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Gertrud Gebhard: Pionierin im Fußball

Letzte Aktualisierung: 13. September 2017

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Gertrud Gebhard (4.v.l.) bei der Verleihung des Verbandsehrenzeichens in Gold.

Ganz Deutschland spricht über Bibiana Steinhaus - die erste Frau in der Bundesliga. Doch so ganz richtig ist das nicht. Klar, Steinhaus ist die erste Frau, die ein Spiel als Schiedsrichterin leiten durfte, doch es gibt eine Frau, die ihr in einem Punkt um Jahre voraus ist. Und diese Frau kommt aus Bayern: Gertrud Gebhard schaffte schon 1995 als Linienrichterin den Sprung in die Bundesliga. Unter ihrem Mädchennamen Regus stand sie im Schiedsrichtergespann um Dr. Helmut Fleischer in der Partie zwischen Schalke 04 und dem 1. FC Kaiserslautern an der Seitenlinie.

Gertrud Gebhard war eine Pionierin für alle Schiedsrichterinnen, dennoch dauerte es über 20 Jahre bis es wieder eine Frau in die höchste deutsche Spielklasse schaffte. Gebhards Weg war mühsam, er war steinig und er war wohl noch härter als für Bibiana Steinhaus. Auf jeden Fall war er schwieriger als für ihre männlichen Kollegen. "1000-mal schwieriger sogar!", betont Günther Reitzner Kreisschiedsrichterobmann der Gruppe Bamberg/Bayreuth/Kulmbach/Steigerwald, in der auch Gertrud Gebhard aktiv war und inzwischen wieder ist. "Es gab einfach keine Frauen im Fußball", erinnert er sich. Gebhard musste üble Beschimpfungen aushalten, die weit über die immer wieder zu hörenden Schiedsrichteranfeindungen hinausgingen. Zudem musste sie sich all dem Gegenwind stellen, der ihr auch von offizieller Seite entgegen schlug. Doch Gebhard ließ sich nicht beirren. Sie ging weiter ihren Weg und stieg von Liga zu Liga auf, bis sie schließlich 1992 als erste Frau in der Bayernliga pfeifen durfte - damals immerhin die dritthöchste deutsche Spielklasse. Gebhard blieb weiter dran und fand in dem damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger einen mächtigen Förderer. Neuberger ermöglichte ihr als erste Schiedsrichterin die Leitung eines Frauen-Länderspiels (Deutschland - Schweiz, 1991). Es folgten Einsätze als Schiedsrichterin bei der 1. Frauen-WM, als erste Schiedsrichterin im DFB-Pokal-Finale der Frauen und der Aufstieg in die 2. Liga. Respekt verschaffte sie sich vor allem durch ihr konsequentes Auftreten ohne Scheu vor unpopulären Entscheidungen. Mit ihrem unbändigen Willen schaffte sie es letztendlich auf die ganz große Bühne. Am 13. Oktober 1995 stand sie bei der Partie des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Kaiserslautern als Assistentin von Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer an der Seitenlinie. Ein weiteres Mal kam sie am 19. März 1996 zum Einsatz: beim Spiel Bayer 04 Leverkusen gegen Hansa Rostock. Dann war wieder Schluss. Nach internen Querelen wurde Gebhard von der Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichterliste gestrichen. Enttäuscht zog sie sich aus dem Schiedsrichterwesen zurück. Sie hatte die Lust verloren. Inzwischen pfeift sie wieder im unterklassigen Bereich. Ihre Passion ist einfach zu groß. Als Anerkennung für ihre 30-jährige Tätigkeit als Schiedsrichterin zeichnete der Bayerische Fußball-Verband die gebürtige Hallstädterin mit dem goldenen Verbandsehrenzeichen aus.

Nun gibt es also eine neue Frau in der Bundesliga. Bibiana Steinhaus hat den Sprung nach ganz oben geschafft und pfiff am Sonntag in Berlin ihr erstes Spiel in Deutschlands Elite-Liga. Schiedsrichterobmann Reitzner freut sich darüber: "Das ist prima! Der DFB hat gemerkt, dass sie es verdient hat, ganz oben zu pfeifen". Dass es demnächst noch mehr Schiedsrichterinnen in den obersten Spielklassen gibt bezweifelt er jedoch: "Da fehlt es momentan noch an entsprechenden Kandidatinnen". Doch die Steine, die Frauen auf der Reise in die Bundesliga im Weg liegen, seien längst nicht mehr so groß wie früher. Ob Gertrud Gerhard heute in der Bundesliga pfeifen würde, kann Reitzner nicht beantworten, die Zeiten haben sich zu sehr geändert. Eines stellt er in Bezug auf Deutschlands erste Frau im Profifußball jedoch klar: "Ich ziehe den Hut vor Gertrud und ihrer Leistung! Ich ziehe ihn ganz tief!"


 
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