II RVO) der mündlichen Verhandlung hat sich der Betroffene mit Mail vom 27.07.2016 erneut zur Sache geäußert. Soweit der Betroffene in dieser Email Fragen aufwirft, ist er darauf hinzuweisen, dass er in der mündlichen Verhandlung die Möglichkeit gehabt hätte den beiden Zeugen Fragen zu stellen. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass es sich um kein Wortprotokoll handelt, sondern lediglich der wesentliche Inhalt der Aussagen zusammengefasst wiedergegeben wird.

Die Angaben des Betroffenen in seinen Stellungnahmen, er habe die Karte nach Erhalt an den anderweitig beschuldigten M mit der Bitte um Weitergabe an einen anderen Schiedsrichterkollegen übergeben, da er sich, wegen starken Rückenschmerzen, das Spiel nicht mehr anschauen konnte, stellt nach Überzeugung des Verbandssportgerichts eine reine Schutzbehauptung dar.

Die Angaben des Betroffenen werden durch die Aussagen der Polizeibeamten eindeutig widerlegt.

PHM hat ohne jeglichen Belastungseifer eindeutig ausgesagt, dass der Betroffene X die zweite Karte an den Käufer übergeben hat.

Soweit der Betroffene hierzu anmerkt, dass die Personalien des Käufers nicht festgestellt wurden, ist dies für das sportgerichtliche Verfahren vollkommen ohne Belang, da gegen den Käufer der Karte kein sportgerichtliches Verfahren im Raum steht.

POM hat ausgesagt, dass beim Betroffenen keinerlei Anzeichen von Schmerzen erkennbar waren.

Es bestehen für das Verbandssportgericht nicht die geringsten Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen dieser beiden Zeugen, die als Außenstehende keinerlei Interesse am Ausgang des Verfahrens haben.

Das Verhalten des Betroffenen stellt eine gravierende Unsportlichkeit gemäß § 47 RVO dar, welches im Fall eines tatsächlichen Verkaufes der Karte nach ständiger Rechtsprechung des Verbandssportgerichts zum Ausschluss aus dem Verband führt.

Zugunsten des Betroffenen konnten keine Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

Zu seinen Lasten war andererseits zu sehen, dass er bei dem Kaufpreis einen sehr hohen Gewinn erzielt hat und durch derartige Vorgänge die Gefahr für die Schiedsrichter - Gemeinschaft besteht, dass künftig keine extrem günstigen Schiedsrichterkarten für internationale Spiele, von Seiten des FC Bayern München zur Verfügung gestellt werden. Hierzu ist der FC Bayern München nämlich nicht verpflichtet.

Der Betroffene hat zudem das in ihn gesetzte Vertrauen erheblich enttäuscht und dem Ansehehen sämtlicher Schiedsrichter geschadet.

Der Betroffene war daher nach der ständigen Rechtsprechung des Verbandssportgerichts aus dem Verband auszuschließen, mildere Ahndungen kamen nicht in Betracht.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, 11 Ziffer 13 d) FO.

Aktenzeichen: 00113-15/16 VSG
Sitzung vom: 02.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers X

 Beschluss :

I. Der Antrag das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil vom 25.05.2016, AZ 00549-15/16-KSG) gegen den Spieler X wieder aufzunehmen wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

 Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 25.05.2016, AZ 00549-15/16 wurde der Spieler X wegen unsportlichen Verhaltens am 23.05.2016 für 2 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der A-Klasse-Mannschaft seines Vereins gesperrt. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Gemäß Ziffer I. des Urteils gilt daher die Sperre des Spielers für die A-Klasse-Mannschaft entsprechend des vorliegenden Spielplans bis 29.08.2016. Die Kreisliga-Mannschaft dagegen wird laut Spielplan bis zu diesem Tag bereits 5 Spiele absolviert haben.

Mit email vom 26.07.2016 beantragte der Verein A, unter Verweis auf die Spielpläne seiner beiden Mannschaften, das rechtskräftig abgeschlossene Verfahren wiederaufzunehmen wegen "unverhältnismäßiger Härte", da das Vergehen mit dieser Strafe nicht mehr im Verhältnis stehe.

Die vom Antragsteller vorgebrachten neuen Tatsachen rechtfertigen keine Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO. Ausweislich der Spielberichtsbögen der gesamten Saison 2015/2016 in SpielPlus wurde der Spieler Max Weigand lediglich in den A-Klasse- und B-Klasse-Mannschaften seines Vereins eingesetzt und kein einziges Mal in der Kreisliga-Mannschaft. Es liegt daher für das VSG kein Anhaltspunkt vor, weshalb der Spieler in der Saison 2016/2017 der Kreisliga-Mannschaft zugerechnet werden sollte und es für ihn eine unbillige Härte darstellen soll, wenn zur Verbüßung seiner Strafe nur die Spiele der A-Klasse-Mannschaft zählen. Der Antrag war mithin zurückzuweisen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO.

 

 

Aktenzeichen: 00112-15/16 VSG
Sitzung vom: 02.08.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers

Beschluss :

I. Der Antrag das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil vom 07.06.2016, AZ 00569-15/16-KSG gegen den Spieler X wieder aufzunehmen wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 07.06.2016, AZ 00569-15/16 wurde der Spieler X wegen einer Tätlichkeit am 29.05.2016 für 4 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Kreisliga-Mannschaft seines Vereins gesperrt. Ändert sich die Spielklasse, tritt die neue Spielklasse an die Stelle der bisherigen. Ferner wurde in Ziffer II. tenoriert, dass die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 Satz 4 RVO bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I. gilt.

Gemäß Ziffer I. des Urteils gilt daher die Sperre des Spielers für die jetzige Kreisklasse-Mannschaft entsprechend des vorliegenden Spielplans bis inklusive 28.08.2016. Die Bayernliga-Mannschaft dagegen wird laut Spielplan bis zu diesem Tag bereits 9 Spiele absolviert haben.

Mit email vom 26.07.2016 beantragte der Verein A, unter Verweis auf die Spielpläne seiner beiden Mannschaften, das rechtskräftig abgeschlossene Verfahren wiederaufzunehmen. Er führte an, dass es ein Härtefall sei, weil die Spielsperre von 4 Verbandsspielen mannschaftsübergreifend für 9 Spiele ausgesprochen sei, was nicht im Verhältnis stehen würde.

Die vom Antragsteller vorgebrachten neuen Tatsachen rechtfertigen keine Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO. Ausweislich der Spielberichtsbögen der gesamten Saison 2015/2016 in SpielPlus wurde der Spieler X lediglich zweimal in der Bayernliga-Mannschaft eingesetzt und bestritt ansonsten alle seine Spiele in der damaligen Kreisliga. Zudem befindet sich der Spieler für die Saison 2016/2017 auch nicht auf der Spielerliste der Bayernliga-Mannschaft. Es liegt daher für das VSG kein Anhaltspunkt vor, weshalb der Spieler in der Saison 2016/2017 der Bayernliga-Mannschaft zugerechnet werden sollte und es für ihn eine unbillige Härte darstellen soll, wenn zur Verbüßung seiner Strafe nur die Spiele seiner bisherigen Stammmannschaft (bislang Kreisliga bzw. jetzt Kreisklasse) zählen. Der Antrag war mithin zurückzuweisen.
Überdies ist anzumerken, dass die vom KSG zuerkannte Strafe von lediglich 4 Spielen für eine Tätlichkeit gemäß § 67 Abs. 1 RVO unterhalb der Mindeststrafe von 6 Spielen liegt.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO.

 

 

Aktenzeichen: 00111-15/16 VSG
Sitzung vom: 02.08.2016
Besetzung: Frey, Krause, Riedmeyer

Revision des Verein Agegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 21.06.2016

 Urteil:

I. Die Revision des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 21.06.2016 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens vor dem KSG und dem BSG sowie die halbe Berufungsgebühr in Höhe von 30,45 €. Kosten für das Revisionsverfahren werden nicht erhoben. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1.
Durch das Kreis-Sportgericht wurde der Verein A (Revisionsführer) mit Urteil vom 31.05.2016, Aktenzeichen 00848-15/16-KSG, wegen Verletzung der Platzdisziplin gemäß § 73 I RVO mit einer Geldstrafe von Euro 30 und den Verfahrenskosten belegt. Gegen dieses Urteil legte Verein A mit Schreiben vom 06.06.2016, übersendet am gleichen Tag über den Privataccount Berufung ein.

Der Vorsitzende des BSG wies den Revisionsführer nach Vorberatung durch das BSG darauf hin, dass die Berufung aus formellen Gründen abzuweisen sei. Er regte an, die Berufung zurückzunehmen. Mit Schreiben vom 17.06.2016 bat der Revisionsführer um Erläuterung, um welchen formellen Fehler es sich handelt. Ohne hierauf zu antworten, wies das BSG die Berufung mit Urteil vom 21.06.2016 zurück. Gegen das am 21.06.2016 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer über das Postfachsystem ZIMBRA am 28.06.2016 Revision ein.

2.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

3.
Die Revision ist unzulässig.

Gemäß §§ 45 Abs. 2, 44 Abs. 3 RVO ist die Revision binnen einer Frist von einer Woche nach der Einstellung des Urteils in das ZIMBRA Postfach des Vereins oder sonstiger Bekanntgabe gemäß § 24 Abs. 5 RVO schriftlich einzulegen. Nur die Übermittlung durch das Postfachsystem ZIMBRA kann dabei die Schriftform ersetzen. Die Revision muss die verletzte Vorschrift bezeichnen und darlegen, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Dabei muss nach der ständigen Rechtsprechung des VSG (Fall 52, 2000/2001; Fall 41 2005/2005) die verletzte Vorschrift zwar nicht explizit genannt werden, aus der Begründung muss sich aber zweifelsfrei ergeben, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus.

Die Revisionsschrift lässt nicht erkennen, welche Vorschrift das BSG verletzt haben soll. Insbesondere wird eingeräumt, dass die Berufung verfristet war. Dass das Urteil des BSG unzutreffend war, wird nicht behauptet. Damit aber genügt die Revision nicht den oberen dargelegten Anforderungen, die sich aus §§ 44, 45 RVO ergeben.

4.
Die Revision wäre auch unbegründet, weil die Berufung nicht wirksam eingelegt wurde. Damit war es bereits dem BSG verwehrt, die Sache selbst zu prüfen.

5.
Kosten § 32, 33 RVO,

Das VSG hat im vorliegenden Fall eine von den allgemeinen Regeln abweichende Kostenentscheidung getroffen.

Unzweifelhaft muss der Revisionsführer die Kosten der 1. Instanz tragen. Dies ist Folge der Entscheidung in dieser Instanz, die infolge des Formfehlers nicht mehr wirksam angegriffen werden kann. Auch die Verfahrensgebühr des BSG muss der Revisionsführer tragen, weil diese durch die Einlegung der Berufung unabhängig vom Fortgang des Verfahrens zu zahlen ist. Die Berufungsgebühr war jedoch auf die Hälfte zu reduzieren (§ 33 Abs. 2 RVO). Das VSG geht insoweit davon aus, dass der Revisionsführer seine Berufung zurückgenommen hätte, wenn der Vorsitzende des BSG die Rückfrage, worin der Formfehler lag, beantwortet hätte. Es wird daher nur die halbe Berufungsgebühr angesetzt, die angefallen wäre, hätte der Revisionsführer seine Berufung zurückgenommen. In gleicher Weise sieht das VSG die Revision als Folge dieser Verurteilung durch das BSG. Auch die Revision wäre vermieden worden, wenn der Revisionsführer eine Antwort auf sein Schreiben erhalten hätte. Aus diesem Grund braucht der Revisionsführer die Verfahrenskosten und die Revisionsgebühr nicht zu bezahlen.

 

 

Aktenzeichen: 00110-15/16 VSG
Sitzung vom: 26.07.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Senioren C Bezirkspokal-Spiel Verein A - Verein B vom 02.07.2016, Spielnummer: 917658001
Berufung des Vereins Verein A gegen das Urteil vom 12.07.2016
mit dem Aktenzeichen 00179-15/16-BSG.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Vereins Verein wird das Urteil des BSG vom 12.07.2016 mit Aktenzeichen 00179-15/16-BSG. dahingehend abgeändert, dass der Spieler Spieler X gemäß § 65 RVO wegen unsportlichen Verhaltens mit einschließlich 26.07.2016 gesperrt wird.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe trägt der BFV.
Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Im Verbandsspiel Verein A - Verein B am 02.07.2016 erhielt der Spieler X einen Feldverweis. Mit Urteil des BSG vom 12.06.2016 (00179-15/16-BSG.) wurde der Spieler in Ziffer 1 für ein Verbandsspiel der Senioren C-Mannschaft seines Vereins gesperrt. Nach Ziffer II des Urteils gilt die Sperre darüber hinaus für alle weiteren Verbandsspiele seines Vereins bis zum Ablauf der Sperre nach Ziffer I des Urteils.

Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung der Verein A.

2. Die Berufung ist zulässig. Sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs. 2 RVO eingelegt. Ein Ausschluss nach § 44 abs. 4 RVO liegt nicht vor, weil sich die vom Berufungsführer vorgebrachte Unverhältnismäßigkeit im Strafmaß erst aus Ziffer II des Urteils ergeben konnte. Das VSG ist zuständig nach § 20 Abs.1 d RVO.

3. Die Berufung ist begründet. Ziffer II des angegriffenen Urteils führt dazu, dass die Sperrstrafe für den Spieler X sich unverhältnismäßig zur begangenen Tat auswirkt.
Eine Nachfrage beim zuständigen Spielleiter hat ergeben, dass die C-Senioren Vereine im Bezirk auf Bezirksebene Verbandsspiele in Pokalform und ebenso auf Kreisebene durchführen. Das nächste Spiel im Senioren C Bezirkspokal findet erst wieder am 24.09.2016 statt. Nach Auskunft des Spielleiters hat der Spieler nunmehr bereits an einem Verbandsspiel auf Kreisebene aufgrund Sperre ausgesetzt.

Die vom BSG ausgesprochene Sperre für ein Verbandsspiel in Anbindung der Sperre nach Ziffer II des Urteils an den Ablauf von einem Verbandsspielen dieser Mannschaft hat zur Folge, dass die Sperre für andere Verbandsspiele sich über einen langen Zeitraum zieht und damit unverhältnismäßig ist.
Bei Betrachtung der Gesamtumstände des Falles ist die ausgesprochene zeitlich begrenzte Strafe nach § 51 III RVO tat- und schuldangemessen.

4. Kosten: §§ 32, 33 RVO.

Aktenzeichen: 00109-15/16 VSG
Sitzung vom: 22.07.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Beschwerde des Verein A gegen die Entscheidung des Verbandspräsidiums vom 12.05.2016

Urteil:

I. Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 25,38 € sowie die Beschwerdegebühr in Höhe von 91,30 € trägt der Verein A.

Gründe:

1. Mit Schreiben vom 29.04.2016 beantragte der Verein A (Beschwerdeführer) unter Hinweis auf § 30 der Satzung BFV die Genehmigung, am Spielbetrieb des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) teilnehmen zu dürfen. Der Beschwerdeführer ist Mitgliedsverein des BLSV, bzw. beabsichtigt, dort Mitglied zu werden. Der WFV teilte mit Schreiben vom 06.05.2016 mit, dass grundsätzlich Bereitschaft besteht, den Beschwerdeführer am eigenen Spielbetrieb teilnehmen zu lassen, dass man allerdings bei der abschließenden Entscheidung die Haltung des BFV berücksichtigen wolle.

Mit Schreiben vom 12.05.2016 teilte der Präsident des BFV dem Beschwerdeführer mit, dass dem Antrag des Beschwerdeführers in der Präsidiumssitzung vom 12.05.2016 nicht zugestimmt wurde. Das Schreiben enthielt keine Rechtmittelbelehrung.

Mit Schreiben vom 06.06.2016 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er mit der Entscheidung nicht einverstanden sei. Er beruft sich darauf, dass seit über 50 Jahren die bayerischen Vereine des Landkreises Neu-Ulm unter dem Dach des WFV spielen würden. Die Teilnahme am Spielbetrieb des BFV würde keine Vorteile bringen, man hätte vielmehr die Befürchtung, dass bei einer Eingliederung in den bayerischen Spielbetrieb Spieler zu den dort spielenden Jugendfördergemeinschaften stattfinden würde.

Auf Nachfrage des BFV vom 20.06.2016 teilte der Beschwerdeführer mit E-Mail vom 20.06.2016 mit, dass das Schreiben vom 06.06.2016 als Beschwerde gewertet werden solle. Mit Schreiben vom 11.07.2016 legte der Verbandsanwalt das Schreiben dem Verbands-Sportgericht (VSG) zur Entscheidung vor. Er stellte den begründeten Antrag, die Beschwerde zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Mit E-Mail vom verwies der Beschwerdeführer auf sein bisheriges Vorbringen.

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 1 RVO.

3. Die Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-Präsidiums ist zulässig

Der Beschwerdeführer ist antragsbefugt im Sinne von § 4 RVO. Zwar ist der Beschwerdeführer bisher kein Mitglied des BFV. Er hat jedoch ein berechtigtes Interesse an einer Entscheidung des BFV über seinen Antrag. Dies ergibt sich daraus, dass der WFV bei der Frage, ob er den Beschwerdeführer aufnimmt, die Entscheidung des BFV berücksichtigen will. Der WFV und der BFV wiederum sind beides Mitglieder des Süddeutschen Fußballverbandes und des DFB und aufgrund dieser Stellung zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet. Da somit die Entscheidung des BFV Auswirkung auf die Entscheidung des WFV haben wird, hat der Beschwerdeführer ein berechtigtes Interesse daran, dass die Entscheidung des BFV mit den Satzungs- und Ordnungsbestimmungen des BFV in Einklang steht, auch wenn er bislang nicht Mitglied des BFV ist und auch nicht feststeht, ob er jemals ein solches werden wird.

Die Beschwerde ist auch formgerecht. Zwar nennt der Beschwerdeführer keine Vorschrift, gegen die das Verbands-Präsidium verstoßen habe. Die Begründung lässt aber erkennen, dass der Beschwerdeführer eine unzutreffende Auslegung des § 30 der Satzung rügt. Dies reicht nach der ständigen Rechtsprechung des VSG aus, um die Zulässigkeit zu begründen.

Schließlich bestehen auch hinsichtlich der Beschwerdefrist keine Einwände. Zwar beträgt sie grundsätzlich gemäß § 4 Abs. 1 RVO eine Woche ab Bekanntgabe des Bescheids. Allerdings enthielt die Bekanntgabe keine Rechtsmittelbelehrung, was zur Folge hat, dass die Beschwerde gemäß § 3 Abs. 5 RVO binnen sechs Monaten ab Bekanntgabe eingelegt werden kann. Diese Frist wurde gewahrt.

4. Die Beschwerde ist jedoch unbegründet.

Maßgeblich für die Entscheidung ist § 30 der Satzung BFV, der lautet:

§ 30 Bezirke und Kreise

(1) Vereine, die ihren Sitz innerhalb der politischen Grenzen des Freistaats Bayern haben und Mitglied im BLSV sind, sollen grundsätzlich Mitgliedsverein des BFV sein und an dessen Spielbetrieb teilnehmen.
(2) (.)
(3) Der Sitz des Vereins bestimmt die Zugehörigkeit zu einem der sieben Bezirke, die durch Beschluss des Präsidiums festgestellt wird. Anträge von Vereinen auf Eingliederung in einen anderen Verband oder Bezirk bzw. Kreis müssen bis spätestens 30. April eines Jahres bei der Verbandsgeschäftsstelle bzw. bei der zuständigen Bezirksgeschäftsstelle eingegangen sein und werden bei Verbands- oder Bezirkswechsel vom Präsidium oder bei Kreiswechsel vom Bezirks-Ausschuss behandelt. Anträgen auf Eingliederungen entsprechend der politischen Zugehörigkeit zu einem Regierungsbezirk soll stattgegeben werden, insofern keine spieltechnischen Gründe entgegenstehen.
Bestehende und erteilte Ausnahmegenehmigungen zum Verbands- oder Bezirkswechsel können vom BFV-Präsidium bis spätestens 31.12. eines Jahres mit Wirkung frühestens zum Ende des laufenden Spieljahres widerrufen werden
(4) (.)

Weiter ist für die Entscheidung maßgeblich, dass Gegenstand der Überprüfung einer Verwaltungsentscheidung durch das VSG nur das Verfahren als solches und die Frage des Ermessensfehlgebrauchs durch das Präsidium sein können. Das VSG ist wegen des Prinzips der Gewaltenteilung, das Grundlage des Aufbaus der Verwaltung des BFV ist, nicht berechtigt, eine eigene Ermessensentscheidung anstelle eines Verwaltungsorgans zu setzen (VSG-Fälle 04-09/10; 85-07/08)

Welche Ermessensgrenzen das BFV-Präsidium bei einer Entscheidung über den Antrag eines in Bayern ansässigen Vereins zu beachten hat, der am Spielbetrieb eines anderen Verbandes teilnehmen möchte, hat das VSG bereits im Urteil vom 29.03.2008, Fall 85-07/08 herausgearbeitet.

Das VSG hat damals in der Begründung dargelegt:

Ein Ermessensfehlgebrauch liegt (.) nicht vor. Ein solcher wäre dann gegeben, wenn die Entscheidung des Präsidiums nicht mehr vom Verbandsinteresse gedeckt wäre, sachfremden Erwägungen folgen würde oder den Beschwerdeführer in seinen Rechten verletzen würde. Dies ist nicht der Fall. Es liegt durchaus im Verbandsinteresse, wenn die Abwanderung von Mannschaften aus den Gebieten des Verbandes verhindert wird, die an der geografischen Grenze des Verbandsgebietes liegen. Bei einem Verband, der sich über das gesamte Gebiet des flächenmäßig größten Bundeslandes erstreckt, lässt sich nicht vermeiden, das Vereine aus den Randgebieten in den höchsten Leistungsklassen auch weite Strecken zurückzulegen haben. Dieses Problem stellt sich jedoch nicht nur für die Beschwerdeführerin, sondern betrifft viele andere Vereine und ist letztlich Ausfluss der Einordnung der Vereine in räumlich gegliederte Klassen und Verbände. Auch die Tatsache, dass die Seniorenmannschaft der Beschwerdeführerin seit sehr langer Zeit im Hessischen Fußball-Verband spielt, führt nicht dazu, dass die Beschwerdeführerin auch ihre Jugendmannschaften, die bislang - entsprechend der Verbandszugehörigkeit der Beschwerdeführerin - in den Ligen des BFV spielen, in den HFV wechseln könnten. Was die Seniorenmannschaften betrifft, könnte sich die Beschwerdeführerin möglicherweise - was hier nicht zu entscheiden ist - auf den Gedanken der Besitzstandswahrung stützen. Dieser Gedanke kann aber nicht zur Änderung der bestehenden Verhältnisse Anlass geben. Da das Präsidium auch anderen Vereinen in der letzten Zeit das Wechseln in andere Landesverbände untersagte, liegt auch kein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip vor. Dementsprechend wurden somit auch keine Rechte der Beschwerdeführerin verletzt.

Diese Grundsätze lassen sich auf den vorliegenden Sachverhalt übertragen. Das VSG hält sie auch nach erneuter Überprüfung für zutreffend.

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen neu gegründeten Verein. Ebenso wie im Referenzverfahren stellt sich damit die Frage eines Bestandsschutzes nicht. Daran ändert auch nichts, dass der neu gegründete Verein darauf basiert, dass er die Jugendabteilungen von drei anderen Vereinen zusammenfassen soll. Rechtlich liegt eine Neugründung vor.

Der Beschwerdeführer liegt geographisch an der Grenze der beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Als Folge davon können möglicherweise die Fahrtstrecken bei der Teilnahme am bayerischen Spielbetrieb größer sein, als bei der Teilnahme am Spielbetrieb des WFV. Dies alleine rechtfertigt jedoch keine Ausgliederung. Dies ist Folge der Gliederung des Spielbetriebs in regionale Einheiten. Eine solche Lösung wird naturgemäß dazu führen, dass es Vereine am Rande gibt und solche, die in der Mitte der regionalen Einheit liegen. Vereine mit Randlage werden sich bei durchgängigen Grenzen, wie der zwischen deutschen Bundesländer auch regelmäßig zu den Vereinen jenseits der Landesgrenzen hin orientieren. Es würde aber die Aufgabe der regionalen Gliederung bedeuten, würde man Randvereine jeweils dem anderen Landesverband zuordnen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass damit wiederum nur eine Randlage im neuen Landesverband entstehen würde.

Eine Insellösung wird nicht behauptet. Im Gegenteil der Beschwerdeführer hegt sogar die Befürchtung, dass seine Spieler in JFG's abwandern könnten, die am Spielbetrieb des BFV teilnehmen. Wenn solche Befürchtungen bestehen, können die Entfernungen zu den anderen bayerischen Mannschaften nicht wesentlich sein, ansonsten wäre nicht zu befürchten, dass eine nennenswerte Anzahl von Spielern dahin abwandern würde.

Damit ist ersichtlich, dass kein Ermessensfehlgebrauch vorliegt. Wie bereits in der Referenzentscheidung dargelegt, liegt ein Verstoß gegen Gleichbehandlungsgrundsätze nicht vor, wobei hier zu berücksichtigen wäre, dass sich der Beschwerdeführer jedenfalls solange er nicht Mitglied des BFV ist, darauf nicht berufen könnte.

Die Entscheidung entspricht darüber hinaus der Vorgabe des § 30 Abs. 1 Satzung BFV, der dem Präsidium vorschreibt, dass die in Bayern ansässigen Vereine in den bayerischen Ligen spielen sollen. Der Beschwerdeführer müsste daher einen besonderen Ausnahmefall darstellen, damit ein Abweichen von dieser Sollvorschrift in Betracht gezogen werden könnte. Dies ist nicht der Fall.

Mit dem Präsidium hat das zuständige Organ entschieden. Einer Begründung bedurfte der Bescheid nicht. Es reicht aus, dass sich die Gründe der Ermessensentscheidung des Präsidiums aus der Antragsbegründung des Verbandsanwalts erkennen lassen. Diese Begründung lag dem Beschwerdeführer zur Stellungnahme vor.

Damit aber bestehen an der Richtigkeit der Entscheidung des Verbands-Präsidiums keine Zweifel. Die Beschwerde konnte keinen Erfolg haben.

5. Kostenentscheidung §§ 32,33 RVO, § 11 Abs. II Nr. 6, 14 FO in Verbindung § 2 II. Nr. 6, 14 Anlage zur FO.

 

 Aktenzeichen: 00105-15/16-VSG
Sitzung vom: 28.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Beschwerde Verein A

 Urteil:

I. Die Beschwerde der Verein A gegen den Bescheid des Verbandsspielausschusses vom 13.06.2016 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Beschwerdegebühr in Höhe von 152,25 € trägt die Verein A

 Gründe:

1. Mit Schreiben vom 13.06.2016 wurde den Vereinen der Landesligen vom Verbands-Spielausschuss die Einteilung der fünf Landesligen in der Saison 2016/2017 bekannt gegeben. Der Verein (Beschwerdeführer) wurde dabei in die Landesliga Nordwest eingeteilt.

Mit Telefax vom 20.06.2016 legte die Beschwerdeführer Beschwerde zum Verbands-Spielausschuss gegen die Einteilung in die Landesliga Nordwest ein. Zur Begründung wurde darauf verwiesen, dass der Verein ca. 1000 km mehr zu Auswärtsspielen fahren müsste, als dies bei der Einteilung in die Landesliga Nordost der Fall wäre. Wegen der größeren Entfernungen der Spielgegner würden auch mindestens 50 Zuschauer weniger pro Spiel kommen. Das Einzugsgebiet der Landesliga Nordwest sei für die Sponsoren der Beschwerdeführerin uninteressant. Ein Großsponsor habe daher seine Zusage von der Einordnung in die Landeliga Nordost abhängig gemacht. Der Beschwerdeführerin würde dadurch ein Betrag in mittlerer fünfstelliger Höhe entgehen.

Mit Schreiben vom 22.06.2016 beantragte der Präsident wegen der Eilbedürftigkeit die unmittelbare Entscheidung durch das VSG

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 2 RVO. Die Angelegenheit wurde vom Verbands-Präsidenten über dem Verbandsanwalt dem VSG zugeleitet. Da die Entscheidung die Spielklasseneinteilung der nächsten Saison betrifft, ist die besondere Eilbedürftigkeit gegeben. Der Präsident kann in jeder Lage des Verfahrens die Entscheidung des VSG beantragen.

3. Die Beschwerde gegen den Bescheid des Verbands-Spielausschuss ist zulässig. Sie ist jedoch unbegründet.

Der Bescheid des Verbands-Spielaasschuss ist nicht zu beanstanden. Er entspricht der Sach- und Rechtslage.

Das VSG hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit der Einteilung von Mannschaften in verschiedenen Ligen der gleichen Leistungsebene befassen müssen.

Ausgangspunkt dieser Entscheidungen ist die Bestimmung in der Spielordnung, die die Einteilung in Spielklassen regelt. In der aktuellen Fassung lautet § 8 Abs. 3, 4 SpO wie folgt:

Einteilung
3. Die Zusammenfassung der gemeldeten Mannschaften in die einzelnen Spielgruppen und die Gruppengröße nimmt der jeweilige Spiel-Ausschuss nach geographischen, spieltechnischen und verkehrstechnischen Gegebenheiten vor.
3.1 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Verbandsebene nimmt der Verbands-Spielausschuss vor.
3.2 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Bezirksebene nimmt der Bezirks-Spielausschuss vor.
3.3 Die Gruppeneinteilung der qualifizierten Mannschaften auf Kreisebene nimmt der Kreis-Spielausschuss vor. Die Kreisliga, die Kreisklasse, die A-, B- und C-Klassen spielen in den nach §§ 30 und 35 der Satzung gebildeten Kreisen.
4. Die Vereine spielen in Bezirken mit bis zu 650 am Verbandsspielbetrieb teilnehmenden Vereinen in je zwei Bezirksligen. Bei mehr als 650 am Verbandsspielbetrieb teilnehmenden Vereinen spielen sie in je drei Bezirksligen.

Aus dieser Regelung in der Spielordnung leitet des VSG in ständiger Rechtsprechung folgende Grundsätze der Einteilung ab:

Die Einteilung der Vereine in neue Spielgruppen gemäß § 8 Nr. 3 obliegt dem Ermessen des für den Spielbetrieb zuständigen Organs, das hierbei nach spieltechnischen, geografischen und verkehrstechnischen Begebenheiten vorzugehen hat. Das VSG kann nach ständiger Rechtsprechung nur prüfen, ob das Ermessen ausgeübt wurde und dabei kein Ermessensfehler unterlaufen ist, also insbesondere eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen wurde, die den vorgegebenen Parametern folgt und nicht willkürlich ist. Regelmäßig werden sich dabei mehrere Möglichkeiten der Einteilung der Ligen ergeben und Grenzfälle auftreten, wobei die Entscheidung solcher Fälle dann das obengenannte Organ autonom zu treffen hat. Ein Anspruch eines Vereins darauf, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen eine bestimmte getroffen wird, besteht nicht. Auch kann nicht gefordert und dementsprechend überprüft werden, dass von mehreren vertretbaren Entscheidungen die "optimalste Lösung" herangezogen wird. Zum einen lässt sich diese optimalste Lösung meist nicht objektiv feststellen, sondern besteht nur aus dem Blickwinkel eines oder mehrere Vereine, zum anderen steht dem Organ nur ein kurzes Zeitfenster zwischen dem Abschluss der Vorsaison und dem Beginn der Relegation zu, so dass die dafür notwendige Zeit, die objektiv beste Lösung zu ermitteln, nicht zur Verfügung steht. Die rechtzeitige Sicherheit über die Zusammensetzung der Ligen ist aber unter dem Aspekt des Wettbewerbs ebenfalls ein zu berücksichtigender Gesichtspunkt (VSG Fälle 38-03/04; 01-13/14; 71-12/13; 81-13/14).

Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist die Entscheidung des Verbands-Spielausschusses nicht zu beanstanden.

Der Verbands-Spielausschuss hat sich mit der Frage der Entfernungskilometer befasst und festgestellt, dass von allen Vereinen, die als Grenzfälle zwischen den beiden Landesligen angesehen werden können, die Beschwerdeführerin die wenigsten Fahrkilometer aufweist. Damit ist sowohl hinsichtlich der vom Verein zu fahrenden Kilometer, als auch zur Argumentation der mitreisenden Gästefans ausreichend, wenn auch im Ergebnis nicht im Sinne der Beschwerdeführerin Genüge getan.

Die Frage, ob ein Sponsor seine Zusage von der Einteilung in eine bestimmte Liga abhängig macht, hat der Verbands-Spielausschuss zu Recht nicht berücksichtigt. Mit dieser Argumentation würde die Einteilung nicht mehr durch die von den Vereinen gewählten und vom Verband bestimmten Organe vorgenommen werden, sondern sachfremde wirtschaftliche Interessen wären ausschlaggebend, welche Mannschaften miteinander spielen. Die wirtschaftlichen Interessen von Sponsoren sind ja nicht nur von örtlichen Gegebenheiten geprägt, es könnte auch das Interesse maßgeblich sein, nicht gegen Vereine zu spielen, die für ein Konkurrenzprodukt werben oder es könnte die Zuteilung von schwächeren Mannschaften gewünscht sein, um durch den Erfolg der gesponserten Mannschaft auch das Ansehen der beworbenen Produkte zu steigern. Aus diesen Beispielen ist ersichtlich, dass wirtschaftliche Interessen Dritter kein maßgebliches Kriterium für die Einteilung einer Mannschaft in eine Liga sein können.

Insgesamt ergibt die Überprüfung, dass der Verbands-Spielausschuss gesehen hat, dass es sich um einen Grenzfall handelt. Nach der Rechtsprechung des VSG ist aber in einem solchen Fall eine Entscheidung zu treffen. Ermessensfehlerhaft wäre es eine Liga nur aus diesem Grund mit 19 Mannschaften und die andere mit 16 Mannschaften zu spielen.

Damit aber bestehen an der Richtigkeit der Entscheidung des Verbands-Spielausschusses keine Zweifel. Die Beschwerde konnte keinen Erfolg haben.

4. Kostenentscheidung §§ 32,33 RVO, § 11 Abs. I Nr. 7, 13 FO. Nach der ständigen Rechtsprechung des VSG bei unmittelbarer Vorlage durch den Verbandspräsidenten wurde nur die Beschwerdegebühr zum Verbands-Präsidium und nicht diejenige zum Verbands-Sportgericht festgesetzt.

 

Aktenzeichen: 00104-15/16-VSG
Sitzung vom: 28.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey

Revision Verein A

 Urteil:

I. Die Revision des Verein A vom 17.06.2016 gegen das Urteil des BSG AZ00359-15/16-BSG wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Revisionsverfahrens in Höhe von 60,90 € und die Revisionsgebühr in Höhe von 152,25 € trägt der Verein A.

Gründe:

1. Das A-Klasse-Spiel Verein A gegen Verein B am 22.11.2015 wurde vom amtierenden Schiedsrichter in der 91. Minute, drei Minuten vor dem Ende der zuvor angezeigten Nachspielzeit, abgebrochen. Nach der Meldung des Schiedsrichters liefen nach einem Foulspiel Zuschauer und Ersatzspieler beider Vereine auf das Feld und begannen mit Tätlichkeiten untereinander. Da der Ordnungsdienst die Situation nicht mehr beruhigen konnte, brach der Schiedsrichter das Spiel ab.

Mit Urteil vom 30.05.2016 verurteilte das KSG den Verein A (Revisionsführer) gemäß §§ 73, 74 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin und Verschulden eines Spielabbruchs zu einer Geldstrafe in Höhe von € 170,00. Das Spiel wurde gemäß § 29 SpO für den Revisionsführer mit 0:2 als verloren gewertet. Vorausgegangen war ein erstes Urteil des KSG, mit dem der Revisionsführer bereits zu einer Geldstrafe in Höhe von € 180,00 verurteilt worden war, welches aber vom BSG aufgehoben wurde. Nach Zurückverweisung des Verfahrens an das KSG hat das KSG eine mündliche Verhandlung durchgeführt und kam zu dem zitierten Urteil.

Gegen das am 30.05.2016 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer mittels Postfachsystem ZIMBRA am 06.06.2016 Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 10.06.2016 zurück. Gegen das am 10.06.2016 zugestellte Urteil legte der Revisionsführer wiederum mittels Postfachsystem ZIMBRA Revision ein. Es wurden zusammengefasst folgende Rügen erhoben:

Die mündliche Verhandlung sei durch das KSG unzureichend durchgeführt worden. Dem Revisionsführer sei keine Frist zur Berufungsbegründung gesetzt worden. Im Berufungsverfahren sei keine mündliche Verhandlung durchgeführt worden sei. Das BSG habe kein Verschulden des Revisionsführers festgestellt, ein eigenes Verschulden des Vereins sei aber Voraussetzung für eine Verurteilung. Bei der Strafzumessung habe das BSG den Grad der Verursachung und des Verschuldens für die Zurechnung verkannt. Das BSG habe fehlerhaft festgestellt, dass der Ordnungsdienst nicht ausreichend gewesen sei. Auch die Beweiswürdigung durch das BSG sei fehlerhaft. Die Sanktionen würden nicht dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

Gemäß § 45 Abs. 2 Satz 2 RVO muss in der Revisionsschrift grundsätzlich die verletzte Vorschrift bezeichnet und dargelegt werden, wodurch die Bestimmung verletzt wurde. Wird keine verletzte Vorschrift genannt, ist die Revision unzulässig. Die verletzte Vorschrift muss allerdings nicht explizit genannt werden, es reicht aus, dass sich aus der Begründung zweifelsfrei ergibt, welche Vorschrift gemeint ist, und wodurch sie verletzt wurde, reine Tatsachenbewertungen reichen nicht aus (VSG ständige Rechtsprechung, Fälle 08/09-13, 10/11-23, 12/13-12). Im vorliegenden Fall nennt der Revisionsführer zwar keine Vorschrift, der Revisionsschrift lässt sich aber ohne weiteres entnehmen, was der Revisionsführer rügt,

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Eine Überprüfung des Urteils auf Rechtsfehler ergab keinen Rechtsfehler. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Revision das Verfahren nur auf rechtliche Fehler hin zu überprüfen hat. Hält sich das Urteil im Rahmen des dem KSG und BSG einzuräumenden Ermessens, kann das VSG das Urteil nicht abändern. Die Revision ist keine Tatsacheninstanz, in der der Sachverhalt nochmals zur Überprüfung des Gerichts gestellt werden kann.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das KSG bei seiner zweiten Entscheidung beachtet hat, dass es über das Strafmaß nicht hinausgehen darf, das im ersten Urteil ausgesprochen worden war. Es läge ansonsten ein Verstoß gegen den Grundsatz reformatio in peius (Verschlechterungsverbot) vor. Das erste Urteil sah eine Geldstrafe von € 180,00 vor, das zweite Urteil sprach eine geringfügig reduzierte Geldstrafe von €170,00 aus.

Die mündliche Verhandlung wurde korrekt durchgeführt. Dabei ist zu beachten, dass gemäß § 41 RVO das Verfahren grundsätzlich schriftlich geführt wird. Anders als im Strafprozess vor den ordentlichen Gerichten ist das Urteil nicht auf der Grundlage und dem Inbegriff der Hauptverhandlung zu treffen. Eine im Ausnahmefall anzusetzende mündliche Verhandlung dient lediglich der Aufklärung bestimmter Punkte. Sie muss daher weder in einer Verhandlung durchgeführt werden, noch müssen an ihr zwingend die Richter daran teilnehmen, die in der Sache entscheiden. Wenn allerdings Richter an der Entscheidung beteiligt sind, die an der mündlichen Verhandlung nicht teilgenommen haben, können nur solche Tatsachen und Ergebnisse verwertet werden, die sich auch im Protokoll der mündlichen Verhandlung wiederfinden. Da das KSG den Sachverhalt in der mündlichen Verhandlung ausreichend aufgeklärt hatte, musste das BSG keine mündliche Verhandlung durchführen.

Die Berufung bedarf keiner schriftlichen oder mündlichen Begründung durch den Berufungsführer. Da eine Berufungsbegründung somit nicht notwendig ist, braucht auch das Berufungsgericht keine eigene Frist zur Berufungsbegründung zu setzen. Wenn der Revisionsführer eine Berufungsbegründung hätte abgeben wollen und dies aus zeitlichen Gründen binnen der Berufungsfrist von einer Woche nicht möglich gewesen wäre, hätte der Revisionsführer eine Berufungsbegründung ankündigen und eine Fristverlängerung beantragen müssen. Dies ist nicht erfolgt.

Grundsätzlich gilt, dass bei Platzordnungsdelikten nicht dem Verein selbst ein Verschulden vorgeworfen werden muss. Es reicht aus, dass sich ein Zuschauer, Spieler oder eine sonstige dem Verein zuordenbare Person schuldhaft eine Unsportlichkeit begeht. Die Zurechnung eines solchen Verhaltens ist zwischenzeitlich vom unabhängigen Schiedsgericht des DFB und vom internationalen Sportgerichtshof CAS für den Bereich der UEFA anerkennt worden. Entscheidend hierfür ist die Notwendigkeit, zur Verhütung solcher Unsportlichkeiten auf den Verein und seine Bezugspersonen einzuwirken. Dies ist bei Verstößen gegen die Platzdisziplin der Fall. Somit hätte das BSG ein eigenes Verschulden des Revisionsführers nicht feststellen müssen.

Allerdings hat das BSG zu Recht auch ein eigenes Verschulden des Revisionsführers angenommen. Der Ordnungsdienst hat nicht alle Maßnahmen ergriffen, um das Spiel ordnungsgemäß zu Ende zu bringen. Das BSG hat festgestellt, dass ein einziger Ordner zu wenig war, dass der Verein gewarnt war und dass schon während des Spiels mit Auseinandersetzungen zu rechnen war. Diese Feststellungen rechtfertigen die Annahme eines eigenen Verschuldens des Vereins, das sich aus dem unzureichenden Ordnungsdienst ableiten lässt.

Die Beweiswürdigung ist grundsätzlich Sache des Berufungsgerichts. Mit der Revision können nur Rechtsfehler gerügt werden. Solche zeigt die Revision nicht auf und sind auch sonst nicht ersichtlich. Auch die Strafzumessung begegnet keinen Bedenken. Auch hier hält sich das BSG an die Grenzen, innerhalb derer das Ermessen auszuüben ist.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

 

 

. FO.

Aktennummer.: 00103-15/16-VSG
Sitzung vom : 28.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause,

Wiedereinsetzungsantrag und Berufung der Verein A

Beschluss :

Dem Wiedereinsetzungsantrag der Verein A wird stattgegeben.

Urteil:

I. Auf die Berufung der Verein A wird das Urteil des BSG vom 12.04.2016, AZ 00130-15/16-BSG. aufgehoben und das Verfahren eingestellt.

II. Die Kosten der Berufung trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

Beim A-Klassespiel Verein B gegen die Verein A am 28.03.2016 wurde vom SR unter besondere Vorkommnisse im ESB vermerkt, dass das Passbild des Spielers Luber durchgestrichen war und der Betreuer der Verein A darauf hinwies, dass alle Bilder bereits elektronisch hochgeladen sind. Da beim Heimverein kein Internetzugriff möglich war, wies sich der Spieler mit Personalausweis aus.

Mit Urteil des BSG vom 12.04.2016 wurde die Verein A wegen Mängel bei der Passvorlage gemäß § 79 RVO mit einer Geldstrafe von 20 € sowie den Kosten des Verfahrens belegt.

Umgehend nach Zustellung des Urteils fand ein Telefonat zwischen dem BSG-Vorsitzenden und dem Spielleiter der SpVgg Weigendorf statt, in welchem seitens des BSG-Vorsitzenden zum Ausdruck kam, dass das Urteil keinen Bestand haben wird. Nach Erhalt der Rechnung, in welcher Strafe und Verfahrenskosten der Verein A abgebucht wurden, beantragte diese umgehend am 03.06.2016 über das Postfachsystem ZIMBRA Wiedereinsetzung in den vorigen Stand unter Verweis auf das Telefonat mit dem BSG-Vorsitzenden und legte gleichzeitig Berufung ein mit der Begründung, dass gemäß § 33 Nr. 1.2 SpO vor Spielbeginn, nämlich am 21.03.2016, das Foto des betroffenen Spielers bereits hochgeladen war.

Dem Wiedereinsetzungsantrag ist stattzugeben. Die Verein A hat allein aufgrund der unbestrittenen telefonischen Auskunft des BSG-Vorsitzenden davon Abstand genommen, Berufung einzulegen, war mithin nach § 28 Abs. 1 RVO unverschuldet an der Einhaltung der Frist gehindert. Mit Wiedereinsetzungsantrag wurde auch das versäumte Rechtsmittel der Berufung formgerecht über das Postfachsystem ZIMBRA nachgeholt.

Die Berufung ist zulässig und begründet.

Wie der Berufungsführer zu Recht vorträgt, lag kein Fall des § 79 RVO vor, da es nach § 33 Nr. 1.2. SpO möglich ist die Spielberechtigung durch die Spielberechtigungsliste im Spielplus, auf der das Foto des mitwirkenden Spielers hochgeladen worden ist, nachzuweisen. Die fehlende Zugriffsmöglichkeit auf das Internet am Spieltag kann nicht dem Berufungsführer angelastet werden. Der Berufungsführer hatte bereits vor dem Spieltag alle Fotos seiner Spieler im Spielplus hochgeladen. Damit hat er seiner Nachweispflicht genüge getan, um das Spielrecht seiner Spieler regelkonform zu dokumentieren. Ein Verstoß gegen § 79 RVO scheidet hiernach aus, so dass das Urteil des BSG aufzuheben war.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO.

 

Aktenzeichen: 00100-15/16 VSG
Sitzung vom: 22.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Krause

Wiederaufnahmeantrag des Verein A bzgl. seines Spielers X

 Beschluss :

I. Das rechtskräftig abgeschlossene Sportgerichtsverfahren (Urteil des KSG vom 08.03.2016, AZ 00549-15/16-KSG ) gegen den Spieler X wird wieder aufgenommen.

II. Ziffer III. wird dahingehend abgeändert, dass ab Erteilung des Privatspielrechts für den Verein A die Freundschaftsspiele der 1. Mannschaft des Verein A zur Anrechnung auf die Sperrzeit zählen.

III. Die Kosten des Wiederaufnahmeverfahrens in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

 Gründe:

Mit Urteil des KSG vom 08.03.2016, AZ 00549-15/16 wurde der Spieler X wegen unsportlichen Verhaltens am 27.02.2016 für 3 Freundschaftsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der 2. Mannschaft seines damaligen Vereins B gesperrt. Ferner wurde in Ziffer III. tenoriert, dass bei einem Vereinswechsel innerhalb der Sperrzeit ab Erteilung des Privatspielrechts die Freundschaftsspiele der Mannschaft in der niedrigsten Herren-/Frauenklasse des aufnehmenden Vereins zählen.

Freundschaftsspiele der 2. Mannschaft der B fanden nach dem Urteil des KSG aufgrund des Rückrundenstarts nicht mehr statt.

Der Spieler X wechselte zur neuen Saison als Vertragsamateur in die Bayernligamannschaft des Verein A.

Gemäß Ziffer III. des Urteils gilt daher die Sperre für die 2. Mannschaft des Verein A, welche in der Kreisklasse spielt. Diese Kreisklassemannschaft beginnt die Vorbereitung erst Anfang August und Freundschaftsspiele erst Mitte August, so dass die verhängte Sperre bis mindestens Ende August andauert.

Die 1. Herrenmannschaft in der Bayernliga ist bereits seit 13.06.2016 im Training und bestreitet ab dem 18.06.2016 bis zum Saisonstart am 16.07.2016 6 Vorbereitungsspiele und 1-2 Qualifikations-Pokalspiele. Für diese 7-8 Spiele wäre der Spieler aufgrund des Urteils nicht spielberechtigt.

Die vom Verein A vorgebrachten neuen Tatsachen rechtfertigen die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 46 Abs. 4 RVO und als Folgeentscheidung die Abänderung des Urteilstenors zu Ziffer III. vom 08.03.2016.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V.m. § 11 I. Nr. 11. FO

 

 

Aktenzeichen: 00099-15/16-VSG
Sitzung vom: 14.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Beierlein

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 29.05.2016, Az: 00160-15/16-BSG

 Urteil:

I. Die Revision gegen das Urteil des BSG vom 29.05.2016, AZ 00160-15/16-BSG wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 sowie die Revisionsgebühr in Höhe von € 152,25. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Nach den Feststellungen des BSG brach der amtierende Schiedsrichter das Verbandsspiel der B-Klasse Verein B gegen Verein A in der 94. Spielminute ab. Der Spieler X, des Verein A (nachfolgende: Revisionsführer), beleidigte den Schiedsrichter in der dritten Minute der angeordneten Nachspielzeit von vier Minuten. Daraufhin zeigte der Schiedsrichter dem Spieler die Rote Karte. Der Spieler schlug danach den Schiedsrichter mit der geballten Faust gegen seine linke Hand, in der er seine beiden SR Pfeifen hielt, die er dadurch verlor. Danach schlug der Spieler den Schiedsrichter mit der Faust heftig an die rechte Brustseite. In diesem Moment stürmten Anhänger und Zuschauer vom Revisionsführer auf das Spielfeld und bedrohten dem Schiedsrichter massiv. Der Schiedsrichter brach daraufhin das Spiel ab. Der Ordnungsdienst von Verein B verhinderte, dass der SR weiterhin körperlich attackiert wurde und begleitete ihn auf dem Weg in seine Kabine.

Mit Urteil vom 21.05.2016 wurde der Revisionsführer wird gemäß § 74 RVO wegen Verschulden eines Spielabbruchs mit einer Geldstrafe in Höhe von € 150,00 belegt. Das Spiel wurde gemäß § 29 SpO für Verein B mit 2:0 als gewonnen und für den Revisionsführer mit 0:2 als verloren gewertet.

Mit Schreiben vom 24.05.2016 legte der Revisionsführer über das Postfach ZIMBRA Berufung ein.

Die Berufung wies das BSG mit Urteil vom 27.05.2016, zugestellt am gleichen Tag, zurück, nachdem der als Verbandsaufsicht tätige Zeuge Stummer und der Konfliktmanager Grund als Zeugen angehört und die Vernehmungsprotokolle dem Revisionsführer zur Stellungnahme vorgelegt worden waren.

Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 01.06.2016 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht geltend, dass die Beweiswürdigung ungenügend sei und Beweismittel ungenügend berücksichtigt worden wären. Binnen der zum 13.06.2016 verlängerten Begründungsfrist ging beim VSG keine ergänzende Begründung ein. Diese gelangte - weil an das falsche Sportgericht gesandt, erst am 14.06.2016 zur Akte. Die bereits im Revisionsschreiben genannten Rügen wurden in der ergänzenden Begründung im Einzelnen ausgeführt.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig. Bereits das Revisionsschreiben vom 01.06.2016 erfüllt die formellen Anforderungen. Es wurden die Bestimmungen genannt, die durch das BSG verletzt worden sein sollen. Dies reicht aus, soweit sich aus dem Gesamtzusammenhang erschließen lässt, worin die Verletzung liegen soll. Strengere Anforderungen, etwa eine stilistisch ausgefeilte Begründung kann nicht verlangt werden, da keine obligatorische Vertretung durch Rechtsanwälte vorgesehen ist. Eine solche Vertretung ist im Gegenteil gerade als Ausnahmefall geregelt.

3. Die Revision ist jedoch - auch unter Berücksichtigung des nachgereichten Schriftsatzes unbegründet.

Ein Verstoß gegen die Grundsätze der Beweiswürdigung liegt nicht vor. Das Gericht folgte den Aussagen der vernommenen Zeugen, die den Vorfall mitbekommen hatte. Die beiden Zeugen Stummer und Grund wurden ebenfalls angehört. Sie konnten keine sachdienlichen Angaben machen, weil sei den Vorfall nicht genau genug beobachteten. Schläge gegen den Schiedsrichter konnten sie weder bestätigen, noch verneinen. Das Gericht hat die angesprochene Videosequenz berücksichtigt, die den streitgegenständlichen Vorfall jedoch nicht zeugte. Das Gericht hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob beim Schiedsrichter eine einseitige Belastungstendenz bestünde. Es hat dies nachvollziehbar verneint und dabei auch auf die Aussagen der unbeteiligten Zeugen zurückgegriffen, die dem Schiedsrichter jeweils eine unparteiische und korrekte Spielleitung attestierten.

Demgegenüber stellt der Revisionsführer seine Beweiswürdigung, dies ist aber in der Revision unbeachtlich.

Das BSG hat auch kein Beweismittel übergangen. Ein Verweis auf eine Fundstelle im Internet stellt kein ausreichendes Angebot eines Beweismittels dar. Die Sportgerichte sind nicht verpflichtet, im Internet zu surfen, um etwaige Videosequenzen zu finden. Wenn ein Betroffener ein Video verwertet haben will, muss er dieses über ein sofort zugängliches Medium wie beispielsweise einer CD vorlegen. Sonstigen Hinweisen muss das Sportgericht nicht nachkommen.

Die Feststellung des Sportgerichts, dass der Schiedsrichter das Spiel abgebrochen hat, ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Es liegt in der Natur der Sache, dass ausschließlich der Schiedsrichter die Frage beantworten kann, ob er in der 93. Spielminute das Spiel abgebrochen hat oder ob er das Spiel regulär beendet hat. Ein Zuschauer kann dies nicht beurteilen, weil er nicht weiß, von welcher Nachspielzeit der Schiedsrichter ausging. Hier hat der Schiedsrichter angegeben, dass er wegen diverser Unterbrechungen 94 Minuten spielen lassen wollte. Damit konnte er das Spiel in der 93. Minute nicht regulär beenden.

Schließlich bestehen auch insoweit keine Bedenken gegen das Urteil, als der Revisionsführer rügt, der Schiedsrichter habe nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, das Spiel regulär zu Ende zu bringen. Nach der ständigen Rechtsprechung des VSG ist der Schiedsrichter berechtigt, ein Spiel abzubrechen, wenn eine Tätlichkeit gegenüber ihm begangen wurde. Es bedarf dann keiner weiteren konkreten Bedrohung oder bedrohlichen Situation. Die Frage, ob dem Schiedsrichter zuzumuten war, die letzte Minute noch spielen zu lassen, stellte sich daher nicht.

Da das Urteil auch hinsichtlich der Rechtsfolgen nicht zu beanstanden ist, insbesondere hinsichtlich der Geldstrafe die Leistungsfähigkeit des Vereins gewürdigt und einbezogen wurde, besteht kein Grund, das Urteil aufzuheben.

Die Revision war daher zurückzuweisen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

 

Aktenzeichen: 00098-15/16-VSG
Sitzung vom 22.06.2016
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 09.06.2016, Az.: 00163-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Berufungsgebühr in Höhe von 50,75 € trägt der Verein A.

Gründe:

Die am 14.06.2016 eingelegte Berufung gegen das Urteil des BSG vom 09.06.2016, Az.: 00163-15/16-BSG wurde mit Schreiben vom
15.06.2016 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

 

Aktenzeichen: 00097-15/16-VSG
Sitzung vom 22.06.2016
Besetzung: Riedmeyer als Einzelrichter

Revision des Verein A - Verein B gegen das Urteil des BSG vom 03.06.2016, Az.: 00349-15/16-BSG

Beschluss:

Die Hälfte der Kosten des Verfahrens in Höhe von 30,45 € und die Hälfte der Revisionsgebühr in Höhe von 76,13 € trägt der Verein A - Verein B.

 Gründe:

Die am 04.06.2016 eingelegte Revision gegen das Urteil des BSG vom 03.06.2016, Az.: 00349-15/16-BSG wurde mit Schreiben vom 19.06.2016 zurückgenommen.

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 33 Abs. 2 RVO.

 

 

Aktenzeichen: 00094-15/16-VSG
Sitzung vom: 07.06.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Frey

Revision des Verein A gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 01.03.2016

Urteil:

I. Auf die Revision des Verein A wird das Urteil des BSG vom 01.03.2016 mit Aktenzeichen 00100-15/16-BSG. aufgehoben und das Verfahren eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Nach den Feststellungen des BSG fand kurz vor dem Spielende des Kreisklasse-Spiels Verein B gegen Verein A am 27.09.2015 hinter dem Rücken des Schiedsrichters ein heftiger Zusammenstoß (Schulter ins Gesicht) zwischen den Spielern X(Verein A, nachfolgende Betroffener) und Y (Verein B) statt, wobei sich der Spieler Y massive Gesichtsverletzungen (mehrere Knochenbrüche) zuzog. Der amtierende Schiedsrichter hatte diese Aktion nicht beobachten können. Das BSG ging davon aus, dass der Spieler X nicht absichtlich handelte. Allerdings hätte der Spieler den Vorfall vermeiden können, wenn er nicht auf den Spieler Y aufgelaufen wäre bzw. den Spieler gerempelt hätte. Er habe sowohl den ballführenden Spieler X als auch den, mit dem Rücken zu ihm stehenden Spieler Y vor sich gehabt und sei trotzdem auf den Spieler Y aufgelaufen, was bei diesem zu den schwerwiegenden Verletzungen geführt habe. Bei nötiger Sorgfalt und Rücksichtnahme auf den Gegenspieler war der Vorfall ohne weiteres vermeidbar.

Das Verfahren gegen den Betroffenen wurde aufgrund einer Anzeige des Verein B vom 30.09.2015 eingeleitet. Das KSG verurteilte den Spieler mit Urteil vom 22.01.2016 gemäß § 67 Abs. 1 RVO wegen einer Tätlichkeit vom 22.01.2016 mit einschließlich 22.05.2016.

Dagegen legte der Verein mit Schreiben vom 29.01.2016 Berufung ein. Das BSG änderte das Urteil des KSG mit seinem Urteil vom 01.03.2016 dahingehend ab, dass der Betroffene wegen § 67/1 RVO mit einschließlich 22.04.2016 gesperrt wurde.

Gegen das am selben Tag zugestellte Urteil legte der Betroffene über das Postfach ZIMBRA am 06.03.2016 Revision ein, die binnen verlängerter Frist am 21.03.2016 mittels Anwaltsschriftsatz begründet wurde. Es wurde u.a. gerügt, dass das Gericht wegen einer Tätlichkeit verurteilte, diese jedoch nur vorsätzlich begangen werden kann, und das Gericht dem Betroffenen aber gerade keine Absicht unterstellte.

Das VSG setzte die Sperre mit Beschluss vom 31.03.2016 vorläufig aus.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig. Gemäß § 30 Abs. 3 RVO ist vor dem VSG die Vertretung durch Rechtsanwälte zulässig, auch wenn diese nicht Mitglied des betroffenen Vereins sind.

3. Die Revision ist auch begründet.

Das Verfahren ist hier nicht aufgrund einer Meldung des Schiedsrichters, sondern aufgrund einer Anzeige des Verein B eingeleitet worden. Gemäß § 35 Abs. 3 RVO kann über Vorfälle während des Spiels nur der amtierende Schiedsrichter eine Meldung erstatten. Dies gilt jedoch dann nicht, wenn der Schiedsrichter einen Fall krass sportwidrigen Verhaltens nicht wahrgenommen und damit keine positive oder negative Tatsachenentscheidung darüber getroffen hat. Krass sportwidrige Handlungen sind anzunehmen, wenn deren Verfolgung unerlässlich ist. Die tatbestandliche "Verwerflichkeit" ist zu bejahen, wenn eine Tat mit einem erhöhten Grad sittlicher Missbilligung behaftet ist und deshalb einem gesteigerten Unwerturteil unterliegt. Das ist anzunehmen, wenn ein Verstoß gegen die sportliche Disziplin so schwerwiegend ist, dass nach allgemeiner Auffassung eine Ahndung unumgänglich ist, wozu nicht bereits jede Tätlichkeit ausreicht, vielmehr müssen weitere Umstände hinzutreten (DFB-Sportgericht, Urteil vom 03.12.1998, Nr. 48/98/99, Hilpert, Das Fußballstrafrecht des DFB, Berlin 2009, S. 131).

Ein solches krass sportwidriges Verhalten hat das BSG nicht festgestellt. Die Tatbestandsschilderung stellt ein rücksichtsloses Spielen des Betroffenen dar, welches je nachdem, ob sich der Ball in Spielnähe befand, als rohes Spiel oder einfache Tätlichkeit im Falle einer Meldung des Schiedsrichters zu bestrafen gewesen wäre. Eine Tätlichkeit, der ein gesteigertes Unwertgefühl im Sinne eines krass sportwidrigen Verhaltens beigemessen werden kann, setzt aber voraus, dass der Spieler nicht nur rücksichtslos spielte, sondern gerade absichtlich (zumindest auch) seinen Gegenspieler schädigen wollte. Eine solche Absicht hat das BSG jedoch nicht festgestellt.

Das VSG ist im Revisionsverfahren an die Sachverhaltsfeststellung des BSG gebunden, weil nur der Verein des Betroffenen Revision eingelegt hat und die Feststellungen des BSG nicht offensichtlich unvollständig oder widersprüchlich sind.

Aus diesen Rechtsgründen war das Urteil des BSG aufzuheben und das Verfahren einzustellen.

4. Da die Revision erfolgreich war und das Verfahren insgesamt eingestellt wurde, fallen die Kosten des Verfahrens dem BFV zur Last (§§ 32, 33 RVO) Allerdings sieht § 30 Abs. 3 RVO vor, dass im Falle der Vertretung durch Rechtsanwälte eine Kostenerstattung nicht stattfindet.

 

Aktenzeichen: 00093-15/16-VSG
Sitzung vom 10.06.2016
Besetzung: Beierlein, Krause, Frey

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B vom 28.05.2016, Spielnummer: 312451001

Berufung des Verein B gegen das Urteil mit Aktenzeichen 00252-15/16-BSG.

Urteil:

I. Die Berufung des Verein B vom 07.06.2016 gegen das Urteil des BSG 00252-15/16-BSG. vom 31.05.2016 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt der Verein Verein B. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Relegationsspiel Verein A - Verein B nahm in der 88. Spielminute der Torhüter des Verein A den Ball im 5 m-Raum auf. Bevor er diesen mit einem Abschlag aus der Hand wieder ins Spiel bringen wollte, ließ der Torhüter den Ball zunächst einmal zu Boden prellen und nahm ihn dann wieder auf. Als er den Ball ein 2. Mal gegen den Boden prellte, spitzelte ein Spieler des Verein B dem Torhüter den Ball weg und lief mit diesem in Richtung des leeren Verein ATores. Der Torhüter verfolgte den Angreifer und brachte diesen im Strafraum zu Fall. Der SR unterbrach das Spiel und entschied auf Strafstoß für den Verein B. Der Torwart des Verein A wurde mit einer gelben Karte verwarnt. Der 11 m wurde verwandelt. Der Spielstand vor der 11 m-Entscheidung war 2:1 für den Verein A. Durch den verwandelten 11 m stand es dann 2:2. Dies war der Endstand.

Gegen die Spielwertung legte der Verein A unter dem 29.05.2016 über das Zimbra-Postfach Einspruch gemäß § 38 (1) a) RVO ein und führte zur Begründung aus, dass es sich hier um einen Regelverstoß des SR handelt, der den Spielausgang auch mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat.

Das zuständige BSG hat eine Stellungnahme des SR erholt sowie die ihm übermittelte Videosequenz des betreffenden Spiels in Augenschein genommen. Dem Verein B wurde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Dieser führte im Wesentlichen aus, dass es sich um eine unabänderliche Tatsachenentscheidung handle. Das BSG hat dann unter dem 31.05.2016 entschieden, dass das Spiel nicht zu werten und vom Spielleiter neu anzusetzen ist. Begründet wird dies im Wesentlichen damit, dass es sich hier um einen Regelverstoß handle. Das Eingreifen des Spielers des Verein B stellt ein Vergehen i. S. der Fußballregel 12 gegen den Torhüter des Verein A dar. Die richtige Entscheidung wäre hier gewesen: Freistoß für den Verein A und ggf. eine persönliche Strafe gegen den angreifenden Spieler, da dieser den Ball während der Kontrolle durch den Torhüter weggetreten hat. Im Umkehrschluss ist eine Tatsachenentscheidung im vorliegenden Fall nicht gegeben, bei der der SR die Regel zwar richtig anwendet, allerdings gründet diese Regelanwendung in einer fehlerhaften Wahrnehmung des beobachteten Sachverhalts. Gerade dies liegt im vorliegenden Fall aber nicht vor.

Im Übrigen hat das BSG auch eine hohe Wahrscheinlichkeit der Ergebnisbeeinflussung bejaht, da der Vorfall sich in der 88. Spielminute ereignete und durch den verhängten Strafstoß der Ausgleichstreffer erzielt wurde.

Gegen diese Entscheidung des BSG Oberfranken legte dann der Verein B per Zimbra-Postfach unter dem 07.06.2016 Berufung ein und begründete dies u. a. damit, dass auch aufgrund der Aussage des amtierenden SR, wonach von ihm zum Zeitpunkt des Ballaufspringens für ihn keine Ballkontrolle mehr gegeben war, und dementsprechend nach Ansicht des Berufungsführers eine Tatsachenentscheidung vorliege.

Das VSG hat das Video ebenfalls in Augenschein genommen.

Im Übrigen wird auf den gesamten Akteninhalt vollinhaltlich verwiesen.

2. Das VSG ist für die Entscheidung zuständig.

3. Die zulässige Berufung ist in der Sache nicht begründet.

Das VSG ist überzeugt, dass der SR einen Regelverstoß begangen hat, der den Spielausgang auch mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat.

Dies gründet sich auf die Angaben des amtierenden SR. Dieser schildert den Sachverhalt dahingehend, dass der Torwart des Verein A den Ball aufgenommen hatte und dann mit dem Ball aus dem 5 m-Raum langsam nach vorne gelaufen war, wobei er dabei den Ball aufspringen ließ. Der gegnerische Stürmer befand sich neben dem Torwart, ohne ihn zu behindern. Als der Torwart den Ball ein 2. Mal auf den Boden prellte, hat der Angreifer dem Torwart den Ball seitlich weggespitzelt und lief an diesem vorbei. Der Torwart brachte ihn zu Fall.

Damit hat der SR den Vorgang zweifelsfrei beobachtet. Aus dieser Beobachtung folgt konsequent die Anwendung der Fußballregel 12.

Dort heißt es u. a.:

"Vergehen des Torhüters: Der Torhüter hält den Ball in den Händen, wenn er

- den Ball mit beiden Händen festhält oder ihn mit einer Hand gegen eine Oberfläche hält (z. B. am Boden, gegen den eigenen Körper),
- den Ball in der ausgestreckten offenen Hand hält,
- den Ball auf den Boden prellt oder in die Luft wirft

Kontrolliert der Torhüter den Ball mit seinen Händen, darf er von einem Gegenspieler nicht angegriffen werden. Hieraus ergibt sich, dass bei dem vorliegenden Sachverhalt der Torhüter den Ball immer noch in Händen hält, obwohl er ihn auf den Boden prellt.

In der Fußballregel 12 heißt es weiter, dass es sich dann um Vergehen gegen den Torhüter handelt, wenn

"- hindert ein Spieler den Torhüter daran, den Ball aus seinen Händen abzuspielen, gilt dies als Vergehen

- tritt ein Spieler den Ball oder versucht er den Ball zu treten, während der Torhüter diesen abspielen möchte, wird der Spieler bestraft".

Danach handelt es sich um ein Vergehen des Spielers des Verein B, welches gegen den Spieler zu bestrafen gewesen wäre.

Dies hat der SR nicht getan, sondern auf Strafstoß für den Verein B entschieden. Dies widerspricht der Fußballregel 12. Damit liegt ein Regelverstoß vor.

Entgegen der Ausführungen des Berufungsführers handelt es sich keinesfalls um eine Tatsachenentscheidung. Bei einer Tatsachenentscheidung nimmt der SR einen Sachverhalt wahr und wendet auf den von ihm wahrgenommenen Sachverhalt die hierfür zutreffende Fußballregel an.

Gerade dies ist im vorliegenden Fall aber nicht der Fall, da der SR den Sachverhalt wahrgenommen hat und die Fußballregel 12 eben nicht richtig anwandte.

Die Entscheidung des Erstgerichts ist daher in keinster Weise zu beanstanden.

Soweit ergänzend der Berufungsführer anführt, dass im Einspruch vom 29.05.2016 der Einspruchsführer ausführt "Anbei wie heute besprochen .", so ist hieraus keinerlei Absprache zu entnehmen. Hieraus ergibt sich nur, dass ein Telefonat stattgefunden hat, auf welches Bezug genommen wird.

Im Weiteren ist es für die vorliegende Entscheidung unbeachtlich, da keine konkreten Hinweise dafür vorliegen, dass seitens des BSG bereits vor Beginn des Verfahrens Informationen an die Presse weitergegeben wurden. Wer diese Informationen weitergegeben hat, entzieht sich der Kenntnis des VSG.

Soweit der Berufungsführer darauf abstellt, dass der SR ausführte, dass zum Zeitpunkt des Ballaufspringens keine Ballkontrolle vorhanden war, so ist dies genau der entsprechende Sachverhalt, der wahrgenommen wurde. Auf diesen wurde aber die Regel falsch angewandt, da die Regel genau das Gegenteil besagt. Der Torwart hat während des Prellens des Balles immer noch die volle Ballkontrolle.

Die vorliegenden Ausführungen des SR wurden den Beteiligten bekannt gemacht. Der Berufungsführer räumt selbst ein, die Möglichkeit - wenn auch kurz - hierzu Stellung zu nehmen gehabt zu haben.

Soweit letztlich gerügt wird, dass sich einer der Richter seit längerem im Krankenstand befindet, so hindert ihn dies grundsätzlich nicht sein Ehrenamt auszuführen. Es bestehen keine konkreten Hinweise dahingehend, dass der betreffende Richter an diesem Urteil nicht teilgenommen hat. Insgesamt rechtfertigen die Ausführungen des Berufungsführers nicht eine Änderung der Entscheidung, da letztlich allein auf den Komplex der Regelverletzung, also des Regelverstoßes abzustellen ist.

Die einzig korrekte Entscheidung hierauf war, das Spiel nicht zu werten und dieses neu anzusetzen.

Ein in der 88. Spielminute zum 2:2 verwandelten Elfmeter stellt eine entsprechende hohe Wahrscheinlichkeit der Beeinflussung des Spielausgangs aufgrund des Regelverstoßes dar.

Die Berufung war daher kostenpflichtig zurückzuweisen.

4. Die Kosten trägt gemäß §§ 32, 33 RVO der Berufungsführer.

 

Aktenzeichen: 00092-15/16-VSG
Sitzung vom: 07.06.2016
Besetzung: Beierlein, Krause, Frey

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B vom 16.05.2016

Berufung des Vereins A gegen das Urteil mit Aktenzeichen 00163-15/16-BSG.

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG 00163-15/16-BSG. vom 24.05.2016 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € sowie die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt der Spieler X unter Mithaftung seines Vereins A.

 Gründe:

1. Am 16.05.16 fand das Bezirksligaspiel Verein B gegen Verein A statt. Der amtierende SR teilte in seinem Sonderbericht mit, dass nach einer Kontersituation für Schwabach der Spieler X hohem Tempo von hinten in die Beine seines Gegenspielers sprang. Er wurde deshalb wegen grobem Foulspiel mit roter Karte vom Feld verwiesen.

2. Der Verein B gab in der 1. Instanz keine Stellungnahme ab.

3. Mit Urteil vom 24.05.16 hat das BSG. den betroffenen Spieler gemäß § 66 I RVO für drei Verbandsspiele gesperrt und ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt.

4. Mit Schreiben vom 28.05.16 hat der Verein B gegen dieses Urteil "Einspruch" eingelegt; dies wurde begründet, dass die Sperre von 3 Spielen unverhältnismäßig hoch sei, da es sich um ein ganz normales Foulspiel gehandelt habe.

5. Das VSG ist gemäß § 20 I RVO zuständig. Die Berufung war form- und fristgerecht eingereicht, das mit Einspruch bezeichnete Schreiben war als Berufung umzudeuten. Die Berufung war somit zulässig, erwies sich jedoch in der Sache als nicht begründet.

Unstrittig ist, dass der Verein B in der 1. Instanz keine Stellungnahme abgegeben hat, sodass er grundsätzlich mit seinem Vorbringen in der 2. Instanz präkludiert gewesen wäre. Ungeachtet dessen fiel bei der Inaugenscheinnahme des Videos auf, dass sich hieraus keine andere Bewertung ergab.

Das VSG ist deshalb der Auffassung, dass die vom Erstgericht verhängten drei Verbandsspiele für das streitgegenständliche Foulspiel sich an der unteren Grenze befinden und gerade noch schuld- und tatangemessen sind. Es war deshalb keine Reduzierung vorzunehmen.

Die Berufung war deshalb mit der gesetzlichen Kostenfolge, §§ 32, 33 RVO, kostenpflichtig zurückzuweisen.

 

Aktenzeichen: 00091-15/16-VSG
Sitzung vom: 07.06.2016
Besetzung: Beierlein, Krause, Frey

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B vom 16.05.2016, Spielnummer: 310338231

Berufung des Vereins Verein B gegen das Urteil vom 26.05.2016 mit Aktenzeichen 00157-15/16-BSG

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein B vom 01.06.2016 wird das Urteil des BSG vom 26.05.2016 mit Aktenzeichen 00157-15/16-BSG in Ziffer I mit der Maßgabe aufgehoben, dass der Spieler X, Verein B, gemäß § 66 Abs. 1 RVO ab dem 17.05.2016 für 3 Verbandsspiele im Sinne des § 51 Abs. 5 RVO der Bezirksliga-Mannschaft des Vereins Verein B gesperrt ist. Ändert sich die Spielklasse, tritt die neue Spielklasse anstelle der bisherigen.

II. Im Übrigen verbleibt es bei Ziffer II, III und IV des Urteils des BSG vom 26.05.2016.

III. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Am 16.05.16 fand das Bezirksligaspiel Verein A gegen Verein B statt. Im Rahmen eines Sonderberichts teilte der amtierende SR mit, dass der Spieler Spieler X seinen Gegenspieler mit offener Sohle im Sprung traf und dieser deshalb eine stark blutende Wunde davontrug und ausgewechselt werden musste. Er wurde daraufhin mit roter Karte des Feldes verwiesen.

2. Im Rahmen der 1. Instanz gab der Verein B mit Schreiben vom 18.05.16 eine Stellungnahme ab und teilte mit, dass der Verteidiger den "berühmten Tick" zu spät kam und der Spieler den Ball spielen wollte. Der Verein wies auch darauf hin, dass der SR anfangs nur eine Mahnung ausgesprochen habe und erst nach Feststellung der blutenden Wunde FaD gezeigt habe. Man bitte um ein sehr mildes Strafmaß.

3. Mit Urteil des BSG vom 26.05.16 wurde der Betroffene gemäß § 66 I RVO für vier Verbandsspiele gesperrt und ihm die Kosten auferlegt.

4. Mit ZIMBRA vom 01.06.16 legte der Verein gegen dieses Urteil Berufung ein und begründete diese nochmals damit, dass es zwar ein Foulspiel war, die Verletzung unglücklich war, man aber der Auffassung sei, dass auch drei Verbandsspiele ausreichend seien. Man gehe dort eher von einem unglücklichen Foulspiel mit unglücklicher Verletzungsfolge aus.

5. Das VSG ist gemäß § 20 I RVO zuständig. Die Berufung wurde form- und fristgerecht eingereicht, war somit zulässig und erwies sich im tenorierten Umfang auch als begründet.

Das VSG hatte im Rahmen der Beweisaufnahme die Möglichkeit, das Spiel auf Video anzusehen. Hierbei kam das VSG zur Überzeugung, dass es sich nicht um einen Zweikampf mit offener Sohle gehandelt hat, der Betroffene hat nur gegen den Ball getreten, eine absichtliche Handlung konnte nicht festgestellt werden.

In der 1. Instanz lag bei Urteilsfindung dieses Video noch nicht vor. Der Verein B hatte unverschuldet keine Kenntnis vom Video, sodass der Verein selbstverständlich mit seinem jetzigen Vortrag nicht präkludiert war.

Nach Überzeugung des VSG, insbesondere unter Ansicht des Videos, wird es deshalb als tat- und schuldangemessen angesehen, die Strafe des Erstgerichts auf die beantragten drei Verbandsspiele zu reduzieren.

6. Die Kosten trägt der BFV, da Berufungsführer mit seinem Rechtsmittel in dem gewünschten Umfang Erfolg hatte.

 

 

 

 Aktenzeichen: 00090-15/16-VSG
Sitzung vom: 30.05.2016
Besetzung: Beierlein, Frey, Lieb

Bezirksliga-Spiel Verein A - Verein B vom 01.05.2016

Berufung des Betroffenen A gegen das Urteil des BSG vom 12.05.2016, Az.: 00144-15/16-BSG

 Urteil:

I. Auf die Berufung des Betroffenen wird das Urteil vom 12.05.2016,
Az.: 00144-15/16-BSG , aufgehoben und das Verfahren an das Sportgericht Bayern verwiesen.

II. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

 Gründe:

1. Das BSG hat den Betroffenen Ao wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe von Euro 150,- belegt.
2. Hiergegen hat der Betroffene am 13.05.2016 Einspruch eingelegt. Dieser Einspruch ist als Berufung umzudeuten.
3. Die Berufung ist zulässig, sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs.3 RVO eingelegt.
Das VSG ist zuständig gemäß § 20 Abs.1 Lit. d RVO.
4. Nach den Feststellungen des Verbandssportgerichts ist der Betroffene Inhaber der DFB-Elite-Jugend-Lizenz. Es liegt somit nach § 19 d RVO die Zuständigkeit des Sportgerichts Bayern für das Verfahren gegen den Betroffenen in erster Instanz vor. Das Urteil des BSG Schwaben ist daher aufzuheben und das Verfahren an das zuständige Sportgericht Bayern zu verweisen, § 22 I RVO.
5. Die Kostenentscheidung bleibt der Endentscheidung vorbehalten.

 

Aktenzeichen: 00088-15/16-VSG
Sitzung vom: 30.05.2016
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Revision gegen den Beschluss des BSG vom 31.03.2016, AZ 00128-15/16 BSG .

Urteil:

I. Die Revision gegen den Beschluss des BSG vom 31.03.2016, AZ 00128-15/16 wird verworfen.

II. Die Kosten der Revision trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Der Revisionsführer legte mit Email von einem privaten Email-Account beim Jugendspielgruppenleiter "Protest" wegen unzulässigen Spielereinsatzes gegen die Wertung seines D-Juniorenkreisligaspiels vom 16.10.2015 gegen Verein A ein. Der JSGL wies per email am 26.10.2015 darauf hin, dass ein Protest direkt an das Juniorensportgericht zu richten ist, er aber den aktuellen Protest an das Sportgericht weiterleiten werde. Dort ist die Weiterleitung von ihm aber zu keinem Zeitpunkt eingegangen, obschon der JSGL sich sicher ist, die Absendung vorgenommen zu haben.
Am 22.01.2016 beantragte der Revisionsführer die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand mit der Begründung, dass er erst durch die Nachfrage vom 18.01.2016 beim JSG davon Kenntnis erlangt hat, dass der damalige Protest beim JSG nicht angekommen sei.
Dieser Wiedereinsetzungsantrag wurde vom JSG mit Beschluss vom 03.03.2016 abgelehnt. Hiergegen legte der Revisionsführer am 10.03.2016 fristwahrend mittels dem Postfachsystem ZIMBRA Beschwerde zum BSG Niederbayern ein und begründete diese weiterhin damit, dass den Verein kein Verschulden an der Fristversäumnis treffe, da der JSGL zusagte die Weiterleitung zu veranlassen. Das BSG wies die Beschwerde mit Beschluss vom 31.03.2016 zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 10.04.2016 eingelegte Revision.
2. Die Revision ist unzulässig. Es kann dahinstehen, ob die Versäumnis einer Antragsfrist, wie die der Anzeigenerstattung innerhalb von 4 Wochen nach § 35 Abs. 2 RVO, analog auf die Wiedereinsetzungsvorschrift des § 28 RVO angewandt werden kann, welche sich nach dem Wortlaut nur auf Rechtsmittelfristen erstreckt.

Gemäß § 28 Abs. 4 RVO entscheidet über einen Wiedereinsetzungsantrag das über das Rechtsmittel zuständige Gericht und gegen einen solchen ablehnenden Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden, über welche die nächsthöhere Instanz entscheidet. Dies ist durch den Beschluss des BSG bereits erfolgt. Die RVO sieht keine weitere Beschwerdemöglichkeit gegen diesen Beschluss vor, so dass kein Rechtsmittel mehr möglich war. Auch die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung am Ende des Beschlusses, die versehentlich auf einen Revisionsmöglichkeit hinweist, ändert hieran nichts. Diesem Umstand wurde damit Rechnung getragen, dass die Kosten der unzulässig eingelegten Revision dem BFV auferlegt werden.

3. Kosten §§ 32, 33 RVO

 

 

 

Aktenzeichen: 00086-15/16-VSG
Sitzung vom: 17.05.2016
Besetzung: Beierlein, Frey, Krause

Revision des Vereins A gegen das Urteil vom 10.05.2016 mit Aktenzeichen 00229-15/16-BSG .

 Urteil:

I. Auf die Revision des Verein A wird das Urteil des KSG mit AZ 00541-15/16 und das Urteil des BSG mit AZ 00229-15/16-BSG. aufgehoben.
II. Das Spiel Verein A gegen Verein B vom 20.03.2016 ist neu anzusetzen.
III. Die Kosten des Verfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Beim Punktspiel des Revisionsführers gegen den Verein B am 20.03.2016 meldete der SR, dass er in der 90. Minute auf Eckball für den Verein B entschied. Bevor der Ball in den Strafraum flog, beobachtete er eine Rangelei im Fünfmeterraum, bei welcher sich der Angreifer eine gute Position suchen wollte. Noch bevor der Ball gespielt wurde, holte der Torwart des Revisionsführers mit seinem rechten Ellbogen aus und traf mit voller Absicht den Angreifer des Verein B im Gesicht, welcher blutend aus Nase und Mund behandelt werden musste. Hierauf gab der SR dem Torwart die rote Karte setzte das Spiel mit einem Strafstoß fort, welcher zum Endergebnis 0 : 1 verwandelt wurde. Mit email über das Postfachsystem ZIMBRA legte der Revisionsführer beim zuständigen KSG am 23.03.2016 gegen die Wertung des Spiels Einspruch wegen eines Regelverstoßes des SR. Er begründetet des Einspruch damit, dass der SR die rote Karte während einer Spielunterbrechung gegeben hatte und hiernach das Spiel nicht mit einem Strafstoß, sondern mit dem noch nicht ausgeführten Eckball hätte fortsetzen müssen. Der ungerechtfertigte Strafstoß in der Nachspielzeit, welcher das einzige Tor des Spiels darstellte hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit Einfluss auf den Spielausgang.

Das KSG leitet ein Verfahren ein und befragte des SR, welcher angab, dass er nicht sagen könne, ob bei dem ahndungswürdigen Foulspiel der Ball schon gespielt war, da er das Geschehen im Strafraum beobachtete. Auf Anfrage des KSG gab der Verein B in seiner Stellungnahme vom 02.05.2016 an, dass der Eckball bereits ausgeführt war, als danach das Foul vom Torwart begangen wurde und der SR dann pfiff. Das KSG wies mit Urteil vom 06.05.2016 den Einspruch zurück mit der Begründung dass dem SR wegen einer Tatsachenentscheidung keine unzutreffende Regelauslegung unterstellt werden kann.
Gegen das Urteil legte der Revisionsführer am 09.05.2016 fristwahrend über das Postfachsystem ZIMBRA Berufung ein. Das BSG wies unter Verletzung des rechtlichen Gehörs die Berufung mit Urteil vom 10.05.2016 zurück und stellte hierbei fest, dass der SR im Nachhinein nicht mehr sagen konnte, ob der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens bereits vom Eckballschützen berührt wurde. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 12.05.2016 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht sinngemäß geltend, dass ein Regelverstoß des SR vorlag, welcher gemäß § 38 Abs. 1 a) RVO die Spielwertung mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat. Hierbei wird vom Revisionsführer auf Regel 9, 12 und 17 der Fußballregeln des DFB verwiesen. Der Verein B wurde vom VSG gehört und gab erneut an, dass der erst nach Ausführung des Eckstoßes die Tätlichkeit vom SR bemerkt und auf Feldverweis für den Torwart und Strafstoß entschieden wurde.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 g) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist auch begründet. Das BSG hat im Tatbestand klar festgestellt, dass der SR, welcher die Situation im Strafraum beobachtete, im Nachhinein nicht mehr sagen kann, ob der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens bereits vom Eckballschützen berührt wurde. An diese Feststellung ist das VSG in der Revisionsinstanz gebunden.
Regel 9 der DFB-Fußballregeln besagt, dass der Ball aus dem Spiel ist, wenn er auf dem Boden oder in der Luft eine der Tor- oder Seitenauslinien vollständig überschreitet. Mit der Entscheidung des SR auf Eckball ist eine Spielunterbrechung vorgenommen worden, der Ball somit aus dem Spiel. Der Eckstoß ist nach Regel 17 eine Spielfortsetzung. Hierbei ist der Ball erst dann im Spiel, wenn er mit dem Fuß berührt wurde und sich bewegt. Gemäß Fußballregel 12 ist ein bestimmtes Vergehen im Strafraum durch einen Strafstoß zu ahnden, vorausgesetzt, der Ball ist im Spiel.
Dies bedeutet im Zusammenhang und auf das streitige Spiel bezogen, dass der SR nur dann einen Strafstoß geben hätte dürfen, wenn bereits eine Spielfortsetzung durch den Eckball vorgelegen hätte, also der den Eckball ausführende Spieler den Ball bereits berührt und sich dieser bewegt hätte. Aufgrund der Feststellung des BSG, wonach der SR gerade nicht mehr sagen konnte ob der Ball im Spiel war oder nicht, ist ein Regelverstoß zu erkennen. Der SR hätte nämlich nur bei positiver Feststellung, dass der Eckstoß tatsächlich ausgeführt und damit der Ball im Spiel ist auf Strafstoß erkennen dürfen. Sofern sich der SR nicht sicher ist, ob der Ball im Spiel ist, stellt die Spielfortsetzung mit Strafstoß einen Regelverstoß dar. Dieser Regelverstoß hat im vorliegenden Fall, bei einem ungerechtfertigten Strafstoß in der Nachspielzeit beim Spielstand von 0:0, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Spielwertung beeinflusst. Der Einspruch ist damit begründet. Gemäß § 38 Abs. 4 RVO ist daher das Spiel nicht zu werten und vom Spielleiter neu anzusetzen.
Der Revision war daher stattzugeben.

4. Kosten BFV, §§ 32, 33 RVO.

 Aktenzeichen: 00084-15/16-VSG
Sitzung vom: 17.05.2016
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Revision gegen das Urteil des BSG vom 26.04.2016, AZ 00199-15/16 BSG.

 Urteil:

I. Die Revision gegen das Urteil des BSG vom 26.04.2016, AZ 00199-15/16 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € sowie die Revisionsgebühr in Höhe von 152,25 €. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

  Gründe:

1. Der Verein B legte am 30.03.2016 beim KSG Einspruch gegen die Spielwertung des Kreisklassespiels vom 26.03.2016 zwischen dem Verein B und der Verein A ein mit der Begründung, dass hierbei seitens des Verein A drei Spieler (X, Y, Z) eingesetzt wurden, welche am 20.03.2016 in der 1. Halbzeit des Verein A in der Kreisliga spielten.
Das KSG leitete hierauf ein Verfahren gegen den Revisionsführer ein, welcher jedoch erstinstanzlich keine Stellungnahme abgab. Das KSG verhängte mit Urteil vom 11.04.2016 gegen den Revisionsführer nach § 77 Abs. 1 RVO einen Punktabzug von 3 Punkten sowie eine Geldstrafe in Höhe von 100,00 €, nahm eine Spielwertung vor und verurteilte ihn zu den Kosten des Verfahrens.
Gegen dieses Urteil legte der Revisionsführer am 18.04.2016 fristwahrend über das Postfachsystem ZIMBRA Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 26.04.2016 zurück. Hiergegen richtet sich die erneut mittels Postfachsystem ZIMBRA am 02.05.2016 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht sinngemäß geltend, dass die Vorschrift des § 34 SpO vom KSG und BSG nicht zutreffend angewandt wurde, da Ziffer 3.2 und 3.3 für eine Spielgemeinschaft mit eigenständigen Stammmannschaften gelten muss. Der Revisionsführer unterhalte eine solche eigenständige Stammmannschaft mit dem Verein a, so dass der Einsatz von bis zu drei Spielern, die bei eigenständigen Mannschaften mitgewirkt haben, eingesetzt werden konnten.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 g) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet. Das BSG ging zu Recht davon aus, dass ein unzulässiger Spielereinsatz vorlag. Maßgeblich für die Beurteilung ist § 34 SpO, welcher auszugsweise wie folgt lautet:
"2.Vereine von der Bayernliga bis zur C-Klasse
Während des Spieljahres
2.1. Nach einem Einsatz in der ersten Halbzeit eines Verbandsspiels (Meisterschaftsspiels) der höherklassigeren Mannschaft - ausgenommen DFB-Pokalspiele, Totopokal, Hallenmeisterschaften, sonstige Pokalspiele - darf der Spieler nicht an den nächsten zwei Meisterschaftsspielen der aufstiegsberechtigt spielenden unterklassigeren Mannschaften mitwirken. Die Einsatzbeschränkung endet in jedem Fall nach Ablauf von 10 Tagen.
2.2 Vereine, deren 1. Mannschaft nicht höher als in der Kreisliga spielen und deren untere Herrenmannschaft(en) in einer der untersten beiden Spielklassen im Kreis eingereiht sind, können zusätzlich zu 2.1. bis zu drei beliebige Spieler aus der höherklassigeren Mannschaft(en) ohne Einschränkung sowohl in den höherklassigeren als auch in den unterklassigeren Mannschaften einsetzen. .
3. Einsatzbeschränkungen bei Spielgemeinschaften
3.1 Die Einsatzbestimmungen der Nr. 2 gelten auch für Spielgemeinschaften.
Spielgemeinschaft mit eigenständigen Stammmannschaften
3.2 Die Einsatzbeschränkungen bei Spielgemeinschaften mit eigenständigen Stammmannschaften richten sich nach Abs. 2.1 mit der Einschränkung, dass in einer Spielgemeinschaft mehrerer Vereine insgesamt nur maximal drei Spieler pro Meisterschaftsspiel eingesetzt werden dürfen, die nur in der 2. Halbzeit bei den eigenständigen Mannschaften mitgewirkt haben.
3.3 In Spielgemeinschaften, deren eigenständige Stammmannschaften nicht höher als Kreisliga spielen, können zusätzlich zu 3.2 bis zu drei weitere beliebige Spieler, die bei den eigenständigen Mannschaften mitgewirkt haben, pro Meisterschaftsspiel eingesetzt werden."
Bei der Überprüfung, ob Spieler in verschiedenen Mannschaften eingesetzt werden können, ist - wie bei jedem Gesetz - der entsprechende Paragraph von Beginn an zu lesen und jede Ziffer nacheinander durchzugehen. Einschlägig ist im Falle des Revisionsführers nach § 34 SpO aufgrund der Spielklasse zunächst Ziffer 2.1. Hiernach besteht jedoch keine Einsatzmöglichkeit für die drei betreffenden Spieler in der Verein A, da es sich bei dem Spiel am 26.03.2016 um eines der beiden nächsten Meisterschaftsspiele der Verein Anach dem Spiel des Verein C vom 20.03.2016 handelte. So dann ist die nächste Ziffer der Regelung, also 2.2 zu prüfen. Nachdem die erste Mannschaft des Verein C nicht höher als Kreisliga spielt, käme 2.2 zwar zunächst in Betracht, jedoch müsste hierzu die zweite Mannschaft in einer der untersten beiden Spielklassen im Kreis eingereiht sein. Dies ist jedoch nicht der Fall, da der Revisionsführer mit der Verein A in der Kreisklasse spielt und sich im Kreis darunter noch die B- und A-Klasse befinden.
Da das Spieljahresende Ende März noch nicht bevorstand können Ziffern 2.3 und 2.4 außer Acht gelassen werden. Ziffer 3. regelt die Einsatzbeschränkungen bei Spielgemeinschaften und stellt hierbei zuvorderst in 3.1 klar, dass die Einsatzbestimmungen der Nr. 2 auch für Spielgemeinschaften gelten. Dementsprechend gilt das oben beschriebene, wonach weder gemäß 2.1 noch gemäß 2.2 eine Einsatzmöglichkeit für die drei Spieler, welche am 20.03.2016 in der Kreisliga spielten, in der Kreisklasse bestand. Auch wenn 3.2 und 3.3 mit der nicht amtlichen Überschrift "Spielgemeinschaft mit eigenständigen Stammmannschaften" überschrieben ist, so gelten uneingeschränkt weiterhin wegen des allgemeinen Verweises in 3.1 auf Ziffer 2. die dortigen Bestimmungen.
Aus systematischer Sicht ist daher die vom BSG vorgenommene Auslegung des § 34 SpO nicht zu beanstanden.
Auch eine teleologische Auslegung des § 34 SpO kommt zu keinem anderen Ergebnis. Sinn und Zweck der Bestimmung des 2.2 ist, dass bei Vereinen, deren 1. Mannschaft nicht höher als in der Kreisliga und die 2. Mannschaft in einer der untersten beiden Ligen im Kreis spielt, drei Spieler der ersten Mannschaft zur Verstärkung eingesetzt werden können. Die Regelung trägt dem häufig in Vereinen auftretenden Spielermangel in kleineren bzw. niederklassigeren Vereinen Rechnung und soll diesen Vereinen ermöglichen, die häufig unterbesetzten zweiten Mannschaften durch maximal drei Spieler der ersten Mannschaft unterstützen zu können. Aus Wettbewerbsgründen soll dies allerdings nur für die untersten beiden Ligen gelten. Würde man nun - wie vom Revisionsführer gefordert - diese Regelung bei Spielgemeinschaften mit eigenständigen Stammmannschaften ohne die Einschränkung in 2.2 erlauben, würden solche Vereine mit einer zweiten Mannschaft oberhalb den untersten zwei Ligen im Kreis gegenüber Vereinen ohne Spielgemeinschaft, bevorzugt sein. Dies darf im Sinne eines geregelten und fairen Sportbetriebs nicht sein.
Nach § 77 Abs. 1 RVO ist für den Regelfall neben einer Geldstrafe auf einen Punktabzug von mindestens 3 Punkten zu erkennen und eine Spielwertung vorzunehmen. Für die Annahme eines leichten Falls wurden seitens des BSG keine Tatsachen festgestellt. An diese Feststellung ist das VSG im Revisionsverfahren gebunden.
Die Revision war daher zurückzuweisen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00083-15/16-VSG
Sitzung vom: 17.05.2016
Besetzung: Beierlein, Krause, Frey

Frauen Kreisklasse-Spiel Verein A gegen Verein B vom 10.04.2016.

Berufung des Verein A gegen das Urteil mit Aktenzeichen 00191-15/16-BSG.

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG Oberfranken vom 06.05.2016 mit AZ 00191-15/16-BSG. wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 €. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Am 10.04.16 fand das Spiel der Frauenkreisklasse Ost zwischen Verein A und Verein B statt. Der amtierende SR teilte in seinem Sonderbericht mit, dass in der 40. Minute der Trainer der Gästemannschaft plötzlich umfiel und ins Krankenhaus verbracht wurde. Mit Einverständnis des Verein A hatten die Gäste um Spielabbruch gebeten, was dann durch den SR auch erfolgt ist. Spielstand war 0:0.

Das zuständige BSG hat dann mit Schreiben vom 14.04.16 gegen beide Vereine ein Verfahren wegen verschuldetem Spielabbruch eingeleitet. Beide Vereine gaben innerhalb der gesetzten Frist keine Stellungnahme ab, weshalb der Vorsitzende des BSG mit dem Leiter der Fußballabteilung des Verein A telefonierte und von dort in Erfahrung brachte, dass es sich bei der zusammengebrochenen Person um den Trainer handelte, der dann im Krankenhaus auch verstorben ist.

2. Mit Urteil vom 06.05.16 hat das BSG das Verbandsspiel neu angesetzt und die Kosten des Verfahrens dem BFV auferlegt. Das BSG führte in seinen Gründen aus, dass es sich hierbei nicht um einen verschuldeten Spielabbruch handle und deshalb auch keine Spielwertung erfolgt und das Spiel neu anzusetzen sei.

3. Mit Schreiben vom 09.05.16 hat der Verein A gegen dieses Urteil "Widerspruch" eingelegt und diesen damit begründet, dass sich beide Mannschaften auf den Spielabbruch geeinigt hätten, sich weiterhin geeinigt hätten, das Spiel nicht zu wiederholen und es bei dem Spielstand von 0:0 zu belassen.

4. Die Berufung ist zulässig, erweist sich jedoch in der Sache als unbegründet, weil der Schiedsrichter das Spiel zu Recht abgebrochen hat.

Nach der Rechtsprechung des Verbands-Sportgerichtes ist ein Spielabbruch auch auf Wunsch einer Mannschaft gerechtfertigt, wenn ein Beteiligter, zu denen auch ein Trainer zählt, mit einer schweren lebensbedrohlichen Erkrankung ins Krankenhaus gebracht werden muss. In diesem Fall ist es der betreffenden Mannschaft nicht zu zumuten das Spiel zu Ende zu spielen. Einzig mögliche Rechtsfolge ist die Neuansetzung, weil es den Vereinen nicht möglich ist, eine rechtsverbindliche Einigung über eine Wiederholung des Spiels oder Festsetzung des Spielstandes zu treffen.

Da somit das Ersturteil nicht zu beanstanden war, war die Berufung kostenpflichtig zurückzuweisen.

5. Die Kostenentscheidung erfolgt aus §§ 32, 33 RVO.

 

 Aktenzeichen: 00082-15/16-VSG
Sitzung vom: 17.05.2016
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Revision gegen das Urteil des BSG vom 19.04.2016, AZ 00138-15/16 BSG.

 Urteil:

I. Die Revision gegen das Urteil des BSG vom 19.04.2016, AZ 00138-15/16 wird zurückgewiesen.

II. Der Verein A trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € sowie die Revisionsgebühr in Höhe von 152,25 €. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Der Revisionsführer setzte zu dem Privatspiel am 28.02.2016 zwischen dem Verein A und dem Verein B die Spieler X und Y ein. Der SR meldete hierzu, dass für beide Spieler seitens des Revisionsführers mit Unterschrift das Spielrecht bestätigt wurde und beide Spieler sich mit Papieren mit Bild und Namen auswiesen. Ferner wurde auf dem ESB vermerkt, dass die Pässe in München in Bearbeitung seien. Das KSG leitete hierauf ein Verfahren gegen den Revisionsführer ein. Dieser gab an, dass die beiden Spieler Flüchtlinge wären, die wegen kurzfristiger Erkrankung von anderen Spielern mit Zustimmung des Gegners und des SR eingesetzt wurden. Es seien die Spielgenehmigungen bereits beantragt gewesen. Der SR sei verunsichert gewesen, habe telefoniert und dem Revisionsführer mitgeteilt, dass wenn die Antragstellung nachgewiesen sei, die Spieler eingesetzt werden könnten. Das KSG befragte den SR hierzu, welcher einräumte dass er telefoniert habe und dann nach Bestätigung des Spielrechts und Überprüfung der Identität der Spieler diese zum Spiel zuließ. Das KSG ermittelte, dass für den Spieler X das Spielrecht erst am 29.02.2016 und für den Spieler Y am 17.03.2016 Spielrecht erteilt wurde.
Das KSG verhängte mit Urteil vom 29.04.2016 gegen den Revisionsführer nach § 77 Abs. 1 RVO einen Punktabzug von 3 Punkten sowie eine Geldstrafe in Höhe von 50,00 € und verurteilte ihn zu den Kosten des Verfahrens. Ferner wurde der Verantwortliche M mit Urteil vom 29.03.2016 nach § 77 Abs. 2 RVO mit einer Funktionssperre vom 04.04.2016 bis 03.07.2016 belegt und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Gegen beide Urteile legte der Revisionsführer am 03.04.2016 fristwahrend Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 19.04.2016 zurück. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 26.04.2016 eingelegte Revision. Der Revisionsführer macht unter anderem geltend, dass ein leichter Fall anzunehmen sei und dass wegen des beanstandeten Verhaltens in einem Privatspiel ein Punktabzug im Punktspielbetrieb unverhältnismäßig sei. Ferner sei der testweise Einsatz der beiden Flüchtlinge mit dem Gegner einvernehmlich abgesprochen gewesen und der SR habe den Einsatz nach der schriftlichen Bestätigung der Beantragung der Spielberechtigung zugelassen.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet. Das BSG ging zu Recht davon aus, dass ein unzulässiger Spielereinsatz vorlag. Unstreitig lag für die beiden Spieler zum Zeitpunkt des Einsatzes kein Spielrecht vor. Trotzdem wurde dies von dem Verantwortlichen des Revisionsführers schriftlich bestätigt, mithin wissentlich eine falsche Angabe gemacht. Nach § 77 Abs. 1 RVO ist für den Regelfall neben einer Geldstrafe auf einen Punktabzug von mindestens 3 Punkten zu erkennen. Für die Annahme eines leichten Falls müssen jedoch besondere Voraussetzungen vorliegen, die es rechtfertigen hiervon abzuweichen. Allein die Tatsache dass der unzulässige Einsatz in einem Privatspiel erfolgt ist reicht hierfür grundsätzlich nicht aus (stetige Rspr. des VSG siehe 00027-15/16-VSG, 00014-15/16). Gerade wegen des im BFV verankerten absoluten Passzwangs, welcher unter anderem auch aus versicherungsrechtlichen Gründen gilt, ist für den Einsatz in jedem Spiel, somit auch bei Privatspielen, eine Spielberechtigung erforderlich.
Die vom Revisionsführer vorgetragene Zustimmung des Gegners kann daher keinerlei rechtliche Wirkung entfalten. Auch der Einwand, dass der SR die beiden Spieler zugelassen hat, ist für die Bewertung des § 77 RVO irrelevant. Der SR besitzt keine Entscheidungskompetenz hinsichtlich des Spielrechts. Er kann nur über die Beteiligung am Spiel entscheiden und diese ggfs. durch einen Feldverweis beenden. Seine Entscheidung hat aber nach der Rechtsprechung des VSG (Fall 37 2008/2009) keinen Einfluss auf ein Bestehen oder Nichtbestehen des Spielrechts. So kann ein vom Schiedsrichter irrtümlich zugelassener, tatsächlich aber gesperrter Spieler ebenso unzulässig am Spiel teilnehmen, wie ein vom Schiedsrichter abgelehnter Spieler Spielrecht haben kann.
Das BSG hat zutreffend keinen leichten Fall gesehen. Maßgeblich ist, dass der Verein positive Kenntnis hatte und ihm daher tatsächlich bewusst war, dass für die beiden Spieler noch keine Spielberechtigung vorliegen konnte, da der Bearbeitungsstatus im SpielPlus "in Bearbeitung" auswies. Die unzutreffende Bestätigung des Spielrechts und das eigenmächtige Hinwegsetzen über die Bestimmungen des Spielrechts kann daher keinen leichten Fall mehr darstellen. Als Regelfall ist nach § 77 Abs. 1 RVO auf Punktabzug zu erkennen, auch wenn ein Wettbewerbsvorteil in dem Privatspiel nicht erzielbar war. Ist ein Punktabzug vorzunehmen, so wirkt sich dieser zwangsnotwendig auf den Punktspielbetrieb aus, auch wenn das Fehlverhalten aus einem Privatspiel resultiert.

Der Mannschaftsverantwortliche M hat entgegen der tatsächlichen Verhältnisse das nicht vorhandene Spielrecht der beiden fraglichen Spieler bestätigt. Das BSG hat auch hier zu Recht keinen leichten Fall angenommen. Der Revisionsführer verkennt diesbezüglich, dass es sich bei der Bestrafung mit einem dreimonatigen Funktionsverbot nicht um einen schweren Fall handelt, sondern eben um den Regelfall des § 77 Abs. 2 RVO. Der Verantwortliche des Revisionsführers wusste, dass für die Spieler kein Spielerpass vorlag. Dennoch wurden die Spieler von ihm eingesetzt. Der vorsätzliche Einsatz eines Spielers für den kein Spielerpass vorliegt, stellt in aller Regel keinen leichten Fall dar. Die Revision war daher zurückzuweisen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

 

Aktenzeichen: 00081-15/16-VSG
Sitzung vom: 10.05.2016
Besetzung: Beierlein, Lieb, Krause

Bezirksliga-Spiel Verein A gegen Verein B vom 24.04.2016

Berufung des Verein Agegen das Urteil des BSG vom 03.05.2016, Aktenzeichen: 00165-15/16-BSG.

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein A gegen das Urteil des BSG vom 03.05.2016 Aktenzeichen: 00165-15/16-BSG. wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50 trägt der Verein Verein A. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel am 24.04.2016 meldete der SR, dass der Spieler X (Verein A) in der 95. Minute im Mittelkreis dem ballführenden Gegner hinterherlief und diesem mit gestrecktem Fuß von hinten gegen die Füße trat, um den Gegner zu Fall zu bringen und einen möglichen Konter zu unterbinden. Der SR zeigte hierfür die rote Karte. Der Gefoulte musste nicht behandelt werden und konnte weiterspielen, der Freistoß hatte keine Wirkung.

Der Berufungsführer räumte in seiner Stellungnahme ein, dass sein Spieler viel zu spät kam und dem Gegner durch Tackling das Bein von hinten stellte.

Mit Urteil vom 03.05.2016 wurde der Spieler X vom BSG gemäß § 66 Abs. 1 RVO für drei Verbandsspiele wegen rohen Spiels gesperrt. Das Urteil wurde am 04.05.2016 über das BFV-Postfach dem Berufungsführer zugestellt.

Hiergegen legte der Berufungsführer am selben Tag über das BFV-Postfachsystem Berufung ein. Er führte aus, dass der Spieler dem Gegner lediglich ein Bein gestellt und diesen nicht rücksichtslos verletzt oder gefährdet hat. Das Vergehen sei als unsportliches Verhalten einzustufen und eine Sperrstrafe von einem Spiel ausreichend.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde frist- und formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Bei dem vom SR geschilderten Tackling, bei welchem Spieler X unstreitig seinen Gegenspieler von hinten attackierte, an den Füßen traf und diesen hierdurch zu Fall brachte, handelt es sich um ein rohes Spiel nach § 66 RVO. Der Einwand des Berufungsführers kann zu keiner anderen Betrachtung führen. Er räumt hierbei klar ein, dass das Foul von hinten an dem ballführenden Spieler begangen wurde. Allein die Begehungsweise von hinten, bei welcher der Gegenspieler den herannahenden Fuß nicht wahrnehmen und sich daher auch nicht auf das Foul einstellen kann, stellt ein hohes Verletzungspotential dar, weshalb die Beurteilung des BSG dieses Fouls als rohes Spiel aus Sicht des VSG zutreffend ist. Die hierfür verhängte Sperre von drei Spielen ist am unteren Ende des Strafrahmens und für das Vergehen tat- und schuldangemessen. Nach Auffassung des VSG ist die erkannte Strafe von drei Spielen somit nicht zu beanstanden. Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

Aktenzeichen: 00080-15/16-VSG
Sitzung vom: 19.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Frey, Krause, Lieb

Antrag auf Auslegung des § 44 Nr. 2 SpO (Wegfall der Wartefrist infolge sechsmonatigen Nichtspielens)

Urteil:

§ 44 Nr. 2. SpO ist dahingehend auszulegen, dass ein Amateurspieler oder Vertragsspieler nur dann sechs Monate nicht mehr gespielt hat, wenn er sechs Monate an keinem Spiel mehr teilgenommen hat, das zu den in § 12 SpO aufgeführten Spielen gezählt hat.

 Gründe:

Mit Antrag vom 29.03.2016 beantragte der Verbandsanwalt die verbindliche Auslegung des § 44 Nr. 2 SpO durch das Verbands-Sportgericht. Konkret wurden dabei die Fragen gestellt, welches Spiel als letztes Spiel herangezogen wird, das letzte Spiel mit gültigem Spielrecht oder das zuletzt tatsächlich gespielte Spiel.

1. Das Verbands-Sportgericht ist zuständig für die verbindliche Auslegung von Bestimmungen der Satzung und der Ordnungen des BFV, wenn der Verbandspräsident oder der Verbandsanwalt dies beantragen (§ 20 Abs. 2 RVO).

2. Die auszulegende Bestimmung § 44 Nr. 2 SpO lautet:

Die Wartefrist entfällt für Spieler aller Mannschaften in folgenden Fällen:
6 Monate inaktiv
2. Wenn Amateurspieler nachweislich sechs Monate nicht mehr gespielt haben.
Die Berechnung dieser Frist beginnt frühestens mit dem Ablauf einer Sperrstrafe. Dies gilt auch für Vertragsspieler mit der Maßgabe, dass die Frist mit dem Vertragsende, dessen einvernehmlicher Auflösung oder der wirksam gewordenen Kündigung zu laufen beginnt. Die entsprechenden Nachweise sind mit dem Antrag auf Erteilung der Spielerlaubnis einzureichen.

3. Die Auslegung ergibt das im Tenor genannte Ergebnis.

Grundsätzlich sind bei der Auslegung von Vorschriften der Satzung und der Rechtsordnungen eines Verbandes nur objektive Gesichtspunkte, wie z. B. Zweck und Sinnzusammenhang einzelner Bestimmungen - das objektiv als Ziel Erstrebte - zu berücksichtigen. Außerhalb der Satzung liegende Sachzusammenhänge dürfen unter Umständen berücksichtigt werden, wenn deren Kenntnis allgemein bei den Mitgliedern und Organen des Vereins vorausgesetzt werden kann. Nicht in Betracht zu ziehen sind dagegen Willensäußerungen und Interessen der Gründer, sonstige Vorgänge aus der Entstehungsgeschichte des Vereins oder subjektive Vorstellungen der Beteiligten und für die Allgemeinheit nicht übersehbare Erwägungen und Absichten (Sauter/Schweyer/Waldner, Der eingetragene Verein, 9. Auflage 2010, Rn. 36 unter Hinweis auf die BGH Rechtsprechung).

a) Ausgangspunkt der Auslegung muss daher stets der Wortlaut der Bestimmung sein, so wie er von einem verständigen Mitglied des Verbandes bzw. seiner Vereine unter Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs zu verstehen ist.

Der Wortlaut von Satz 1 der Bestimmung stellt bei Amateurspielern darauf ab, dass sie sechs Monate lang nicht mehr gespielt haben. Dabei unterscheidet der Wortlaut der Vorschrift nicht danach, ob ein Spieler berechtigt oder unberechtigt spielte oder ob sich die Spielberechtigung aus dem Stammspielrecht, einem Nebenspielrecht oder einem Zweitspielrecht herleitete. In Satz 2 wird der Beginn der Frist bei Sperrstrafen frühestens auf das Ende der Sperrstrafe gelegt. Eine Zwangspause infolge einer Sperrstrafe bleibt demnach bei der Berechnung der Frist außer Betracht.

Der Wortlaut stellt für den Fristbeginn beim Amateurspieler nicht darauf ab, ob und wann die Spielberechtigung erloschen ist.

Der Wortlaut des Fristbeginns zu Satz 3, der sich auf Vertragsspieler bezieht ist demgegenüber nicht eindeutig. Satz 1 soll mit der Maßgabe wirken, dass die Frist mit dem Vertragsende, dessen einvernehmlicher Auflösung oder der wirksam gewordenen Kündigung zu laufen beginnen soll. Ob es sich dabei um einen absoluten Fristbeginn handeln soll, der Satz 1 vorgeht oder ob es sich um den ggfs. verzögerten Fristbeginn entsprechend Satz 2 handeln soll, lässt sich dem Wortlaut nicht eindeutig entnehmen.

b) Die Auslegung nach dem Sinn und Zweck der Vorschrift stützt das im Tenor gefundene Ergebnis:

Der erkennbare Sinn und Zweck der Vorschrift ist eine Erleichterung der Rückkehr in den organisierten Spielbetrieb, wenn aus welchen Gründen auch immer (außer einer Sperre) das aktive Spielen in einer Mannschaft eines Vereins, der dem BFV angehört eingestellt wurde. Wer bereits sechs Monate nicht mehr gespielt hat, soll bei seiner Rückkehr zum Spielbetrieb nicht mit einer Wechselfrist belegt werden, auch wenn er bei einem anderen Verein weiterspielen will. Die Vorschrift ersetzt daher die Wartefristen, die sich sonst beim Vereinswechsel ergeben.

Aus diesem Sinn und Zweck der Vorschrift wird aber deutlich, dass diese Sechsmonatsfrist nur dann eingehalten wird, wenn an überhaupt keinem Spiel der Art teilgenommen wurde, wie sie in § 12 aufgeführt sind. Wenn sich der Spieler weiterhin am organisierten Spielbetrieb und sei es auch nur an Freundschaftsspielen beteiligt hat, liegt kein Entfernen vom Spielbetrieb vor, sondern bei einem Vereinswechsel sind die einzelnen Wartefristen zu beachten, die die SpO oder ggfs. andere Ordnungen vorsehen.

Es kann daher keinen Unterschied machen, ob der Spieler mit seinem Stammspielrecht, einem Zusatzspielrecht oder mit seinem Zweitspielrecht spielte, weil in jedem Falle eine Teilnahme am organisierten Fußball stattgefunden hat. Dabei ist wegen der Vorrangigkeit der speziellen Wechselvorschriften als organisierter Fußballsport nicht nur der Fußball innerhalb der Vereine des BFV zu verstehen, sondern innerhalb aller Verbände, die der FIFA nachgeordnet sind, jedenfalls soweit beim Wechsel zwischen solchen Verbänden Wechselfristen aufgrund der Bestimmungen zu beachten sind, die kraft Satzung für den BFV verbindlich sind.

Ebenfalls kann es keinen Unterschied machen, ob die Spielteilnahme berechtigt war oder nicht. Wenn also beispielsweise nach der Abmeldung und dem Erlöschen des Spielrechts noch an einem Spiel der in § 12 SpO aufgezählten Art teilgenommen wird, so zählt dieses Spiel auch dann als letztes Spiel, wenn die Teilnahme unzulässig erfolgt ist. Dies ergibt sich neben den vorstehenden Erwägungen, wonach es auf das endgültige Entfernen vom organisierten Spielbetrieb ankommt, auch und insbesondere daraus, dass ein berechtigt am Spiel teilnehmender Spieler nicht schlechter gestellt werden kann, als ein unzulässig spielender Spieler.

c) Schließlich stützt auch die systematische Auslegung das gefundene Ergebnis. Beim Vereinswechsel sind unterschiedliche Regelungen und Wartefristen zu beachten, der Vereinswechsel soll generell nur in bestimmten Zeiträumen stattfinden, Die Erteilung einer Spielerlaubnis hängt u.U. von Mitteilungen anderer Verbände ab. Der Wegfall der Wartefrist durch den Ablauf von sechs Monaten stellt zu diesen Wartefristen einen Ausnahmefall dar. Der Regelfall sind die Vorschriften, die die Wechselzeiträume, Wechselfristen und sonstigen Regularien des Vereinswechsels regeln. Eine Ausnahmevorschrift ist jedoch stets eng auszulegen und hat im Zweifel bei einer ungewollten Kollision mit der Regelvorschrift hinter diese zurückzutreten. Dies wird im vorliegenden Fall nochmals dadurch bestärkt, dass bei einer Sperrstrafe, die Zeitdauer der Sperre den Beginn der Wartefrist hemmt. Deshalb kann es auch nicht entscheidungserheblich sein, auf welchem Spielrecht das letzte Spiel erfolgt, weil alle Spielrechte Auswirkungen auf die Berechnung der Wechselfristen haben.

d) Berücksichtigt man vorstehende Erwägungen ergibt sich daraus, dass auch beim Vertragsspieler das letzte Spiel entscheidend ist und die Frist nur solange gehemmt ist, als er noch einen gültigen Vertrag besitzt. Der sich demnach ergebende Unterschied zum Spielrecht des Amateurspielers ist dadurch gerechtfertigt, dass der Vertragsspieler bis zum Ende seines Vertrags einen Anspruch auf eine Gegenleistung durch den Verein besitzt. Da er für die theoretische Möglichkeit zu spielen eine Gegenleistung erhält, die ihre Grundlage im organisierten Spielbetrieb hat, nimmt er solange der Vertrag läuft am Spielbetrieb auch dann teil, wenn er nicht bei einzelnen Spielen eingesetzt wird.

 

 

Aktenzeichen: 00079-15/16-VSG
Sitzung vom: 19.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Herren-Privatspiel Verein X - Verein Y vom 05.03.2016
Berufung Verein X gegen das Urteil des SG vom 01.04.2016

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein X gegen das Urteil des SG vom 01.04.2016,  wird zurückgewiesen.

II. Die Berufungsgebühr in Höhe von € 203,00 und die weiteren Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € trägt der Verein X. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 Gründe:

 

1. Im Herren-Privatspiel Verein X - Verein Y wurde der Spieler A eingesetzt, ohne dass hierfür ein gültiger Spielerpass oder ein sonstiger Spielberechtigungsnachweis rechtzeitig vorgelegt wurde. Dieser Sachverhalt war Gegenstand der weiteren Entscheidung des SG. In dieser Entscheidung wurde Verein X u. a. mit Punktabzug wegen unzulässigem Spielereinsatz belegt. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde durch die anderweitige Entscheidung des VSG vom 30.03.16, Az.: 00066-15/16-VSG zurückgewiesen. Für diesen unzulässigen Einsatz war der nunmehr im hiesigen Verfahren Betroffene Z verantwortlich. Der leitende SR M teilte in seiner Meldung mit, dass Herr K bestätigte, dass der Spieler A Spielrecht habe. Das SG hat ein entsprechendes Verfahren eingeleitet und mit Verfügung vom 16.03./17.03.2016 für den Fall der Verurteilung eine Funktionssperre gegen den Betroffenen für den Zeitraum vom 01.04. - 30.06.2016 angekündigt. Der Betroffene hat sich zunächst dahingehend eingelassen, dass er dem SR nur bestätigt habe, dass der Pass in den nächsten Tagen vorliegen werde. Hieraufhin habe ihm der SR mitgeteilt, dass er nichts dagegen habe, dass der Spieler spiele und dass er eine Meldung machen müsse. Er habe darüber hinaus darauf hingewiesen, dass der Pass innerhalb von 10 Tagen vorgelegt werden müsse.

In seiner ergänzenden Stellungnahme, die dem Betroffenen zugeleitet wurde, hat der SR M noch einmal darauf hingewiesen, dass der Betroffene Z dem SR bestätigt hat, dass der Spieler ein Spielrecht habe und dieser eingesetzt werden soll.

Das SG hat Herrn Z als Verantwortlichen gemäß § 77 II RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einer dreimonatigen Funktionssperre vom 01.04. - 30.06.2016 belegt. Hiergegen hat Verein X Berufung eingelegt und u. a. hier auch eingeräumt, dass der Spieler A keine Spielberechtigung hatte und dies sei auch dem Verantwortlichen mitgeteilt worden. Für den Fall, dass der SR dem Einsatz des Spielers nicht zugestimmt hätte, so hätte Verein X auf dessen Einsatz auch verzichtet. Weiterhin wird u. a. angeführt, dass Herr Z weder betrügerisch, noch willkürlich gehandelt habe.

Im Übrigen wird auf den entsprechenden Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet.

Die Berufung konnte durch den Verein Verein X für den hier Betroffenen eingelegt werden.

Bei dem Einsatz des Spielers A handelte es sich um einen unzulässigen Spielereinsatz. Hier wird auf die vorangegangene Entscheidung des VSG vom 30.03.2016, Az.: 00066-15/16-VSG i.V.m. der Entscheidung des SG vom 16.03.2016, verwiesen.

Das VSG ist aufgrund der Stellungnahme des SR davon überzeugt, dass der Betroffene Zdem SR erklärte, dass der Spieler A Spielrecht hat. Die Ausführungen des Betroffenen dazu, dass der SR den Spieler nicht ohne Nachweis hätte am Spiel teilnehmen lassen dürfen, gehen ins Leere. Der SR hat auf die bestehende Problematik hingewiesen. Der Betroffene hat den Spieler dennoch eingesetzt. Es war dem SR verwehrt, dem Spieler den Zugang zum Spiel zu verweigern. Der SR hat darauf hingewiesen, dass für den Einsatz mit einer Meldung zu rechnen ist. Dem SR ist aus Sicht des VSG kein Fehlverhalten anzulasten.

Es liegt allein in der Verantwortung des Vereins und für den Fall des Einsatzes im Bereich des hierfür Verantwortlichen, die Spielberechtigung zu prüfen und nur spielberechtigte Spieler einzusetzen.

Liegt ein solches Spielrecht entgegen den Angaben nicht vor und wird ein Spieler eingesetzt, sind die Voraussetzungen des § 77 II RVO gegeben.

Unstreitig hat Herr Z den Einsatz zu verantworten. Dabei wurde bereits zugunsten des Betroffenen berücksichtigt, dass die gesamte Vorstandschaft und u. a. auch Herr Z neu bei Verein X die Tätigkeit übernommen haben. Herrn Z kann es dabei nicht entlasten, dass er bei der Wintertagung in Friesen, bei der die Problematik besprochen wurde, nicht anwesend war. Deswegen wurde insgesamt auch nur die Mindestsperrfrist trotz einer entsprechenden einschlägigen Verurteilung in der laufenden Saison verhängt.

Ein leichter Fall ist im vorliegenden Fall auch aus Sicht des VSG nicht zu erkennen. Im Übrigen wird Bezug genommen auf die zutreffenden Ausführungen des SG in der angefochtenen Entscheidung.

Die Berufung war daher zurückzuweisen.

4. Die Kosten des Verfahrens trägt der Berufungsführer gemäß §§ 32, 33 RVO.

 

 

 

Aktenzeichen: 00078-15/16-VSG
Sitzung vom: 19.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Berufung des SV Wacker Burghausen gegen das Urteil des SG Bayern vom 23.03.2016, Aktenzeichen: 00557-15/16-SG Bayern

 Urteil:

I. Die Berufung des SV Wacker Burghausen gegen das Urteil des SG Bayern vom 23.03.2016, Aktenzeichen: 00557-15/16-SG Bayern wird zurückgewiesen.

II. Der SV Wacker Burghausen trägt die Kosten des

Gründe:

1. Das U17-Landesligaspiel Y gegen X  war laut SpielPlus auf den 13.03.2016 angesetzt. Am 12.03.2016 um 07:03 Uhr teilte der X dem zuständigen Spielleiter per email mit, dass es wegen zahlreicher Erkrankungen und Verletzungen nicht möglich ist das betreffende Spiel durchzuführen. Der Spielleiter erstatte daher am 14.03.2016 Anzeige wegen Nichtantretens. In dem hierauf vom SG Bayern eingeleiteten Verfahren gab der X an, dass am Spieltag neun Spieler aus verschiedenen Gründen nicht einsatzfähig waren und legte ärztliche Atteste, eine schulische Bestätigung sowie ein Nachweis über die Teilnahme eines Spielers an einem Verbandslehrgang vor und verwies auf eine Einsatzliste der verhinderten Spieler.

Mit Urteil vom 23.03.2016 wurde der Verein X vom SG Bayern gemäß § 78 Abs. 1 RVO mit einer Geldstrafe von 30 € belegt sowie eine 2 : 0 Spielwertung zugunsten der Y und zulasten des X vorgenommen. Das Urteil wurde am selben Tag über das BFV-Postfach dem Berufungsführer zugestellt.

Hiergegen legte der Verein X am 29.03.2016 über das BFV-Postfach Berufung ein. Er führte unter anderem aus, dass die Nichtberücksichtigung einer Spielerabstellung wegen einer BFV-Maßnahme einer Verzerrung des Wettbewerbs gleichkäme.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Die vom SG Bayern vorgenommene Überprüfung der bisherigen Einsätze der verhinderten Spieler und Einbeziehung dieses Ergebnisses ist nicht zu beanstanden. Soweit der Berufungsführer in der Berufung einen Wettbewerbsnachteil wegen des zu einer Lehrgangsmaßnahme abgestellten Spielers sieht, muss entgegengehalten werden, dass der Berufungsführer selbst es versäumt hat einen entsprechenden Antrag fristgerecht zu stellen. Gemäß § 15 Abs. 4 JO entscheidet bei Abstellung eines Spielers zu Auswahlmannschaften auf Antrag des betroffenen Vereins der Spielleiter über die Absetzung des Spiels. Der Antrag ist spätestens 5 Tage vor dem abzusetzenden Spiel oder unverzüglich nach Erhalt der Anforderung bei dem zuständigen Spielleiter einzureichen. In der Spielabsage per email vom 12.03.2016 wurde seitens des Berufungsführers überhaupt nicht auf den abgestellten Spieler Bezug genommen, sondern lediglich als Grund die zahlreichen Grippeerkrankungen und Verletzungen angeführt. Erstmals im Sportgerichtsverfahren wurde ergänzend auf die Minimierung des Kaders wegen eines einzigen Spielers bei einem BFV-Lehrgang hingewiesen. Nach eigener Einlassung des Berufungsführers teilte der betreffende Spieler dies bereits am 06.03.2016 dem Verein mit. Eine fristgerechte Antragstellung gemäß § 15 Abs. 4 Satz 2 JO, welche somit möglich gewesen wäre, unterblieb allerdings. Die vom Spielleiter zu treffenden Entscheidung über die Absetzung des Spiels ist im Rahmen seines Ermessens wohl nicht zu beanstanden und in hiesigem Verfahren auch nicht zu überprüfen. Der Berufungsführer hätte diese Entscheidung im Verwaltungsweg anfechten können, jedoch unterblieb auch dies. Ein Verschulden des Berufungsführers an dem Spielausfall ist mithin gegeben. Die hierfür ausgesprochene Strafe von 30 € ist im Hinblick auf die Spielklasse im unteren Bereich und nach Auffassung des VSG nicht zu beanstanden; die Spielwertung nach § 29 SpO ist bei einem verschuldeten Nichtantreten zwingend vorzunehmen.

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 II. Nrn. 6 c) und 7 c) FO und § 2 I. Nr. 6 c) und 7 c) Anlage FO.

 

 

Aktenzeichen: 00077-15/16-VSG
Sitzung vom 19.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Frey

Berufung der SpVgg X gegen das Urteil des BSG vom 01.03.2016, Az.: 00240-15/16-BSG  

Urteil:

 I. Auf die Berufung der SpVgg X wird das Urteil des BSG vom 01.03.16 aufgehoben.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der BFV.

 

Gründe:

 1. Beim Freundschaftsspiel des TSV Y gegen SpVgg X teilte der amtierende Schiedsrichter unter der Rubrik "sonstige Vorkommnisse" mit, dass der Gastspieler A keinen Spielerpass vorlegen konnte, es wurde nur der Personalausweis vorgelegt. Der Mannschaftsverantwortliche hat die Identität und das Spielrecht des Spielers bestätigt.

2. Mit Schreiben vom 13.02.16 leitete das BSG gegen den Verein ein Verfahren nach § 79 RVO ein. Nachdem der Pass nicht innerhalb der gesetzten Frist eingegangen ist, leitete das BSG mit Schreiben vom 19.02.16 ein Verfahren nach § 77 RVO gegen den Mannschaftsverantwortlichen ein.

3. Eine Stellungnahme des Vereins ist nicht erfolgt.

4. Mit Urteil vom 01.03.16 wurde der Verantwortliche der SpVgg X nach § 77 II RVO mit einer Geldstrafe von 50,00 € belegt und ihm auch die Kosten für dieses Verfahren auferlegt.

5. Mit Schreiben vom 02.03.16 legte der Verein über das Postfach Zimbra Berufung ein.

6. Das VSG ist gemäß § 20 I RVO zuständig, die Berufung ist zulässig und auch in vollem Umfang begründet.

Im Rahmen der Überprüfung dieses Urteils wurde festgestellt, dass auch das KSG, das für diesen Fall zuständig war, per 23.02.16 unter dem Aktenzeichen 00678-15/16 ein Urteil gefällt hat.

Im Rahmen des Verfahrens vor dem KSG hat der Mannschaftsverantwortliche fristgemäß den Pass des Spielers eingereicht, sodass eine Bestrafung mangels Verschulden nicht erfolgen konnte.

Auf die Berufung war deshalb das Urteil des BSG aufzuheben, da zum einen ein Verschulden des Mannschaftsverantwortlichen nicht mehr gegeben war und auch das BSG als unzuständiges Gericht geurteilt hat.

7. Die Kostenfolge ergibt sich aus dem Gesetz.

 

 

 

Aktenzeichen: 00076-15/16-VSG
Sitzung vom 19.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Frey

Berufung der SpVgg Y gegen das Urteil des BSG vom 01.03.2016, Az.: 00239-15/16-BSG

 

Urteil

I. Auf die Berufung der SpVgg Y wird das Urteil des BSG vom 01.03.16 aufgehoben.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der BFV.

Gründe :

1. Beim Freundschaftsspiel des TSV X gegen SpVgg Y teilte der amtierende Schiedsrichter unter der Rubrik "sonstige Vorkommnisse" mit, dass der Gastspieler A keinen Spielerpass vorlegen konnte, es wurde nur der Personalausweis vorgelegt. Der Mannschaftsverantwortliche hat die Identität und das Spielrecht des Spielers bestätigt.

2. Mit Schreiben vom 13.02.16 leitete das BSG gegen den Verein ein Verfahren nach § 79 RVO ein. Nachdem der Pass nicht innerhalb der gesetzten Frist eingegangen ist, leitete das BSG  mit Schreiben vom 19.02.16 ein Verfahren nach § 77 RVO gegen den Verein ein.

3. Eine Stellungnahme des Vereins ist nicht erfolgt.

4. Mit Urteil vom 01.03.16 wurde der Verein nach § 77 RVO mit einer Geldstrafe von 100,00 € belegt und ihm auch die Kosten für dieses Verfahren auferlegt.

5. Mit Schreiben vom 02.03.16 legte der Verein über das Postfach Zimbra Berufung ein.

6. Das VSG ist gemäß § 20 I RVO zuständig, die Berufung ist zulässig und auch in vollem Umfang begründet.

Im Rahmen der Überprüfung dieses Urteils wurde festgestellt, dass auch das KSG, das für diesen Fall zuständig war, per 23.02.16 unter dem Aktenzeichen 00678-15/16 ein Urteil gefällt hat.

Das KSG hat damals die SpVgg Y gemäß § 79 RVO wegen Nichtvorlage eines Spielerpasses mit einer Geldstrafe von 35,00 € belegt und auch die Kosten des dortigen Verfahrens der SpVgg X auferlegt.

Auf die Berufung war das Urteil des BSG aufzuheben, da es sich um das unzuständige Gericht gehandelt hat. Wie sich aus den beigezogenen Akten des KSG ergibt, hat der Verein dort fristgemäß den Spielerpass nachgereicht, sodass aufgrund des richtigen, rechtskräftigen Urteils des KSG das streitgegenständliche Urteil des BSG mit der gesetzlichen Kostenfolge aufzuheben war.

 

 

Aktenzeichen: 00075-15/16-VSG
Sitzung vom: 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Landesliga-Spiel TSV X - FC Y vom 05.03.2016
Berufung TSV X gegen das Urteil des Sportgerichts vom 23.03.2016

Urteil:

1. Die Berufung des TSV X gegen das Urteil des Sportgerichts vom 23.03.2016 wird zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 203,00 € trägt der TSV X. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 

Gründe:

1. Beim Landesliga-Spiel TSV X - FC Y am 23.03.2016 dribbelte ein Spieler des FC Y in der 58. Minuten beim Spielstand von 6:0 in hohem Tempo mit dem Ball am Fuß Richtung X-er Tor. Der betroffene Spieler N. N. kam ihm dabei frontal entgegengelaufen. Als die Spieler 1 - 2 m voneinander entfernt waren, traf der betroffene Spieler N. seinen Gegenspieler mit offener Sohle voraus und voller Wucht diesen am linken Bein im Bereich des Knies. Der gefoulte Spieler musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Das Sportgericht hat nach Strafantrag des Verbandsanwalts mit Einzelrichterentscheidung vom 16.03.2016 den Spieler N. N. gemäß § 66 I RVO wegen rohen Spiels für u. a. 5 Verbandsspiele gesperrt. Hiergegen hat der TSV X form- und fristgerecht Einspruch eingelegt. Das Sportgericht hat daraufhin in der nunmehr angegriffenen Entscheidung vom 23.03.2016 den Einspruch als unbegründet zurückgewiesen. Hiergegen hat der TSV X mit Schreiben vom 30.03.2016 Berufung eingelegt und diese gleichzeitig begründet. Der Berufungsführer stützt sich dabei im Wesentlichen darauf, dass der Tatbestand des § 66 RVO nicht erfüllt sei, da sich der Spieler im Zweikampf um den Ball sah und deswegen eine reelle Chance hatte, den Ball zu gewinnen. Eine Rücksichtslosigkeit liege darüber hinaus nicht vor. Es wird eingeräumt, dass er den Gegenspieler getroffen habe, wobei darauf hingewiesen wird, dass der Ball auf Kunstrasen eine andere Sprungeigenschaft aufweise als auf Naturrasen. Der Berufungsführer räumt ein, dass der Betroffene Spieler seinen Gegenspieler am Schienbein unterhalb des Knies mit einem Multinoppenschuh getroffen habe. Des Weiteren wird u. a. eingewandt, dass die Vorstrafen des Spielers aus den Spielzeiten 2014/2015 und 2015/2016 wegen Tätlichkeit erfolgt sind und deswegen nicht strafschärfend berücksichtigt werden dürfen.

Im Übrigen wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet.

Das Erstgericht ging zutreffend davon aus, dass der Spieler N. ein Vergehen des rohen Spiels gemäß § 66 II RVO -roh spielt, wer rücksichtslos im Kampf um den Ball den Gegner verletzt oder gefährdet - begangen hat.

Es steht zur Überzeugung des VSG fest, dass der Spieler N. seinem Gegenspieler, der mit hohem Tempo auf ihn zulief, entgegenkam und ihn dabei mit voller Wucht am linken Bein traf. Dabei kann zugunsten des Betroffenen davon ausgegangen werden, dass er ihn im Bereich des Schienbeins/Knies traf.

Wer aber den Gegenspieler, der ihm entgegenkommt, mit großer Wucht in diesem Bereich weit über dem Boden trifft, ohne den Ball zu spielen, begeht ein rohes Spiel. Dabei kann weiterhin zugunsten des Betroffenen davon ausgegangen werden, dass er letztlich noch eine Chance hatte, den Ball zu spielen. Geschieht dies aber nicht und trifft der Spieler den Gegenspieler, der auf ihn zuläuft, im Bereich des Schienbeins/Knies, begeht ein rohes Spiel. Insoweit ist dem Erstgericht in vollem Umfang zuzustimmen.

Dabei ist im Weiteren davon auszugehen, dass dies entsprechend den weiteren Feststellungen und unstreitig mit offener Sohle geschah. Nachdem der Betroffene mit offener Sohle gegen den Gegenspieler vorging, nahm er in jedem Fall eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf. Dabei ist es unbeachtlich, dass der SR zunächst berichtete, dass dies mit den Stollen voraus geschah. Dies wertet das VSG als umgangssprachlich. Im Ergebnis ist mit dem Stollen voraus nichts anderes als mit offener Sohle. Es ist im Wesentlichen nicht anders zu bewerten, wenn der Spieler mit offener Sohle oder mit den Stollen voraus den Gegenspieler tritt und diesen trifft.

Danach steht ein rohes Spiel im vorliegenden Fall fest.

Auch hinsichtlich des Strafmaßes ist die Entscheidung des Erstgerichts nicht zu beanstanden.

Unstreitig hat sich der Gegenspieler bei dem Vorgang verletzt. Er musste behandelt und infolge dieses Vorgangs auch ausgewechselt werden.

Dabei ist es zunächst unbeachtlich, dass der Gegenspieler beim nächsten Spiel wieder spielte. Im vorliegenden Fall war der Gegenspieler in jedem Fall verletzt. Im Übrigen würde auch eine reine Gefährdung bereits ausreichen.

Im Weiteren sind entgegen der Ansicht des Berufungsführers auch die vorangegangenen Verurteilungen wegen Tätlichkeit zu berücksichtigen.

Auch eine Verurteilung wegen Tätlichkeit hat grundsätzlich dieselbe Zielrichtung, nämlich der Vorgang gegen den Gegner. Deswegen sind auch diese Verurteilungen strafschärfend zu berücksichtigen.

Im Übrigen hat ein Spieler, der auf Kunstrasen spielt, seine Spielweise entsprechend einzurichten.

Unter Berücksichtigung aller für und gegen den Betroffenen sprechenden Tatumstände war daher die Verhängung von insgesamt 5 Spielen Sperre tat- und schuldangemessen.

Eine Verhängung der Mindestsperre kann im vorliegenden Fall in keinster Weise in Betracht kommen. Bei dem festgestellten Tatgeschehen liegt bei einem Schlag in Höhe knapp unterhalb des Kniegelenks mit einer erheblichen Verletzungsfolge eine einfachste Fahrlässigkeit nicht vor.

Soweit ersichtlich, konnte in den umfangreichen Ausführungen des Berufungsführers kein irgendwie geartetes Bedauern festgestellt werden.

Die Berufung war daher zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO.

 

 

Aktenzeichen: 00074-15/16-VSG
Sitzung vom: 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Bezirks-FS-Spiel TSV Y - TSV X vom 13.03.2016
Berufung TSV X gegen das Urteil des BSG vom 22.03.2016

Urteil:

1. Die Berufung des TSV X gegen das Urteil des BSG vom 22.03.2016 wird zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt der TSV X. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Bezirks-FS-Spiel TSV Y - TSV X am 13.03.2016 wurde der Spieler N. N. (TSV X) gemäß § 68 I RVO wegen unsportlichem Verhalten gegenüber dem SR/SR-Assistenten vom 26.03.2016 mit einschl. 15.04.2016 gesperrt. Aufgrund der Meldung des SR erhielt der betroffene Spieler N. beim Spielstand von 2:0 für Ebersberg in der 39. Minute eine Verwarnung wegen Unsportlichkeit. In der 43. Minute beging dieser ein weiteres verwarnungswürdiges Foul, wobei er von hinten kommend seitlich in den Gegenspieler hineingrätschte. Den Ball berührte er dabei leicht, traf aber den Fuß des Gegenspielers. Daraufhin erhielt er die gelb-rote Karte. Der betroffene Spieler wollte die Entscheidung des SR nicht akzeptieren und protestierte hierzu lautstark. Der SR musste, obwohl er rückwärtsging, den Spieler mit ausgestreckter Hand auf Abstand halten. Einige Mitspieler versuchten ihn zurückzuhalten und diesen zu veranlassen, das Spielfeld zu verlassen. Er wandte sich dann ab und schrie, bevor er sich komplett abgewandt hatte, "amina koyin" in Richtung des SR.

Aufgrund dieses Vorgangs wurde der Betroffene nach Anhörung wegen Schiedsrichterbeleidigung gemäß § 68 RVO mit einer Sperrstrafe vom 22.03. - 15.04.2016 belegt.

Hiergegen hat der Verein mit Schreiben vom 24.03.2016 Berufung eingelegt und diese im Wesentlichen damit begründet, dass dieser Ausspruch nicht vom Betroffenen getätigt wurde und darüber hinaus keine Beleidigung darstellte. Es handle sich nur um einen Unmutsausdruck. Des Weiteren kann eine Übersetzung weder gefunden, noch durch türkische Mitspieler bestätigt werden.

Im Weiteren wurde ein entsprechender Antrag auf Aussetzung der Sperrstrafe gestellt, welchen das VSG mit Entscheidung vom 24.03.2016, Az.: 00063-15/16-VSG zurückgewiesen hat.

Das VSG hat den SR-Assistenten telefonisch gehört, der bestätigte, dass der Ausspruch eindeutig dem betroffenen Spieler zuzurechnen ist. Auch hierzu hatte der Berufungsführer Gelegenheit zur Stellungnahme.

Telefonisch wurde dem Abteilungsleiter des Berufungsführers mitgeteilt, dass es sich nach den dem VSG vorliegenden Unterlagen um eine heftige Beleidigung handelt, die jederzeit durch ein Übersetzungsprogramm belegt werden kann. Der Abteilungsleiter ließ sich im Telefonat daraufhin ein, dass, falls dies nicht zutreffe, er kurzfristig nochmals Stellung nehmen werde. Dies ist nicht erfolgt.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet.

Zur Überzeugung des VSG steht fest, dass der Betroffene den SR/SR-Assistenten mit den Worten "amina koyin" belegt hat. Hierbei handelt es sich um ein gravierendes, erheblich herabwürdigendes Schimpfwort, welches ins Deutsche übersetzt in etwa lautet: "Ich f**** deine Mutter/deine Frau/deine Freundin etc."

Die Beleidigung ist eindeutig dem Betroffenen zuzurechnen. Dies wurde durch den SR-Assistenten ausdrücklich bestätigt. Es handelt sich um eine erhebliche Beleidigung.

Der Betroffene leugnete die Tat. Eine Entschuldigung konnte nicht festgestellt werden. Darüber hinaus wollte der Berufungsführer darlegen, dass ein solches Schimpfwort im Türkischen überhaupt nicht gäbe. Dies ist unrichtig. Es ist allgemein bekannt, dass es sich bei diesem Ausspruch um eine ganz massive Beleidigung handelt.

Unter Berücksichtigung aller zugunsten und zu Lasten des Betroffenen sprechenden Umstände ist die Verhängung der ausgesprochenen Sperrstrafe nicht zu beanstanden und liegt nach Ansicht des VSG im absolut untersten Bereich.

Die Berufung war daher zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO.

 

Aktenzeichen: 00073-15/16-VSG
Sitzung vom: 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Frey

Kreis-FS-Spiel X gegen Y vom 31.01.2016, Spielnummer: Z
Berufung Y n gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016, Az.: 00251-15/16-BSG.

Urteil:

I. Auf die Berufung des Verein Y wird das Urteil des BSG vom 08.03.2016, Az.: 00251-15/16-BSG . dahingehend abgeändert, dass der Spieler H vom 14.03.2016 bis einschließlich 10.04.2016 gesperrt ist.

II. Die Kosten der ersten Instanz trägt der Verein Y. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 101,50 € sowie die Kosten des Verfahrens der zweiten Instanz trägt zu 3/4 derVerein Y und zu 1/4 der BFV. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Am 31.01.16 fand in A ein privates Hallenturnier statt. Der amtierende Schiedsrichter hat eine Sondermeldung zu besonderen Vorkommnissen abgegeben, die dortigen verurteilten Spieler sind jedoch nicht Gegenstand dieses Verfahrens.

Im Rahmen dieses Verfahrens hat der Verein X am 14.02.16 eine Stellungnahme abgegeben und darin mitgeteilt, dass der Spieler mit der Nummer 15, H, nach einem an ihm begangenen Foulspiel seine rechte Hand zu einer Faust geballt hat, auf den Gegenspieler zugegangen ist und versucht hatte, ihm einen Schlag zu verpassen. Diesen versuchten Schlag in das Gesicht des Gegenspielers konnte der anwesende Vorstand gerade noch abblocken, sodass nichts Schlimmeres passiert ist.

2. Daraufhin hat das BSG . mit Schreiben vom 18.02.16 gegen den Spieler H ein Verfahren nach § 67 RVO eingeleitet. Der Verein Y  gab daraufhin eine schriftliche Stellungnahme ab und teilte mit, dass der genannte Spieler vor der Ersatzbank von Verein X brutal gefoult wurde und draufhin die Ersatzspieler von Ethnikos aufgesprungen sind und den Spieler H mit einem Faustschlag attackiert und am Hinterkopf getroffen haben. Daraufhin sei es zu einer Rudelbildung gekommen, an der fast alle Spieler beider Mannschaften beteiligt waren.

In einem weiteren Schreiben vom 23.02.16 wurden die Anschuldigungen des Vereins X zurückgewiesen und vorgetragen, dass vielmehr der Vorstand und ein weiterer Spieler diejenigen waren, die versucht haben, den Spieler H mit einem Faustschlag zuerst zu treffen. Der Spieler habe sich nur gewehrt.

3. Aufgrund der von beiden Vereinen vorliegenden Stellungnahmen hat das BSG . mit Urteil vom 08.03.16 den Spieler H nach § 67 II RVO von 14.03.16 bis einschließlich 17.04.16 gesperrt und in den Gründen daraufhin hingewiesen, dass die Stellungnahme nicht entlasten konnte und das Sportgericht den Einlassungen von Verein X folgt, soweit ihnen gefolgt werden konnte. Das BSG . war davon überzeugt, dass zumindest seitens des Spielers der Versuch eines Faustschlages vorlag.

4. Mit Schreiben vom 10.03.16 hat der Verein Y gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der Begründung wird nochmals vorgetragen, dass der Spieler eigentlich Opfer statt Täter gewesen sei und der Spieler zu keiner Zeit handgreiflich geworden ist.

5. Das VSG ist gemäß § 20 I RVO zuständig. Die Berufung ist zulässig und erweist sich im tenorierten Umfang als begründet.

Das VSG kam zur Überzeugung, dies nach Auswertung aller vorliegenden Stellungnahmen, dass der Spieler H an der Auseinandersetzung beteiligt war und ihm ein versuchtes Schlagen vorzuwerfen ist. Der Verein Y  hat den detailliert vorgetragenen Sachverhalt aus der Anzeige vom 14.02.2016 nur pauschal (unsubstantiiert) bestritten. Die Schilderung ist ohne Belastungseifer und räumt in unmittelbaren Zusammenhang ein eigenes Fehlverhalten des Herrn Dromouzis ein, was die Glaubhaftigkeit der Stellungnahme untermauert. Das VSG geht deshalb wie das BSG Oberbayern davon aus, dass der angenommene Straftatbestand gegeben ist.

Zugunsten des Spielers musste jedoch berücksichtigt werden, dass der Versuch einer Tätlichkeit nach vorhergegangenen sportwidrigen Verhalten (Foulspiel) stattfand, sodass das VSG zur Überzeugung kam, entsprechend § 67 Abs. 2 RVO die Strafe im tenorierten Umfang zu reduzieren.

6. Unter Berücksichtigung des teilweisen Obsiegens sind die Kosten gemäß §§ 32, 33 RVO zu ¾ vom Berufungsführer und zu ¼ vom BFV zu tragen.

 

Aktenzeichen: 00072-15/16-VSG
Sitzung vom 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Berufung des Verein X gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016, Az.: 00248-15/16-BSG.

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein X wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 101,50 € sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € trägt der Verein X.

Gründe:

1. Am 31.01.16 fand in A ein privates Hallenturnier statt. Der amtierende Schiedsrichter hat eine Sondermeldung zu besonderen Vorkommnissen abgegeben, die dortigen verurteilten Spieler sind jedoch nicht Gegenstand dieses Verfahrens.

Im Rahmen des Verfahrens hat der Verein Y am 23.02.16 eine Stellungnahme abgegeben und darin mitgeteilt, dass der Spieler H, Verein X nach dem Spiel bei den Tumulten auf dem Spielfeld versucht hat den Spieler I, Verein Y mit der Faust zu schlagen.

2. Mit Schreiben vom 27.02.2016 hat das zuständige BSG ein Verfahren gegen den Spieler H, Verein X, nach § 67 II RVO wegen versuchter Tätlichkeit eingeleitet und dem Verein Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb von fünf Tagen gegeben.

3. Das BSG hat den Spieler  H, Verein X, mit Urteil vom 08.03.16 gem. § 67 II RVO von 14.03.16 bis einschließlich 17.04.16 gesperrt und mit einer Geldstrafe von Euro 150,- belegt.

4. Mit Schreiben vom 13.03.16 hat der Verein X gegen das Urteil Berufung eingelegt.

In der Begründung wird angegeben, dass gegen den Spieler I weder eine Meldung des Schiedsrichters noch des Vereines Y vorliegt, ferner war die Frist zur Stellungnahme vom Bezirkssportgericht so kurz bemessen, dass der Verein hierzu keine Stellungnahme abgeben konnte.

5. Die Berufung ist zulässig, sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs. 3 RVO eingelegt.

Das VSG ist gemäß § 20 I Lit. d RVO zuständig.

Die Berufung ist allerdings nicht begründet. Nach der unwidersprochenen Meldung des SV Istiklal München vom 23.02.2016 hat auch der Spieler I nach Spielende versucht den gegnerischen Spieler H mit der Faust zu schlagen.

Dieser Sachverhalt steht zur Überzeugung des VSG fest.

Der Verein Y hat den Vorfall ohne jeglichen Belastungseifer in seiner Stellungnahme gemeldet.

Die vom Bezirksportgericht verhängte Strafe von fünf Wochen und einer Geldstrafe von Euro 150,-- sieht auch das Verbandssportgericht als angemessen, aber auch ausreichend für das gemeldete Tätlichkeit nach § 67 II RVO an.
Soweit der Berufungsführer anführt, dass die im Schreiben vom 27.02.2016 gesetzte Frist von fünf Tagen zu kurz bemessen ist, kann dem nicht gefolgt werden. Dem Verein ist zuzumuten, dass er innerhalb dieser Frist auf das Schreiben des Sportgerichts reagiert und ggf. eine Fristverlängerung beantragt.

Da somit das Strafmaß der 1. Instanz insgesamt nicht zu beanstanden ist, wird die Berufung kostenpflichtig zurückgewiesen.

6. Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 32, 33 RVO i. V. m. § 11 Ziffer I Nr. 8b) und 13 d) FO i. V. m. § 2 I. Nrn. 8b) und 13 d) Anlage zur FO.

 Aktenzeichen: 00071-15/16-VSG
Sitzung vom 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Berufung des Verein X gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016, Az.: 00247-15/16-BSG Obb.

 Urteil:

I. Die Berufung des Verein X wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 101,50 € sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € trägt der Verein X.

Gründe:

1. Am 31.01.16 fand in A ein privates Hallenturnier statt. Der amtierende Schiedsrichter hat eine Sondermeldung zu besonderen Vorkommnissen abgegeben, die dortigen verurteilten Spieler sind jedoch nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
Im Rahmen des Verfahrens hat der Verein Y  am 23.02.16 eine Stellungnahme abgegeben und darin mitgeteilt, dass der Spieler H, Verein X nach dem Spiel bei den Tumulten auf dem Spielfeld versucht hat den Spieler I, Verein Y mit der Faust zu schlagen.

2. Mit Schreiben vom 27.02.2016 hat das zuständige BSG ein Verfahren gegen den Spieler H, Verein X, nach § 67 II RVO wegen versuchter Tätlichkeit eingeleitet und dem Verein Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb von fünf Tagen gegeben.

3. Das BSG hat den Spieler H, Verein X, mit Urteil vom 08.03.16 gem. § 67 II RVO von 14.03.16 bis einschließlich 17.04.16 gesperrt und mit einer Geldstrafe von Euro 150,- belegt.

4. Mit Schreiben vom 13.03.16 hat der Verein X gegen das Urteil Berufung eingelegt.
In der Begründung wird angegeben, dass die Strafe nach Ansicht des Vereines viel zu hoch ist, ferner war die Frist zur Stellungnahme vom Bezirkssportgericht so kurz bemessen, dass der Verein hierzu keine Stellungnahme abgeben konnte.

5. Die Berufung ist zulässig, sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs. 3 RVO eingelegt.

Das VSG ist gemäß § 20 I Lit. d RVO zuständig.

Die Berufung ist allerdings nicht begründet. Nach der Meldung des Verein Y hat der Spieler H nach Spielende versucht den gegnerischen Spieler I mit der Faust zu schlagen. In der Stellungnahme vom 14.02.2016 hat Herr H  selbst eingeräumt, dass er seinen Gegenspieler ein Schlag versetzt hat, nachdem er von diesem zuerst geschlagen wurde.
Die vom Bezirksportgericht verhängte Strafe von fünf Wochen und einer Geldstrafe von Euro 150,-- sieht auch das Verbandssportgericht als angemessen, aber auch ausreichend für die gemeldete Tätlichkeit nach § 67 II RVO an. Der Spieler hat einem Gegenspieler einen Schlag versetzt.

Die vom Spieler H in der Stellungnahme vom 14.02.2016 angeführte sportwidrige Handlung wurde vom Bezirkssportgericht im Urteil berücksichtigt.

Soweit der Berufungsführer anführt, dass die im Schreiben vom 27.02.2016 gesetzte Frist von fünf Tagen zu kurz bemessen ist, kann dem nicht gefolgt werden. Dem Verein ist zuzumuten, dass er innerhalb dieser Frist auf das Schreiben des Sportgerichts reagiert und ggf. eine Fristverlängerung beantragt.

Da somit das Strafmaß der 1. Instanz insgesamt nicht zu beanstanden ist, wird die Berufung kostenpflichtig zurückgewiesen.

6. Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 32, 33 RVO i. V. m. § 11 Ziffer I Nr. 8b) und 13 d) FO i. V. m. § 2 I. Nrn. 8b) und 13 d) Anlage zur FO.

 

Aktenzeichen: 00070-15/16-VSG
Sitzung vom 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Berufung des Vereins X gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016, Az.: 00246-15/16- BSG.

Urteil:

I. Die Berufung des Vereins X wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 101,50 € sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € trägt der Verein X.

Gründe:

1. Am 31.01.16 fand in A ein privates Hallenturnier statt.
Der amtierende Schiedsrichter hat eine Zusatzmeldung dahingehend abgegeben, dass es kurz vor Ende des Vorrundenspieles X - Y zu gewalttätigen Auseinandersetzungen von mehreren vom Schiedsrichter nicht erkennbaren Spielern und Anhängern beider Mannschaften auf dem Spielfeld gekommen ist. Nach Eingreifen der Turnierleitung und des Ordnungsdienstes hat sich die Situation beruhigt.

2. Mit Schreiben vom 13.02.2016 hat das zuständige BSG ein Verfahren gegen den Verein X nach § 73 RVO wegen Verletzung der Platzdisziplin eingeleitet.

3. Der Verein X gab hierzu am 14.02.2016 eine Stellungnahme ab, in welcher eingeräumt wird, dass es kurz vor Spielende auf dem Spielfeld zu einer Rudelbildung gekommen ist. In der Stellungnahme wurden die körperlichen Attacken einzelner, dem Verein zuzurechnender Personen, zumindest nicht bestritten, sondern mit der Situation zu rechtfertigen versucht.

4. Das BSG hat den Verein X mit Urteil vom 08.03.16
gemäß § 73 I RVO mit einer Geldstrafe von Euro 200,-- belegt.

5. Mit Schreiben vom 13.03.16 hat der Verein X gegen das Urteil Berufung eingelegt.
In der Begründung wird angegeben, dass die Geldstrafe nach Ansicht des Vereines viel zu hoch ist.

6. Die Berufung ist zulässig, sie wurde form- und fristgerecht nach § 44 Abs. 3 RVO eingelegt.

Das VSG ist gemäß § 20 I Lit. d RVO zuständig.

Die Berufung ist zulässig, erweist sich jedoch nicht als begründet.

Die vom BSG verhängte Geldstrafe sieht auch das Verbandssportgericht als angemessen, aber auch ausreichend für das vom Schiedsrichter gemeldete Vergehen der Spieler und Anhänger des Vereines X an. Noch während des Spieles sind mehrere Ersatzspieler von Verein X aufgesprungen, auf das Spielfeld gelaufen und haben einen gegnerischen Spieler tätlich angegriffen. Dieser Sachverhalt steht zur Überzeugung des Verbandsportgerichts aufgrund der Angaben des amtierenden Schiedsrichters und der vom Bezirks-Sportgericht beigezogenen schriftlich und telefonischen Zeugenaussagen fest.

Da sich die vom Bezirkssportgericht verhängte Geldstrafe im unteren Bereich des Strafrahmens des § 73 RVO in Verbindung mit § 48 I RVO bewegt war das Urteil somit insgesamt nicht zu beanstanden. Das VSG hält diesen Betrag auch bei eigener Abwägung für angemessen. Zugunsten des Betroffenen wurde berücksichtigt, dass dem Angriff wohl Provokationen der gegnerischen Spieler und Anhänger vorausgingen. Anderseits war zu Lasten des Betroffenen zu berücksichtigten, dass es sich um erhebliche körperliche Attacken (Faustschläge) handelte.

Die Berufung war deshalb zurückzuweisen.

7. Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 32, 33 RVO i. V. m. § 11 Ziffer I Nr. 8b) und 13 d) FO i. V. m. § 2 I. Nrn. 8b) und 13 d) Anlage zur FO.


 

Aktenzeichen: 00069-15/16-VSG
Sitzung vom: 11.04.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Futsal Verbandsspiele DFI Y - VfB X vom 10.01.2016
Berufung VfB X gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016

Urteil:

1. Die Berufung des VfB X gegen das Urteil des BSG vom 08.03.2016 wird zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 101,50 € trägt der VfB X. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe:

1. Der VfB X zeigte selbst an, dass in den Futsal-Verbandsspielen DFI Y - VfB X am 10.01.2016 und SC Z - VfB X am 17.01.2016 der Spieler A. A.., im Futsal-Verbandsspiel TSV A II - VfB X am 23.01.2016 die Spieler B. B. und C. C., im Futal-Verbandsspiel FC B - VfB X am 31.01.2016 der Spieler D. D. jeweils unzulässig durch den VfB X eingesetzt wurden. Aufgrund der Feststellung des SG hatten die genannten Spieler am Spieltag jeweils kein Spielrecht für den VfB X in dem gegenständlichen Futsal-Verbandsspiel-Betrieb. Im Weiteren war aufgrund der eigenen Einlassung vom 25.02.2016 bei den jeweiligen Verbandsspielen der betroffene N. N. jeweils der Verbandsverantwortliche und damit für die unzulässigen Einsätze der vorgenannten Spieler verantwortlich. Herr N. ist Abteilungsleiter der Fußballjugend. Das BSG hat gegen Herrn N. N. gemäß § 77 II RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz in insgesamt 4 Futsal-Verbandsspielen ein Gesamtfunktionsverbot vom 11.03. mit einschl. 10.11.2016 verhängt und ab dem 11.05.2016 gemäß § 48a I RVO diese zur Bewährung unter den Auflagen der Entscheidung ausgesetzt.

Hiergegen hat der VfB X unter dem 09.03.2016 form- und fristgerecht Berufung eingelegt und diese im Weiteren damit begründet, dass die gesamte Funktionssperre des Betroffenen N. zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Argumentativ wird dies dadurch unterstützt, dass dieser neben seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter ebenso das Amt des Trainers der A-Junioren und auch der F2-Junioren ausübte und durch die Sperre ein großer Schaden entstehen würde. Im Weiteren wird auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet.

Gemäß § 48a RVO können Sperren für den über 8 Wochen hinausreichenden Zeitraum ganz oder teilweise unter den dort genannten Voraussetzungen zur Bewährung ausgesetzt werden. Dies bedeutet, dass eine Sperrstrafe in den ersten 8 Wochen in jedem Fall als Sperrstrafe zu verbüßen ist und nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Dementsprechend kann dem Antrag des Berufungsführers bereits aus Rechtsgründen nicht gefolgt werden.

Das BSG hat die Sperre ab dem frühest möglichen Zeitpunkt zur Bewährung ausgesetzt.

Die Berufung hat daher keinen Erfolg und ist zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO.

Aktenzeichen: 00066-15/16-VSG
Sitzung vom: 30.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Krause, Beierlein

Herren-Privatspiel X gegen SpVgg Y vom 05.03.2016
Berufung X gegen das Urteil des Sportgerichts vom 16.03.2016

Urteil:

1. Die Berufung des X gegen das Urteil des Sportgerichts vom 16.03.2016 wird zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von 203,00 € trägt der X. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

 

1. X setzte in dem vorgenannten Freundschaftsspiel den Spieler N. N. ein, ohne hierfür insbesondere bis Spielende oder innerhalb der 10-Tagesfrist einen gültigen Spielerpass oder einen sonstigen Spielberechtigungsnachweis vorzulegen. Aufgrund der vom Sportgericht durchgeführten Recherchen steht fest, dass es sich um einen internationalen Vereinswechsel gehandelt hat. Der Berufungsführer hat am 25.02.2016 einen entsprechenden Antrag bei der Passabteilung der BFV eingereicht, aufgrund dessen dann durch den DFB unverzüglich das internationale Überprüfungsverfahren beim Nationalverband der USA eingeleitet wurde. Dieser Sachverhalt wurde dem betroffenen Verein auch auf Anfrage telefonisch von der Passabteilung mitgeteilt. Erst nach Abschluss dieses Verfahrens konnte dann für den betroffenen Spieler N. erst am 09.03.2016, also erst 4 Tage nach dem betroffenen Spiel ein gültiges Spielrecht erteilt werden.

Der betroffene Verein hat hierzu Stellung genommen. Mit Urteil des Sportgerichts vom 16.03.2016 wurde der Verein X wegen unzulässigem Spielereinsatz mit einem Punkteabzug von 4 Punkten und einer Geldstrafe in Höhe von 100,00 € belegt.

Hiergegen hat der Verein Berufung mit Schreiben vom 22.03.2016 eingelegt und diese mit Schreiben vom 04.04.2016 im Weiteren damit begründet, dass keiner der Verantwortlichen veranlasst habe, dass der betroffene Spieler zum Einsatz kommen soll. Der SR hätte den Einsatz nicht erlauben dürfen. Im Übrigen wird darauf verwiesen, dass in § 77 RVO nicht zu erkennen sei, welche Arten von Spielen gemeint wären.

Des Weiteren wird ergänzend auf den Akteninhalt verwiesen.

2. Das VSG ist für das Berufungsverfahren zuständig.

3. Die Berufung ist zulässig, aber nicht begründet.

Unstreitig wurde beim Testspiel am 05.03.2016 der Spieler N. eingesetzt, der zu diesem Zeitpunkt kein Spielrecht hatte. Es ist nicht Aufgabe des SR zu verhindern, dass ein nicht spielberechtigter Spieler eingesetzt wird. Es liegt in der Sphäre des Vereins zu überprüfen und nachzuweisen, dass ein entsprechendes Spielrecht vorliegt. Der Spieler wurde auf Veranlassung des Vereins und nicht des SR eingesetzt.

Der Verein X hat sich zunächst auch dahingehend eingelassen, dass der SR nichts dagegen habe, dass der Spieler spiele und dass er eine entsprechende Meldung machen müsse und der Verein innerhalb von 10 Tagen den Pass des Spielers beim BFV vorzulegen hat. Dabei hätte dem Verein bereits klar sein müssen, dass ein entsprechendes Spielrecht nicht nachzuweisen ist, da ein solches noch gar nicht vorlag.

Damit liegt ein unzulässiger Spielereinsatz vor.

Soweit der Berufungsführer sich darauf zurückzieht, dass § 77 RVO nicht erkennen lässt, auf welche Spieler dieser sich beziehe, so ist dies unrichtig.

Aus dem Wortlaut des § 77 I RVO ergibt sich zweifelsfrei, dass, sofern ein Verein einen Spieler unzulässig spielen lässt, dieser zu sanktionieren ist. § 77 I RVO unterscheidet in der bisher geltenden Fassung in keinster Weise zwischen Verbands- und Freundschaftsspielen. Aufgrund der allgemeinen Formulierung ist damit jeglicher Spielbetrieb erfasst.

Da im Weiteren der betroffene Verein in der laufenden Saison bereits vorgeahndet ist, ist die Erhöhung des Punktabzugs um 1 Punkt nicht zu beanstanden. Unter nochmalige Abwägung aller zugunsten und zu Lasten des betroffenen Vereins bestehenden Umstände ist die verhängte Strafe durch das Sportgericht nicht zu korrigieren.

Dabei verkennt das VSG sicher nicht den erheblichen Eingriff für den betroffenen Verein aufgrund des erneuten Punktabzugs. Der betroffene Verein kann sich aber nicht darauf zurückziehen, keine Kenntnis gehabt zu haben. Der Vorgang eines unzulässigen Einsatzes und die bereits vorliegende Verurteilung wegen einer unzulässigen Einsatzes gemäß § 77 RVO in der laufenden Saison hätte dem Verein Gelegenheit geben müssen, sich intensiver mit dieser Norm zu beschäftigen und die Voraussetzungen eines Einsatzes genau zu prüfen, insbesondere nachdem der Verein hier wusste, dass ein entsprechendes Spielrecht nicht vorgelegen hat.

Dementsprechend war die Berufung zurückzuweisen.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO.

 

 

Aktenzeichen: 00065-15/16-VSG
Sitzung vom: 30.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Bezirksliga-Spiel SK Y gegen TBD. X vom 06.03.2016
Berufung des TBD. X gegen das Urteil des BSG vom 15.03.2016

Urteil:

I. Die Berufung des TBD. X wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 € und die Berufungsgebühr in Höhe von € 101,50 trägt der TBD. X.

Gründe:

1. Beim Bezirksligaspiel am 06.03.2016 meldete der SR, dass der Spieler N. N. (TBDX) in der 13. Minute mit gestrecktem Bein seinem Gegenspieler unterhalb des Knöchels auf den Fuß grätschte. Der Gegenspieler von N. lief dabei alleine auf das Tor zu und kam durch die Grätsche ca. 5 m vor dem Strafraum zu Fall. Der SR zeigte hierfür die rote Karte. Der Gefoulte konnte hiernach weiterspielen, der Freistoß hatte keine Wirkung.

Mit Urteil vom 15.03.2016 wurde der Spieler N. N. vom BSG gemäß § 66 Abs. 1 RVO für drei Verbandsspiele wegen rohen Spiels gesperrt. Das Urteil wurde am selben Tag über das BFV-Postfach dem Berufungsführer zugestellt.

Hiergegen legte der TBD. X am 17.03.2016 Berufung ein. Er führte aus, dass nach eigener Auffassung der Rettungsversuch von Spieler N. gar kein Foulspiel gewesen sei, da dieser in erster Linie den Ball gespielt habe. Ferner wurde zur Begründung vorgetragen, dass die Sperre nicht dem Standard einer Notbremse entspräche und zu hoch angesetzt sei. Ferner sei der Spieler bislang nicht als Wiederholungstäter in Erscheinung getreten.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 e) RVO zuständig.
Die Berufung ist zulässig, sie wurde formgerecht eingereicht.

3. Die Berufung ist jedoch nicht begründet. Bei der vom SR geschilderten Grätsche, die den Gegenspieler unterhalb des Knöchels am Fuß traf und diesen zu Fall brachte und dadurch eine klare Torchance vereitelte, handelt es sich um ein rohes Spiel nach § 66 RVO. Allein das pauschale Bestreiten des Fouls ohne konkrete Zeugenangaben kann das VSG nicht überzeugen von der klaren Schilderung des SR, welche als rücksichtslos im Kampf um den Ball zu werten ist, abzuweichen. Die hierfür verhängte Sperre von drei Spielen ist am unteren Ende des Strafrahmens und für das Vergehen tat- und schuldangemessen. Nachdem der Freistoß, auf welchen nach der durch das Foul vereitelten Torchance erkannt wurde, wirkungslos blieb, kommt auch eine Reduzierung auf die Mindeststrafe nicht in Betracht. Nach Auffassung des VSG ist die erkannte Strafe von drei Spielen somit nicht zu beanstanden. Auch die Tatsache, dass der Spieler bisher nicht sportrechtlich in Erscheinung getreten ist, kann keine Ermäßigung der Sperrstrafe herbeiführen.

Die Berufung ist daher zurückzuweisen.

4. Kosten §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 8 b) und 13 d) FO und § 2 I. Nr. 8b) und 13d) Anlage FO.

 

Aktenzeichen: 00062-15/16-VSG
Sitzung vom: 15.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Krause

Beschwerde FC im TSV X

Urteil:

I. Die Beschwerde des FC im TSV X gegen den Bescheid der Passabteilung vom 01.02.2016 wird zurückgewiesen.

II. Die Beschwerdegebühr in Höhe von 152,25 € trägt der FC im TSV X.

Gründe:

1. Mit Passantrag vom 18.12.2015, eingegangen bei der Passabteilung des BFV am 29.12.2015, beantragte der SV Y als Stammverein die Erteilung eines Spielerpasses für den Jugendspieler N. N. Es wurde vorgetragen und durch Post-Auslieferungsbeleg belegt, dass die Abmeldung von seinem vorherigen Verein FC im TSV X (nachfolgend der Beschwerdeführer) am 03.12.2015 dem zuständigen Abteilungsleiter zugegangen war. Da der Verein erst am 05.01.2015 den Spielerpass einsandte, auf dem er die Zustimmung zum Vereinswechsel verweigerte, erteilte die Passabteilung dem Spieler N. das sofortige Spielrecht für seinen neuen Verein.

Der Beschwerdeführer beantragte bei der Passabteilung den Entzug des Spielrechts für den Spieler N., was die Passabteilung mit Bescheid vom 01.02.2016 ablehnte. Mit E-Mail vom selben Tag legte der Beschwerdeführer über das Postfachsystem ZIMBRA Beschwerde zum Präsidium ein. Mit Schreiben vom 11.02.2015 leitete der Verbandsanwalt den Antrag des Präsidenten auf unmittelbare Entscheidung durch das VSG wegen besonderer Eilbedürftigkeit an dieses weiter und beantragte, die Beschwerde zurückzuweisen. Der Antrag wurde dem Beschwerdeführer zur Stellungnahme vorgelegt. Eine Stellungnahme erfolgte nicht.

2. Die Zuständigkeit des VSG ergibt sich aus § 4 Abs. 2 RVO. Die Angelegenheit wurde vom Verbands-Präsidenten über den Verbandsanwalt dem VSG zugeleitet. Da die Entscheidung das Spielrecht eines Spielers betrifft und der reguläre Spielbetrieb nach der Winterpause inzwischen wieder aufgenommen wurde, ist die besondere Eilbedürftigkeit gegeben. Der Präsident kann in jeder Lage des Verfahrens die Entscheidung des VSG beantragen.

3. Die Beschwerde gegen den Bescheid der Passabteilung ist zulässig. Sie ist jedoch unbegründet.
Der Spieler N. hat sich durch den Einschreibebrief vom 02.12.2015, der die Abmeldung vom 02.12.2015 enthielt, von seinem bisherigen Verein abgemeldet. Der Einschreibebrief ist dem zuständigen Abteilungsleiter des Vereins am 03.12.2015 zugegangen.
Das Abmeldeformular ist an den Verein unter dessen auf der BFV-Webseite genannten offiziellen Vereinsadresse gerichtet. Zweifel lässt das Abmeldeformular nicht aufkommen, solche werden auch nicht behauptet. Das Abmeldeformular stellt dabei die verkörperte Willenserklärung dar. Sie muss unzweideutig gegenüber dem Verein erklärt werden.
Unschädlich ist in diesem Zusammenhang, dass im Adressfeld des Briefumschlags als Empfänger der Abteilungsleiter und sein Unternehmen genannt wurden, aber der Vereinsname fehlte. Der Briefumschlag dient lediglich dem postalischen Zweck, das Schreiben, das er beinhaltet, dem Empfänger zukommen zu lassen. Der Briefumschlag an sich ist nicht Teil der Willenserklärung. Er kann allenfalls herangezogen werden, wenn der Text der verkörperten Willenserklärung mehrdeutig oder unvollständig ist (beispielsweise keine Vereinsadresse enthält) Der Brief sollte zutreffend an den Abteilungsleiter als zuständigen Vertreter des Vereins gesandt werden. Seine Unternehmensadresse dient auch als Postadresse für die Fußballabteilung des Vereins. So ergibt sich dies aus der amtlichen Webseite des Verbandes. Da nicht unbedingt davon ausgegangen werden kann, dass jeder Postzusteller weiß, dass unter der Firmenadresse des Unternehmens auch die Post für den Verein zugestellt werden soll und der Inhaber der Firma der Abteilungsleiter des Vereins ist, erscheint es durchaus sinnvoll, wenn neben dem Namen des Abteilungsleiters auch dessen Unternehmen angegeben wird, um sicherzustellen, dass ihn der Brief auch erreicht. Wird allerdings ein anderer Adressat als der Verein genannt, liegt es in der Risikosphäre des Absenders, dass der Brief den Verein auch erreicht. Im vorliegenden Fall hat der Abteilungsleiter nicht in Abrede gestellt, dass ihn der an sein Unternehmen adressierte Brief am Tag der Auslieferung erreicht hat. Da es einem ordentlichen Geschäftsgang entspricht, dass ein Einschreibebrief an ein Unternehmen dem Chef am selben Tag vorgelegt wird, bestehen auch keine vernünftigen Zweifel daran. Somit begann die Frist gemäß § 25 Abs. 2 Satz 2 JO am 3.12.2015 zu laufen und endete am 17.12.2015. Da der Verein bis dahin den Pass nicht eingesandt hatte, gilt die Freigabefiktion gemäß der zitierten Vorschrift.
Die Passabteilung hat folglich zu Recht das sofortige Spielrecht erteilt.

4. Kostenentscheidung §§ 32,33 RVO, § 11 Abs. I Nr. 7, 13 FO. Nach der ständigen Rechtsprechung des VSG bei unmittelbarer Vorlage durch den Verbandspräsidenten wurde nur die Beschwerdegebühr zum Verbands-Präsidium und nicht diejenige zum Verbands-Sportgericht festgesetzt.

 

Aktenzeichen: 00060-15/16-VSG
Sitzung vom 21.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Kreisklasse-Spiel SSV X - TSV Y am 15.11.2015

Urteil:

I. Das Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler N. N., TSV Y, wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens einschließlich von einem Fünftel der Kosten der mündlichen Verhandlung vom 21.02.2016 trägt der BFV.

  Gründe:

1. Nach Spielende des oben genannten Verbandsspieles wurden im Fanbereich des Gastvereines insgesamt vier gelbe bzw. schwarze Rauchstäbe gezündet, als die mitgereisten Anhänger ihre Mannschaft, die sich noch auf dem Spielfeld befunden hat, feierten.
Der vom Heimverein eingesetzte Ordnungsdienst hat versucht, das Abbrennen der Rauchstäbe zu unterbinden.
Im weiteren Verlauf kam es dann zu erheblichen Tätlichkeiten von Teilen des Ordnungsdienstes und der Anhängerschaft des Gastvereines.
Das ganze Geschehen wurde mittels Kamera aufgenommen und im Internet veröffentlicht.

2. Mit Beschluss vom 10.12.2015 hat das zuständige Kreissportgericht das Verfahren gegen den TSV Y an das Verbands-Sportgericht abgegeben.
Mit Beschluss vom 14.12.2015 hat das Verbands-Sportgericht das Verfahren gemäß § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO übernommen.
Mit Schreiben vom 15.12.2015 wurde dem Verein die Übernahme durch das Verbands-Sportgericht mitgeteilt. Mit Schreiben vom 18.01.2016 wurde gegen den Betroffenen N. N., TSV Y wegen unsportlichen Verhaltens ein Sportgerichtsverfahren vom Verbands-Sportgericht eingeleitet.
Am 21.02.2016 wurde vom Verbands-Sportgericht eine mündliche Verhandlung in Nürnberg durchgeführt.

3. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO.

4. Das Verfahren gegen den Betroffenen N. N. war aus tatsächlichen Gründen einzustellen.
Nach Anhörung des Betroffenen, sowie den Einlassungen der betroffenen Vereine, der angehörten Zeugen und nach Ansicht der Videoaufzeichnung während der mündlichen Verhandlung, steht zur Überzeugung des Verbands-Sportgerichtes fest, dass sich der Spieler N. N. bei den Auseinandersetzungen nach Spielende keines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht hat, sondern nur streitschlichtend eingegriffen hat.

5. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V. m. § 11 II 6a FO.

 

Aktenzeichen: 00059-15/16-VSG
Sitzung vom 21.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Kreisklasse-Spiel SSV X - TSV Y am 15.11.2015

Urteil:

I. Der TSV Y wird gemäß § 73 Abs. 1 RVO wegen der Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe von Euro 500,-- belegt.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 20,30 sowie ein Fünftel der Kosten der mündlichen Verhandlung vom 21.02.2016 trägt der TSV Y.

Gründe:

1. Nach Spielende des oben genannten Verbandsspieles wurden im Fanbereich des Gastvereines insgesamt vier gelbe bzw. schwarze Rauchstäbe gezündet, als die mitgereisten Anhänger ihre Mannschaft, die sich noch auf dem Spielfeld befunden hat, feierten.
Der vom Heimverein eingesetzte Ordnungsdienst hat versucht, das Abbrennen der Rauchstäbe zu unterbinden.
Im weiteren Verlauf kam es dann zu erheblichen Tätlichkeiten von Teilen des Ordnungsdienstes und der Anhängerschaft des Gastvereines.
Das ganze Geschehen wurde mittels Kamera aufgenommen und im Internet veröffentlicht.

2. Mit Beschluss vom 10.12.2015 hat das zuständige Kreissportgericht das Verfahren gegen den TSV Y an das Verbands-Sportgericht abgegeben.
Mit Beschluss vom 14.12.2015 hat das Verbands-Sportgericht das Verfahren gemäß § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO übernommen.
Mit Schreiben vom 15.12.2015 wurde dem Verein die Übernahme durch das Verbands-Sportgericht mitgeteilt.
Am 21.02.2016 wurde vom Verbands-Sportgericht eine mündliche Verhandlung in Nürnberg durchgeführt.
3. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO.

4. Der Sachverhalt steht aufgrund der Einlassungen des betroffenen Vereines, der angehörten Zeugen und nach Ansicht der Videoaufzeichnung während der mündlichen Verhandlung fest.
Die Anhänger des TSV Y haben mit dem Abbrennen der Rauchstäbe massiv gegen die Platzordnung verstoßen. Darüber hinaus haben zwei Anhänger des TSV Y die Rauchstäbe auch nach Aufforderung durch den Ordnungsdienst des Heimvereines nicht gelöscht.
Der TSV Y haftet nach § 73 II RVO für das Verhalten seiner Anhänger und ist daher in Strafe zu nehmen.
Nachdem es bereits im Vorfeld des Spieles am Spieltag zu Störungen seitens der Anhängerschaft des TSV Y außerhalb des Sportgeländes gekommen ist, hätte der Gastverein eigene Platzordner in unmittelbarer Nähe seiner Anhänger stellen müssen.
Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des betroffenen Vereines dessen Verhalten (Einschalten des BFV-Konfliktmanagers/ Planung von Schulungen für Platzordner) nach dem Vorfall strafmildernd berücksichtigt. Die Vereinsführung hat anschaulich dargelegt, wie der TSV Y derartiges Fehlverhalten seiner Anhänger in Zukunft verhindert will.
Zu Lasten des betroffenen Vereines war zu werten, dass es bereits am Spieltag außerhalb des Sportgeländes zu einem ähnlichen Vorfall gekommen ist.
Es ist festzustellen, dass bei der Anwendung von Pyrotechnik jeglicher Art eine massive Gesundheitsgefährdung für Personen besteht.
Die ausgesprochene Geldstrafe gegen den betroffenen Verein ist nach Ansicht des Verbands-Sportgerichts für den vorliegenden Sachverhalt tat- und schuldangemessen.
Es wurde von einer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit des Vereines ausgegangen, § 50 I RVO.
5. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V. m. § 11 II 6a FO.

 

Aktenzeichen: 00058-15/16-VSG
Sitzung vom 21.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Kreisklasse-Spiel SSV X - TSV Y am 15.11.2015

Urteil:

I. Das Sportgerichtsverfahren gegen den Spieler N. N., SSV X, wird eingestellt.

II. Die Kosten des Verfahrens einschließlich von einem Fünftel der Kosten der mündlichen Verhandlung vom 21.02.2016 trägt der BFV.

Gründe:

1. Nach Spielende des oben genannten Verbandsspieles wurden im Fanbereich des Gastvereines insgesamt vier gelbe bzw. schwarze Rauchstäbe gezündet, als die mitgereisten Anhänger ihre Mannschaft, die sich noch auf dem Spielfeld befunden hat, feierten.
Der vom Heimverein eingesetzte Ordnungsdienst hat versucht, das Abbrennen der Rauchstäbe zu unterbinden.
Im weiteren Verlauf kam es dann zu erheblichen Tätlichkeiten von Teilen des Ordnungsdienstes und der Anhängerschaft des Gastvereines.
Das ganze Geschehen wurde mittels Kamera aufgenommen und im Internet veröffentlicht.

2. Mit Beschluss vom 10.12.2015 hat das zuständige Kreissportgericht das Verfahren gegen den SSV X an das Verbands-Sportgericht abgegeben.
Mit Beschluss vom 14.12.2015 hat das Verbands-Sportgericht das Verfahren gemäß § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO übernommen.
Mit Schreiben vom 15.12.2015 wurde dem Verein die Übernahme durch das Verbands-Sportgericht mitgeteilt. Mit Schreiben vom 18.01.2016 wurde gegen den Betroffenen N. N., SSV X ist wegen unsportlichen Verhaltens ein Sportgerichtsverfahren vom Verbands-Sportgericht eingeleitet.
Am 21.02.2016 wurde vom Verbands-Sportgericht eine mündliche Verhandlung in Nürnberg durchgeführt.

3. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO.

4. Das Verfahren gegen den Betroffenen N. N. war aus tatsächlichen Gründen einzustellen.
Nach Anhörung des Betroffenen, sowie den Einlassungen der betroffenen Vereine, der angehörten Zeugen und nach Ansicht der Videoaufzeichnung während der mündlichen Verhandlung, steht zur Überzeugung des Verbandsportgerichtes fest, dass sich der Spieler N. N. bei den Auseinandersetzungen nach Spielende keines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht hat, sondern nur streitschlichtend eingegriffen hat.
5. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V. m. § 11 II 6a FO.

 

Aktenzeichen: 00057-15/16-VSG
Sitzung vom 21.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Frey, Lieb

Kreisklasse-Spiel SSV X - TSV Y am 15.11.2015

Urteil:

I. Der SSV X wird gemäß § 73 Abs. 1 RVO wegen der Verletzung der Platzdisziplin mit einer Geldstrafe von Euro 100,-- belegt.

II. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Euro 20,30 sowie ein Fünftel der Kosten der mündlichen Verhandlung vom 21.02.2016 trägt der SSV X.

Gründe:

1. Nach Spielende des oben genannten Verbandsspieles wurden im Fanbereich des Gastvereines insgesamt vier gelbe bzw. schwarze Rauchstäbe gezündet, als die mitgereisten Anhänger ihre Mannschaft, die sich noch auf dem Spielfeld befunden hat, feierten.
Der vom Heimverein eingesetzte Ordnungsdienst hat versucht, das Abbrennen der Rauchstäbe zu unterbinden.
Im weiteren Verlauf kam es dann zu erheblichen Tätlichkeiten von Teilen des Ordnungsdienstes und der Anhängerschaft des Gastvereines.
Das ganze Geschehen wurde mittels Kamera aufgenommen und im Internet veröffentlicht.

2. Mit Beschluss vom 10.12.2015 hat das zuständige Kreissportgericht das Verfahren gegen den SSV X an das Verbands-Sportgericht abgegeben.
Mit Beschluss vom 14.12.2015 hat das Verbands-Sportgericht das Verfahren gemäß § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO übernommen.
Mit Schreiben vom 15.12.2015 wurde dem Verein die Übernahme durch das Verbands-Sportgericht mitgeteilt.
Am 21.02.2016 wurde vom Verbands-Sportgericht eine mündliche Verhandlung in Nürnberg durchgeführt.
3. Die Zuständigkeit des Verbands-Sportgerichts ergibt sich aus § 20 Abs. 3 Satz 2 RVO.
4. Der Sachverhalt steht aufgrund der Einlassungen des betroffenen Vereines, der angehörten Zeugen und nach Ansicht der Videoaufzeichnung während der mündlichen Verhandlung fest.

Der SSV X hat als Heimverein nicht alle notwendigen Maßnahmen getroffen um das Abbrennen der Rauchstäbe und die weiteren Tätlichkeiten zu verhindern.
Nachdem es bereits im Vorfeld des Spieles am Spieltag zu Störungen seitens der Anhängerschaft des TSV Y gekommen ist, hat der Heimverein seinen Ordnungsdienst auf insgesamt fünf Personen ausgedehnt. Diese Anzahl war ausreichend.
Allerdings hätte aufgrund der Vorfälle bereits während des Spiels, der Ordnungsdienst sich bei Spielende bei den Anhängern des Gastvereines befinden müssen. Nach Ansicht des Verbandssportgerichtes hätte die Eskalation der Ereignisse dadurch verhindert werden können.
Im Rahmen der Findung einer angemessenen Strafe hat das VSG zugunsten des betroffenen Vereines berücksichtigt, dass dieser noch vor Beginn des Spieles seinen Ordnungsdienst verstärkt hat. Auch wurde berücksichtigt, dass aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eine Einlasskontrolle nicht möglich war, da es sich um einen offenen nicht vollkommen umzäunten Sportplatz handelt.
Ferner wurde in erheblichen Maße das Verhalten des Vereines (Einschalten des BFV Konfliktmanagers/Planung von Schulungen für Platzordner) nach dem Vorfall strafmildernd berücksichtigt.
Diese ausgesprochene Geldstrafe gegen den betroffenen Verein liegt im unteren Bereich des Strafrahmens und ist nach Ansicht des Verbandssportgerichts für den vorliegenden Sachverhalt tat- und schuldangemessen.
Es wurde von einer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit des Vereines ausgegangen, § 50 I RVO.
5. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO i.V. m. § 11 II 6a FO.

Aktenzeichen: 00054-15/16-VSG
Sitzung vom: 01.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Krause

Revision des Vereins X gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 20.01.2016

Urteil:

I. Die Revision des Vereins X gegen das Urteil des BSG vom 20.01.2016 wird verworfen.

II. Der Verein X trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Revisionsgebühr in Höhe von € 152,25.

Gründe:

1. Die Passstelle des BFV erstattete beim KSG Anzeige gegen den Verein X (Betroffener) wegen Verstoßes gegen § 41 SpO i.V.m. den Nutzungsbestimmungen der Antragstellung Pass Online.
Bei der Antragsstellung hatte der Verantwortliche des Betroffenen angegeben, dass Passantrag und Spielerpass des abgebenden Vereins im Original vorliegen würden. Nur aufgrund dieser Angaben wurde von der Passstelle ein Spielerpass für den Betroffenen mit sofortigem Spielrecht für den Spieler A. A. ausgestellt.
Kurz danach wurde der Passstelle der Original-Spielerpass des betreffenden Spielers A. von einem anderen Verein für einen Vereinswechsel übersandt. Der Verantwortliche des Betroffenen hatte den Vereinswechsel online am 06.09.2015 beantragt, ohne dass die zwingend erforderlichen Unterlagen (ausgefüllter Originalpassantrag und bisheriger Original-Spielerpass) dem Antragsteller vorlagen. Der Verantwortliche hatte somit unwahre Angaben bei der Pass-Antragsstellung gemacht.

Das KSG belegte den Betroffenen gemäß §§ 47, 48 RVO mit einer Geldstrafe in Höhe von € 50,00. Dagegen legte der Verbandsanwalt Berufung ein. Auf die Berufung änderte das BSG das Urteil ab und verurteilte Herrn N. N., Mitglied des Betroffenen, wegen eines Verstoßes gegen § 89 Abs. 1 RVO mit einer Geldstrafe von € 250,00 und stellte fest, dass das für den Spieler A. A. vom BFV für den Betroffenen erteilte Spielrecht von Anfang an nichtig ist.

Das Urteil wurde dem Betroffenen mit einer Rechtsmittelbelehrung am 20.01.2016 per Postfach ZIMBRA zugestellt. Mit Schreiben vom 26.01.2016 bat der 1. Vorstand des Betroffenen schriftlich beim BSG-Vorsitzenden um eine Fristverlängerung zur Einlegung der Revision um 14 Tage. Am 27.01.2016, noch vor Ablauf der Revisionsfrist wies der Vorsitzende des BSG den 1. Vorsitzenden des Betroffenen darauf hin, dass zwar die Frist zur Begründung verlängert werden kann, dass aber die Einlegung der Revision nur binnen der kurzen Notfrist möglich ist.
Mit Schreiben im Postfachsystem ZIMBRA legte der Betroffene am 28.01.2016 Revision ein.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

3. Die Revision ist unzulässig, weil die Frist zur Einlegung der Revision bei Eingang des E-Mails des Betroffenen bereits abgelaufen war. .

Gemäß §§ 45 Abs. 2, 44 Abs. 3 RVO ist die Revision binnen einer Frist von einer Woche nach der Einstellung des Urteils in das ZIMBRA Postfach des Vereins oder sonstiger Bekanntgabe gemäß § 24 Abs. 5 RVO schriftlich einzulegen. Nur die Übermittlung durch das Postfachsystem ZIMBRA kann dabei die Schriftform ersetzen. Bei der Wochenfrist handelt es sich um eine feste Frist. Diese kann nicht verlängert werden. Die durch die Zustellung am 20.01.2016 begonnene Frist endete daher am 27.01.2016. Die Revision, die erst am 28.01.2016 eingelegt wurde, war daher verfristet.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

Aktenzeichen: 00053-15/16-VSG
Sitzung vom: 01.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Revision des Verbandsanwalt gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 24.11.2015

Urteil:

I. Die Revision des Verbandsanwalts gegen das Urteil des BSG vom 24.11.2015 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Revisionsverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten wer-den nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Spiel der Frauen Kreisklasse TSC Y gegen TSV X am 14.10.2015 setzte der TSV X die Spielerin N. N. ein. Die Spielerin hatte bis zum Mai 2012 ein Spielrecht für den TSV X. Sie hatte sich dann abgemeldet und den Pass erhalten. Auf dem Pass war auf der Rückseite das Abmeldedatum vermerkt und die Eintragung war abgestempelt vom Verein. Die Spielerin wollte damals zu einem anderen Verein wechseln, gab dieses Vorhaben aber dann auf. Im Sommer 2015 teilte die Spielerin den Ver-einsverantwortlichen mit, dass sie nunmehr doch weiterhin für den TSV X spielen wolle. Sie gab daher den Pass wieder an den TSV X zurück. Der Mannschaftsverantwortliche N. N. ging in Unkenntnis der genauen Bestimmungen davon aus, dass das Spiel-recht weiterhin durch den Spielerpass dokumentiert werde und er den Spielerpass weiterhin benutzen dürfe. Sein Irrtum wurde dadurch bestärkt, dass die Spielerin nach wie vor auf der elektronischen Spielerliste des Verbands für den TSV X geführt wurde, was er überprüfte.

Mit Urteil vom 27.10.2015 verurteilte das KSG den Betroffenen N. N. gemäß § 77 Abs. 2 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz zu einer Funktionssperre von 02.11.2015 mit einschließlich 02.02.2016. Gegen das Urteil legte der TSV X mit Schreiben vom 28.10.2015 Berufung ein.

Auf die Berufung änderte das BSG das Ersturteil mit Urteil vom 24.11.2015 dahinge-hend ab, dass der Verantwortliche des Vereins TSV X, Herr N. N., wegen unzulässigem Spielereinsatz in einem leichten Fall mit einer Geldstrafe in Höhe von 50,00 € belegt wurde.

Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 14.12.2015 eingelegte Revision des Verbandsanwalts, dem das Urteil nicht förmlich zugestellt worden war. Der Verbandsanwalt macht geltend, dass bei einem erloschenen Spielrecht kein leichter Fall angenommen werden könne.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Das BSG nahm einen leichten Fall an, weil es davon ausging, dass die Rückseite nicht beachtet wurde, sich aber der Betroffene über die Spielberechtigung in der BFV-Spielerliste des TSV X informiert hatte und dadurch in seinem Irrtum über das Spielrecht bestärkt wurde.

Im Revisionsverfahren ist das VSG grundsätzlich an den vom Berufungsgericht fest-gestellten Sachverhalt gebunden, wenn Mängel in der Sachverhaltsermittlung oder in der Bewertung durch das Bezirks-Sportgericht nicht aufgezeigt wurden und nicht er-sichtlich sind.

Der vom BSG festgestellte Sachverhalt lässt die Wertung als leichter Fall zu, die im Ermessen des BSG liegt.

Das Verbands-Sportgericht hat in der Vergangenheit in mehreren Fällen (13-12/13, 14-12/13und 52-10/11) jeweils die Annahme eines leichteren Falles nicht beanstandet, wenn der Vereinsverantwortliche nachvollziehbar geltend gemacht hat, dass der Einsatz nicht vorsätzlich erfolgt ist. Wenn also der Vereinsverantwortliche einen Irrtum über die Spielberechtigung darlegen konnte und der Irrtum entweder durch die elekt-ronische Sperrliste erweckt wurde, die nicht mit der tatsächlichen Sperre konform läuft oder die komplizierten Regelungen der Abmeldung Anlass für den Irrtum waren. In diesen Fällen wurde jeweils Fahrlässigkeit angenommen und vom Verbands-Sportgericht die Bewertung durch das jeweilige Gericht als leichterer Fall nicht beanstandet. Der vorliegende Fall ähnelt den zitierten Entscheidungen, so dass das VSG auch nach nochmaliger Überprüfung seiner Rechtsprechung keinen Anlass sieht, ein Überschreiten des Wertungsermessens durch das BSG anzunehmen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

Aktenzeichen: 00052-15/16-VSG
Sitzung vom: 01.03.2016
Besetzung: Riedmeyer, Beierlein, Lieb

Revision des Verbandsanwalt gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 24.11.2015

Urteil:

I. Die Revision des Verbandsanwalts gegen das Urteil des BSG vom 24.11.2015 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Revisionsverfahrens trägt der BFV. Außergerichtliche Kosten wer-den nicht erstattet.

Gründe:

1. Beim Spiel der Frauen Kreisklasse TSC Y gegen TSV X am 14.10.2015 setzte der TSV X die Spielerin N. N. ein. Die Spielerin hatte bis zum Mai 2012 ein Spielrecht für den TSV X. Sie hatte sich dann abgemeldet und den Pass erhalten. Auf dem Pass war auf der Rückseite das Abmeldedatum vermerkt und die Eintragung war abge-stempelt vom Verein. Die Spielerin wollte damals zu einem anderen Verein wechseln, gab dieses Vorhaben aber dann auf. Im Sommer 2015 teilte die Spielerin den Ver-einsverantwortlichen mit, dass sie nunmehr doch weiterhin für den TSV X spielen wol-le. Sie gab daher den Pass wieder an den TSV X zurück. Der Vereinsverantwortliche ging in Unkenntnis der genauen Bestimmungen davon aus, dass das Spielrecht wei-terhin durch den Spielerpass dokumentiert werde und er den Spielerpass weiterhin benutzen dürfe. Sein Irrtum wurde dadurch bestärkt, dass die Spielerin nach wie vor auf der elektronischen Spielerliste des Verbands für den TSV X geführt wurde, was er überprüfte.

Mit Urteil vom 27.10.2015 verurteilte das KSG den TSV X gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz zu einem Punktabzug von 3 Punkten und zu einer Geldstrafe in Höhe von € 50,00. Das vom TSV X mit 0:3 Toren verlorene Spiel wurde gemäß § 29 SpO dem Ausgang nach gewertet. Gegen das Urteil legte der TSV X mit Schreiben vom 28.10.2015 Berufung ein.

Auf die Berufung änderte das BSG das Ersturteil mit Urteil vom 24.11.2015 dahinge-hend ab, dass der TSV X gemäß § 77 Abs. 1 RVO wegen unzulässigem Spielereinsatz in einem leichten Fall mit einer Geldstrafe in Höhe von € 100,00 belegt wurde. Das Spiel wurde weiterhin gemäß § 29 SpO dem Ausgang nach gewertet. Hiergegen richtet sich die mittels dem Postfachsystem ZIMBRA am 14.12.2015 eingelegte Revi-sion des Verbandsanwalts, dem das Urteil nicht förmlich zugestellt worden war. Der Verbandsanwalt macht geltend, dass bei einem erloschenen Spielrecht kein leichter Fall angenommen werden könne.

2. Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3. Die Revision ist jedoch unbegründet.

Das BSG nahm einen leichten Fall an, weil es davon ausging, dass die Rückseite nicht beachtet wurde, sich aber der Mannschaftsverantwortliche über die Spielberechtigung in der BFV-Spielerliste des TSV X informiert hatte und dadurch in seinem Irrtum über das Spielrecht bestärkt wurde.

Im Revisionsverfahren ist das VSG grundsätzlich an den vom Berufungsgericht fest-gestellten Sachverhalt gebunden, wenn Mängel in der Sachverhaltsermittlung oder in der Bewertung durch das Bezirks-Sportgericht nicht aufgezeigt wurden und nicht ersichtlich sind.

Der vom BSG festgestellte Sachverhalt lässt die Wertung als leichter Fall zu, die im Ermessen des BSG liegt.

Das Verbands-Sportgericht hat in der Vergangenheit in mehreren Fällen (13-12/13, 14-12/13und 52-10/11) jeweils die Annahme eines leichteren Falles nicht beanstandet, wenn der Vereinsverantwortliche nachvollziehbar geltend gemacht hat, dass der Einsatz nicht vorsätzlich erfolgt ist. Wenn also der Vereinsverantwortliche einen Irrtum über die Spielberechtigung darlegen konnte und der Irrtum entweder durch die elektronische Sperrliste erweckt wurde, die nicht mit der tatsächlichen Sperre konform läuft oder die komplizierten Regelungen der Abmeldung Anlass für den Irrtum waren. In diesen Fällen wurde jeweils Fahrlässigkeit angenommen und vom Verbands-Sportgericht die Bewertung durch das jeweilige Gericht als leichterer Fall nicht beanstandet. Der vorliegende Fall ähnelt den zitierten Entscheidungen, so dass das VSG auch nach nochmaliger Überprüfung seiner Rechtsprechung keinen Anlass sieht, ein Überschreiten des Wertungsermessens durch das BSG anzunehmen.

4. Kosten § 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 9 und 13 d) FO

Aktenzeichen: 00051-15/16-VSG
Sitzung vom: 16.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

 

Wiederaufnahmeantrag TSV X bzgl. Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 08.12.2015

Urteil:

I. Der Antrag auf Wiederaufnahme des mit Urteil des BSG vom 08.12.2015 rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens des TSV X wird verworfen.

II. Der TSV X trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Wiederaufnahmegebühr in Höhe von € 152,25.

Gründe:

1. Beim Kreisklassespiel TSV X gegen FSV Y II am 15.11.2015 pfiff der SR in der 16. Minute einen Strafstoß gegen den TSV X. Unmittelbar hiernach lief der Spieler N. N. vom TSV X zum SR und stieß diesen mit beiden flachen Händen gegen die Brust. Der SR verwies den Spieler N. hierfür des Feldes.

Das KSG verurteilte unter Berücksichtigung der Stellungnahme des TSV X N. N. mit Urteil vom 24.11.2015 nach § 68 RVO ab 16.11.2015 wegen unsportlichen Verhaltens zu einer Sperrstrafe von 8 Verbandsspielen und den Kosten des Verfahrens unter Mithaftung des TSV X.

Hiergegen legte der TSV X am 01.12.2015 Berufung ein und begründete diese unter anderem damit, dass der SR weder beleidigt noch bedroht wurde, sondern der Spieler lediglich stark gestikulierte und es hierbei zu einer Berührung kam, die aber keineswegs ein Schubsen oder Stoßen gewesen sei. Zudem sei der Strafstoß eine Fehlentscheidung des SR gewesen. Das BSG wies die Berufung am 08.12.2015 zurück. Das Urteil wurde mittels ZIMBRA-Postfach am 08.12.2015 dem TSV X zugestellt.

Am 15.01.2016 beantragte der TSV X über das ZIMBRA-Postfach beim Verbands-Sportgericht die Wiederaufnahme des Verfahrens unter anderem mit der Begründung, dass sie am 28.12.2015 davon Kenntnis erlangten, dass bei dem Spiel 1. FC Z gegen SC A sich ein ähnliches Vorkommnis ereignete, bei welchem am 10.11.2015 ein "vollkommen anderes Urteil" gefällt wurde. Hier wäre für ein deutlich schwereres Vergehen eine geringere Strafe verhängt worden, was ein Beweis dafür darstellen würde, dass das Urteil gegen den Spieler N. zu hart gewesen ist. Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb einmal nach Spielen und einmal nach Zeit gesperrt werden würde.

2. Der Antrag ist zulässig und wurde form- und fristgerecht gestellt. Das VSG ist gemäß § 20 Abs. 1 h) RVO zuständig.

3. Der Antrag ist jedoch unbegründet und daher zu verwerfen. Gemäß § 46 Abs. 1 RVO ist die Wiederaufnahme eines durch rechtskräftiges Urteil abgeschlossenen Verfahrens zulässig, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht werden, die zu einer wesentlich anderen Entscheidung geführt hätten, wenn sie zum Zeitpunkt der Urteilsfällung dem erkennenden Gericht bekannt gewesen wären.
Der Antragsteller hat als neu seine Kenntnis des Urteils vom 10.11.2015 in einem völlig anderen Verfahren vorgetragen. In § 46 Abs. 2 RVO wird klar geregelt, dass Tatsachen- und Beweismittel nur dann als neu gelten, wenn sie nachweislich ohne Verschulden des Antragstellers vor Rechtskraft des Urteils ihm nicht bekannt geworden sind oder nicht rechtzeitig vorgebracht werden konnten. Es kann allerdings dahinstehen, ob und warum der Antragsteller erst am 28.12.2015 von dem Urteil vom 10.11.2015 gegen den SC A Kenntnis erlangt haben will, denn der Inhalt dieses Urteils ist weder eine Tatsache im hiesigen Verfahren des Spielers N, noch als Beweismittel geeignet. Tatsachen sind sinnlich wahrnehmbare Vorgänge oder Zustände aus Gegenwart oder Vergangenheit; Beweismittel sind beispielsweise Zeugen, Sachverständigengutachten oder Urkunden.
Denknotwendig ist für ein Wiederaufnahmeverfahren erforderlich, dass diese neuen Tatsachen oder Beweismittel in direktem Zusammenhang mit dem streitigen Verfahren stehen. Ein Urteil eines Gerichts bezüglich eines völlig anderen Lebenssachverhalts kann niemals zur Wiederaufnahme eines Urteils in einem völlig anderen Verfahren führen, wenn diese beiden Urteile ohne jeglichen Bezug zueinander stehen, wie im vorliegenden Fall, in dem es um zwei unterschiedliche Spiele geht.

Ungeachtet dessen ist auch keine Ungleichbehandlung in dem erwähnten Urteil vom 10.11.2015 zu erkennen, denn der dort fehlbare Spieler wurde nicht mit einer roten Karte wie der Spieler N., sondern mit einer gelb-roten Karte belegt. Grundsätzlich geht mit einer roten Karte eine automatische Sperre einher bis eine Entscheidung des Sportgerichts über die Dauer der Sperre getroffen wird. Dagegen ist mit einer gelb-roten Karte keine automatische Sperre verbunden, so dass gegebenenfalls eine Zeitstrafe auszusprechen ist. Weshalb dies in dem Urteil vom 10.11.2015 nicht erfolgt ist, lässt sich aus den vorgelegten unvollständigen Unterlagen nicht ergründen. Letztlich erfolgte in dem angeführten Urteil vom 10.11.2015 nach Beweisaufnahme durch eine mündliche Verhandlung eine Sperre bis 03.02.2016, also mithin für eine Dauer von fast drei Monaten und zwar für alle Wettbewerbe. Die Bestrafung nach Spieltagen bzw. Zeit ist in § 51 Abs. 3 und Abs. 5 RVO klar geregelt. Somit konnte im hiesigen Verfahren der Spieler N. gemäß § 51 Abs. 5 RVO mit einer Sperre für eine bestimmte Anzahl von Spielen des jeweiligen Wettbewerbs belegt werden, allerdings gilt diese nur für den Wettbewerb in welchem er die Tat begangen hatte.

4. Die Kostenfolge ergibt sich aus §§ 32, 33 RVO, § 11 I. Nrn. 11 und 13 d) FO.

Aktenzeichen: 00050-15/16-VSG
Sitzung vom: 02.02.2016
Besetzung: Riedmeyer, Lieb, Krause

Revision des TSV X gegen das Urteil des Bezirks-Sportgerichts vom 19.12.2015

Urteil:

I. Die Revision des TSV X gegen das Urteil des BSG vom 19.12.2015 wird zurückgewiesen.

II. Der TSV X trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von € 60,90 und die Revisionsgebühr in Höhe von € 152,25.

Gründe:

1.
Beim A-Junioren Bezirksoberliga-Spiel TSV X gegen 1. SC Y am 31.10.2015 sprach der amtierende Schiedsrichter gegen den Spieler des Revisionsführers, N. N., in der 70. Spielminute beim Stande von 2:0 für den SC Y einen Feldverweis auf Dauer aus, weil der Spieler als Spielführer die Frage des Schiedsrichters nach dem Namen des Co-Trainers, der sich in der technischen Zone befand, mit "Nö" beantwortete. Mit Schreiben vom 01.11.2015 legte der Revisionsführer Einspruch gegen die Spielwertung ein. Er machte einen Regelverstoß des Schiedsrichters geltend, der Einfluss auf das Spielergebnis gehabt haben soll. Die Antwort des Spielers hätte nur mit einer gelben Karte bestraft werden dürfen. Das JSG wies den Einspruch mit Urteil vom 01.12.2015 zurück. Gegen das am selben Tag zugestellte Urteil legte der Revisionsführer per Postfach-System ZIMBRA am 07.12.2015 Berufung ein. Das BSG wies die Berufung mit Urteil vom 19.12.2015 zurück. Gegen das am selben Tag zugestellte Urteil legte der Revisionsführer am 25.12.2015 per Postfach-System ZIMBRA Revision ein. Es wurde gerügt, dass das BSG den Begriff des Regelverstoßes unzutreffend ausgelegt habe.

2.
Das Verbands-Sportgericht ist gemäß § 20 Abs. 1 f) RVO zuständig.

Die fristgerecht eingelegte Revision ist zulässig.

3.
Die Revision ist jedoch unbegründet.

Der Schiedsrichter hat aufgrund der Antwort des Spielers N. einen Feldverweis auf Dauer ausgesprochen. Gemäß Regel Nr. 5 der Allgemeinen Fußballregeln hat der Schiedsrichter disziplinarische Maßnahmen gegen Spieler zu ergreifen, die ein verwarnungs- oder feldverweiswürdiges Vergehen begangen haben. Dies muss nicht sofort geschehen,
spätestens aber dann, wenn der Ball das nächste Mal aus dem Spiel ist,

Regel 12 legt fest, wann der Schiedsrichter einen Feldverweis aussprechen kann:

Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler erhält die Rote Karte
und wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht:

. grobes Foulspiel,
. Tätlichkeit,
. Anspucken eines Gegners oder einer anderen Person,
. Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners
durch absichtliches Handspiel (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum),
. Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden
Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist,
. anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden,
. zweite Verwarnung im selben Spiel.

Die Bewertung einer Äußerung als beleidigend oder schmähend, ist eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Die Anweisungen im Rahmen der Lehrtätigkeit der SR-Organe sollen zwar eine möglichst gleichlautende Auslegung ermöglichen, sie stellen aber keine Regel dar und können daher das grundsätzliche Recht des Schiedsrichters zur Bewertung der konkreten Handlung nicht einschränken. Erst wenn die Einordnung als beleidigend oder schmähend überhaupt nicht mehr möglich wäre, würde somit ein Verstoß gegen die Regel vorliegen. Dies ist aber bei einer Disziplinlosigkeit wie der vorliegenden nicht der Fall. Die Ablehnung, dem Schiedsrichter die Auskunft zu erteilen, auf die dieser einen Anspruch hat, kann durchaus auch als Ausdruck der Geringschätzung des Schiedsrichters und des von ihm ausgeübten Amtes gewertet werden. Damit aber hat d